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Leyla, ein junges Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, beginnt einen Nebenjob in einer kleinen Bäckerei und bald wird ihr Alltag von unheimlichen, übernatürlichen Ereignissen überschattet. In wiederkehrenden, albtraumhaften Visionen erscheint eine mysteriöse Tür, hinter der ein dunkler Jäger lauert, der eng mit Leylas schmerzhaften Erinnerungen und einem längst verlorenen Freund verbunden ist. Als die Grenze zwischen Traum und Realität zunehmend verschwimmt, muss Leyla sich ihrer Vergangenheit stellen und einen Weg finden, die bedrohlichen Schatten zu bekämpfen, bevor sie selbst in die Dunkelheit gezogen wird.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
„Leyla, du bist jetzt 16 und hast deine Schule erfolgreich beendet. Es wird Zeit, dass du endlich mal einen Job findest!“
Die Worte meiner Mutter hallten in meinem Kopf wider. Ich hatte diese Diskussion schon so oft geführt, dass ich sie im Schlaf nachsprechen konnte. Immer wieder dieselbe Leier – meine Eltern wollten, dass ich Verantwortung übernahm, mich an Miete und Einkäufen beteiligte und nicht mehr nur von meinem Taschengeld lebte.
Aber ich hatte ganz andere Dinge im Kopf. Ich wollte endlich mein eigenes Leben aufbauen, mich entfalten, die Welt entdecken. Arbeiten? Jetzt schon? Es fühlte sich an, als würde man mir die letzten freien Jahre entreißen. Aber wenn ich ehrlich war, brauchte ich das Geld – für meinen Führerschein, vielleicht für meine eigene Wohnung irgendwann. Trotzdem konnte ich den Gedanken nicht ertragen, mich jetzt in einen Job zu stürzen, nur weil meine Eltern es verlangten.
Genervt sprang ich vom Tisch auf, zog meine Jacke vom Haken und stapfte zur Tür.
„Ich geh raus“, sagte ich kurz angebunden.
„Leyla, wir reden noch nicht—“ begann mein Vater, doch in dem Moment ließ ich die Tür lautstark ins Schloss fallen.
Ich blinzelte verschlafen in das schummerige Licht meines Zimmers. Die Sonnenstrahlen schienen durch die halb geschlossenen Vorhänge und tauchten den Raum in ein sanftes Orange. Ich streckte mich und drehte mich auf die Seite, mein blondes, langes Haar fiel mir ins Gesicht. Noch eine Weile liegen bleiben? Oder aufstehen?
Ich starrte an die Decke. Die Schule war vorbei. Kein Unterricht mehr, keine Hausaufgaben – stattdessen musste ich jetzt arbeiten gehen. Der Gedanke nervte mich.
Mit einem tiefen Seufzen stand ich schließlich auf, schlurfte zum Kleiderschrank und zog mir eine dunkle Jeans und ein schlichtes, weißes Top heraus. Vor dem Spiegel betrachtete ich mich: blaue Augen, sommersprossige Haut, 1,60 m groß. Ich nahm meinen Concealer, tupfte ihn vorsichtig auf ein paar Unreinheiten und trug Mascara auf meine Wimpern auf. Ein wenig Farbe auf den Wangen ließ mich wacher aussehen.
„Vielleicht sieht mich ja heute mein zukünftiger Chef?“, dachte ich mit einem ironischen Lächeln.
Nach einer schnellen Dusche zog ich mich an und ging nach unten in die Küche, wo meine Eltern bereits frühstückten.
„Hast du dir schon Gedanken gemacht, wo du arbeiten willst?“ fragte meine Mutter, während sie sich einen Löffel Joghurt in den Mund schob.
Ich verdrehte die Augen. „Guten Morgen, übrigens auch.“
„Leyla“, mischte sich mein Vater ein, „du weißt, dass wir es nicht böse meinen, aber es wird Zeit. Du musst lernen, mit Geld umzugehen. Ich zum Beispiel schreibe Bücher, dass bedeutet ich bin Autor und nebenbei habe ich auch noch einen Nebenjob im Lager. “
„Ich weiß, ich weiß“, murmelte ich und starrte auf mein Brötchen.
„Wenn du dir das mit der Miete und den Einkäufen jetzt schon angewöhnst, wird es dir später leichter fallen“, fuhr meine Mutter fort.
Ich biss mir auf die Lippe. Ich wusste, dass meine Eltern Recht hatten, aber die ständige Erinnerung nervte mich.
„Ich regle das schon“, sagte ich schließlich, stand abrupt auf, griff nach meiner Jacke und ging zur Tür.
„Wo willst du hin?“ rief mein Vater.
„Keine Ahnung. Einfach raus.“
Dann zog ich die Tür hinter mir zu – laut genug, dass meine Eltern wussten, wie genervt ich war.
Die Straßen der Großstadt waren wie immer belebt. Autos rauschten vorbei, Menschen hasteten zur Arbeit, Taxen hupten ungeduldig. Ich schlenderte durch die Straßen und ließ den Blick schweifen.
Plötzlich fiel mir ein Schild ins Auge:
„Aushilfe gesucht!“
Es hing im Fenster einer kleinen Bäckerei.
„Warum eigentlich nicht?“ dachte ich und trat ein.
Die Luft roch nach frischem Brot und Kaffee. Hinter der Theke stand eine Frau Mitte 30 mit freundlichem Gesicht.
„Guten Tag, ich habe das Schild im Fenster gesehen“, begann ich selbstbewusst. „Ich suche gerade einen Job und könnte mir vorstellen, hier zu arbeiten.“
Die Verkäuferin musterte mich kurz und lächelte dann. „Das klingt gut. Ich werde das an meine Chefin weitergeben. Sie macht immer erst ein Vorstellungsgespräch und dann ein Probetag. Wärst du dafür bereit?“
Ich nickte. „Klar.“
„Super. Schreib mir deine Nummer auf, dann gebe ich sie weiter.“
Ich schrieb hastig meine Nummer auf einen Zettel. Danach kaufte ich mir noch ein Croissant mit meinem Taschengeld.
Als ich aus der Bäckerei trat, fühlte ich mich besser. Vielleicht war das meine Chance.
Mein Handy vibrierte. Eine Nachricht von meiner Freundin Sophie.
Sophie: Hey, triffst du dich noch mit mir?
Ich: Ja, klar. Wo bist du?
Sophie: Stadtpark. Aber ein Stück weiter draußen. Kommst du mit der Bahn?
Ich: Ja, bin unterwegs. War gerade beim Bäcker, die suchen vielleicht eine Aushilfe.
Sophie: Oha, ernsthaft? Meine Eltern nerven mich auch damit, aber ich ignorier’s einfach.
Ich: Vielleicht sollte ich das auch tun… oder endlich was aus mir machen.
Sophie: Haha, du bist echt süß. Komm schnell, ich warte schon.
Ich grinste und steckte mein Handy weg.
Am Bahnhof angekommen, wartete ich auf die Bahn, als plötzlich eine alte Dame laut aufschrie.
„Hilfe! Meine Tasche!“
Ich drehte mich um und sah, wie ein ungepflegter Mann – vermutlich ein Junkie – mit der Handtasche der Dame davonrannte. Niemand tat etwas.
Ich schaute wieder auf mein Handy. Nicht mein Problem.
Ich hatte keine Zeit, hier als Zeugin zu bleiben. Außerdem konnte ich sowieso nichts tun.
Die Bahn fuhr ein. Ich stieg ein und ließ den Vorfall hinter mir.
Nach ein paar Stationen und zehn Minuten Fußweg kam ich im Stadtpark an. Von Weitem erkannte ich Sophie, die mir mit einer Zigarette in der Hand zuwinkte.
„Da bist du ja! Und? Wie war’s?“
Ich setzte mich neben sie auf die Bank und seufzte. „Meine Eltern erwarten, dass ich mir endlich einen Job suche. Ich war heute beim Bäcker. Vielleicht nehmen die mich.“
Sophie lachte und nahm einen Zug von ihrer Zigarette. „Meine Eltern sagen dasselbe. Aber ich ignoriere das einfach.“
Ich schaute nachdenklich auf den Boden. Sollte ich es auch einfach ignorieren? Oder sollte ich mir wirklich Mühe geben, damit meine Eltern stolz auf mich waren?
Während ich darüber nachdachte, trat ein junger Mann – vielleicht 25 – auf uns zu.
„Hey Mädels, Lust auf was Gutes?“ Er hielt kleine Päckchen in der Hand.
„Nein, danke“, sagte ich scharf und zog Sophie mit mir weg.
Sophie kicherte. „Hast du jemals was genommen?“
Ich schüttelte den Kopf. „Ist wohl auch besser so.“
Die Bahnfahrt nach Hause zog sich wie Kaugummi. Ich lehnte meinen Kopf an die kalte Fensterscheibe und beobachtete die vorbeiziehenden Lichter der Stadt. Meine Gedanken kreisten um den Tag – um das Jobangebot, um das Treffen mit Sophie, um den Typen im Park. Es war seltsam, wie sich plötzlich alles so real anfühlte. Keine Schule mehr. Keine Lehrer, die einem sagten, was zu tun war. Kein Stundenplan, der mein Leben bestimmte. Jetzt lag alles an mir.
Als ich schließlich durch die Haustür trat, roch ich es sofort – Hackbraten mit Gemüse und brauner Soße. Meine Eltern saßen bereits am Tisch, mein Vater tippte auf sein Handy, meine Mutter schenkte mir einen kurzen Blick, bevor sie sich wieder auf ihr Essen konzentrierte.
„Da bist du ja“, sagte sie, als ich mich auf meinen Platz setzte. „Wie war dein Tag?“
Ich zuckte mit den Schultern und nahm mir eine Portion. „Ganz okay. Ich war beim Bäcker. Die suchen eine Aushilfe.“
Mein Vater sah von seinem Handy auf. „Und? Hast du dich beworben?“
„Ich hab meine Nummer da gelassen. Sie melden sich vielleicht für ein Vorstellungsgespräch.“
Meine Mutter nickte anerkennend. „Das ist gut. Es wird Zeit, dass du mal eigene Erfahrungen machst.“
Ich kaute langsam auf meinem Hackbraten herum. „Mhm.“
Das Gespräch verlief danach eher ruhig. Mein Vater erzählte von einem Kollegen, der Mist gebaut hatte, meine Mutter sprach über irgendeine Bekannte, die ein neues Café eröffnen wollte. Ich hörte zu, aber meine Gedanken waren schon ganz woanders.
Nachdem ich mein Geschirr in die Spülmaschine gestellt hatte, zog ich mich in mein Zimmer zurück. Die Tür fiel leise ins Schloss, und ich atmete tief durch. Endlich Ruhe.
Ich stellte mich vor den Spiegel und rieb mir mit einem Abschminktuch über das Gesicht. Die Mascara verschmierte leicht, aber nach ein paar weiteren Wischern war meine Haut wieder sauber. Mein Schlafanzug – eine bequeme Shorts und ein übergroßes T-Shirt – lag schon auf dem Bett bereit. Ich zog mich um, schnappte mir meine Zahnbürste und verschwand ins Badezimmer, um mir die Zähne zu putzen.
Wieder in meinem Zimmer ließ ich mich auf mein Bett fallen und öffnete meinen Laptop. Eine Serie lief im Hintergrund, doch ich achtete kaum darauf. Stattdessen starrte ich auf den Bildschirm, ohne wirklich etwas wahrzunehmen.
Mein Kopf war voller Gedanken.
War es das jetzt? Der nächste Schritt ins Erwachsenenleben? Arbeiten gehen, Geld verdienen, Rechnungen zahlen? War das der richtige Weg?
Ich dachte an Sophie. Sie schien sich keine Sorgen zu machen. Sie ignorierte einfach alles und lebte ihr Leben, als hätte sie noch ewig Zeit. Ich konnte das nicht. Irgendetwas in mir sagte mir, dass ich mehr wollte. Dass ich beweisen musste, dass ich es schaffen konnte.
Vielleicht war es an der Zeit, mein Leben wirklich in die Hand zu nehmen.
Ich seufzte, klappte den Laptop zu und legte mich auf die Seite. Meine Augen wurden schwer, und ehe ich es merkte, fiel ich in einen tiefen Schlaf.
Ich wurde durch das vibrierende Geräusch meines Handys geweckt. Noch halb im Schlaf tastete ich nach dem Gerät und blinzelte auf das Display. Unbekannte Nummer.
Ein paar Sekunden lang überlegte ich, ob ich rangehen sollte. Es war noch früh, und ich hatte keine Lust, mich mit irgendwem zu unterhalten. Aber dann fiel es mir ein. Es könnte die Bäckerei sein! Vielleicht war das die Chefin?
Schlagartig wachte ich auf und nahm das Gespräch an.
„Hallo?“ murmelte ich, noch mit müder Stimme.
„Guten Morgen, ist das Leyla?“ Die Stimme war freundlich, aber bestimmt.
„Ja, genau.“
„Hier ist Frau Reinhardt, die Besitzerin der Bäckerei. Ich habe Ihre Nummer von meiner Mitarbeiterin bekommen. Haben Sie heute Zeit für ein kurzes Vorstellungsgespräch?“
Mein Herz schlug ein wenig schneller. Das ging schneller als gedacht.
„Äh… ja, klar. Wann genau?“
„Könnten Sie gegen 14 Uhr vorbeikommen?“
Ich nickte, bevor mir auffiel, dass sie das am Telefon natürlich nicht sehen konnte. „Ja, das passt.“
„Super. Dann sehen wir uns später.“
Das Gespräch endete, und ich starrte für einen Moment auf mein Handy. War das gerade wirklich passiert? Ich hatte noch nie ein Vorstellungsgespräch gehabt. Was sollte ich anziehen? Was sollte ich sagen? Was, wenn ich mich blamierte?
Ich schüttelte den Kopf. Nicht nachdenken. Einfach machen.
Ich warf die Bettdecke zurück und schlurfte ins Badezimmer. Eine kalte Dusche weckte meine Lebensgeister, und nachdem ich mich abgetrocknet hatte, stand ich wieder vor meinem Kleiderschrank. Was zog man zu einem Vorstellungsgespräch in einer Bäckerei an? Ein schickes Kleid wäre übertrieben, aber zu lässig wollte ich auch nicht wirken.
Nach einigem Hin und Her entschied ich mich für eine dunkle Jeans und ein hellblaues, enganliegendes Shirt. Schlicht, aber ordentlich. Meine Haare ließ ich offen, band mir aber vorsichtshalber ein Haargummi ums Handgelenk. Falls ich eine Chance bekam, müsste ich meine Haare ohnehin zurückbinden.
Ein letzter Blick in den Spiegel. Du schaffst das.
Trotz meiner inneren Motivation nagte eine kleine Stimme in meinem Kopf an mir. Was, wenn du das nicht kannst? Was, wenn du dich wieder ungeschickt anstellst und blamierst?
Ich schob den Gedanken zur Seite und konzentrierte mich auf das Positive: Ich würde es wenigstens versuchen.
Als ich in die Küche kam, saßen meine Eltern bereits am Tisch. Der Duft von frischem Kaffee lag in der Luft, und meine Mutter schmierte sich gerade ein Brötchen. Mein Vater blätterte in der Zeitung, doch als er mich sah, legte er sie beiseite.
„Morgen“, murmelte ich und nahm mir ein Glas Orangensaft.
„Morgen“, erwiderte meine Mutter mit einem prüfenden Blick. „Du bist ja heute früh auf den Beinen.“
Ich setzte mich an den Tisch und griff nach einem Brötchen. „Die Bäckerei hat sich gemeldet. Ich habe heute um 14 Uhr ein Vorstellungsgespräch.“
Mein Vater hob überrascht die Augenbrauen. „Das ging aber schnell. Hast du dich darauf vorbereitet?“
„Ich hab mir zumindest Gedanken gemacht, was ich anziehe“, sagte ich mit einem schiefen Lächeln und biss in das Brötchen.
Meine Mutter nickte zufrieden. „Das ist doch ein guter Anfang. Und falls du den Job bekommst, wäre das eine großartige Gelegenheit, ein bisschen Erfahrung zu sammeln.“
Ich seufzte leise. Natürlich freuten sich meine Eltern. Das hieß aber auch, dass ich jetzt wirklich liefern musste.
„Mach dir nicht so einen Druck“, meinte mein Vater, als hätte er meine Gedanken gelesen. „Sei einfach du selbst.“
Ich trank meinen Orangensaft aus und stand auf. „Ich geh dann mal noch ein bisschen raus, bevor es losgeht.“
Meine Mutter nickte. „Viel Glück, Schatz.“
„Danke“, murmelte ich und zog mir meine Jacke über.
Ich wusste, dass der Tag heute wichtig für mich werden könnte. Vielleicht war es der erste Schritt in ein selbstständiges Leben.
Die Bäckerei war um die Mittagszeit gut besucht. Der Duft von frischem Brot und süßen Teilchen hing in der Luft, und hinter der Theke standen zwei Verkäuferinnen, die sich um die Kunden kümmerten.
Ich trat an die Kasse, und eine der Frauen – diejenige, mit der ich gestern gesprochen hatte – erkannte mich sofort.
„Ah, du bist Leyla, oder? Frau Reinhardt ist gerade im Büro, ich sag ihr Bescheid.“
Ich nickte nervös und wartete. Nach einer Minute kam eine schlanke, energisch wirkende Frau auf mich zu. Ihr dunkles Haar war zu einem ordentlichen Dutt gebunden, und ihr Blick war aufmerksam, aber nicht unfreundlich.
„Leyla? Schön, Sie kennenzulernen. Kommen Sie mit ins Büro.“
Ich folgte ihr durch eine kleine Tür hinter der Theke in einen schlichten, aber ordentlichen Raum mit einem Schreibtisch, einem Regal und zwei Stühlen.
„Setzen Sie sich doch.“
Ich nahm Platz und verschränkte unbewusst die Hände auf meinem Schoß.
„Also, erzählen Sie mir ein bisschen von sich. Warum möchten Sie hier arbeiten?“
Ich schluckte kurz, dann zwang ich mich zu einer Antwort. „Ich habe gerade die Schule abgeschlossen und suche einen Job, um meine Eltern finanziell zu unterstützen. Außerdem will ich unabhängiger werden.“
Frau Reinhardt nickte. „Das ist eine gute Einstellung. Da sie gerade erst die Schule abgeschlossen haben, haben Sie bestimmt keine Erfahrung bezüglich einer Bäckerei oder im Verkauf?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich bin lernfähig und arbeite gerne mit Menschen.“
Ein kurzes Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Das ist mir wichtiger als Erfahrung. Sie würden also nichts dagegen haben, mit Kunden zu arbeiten, auch wenn mal Stress aufkommt?“
Ich zögerte kurz, dann schüttelte ich den Kopf. „Nein, ich denke, damit komme ich klar.“
Sie musterte mich nachdenklich, dann nickte sie. „Gut. Dann würde ich vorschlagen, dass Sie morgen einen Probetag machen. Wenn das gut läuft, können wir über eine feste Aushilfsstelle sprechen.“
Mein Herz machte einen kleinen Sprung. „Echt? Das wäre super!“
„Gut, dann sehen wir uns Morgen um Sechs Uhr früh.“
Ich blinzelte. „Sechs… Uhr?“
Sie grinste leicht. „Ja. Die Bäckerei öffnet um sechs für die Mitarbeiter, da gibt es eine Menge zu tun, bevor sie um halb sieben offiziell für die Kunden geöffnet wird. Kein Problem für Sie, oder?“
Ich zwang mir ein Lächeln auf. „Nein, natürlich nicht.“
In Wahrheit hatte ich keine Ahnung, wie ich so früh aufstehen sollte. Aber das würde ich morgen herausfinden.
Nach dem Gespräch verließ ich die Bäckerei mit einem guten Gefühl – zumindest für den Moment. Ich hatte die erste Hürde genommen, und wenn morgen alles gut lief, hatte ich bald einen Job.
Während ich durch die Straßen schlenderte, wurde mir etwas anderes bewusst. Die Menschen um mich herum wirkten… eigenartig.
Einige waren gestresst, hasteten an mir vorbei, als hätten sie nicht mal Zeit zum Atmen. Andere bewegten sich langsam, als wäre jede Bewegung eine Qual. Ihre Gesichter waren leer, fast ausdruckslos.
Mir war das noch nie so aufgefallen.
Ich fragte mich, ob das einfach normal war. War das die Realität des Erwachsenseins? Arbeit, Stress, Rechnungen… und dann irgendwann dieser leere Blick?
Würde ich auch irgendwann so werden?
Mein Handy vibrierte in meiner Tasche und riss mich aus meinen Gedanken. Eine Nachricht von Sophie.
Sophie: Und? Wie lief’s?
Ich: Hab morgen ein Probetag.
Sophie: Oha, krass! Also wirst du bald ne fleißige Arbeitsbiene?
Ich: Sieht so aus.
Sophie: Respekt. Ich hätte keinen Bock auf so was.
Ich: Ich eigentlich auch nicht. Aber ich brauch das Geld.
Sophie: Tja, willkommen im Leben. Lass uns gleich treffen? Ich brauch frische Luft.
Ich: Okay. Wo?
Sophie: Park. Wie gestern.
Ich: Bin unterwegs.
Ich machte mich auf den Weg zum Park. Als ich ankam, stand Sophie schon da – diesmal ohne Zigarette, aber mit demselben entspannten Ausdruck wie immer.
„Na, wie fühlt es sich an, erwachsen zu werden?“ fragte sie grinsend.
Ich seufzte. „Weiß nicht. Irgendwie komisch. Als würde ich langsam in diese graue Welt da draußen reinrutschen.“
Sie nickte, sah sich um und schnaubte. „Kein Wunder. Die meisten Leute sehen aus, als hätten sie schon längst aufgegeben.“
Ich zuckte mit den Schultern und ließ meinen Blick über den Park schweifen. Die Sonne war schon fast untergegangen, warf lange Schatten über die Wege. Ein Mann mit einem
zerknitterten Mantel saß auf einer Bank und starrte auf den Boden, während eine Frau mit hastigen Schritten an uns vorbeiging, das Gesicht in ihr Telefon vergraben.
„Vielleicht haben sie ja auch einfach nur andere Sorgen“, murmelte ich.
Sophie schnaubte erneut. „Vielleicht. Oder sie haben einfach vergessen, wie es ist, wirklich zu leben.“ Sie drehte sich zu mir, ihre dunklen Augen funkelten. „Und? Hast du Angst davor?“
„Wovor?“
„Davor, so zu werden wie sie.“
Ich zögerte. Die Frage hatte sich in meinem Kopf schon oft aufgedrängt, besonders in den letzten Wochen. Der Druck, erwachsen zu werden, Verantwortung zu übernehmen, einen Plan für die Zukunft zu haben – all das fühlte sich an wie eine langsam zuziehende Schlinge.
„Manchmal“ gab ich schließlich zu. „Aber vielleicht kann man ja trotzdem irgendwie… anders sein. Nicht komplett abstumpfen.“
Sophie lächelte schief. „Das hoffe ich für dich.“
Für einen Moment standen wir nur da, hörten das entfernte Rauschen der Autos und das Zwitschern der Vögel. Dann durchbrach sie die Stille.
„Komm mit.“
„Wohin?“
„Lass dich überraschen.“
Ohne eine weitere Erklärung setzte sie sich in Bewegung, mit schnellen, entschlossenen Schritten. Ich zögerte kurz, dann folgte ich ihr.
Irgendetwas sagte mir, dass dieser Abend nicht so verlaufen würde, wie ich es erwartet hatte.
Ich folgte Sophie durch den Park, mein Herz schlug schneller, ohne dass ich genau wusste, warum. Etwas an ihrer Art, die plötzliche Entschlossenheit, das Funkeln in ihren Augen ließ mich ahnen, dass sie wieder irgendeine verrückte Idee hatte.
„Kannst du mir wenigstens einen Hinweis geben?“ fragte ich, während wir zwischen den Bäumen hindurchgingen.
„Geduld, Leyla“, sagte sie grinsend. „Manche Dinge erlebt man besser, ohne vorher alles zu wissen.“
Ich verdrehte die Augen, aber irgendwie gefiel mir ihre geheimnisvolle Art.
Nach ein paar Minuten standen wir vor einer alten Brücke, die über einen schmalen Fluss führte. Hier war es dunkler, die Laternen warfen nur schwaches Licht auf das Pflaster. Sophie blieb stehen, drehte sich zu mir um und musterte mich nachdenklich.
„Hast du jemals das Gefühl gehabt, dass die Welt mehr ist, als man auf den ersten Blick sieht?“ fragte sie leise.
Ich runzelte die Stirn. „Wie meinst du das?“
„Na ja…“ Sie trat näher an mich heran, ihre Stimme klang verschwörerisch. „Was, wenn es Dinge gibt, die nicht jeder wahrnimmt? Orte, an denen die Regeln anders sind?“
Ich schnaubte. „Du klingst, als würdest du mir eine Gruselgeschichte erzählen.“
Doch Sophie lachte nicht. Sie trat an das Geländer der Brücke, beugte sich leicht darüber und deutete auf das Wasser. „Schau mal genau hin.“
Zögernd trat ich neben sie und blickte nach unten. Der Fluss war ruhig, nur ein paar kleine Wellen kräuselten die Oberfläche. Doch als ich länger hinsah, bemerkte ich etwas Seltsames. Das Spiegelbild der Bäume schien sich leicht zu verzerren, als würden sie sich bewegen, obwohl der Wind keinen Laut von sich gab.
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. „Was…?“
Sophie drehte sich zu mir und grinste. „Genau das meine ich. Komm, wir gehen weiter.“
Ich wollte widersprechen, fragen, was das gerade gewesen war, aber irgendetwas hielt mich zurück. Vielleicht war es die Neugier, vielleicht war es die Art, wie Sophie mich ansah, so voller Erwartung, als würde sie wissen, dass ich es nicht lassen konnte.
Also folgte ich ihr weiter in die Nacht, ohne zu wissen, dass dieser Abend mich in eine Welt führen würde, die ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte.
Also folgte ich ihr weiter durch die dunklen Straßen, ohne zu wissen, dass wir noch eine ganze Weile ziellos umherlaufen würden, bis wir schließlich am Bahnhof ankamen und uns dort, mit einem seltsam unausgesprochenen Gefühl, verabschiedeten.
Die Bahnfahrt nach Hause zog sich. Mein Kopf lehnte gegen die kühle Fensterscheibe, während ich die vorbeiziehenden Lichter der Stadt beobachtete. Es war bereits dunkel draußen. Mein Vorstellungsgespräch war gut gelaufen, aber jetzt, wo ich zur Ruhe kam, krochen die Zweifel langsam in mir hoch.
Als die Bahn an meiner Haltestelle hielt, stieg ich aus und lief den vertrauten Weg nach Hause. Die Straßenlaternen tauchten die Umgebung in ein schwaches Licht, während vereinzelte Autos an mir vorbeifuhren. Ich wollte nur noch in mein Bett.
Dann kam ich an der Bäckerei vorbei.
Ich blieb stehen und betrachtete das kleine, schwach beleuchtete Geschäft. Am Morgen würde ich genau hier stehen, hinter der Theke, versuchen, mich nicht zu blamieren. Ein leichter Kloß bildete sich in meinem Hals.
Was, wenn ich es doch nicht schaffe?
Ich atmete tief durch. Ich hatte es heute doch auch geschafft. Das Vorstellungsgespräch lief gut, ich war nicht weggelaufen und hatte mich nicht völlig blamiert.
Ich schaffe das.
Mit diesem Gedanken drehte ich mich um und ging weiter. Schritt für Schritt in meine neue Zukunft.
Als ich die Haustür aufschloss und eintrat, wurde ich sofort von einem vertrauten Geruch empfangen – frisch gebackene Pfannenkuchen. Mein Magen knurrte leise, und ein kleines Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.
Ich zog meine Jacke aus, hängte sie an den Haken und trat in die Küche, wo meine Mutter am Herd stand und mein Vater bereits am Tisch saß.
„Da bist du ja.“ Meine Mutter warf mir einen kurzen Blick zu, während sie einen Pfannkuchen in der Pfanne wendete. „Wie war dein Tag?“
Ich zog meinen Stuhl zurück und setzte mich zu meinem Vater an den Tisch. „Eigentlich ziemlich gut. Ich hatte heute mein Vorstellungsgespräch…“
Mein Vater legte die Zeitung beiseite und sah mich interessiert an. „Und?“
Ich grinste leicht. „Ich habe morgen um sieben meinen Probetag.“
Meine Mutter drehte sich überrascht zu mir um. „Echt jetzt? Das ging schnell! Und du musst wirklich so früh hin?“
Ich seufzte gespielt dramatisch. „Ja… sieben Uhr morgens. Ich weiß auch nicht, wie ich das überleben soll.“
Mein Vater lachte. „Tja, willkommen in der Welt der Arbeit. Aber das ist doch super! Wir sind stolz auf dich.“
Meine Mutter stellte einen Teller mit dampfenden Pfannkuchen auf den Tisch und setzte sich zu uns. „Ich wusste, dass du das schaffst. Das wird eine gute Erfahrung für dich.“
Ich nahm mir einen Pfannkuchen und bestrich ihn mit Nutella. „Ja, ich hoffe es. Aber es ist echt seltsam, nicht mehr in die Schule zu gehen. Ich weiß noch nicht, ob ich das hier besser finde oder nicht.“
Mein Vater grinste. „Warte ein paar Monate, dann wünschst du dir die Schulzeit zurück.“
Ich verdrehte die Augen, aber musste zugeben, dass er vielleicht Recht hatte.
Nach dem Essen half ich dabei, den Tisch abzuräumen, und verabschiedete mich dann nach oben in mein Zimmer.
Ich zog meinen Schlafanzug an, ging ins Badezimmer, um mir die Zähne zu putzen, und schminkte mich ab. Dann setzte ich mich auf mein Bett und nahm mein Handy in die Hand, um meinen Wecker zu stellen.
5:00 Uhr.
Ich seufzte. Das war definitiv nicht meine Zeit. Aber wenn ich das hier durchziehen wollte, musste ich mich daran gewöhnen.
Ich klappte meinen Laptop auf und ließ meine Serie laufen. Eigentlich war ich müde, aber mein Kopf war noch zu voll, um einfach so schlafen zu gehen. Also ließ ich mich zurück in meine Kissen sinken und ließ mich von den Stimmen der Charaktere berieseln.
Irgendwann fielen mir die Augen zu.
Morgen würde mein erster Arbeitstag sein. Ich hatte keine Ahnung, wie es laufen würde. Aber ich wusste eines: Ich war auf dem richtigen Weg.
Das Schrillen meines Weckers riss mich aus dem Schlaf. Ich blinzelte verschlafen in das noch dunkle Zimmer und tastete blind nach meinem Handy, um den Wecker auszuschalten. 5:00 Uhr. Verdammt früh.
Einen Moment lang überlegte ich, ob ich mich noch einmal umdrehen und einfach weiterschlafen sollte. Aber dann erinnerte ich mich, heute war mein erster Arbeitstag. Mein Probetag in der Bäckerei.
Ich rieb mir die Augen, bevor ich mich mit einem tiefen Seufzen aufsetzte. Mein Körper war noch müde, aber mein Kopf war hellwach. Ich musste jetzt aufstehen.
Nachdem ich mich ins Bad geschleppt hatte, ließ ich kaltes Wasser über mein Gesicht laufen. Die Frische vertrieb meine letzten Müdigkeitsreste. Ich bürstete meine Haare, band sie zu einem hohen Pferdeschwanz und zog mir meine vorbereitete Kleidung an. Eine dunkle Jeans und ein schlichtes weißes Shirt. Praktisch, aber ordentlich.
Als ich die Treppe hinunterging, roch ich bereits den vertrauten Duft von frischem Kaffee. In der Küche saßen meine Eltern bereits am Tisch, beide sahen mich mit einem strahlenden Blick an.
„Guten Morgen, Leyla!“ begrüßte mich meine Mutter gut gelaunt. „Heute ist dein großer Tag!“
Mein Vater nickte zustimmend. „Dein erster Arbeitstag. Bist du bereit?“
Ich ließ mich auf meinen Stuhl fallen und nahm mir ein Brötchen. „So bereit, wie man um diese Uhrzeit sein kann.“
Meine Mutter lachte leise. „Du gewöhnst dich daran. Am Anfang ist es hart, aber irgendwann wird es Routine.“
Mein Vater nahm einen Schluck von seinem Kaffee und musterte mich. „Denk einfach daran: Sei freundlich, sei aufmerksam und zeig, dass du Lust hast, zu arbeiten. Dann wird das schon.“
Ich nickte und biss in mein Brötchen. Die Nervosität stieg langsam in mir auf. Ich hatte noch nie in meinem Leben richtig gearbeitet. Was, wenn ich es nicht schaffte?
„Mach dir nicht zu viele Gedanken“, sagte meine Mutter, als hätte sie meine Sorgen erraten. „Geh hin, gib dein Bestes und dann siehst du weiter.“
Ich seufzte. „Ja, ich versuche es.“
Nachdem ich meinen Kaffee ausgetrunken hatte, warf ich einen Blick auf die Uhr. 6:30 Uhr. Zeit, loszugehen.
„Viel Erfolg, mein Schatz!“ rief meine Mutter mir nach, als ich meine Jacke anzog.
Mein Vater grinste. „Zeig ihnen, was du draufhast.“
Mit klopfendem Herzen verließ ich das Haus.
Als ich um sechs die Bäckerei betrat, war es bereits geschäftig. Der Duft von frischem Brot und Kaffee lag in der Luft, und hinter der Theke standen zwei Verkäuferinnen, die anfingen alles vorzubereiten.
Frau Reinhardt, die Besitzerin, trat mit einem freundlichen Lächeln auf mich zu.
„Guten Morgen, Leyla. Schön, dass du pünktlich bist.“
Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Morgen. Ich bin gespannt, was mich erwartet.“
„Das ist die richtige Einstellung“, meinte sie zufrieden. „Komm, ich zeig dir alles.“
Sie führte mich hinter die Theke und erklärte mir die Grundlagen: Wie man Brot und Brötchen verpackte, wie man den Kaffeeautomaten bediente und vor allem, wie man mit Kunden umging.
„Am Anfang wirst du nur ein bisschen mithelfen“, erklärte sie. „Aber wenn du dich sicher fühlst, kannst du auch kassieren.“
Ich nickte. „Okay. Ich gebe mein Bestes.“
Um halb sieben kam schon die erste Kundin herein, es war eine ältere Dame mit grauem Haar, die ein halbes Brot und zwei Croissants wollte.
„Guten Morgen!“, sagte ich freundlich und versuchte, meine Nervosität zu verbergen.
„Guten Morgen, meine Liebe“, sagte sie mit einem warmen Lächeln. „Bist du neu hier?“
Ich nickte. „Ja, heute ist mein Probetag.“
Sie lachte. „Dann wünsche ich dir viel Erfolg und einen guten Start.“
Ich packte ihr Brot ein und gab es ihr vorsichtig über die Theke. Sie bezahlte und verabschiedete sich mit einem freundlichen „Bis morgen!“.
Das war gar nicht so schlimm gewesen.
Die nächste Stunde verging wie im Flug. Ich half beim Verpacken der Ware, gab Kunden ihre Bestellungen und lernte nebenbei, wie man die Kaffeemaschine richtig bediente.
Dann kam eine etwas ungeduldig wirkende Frau, die einen großen Becher Cappuccino und ein Schokocroissant wollte.
„Geht das auch schneller?“ fragte sie ungeduldig, während ich den Kaffee vorbereitete.
„Ich gebe mir Mühe“, antwortete ich ruhig, auch wenn ich innerlich kurz panisch wurde.
Als ich ihr schließlich den Kaffee reichte, verdrehte sie nur die Augen und nahm ihn ohne ein Wort des Dankes entgegen.
„Lass dich von solchen Kunden nicht stressen“, sagte meine Kollegin später. „Manche Leute sind einfach so.“
Ich nickte und atmete tief durch.
Zum Glück gab es auch die freundlichen Kunden – wie der ältere Herr, der sich jedes Mal eine Nussschnecke holte und mir erzählte, dass seine Frau früher immer für ihn gebacken hatte.
Oder die junge Mutter, die mit ihrem kleinen Sohn kam, der mich mit großen Augen ansah, als ich ihm ein Brötchen über die Theke reichte.
Die Arbeit war anstrengend, aber irgendwie… mochte ich es.
Am Nachmittag, so gegen 13 Uhr wurde es ruhiger und Frau Reinhardt kam zu mir.
„Gut gemacht, Leyla. Du hast dich heute echt gut geschlagen.“
Ich strahlte. „Danke! Es hat sogar Spaß gemacht.“
Sie lächelte. „Das freut mich zu hören. Wenn du willst, kannst du gerne ab nächster Woche fest als Aushilfe anfangen. Ich bereite den Papierkram vor und erstelle ein Vertrag für dich“
Mein Herz machte einen Sprung. „Wirklich?“
„Ja. Ich denke, du wirst dich gut einarbeiten.“
Ich konnte es kaum glauben. Ich hatte es geschafft!
Als ich gegen 14 Uhr endlich aus der Bäckerei trat, spürte ich erst, wie müde ich war. Meine Beine taten weh, meine Arme fühlten sich schwer an, aber gleichzeitig war ich stolz auf mich. Der erste Probetag war geschafft. Ich hatte Brötchen belegt, Kaffee ausgeschenkt, die Kasse bedient – und ich hatte es überlebt.
Draußen war die Luft frisch, ein angenehmer Kontrast zur warmen, nach Gebäck duftenden Bäckerei. Ich streckte mich kurz, dann machte ich mich auf den Weg zur Haltestelle. Die Bahn war nicht überfüllt, aber auch nicht leer. Ich ließ mich auf einen freien Sitz fallen und lehnte meinen Kopf gegen die kühle Scheibe.
Mein erster Arbeitstag lag hinter mir. Und es war gar nicht so schlimm gewesen, wie ich gedacht hatte.
Natürlich war es anstrengend. Das ständige Stehen, das schnelle Arbeiten, das Lächeln, auch wenn man am liebsten einfach nur eine Pause gemacht hätte. Aber irgendwie hatte ich mich durchgebissen. Ich erinnerte mich daran, wie ich anfangs unsicher mit dem Wechselgeld hantierte und meine Kollegin Josephine mir mit einem geduldigen Lächeln geholfen hatte.
