Schneeflockenküsse - Linda Lael Miller - E-Book

Schneeflockenküsse E-Book

Linda Lael Miller

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Beschreibung

Eiskalte Schneeflocken schmelzen auf Mallorys heißer Haut, als sie ihrem geliebten Ehemann Nathan entgegenläuft, der gerade von einer langen Reise zurückkehrt. Zärtlich küsst er ihre vollen Lippen, trägt sie auf starken Armen hinauf ins Schlafzimmer - und der Rausch des Verlangens lässt Mallory die bösen Gerüchte über Nathans Untreue völlig vergessen. Bis die Erinnerung sie jäh aus ihrem Traum von der ewigen Liebe reißt, denn noch immer quält sie nur die eine Frage: Liebt Nathan tatsächlich eine andere?

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Seitenzahl: 255

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Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Linda Lael Miller

Schneeflockenküsse

Aus dem Amerikanischen von Rita Koppers

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der HarperCollins Germany GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Copyright dieses eBooks © 2015 by MIRA Taschenbuch

in der HarperCollins Germany GmbH

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe: 

Snowflakes on the Sea

Copyright © 1984 by Linda Lael Miller

erschienen bei Silhouette Books, Toronto

Published by arrangement with

Harlequin Enterprises II B.V./S.ár.l

Konzeption: fredebold&partner gmbh, Köln

Covergestaltung: pecher und soiron, Köln

Titelabbildungen: Harlequin Enterprises S.A., Schweiz

Redaktion: Mareike Müller

ISBN eBook 978-3-95576-458-6

www.mira-taschenbuch.de

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eBook-Herstellung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Alle handelnden Personen in dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

1. KAPITEL

Nathan McKendrick lächelte gequält, als er am Wohnzimmerfenster stand und auf den dichten Verkehr hinuntersah. Die Autos und Busse kämpften sich durch den Schnee, der laut Portier seit dem Morgen gefallen war. Und es schneite immer noch.

Er seufzte. Die Menschen von Seattle waren eher Regen als Schnee gewohnt, und sie wurden jedes Mal wieder von der weißen Pracht überrascht.

Sein Blick schweifte in die Ferne. Die Dunkelheit und der Sturm verschluckten die Sicht auf den Hafen. Nur ein paar flackernde Lichter waren zu erkennen, doch die zerklüfteten Olympic Mountains lagen hinter dem dichten Schleier aus Schnee verborgen. In verschwommen blauem Licht schimmerte der Aussichtsturm Space Needle, das Wahrzeichen der Stadt.

Deprimiert wandte Nathan sich ab. Das große, luxuriös eingerichtete Penthouse wirkte bedrückend auf ihn, obwohl es den gesamten oberen Stock des Gebäudes einnahm.

Wo ist Mallory? fragte er sich erschöpft und durchschritt das leere Wohnzimmer. Eine sechswöchige Konzerttournee und der endlos lange Rückflug von Sydney hatten ihn körperlich ausgelaugt.

Er blieb stehen und schaute auf seine zerknitterte Reisekleidung – graue Hose und ein leichter, cremefarbener Rollkragenpulli – und verzog das Gesicht. Die Sachen kratzten auf seinem schlanken, muskulösen Körper, und die ungewohnten Bartstoppeln fühlten sich wie kleine Nadeln in seinem Gesicht an.

Obwohl es in dem Penthouse nicht weniger als vier Badezimmer gab, war er bis jetzt noch gar nicht auf die Idee gekommen, zu duschen, sich zu rasieren und umzuziehen. Voller Angst hatte er sich auf die Suche nach Mallory begeben. Alles andere war unwichtig für ihn. Er machte sich nur Sorgen um ihre Gesundheit. Deshalb hatte er sich am Flughafen ein Taxi genommen und war zum Krankenhaus geeilt, wo man ihn knapp darüber informierte, dass Miss O’Connor versorgt und wieder entlassen worden sei.

Mallorys Arzt hatte er nicht erreichen können, genauso wenig wie Mallory selbst oder eine ihrer Freundinnen. Als er dann verrückt vor Sorge bei seiner Schwester anrief, teilte ihm nur der Anrufbeantworter mit, dass Pat im Moment nicht erreichbar sei.

Schließlich hatte er im Penthouse angerufen. Als auch da niemand ans Telefon ging, war er hingefahren, um wenigstens eine Nachricht von Mallory zu finden.

Nachdem er noch einmal alle angerufen hatte, ohne Erfolg zu haben, und bei seiner Schwester eine wenig höfliche Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hatte, fühlte er sich erschöpft und frustriert.

Immerhin ging es Mallory gut – das zumindest hatte in Pats Mail gestanden.

Er zog sich aus, drehte die Dusche an und stellte sich unter das dampfend heiße Wasser.

Nachdem er geduscht, sich rasiert und saubere Sachen angezogen hatte, fühlte er sich besser. Erneut rief er bei Pat an, erwischte aber wieder nur ihren Anrufbeantworter. Er versuchte es im Haus auf der Insel, wurde jedoch von der Vermittlung darüber informiert, dass die Leitungen tot seien.

In diesem Augenblick klingelte es an der Tür. Nathan eilte über den dicken, weichen Teppich und riss die Flügeltür auf.

Seine Schwester stand auf der Schwelle und sah ihn ungehalten an. »Du solltest dich am Telefon ein bisschen gewählter ausdrücken, Nathan!«

Er dachte an die Nachricht, die er Pat hinterlassen hatte, und lachte grimmig. »Und du solltest zu Hause sein, wenn ich mit dir reden will.«

Pat seufzte ergeben und fuhr sich durch ihr goldblondes Haar.

Nathan warf einen Blick auf die Standuhr im Wohnzimmer, die ihn daran erinnerte, wie spät es schon war. »Ich habe wirklich keine Lust, jetzt mit dir zu reden. Was ist mit Mallory, und wo, zum Teufel, steckt sie?«

Pat stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihrem Bruder einen Kuss auf die frisch rasierte Wange. »Keine Sorge. Mallory geht es gut. Ich habe sie gleich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus auf die Insel gebracht. Dort hat sie ihre Ruhe.«

Er schob seine Schwester etwas unsanft zum Wohnzimmer. »Und warum war sie im Krankenhaus?«, fragte er ungehalten.

Pat nahm auf dem Ledersofa Platz und schlug die Beine übereinander. »Sie ist gestern Abend am Set zusammengebrochen und ins Krankenhaus eingeliefert worden. Jemand von der Filmcrew hat mir Bescheid gegeben. Ich habe dir dann umgehend eine Mail geschickt, nachdem ich Mallory gesehen und mit dem Arzt gesprochen habe.«

Entrüstet verschränkte Nathan die muskulösen Arme vor der Brust. »Ich bin halb verrückt geworden«, brummte er. »Im Krankenhaus wollten sie mir nichts sagen …«

Pat senkte den Blick, um sich zu sammeln, und sah dann ihrem Bruder unerschrocken ins Gesicht. »Mallorys Produzent hat ihnen Prügel angedroht, falls sie etwas verlauten lassen. Lass gut sein.«

Ungehalten griff Nathan nach der braunen Lederjacke, die er vorher auf einen Sessel geworfen hatte, und zog sie an. In diesem Augenblick galt all seine Sorge Mallory.

Als er sich zum Gehen wandte, stand Pat auf und griff entschlossen nach seinem Arm. »Mach ihr bitte keine Vorwürfe wegen des Namens oder der Seifenoper, ja? Sie ist offensichtlich mit den Nerven am Ende und kann das jetzt bestimmt nicht brauchen.«

»In Ordnung«, stimmte Nathan kurz angebunden zu.

Pat hob die Hand und strich über sein dunkles, immer noch feuchtes Haar. »Und hör auf, dir Sorgen zu machen. Es ist alles in Ordnung.«

Nathan lachte, obwohl nichts auf dieser verdammten Welt überhaupt zum Lachen war. Dann ging er davon, ohne sich noch einmal nach seiner Schwester umzudrehen.

Mallory O’Connor liebte das Haus auf der Insel. Allerdings kam sie nur selten hierher, seit sie in Seattle arbeitete. Oft schien es ihr, als sei das massive, einfach eingerichtete Haus ihr einziger Halt im Leben. Jetzt stand sie in der altmodisch eingerichteten Küche. Draußen fielen Schneeflocken, während sie drinnen die Wärme genoss. Getröstet nahm sie ein paar dünne Holzscheite aus dem Kasten neben dem großen Holzofen, um ein Feuer zu machen. Sie hatte eine Weile geschlafen, nachdem Pat wieder zurück in die Stadt gefahren war. Nun war sie hungrig.

Sie war stolz auf sich, als die Scheite Feuer gefangen hatten und die geräumige Küche allmählich erwärmten. Ihre verstorbene Mutter hatte recht gehabt. Es verschaffte eine gewisse Befriedigung, Dinge noch auf althergebrachte Weise zu tun. Eine Befriedigung, die Mallory in dem schicken Penthouse in Seattle nie so empfunden hatte. Nathan und sie teilten diese Wohnung, wenn er mal zwischen seinen endlos langen Konzerttourneen für ein paar Tage da war.

Unwillkürlich seufzte sie. Sie liebte Nathan McKendrick mit einer Intensität, die während ihrer sechs turbulenten Ehejahre nie nachgelassen hatte. Und trotzdem war sie nicht glücklich. Mit ihren siebenundzwanzig Jahren hatte sie eine Blitzkarriere hingelegt, und Nathan, der sieben Jahre älter war als sie, feierte als Musiker große Erfolge. Doch ihrer Beziehung fehlte es an Grundsätzlichem.

Geld und Anerkennung waren ein kläglicher Ersatz für Kinder, und das hektische Leben, das die meisten Menschen als glamourös betrachteten, gefiel Mallory überhaupt nicht. Sie sehnte sich nach einem einfachen, friedlichen Leben zurück.

Draußen im Sturm schlug ihr Irish Setter an, weil er hereingelassen werden wollte. Lächelnd trat Mallory auf die Veranda und begrüßte ihre Hündin Cinnamon, die sie am meisten vermisst hatte.

Cinnamon jaulte und wand sich vor Freude, während Mallory ihr den Kopf tätschelte. »Was hältst du davon, wenn wir uns von jetzt an hier verstecken?«, fragte sie halb im Scherz. »Nathan kann weiter auf Konzerttournee gehen und sich von seinen unzähligen Fans anhimmeln lassen. Und wir ernähren uns nur von Austern, Muscheln und wilden Beeren.«

Während Cinnamon wenig später wieder auf ihrem Trockenfutter herumkaute, machte Mallory sich eine Dose Hühnersuppe warm. Auch wenn es nur wenige Vorräte im Haus gab, würde sie erst morgen zu dem kleinen Laden am anderen Ende der Insel fahren, um einzukaufen.

Als das Telefon klingelte, ließ Mallory die Suppe weiter auf dem Herd köcheln und ging an den Apparat. »Hallo?«

»Du bist ja tatsächlich wieder da!«, rief Trish Demming, eine von Mallorys besten Freundinnen, erleichtert. »Gott sei Dank. Ich dachte schon, Cinnamon wäre auf und davon. Ich habe nach ihr geschrien, bis ich heiser war.«

Mallory lächelte. »Sie ist hier Trish, wohlbehalten und putzmunter. Ich habe versucht, dich anzurufen, aber die Leitung war tot.«

»Macht nichts. Ich hätte zuerst bei dir zu Hause vorbeischauen sollen. Selbst wenn du nicht da bist, rennt Cinnamon immer zu deinem Haus rüber. Was gibt’s denn? Ich dachte, du seist vollauf mit den Filmaufnahmen für die Soap beschäftigt.«

Mallory seufzte. »Ich habe Zwangsurlaub, Trish. Brad lässt mich erst dann wieder ans Set, wenn der Arzt seine Erlaubnis gibt.« Dass sie im Grunde erleichtert war, ihrem hektischen Terminplan entkommen zu sein, erwähnte sie allerdings nicht. Die Freundin hätte es ohnehin nicht verstanden.

Einen Moment war es still am anderen Ende. Trish dachte wohl darüber nach, was Mallorys Worte zu bedeuten hatten. »Du bist doch nicht krank, oder?«, fragte sie besorgt.

»Ich bin nur müde«, besänftigte Mallory die Freundin, froh, dass diese die dunklen Ringe unter ihren Augen nicht sehen konnte. Und dass sie ein paar Pfund abgenommen hatte, musste Trish auch nicht wissen.

Eine Weile sprachen die beiden Frauen dann über die Seifenoper, die in Seattle von Brad Ranner produziert wurde.

Aus einer Laune heraus war Mallory zum Vorsprechen gegangen, zusammen mit vielen anderen Frauen, um sich für eine Rolle zu bewerben. Darauf bedacht, es aus eigenen Stücken zu schaffen, hatte sie ihren Mädchennamen angegeben und gehofft, dass niemand sie für die Ehefrau des weltbekannten Rocksängers Nathan McKendrick halten würde.

Tatsächlich hatte auch niemand sie erkannt, und Mallory war sogar ausgewählt worden, obwohl sie so gut wie keine Schauspielerfahrung hatte. Sie sollte die Rolle der Tracy Ballard übernehmen, einer psychisch auffälligen jungen Frau, die all ihre Energie darauf verwandte, langjährige Ehen zu zerstören. Zunächst war es nur eine kleine Rolle gewesen, doch Mallory hatte sie so überzeugend gespielt, dass Filmcrew und Zuschauer gleichermaßen angetan waren.

Und trotzdem war sie nicht glücklich.

Sie versprach Trish, bald wieder anzurufen, und legte auf. Jetzt war sie reich und in gewisser Weise berühmt. Was auch bedeutete, dass sie im Supermarkt oder in der Bibliothek fremden Frauen begegnete, die von ihr verlangten, sich nicht länger in diese oder jene erfundene Ehe einzumischen.

Während sie an ihrer lauwarmen Suppe nippte, dachte sie über ihr Leben nach und wünschte sich wohl zum tausendsten Mal, dass alles anders wäre. Nach ihrem Studium hatte sie keinen einzigen Tag als Lehrerin gearbeitet, und sie sehnte sich nach einem eigenen Kind, das sie lieben und umsorgen könnte.

Sie hatte gerade ihre leere Suppenschüssel ausgespült, als Scheinwerferlicht in den Garten fiel, vor dessen gelbem Licht funkelnde Schneeflocken tanzten. Mallory beugte sich zu der kalten, leicht beschlagenen Fensterscheibe vor und versuchte auszumachen, wem der Wagen gehörte.

Doch das dichte Schneetreiben nahm ihr die Sicht. Schnell wischte sie sich die Hände an ihrem rotblau karierten Flanellhemd ab und lief hinaus auf die Veranda, gefolgt von Cinnamon.

Jetzt wurde eine Autotür zugeschlagen. Wachsam hob Cinnamon ihren gelbbraunen Kopf, sprang in den tiefen Schnee und bellte fröhlich.

Nathan lachte und kraulte die Hündin zwischen den Ohren. »Hallo, Cinnamon«, sagte er.

Mallory stand auf der Schwelle und starrte ihren Mann überwältigt an, so wie immer, wenn Nathan McKendrick in ihr Leben zurückkehrte. Ob sich das je verlieren würde? Schneeflocken glitzerten in seinem schwarzen, zerzausten Haar und auf den breiten Schultern.

Als er Mallory im Licht stehen sah, das hinter ihr aus der Küche fiel, vergaß er sofort den Hund. Sein Blick wanderte über ihre leicht gerundeten Hüften, die schmale Taille, die vollen Brüste und blieb schließlich an ihrem Gesicht hängen.

Eine ganze Weile sahen sie sich in angespanntem Schweigen an. Mallorys Herz klopfte bis zum Hals. Sie hatte gewusst, dass er kommen würde, denn seine Schwester Pat hatte ihn sicher über den Krankenhausaufenthalt informiert. Auch wenn Mallory gehofft hatte, noch etwas mehr Zeit für sich zu haben, hatte sie sich doch nach seiner Nähe gesehnt.

Spöttisch hob Nathan eine Braue. »Guten Abend, Miss O’Connor«, sagte er gedehnt.

Sofort war der Zauber verflogen. Herausfordernd hob sie den Kopf. »Guten Abend, Mr McKendrick.«

Nathans Kiefermuskeln zuckten verärgert, und in seinen dunklen Augen flammte etwas auf, das sie nicht zu bestimmen wusste. Bevor Mallory reagieren konnte, hatte er sie schon hochgehoben und über die schneebedeckten Stufen getragen.

Langsam ließ er sie wieder herunter, sodass ihre Brüste über seine muskulöse Brust streiften. Dann umfasste er ihren runden Po und presste sie an sich.

Mallory spürte, wie erregt er war. Mein Gott, dachte sie. Ich bin nicht besser als irgendein Groupie. Wenn er mich jetzt hier im Schnee nehmen wollte, ich würde es zulassen!

Nathan musste gewusst haben, welchen Gefühlsaufruhr er in ihr auslösen würde, doch er sagte nichts. Stattdessen eroberte er ihren Mund mit einem zärtlichen, aber gleichzeitig fordernden Kuss.

Mallory antwortete voller Hingabe, und die Stärke ihres Verlangens ließ sie erzittern.

Dann schob Nathan sie plötzlich von sich und hielt sie auf Armeslänge. Er musterte sie durchdringend, und ihr Puls schlug viel zu schnell. Im nächsten Augenblick drängte er sie ins Haus. Leise schloss er die Tür, während sein Blick wieder über Mallorys Körper schweifte. »Ich habe dich vermisst«, sagte er mit tiefer Stimme.

Rote Flecken glühten auf Mallorys Wangen, doch ihr Stolz befahl ihr, den Kopf herausfordernd zurückzuwerfen, sodass ihre dunkelblonden Haare sich in schimmernder Fülle über ihre Schultern ergossen. Ihre großen meergrünen Augen mit den dichten Wimpern funkelten vor Ärger, weil er sie so leicht entflammen konnte. Mit gespielter Entrüstung sah sie ihren Mann an.

Er lachte. »Du bist wirklich eine tolle Schauspielerin, mein Schatz.« Er umfasste eine ihrer Brüste und strich mit dem Daumen über die Spitze, die unter seiner Berührung sofort hart wurde. »Dein Körper verrät dich«, sagte er rau. »Du hasst mich nicht annähernd so sehr, wie du mir einreden willst.«

Natürlich hasse ich dich nicht! wollte Mallory herausschreien. Doch sie hatte auch ihren Stolz und hob nur trotzig den Kopf. Als Nathan jedoch erst einen Knopf und dann den nächsten an ihrem Hemd öffnete, schrie sie leise auf. Sie errötete, als er ihre nackten Rundungen lustvoll betrachtete.

Er beugte sich über ihre Brustspitzen und knabberte zärtlich daran.

Laut stöhnte sie auf und bog sich ihm entgegen.

Er schob eine Hand zwischen Mallorys Schenkel. Mit einem lustvollen Seufzer vergrub sie ihre Finger in seinem dichten dunklen Haar und presste sich noch fester an ihn.

Dann widmete Nathan sich der anderen Brust, neckte sie und knabberte daran, bis Mallory vor Verlangen keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Auch wenn sie ihn nicht anbetteln würde, sehnte sie sich schmerzlich nach ihm.

Schließlich drückte er sie gegen die geflieste Wand. Er war sichtlich erregt. Nur kurz löste er sich von ihr, um Mallory ganz von dem Flanellhemd zu befreien. Im nächsten Moment küsste er ihren flachen, weichen Bauch, ein quälendes Versprechen auf viel mehr.

Er zog den Reißverschluss ihrer Jeans herunter, und Mallory erschauerte, als er ihr auch den Slip abstreifte. Hingebungsvoll liebkoste er ihre empfindsamste Stelle. Seine suchenden Lippen und sein warmer Atem ließen sie erzittern.

Aufstöhnend umfasste sie Nathans Kopf. »Bitte, hör nicht auf«, sagte sie atemlos.

Als sie kurz darauf einen überwältigenden Höhepunkt erreichte, stieß sie einen Schrei aus, der fast wie ein Schluchzen klang.

Im nächsten Augenblick hörte man draußen in der verschneiten Stille einen Wagen. Wenig später wurde eine Autotür zugeschlagen, dann noch eine.

Fluchend richtete Nathan sich auf, während Mallory rot anlief und sich hektisch wieder anzog. Laute Schritte erklangen draußen auf der Veranda, und Cinnamon begann alarmiert zu bellen.

»Augenblick noch!«, brummte Nathan und versuchte, sein ungestilltes Verlangen zu bezähmen.

Peinlich berührt, als wären die Besucher Zeugen des Vorspiels geworden, drehte Mallory sich zu dem Holzofen um und beschäftigte sich damit, frischen Kaffee aufzubrühen. Nachdem Nathan sich gesammelt hatte, öffnete er die Tür.

»Ups!« Trish Demming errötete, da sie die Situation sofort erfasst hatte. »Ich glaube, dass wir ungelegen kommen, Alex.«

Trishs Mann, ein gutmütiger Mensch mit Brille, schickte sich an, wieder zu gehen. Er war Nathans Buchhalter und einer seiner engsten Freunde.

»Setzt euch«, sagte Nathan abwesend, während Mallory seinen begehrlichen Blick im Rücken spürte. Sie sah, dass Trish eine Kuchenplatte auf der Anrichte abstellte.

Es dauerte ein paar Minuten, bis Mallory sich so weit gefasst hatte, dass sie sich zu den anderen an den Küchentisch setzen konnte. Nathan machte ihr die Situation nicht leichter. Wann immer sich die Gelegenheit bot, ruhte sein sengender Blick auf ihren Brüsten oder ihren Lippen, bis sie das Gefühl hatte, frustriert aufschreien zu müssen.

Trotzdem genoss sie das Zusammensein mit den Freunden und nahm an dem lebhaften Gespräch teil, in dem es um Nathans letzte Konzerttournee und den Fischfang auf der Insel ging.

Trish hatte einen ihrer viel gepriesenen Pfirsichkuchen mitgebracht. Zum Kaffee aßen alle ein großes Stück, während Trish und Mallory über die Unmengen an Kalorien klagten.

Endlich verabschiedeten sich die Demmings, zogen wieder ihre warmen Jacken an und kämpften sich durch den Schnee zu ihrem Wagen. Resigniert sahen Mallory und Nathan sich an, als der Motor kurz aufheulte und wieder erstarb. Nathan tätschelte ihren Po und biss sie zärtlich ins Ohrläppchen. »Ich bin bald wieder da«, sagte er und wühlte zwischen den alten Jacken herum, die früher ihrem Vater gehört hatten.

Mallory hätte am liebsten ein heißes, duftendes Bad genommen, ehe sie ins Bett ging. Sie war so müde, dass sie bestimmt bald einschlafen würde, aber nicht eher, bis sie und Nathan ausgiebigen Sex gehabt hatten, wie immer, wenn sie so lange getrennt gewesen waren. Und wir sind sehr oft getrennt, dachte sie und spürte ihre tiefe Erschöpfung.

Einen Moment später erklangen Schritte auf der Veranda. Trish tauchte wieder auf. Sie wirkte verlegen und sah ihre Freundin entschuldigend an. »Nathan und Alex versuchen, den Wagen wieder flottzumachen«, murmelte sie und rieb die kalten Hände gegeneinander. »Aber sie sind nicht gerade Spitzenmechaniker.«

Mallory lächelte verschmitzt und schob Trish zum Ofen. »Schon gut. Es ist noch genug Kaffee da, wenn du möchtest.«

Trish schüttelte den Kopf. »Wir hätten nicht so einfach hereinplatzen sollen.« Sie sah Mallory entschuldigend an. »Tut mir sehr leid, Mallory. Ich habe mir einfach Sorgen um dich gemacht. Und ich wusste ja nicht, dass Nathan da ist.«

Liebevoll umarmte Mallory ihre Freundin. »Hör auf, dich zu entschuldigen. Du warst eben besorgt, so wie immer.«

Trish wirkte jetzt nachdenklich. »Du siehst wirklich fertig aus, Mallory. Ist alles in Ordnung?«

Plötzlich wandte Mallory sich ab, unfähig, dem Blick ihrer Freundin zu begegnen, die sie schon ein Leben lang kannte. »Mir geht’s gut«, beteuerte sie nach kurzem Schweigen.

Auch wenn Trish weder überzeugt noch besänftigt war, verriet ihre Stimme nichts davon, als sie Mallory sanft in Richtung Bad schob. »Jetzt nimmst du ein heißes Bad, und danach gehst du ins Bett, Mrs McKendrick. Ich komme schon allein klar, bis die Männer den Wagen wieder repariert haben.«

Mrs McKendrick. Ohne dass Mallory es wollte, verriet ihr plötzlich blasses Gesicht mehr, als sie preisgeben wollte. Sie sehnte sich danach, wieder den Namen ihres Mannes zu tragen. Und trotzdem klang es seltsam, als hätte sie kein Recht dazu.

Tröstend legte Trish ihr die Hand auf die Schulter. »Ruh dich ein bisschen aus. Wenn dir später danach ist, können wir uns immer noch in aller Ruhe unterhalten.«

Es gab vieles, was Mallory ihr gestehen musste, aber nicht hier und jetzt. »Ich … wenn du nicht beleidigt bist …«

Mit liebevoller Besorgnis sah Trish sie an. »Jetzt geh schon! So ein Dummkopf bin ich auch nicht, dass ich mich nicht ein paar Minuten mit mir selbst beschäftigen könnte.«

Mallory lachte kurz auf, verschwand im Bad und ließ heißes Wasser in die Wanne. Dann ging sie ins angrenzende Schlafzimmer und durchsuchte müde die Koffer, die Pat im Penthouse für sie gepackt hatte: Jeans und Pullis, für einen Besuch auf der Insel im Winter unerlässlich, aber sie fand nichts, was auch nur im Entferntesten glamourös oder gar aufreizend aussah. Seufzend dachte sie an all die Seidendessous, die sie in Seattle zurückgelassen hatte. Für Nathan wollte sie besonders attraktiv aussehen, doch Pat hatte wohl nicht so vorausschauend gedacht.

Widerstrebend griff Mallory nach einem Flanellnachthemd und ging damit zurück ins Bad, in dem Dampfwolken vom Badewasser aufstiegen. Über das prasselnde Wasser hinweg hörte sie, wie Trishs und Alex’ Wagen draußen gestartet wurde.

Lächelnd zog Mallory sich aus und stieg in die Wanne. Das warme Wasser war eine Wohltat für ihre angespannten Muskeln. Mit einem zufriedenen Seufzer sank sie bis zum Kinn ins Wasser. Endlich konnte sie sich entspannen.

Zu Hause, dachte sie glücklich. Ich bin zu Hause.

Quietschend öffnete sich die alte Badezimmertür. Plötzlich war Nathan da, und sein dunkler Blick ruhte auf ihrem schlanken Körper, der vom heißen Wasser leicht gerötet war. Unter seiner gebräunten Haut, zweifellos ein Ergebnis der australischen Sommersonne, wurde er blass.

»Mein Gott, Mallory«, sagte er entsetzt. »Wie viel hast du eigentlich abgenommen?«

Sie zuckte die Schultern. »Ungefähr fünf Pfund.«

»Ich würde eher sagen, mehr als fünfzehn«, widersprach er. »Du warst schon zu dünn, als ich weg bin, aber jetzt …«

Mallory kniff die Augen zusammen, um die Tränen zurückzuhalten, die plötzlich darin brannten. Wollte er damit andeuten, dass er sie nicht mehr begehrte und unattraktiv fand?

Sie hörte, wie er sich auf den Linoleumboden kniete. Als sie die Augen wieder öffnete, war sie nicht überrascht, ihn neben sich zu finden.

»Mallory, rede mit mir«, bat er mit rauer Stimme. »Sag mir, was ich machen soll … wie ich dich wieder glücklich machen kann.«

Eine verräterische Träne rollte über Mallorys Wange und tropfte ins Badewasser. »Ich bin glücklich, Nathan«, log sie.

Seine Augen brannten wie Feuer. »Nein. Irgendetwas nagt an dir, und ich kann dir nicht einmal helfen, wenn du nicht ehrlich zu mir bist.«

Ihre Stimme zitterte vor Angst. »Willst du die Scheidung, Nathan?«

Abrupt sprang er auf und wandte sich ab. Seine breiten Schultern unter dem weichen grauen Stoff wirkten angespannt.

Da Mallory die bedrückende Stille nicht länger ertragen konnte, griff sie nach dem Schwamm in der Ablage. Mit grimmiger Entschlossenheit schäumte sie ihn mit Seife ein und rieb so fest damit über ihre Haut, dass sie prickelte.

»Ich würde es ja verstehen«, sagte sie, als sie endlich wieder sprechen konnte.

»Du bist meine Frau und wirst es auch bleiben. Ich habe nicht vor, dich gehen zu lassen, niemals. Und du wirst auch nicht das Bett eines anderen Mannes wärmen, meine Liebe. Weder das von Brad Ranner noch von irgendeinem anderen Kerl.«

Mallory empfand seine Worte wie Peitschenhiebe, doch sie zwang sich, nicht vor Schmerz zusammenzuzucken. »Was soll das heißen?«, flüsterte sie schockiert.

Trotz des harten Gesichtsausdrucks wirkte Nathan jetzt auch verzweifelt. »Seit du bei dieser verdammten Seifenoper mitspielst, wirst du immer dünner, Mallory. Und dafür muss es doch einen Grund geben.«

»Ich war dir immer treu«, sagte sie steif. Sie war nie in Versuchung gekommen, sich mit einem anderen Mann einzulassen. Nathan war der erste und einzige Mann, mit dem sie jemals geschlafen hatte. Ob er sich ihr gegenüber auch so loyal verhielt, wagte sie nicht zu fragen, aus Angst vor der Antwort.

Nathan seufzte schwer. »Ich weiß, Mallory. Tut mir leid.«

Was tut dir leid? dachte Mallory, der schwer ums Herz war, weil sie einen Mann liebte, der so vielen Fans gehörte. Tut es dir leid, was du mir eben vorgeworfen hast? Oder entschuldigst du dich wegen all der hübschen Groupies, die dir die Nächte versüßen, wenn du nicht zu Hause bist? »Ich bin sehr müde«, sagte sie nur.

»Verstehe. In der Küche heute Abend warst du allerdings kein bisschen müde.«

Der Spott in seiner Stimme trieb Mallory die Röte in die Wangen. »Das ist schon lange her«, gab sie knapp zurück.

»Ja, etwa eine Stunde«, entgegnete Nathan grimmig.

»Lass mich allein!«

»Gern«, sagte er scharf. Dann drehte er sich langsam um und verließ das Bad.

Als die Tür sich hinter ihm schloss, ließ Mallory ihren Tränen freien Lauf.

Nathan stand am Schlafzimmerfenster und blickte hinaus, auch wenn er in der Dunkelheit nicht viel erkennen konnte. Zumindest der Sturm hatte sich gelegt. Er drehte sich um und sah zu Mallory, die friedlich schlief. Ihr Atem ging tief und regelmäßig.

In dem schwachen Licht, das aus dem Flur drang, wirkten ihre zarten Wangenknochen noch dünner. Sie sah sehr verletzlich aus.

Wie konnte er sie dazu drängen, sich ihm hinzugeben, wenn sie doch offensichtlich krank war? Und wie hatte er ihr nur unterstellen können, dass sie sich zu Brad Ranner hingezogen fühlte, wo er doch wusste, dass sie ihm immer treu gewesen war?

Leise ging er zum Bett und zog die Decke über ihre nackten Schultern. Als sie sich im Schlaf bewegte und leise stöhnte, verstärkte sich Nathans Schmerz noch, nachdem er gestern die beunruhigende Mail von Pat erhalten hatte.

Erst jetzt merkte er, wie kalt es war. Er schlüpfte neben seine Frau ins Bett, auf Abstand bedacht, weil es ihn immer noch nach ihr verlangte. Nachdenklich sah er Mallory an und versuchte zu ergründen, was zwischen ihnen falsch gelaufen war.

Er liebte sie seit dem Augenblick, als er sie vor sechseinhalb Jahren kennengelernt hatte. Dabei hatte er immer voller Stolz von sich behauptet, niemanden zu brauchen und frei sein zu wollen. Als er jetzt in dem dunklen Schlafzimmer unter der warmen Decke lag, musste er sich seufzend eingestehen, dass sein Leben ohne Mallory sinnlos und leer wäre.

Sie bewegte sich neben ihm. Nathan begehrte sie, doch es gab noch etwas Größeres als sein verzehrendes Verlangen nach ihr – seine Liebe. Er legte sich zurück aufs Kissen und starrte zur Decke.

Mallory legte eine Hand auf seine Brust, warm und suchend. »Nathan?«, flüsterte sie mit verschlafener Stimme.

Trotz des Schmerzes, den er empfand, lachte er. »Wer denn sonst?«, flüsterte er zurück. »Schlaf weiter, Schatz.«

Doch Mallory schmiegte sich an ihn, weich und verletzlich. »Ich will nicht schlafen«, erwiderte sie trotzig. »Ich will dich.«

»Nein.«

Sie fuhr mit der Hand über seinen straffen Bauch. »Doch«, widersprach sie.

Nathan verlor die Geduld. »Hör auf«, sagte er angespannt. »Ich versuche, ein Gentleman zu sein, verdammt.«

»Mmh«, schnurrte Mallory und fuhr mit ihrer sinnlichen Erkundung fort. »Gentleman.«

»Mallory.«

Sie stützte sich auf den Ellbogen und reizte seine Brustwarze mit der Zunge.

Nathan stöhnte auf, doch er konnte nicht vergessen, wie dünn sie geworden war, dass sie am Set zusammengebrochen war, und er sah den Schmerz in ihren Augen. Scheinbar wütend wandte er sich von ihr ab und achtete nicht mehr auf sie, bis sie sich frustriert zur anderen Seite drehte.

2. KAPITEL

Mallory wurde am nächsten Morgen durch das Telefon geweckt. Seufzend vergrub sie sich unter der Decke. Irgendwann würde Nathan den Anruf entgegennehmen, oder der Anrufer würde aufgeben.

Als es unerbittlich weiterklingelte, merkte sie, dass sie allein im Bett lag. Enttäuscht warf sie die Decke zurück, stand auf und ging in die Küche zum Telefon. »Hallo?«, sagte sie, während sie sich umsah. Der große Holzofen brannte. Sonst deutete nichts darauf hin, dass Nathan hier gewesen war.

»Hallo«, polterte Diane Vincent, Nathans Presseagentin, »Ist Nate da?«

Gute Frage, dachte Mallory und runzelte die Stirn. Und warum, zum Teufel, nennst du ihn Nate?

»Mallory?«, drängte Diane.

»Er war hier.« Mallory ärgerte sich, dass sie so unsicher klang.

Verachtung schwang in Dianes Stimme mit. »Ein kurzer Zwischenstopp über Nacht, wie? Falls du zufällig von ihm hören solltest, sag ihm, dass er mich anrufen soll. Ich bin bei meiner Schwester in Seattle. Er kennt die Nummer.«

Mallory kochte vor Wut, während ihre Knie nachzugeben drohten. Sie zog einen Küchenstuhl heran und setzte sich. Manchmal verachtete sie Diane, und in gewisser Weise fürchtete sie sich sogar vor ihr. Aber sie würde sich nichts davon anmerken lassen. »Ich werde die Nachricht weitergeben«, sagte sie gleichgültig.

Diane seufzte ungehalten. Sicherlich fragte sie sich jetzt, warum ein lebenslustiger Mann wie Nathan McKendrick so eine naive Frau haben musste. »Tu das, Süße. Es ist wichtig.«

Mallory zwang sich zu einem Lächeln. »Oh, da bin ich sicher – Teuerste.«

Diane legte auf.

Von draußen her hörte sie Cinnamon fröhlich bellen. Sie ging ans Fenster. Jetzt war ihr Lächeln aufrichtig, nicht gezwungen wie bei Diane Vincent. Nathan und die Hündin tollten im Schnee herum, während ihre Atemluft als kleine weiße Wölkchen in die kalte Luft aufstieg. Hinter ihnen bewegten sich hohe, schneebedeckte Pinien, die unten an der ungepflasterten Auffahrt standen, sanft im Wind.

Mallory schluckte, während ihr bittersüße Erinnerungen kamen und die Zeit für einen Moment zurückgedreht wurde.

»Eines Tages«, sagte ihr Vater, »muss ich diese Pinien fällen, Janet, ob es dir und Mallory nun passt oder nicht.« Geschmolzener Schnee tropfte von seiner karierten Wolljacke und sammelte sich zu einer Pfütze auf dem frisch gebohnerten Holzboden. »Sonst wird sicher eine beim nächsten Sturm umknicken und aufs Dach fallen.«

Mallory und ihre Mutter hatten sich nur angelächelt. Sie wussten, dass Paul O’Connor diese wundervollen Bäume niemals fällen könnte.

Widerwillig kehrte Mallory in die Gegenwart zurück und ging ins Schlafzimmer. Es hat noch Zeit, Nathan zu erzählen, dass Diane angerufen hat, dachte sie mit für sie ungewohnter Boshaftigkeit. Mehr als genug Zeit. Sie kroch wieder zurück ins Bett und war innerhalb kürzester Zeit eingeschlafen.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als Mallory später erwachte. Sie hörte Nathans tiefe Stimme, untermalt von brutzelndem Speck. Der verführerische Duft lockte sie in die Küche.

Nathan, in abgetragenen Jeans und einem weiten Pulli, stand mit dem Rücken zu ihr und telefonierte. Während er der Person am anderen Ende lauschte, versuchte er, den Speck zu wenden und gleichzeitig Cinnamon abzuwehren. Vergeblich. Er nahm ein knuspriges Stück mit einer Fleischgabel heraus und ließ es auf den Boden fallen. »Vorsichtig, es ist noch heiß«, murmelte er und schnauzte dann in die Sprechmuschel: »Sehr witzig, Diane. Ich habe mit dem Hund gesprochen.«

Mallory versteifte sich. Auf einmal waren der Frieden und die Freude über den schönen Tag verflogen. Es schien, als wäre eine feindliche Armee auf der Insel einmarschiert.

Obwohl es warm im Haus war, fröstelte sie jetzt. Sie kehrte um und zog sich eine braune Cordhose und einen weißen Wollpulli an. Dann ging sie zurück in die Küche.

Nathan deckte gerade den Tisch und summte dabei einen seiner Songs.