Seeräuber auf Feta - Maik Steinfeld - E-Book

Seeräuber auf Feta E-Book

Maik Steinfeld

0,0

Beschreibung

Petersilia ist ein kleines Dorf auf der Insel Feta. Man lebt friedlich nach alten Sitten und Gebräuchen, jedoch mit einem gewissen Luxus, auf den man nicht mehr verzichten will. Inmitten dieser Idylle lebt die kleine Maya. Als diese eines Tages in die Fänge des Seeräuber-Hauptmanns Florian gelangt, ist ihr Schicksal ungewiss. Nach vielen Jahren als Hüterin des berühmten Schatzes von Fargango erhält sie überraschend das Kommando über Florians Schiff - die Matalla. Nach Monaten auf See landet Maya mit ihrer Mannschaft im fernen Saharien, wo ihr ein berüchtigter Ruf vorauseilt. Sie ist in der Zwischenzeit eine junge Frau geworden und erlebt viele Abenteuer um den Häuptling Xilef und den hinterlistigen König Kiam ...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 101

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Werner Schmidt, Maik Steinfeld

Inhalt

Feta…

Petersilia

Maya wird entführt

Leben in Fargango

Der Schreckliche Sepp

Die Crew

Abenteuer als Seeräuber

Die Strandsaharier

Die Waldsaharier

Die List

Heimweh

Klar Schiff

Listeros und die Subbaru

Wiedersehen in Petersilia

Epilog: Wie kam es zu dieser Geschichte?

Vielen Dank…

Feta

ist ein Land vom Meer umspült – also eine Insel – mit felsigen Küsten, sandigen Buchten, zum Teil schneebedeckten Bergen und vielen fruchtbaren Ebenen, in denen steinerne Windmühlen mit Stoff bespannten Windrädern Wasser aus der Erde pumpen oder Korn zu Schrot zermahlen. Man lebt friedlich nach alten Sitten und Gebräuchen, jedoch mit einem gewissen Luxus, auf den man nicht mehr verzichten will. Auf dem Meer aber ist der Teufel los. Wilde, und zum Teil berüchtigte, Seeräuber kreuzen mit ihren Piratenschiffen in den Schifffahrts- und Handelswegen und machen sowohl den Kaufleuten zur See, als auch den Bewohnern an Land das Leben schwer.

Achtung!

Die Seeräuber kommen.

Petersilia

„Achtung! Die Seeräuber kommen!“, rief Sophia so laut sie konnte. Sophia war die Hüterin der jungen Frauen von Petersilia, einem kleinen Dorf auf der Insel Feta mitten im Mittelmeer.

Sophia selber war schätzungsweise 80 Jahre alt, hatte aber die Augen eines Adlers, die sie jedoch stets hinter einer riesigen Sonnenbrille versteckte. Sie sah den schwarzen Dreimaster mit der Totenkopfflagge schon, als er im gleißenden Sonnenlicht hinter Taximadia auftauchte. Taximadia, das sind zwei kleine, der Hauptinsel vorgelagerte aber unbewohnte Inseln, die aussehen wie ein Dach mit Schornstein. Je nachdem, von wo man guckt, ist der Schornstein entweder links, rechts oder in der Mitte.

Laut kreischend liefen die Mädchen von Petersilia in die extra zum Schutz vor den Seeräubern eingerichtete Felsenhöhle außerhalb des Dorfes. Nur gut, dass Sophia immer für genügend Essen und frisches Wasser sorgte, denn die Seeräuber riefen nicht an oder sendeten eine SMS, bevor sie ein Dorf überfielen.

Nun sagte Sophia den Zaubersatz, der das Felsentor verschließen lässt: „Felsentor schließ dich fest, damit der Seeräuber uns in Ruhe lässt.“ Langsam rollte der riesige Felsen vor das Eingangstor. Hier waren die Jungfrauen sicher. Noch nie hatte jemand die geheime Höhle gefunden. Als die Tür verschlossen und es stockfinster war, ermahnte Sophia die Mädchen zur Ruhe, um durchzählen zu können, so, wie sie es viele Male geübt hatten. Dazu musste jede in der Höhle eine ihr zugeordnete Zahl und ihren Namen sagen. Nr.1 Anna, Nr.2 Lisa, Nr. 3 Maria, Adriane, Lea und so weiter. Jetzt war die kleine Maya dran. Stille. Ein Raunen ging durch die Menge. Leises Gebrabbel begann. Wo ist Maya? Hat jemand Maya gesehen? „Maya!…Maya! Du bist dran, Nummer 12. Maya, träumst du wieder?“, fragte Sophia in die Dunkelheit. Gerade erst gewöhnten sich ihre Augen an das schwache Licht ihrer Mag-Lite. Leise fluchte sie. Wieder einmal hatte jemand nach der letzten Übung die Taschenlampe angelassen, so dass die Batterien fast leer waren. Wo waren die Ersatzbatterien? Das Licht war zu schwach, um sie zu finden. „Nadine und Katy, macht mal die Fackeln an! Man kann ja gar nichts erkennen!“, befahl die Hüterin der jungen Frauen in die Dunkelheit.

Sophia trug noch immer ihre Sonnenbrille. Wahrscheinlich sah sie deshalb noch ein wenig schlechter als die anderen. „Wo steckt Maya?“, fragte sie wieder in die Runde, nachdem Nadine und Katy, die Nummern 21 und 22, die Fackeln entzündet hatten. „Hat jemand Maya gesehen?“ Jetzt suchten alle Maya, doch sie war nicht zu finden. „Wir finden Maya nicht“, sagte Leila, die Nummer 19, nach einer Viertelstunde. „Vermutlich ist sie noch draußen beim Spielen, oder so.“ – „Oje, Oje…“, jammerte Sophia. „Dieses verträumte, ungehorsame Kind. Wahrscheinlich pflückt sie wieder Blumen oder liegt unter ihrem Olivenbaum. Oje Oje.“

„Vielleicht sammelt sie gerade bunte Steine am Strand“, sagte Cora, die Nummer 23. „Sie wollte eine neue Steinkette basteln. Das macht sie doch so gerne.“ – „Am Strand?“, schrie Sophia erschüttert. „Oje, Oje! Welch ein Unglück. Hoffentlich versteckt sie sich rechtzeitig. Oje Oje! Ojemine!“, schluchzte sie nun, und eine dicke Träne kullerte unter der Sonnenbrille ihre Wange hinunter, wo sie sie mit dem Finger auffing und abwischte.

Sophia ermahnte die Mädchen, um durchzählen zu können.

Maya wird entführt

Wie bitte? Ungehorsam? Unsere Maya? Naja, ungehorsam war sie eigentlich nicht. Höchstens ein wenig eigensinnig und zuweilen aufmüpfig.

„Das hat sie von dir“, sagte Mayas Papa mit seiner leisen tiefen Stimme und einem verliebten Lächeln zu ihrer Mama. „So ein Quatsch! Den Dickkopf hat sie von dir“, konterte diese.

Mayas Mama Lehra war eine mittelgroße Frau mit langen roten Zöpfen und lustigen Sommersprossen auf der Nase. Ihr Papa Sparkassos sah aus wie ein kräftiger stolzer Baum, dem allerdings im Laufe der Jahre ein paar Blätter von der Krone verloren gegangen waren, so dass schon einige kahle Stellen zu sehen waren.

Maya indes war ein junges Mädchen, dessen hellblondes Haar ihr meist wild vom Kopf stand oder das ihr im Wind frech um die Nase wehte. Der Blick ihrer grünen Augen war durchdringend, jedoch freundlich, zuweilen verträumt, meist aber kess, so dass alle Jungen im Dorf dahin schmolzen wie Butter in der Sonne, wenn sie ihnen zublinzelte. Ihre Haut war braungebrannt und die Zähne strahlten weiß. Ihre Mutter Lehra achtete gut darauf, dass sie ihre Zähne regelmäßig putzte. Mogeln galt nicht.

Um diese Schönheit wusste auch Sophia. Darum war sie überaus besorgt um das Wohlergehen Mayas. Sie wusste, dass die Seeräuber es meist auf die hübschesten Mädchen eines Dorfes abgesehen hatten. Kaum waren die Jungfrauen in Sicherheit, landete das riesige schwarze Seeräuberschiff vor Petersilia.

Es war die Matalla, das berüchtigtste Piratenschiff der Meere. Mit dem Schlimmsten war zu rechnen. Der Chef der Matalla war der gefürchtete Seeräuber Hauptmann Florian. Florian war ein griesgrämiger Riese mit einer Augenklappe unter einem großen dreieckigen Hut, mit einem langen schmutzigen Bart, einer Zahnlücke, einem Humpelbein und einem Säbel, von dem man sagte, er sei schärfer als eine Rasierklinge. Wo er und seine Bande auftauchten, verbreiteten sie Angst und Schrecken. Sie raubten und plünderten alles, was nicht nietund nagelfest war. Wenn es nichts zu rauben gab oder sie keine hübschen Mädchen finden konnten, steckten sie vor Wut sogar manchmal ganze Dörfer an. Das wusste auch Berna.

Berna war so etwas wie der Chef in Petersilia, wenn es um das Wohl der Menschen, der Umgebung und der Natur ging. Jetzt trat der braun gebrannte und sonnengegerbte Mann mit den schwarz-grauen Locken an den Strand. Bekleidet war er, wie fast immer, mit einer Schlabberhose, einer roten Baseballkappe und einer Sonnenbrille, die er soeben aus einem ledernen Fielmann-Etui holte.

Es war die Matalla.

Das berüchtigtste Piratenschiff der Meere…

Sie stellten alles auf den Kopf…

sogar in den Tonkrügen…

Seeräuber-Hauptmann Florian wurde gerade in einem Beiboot an Land gerudert, als Berna ihm entgegen rief: „Halt Ihr da! Ich kenne Euch! Und ich verbiete Euch den Zutritt in das Dorf Petersilia. Hier gibt es nichts zu holen.“ – „Haha“, grinste Seeräuber Hauptmann Florian. „Ihr sollt die schönsten Mädchen weit und breit haben. Gebt sie heraus und ich verschone Euch und Euer Dorf.“

„Mädchen? Hier in Petersilia? Hier gibt es keine Mädchen mehr. Die wurden alle geraubt. Wart nicht Ihr es selbst, der sie raubte, Florian? Seht Euch um und verschwindet wieder. Aber schnell!“, antwortete Berna ernst und entschlossen. In der Zwischenzeit waren die Halunken an Land. „Ausschwärmen!“, rief der Hauptmann seinen Piraten zu, „Wer die Jungfrauen findet, bekommt zehn Goldstücke Belohnung. Außerdem gibt es ein Fass Rum für alle.“

Laut grölend schwärmten die Piraten aus. Sie durchsuchten das ganze Dorf. Die Häuser, die Kirche, das Rathaus, die Taverne. Sogar die Ställe der Hühner, Schweine, Ziegen und Kühe durchsuchten sie. Sie stellten wirklich alles auf den Kopf. Sie stießen mit ihren Säbeln in die riesigen Tonkrüge, in denen Getreide aufbewahrt wurde, und warfen Wasserkrüge um. Einer ließ sich sogar an einem Seil in den Dorfbrunnen hinab, um auf dem Grund zu suchen. Vergeblich. Er fand nur einen alten durchlöcherten Blecheimer mit abgerissenem Seil.

Nach einigen Stunden kamen die Piraten völlig erschöpft zu ihrem Hauptmann zurück, um ihm zu berichten, dass es tatsächlich keine Mädchen in Petersilia gab. Florian war außer sich vor Wut. Mit hochrotem Kopf schnaubte er: „Du hast sie versteckt! Du bist gewieft, Berna. Aber ich komme wieder. Das schwöre ich!“

„Lasst uns alles niederbrennen, Hauptmann!“, rief einer der Seeräuber. „Ja, ja! Niederbrennen! Niederbrennen!“, grölten die anderen und wollten gerade wieder ins Dorf stürmen. „Halt!“, schrie Florian seine Leute an. „Ich habe mein Wort gegeben, die Leute und das Dorf zu verschonen. Zurück mit euch zur Matalla! Segel setzen und weg hier! Aber ein bisschen plötzlich, bevor ich es mir anders überlege.“ Müde, hungrig und durstig, enttäuscht und ohne jede Beute verließen die Piraten Petersilia mit hängenden Köpfen. Sie wussten genau, wenn es keine Beute oder keine Jungfrauen gab, würde ihr Chef wie immer recht griesgrämig sein. Das Fass Rum zur Belohnung konnten sie wohl abschreiben.

„Seht dort, Hauptmann Florian!“, schrie plötzlich ein Pirat mit nur einem Schuh und zeigte mit seinem Säbel auf die Säulen einer längst verschwundenen Stadt, die vor mindestens 4000 Jahren hier gestanden haben musste. „Dort hinter der Mauer! Ein Mädchen! Ich kriege die zehn Goldstücke!“ – „Ergreift sie!“, rief Florian, „und das Fass Rum ist euer.“

Plötzlich wieder hellwach stürzte die ganze Piratenmeute dem Mädchen hinterher. Es war Maya. Nach

…die Säulen

einer längst verschwundenen Stadt. wenigen Metern war sie eingeholt und umzingelt.

Weinend und aufgeregt lief Maya zwischen den blitzenden Säbeln umher. Sie schrie nach ihren Eltern und nach Berna, die das Ganze von weitem mit ansehen mussten, ohne etwas tun zu können. „Unser Kind! Maya! Sie ist verloren!“, rief Lehra verzweifelt und begann bitterlich zu weinen.

Nun kam Hauptmann Florian hinzu gehumpelt. Rüde schubste er die johlenden Piraten auseinander. „Weg da, Gesindel!“, schrie er. „Mal sehen, was wir da haben. Oh ho! Welch Anmut erblickt mein Auge. Jetzt wird es doch noch ein schöner Tag. Seid nett zu unserem Gast und begleitet die junge Dame galant auf die Matalla. Dort will ich überlegen, was wir mit ihr machen“, befahl er. Lachend und voller Vorfreude auf ein Fass Rum schubsten die Piraten Maya abwechselnd mit ihren Säbeln Richtung Strand, wo die Beiboote zum Übersetzen auf die Matalla bereit lagen. „Vergesst die zehn Goldstücke nicht, Kapitän“, erinnerte der Pirat mit nur einem Schuh Seeräuber Hauptmann Florian an sein Versprechen.

Maya weinte. Ob sie jemals wieder nach Petersilia kommen würde?

Alle im Dorf waren erschüttert. Würden sie Maya jemals wieder sehen?

Leben in Fargango

Nach mehreren Wochen voller Raubzüge an Land und einigen Gefechten auf See kehrte die Matalla reich beladen mit Gold, Silber, Edelsteinen, Elfenbein, Tuch und Seide sowie Gewürzen und anderen Reichtümern in ihr Versteck zurück.

Die geheime Seeräuberbucht namens Fargango lag für Fremde von See aus nicht sichtbar am anderen Ende Fetas. Von Land kam man nur durch eine lange, enge Schlucht dorthin. Die Schlucht wurde gut bewacht, da die Seeräuber ständig Angst vor der Polizei und der Steuerfahndung haben mussten. Im Winter war Fargango nahezu uneinnehmbar. Zu dieser Jahreszeit floss ein reißender Bach durch die Schlucht und ergoss sich am Ende ins Meer. Die Felsen links und rechts ragten mehrere hundert Meter in den Himmel. Man hörte einige Vögel zwitschern sowie das Gebimmel der Glocken von halb wilden Ziegen, die in den Felsen herumkletterten, als sei es das Einfachste der Welt. Die Brandung schlug sanft ans Ufer. Ansonsten herrschte Stille. Eine fast phantastische Ruhe, die nur gestört wurde, wenn die Piraten ein rauschendes Fest feierten. Und das taten sie jedesmal, wenn sie von einem erfolgreichen Raubzug zurückkehrten. So auch heute. Dabei tranken sie zig Fässer Rum und selbst gebrautes Bier sowie Unmengen selbst gebrannten Obstschnaps, den sie Raki nannten. Ein Spanferkel mit einem Apfel im Maul drehte sich über dem Feuer an einem selbst gebauten Elektrospieß, angetrieben durch einen Scheibenwischermotor aus einem alten VW Golf. Ein Schaf lag schon knusprig gebraten auf dem Tisch und alle machten sich darüber her, als gäbe es morgen nichts mehr zu essen. So ein Piratenfest konnte schon einmal eine Woche dauern. Danach schliefen die Seeräuber erst einmal ein paar Tage ihren Rausch aus. Und zwar gerade dort, wo sie liegen blieben. Die Ruhe kehrte zurück. Bis zum nächsten Mal.