Sein Wort - meine Welt -  - E-Book

Sein Wort - meine Welt E-Book

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Beschreibung

Entdecken Sie mit dieser ungewöhnlichen Studienbibel, wie Christsein in der heutigen Gesellschaft aussieht. Die Erläuterungen greifen die vielfältigen Bezüge des Alltags auf: Beruf, Familie, Kultur, Politik, ethische Entscheidungen, Umgang mit Geld, Zusammenleben verschiedener Kulturen, persönliche Lebensführung. Dabei garantiert der Text der Elberfelder Bibel eine exakte und zuverlässige Übersetzung. Das Konzept umfasst viele besondere Extras: - Landkarten und Diagramme ergänzen die Kommentare. - Die Seiten sind durchgehend farbig gestaltet. - Ein Verzeichnis der Berufe aus biblischen Zeiten schlägt die Brücke zur heutigen Arbeitswelt. - 60 Personenporträts erzählen davon, wie Gottes Wort den Alltag von Christen geprägt hat.

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SEIN WORT – MEINE WELTDie Studienbibel für das 21. Jahrhundert

Original published from the Study Helps from The Modern Life Study BibleCopyright © 2014 by Thomas Nelson Inc.

Published by arrangement with Thomas Nelson Inc., a subsidiary of Harper CollinsChristian Publishing, Inc., Grand Rapids, Michigan 49530All rights reserved. This licensed Work published under license.

Hinweise zu Übersetzern und zitierten Werken siehe Seite 2111.

2. Auflage 2018Textstand (TS) 30

© 2016 SCM R. Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbHMax-Eyth-Straße 41, 71088 HolzgerlingenInternet: www.scm-brockhaus; E-Mail: [email protected]

Elberfelder Bibel

Die Arbeit an der Elberfelder Bibel wird von einer ständigen Kommission begleitet,die Verbesserungen vornimmt. Das Ergebnis wird jeweils als nummerierte Textstandsangabeim Impressum nachgewiesen.

© für den Bibeltext der Revidierten Elberfelder Übersetzung:Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R. Brockhaus In der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlinen

Umschlaggestaltung: Dietmar Reichert, DormagenSatz: τ-leχιs, Heidelberg

ISBN 978-3-417-22973-8 (E-Book)ISBN 978-3-417-25533-1 (lieferbare Buchausgabe)

Datenkonvertierung E-Book:Satz & Medien Wieser, Stolberg

Inhalt

Vorwort

Hinweise zu den Kurzbiografien

Willkommen zu Sein Wort – meine Welt

Die Übersetzung der Elberfelder Bibel

Ein Glaube für heute

Das Alte Testament

1. Mose

Einführung

Bibeltext

2. Mose

Einführung

Bibeltext

3. Mose

Einführung

Bibeltext

4. Mose

Einführung

Bibeltext

5. Mose

Einführung

Bibeltext

Josua

Einführung

Bibeltext

Richter

Einführung

Bibeltext

Rut

Einführung

Bibeltext

1. Samuel

Einführung

Bibeltext

2. Samuel

Einführung

Bibeltext

1. Könige

Einführung

Bibeltext

2. Könige

Einführung

Bibeltext

1. Chronik

Einführung

Bibeltext

2. Chronik

Einführung

Bibeltext

Esra

Einführung

Bibeltext

Nehemia

Einführung

Bibeltext

Ester

Einführung

Bibeltext

Hiob

Einführung

Bibeltext

Die Psalmen

Einführung

Bibeltext

Die Sprüche

Einführung

Bibeltext

Der Prediger

Einführung

Bibeltext

Das Hohe Lied

Einführung

Bibeltext

Jesaja

Einführung

Bibeltext

Jeremia

Einführung

Bibeltext

Die Klagelieder

Einführung

Bibeltext

Hesekiel

Einführung

Bibeltext

Daniel

Einführung

Bibeltext

Hosea

Einführung

Bibeltext

Joel

Einführung

Bibeltext

Amos

Einführung

Bibeltext

Obadja

Einführung

Bibeltext

Jona

Einführung

Bibeltext

Micha

Einführung

Bibeltext

Nahum

Einführung

Bibeltext

Habakuk

Einführung

Bibeltext

Zefanja

Einführung

Bibeltext

Haggai

Einführung

Bibeltext

Sacharja

Einführung

Bibeltext

Maleachi

Einführung

Bibeltext

Was zwischen dem Alten und dem Neuen Testament geschah

Das Neue Testament

Das Evangelium von Matthäus

Einführung

Bibeltext

Das Evangelium von Markus

Einführung

Bibeltext

Das Evangelium von Lukas

Einführung

Bibeltext

Das Evangelium von Johannes

Einführung

Bibeltext

Apostelgeschichte

Einführung

Bibeltext

Der Brief an die Römer

Einführung

Bibeltext

Der erste Brief an die Korinther

Einführung

Bibeltext

Der zweite Brief an die Korinther

Einführung

Bibeltext

Der Brief an die Galater

Einführung

Bibeltext

Der Brief an die Epheser

Einführung

Bibeltext

Der Brief an die Philipper

Einführung

Bibeltext

Der Brief an die Kolosser

Einführung

Bibeltext

Der erste Brief an die Thessalonicher

Einführung

Bibeltext

Der zweite Brief an die Thessalonicher

Einführung

Bibeltext

Der erste Brief an Timotheus

Einführung

Bibeltext

Der zweite Brief an Timotheus

Einführung

Bibeltext

Der Brief an Titus

Einführung

Bibeltext

Der Brief an Philemon

Einführung

Bibeltext

Der Brief an die Hebräer

Einführung

Bibeltext

Der Brief von Jakobus

Einführung

Bibeltext

Der erste Brief von Petrus

Einführung

Bibeltext

Der zweite Brief von Petrus

Einführung

Bibeltext

Der erste Brief von Johannes

Einführung

Bibeltext

Der zweite Brief von Johannes

Einführung

Bibeltext

Der dritte Brief von Johannes

Einführung

Bibeltext

Der Brief von Judas

Einführung

Bibeltext

Offenbarung

Einführung

Bibeltext

Schlüsselstellen des Neuen Testaments

Maße; Gewichte und Geld

Verzeichnis der Kurzbiografien

Verzeichnis der Personenprofile

Verzeichnis der Ortsprofile

Themenregister

Verzeichnis der Berufe und Tätigkeiten in der Bibel

Lexikalischer Anhang

Bibellesepläne

Abkürzungen

Nachweise

Register der farbigen Karten

Farbtafeln und -karten

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Vorwort

Auf den Seiten der Bibel begegnen wir wirklichen Menschen. Sie hatten an ihrem Ort und zu ihrer Zeit Probleme zu bewältigen, die alle Menschen zu allen Zeiten betreffen. Vom Anfang der Welt im 1. Buch Mose bis in die Zeit Jesu und der Apostel im Neuen Testament hofften die großen und kleineren Akteure der Bibel darauf, dass Gott sie durch das Drama des Lebens führen wird. Sie verliebten sich und gründeten Familien, hatten Freunde und Feinde, arbeiteten in ihrem Beruf, feierten Feste und standen weinend vor Gräbern. Die Menschen aus der Zeit der Bibel kämpften mit korrupten Regierungen und dem Erwartungsdruck ihrer Umgebung. Sie erlebten (zum Teil selbst verschuldete) Kriege, Hungersnöte, Seuchen und Umweltkatastrophen. Die Welt, in der sie lebten, war nicht viel anders als unsere Welt heute – kompliziert, schwierig und oft verfahren.

Die Menschen der Bibel waren alles andere als vollkommen, und doch erlebten sie hautnah, wie Gott sich ihnen in konkreten Situationen offenbarte. Sie entdeckten, dass er der Herr der ganzen Welt und ihrer ganzen Geschichte ist. Ihnen wurde klar, dass sie seine Geschöpfe sind, als sein Bild erschaffen und dazu berufen, Spiegel seiner Heiligkeit zu sein. Gott lehrte sie, vor Problemen und Feindschaft nicht davonzulaufen. Wo es dunkel war, sollten sie Lichter sein, Hungernden sollten sie Speise und Trank geben, wo das Böse sich zeigte, sollten sie es mit Gutem überwinden.

Wie die heutigen Christen, so mühten sich auch diese Glaubenden von damals darum, in den Wegen des Gottes zu gehen, der so unendlich viel größer ist als sie. Sie fragten sich, wer er war, wie man seinen Willen erkannte und was für eine Rolle sie in seinem Plan spielten. Sie kämpften um den Zusammenhalt ihrer Gesellschaft und rangen um den Wert des Menschen. Es gab kaum einen Tag, an dem Gottes Leute nicht mit wirtschaftlichen, politischen und ethnischen Spannungen konfrontiert waren.

Ihre Geschichte ist auch unsere Geschichte. Wenn wir versäumen, sie zu lesen, werden wir nicht erkennen, was Gott uns darüber zeigen will, wie wir heute, im 21. Jahrhundert, unseren Glauben ausleben können. Die Geschichten der Bibel zeigen uns Wahrheiten über das Leben mit Gott, die uns allen miteinander gelten. Die Brücken zwischen der Bibel und dem heutigen Leben – wir brauchen sie nicht zu bauen. Sie sind längst da; wir müssen nur unsere Augen öffnen, um sie zu sehen.

Gott lädt jeden Menschen auf dieser Erde ein, bei seinem großen Werk mitzumachen. Es ist ein Auftrag, der Einzelne und Familien, Staaten und Gesellschaften, ja die ganze Welt meint. Als Jesus seinen Jüngern befahl: »Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!« (Mk 16,15), forderte er uns zu einem Glauben auf, der alle Bereiche unseres Lebens umfasst – nicht nur die persönliche Erlösung, sondern Gerechtigkeit zum Anfassen und Gnade ohne Grenzen und Vorurteile.

Diese Bibel eignet sich sowohl für Ihr persönliches Bibelstudium als auch für den Gebrauch in Hauskreisen, Gemeindegruppen etc. Hinter ihr steht ein Team von Theologen, Autoren, Redakteuren und Grafikern, die von der Wahrheit der Bibel und ihrer Bedeutung für unser Leben heute zutiefst überzeugt sind. Es ist unser Gebet, dass Sein Wort – meine Welt. Die Studienbibel für das 21. Jahrhundert Ihnen das Rüstzeug geben wird, Gott Schritt für Schritt nachzufolgen, wohin er Sie auch führt. Wir sind zuversichtlich, dass er Ihnen zeigen wird, wie Sie Ihren Glauben neu ausleben und konkret werden lassen können, sodass Sie ein Stück von Gottes Herrlichkeit in Ihre Umgebung tragen.

Kevin Johnson

Mitherausgeber

Hinweise zu den Kurzbiografien

Die 66 Kurzbiografien, die in diese Bibel aufgenommen wurden, bieten eine bunte Vielfalt von Lebensentwürfen, die jeweils für einen oder mehrere Aspekte christlichen Glaubens und Handelns charakteristisch sind. Sie wurden zu dem Zweck aufgenommen, die vielfältigen, auf das Leben als Christ in der modernen Welt bezogenen Anregungen dieser Studienbibel praktisch werden zu lassen und diesbezüglich Vorbilder sowie Impulse zur Umsetzung anzubieten. Gegenüber dem englischen Original wurden dabei eine ganze Reihe hierzulande unbekannter oder weniger bekannter Personen ausgetauscht und entsprechend dem Anliegen der Studienbibel durch Personen aus dem europäischen christlichen Spektrum ersetzt.

Für manchen mag die getroffene Auswahl nicht in jedem Fall den Kriterien entsprechen, die er dafür setzen würde. Es ging den Autoren dieser Studienbibel aber darum, die Umsetzbarkeit christlichen Glaubens – gleich welcher Prägung oder Konfession – in alle Bereiche des Lebens und auf allen Ebenen gesellschaftlicher Realität deutlich werden zu lassen. Dieses vorrangige Ziel lag der Auswahl der Personen auch für die deutschen Herausgeber zugrunde.

Aus Platzgründen mussten sich die Lebensbilder auf Wesentliches beschränken. Daher kommen darin natürlich nicht sämtliche Aspekte zum Tragen, die im Leben der jeweiligen Persönlichkeit eine Rolle gespielt haben. Auf die Darstellung möglicher Schattenseiten, die mit manch einer Person verbunden sein könnten, wurde weitgehend verzichtet, ohne solche in Abrede stellen zu wollen. Sie sind aber im Rahmen dieser Studienbibel ohne Belang. Es wird unschwer erkennbar sein, worin jeweils das Vorbildliche oder Herausfordernde in der Lebensgeschichte der betreffenden Personen besteht.

Abkürzungen

Altes Testament

Das 1. Buch Mose (Genesis) . . . 1Mo

Das 2. Buch Mose (Exodus) . . . 2Mo

Das 3. Buch Mose (Levitikus) . . . 3Mo

Das 4. Buch Mose (Numeri) . . . 4Mo

Das 5. Buch Mose (Deuteronomium) . . . 5Mo

Das Buch Josua . . . Jos

Das Buch der Richter . . . Ri

Das Buch Rut . . . Rt

Das 1. Buch Samuel . . . 1Sam

Das 2. Buch Samuel . . . 2Sam

Das 1. Buch der Könige . . . 1Kö

Das 2. Buch der Könige . . . 2Kö

Das 1. Buch der Chronik . . . 1Chr

Das 2. Buch der Chronik . . . 2Chr

Das Buch Esra . . . Esr

Das Buch Nehemia . . . Neh

Das Buch Ester . . . Est

Das Buch Hiob . . . Hi

Die Psalmen . . . Ps

Die Sprüche . . . Spr

Der Prediger . . . Pred

Das Lied der Lieder (Das Hohe Lied) . . . Hl

Der Prophet Jesaja . . . Jes

Der Prophet Jeremia . . . Jer

Die Klagelieder . . . Kla

Der Prophet Hesekiel (Ezechiel) . . . Hes

Der Prophet Daniel . . . Dan

Der Prophet Hosea . . . Hos

Der Prophet Joel . . . Joe

Der Prophet Amos . . . Am

Der Prophet Obadja . . . Ob

Der Prophet Jona . . . Jon

Der Prophet Micha . . . Mi

Der Prophet Nahum . . . Nah

Der Prophet Habakuk . . . Hab

Der Prophet Zefanja . . . Zef

Der Prophet Haggai . . . Hag

Der Prophet Sacharja . . . Sach

Der Prophet Maleachi . . . Mal

Neues Testament

Das Evangelium nach Matthäus . . . Mt

Das Evangelium nach Markus . . . Mk

Das Evangelium nach Lukas . . . Lk

Das Evangelium nach Johannes . . . Joh

Die Apostelgeschichte . . . Apg

Der Brief an die Römer . . . Röm

Der 1. Brief an die Korinther . . . 1Kor

Der 2. Brief an die Korinther . . . 2Kor

Der Brief an die Galater . . . Gal

Der Brief an die Epheser . . . Eph

Der Brief an die Philipper . . . Phil

Der Brief an die Kolosser . . . Kol

Der 1. Brief an die Thessalonicher . . . 1Thes

Der 2. Brief an die Thessalonicher . . . 2Thes

Der 1. Brief an Timotheus . . . 1Tim

Der 2. Brief an Timotheus . . . 2Tim

Der Brief an Titus . . . Tit

Der Brief an Philemon . . . Phim

Der Brief an die Hebräer . . . Hebr

Der Brief des Jakobus . . . Jak

Der 1. Brief des Petrus . . . 1Petr

Der 2. Brief des Petrus . . . 2Petr

Der 1. Brief des Johannes . . . 1Jo

Der 2. Brief des Johannes . . . 2Jo

Der 3. Brief des Johannes . . . 3Jo

Der Brief des Judas . . . Jud

Die Offenbarung . . . Offb

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Willkommen zu Sein Wort – meine Welt

Die Studienbibel für das 21. Jahrhundert

Was ist die Grundidee dieser Studienbibel? Sie will dem Leser zeigen, was die Rolle des Christen in der Welt ist und wie das Wort Gottes, das im Leben eines Menschen lebendig ist, das Leben anderer Menschen verändern kann. Jesus hat gesagt: »Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet« (Joh 15,8). Die Informationen und Erklärungen in dieser Studienbibel erhellen Kontext und Bedeutung der biblischen Texte und helfen dem Leser damit, diese auf sein Leben und seine Welt heute anzuwenden. Die Welt, in der wir leben, erwartet von uns, dass wir handeln, geben und uns einbringen. Gottes Wort befähigt uns, genau dies zu tun.

Die Bibel verstehen

Sein Wort – meine Welt. Die Studienbibel für das 21. Jahrhundert enthält Tausende von Artikeln, Karten, Illustrationen, Tabellen und anderen Hilfen, die die Personen, Orte und Kulturen der Bibel erhellen und die biblische Botschaft herausarbeiten. Historischer Hintergrund und auch zeitlose Wahrheiten und Themen der Texte werden untersucht, um ein besseres Verstehen zu ermöglichen.

Die Bibel anwenden

Ein vertieftes Verständnis der Bibel gibt uns Anstöße, unseren Glauben in die Praxis umzusetzen. Diese Studienbibel untersucht, wie wir Gottes Wort auf unseren Alltag anwenden können, insbesondere im Blick auf Gesellschaft und soziale Gerechtigkeit. Kurzbiografien von 66 Personen aus aller Welt, allen Epochen und allen sozialen Schichten illustrieren, wie man mit Gott die Welt verändern kann.

Selbstständig denken

Sein Wort – meine Welt. Die Studienbibel für das 21. Jahrhundert will Anstöße zum selbstständigen Denken geben. Die Artikel sind als allgemeine Orientierungshilfen gedacht und nicht als verbindliche Antwort auf alle theologischen Einzelfragen. Manchmal nennen sie mehrere mögliche Antworten, manchmal betonen sie die allgemeine Bedeutung des Textes und nicht die Details. Immer aber wird der Leser zum Nachdenken über seinen Glauben ermutigt.

Grundthemen

Kulturen kommen und gehen, die großen Themen und Herausforderungen bleiben. Die Grundthemen, die wir in der Bibel, ja in der ganzen Welt finden, prägen auch unser heutiges Leben. Sein Wort – meine Welt. Die Studienbibel für das 21. Jahrhundert behandelt die folgenden wichtigen Themenbereiche:

Beziehungen

Wir leben heute in lokalen und globalen, physischen und virtuellen Beziehungen und Strukturen. Beziehungen waren bereits von Anfang an ein Kernthema für das Volk Gottes. Gottes Wort bekräftigt und beantwortet unser Bedürfnis nach Gemeinschaft.

Arbeit

Für viele Menschen heute ist ihr Beruf der wichtigste Lebensbereich. Er beeinflusst Wohnort, Lebensstil, ja sogar den Freundeskreis. Die Bibel hat viel über Arbeit und Arbeitsplatz zu sagen.

Staat und Gesellschaft

Das Eintreten für soziale Gerechtigkeit ergibt sich aus dem biblischen Gebot der Nächstenliebe (Mt 22,39). Die Bibel zeigt auch, wie der Christ sich zur Regierung verhalten sollte, wie Jesus mit den politischen Mächten seiner Zeit umging und wie die frühe Kirche in einem immer feindseligeren politischen Klima nicht nur überlebte, sondern aufblühte.

Wirtschaft

Im Zeitalter der Globalisierung haben staatliche Wirtschaftspolitik und persönliche finanzielle Entscheidungen Folgen für alle. Die Bibel gibt uns klare Richtlinien zu Reichtum, Geld, Werten, Dienst, sozialer Verantwortung und Umwelt.

Ethik

Die moderne Welt kann schnell alle Maßstäbe infrage stellen. Hier bietet Gottes unwandelbares Wort uns einen festen Maßstab für »recht« und »unrecht«, ethisches Verhalten sowie persönliche Echtheit und Glaubwürdigkeit.

Volksgruppen

Wir leben in einer ethnisch konfliktträchtigen Welt. Die ersten Christen entdeckten, dass das Evangelium enorme Konsequenzen für das Zusammenleben mit Menschen anderer Kulturen hat.

Kirche und Gemeinde

Die christliche Gemeinde steht heute vor außergewöhnlichen Chancen und kritischen Weichenstellungen. Ein Blick in die Anfänge der Kirche im 1. Jahrhundert kann uns wertvolle Hilfen für ihre Rolle im 21. Jahrhundert geben.

Laienchristen

Die moderne Welt ist voll von gewöhnlichen Menschen, die Außergewöhnliches leisten. Jeder Christ, auch wenn er kein kirchlicher »Profi« ist, kann diese Welt verändern, wenn er seine Chancen und seine Verantwortung vor Gott wahrnimmt.

Familie

Mit großem Realismus gibt Gottes Wort uns die Mittel an die Hand, in einer gefallenen Welt gesunde Ehen und Familien aufzubauen.

Stadt

Zum ersten Mal in der Geschichte leben heute mehr Menschen in städtischen Ballungszentren als auf dem Land, und die Kirche muss sich dem stellen. Doch viele Christen haben ein negatives Bild von der Stadt. Wenn wir das Neue Testament lesen, sehen wir, dass das Evangelium sich vor allem über die damaligen städtischen Zentren ausbreitete. Dies kann auch heute geschehen.

Zeugnis und Mission

Mission – Christen wie Nichtchristen tun sich heute schwer damit. Doch Jesus trug seinen Jüngern auf, das Evangelium in alle Welt zu tragen. Die Bibel gibt uns wertvolle Hilfen, wie wir diesen Auftrag auf eine gewinnende, sensible und wirkungsvolle Art ausführen können.

Gott kennen und dienen

Jesus kam in die Welt, damit wir Gott kennenlernen können – nicht bloß als Kopfwissen, sondern im Rahmen einer persönlichen Beziehung zu ihm. Die Studienhilfen in dieser Bibel wollen dem Leser helfen, das zu erfahren, worum Jesus in Johannes 17,3 betet: »dass sie dich, den allein wahren Gott … erkennen.«

Persönlich im Glauben wachsen

Die Bibel betont stark die öffentliche Seite des Glaubens. Aber in der Welt »draußen« für Gott leben kann ich nur, wenn ich mein ganz persönliches Verhältnis zu ihm pflege. Mittel, dieses Verhältnis zu pflegen und auszubauen, sind u. a. Gebet, Bibelstudium, Einkehr und Besinnung sowie Fasten.

Umwelt

Zu oft betrachten wir die Erde und ihre Ressourcen als Selbstbedienungsladen und nicht als anvertraute Gabe. Gott hat uns auf diesen Planeten gesetzt, damit wir ihn pflegen und bewahren, und wird einmal dafür Rechenschaft von uns fordern.

Hilfen zum Bibelstudium

Hier ein Überblick über die Hilfen zum Bibelstudium, die diese Studienbibel Ihnen bietet. Wichtig sind auch die Register am Ende des Buches.

Einführungen in die biblischen Bücher

Jedes biblische Buch beginnt mit einer Kurzeinführung, die wichtige Informationen zu Autor, Entstehungszeit, Inhalt, Personen und wichtigen Themen gibt. Ergänzt wird jede Einführung durch einen griffigen »Untertitel« für das Buch.

»Fokus«-Artikel

Die »Fokus«-Artikel entfalten den Gehalt bestimmter Bibelverse. Sie wollen dem Leser helfen, diese Schriftstellen auf die Welt, in der wir heute leben, anzuwenden.

»Hintergrund«-Artikel

Diese Artikel bieten Hintergrundinformationen über einen Textabschnitt bzw. seinen kulturellen Kontext. Je mehr wir über den historisch-kulturellen Hintergrund einer Bibelstelle wissen, umso besser können wir sie verstehen.

Wichtige Personen

Zu den Zugängen zum biblischen Text, die diese Studienbibel bietet, gehören auch Kurzprofile wichtiger Personen der Bibel. Es handelt sich nicht um Biografien, sondern um Zusammenfassungen, was der Text uns ausdrücklich über eine Person sagt, ferner was wir aus dem Text indirekt über sie herausfinden können und schließlich was wir aus anderen Quellen über sie wissen.

Wichtige Orte

Viele Orte aus biblischer Zeit sind dem heutigen Leser unbekannt. Doch wenn wir uns die Geografie der Bibel anschauen, entdecken wir, dass die damalige Welt gar nicht so viel anders war als unsere heutige Welt. Die Ortsbeschreibungen stellen den betreffenden Ort auf der Landkarte dar und bieten Informationen über ihn und über das Leben der Menschen, die dort wohnten.

Kurzbiografien

Die Kurzbiografien umfassen jeweils eine Buchseite und sind so in diese Bibel eingefügt, dass sie thematisch passen. Sie erzählen die Geschichten von 66 Menschen, die Herausforderungen des Glaubens in ihrem Leben umgesetzt haben. Diese Menschen kommen aus aller Welt, allen Epochen und allen gesellschaftlichen Schichten. Wie alle Menschen waren auch sie nicht ohne Fehler und Schwächen, doch sie handelten aufgrund ihres Glauben an Gott und aufgrund seines Wortes, und zwar auf eine Art, die die Welt veränderte und die auch uns Ansporn und Vorbild sein kann.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Die Übersetzung der Elberfelder Bibel

Die Elberfelder Bibel ist eine traditionsreiche Übersetzung, die von Anfang an das Ziel hatte, die alt- und neutestamentlichen Grundtexte so genau und zuverlässig wie möglich zu übersetzen. Die erste vollständige Ausgabe erschien 1871 in Wuppertal-Elberfeld (daher der Name »Elberfelder Bibel«). Von 1885 bis 1934 wurde der Text immer wieder durchgesehen. Revisionen wurden 1974 (NT), 1985 (AT) und 2006 vorgenommen. Seitdem arbeitet eine Bibelkommission an weiteren Verbesserungen, die sich in verschiedenen »Textständen« niederschlagen. Die vorliegende Bibelausgabe bietet den Textstand (TS) 30.

Sprachgewohnheiten ändern sich schnell; und auch wenn eine grundtextorientierte Bibel wie die Elberfelder Bibel hier nicht jeder Mode folgen kann, so gibt es doch manchen Wandel im Sprachverständnis, dem eine Bibelübersetzung Rechnung tragen muss. Es gibt Begriffe, die veralten, und Ausdrucksweisen, die einer nachwachsenden Generation nicht nur fremdartig, sondern auch unnötig unverständlich klingen. Auch im Blick auf die geistlich-theologische Reflexion der Bibeltexte sind im Laufe der Zeit neue Erkenntnisse hinzugekommen. Sie betreffen sowohl sprachwissenschaftliche als auch kulturhistorische Begebenheiten. Gelegentlich wurde auch im zeitlichen Abstand festgestellt, dass sich die einmal gewählte Übersetzung noch präzisieren ließ. Das waren Anlässe und Leitmotive der zurückliegenden Revisionen.

Textgrundlage

Dem Neuen Testament liegt die 26. Auflage des No­vum Testamentum Graece, herausgegeben von E. Nestle und K. Aland, zugrunde. Die wenigen Neuerungen in der Textgestalt, die sich aus der 28. Auflage ergeben, wurden zur Kenntnis genommen. An einigen Stellen, wo die ältesten und besten griechischen Handschriften eindeutig für eine andere als eine früher abgedruckte Lesart sprachen, folgt die Textgestalt der Elberfelder Bibel nun diesen Handschriften. An anderen Stellen, wo gute Gründe für die Beibehaltung der bisherigen Lesart sprachen, wurde nur in einer Fußnote auf die jeweils abweichende Lesart hingewiesen. Dieses Verfahren gilt auch künftig: Die Elberfelder Bibel richtet sich nach der jeweils neuesten Auflage des Nestle-Aland, behält sich aber Abweichungen vor.

Besondere Probleme stellten sich im Alten Testament. Der gültige hebräische Text (der sog. Masoretische Text) ist durch die lange Zeit der Überlieferung, in der immer eine Handschrift von der anderen abgeschrieben wurde, an mehreren Stellen so entstellt, dass der ursprüngliche Sinn nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden kann. Der naheliegenden Versuchung, den hebräischen Text hier einfach durch sogenannte Konjekturen (= Vermutungen) zu verändern, wie es viele andere Übersetzungen getan haben, ohne dass der Leser dies nachprüfen kann, wurde widerstanden. Für die Elberfelder Übersetzung des Alten Testaments gelten hier drei Grundregeln:

Es wird der gültige hebräische Text übersetzt, der sogenannte Masoretische Text. Abweichende Lesarten oder Varianten, die auf einer der frühen Übersetzungen (z. B. der LXX) beruhen, werden in den Anmerkungen angegeben.

Weicht die Übersetzung von dieser Regel ab, wird die Version des Masoretischen Textes in einer Anmerkung angegeben, sodass der Leser die Möglichkeit der Nachprüfung hat.

Derartige Abweichungen vom Masoretischen Text werden so gering wie möglich gehalten.

Anmerkungen zum Bibeltext

Die Anmerkungen zum Bibeltext sollen dem Bibelleser da, wo es sinnvoll ist, den Grundtext noch näher bringen, als eine bloße Übersetzung das kann. Meist handelt es sich um einen der drei folgenden Anmerkungstypen:

Andere Lesarten: Die Bibel ist uns in Hunderten von Handschriften erhalten, die an einigen Stellen voneinander abweichen (»Lesarten«). Meist lässt sich die echte, d. h. der ursprüngliche Text leicht herausfinden. Gelegentlich ist jedoch die Entscheidung, welche von zwei oder drei Lesarten die älteste ist, nicht eindeutig zu treffen. Dann steht in der Anmerkung: »andere Handschr. lesen …«, oder: »nach anderer Lesart …« bzw. ein Hinweis auf eine der frühen Übersetzungen. Beispiele: Ps 23,6 Anm. 2; Ps 24,6 Anm. 6; Mk 16,20 Anm. 2; 1Kor 14,38 Anm. 1.

Andere Übersetzungsmöglichkeiten: Manchmal lässt sich die Grundbedeutung eines Wortes nicht in die Übersetzung aufnehmen. Gelegentlich hat ein Wort auch mehrere deutsche Entsprechungen, von denen an der betreffenden Textstelle aber nur eine in der Übersetzung stehen kann. Hier wird dann in der Anmerkung oft auf die andere (bzw. die wörtliche) Übersetzungsmöglichkeit hingewiesen. Beispiele: Ps 73,10 Anm. 8; Ps 120,7 Anm. 5; 1Kor 7,2 Anm. 6; Phil 2,6 Anm. 12.

Kurze Worterklärungen, die zum Verständnis des Zusammenhangs notwendig sind. Beispiele: Mt 14,25 Anm. 2; 1Kor 13,12 Anm. 5.

Verweisstellen

Ein besonderes Kennzeichen der Elberfelder Bibel sind die biblischen Verweisstellen, von denen es mehr als 20 000 gibt. Diese reichhaltige Ausstattung des Bibeltextes ist einzigartig. Es lohnt sich, den einzelnen Verweisen nachzugehen und untereinander verwandte Aussagen in der ganzen Bibel zu entdecken. Die Verweisstellen sind den Bezugsstellen im Bibeltext mit hochgestellten Buchstaben in alphabetischer Reihenfolge zugeordnet. Diese beginnen in jeder Spalte des Bibeltextes neu mit »a«. Die Verweisstellen sind unten auf jeder Seite aufgeführt; ein kleiner nach links oder rechts weisender Pfeil (◀; ▶) zeigt an, ob sich die Einträge auf die Stellen in der linken oder in der rechten Spalte beziehen.

Die herausgebenden Verlage

Die meisten Ausgaben der Elberfelder Bibel – so auch die vorliegende – werden in Zusammenarbeit zweier Verlage herausgegeben, von SCM R.Brockhaus und der Christlichen Verlagsgesellschaft, Dillenburg. Es waren die gemeinsamen historischen Wurzeln sowie die gemeinsame Grundausrichtung im Bibelverständnis und in der Bibelverbreitung, die beide Verlage veranlasst haben, miteinander zu kooperieren. Die Bibelkommission wird daher von beiden Verlagen gemeinsam verantwortet und – sofern im Einzelfall nicht anders bezeichnet – auch die einzelnen Bibelausgaben. Dabei ist zu vermerken, dass das Urheberrecht für die Verwertung der Texte, das Copyright, bei SCM R.Brockhaus verbleibt.

Es ist der Wunsch der herausgebenden Verlage, dass die Elberfelder Bibel allen Lesern zum Segen wird und dass sie weiterhin wichtige Impulse für das geistliche Leben der Christen im deutschsprachigen Raum liefern kann.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Ein Glaube für heute

Jesus ist der Herr der ganzen Welt, mit allem, was zu ihr gehört. Ihm nachzufolgen betrifft alle Bereiche unseres Lebens, die privaten wie die öffentlichen.

Uns Christen sind die privaten Dimensionen ihres Glaubens wohlvertraut: unsere persönliche Beziehung zu Jesus Christus, die Veränderungen, die er in uns bewirkt, die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen in Gottesdienst, Hausbibelkreis oder Freundschaft. Aber in der Welt, in der wir heute leben, ist es wichtig, dass wir auch die oft vergessenen öffentlichen Dimensionen des Evangeliums wiederentdecken. Als das »Volk Gottes« (1Petr 2,9-10) sind wir dazu aufgerufen, unseren Glauben sichtbar auszuleben, um diese Welt zu verändern. Das ist nur möglich, wenn wir in jedem Bereich unserer Gesellschaft und Kultur Jesus konsequent nachfolgen.

Unser globales Dorf

Um zu erfassen, wie das ganz praktisch aussehen kann, ist es hilfreich, die folgenden drei Hauptkomponenten des »globalen Dorfes«, in dem wir heute leben, zu betrachten:

Arbeitsplatz: Wirtschaft, Regierung und Verwaltung, öffentliche Dienstleistungen. Diese drei Sektoren, die für Tausende von Berufen stehen, sind die drei Gebäude oben in der Grafik auf Seite XVII.

Gruppen: Familie, Gemeinde, Wohnort. Diese mehr allgemein definierten, weniger formalen Bereiche bilden Netzwerke von Beziehungen. Sie können zum Guten oder zum Schlechten wirken. In der Grafik auf Seite XVII sind diese Gruppen durch die Häuser und Kirchen unterhalb der drei großen Gebäude dargestellt.

Systeme: Politik, Gesetze, Werte, Überzeugungen, Traditionen. Sie bilden sozusagen das gedankliche Fundament der Gesellschaft und prägen auf eine oft unterschwellige, aber wirksame Weise unsere Arbeitswelt und unsere Beziehungen. In der Grafik auf Seite XVII werden sie durch die Säulen ganz unten dargestellt. Manche dieser Säulen sind über lange Zeit stabil, während andere zu bröckeln beginnen und repariert bzw. verstärkt werden müssen. Wieder andere müssen komplett abgetragen und durch neue Säulen ersetzt werden, je nach den wechselnden Bedürfnissen der Gesellschaft.

Hinter alldem steht unser allmächtiger Gott, der seine Schöpfung erhält. Das Wissen um seine Gegenwart und seinen Willen versetzt uns in die Lage, unseren Glauben privat und auch öffentlich auszuleben, im Wechsel zwischen der persönlichen Begegnung mit Gott, dem Zusammenkommen zum gemeinsamen Gottesdienst und dem Hinausgehen in die Welt.

Wie der Glaube die Welt verändert

Die Botschaft von Jesus Christus verändert die Welt, wenn seine Nachfolgerinnen und Nachfolger konkrete Schritte gehen, die den Menschen seine Liebe und Werte zeigen.

1. Gott wirkt durch Menschen, die Christus nachfolgen. Christen, die ihren Glauben zur Tat werden lassen, verkündigen der Welt das Evangelium, indem sie

in ihrem Beziehungsalltag in Wort und Tat Christus und seine Barmherzigkeit lebendig werden lassen;

mit den ihnen anvertrauten Ämtern und Aufgaben, Besitztümern und Ressourcen weise und großzügig umgehen;

zuverlässige Partner in sozialen Strukturen wie z. B. ihrem Wohnviertel sind;

geduldig und ohne Arroganz Führungsqualitäten ausbilden.

2. Gott wirkt durch christliche Institutionen. In vielen Kulturen können Christen Organisationen beeinflussen oder leiten, die ihrer Gesellschaft das Evangelium bringen und erklären. Dies sind u. a.:

Gemeinden vor Ort, die ihren Mitgliedern Mut machen, sich in die Gesellschaft einzubringen.

Gemeinnützige Organisationen, die medizinische Versorgung, Schulen und Kindergärten, Suppenküchen und örtliche Tafeln, Begegnungscafés, Rechtsberatung und andere Dienstleistungen anbieten.

Medienbeiträge von Einzelnen und Gruppen, die die Menschen über das Evangelium und Kontakte mit anderen Christen informieren. Diese Medienbeiträge reichen von Leserbriefen in Zeitungen über die sozialen Medien im Internet und auf dem Mobilgerät bis hin zu Rundfunksendern und ­Verlagen.

3. Gott wirkt durch gesellschaftliches und politisches Engagement. Christen können die Werte in ihrer Gesellschaft und die Menschen und Institutionen, die sie prägen, beeinflussen. Sie können dies u. a. dadurch tun, dass sie

wählen gehen, sich selbst für Ämter zur Verfügung stellen und gute Kandidaten und Gesetze unterstützen;

sich durch Petitionen u. Ä. zu Wort melden, um Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen;

sich für Entwicklungen und Projekte in Wirtschaft und Gesellschaft einsetzen, die den Menschen dienen und für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen.

Christlicher Glaube, der echt ist, bedeutet mehr, als persönliche Erlebnisse mit Gott im stillen Kämmerlein zu haben. Er muss nach außen sichtbar werden. Der Glaube verwandelt den einzelnen Menschen, aber er kann und soll auch die Welt beeinflussen – all die Strukturen und Systeme, die unsere soziale und berufliche Welt tragen und prägen. Das Reich Gottes ist – nach Römer 14,17 – Friede und Freude im Heiligen Geist, aber auch Gerechtigkeit.

Unsere Welt liegt im Argen; das Böse und die Sünde sind überall. Jesus weiß das und sendet uns hinaus in die Welt, um dort das Evangelium zu verbreiten und in seinem Namen heilsamen Einfluss auszuüben (Mk 16,15-18). In Familie und Verwandtschaft, durch unser Auftreten und Reden, durch unsere Arbeit, durch unser Gebet und durch unser Handeln als Bürger unserer Gesellschaft und Teilhaber an ihren Strukturen können wir die Botschaft Christi in eine Welt tragen, die diese Botschaft, ja die ihn selbst dringender braucht als je zuvor.

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1. Mose (Genesis)

Gott erschafft eine gute Welt

Das 1. Buch Mose legt das Fundament für die übrigen biblischen Bücher, indem es uns an den Uranfang aller Dinge zurückführt. Die Bibel besteht aus 66 Büchern, aber eigentlich ist sie ein einziges Buch, das eine Geschichte erzählt – die größte Geschichte aller Zeiten, und sie beginnt mit dem 1. Buch Mose. Ohne die ersten Kapitel dieses Buches kann man den Rest der Bibel schwerlich verstehen. Die ersten drei Kapitel decken einen unbestimmten Zeitraum ab; die Kapitel 4–11 erzählen das Drama der menschlichen Geschichte bis ca. 2000 v. Chr.

Das griechische Wort genesis (es entstammt der griech. Übersetzung des AT, der Septuaginta) bedeutet »Ursprung«, und die ersten Worte des Buches lauten »Im Anfang« (1Mo 1,1). Das 1. Buch Mose ist ein Buch der Anfänge; es erzählt

den Ursprung des Universums (1Mo 1). Der ewige Gott erschuf ein raumzeitliches Universum. Das Buch beschreibt, was hier geschah, ohne sich darauf festzulegen, wie es geschah, sodass wir seiner Darstellung vertrauen können, auch wenn wir mit anderen Vorstellungen über das »wie« konfrontiert werden. Weil Gott der Schöpfer ist, ist die ganze Welt sein Eigentum. Er ist der souveräne Herr über die Erde, auf der er seinen Plan ausführt.den Ursprung der Menschheit (1Mo 1–2). Gott erschuf die Menschen als sein Bild. Der Garten Eden zeigt uns, was Gottes ursprünglicher Plan mit uns war und wie unsere Beziehung zu ihm, zueinander und zur Welt aussehen sollte. Wir sollten Gottes Werk in der Welt ausführen und bekamen dazu die Gabe der Arbeit; dieser Auftrag besteht auch nach dem Sündenfall weiter.den Ursprung des Bösen und der Sünde (1Mo 3). Gott nannte seine Schöpfung »sehr gut« (1,31). Doch als Adam und Eva Gott ungehorsam wurden, drang das Böse in diese vollkommene Schöpfung ein (3,1-7). Das 1. Buch Mose zeigt die tragischen Folgen des Sündenfalls. Die Sünde bringt uns dazu, alles Gute zu missbrauchen, bringt Schuld und Scham, sabotiert Beziehungen und führt schließlich zum Tod.den Ursprung der Erlösung (1Mo 3 und 12). Gottes endgültige Antwort auf die Sünde sollte durch den Tod Jesu am Kreuz kommen, doch schon direkt nach dem Sündenfall handelte Gott, um seine Welt und die Menschen in ihr zu retten. Sein Heilsplan deutet sich in 1. Mose 3,15 erstmals an und im weiteren Verlauf des 1. Buches Mose erfahren wir, wie er durch Abraham und dessen Nachkommen daranging, alle Geschlechter der Erde zu segnen (12,3). Gottes Wille, Plan und Gnade wirken auch in dieser gefallenen Welt.

Das 1. Buch Mose führt uns auch in das Wesen Gottes ein. Gott ist ewig; nach 1. Mose 1,1 existierte er von Anfang an. Im hebräischen Grundtext wird er hier als Elohim bezeichnet – eine Pluralform, in der man eine Andeutung dafür sehen kann, dass Gott ein dreieiniger Gott ist – ein Gott, der in drei Personen (Vater, Sohn, Heiliger Geist) besteht. Es gehört mithin zu Gottes Wesen, dass er ein Gott der Beziehungen und des partnerschaftlichen Wirkens ist (→ »Die göttliche Partnerschaft« bei Joh 1,1-3).

Das Thema »Dreieinigkeit« bzw. »Trinität« taucht immer mal wieder in der Bibel auf. Weil Gott in Beziehung lebt, sind auch seine Gnade und sein Segen nicht auf den Einzelnen beschränkt. Da wir als sein Bild erschaffen sind, sollen wir seinen Segen in unsere Umgebung tragen, hinein in eine Welt der Familien, Stämme und Nationen. Im 1. Buch Mose gründet Gott

die Familie (1Mo 2 und 4). Gott erschuf den Menschen als Mann und Frau und gründete die Institution der Familie. Im 1. Buch Mose wie im Rest der Bibel sind Familien mehr als Verwandte, die unter einem Dach zusammenwohnen; über die Grenzen von Geografie und Generationen hinweg bilden sie ein Ganzes.die Stadt (1Mo 4). Das 1. Buch Mose zeigt, dass Städte als Orte des Schutzes und der Zivilisation entstanden.die Völker (1Mo 10). Die Völker und Nationen sind ein Teil von Gottes großem Plan. Sein Heilswille soll alle Völker der Erde erreichen.Israel (1Mo 12). Das Volk Israel entstand durch den Glaubensgehorsam Abrahams. Gott schenkte ihm und Sara den Sohn, durch den Israel geboren wurde (15,1-6; 18,10-15). Das 1. Buch Mose zeigt uns den Anfang dieses Volkes und seiner Rolle in Gottes Heilsplan.

Das 1. Buch Mose deckt einen größeren Zeitraum ab als der ganze Rest der Bibel: von der Urgeschichte (1Mo 1–11) bis zum Tod Josefs in Ägypten ca. 1850 v. Chr. (50,26). Von alters her hat man als Verfasser des 1. bis 5. Buches Mose (Genesis bis Deuteronomium; die fünf Bücher sind auch als Pentateuch bekannt) Mose betrachtet (3Mo 1,1; Neh 13,1; Lk 24,27). Mehr über diesen Mann, der als Israels größter Prophet galt (5Mo 34,10), steht in den Fokus-Artikeln bei 2Mo 2,8-11.

Orte im 1. Buch Mose

Die Ereignisse im Buch 1. Mose spielen im Wesent­lichen in drei Gegenden:

Die Region um Euphrat und Tigris, auch als »Fruchtbarer Halbmond« bekannt (1Mo 1–11; → Karte bei »Der Garten Eden« bei 1Mo 2,10-14).Kanaan (1Mo 12-36; 38; → Karte bei »Die Geografie Kanaans« bei 1Mo 10,11-12).Ägypten (1Mo 37; 39–50; → Karte bei »Die Ägypter« bei 2Mo 11,7).

Schlüsselereignisse im 1. Buch Mose

Gott erschafft die Welt (1Mo 1–2).Gott spricht nach dem Sündenfall einen Fluch aus und verhängt Konsequenzen (1Mo 3,14-19).Kain ermordet Abel (1Mo 4,1-15).Die Sintflut; die Arche Noah (Kap. 6–9).Der Turmbau zu Babel (1Mo 11,1-9).Abram wird berufen (1Mo 12,1-3).Gottes Bundesschluss mit Abram (1Mo 15,1-21).Gott vernichtet Sodom und Gomorra (Kap. 18–19).Die Opferung Isaaks (Kap. 22).Jakobs Traum von der Himmelsleiter (1Mo 28,10-17).Jakob schenkt seinem Sohn Josef einen bunten Leibrock (1Mo 37,1-4).Josefs Brüder verkaufen Josef als Sklaven und vertuschen ihre Tat (1Mo 38,18-36).Josef kommt in Ägypten zu Macht und Ehre und rettet das Land vor einer Hungersnot (1Mo 41,37-57).

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Kapitelwahl1. Mose

Einführung

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Das erste Buch Mose (Genesis)

Die Schöpfung: Siebentagewerk

1Mo 1

1Im Anfang schuf Gott den Himmel F  und die Erde P .

FOKUS◆ 1Mo 1,1-31

Gott der Schöpfer

Schon im ersten Satz der Bibel ist Gott da. Sie führt ihn als Schöpfer ein, der Himmel und Erde erschafft. Das Thema der Schöpfung durchzieht die ganze Bibel, von der Erschaffung unserer Welt bis zum neuen Himmel und der neuen Erde in Offenbarung 21,1. Gott in Christus ist der Schöpfer und Herr (1Mo 1,31; Kol 1,16-17).

Gottes Schöpfung war »gut« (1Mo 1,4.10.12.18.21.25), ja »sehr gut« (1,31). Doch sein Wirken endete nicht mit der Erschaffung von Adam und Eva. Noch heute sorgt er für seine Geschöpfe (Ps 104,27; 136,25; 145,15-16; → »Gott, unsere Zuflucht« bei Ps 12,6), erhält seine Schöpfung (Neh 9,6; Ps 33,6; Hebr 1,3; → »Die Welt aufrechterhalten« bei Kol 1,17) und bringt den Menschen Erlösung (Eph 1,7; → »Gott ist ein Arbeiter« bei Joh 5,17).

Gott arbeitet nicht allein. Weil er uns Menschen als seine Verwalter der Erde erschaffen hat (→ »Als sein Bild erschaffen« bei 1Mo 1,27-30 und »Menschen bei der Arbeit« bei Ps 8,7), haben wir den Auftrag, sie zu erhalten, zu schützen und weise mit ihr umzugehen. Als Gottes Mitarbeiter sind wir ihm verantwortlich (1Mo 2,8.15; Pred 9,10; 12,13-14); es ist ihm nicht egal, was wir mit seiner Schöpfung machen.

Als Gott die Welt erschuf, war er Künstler, Designer, Projektmanager, Zoologe, Biologe, Chemiker, Linguist, Programmierer, Ingenieur und noch vieles andere. Es sind Berufe, mit denen auch wir uns als Gottes Mitarbeiter identifizieren können. Gott als der große Arbeiter – das zeigt uns:

Arbeit ist etwas Gutes (→ »Die Mühsal der Arbeit« bei 1Mo 3,17-19).Es gefällt Gott, wenn wir mit dem, was er erschaffen hat, gestalterisch arbeiten (→ »Menschen bei der Arbeit« bei Ps 8,7).Ob wir unsere Arbeit als »geistlich« oder »weltlich« sehen – alles gute Arbeiten spiegelt Gottes Wirken wider (→ »Die Gabe der Liebe« bei 1Kor 12,28-31 und »Der Wert der Arbeit« bei Kol 3,1-4).

Gott bekommt Ehre durch sein eigenes Wirken, und wir sollen ihn ehren, indem wir die Arbeit, die er uns aufgetragen hat, gut tun (→ »Wie Christen arbeiten sollen«bei Tit 2,9-11).

Mehr dazu: Manche Religionen betrachten das Universum selbst als göttlich. Die Bibel sieht das anders (→ »Die Welt und Gott« bei Hebr 11,3). In 1Mo 2,2 »Und Gott vollendete … sein Werk« steht im Hebräischen dasselbe Wort für »Werk« bzw. »Arbeit« wie in den Zehn Geboten: »Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun« (2Mo 20,9). Arbeit ist etwas Gutes, weil auch Gott arbeitet. Mehr über den Wert der Arbeit → »Gott ist ein Arbeiter« bei Joh 5,17, »Arbeitsplatz-Mythen« bei 1Kor 3,9, »Der Wert der Arbeit« bei Kol 3,1-4, und »Arbeit in der Bibel« bei Offb 22,1-11.

2Und die Erde war wüst F  und leer F  P , und Finsternis war über der F  Tiefe F ; und der Geist F  Gottes schwebte über dem Wasser F  P .

3Und Gott sprach: Es werde Licht P ! Und es wurde Licht. 4Und Gott sah das Licht, dass es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis P . 5Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag.

6Und Gott sprach: Es werde eine Wölbung F  P  mitten im Wasser, und es sei eine Scheidung zwischen dem Wasser und dem Wasser! 7Und Gott machte die Wölbung P  und schied das Wasser, das unterhalb der Wölbung F , von dem Wasser, das oberhalb der Wölbung F  war P . Und es geschah so. 8Und Gott nannte die Wölbung F  Himmel P . Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein zweiter Tag.

9Und Gott sprach: Es soll sich das Wasser unterhalb des Himmels an einen Ort sammeln, und es werde das Trockene sichtbar! P  Und es geschah so. 10Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Ansammlung des Wassers nannte er Meere P . Und Gott sah, dass es gut war. 11Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras hervorsprossen, Kraut, das Samen hervorbringt, Fruchtbäume, die auf der Erde Früchte tragen nach ihrer Art, in denen ihr Same ist P ! Und es geschah so. 12Und die Erde brachte Gras hervor, Kraut, das Samen hervorbringt nach seiner Art P , und Bäume, die Früchte tragen, in denen ihr Same ist nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war. 13Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein dritter Tag.

14Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Wölbung F  des Himmels werden P , um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie werden dienen als Zeichen und 〈zur Bestimmung von〉 Zeiten F  und Tagen und Jahren P ; 15und sie werden als Lichter an der Wölbung F  des Himmels dienen, um auf die Erde zu leuchten! Und es geschah so. 16Und Gott machte die beiden großen Lichter: das größere Licht zur Beherrschung des Tages und das kleinere Licht zur Beherrschung der Nacht und die Sterne P . 17Und Gott setzte sie an die Wölbung F  des Himmels, über die Erde zu leuchten 18und zu herrschen über den Tag und über die Nacht und zwischen dem Licht und der Finsternis zu scheiden. Und Gott sah, dass es gut war. 19Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein vierter Tag.

20Und Gott sprach: Es soll das Wasser vom Gewimmel lebender Wesen F  wimmeln P , und Vögel sollen über der Erde fliegen unter der Wölbung F  des Himmels! 21Und Gott schuf die großen Seeungeheuer P  und alle sich regenden lebenden Wesen F , von denen das Wasser wimmelt, nach ihrer Art P , und alle geflügelten Vögel, nach ihrer Art P . Und Gott sah, dass es gut war. 22Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt das Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde! P 23Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein fünfter Tag.

24Und Gott sprach: Die Erde bringe lebende Wesen F  hervor nach ihrer Art: Vieh und kriechende Tiere und 〈wilde〉 Tiere der Erde nach ihrer Art! Und es geschah so. 25Und Gott machte die 〈wilden〉 Tiere der Erde nach ihrer Art und das Vieh nach seiner Art und alle kriechenden Tiere auf dem Erdboden nach ihrer Art P . Und Gott sah, dass es gut war.

26Und Gott sprach: Lasst uns P  Menschen F  machen als unser Bild F , uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde F  und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen P ! 27Und Gott schuf den Menschen P  als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn P ; als Mann und Frau F  schuf er sie P . 28Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde P , und macht sie 〈euch〉 untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen P ! 29Und Gott sprach: Siehe, 〈hiermit〉 gebe ich euch alles Samen tragende Kraut, das auf der Fläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an dem Samen tragende Baumfrucht ist: es soll euch zur Nahrung dienen P ; 30aber allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, in dem eine lebende Seele ist, 〈habe ich〉 alles grüne Kraut zur Speise 〈gegeben〉 P . Und es geschah so. 31Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut P . Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag P .

FOKUS◆ 1Mo 1,28-30

Der Schöpfungsauftrag

Die Erschaffung des Menschen (1Mo 1,26-30) ist mit einem »Schöpfungsauftrag« verbunden, weil Gott hier zeigt, wozu wir da sind. Zu diesem Auftrag gehören u. a:

Familie. Wir sind als Mann und Frau erschaffen und sollen Familien gründen (1,27-28).Arbeit. Wir sollen uns die Erde »untertan machen« (1,28), indem wir sie so pflegen, bebauen und gestalten, dass wir sie uns nutzbar machen, sie nicht zerstören und Gott die Ehre geben (→ »Menschen bei der Arbeit« bei Ps 8,7).Gottesdienst. Gottes Schöpfungswerk gipfelt im Sabbat als Ruhe- und Gottesdiensttag (→ »Der Ruhetag« bei 1Mo 2,1-3 und »Den Sabbat halten« bei 2Mo 20,8-11).

Diese drei Aufträge gab Gott den Menschen schon vor dem Sündenfall und bekräftigte sie nach ihm (1Mo 9,1-7; Ps 8,7-9); sie sind also unverändert gültig.

FOKUS◆ 1Mo 1,27-30

Als sein Bild erschaffen

Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das als Gottes Bild erschaffen ist (1Mo 1,26; 5,1; 9,6; vgl. Eph 4,24; Kol 3,10). Kein anderes Wesen wird in der Bibel als Bild Gottes bezeichnet.

Manche Denker wollen unsere Gottesebenbildlichkeit auf unseren Verstand, Willen oder unser Personsein beschränken, andere auf unsere Fähigkeit, zu handeln, da Gott den Menschen nach ihrer Erschaffung sogleich Autorität über die Erde gab (1Mo 1,28). All dies (und noch mehr) gehört zu unserer Gottesebenbildlichkeit, nicht zuletzt unsere einzigartige Fähigkeit, eine Beziehung zu Gott zu haben. Dass wir, und nur wir, als Gottes Bild erschaffen sind, zeigt uns:

Als Menschen können wir Gott erkennen. Dies ist mehr, als Wissen über Gott zu haben; es geht um unsere Beziehung zu ihm als Person (Joh 17,3).Im Lichte von Gottes Wesen können wir begreifen, wozu wir auf der Erde sind (Ps 89,16; Pred 12,13-14; Kol 3,10).Wir sind ethisch urteilsfähige Wesen, die »gut« und »böse« handeln können, so wie Gott dies durch sein Wesen und seinen Willen definiert hat (Röm 1,17-18; Eph 4,24).Wir können heilig sein (d. h. das Böse lassen und das Gute suchen), wenn wir Gott wahrhaft kennen und ihm gehorchen (Eph 4,24; 2Petr 1,3-4).

Das eigentliche Ebenbild Gottes ist allein Jesus. Er ist »das Bild des unsichtbaren Gottes« (Kol 1,15) und der »Abdruck seines Wesens« (Hebr 1,3).

FOKUS◆ 1Mo 1,26

Der dreieinige Gott

Wenn Gott sagt: »Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich«, spricht er in der Mehrzahl, als Wesen, das aus mehr als einer Person besteht. Dies ist ein früher biblischer Hinweis auf die Dreieinigkeit.

In späteren Passagen der Bibel sehen wir immer deutlicher, dass Gott in drei Personen existiert – nicht drei Götter, sondern ein Gott in drei Personen. Im Hebrä­ischen steht in 1. Mose 1,26 für diesen dreieinigen Schöpfer das Wort Elohim, der Plural von Eloah (»Gott«). In der Bibel werden die drei Personen in dem »uns« als der Vater (Jak 1,17-18), der Sohn (Jesus Christus; Joh 1,3; Kol 1,16) und der Heilige Geist (1Mo 1,2; Ps 104,30) identifiziert.

Gott ist in seinem Wesenskern eine Gemeinschaft! Er existiert in Beziehung zu sich selbst. Dies bedeutet, dass er es nicht nötig hatte, irgendetwas anderes zu erschaffen. Er erschuf die Welt nicht, weil er sich einsam oder unvollkommen fühlte. Er genügt sich selbst, er »braucht« kein Geschöpf. Aber aus seiner überreichen Liebe heraus beschloss er, die Welt und den Menschen zu erschaffen. In 1. Mose 1,26 sagt er praktisch: »Lasst uns Adam und Eva und ihre Nachkommen als Wesen erschaffen, die die Liebe und Gemeinschaft genießen können, die wir schon unter uns haben.«

Gott als Mehrzahl, als Beziehung und Miteinander – das übersteigt unser Begriffsvermögen, aber es ist die Basis für das rechte Verständnis von Ehe und Familie, Freundschaft und Gemeinschaft. Beziehungen sind wichtiger, als wir vielleicht denken. Wir sind Wesen, die als Gottes Bild erschaffen wurden, und brauchen einander.

Mehr dazu:Elohim ist nur eine der Bezeichnungen für Gott in der Bibel. → »Die Namen Gottes« bei Jes 41,14.

1Mo 2

1So wurden der Himmel und die Erde und all ihr Heer vollendet P . 2Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk F , das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte P . 3Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte P . 4Dies ist die Entstehungsgeschichte F  des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden.

FOKUS◆ 1Mo 2,1-3

Der Ruhetag

Indem Gott am siebten Tag »ruhte von all seinem Werk«, zeigte er der Menschheit, dass er einen wöchentlichen Ruhetag will. Er tat dies nicht für sich, sondern für uns, denn Gott wird nicht müde (Jes 40,28) und braucht keine Pausen. Mit seinem Ruhen öffnete er den Weg für unser Ausruhen.

Das hebr. Wort schabbat hat die Wurzelbedeutung »aufhören«. Am siebten Tag hörte Gott mit seinem Schöpfungswerk auf (2Mo 20,8-11). Doch seine Schöpfung zu erhalten und zu versorgen ist nach wie vor seine Tätigkeit (Ps 145,15; → »Die Welt aufrechterhalten« bei Kol 1,17). Diese Unterscheidung hilft uns zum rechten Verstehen des Sabbats, den Gott als besonderen Tag »geheiligt« und »gesegnet« hat: Die Menschen sollen ihm nacheifern, indem sie an einem Tag in der Woche von ihrer Arbeit (der Herrschaft über die Schöpfung, 1Mo 1,28-30) ausruhen.

Der Sabbat ist mehr als ein freier Tag. Er soll dem Einzelnen und der Gemeinde Gelegenheit geben, Gott regelmäßig anzubeten (Jes 58,13-14). Nicht, dass wir an den anderen sechs Tagen Gott ignorieren könnten; jeder Tag gehört ihm (→ »Der Tag des Herrn« bei Röm 14,5-13). Aber indem wir regelmäßig an einem bestimmten Wochentag vor ihn treten, demonstrieren wir, dass er unser Schöpfer und Herr ist, dem wir alles verdanken und dem wir Gehorsam schuldig sind.

Dies bedeutet, dass der Sabbat – oder im NT der Tag des Herrn – nicht als willkommener Freiraum zum Putzen der Wohnung gedacht ist und auch nicht ausschließlich zum »alle viere von sich strecken«. Vielmehr bietet er Zeit zum Besuch der Versammlungen der Gemeinde, und diese wiederum sind u. a. dazu gedacht, »uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen« (vgl. Hebr 10,24-25).

Viele Christen fragen sich, wie man das macht – den Sabbat als Ruhetag halten. Jesus sagte einmal, dass Gott den Sabbat um des Menschen willen schuf, und nicht den Menschen um des Sabbats willen (Mk 2,27). Das Halten des Ruhetags ist kein starres Gesetz. Es kann Notfälle geben, die auch am Ruhetag Arbeit erforderlich machen (vgl. Lk 14,5), und die menschlichen Grundbedürfnisse hören auch am Ruhetag nicht auf (→ »Am Sabbat Gutes tun« bei Joh 5,1-17). Aber zum Halten des Ruhetags gehört es sicher auch, dass wir, wo möglich, solchen Notfällen vorbeugen und diesen Tag nicht zum Erledigen liegen gebliebener Arbeiten missbrauchen.

Der Sabbat ist nicht als gesetzliche Zwangsjacke gedacht; er will uns frei machen von der Tyrannei der Arbeit und der Leistung – frei für Gott, unsere Nächsten und unsere Lieben.

Mehr dazu: Entdecken Sie, was den siebten Tag so besonders macht. → »Den Sabbat halten« bei 2Mo 20,8-11, »Am Sabbat Gutes tun« bei Joh 5,1-17, »Nach Sonntag kommt Montag« bei Apg 2,46-47 und »Der Tag des Herrn« bei Röm 14,5-13). Der Sabbat hilft uns auch zu verstehen, was es bedeutet, sich seine Erlösung von Christus schenken zu lassen, anstatt sie sich erarbeiten zu wollen. → »Der Sabbat« bei Hebr 4,1-13.

Der Mensch im Garten Eden

An dem Tag, als Gott, der HERR, Erde und Himmel machte 5– noch war all das Gesträuch des Feldes nicht auf der Erde, 〈und〉 noch war all das Kraut des Feldes nicht gesprosst, denn Gott, der HERR, hatte es 〈noch〉 nicht auf die Erde regnen lassen, und 〈noch〉 gab es keinen Menschen, den Erdboden zu bebauen; 6ein Dunst F  aber stieg von der Erde auf P  und bewässerte die ganze Oberfläche des Erdbodens –, 7da bildete Gott, der HERR, den Menschen P  〈aus〉 Staub vom Erdboden P  und hauchte in seine Nase Atem des Lebens P ; so wurde der Mensch eine lebende Seele P .

8Und Gott, der HERR, pflanzte einen Garten in Eden F  P  im Osten, und er setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte. 9Und Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und gut zur Nahrung, und den Baum des Lebens P  in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen P . 10Und ein Strom geht von Eden F  aus, den Garten zu bewässern; und von dort aus teilt er sich und wird zu vier Armen F . 11Der Name des ersten ist Pischon; der fließt um das ganze Land Hawila, wo das Gold ist; 12und das Gold dieses Landes ist gut; dort 〈gibt es〉 Bedolach-Harz F  P  und den Schoham-Stein F  P . 13Und der Name des zweiten Flusses ist Gihon; der fließt um das ganze Land Kusch P . 14Und der Name des dritten Flusses ist Hiddekel F  P ; der fließt gegenüber von F  Assur. Und der vierte Fluss, das ist der Euphrat P .

HINTERGRUND◆ 1Mo 2,10-14

Der Garten Eden

Eine genaue Lokalisierung des »Gartens in Eden im Osten« (1Mo 2,8) ist heutzutage nicht mehr möglich. Mehrere Angaben in der Bibel weisen jedoch auf eine Ortslage im Nahen Osten hin. Viele Experten verorten Eden im südlichen oder nördlichen Mesopotamien, im Bereich von Euphrat und Tigris.

1. Kusch (1Mo 2,13) wird allgemein mit Äthiopien gleichgesetzt, doch im 2. Jahrtausend v. Chr. bezog sich der Name auch auf ein Gebiet ­östlich des Tigris.

2. u. 3. Pischon und Gihon (1Mo 2,11.13): Lage unbekannt. Manche setzen sie mit dem Blauen bzw. Weißen Nil gleich, andere mit Nebenflüssen oder Kanälen von Euphrat und Tigris.

4. u. 5. Hiddekel (Tigris) und Euphrat (1Mo 2,14) waren die Hauptflüsse des späteren Assyrien und Babylonien.

6. Hawila (1Mo 2,11) könnte ein Gebiet am Südende des Roten Meeres meinen, in Afrika oder Arabien; in 1. Mose 10,7 erscheint es in Zusammenhang mit Kusch.

15Und Gott, der HERR, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren. 16Und Gott, der HERR, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen P ; 17aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben! P 

18Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist P ; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht F  P . 19Und Gott, der HERR, bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels P , und er brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde; und genau so, wie der Mensch sie, die lebenden Wesen F , nennen würde, 〈so〉 sollte ihr Name sein. 20Und der Mensch gab Namen allem Vieh und den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber für Adam F  fand er keine Hilfe, ihm entsprechend F .

ADAM

1Mo 2,20

Namensbedeutung: »Rot« oder »Boden«; gemeint ist womöglich Blut oder der Ursprung der Menschen aus der Erde.

Heimatort: Ursprünglich der Garten Eden, aus dem er mit Eva nach dem Sündenfall vertrieben wurde.

Familie: Ehemann Evas; Vater dreier namentlich genannter Söhne (Kain, Abel, Set) und zahlreicher nicht namentlich genannter Söhne und Töchter. → »Die Familie Adams und Evas« bei 1Mo 5,3.

Beruf: Gärtner oder Bauer, der den Garten Eden »bebauen« und »bewahren« sollte (1Mo 2,15); auch ein früher Zoologe, der Tiere benannte (2,19-20).

Besondere Bedeutung: Erster Mensch, als Gottes Bild erschaffen. Verantwortlich als Sünder, der Gottes Gericht und den Tod über die Menschheit brachte (3,17-19; Röm 5,12).

21Da ließ Gott, der HERR, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen P , sodass er einschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch; 22und Gott, der HERR, baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau P , und er brachte sie zum Menschen. 23Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin F  heißen, denn vom Mann ist sie genommen P . 24Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden P . 25Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht P .

FOKUS◆ 1Mo 2,23

Die Grundinstitutionen Familie, Staat und Kirche

Als Buch der Ursprünge führt das 1. Buch Mose uns den Anfang dreier menschlicher Grundinstitutionen vor: Familie, Staat und Glaubensgemeinschaft.

Als Erstes schuf Gott die Familie. Sie existierte schon vor der Nation, der Stadt und den anderen Gemeinschaften. Chronologisch wie logisch kommt die Familie zuerst.

Nachdem Kain Abel erschlagen hatte, aus dem fruchtbaren Land vertrieben wurde und um sein Leben fürchtete (1Mo 4,8-14), erließ Gott Regelungen zum Schutz des Zusammenlebens (V. 15). Zum ersten Mal ist das soziale Miteinander außerhalb des Familienkreises im Blick. Solch eine übergreifende Regelung Gottes kann man als Keimzelle für die Gestaltung eines Gemeinwesens betrachten und von da aus die Grundinstitution »Staat« angelegt sehen. Zur Entfaltung kommt die Größe »Staat« aber erst nach der Sintflut. Es dauerte nicht lange, bis die Sünde auch in das Gemeinwesen eindrang (vgl. 1Mo 4,23-24).

Noch eine dritte Institution begann im Morgengrauen der Geschichte: die Gemeinschaft derer, die an Gott glauben, also der Vorläufer der Kirche. Als Adam und Eva den gerechten Abel begraben hatten, bekamen sie einen weiteren Sohn, Set. Über Set und dessen Sohn Enosch heißt es: »Damals fing man an, den Namen des Herrn anzurufen« (4,26). Solche Treue zu Gott finden wir auch bei Noah (6,8) und später bei Abraham, dem Gott verhieß: »In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!« (12,1-3). Diese Verheißung erfüllte sich in Jesus Christus, der nicht nur die Erlösung von der Sünde brachte, sondern auch die christliche Gemeinde ins Leben rief (Eph 2,14-22).

Diese drei von Gott eingesetzten Institutionen – die biologische der Familie, die geografische des Gemeinwesens und die geistliche der Glaubensgemeinschaft – sollen in gegenseitiger Abhängigkeit miteinander bestehen und eine die andere stützen und stärken. Alle drei brauchen einander, um gut zu funktionieren, und wo in einem Land eine dieser Institutionen leidet oder versagt, sollten die beiden anderen ihr zu Hilfe kommen, ohne sie ersetzen zu wollen.

Mehr dazu: Das Zusammenspiel der verschiedenen Systeme in unserer Welt bietet den Christen viele Möglichkeiten, sich mit ihrem Glauben einzubringen. → den Abschnitt »Ein Glaube für heute« im Vorspann zu dieser Studienbibel.

LEBEN

Francis Schaeffer

Schöpfungsgemäß leben

Francis Schaeffer (1912–1984) war ein einflussreicher Theologe und Pastor, Philosoph, Apologet und Kulturkenner. In weit beachteten Hochschulvorträgen und Podiumsdiskussionen mit führenden Akademikern seiner Zeit wusste er modernen Menschen das Evangelium und die biblische Weltsicht zugänglich zu machen. Mittelpunkt seines Lebens war die Kommunität L’Abri (»Die Zuflucht«), die sich ab 1955 in den Schweizer Alpen in der Nähe des Genfer Sees rund um die Familie Schaeffer entwickelte.

Als Schaeffer 1948 als Missionar aus den USA in die Schweiz kam, musste er bald feststellen, dass die üblichen Ansätze für Evangelisation und Gemeindebau im modernen Mitteleuropa nicht mehr funktionierten. In der Krise zog er sich intensiv in die Bibelbetrachtung zurück. Dabei ging ihm auf, woran vieles in christlichen Kreisen krankte: Geistliches Leben wurde dem irdischen (»weltlichen«) Leben entgegengestellt. So gerieten weite Teile menschlichen Lebens wie Freundschaft, Esskultur, Kunst und Literatur unter Verdacht, geistlich belanglos oder gar gefährlich zu sein.

Demgegenüber erkannte Schaeffer in aller Klarheit, was eine gesunde Schöpfungstheologie bedeutet: Gott hat diese Welt gut geschaffen; nach dem Neuen Testament geht es darum, Christus über das ganze Leben Herr sein zu lassen. Daher sollen auch alle »irdischen« Lebensbereiche unter seine Herrschaft gebracht und von ihr aus neu und lebensbejahend gestaltet werden. So entstand die Gemeinschaft L’Abri ganz natürlich aus der Familie und ihren Beziehungen – und mit ihr eine lebendige Kultur von guten Mahlzeiten, Gesprächen, Vorträgen und Festen, gemeinsamem Kochen, Arbeiten, Studieren und Diskutieren. Schaeffers Beschäftigung mit Kunst und Kultur, in die er seine wachsende Gästeschar einbezog, wurde bahnbrechend für viele Christen. Für manche gab dieser Einfluss den Ausschlag, eine berufliche Laufbahn als Maler, Schauspieler oder Musikjournalist anzugehen, was sie bis dahin nicht gewagt hatten.

Ebenso scharf, wie er das Gute der Schöpfung erkannte, sah Schaeffer aber auch die Folgen des Sündenfalls: die Deformationen, Risse und Trennungen in jeder Beziehung. Leben in dieser Welt ist immer von Zerbruch und Zerstörung gezeichnet. Einen besonderen Aspekt erkannte er früher als andere: die Umweltzerstörung. Schon 1970 erschien sein mahnendes Buch Pollution and the Death of Man: the Christian View of Ecology (dt.: Das programmierte Ende: Umweltschutz aus christlicher Sicht, 1973) – noch zwei Jahre, bevor der »Club of Rome« seinen berühmten Bericht zu den Grenzen des Wachstums veröffentlichte und damit zum ersten Mal die Weltöffentlichkeit mit den unvermeidlichen Folgen des Raubbaus an den Ressourcen der Erde konfrontierte.

Schaeffer fasste neu, was es nach 1. Mose 2 bedeutet, sich die Erde untertan zu machen: »Wenn wir auch Gewalt haben über die Natur, so gehört sie uns doch nicht. Sie gehört Gott und wir sollen sie ohne jeden Anspruch auf Ausbeutung verwalten.« Dies geht jeden Christen an: »Der Christ ist berufen, seine Herrschaft in rechter Weise auszuüben: indem er alle Dinge an sich wertvoll behandelt und herrscht, ohne zu zerstören. Die Kirche hätte dies zu allen Zeiten lehren und praktizieren sollen […] Wir müssen unser Versagen eingestehen.«