Sibirische Märchen II -  - E-Book

Sibirische Märchen II E-Book

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Beschreibung

Das Leben der Tungusen im hohen Norden Sibiriens steht unter außerordentlich harten Bedingungen: härteste Kälte und ewige Nacht im Winter, Mückenplagen im Sommer und der Zwang zum ständigen Streifen zwecks Nahrungssuche. In ihren Sagen von mächtigen Persönlichkeiten und starken Schamanen und in ihren Mythen über Naturgeister, in den Tier-, Alltags- und Kindermärchen zeigen sich zwei prägende Züge: ein türkisch-mongolischer Einfluss aus der südsibirischen Siedlungszeit und die Erfahrung der Nordwanderung. Die Märchen einer archaischen Kultur aus dem Ursprungsland der Schamanen.

Die Diederichs-Reihe »Märchen der Weltliteratur« ist die umfassendste Sammlung ursprünglicher Erzählliteratur aller Völker und Zeiten. Sie versammelt das Schönste, was sich die Menschen je erzählt haben: Mythen und Legenden, Göttersagen und Dämonengeschichten, Feen- und Zaubermärchen, gewitzte Tierfabeln und herrliche Schwänke. Wer die Eigenart anderer Völker verstehen will, wird hier Wege abseits des Mainstreams finden. Eine moderne Märchenbibliothek für eBook-Leser.

Das Leben der Tungusen im hohen Norden Sibiriens steht unter außerordentlich harten Bedingungen: härteste Kälte und ewige Nacht im Winter, Mückenplagen im Sommer und der Zwang zum ständigen Streifen zwecks Nahrungssuche. In ihren Sagen von mächtigen Persönlichkeiten und starken Schamanen und in ihren Mythen über Naturgeister, in den Tier-, Alltags- und Kindermärchen zeigen sich zwei prägende Züge: ein türkisch-mongolischer Einfluss aus der südsibirischen Siedlungszeit und die Erfahrung der Nordwanderung. Die Märchen einer archaischen Kultur aus dem Ursprungsland der Schamanen.

Die Diederichs-Reihe »Märchen der Weltliteratur« ist die umfassendste Sammlung ursprünglicher Erzählliteratur aller Völker und Zeiten. Sie versammelt das Schönste, was sich die Menschen je erzählt haben: Mythen und Legenden, Göttersagen und Dämonengeschichten, Feen- und Zaubermärchen, gewitzte Tierfabeln und herrliche Schwänke. Wer die Eigenart anderer Völker verstehen will, wird hier Wege abseits des Mainstreams finden. Eine moderne Märchenbibliothek für eBook-Leser.

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Seitenzahl: 359

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Inhaltsverzeichnis

Lamuten
1. Umtschegin und die Schwanenmädchen2. Kagenas Tochter3. Die Rache um der Ehre willen4. »Silber«, »Weidenbaum« und die Frau aus dem Meere
Ewenken
5. Der Rabe6. Die zwei Brüder7. Das Haselhuhn8. Der Birkhahn9. Sewekī und Awahī10. Christus und Satan11. Die Sintflut12. Der Schamane13. Das Sonnenmädchen14. Das kurze Jahr15. Der Waisenjunge und die Sonne16. Wie ein Mann eine Armbrustfalle aufstellte17. Wie ein Mann in die Unterwelt ging18. Wie ein Ewenke reich geworden ist19. Die Verwandlung20. Das sprechende Kästchen21. Die Menschenfresser22. Wie ein Ewenke im Himmel weilte23. Der Geist der Steppe24. Wie ein Mann in die Oberwelt geklettert ist25. Tschartschikān26. Hēladan27. Der Njurigdi und Nandri28. Das Pfeifhäschen und die Maus29. Der Bär und die Schnepfe30. Der »Großvater« (Bär) und der Fuchs31. Der »Großvater« und der Fuchs32. Der Fuchs33. Der Fuchs und die Frauen34. Der Hase35. Der Zobel und der Iltis36. Der Junge mit dem goldenen Nacken37. Wie Daiwang reich wurde38. Der Kluge, der Dumme und die Zwerge39. Der Ewenke und die Schlange40. Der dumme Iwul41. Mengun
Negidal
42. Der Mensch, der sich gegen den »Herrn des Feuers« verging43. Die Kalgam-Fee44. Tintingoki, der Schlaue45. Menschenweib und Froschweibchen
Kili
46. Wie die Krankheit in die Welt kam47. Die Erschaffung des Himmels48. Der böse Schamane49. Die Leichenfeier
Nanaier
50. Warum die Tiere verschieden sind51. Hund und Katze, die guten Helfer52. Der Schlegel53. Die fünf Kameraden54. Die zwei Schwestern55. Die Krähe und die Karausche56. Warum die Karauschen nur im See leben57. Der Frosch und der Elch58. Wie sie einen Fladen verfolgend dahinwanderten59. Der »Mann« und der Fuchs60. Der Held und das Meislein61. Kombo62. Die Ente und der Knabe
Ultscha
63. Die Sage von Temun64. Der Tiger und der Knabe65. Das Märchen von der Ammer
Oroken
66. Die Herrin des Feuers67. Die Robbe, die Herrscherin des Meeres68. Moktschu Ketschikte69. Gewchetu
Orotschen
70. Sage über die Entstehung der Erde71. Mangi72. Mangis Tod73. Die Entstehung der Welt74. Die drei Sonnen75. Als die Erde abkühlte76. Eine Sage aus alter Zeit77. Der eiserne Held78. Die Frau des »Mannes«79. Jadur, der Held80. Die zwei Schönen81. Der Frosch und die Maus82. Der Fuchs und der Reiher83. Die Krähe84. Der Taimenlachs und der Kabeljau
Udehe
85. Selemege86. Die zwei Kanda’a-Männer
Solonen
87. Die Hexe88. Die kostbare Glocke89. Der Wolf als Freier90. Wer ist der Stärkste?
Mandschu
91. Die Stammessage der Mandschu92. Dummer Mann und kluge Frau93. Iparko und Chupibi94. Die Frau mit den großen Füßen95. Bandschin und Temschechan96. Kaiser K’ang-hsi als Zechpreller
Jakuten (einschließlich Dolganen)
97. Wie die Berge entstanden sind98. Der Schöpfer und der böse Geist99. Warum die Völker verschieden sind100. Der Fuchs und die Quappe101. Wie beim Hermelin die Schwanzspitze schwarz wurde102. Die Wasserratte und das Vögelchen103. Der Krickerpel und der Königsadler104. Die Taucherente105. Angaa Mogus und Tschaartschachaan106. Taal-Taal, die Alte107. Der »Gute Üdschüän«108. Bärenauge Herumschweifer109. Die Schwestern110. Der Dieb Kuturuk111. Tääp-Tääp, der Alte112. Gut, daß ich geschwiegen habe
Copyright

1. Umtschegin und die Schwanenmädchen

ES lebten einmal ein Mann und eine Frau, die hatten zwei Kinder: den älteren Sohn Umtschegin und den jüngeren Klein-Bujun. Wer weiß, wie lange sie schon gelebt hatten? Gut ließ sich das wilde Rentier jagen: Der Mann fing alles, auch die Frau fing alles. So wurde der Mann alt. Wie lange haben diese Frau und der Mann gelebt? Die Frau und der Mann starben nacheinander dahin. Wer weiß, nach wievielen Jahren sie starben? Nur das Märchen mag es wissen. Keiner sonst weiß es.

Und so blieben nach ihrem Tode Umtschegin und Klein-Bujun zurück, Klein-Bujun als Kindlein von ein paar Jahren. Umtschegin trat an die Stelle des Mannes. Er ging gewöhnlich zur Jagd; dieses und jenes, alles erbeutete er. Hatte er Nahrung erbeutet, so brachte er alles heim. Umtschegin ging ständig zur Jagd auf wilde Rentiere, und Klein-Bujun blieb immer daheim. So lebten sie.

Einst vernahm Klein-Bujun ganz nahe Stimmen und Lachen von Mädchen. (Er ging hin und beobachtete sie.) Um sich daran zu erinnern, verknüpfte Klein-Bujun an seinem Gewand alle Riemenhafteln miteinander. Nachdem er die verknüpft hatte, kehrte er abends heim. Als er heimgekehrt war, kam der ältere Bruder. Angekommen, versuchte der Ältere dem Jüngeren das Obergewand auszuziehen, doch er konnte es nicht. Umtschegin fragte seinen Bruder: »Wozu hast du das so verknüpft? Wozu hast du’s verknüpft?«

Der jüngere Bruder konnte sich gar nicht erinnern; warum er die Knoten gebunden hatte, war ihm ganz und gar entfallen. Der Ältere knüpfte lange und unter viel Mühen die Hafteln auf und brachte seinen Bruder zum Schlafen. Dann wurde es Morgen.

Als der Morgen anbrach, ging der ältere Bruder zur Jagd. Als Umtschegin zur Jagd gegangen war, kamen am Fuße eines Hügels, in einer ausgetrockneten Bucht, jene sieben Schwäne (die Mädchen, die Bujun betrachtet hatte) zum Spielen. Klein-Bujun war wiederum allein daheim, wiederum ging er hin. Die Schwanenmädchen fingen an zu sprechen wie Menschen: »Klein-Bujun, bist du wieder gekommen?« – »Ja, ich bin gekommen.« – »Hast du deinem Bruder gestern etwas erzählt?« – »Nein, ich hatte es vergessen.« – »Dann ist es gut. Nimm für dich (als Geschenk) diesen Schlagball (muklin).« – »Nein, ich nehme ihn nicht. Was macht ihr hier? Was sucht ihr bei mir? Was seid ihr in meine Heimat suchen gekommen? Meine Heimat ist es! Was macht ihr hier?! Ich werde meinem Bruder alles erzählen!« – »Tu es nicht. Wir spielen ja nur. Und die Bucht ist doch breit, die Trockenstelle ist groß. Schau dich doch nur um! Wollgras ist da, und die Trockenbucht ist weit. Schau doch ringsum! Wir spielen ja nur. Siehst du die großen Hügel? Wir werden nicht auf allen spielen. Erzähle deinem Bruder nichts!«

Der Vormittag ging vorbei. Als dann Mittag vorüber war, flogen die sieben Schwäne zur Tagesmitte, dorthin, wo die Sonne ist. Klein-Bujun dachte bei sich: »Erzähle ich es mal meinem Bruder« und blieb allein. Allein geblieben, kehrte er heim. Daheim angekommen, schlief Klein-Bujun ein. Nichts aß er, nichts tat er. Während er schlief, kam sein älterer Bruder zurück. Was er erbeutet hatte, weiß niemand. Umtschegin machte sich ans Kochen. Als es gar geworden war, wollte er den Bruder wekken. Der jüngere Bruder war tod-, todmüde. Er suchte ihn zu wecken, konnte ihn nicht wecken – der war überaus müde. (Schließlich weckte er ihn doch irgendwie auf.)

Umtschegin fragte: »Du da, Klein-Bujun, wo verweilst du immer? Es geht schon zwei Tage so.« Aber Klein-Bujun band nur die Hafteln noch fester zu. Der ältere Bruder gab dem jüngeren zu essen, dann schlief er fest ein. Am dritten Tage, in der Morgenfrühe, fragte Umtschegin wieder Klein-Bujun: »Wer ist dagewesen?« – »Niemand.«

Umtschegin ging am dritten Tage von neuem auf die Jagd. Als er jagte, wie weit ist er gegangen? Doch während er dahinging, entschloß er sich, am Ende seines Wanderns zu erfahren, was mit seinem Bruder vor sich gehe. Später kehrte er heimlich zurück, versteckte sich dann. Als er sich außerhalb seines Zeltes versteckt hatte, kamen die sieben Schwäne geflogen. Fliegend sangen sie, über ihm fliegend:

»Bujun, Bujun, Klein-Bujun, wo hast du dein Brüderchen Umtschegin versteckt? Bujun, Bujun, Klein-Bujun, da ist er, nicht wahr, er hat sich versteckt.«

Als sie so gesungen hatten, flogen die sieben Schwäne, ohne sich niedergelassen zu haben, zurück.

Da ging Umtschegin zu seinem Bruder, wieder fragte er seinen Bruder: »Sind sie herbeigekommen?« – »Ja, sie sind herbeigekommen, schon seit ein paar Tagen sind sie zusammen gekommen. Darum habe ich jene Hafteln verknüpft, um mich daran zu erinnern.« – »Ah, dann ist es gut. Was machen sie denn immer?« – »Sie legen all ihr Gefieder immer wieder ab. Haben sie’s abgelegt, verbergen sie sich irgendwo. Sie verwandeln sich, werden kleine Mädchen, laufen herum, spielen, laufen über den ganzen Hügel, laufen über die ganze Bucht.« – »Aber wo, wo verstecken sie immer ihr Gefieder?« Das zeigte Klein-Bujun. Dann brach der vierte Tag an. Umtschegin sagte »Ich gehe« zu seinem Bruder, ging jagen. Die sieben Schwänchen kamen zu Klein-Bujun. Als die sieben Schwäne gekommen waren, stimmten sie ein Lied an:

»Bujun, Bujun, Klein-Bujun, ist dein älterer Bruder Umtschegin hier oder nicht?«

Klein-Bujun blickte auf sie und sagte: »Mein Bruder ist nicht da. Er ist weggegangen, wie er schon früher wegzugehen pflegte.« Die sieben Schwäne ließen sich herab. Ganz von oben herab stürzten sie sich. Mit ihren Flügeln allein stürzten sie sich herab. Den ganzen Himmel ließen sie laut widerhallen. Sie ließen sich auf einer Stange nieder, dort ließen sie sich nieder, landeten. Dort gelandet, versteckten sie ihre Gefieder, versteckten sie alle hier und dort. Umtschegin hatte sich heimlich in einem Nadelgebüsch verborgen, ohne daß die Mädchen ihn sahen. Dann, während sie spielten, stahl er ein Schwanengefieder. Das Schwanengefieder versteckte er. Dann ging er zu Klein-Bujun. Bei Bujun angelangt sprach er: »Bujun, das Gefieder dieses einen Mädchens habe ich gestohlen, in der Höhlung eines Baumes versteckt. Sprich zu niemandem darüber! Sprich nicht!« – »Ich werde nichts sagen.« – »Erzähle unter keinen Umständen, daß es in der Höhlung eines Baumstamms versteckt ist!« – »Eh, warum sollte ich das sagen?«

Umtschegin aber ging hin zu den sieben Schwänen. Als die sieben Schwäne ihn erblickten, schrien sie auf: »Oh, dieser Umtschegin ist ja gekommen!« Dann liefen sie zu ihrem Gefieder. Sechs Schwanenmädchen fanden ihr Gefieder, flogen fort. Das siebte fand sein Gefieder nicht. Sie suchte überall, konnte es aber nicht finden. Sie fand es nicht. Am Gipfel des Hügels lief sie suchend dahin, am Ufer der Bucht entlang, hier entlang, dort entlang lief sie suchend dahin. Als sie erkannt hatte, daß sie nichts finden konnte, bat sie Umtschegin: »Bist du so alt wie ich, so sei mein Ehemann, auch wenn du jünger bist, sei mein Ehemann. Aber mein Gefieder gib her!« – »Ich gebe es nicht her. Komm schon! Willst du meine Frau werden, so wirst du meine Frau. Willst du nicht meine Frau werden, wirst du auch meine Frau. Wohin kannst du schon gehen?«

Dann ging Umtschegin mit ihr zu seinem Zelt. In sein Zelt ließ er sie eintreten (als Gattin). Wieviele Monate, wieviele Jahre sie (so) lebten, weiß niemand. Sie lebten, lebten.

Einmal erinnerte sich diese Frau (ihres früheren Tuns), wollte mit Klein-Bujun spielen. Es war wieder Sommer geworden. Sommer war’s geworden, da kamen die Stellen wieder zum Vorschein, wo einst (die Schwäne) gespielt hatten. Die Bucht war ein Spielfeld geworden. Diese Frau führte absichtlich Klein-Bujun zum Fuße des Hügels. Dann sprach sie: »Bujun, Bujun, laß uns hier spielen. Haben wir hier nicht gespielt, als wir früher die sieben Schwäne waren? Nun laß uns als zwei Schwäne spielen!« – »Hallo, spielen wir!« – »Bujun, Bujun, ich möchte dir diesen Schlagball geben, den wollen wir treiben.« Sie jagten diesem Ball hinterher. Klein-Bujun lief nach dem Ball. Jene Frau lief dem Ball gar nicht hinterher. (Sie ließ ihn absichtlich gewinnen, um ihn gutgelaunt zu stimmen.) Dem Ball lief immer nur Klein-Bujun hinterher. Ihn zu packen, lief er hierhin, dorthin. Er war sehr tüchtig. Es gelang Klein-Bujun, den Ball zu packen. »Bujun, ist es nicht schön, in der Bucht zu spielen?« – »Oh, das war ein herrliches Spiel.« – »Bujun, sag mir, wo hat dein Bruder mein Schwanengefieder versteckt?« – »Ich weiß, ich weiß! Wo es versteckt ist, weiß ich.« – »Wo hat er es versteckt?« – »Das geht dich nichts an. Wir wollen heimkehren.« – »Nimm auch diesen Ball! Er mag jetzt immer bei dir bleiben. Du magst hier spielen. Dein Bruder Umtschegin wird ein wildes Rentier erlegen und bringen. Ich will mein Schwanengefieder anlegen und es herholen.« – »Eh, ich weiß! Dort, dort! Da ist doch wohl die Höhlung eines versteinerten Baumes, da hat es mein Bruder versteckt.« – »Wo ist es? Laß uns hingehen!«

Klein-Bujun fand es und gab es ihr. Sie streifte es über. Als sie es übergestreift hatte, machte sie sich davon: »Klein-Bujun, du magst deinem Bruder sagen: Er soll mich nicht suchen. Nur drei Jahre lang werde ich fort sein, das sage ihm, das magst du sagen.« Als sie so gesprochen hatte, flog sie fort, auf die Sonne zu, wo sie in der Tagesmitte ist.

Am Abend sank die Sonne tief, sank tief. Als die Sonne tief stand, ging sie endlich ganz unter. Umtschegin kam zurück, niemand war daheim. Da niemand in seinem Zelt war, ging er zum Fuß des Hügels, ans Ufer der Bucht. Als er hinschaute, spielte sein Bruder Klein-Bujun mit einem Schlagball. »Bujun, was ist mit dir los? Wo ist deine Schwägerin? Deine Schwägerin – wohin ist sie verschwunden?« – »Ich weiß es nicht. Diesen Schlagball hat sie mir geschenkt. Dafür habe ich ihr gezeigt, wo ihr Gefieder verborgen war.« – »Eh, so magst du denn mit diesem Schlagball auch leben. Ich aber möchte fortgehen. In welche Richtung ist sie verschwunden?« – »Dorthin, wo die Sonne am Mittag steht, ist sie geflogen. In die Sonne schauend, ist sie losgeflogen«, sagte Klein-Bujun. »Dorthin gehe ich. Aber du bleibst mit diesem Schlagball.« So sprechend, zog Umtschegin fort.

Ging er kurz, ging er lang – man weiß gar nichts. Manchmal litt er Not, manchmal war er fröhlich. Manchmal ging er, manchmal ward er beflügelt, manchmal ward er ein Wurm. Einmal war er nahe daran, zu sterben, seine Kraft versiegte. Er konnte nichts, nichts mehr tun, alles ging zu Ende. Während er so sich quälend dahinging, zeigte sich vor ihm ein Hügel. Auf jene Anhebung legte er sich wie auf ein Kopfkissen nieder, gedenkend zu sterben, zu vergehen. Während er wie auf einem Kopfkissen lag und schwer atmete, stieg von irgendwoher ein Rauchgeruch ihm in die Nase. Als der Rauch ihm in die Nase kam, wühlte er mit den Händen die Erde auf. Plötzlich sah er: Er hatte auf dem Rauchloch eines Zeltdaches gelegen. Früher, irgendwann einmal, war hier ein Zeltdach gewesen. Jenes Zeltdach war draußen zu Erde geworden, das Zeltdach war ganz mit Erde bedeckt. Ganz ungewöhnlich viel Erde lag darüber. Mit Mühe fand er den Türvorhang, ging Schritt für Schritt hinein.

Ins Zelt trat er ein, eine Frau lag da: »Ah, Umtschegin, bist du’s, der gekommen ist?« – »Ja, ich bin gekommen. Woher kennst du mich, den Umtschegin?« – »Deine Frau ist hier vorbeigekommen. Setz dich!« – »Oh, ich bin recht hungrig.« Er sah: Oben an der Zeltdecke der Frau kam die Erde heraus, die Erde war durch ein Fell von Tierköpfen verdeckt. Diese Frau öffnete ihre Zeltdecke, mitten aus der Zeltdecke zog sie Fleischstückchen hervor und gab sie ihm. Dann goß sie einen Fingerhut voll Wasser, mitten aus ihrer Zeltdecke, reichte es ihm hin. – Sehr böse hatte sie sich das ausgedacht, sehr böse. – Umtschegin wußte nicht, wo die Frau dies gefunden hatte: Als er hinsah, hatte sie es mitten aus ihrer Zeltdecke herausgeholt. Als er hinschaute, da brannte mitten im Zelt ein flackerndes Feuer. Umtschegin tat, als trinke er das Wasser, das ihm die Frau gegeben hatte, goß es aber in den Busen, mit dem hervorgezogenen Fleisch tat er das gleiche. Die Frau fragte: »Wohin gehst du? Suchst du deine Frau? Wenn du sie auch noch so suchst, du wirst sie nicht einholen. Ich aber will dir (den Weg) zeigen. Holst du sie ein, so holst du sie ein, wenn nicht, dann nicht. Hier liege ich zwar, weiß aber Bescheid. Wenn du ein kühner Mensch bist, wirst du erfolgreich zurückkehren. Ich will dir (den Weg) zeigen. Bist du von hier aus weit gegangen, so lebt (dort) meine ältere Schwester.«

Umtschegin ging hinaus. Er war recht frohen Mutes. Hinausgetreten, wollte er jenen Fingerhut voll Wasser und jenes Fleisch unterm Busen fortwerfen. Aber dort war nichts mehr. Sein Magen war plötzlich voll, er war satt geworden. Er war ein wie ehemals satter Mensch geworden. Umtschegin war ein Mensch geworden wie der, der früher sein Zelt verlassen hatte. Ein solch satter Mensch war er geworden. So schritt er nun dahin. Wie lange er ging, weiß niemand. Manchmal flog er oben dahin, manchmal ging er unten wie ein Hermelin. Wie lange, wie lange er ging – wer weiß es? Nur das Märchen mag es wohl wissen. Von neuem versiegte seine Kraft. »Hier mag ich sterben«, dachte er und legte sich auf einen Hügel, einen Abhang. Als er wie auf einem Kissen lag, stieg ihm Rauch in die Nase. Als der Rauch zu ihm aufstieg, atmete Umtschegin schwer. Aus dem Hügelchen, von unten her, rauchte es. Mit Mühe und Not kam er kriechend dahin. Der Türvorhang öffnete sich von selbst. Als sich die Tür geöffnet hatte, trat er ein, wie ein dem Tode Geweihter kam er dahin. Nur eine Frau war da. Oben an ihrer Zeltdecke wuchs Rentiermoos, auch Riedgras wuchs da.

Die Frau fragte: »Wer bist du, bist du Umtschegin?« – »Ja, ich bin Umtschegin.« – »Du suchst deine Frau? Ah, deine Frau wirst du nicht finden.« – »Ja, ich suche meine Frau.« – »Ich will ein Feuer anzünden. Ein Flackerfeuer will ich anzünden, entflammen, zum Suppekochen.« Da flammte das Feuer schon auf. Als er hinsah, da kochte die Frau nichts, bereitete auch nichts zu. Die Frau gab etwas mitten aus ihrem Zeltdach heraus und sagte: »Umtschegin, iß das.« Wie zuvor gab sie Wasser in einem Fingerhut: »Wenn du trinken magst, Umtschegin, trink das aus.« – »Wo hat sie das gefunden?« dachte Umtschegin und nahm es. Dann gab die Frau drei Fleischstückchen. Umtschegin tat, als ob er äße, tat es aber in den Busen. Er hatte vor, wenn er hinausgegangen war, das Essen und das Wasser fortzuschütten. Die Frau fragte von neuem: »Du suchst deine Frau?« – »Ja«, sagte Umtschegin, »aber wie finde ich sie?« – »Ah, ich will es dir zeigen, so wirst du sie finden.« – »Oh, hilf mir, Tante, ich bin ein Erdenmensch, ich bin nicht vom Teufel gekommen, ein Erdenmensch bin ich.« – »Oh, wenn du ein Erdenmensch bist, will ich es dir zeigen«, sagte die Frau, »ich gebe dir meinen Brustschmuck (Udschik). Nimm meinen Brustschmuck. Noch ehe du müde geworden bist, ehe du dich abgequält hast, wird vor dir ein riesiges, riesiges Meer erscheinen. Doch woher willst du die Kraft nehmen, dieses Meer von alleine zu durchschwimmen? Jene Kraft wird dir dieser Brustschmuck geben. Lege du diesen meinen Brustschmuck quer hin und schreie so: ›Nun gefriere vor meinem Brustschmuck!‹ Dann wird es zu Eis gefrieren. Du setzt dann über das Eis, du läufst dann darüber. Wenn du es mutig überquerst, wirst du es überqueren, wenn nicht, dann nicht.« Die Frau gab ihm ihren Brustschmuck, zog ihn unter dem Rentiermoos hervor. »Tante, du hilfst mir«, versicherte Umtschegin. Er nahm den Brustschmuck und ging hinaus. Hinausgehend, hinausgegangen, wollte er jene drei Fleischstückchen und jenen Fingerhut voll Wasser wegschütten, aber es war nichts mehr da. Sein Magen, sein Bauch war schon voll. Aber den Brustschmuck hielt er fest. Er ging den Weg, den ihm die Frau gewiesen hatte.

Wie lange, wie lange er gegangen ist, weiß niemand. Manchmal flog er oben, manchmal ging er unten. Schließlich erschien vor ihm ein großes Meer. Als das Wasser, das Meer erschien, legte er den Brustschmuck quer, wie die Frau es gesagt hatte, dann schrie er: »Nun gefriere vor meinem Brustschmuck!« Sowie der Brustschmuck da war, gefror das Meer auch. Umtschegin aber, zu einem Hermelinmännchen geworden, setzte über auf das andere Ufer des Meeres. Er hatte übergesetzt, ein Hermelinmännchen geworden, zog er nun dahin. Wieviel er gegangen ist, wer weiß es? Nur das Märchen mag es wissen. Manchmal mühte er sich, manchmal freute er sich, manchmal flog er oben, manchmal ging er unten. Manchmal ward er beflügelt, manchmal ging er, ein Wurm geworden. So begann er matt zu werden. Er wurde matt. »Möge ich hier sterben«, dachte er, begann ein Hügelchen zu suchen. Plötzlich bemerkte er ganz nahe sieben Schwäne. Wie sie in Umtschegins Heimat zu spielen gepflegt hatten, so spielten sie und spielten auch alle zusammen. Als er ihr Spiel betrachtete, da hatte Umtschegins Frau ein Vögelchen gebeten, auf ihr Kind aufzupassen. Dieses Vöglein sang:

»Kindlein, weine nicht, Umtscheginchen, dein Papachen, hat sich als tapferer Mensch erwiesen, er ist beim Kommen, er ist gekommen.«

Die Schwäne hatten Umtschegins Ankunft nicht bemerkt. Sie beschimpften und schlugen das Vöglein: »Was singst du? Bringe das Kind nicht zum Weinen. Wir spielen noch. Bringe das Kind nicht zum Weinen.«

Als sie den Vogel beschimpft und viel geschlagen, geschlagen hatten, liefen die Mädchen fort. Sie gingen spielen. Über kurz oder lang stimmte das Vöglein von neuem an:

»Kindlein, weine nicht, Umtscheginchen, dein Papachen, hat sich als tapferer Mensch erwiesen, ein gewaltiges Meer hat er durchquert, er ist beim Kommen, er ist gekommen.«

Die Mädchen schlugen das Vöglein von neuem: »Was pflegst du (das Kindchen) anders als sonst? Was singst du anders als sonst?« Und von neuem liefen sie fort. Um in ihrer Bucht, in ihrem Berglein herumzulaufen, um zu spielen, gingen sie fort. Das Vöglein sprach wieder zu seinem Kinde, seinem Kindlein, hub abermals an zu singen:

»Kindlein, weine nicht, Umtscheginchen, dein Vater, hat sich als tapferer Mensch erwiesen, auf der Oberfläche der Erde ist er zum Hermelinmännchen geworden, er ist beim Kommen, er ist gekommen.«

Da die Schwäne zum Spielen fortgegangen waren, ließ sich Umtschegin das Schwanengefieder der Mutter dieses Kindes vom Vöglein zeigen, fand es, nahm es. Als sie des Vögleins Gesang hörten, kamen die Schwäne wieder und schlugen das Vöglein. Umtschegin verbrannte jenes Schwanengefieder, das er genommen hatte, im Lagerfeuer. Jene Schwäne erblickten das Feuer und den Rauch; sechs fanden ihr Schwanengefieder und flogen davon. Nur ein Schwan, des Kindleins Mutter, blieb zurück. Von ihren Gefährtinnen blieb sie zurück, sie konnte ihr Gefieder nicht finden. So wurden sie für immer Erdenmenschen, Umtschegin und die Schwanenfrau. Auch das Vöglein wurde ein Erdenmädchen. – Alle wurden sie Besitzer von großen Rentierherden. – Umtschegin zog nun in sein Land. Das zu durchquerende Meer durchzog er. Die Männer, die im Lande waren, sagten: »Heda, laßt uns (mit ihm) davonziehen!«, sie hatten schon lange darauf gewartet. So viele geworden, zogen sie weiter in Umtschegins Heimat. Wie lange sie auch gingen – sie kamen bald in ihre Heimat. Als sie in Umtschegins Heimat ankamen, lagen von Klein-Bujun nur die Knochen noch da. Da taten sie Klein-Bujuns Skelett zusammen, gossen Lebenswasser darauf. So wie er früher gewesen war, so schlief er aus, wurde wach, stand nun auf. So waren sie gut in Umtschegins Heimat zurückgekehrt.

Umtschegin und Klein-Bujun erlegten viele wilde Rentiere. Sie wurden große Rentierbesitzer. So lebten sie. Wer weiß, wie lange sie lebten? Nur das Märchen mag es wissen.

2. Kagenas Tochter

EINE Frau war eine gewaltige Jägerin. Sie hatte einen Vater namens Kagena. Der Alte ging an zwei Stöcken. Er war einäugig. Sie hatten fünf Rentiere.

Das Mädchen pflegte mit einem zahmen Rentier auf die Jagd zu gehen, mit ihres Vaters Rentier Chasandscha. Sie schoß mit einem Bogen aus Mammutkiemen, mit ihres Vaters, Kagenas, Bogen schoß sie. Am Tage erlegte sie zehn, zwanzig wilde Rentiere. Sah sie Rentiere, erlegte sie die herdenweise. Ihren Vater ernährte sie.

Also jagend, begegnete sie einem Mann. Das war ein Mann, so groß wie ein Nadelwald; er hatte einen Bogen aus hartem Holz, sein zahmes Rentier war wie ein großer Elch, sein Reitrentier war gewaltig wie ein Steilufer.

Der Riese grüßte überhaupt nicht. Auf seinem Reitrentier sitzend, fragte er die Frau: »Wohin reitest du?« Die Frau sprach: »Ich jage natürlich.« – Das Riesenmädchen sang immerzu, was es sagte, der Riese sprach immerzu, was er sagte. – Da lachte der Riese, die Zunge zeigend: »Du da, wo du doch eine Frau bist, woher bist du ein großer Jäger?«

Das Riesenmädchen schämte sich, fühlte sich entehrt, ritt fort. Nicht ganz einen Pfeilschuß weit entfernt sang es: »Fremder Riese, warum ärgerst du mich so? Wohlan, schieß auf meines Vaters, Kagenas Rentier, auf seinen riesigen Rentierwallach. Wie auch immer, du beleidigst mich!«

So sprechend führte sie ihren riesigen Rentierwallach zur Seite, ihn am Riemen (führend) stellte sie ihn ganz zur Seite. Der Riese sprang von seinem Reitrentier, begann auf das zahme Rentier des Riesenmädchens zu schießen. Fünfunddreißig Mal schoß er, nicht ein einziges Mal traf er. Da waren seine Pfeile zu Ende.

Wiederum sprach das Riesenmädchen: »Wohlan, fremder Riese, schau einmal auf mich, ich will auf dein riesiges zahmes Rentier schießen.«

»Wohlan«, sagte der Riese, stellte sein Rentier am Riemenende (es führend) zur Seite. Das Riesenmädchen schoß einmal, schoß des Riesen Rentier quer durch. Da sprach der Riese: »Laß uns zusammen lagern und zusammen jagen!«

»Einverstanden, mag es geschehen«, sagte das Riesenmädchen. Da lagerten sie zusammen an einem Orte. Tags darauf jagten sie an verschiedenen Orten. Das Riesenmädchen hatte zehn wilde Rentiere erlegt, der Riese nur eines. Abends kehrten beide heim. Dann ging der Riese zum Zelt des Riesenmädchens, um sich zu erkundigen. Er steckte seinen Kopf durch die Tür und fragte: »Wieviel hast du erlegt?«

Sie sprach: »Fremder Riese, was bin ich als Frau schon für ein Jäger? Nur zehn Stück habe ich erlegt!« Dann fragte sie: »Wohlan, fremder Riese, erzähle auch du immerhin, wieviele hast du erlegt?«

Der Riese sprach: »Ich habe eines erlegt.« Sie glaubte es nicht: »Wieviele, sagtest du, hast du erlegt? Sagtest du ›nur zehn Stück‹?« – »Nein, nein, nein! Eines, eines!« sagte er und zeigte es, indem er den Zeigefinger schwenkte.

Da sprach das Riesenmädchen: »Fremder Riese, was für ein großer Schwächling bist du, daß du nur ein einziges erlegt hast!« Sagte der Riese: »Gehen wir morgen wiederum auf die Jagd!« – »Einverstanden«, sprach das Riesenmädchen.

Tags darauf jagten sie zusammen. Da erblickten sie fünfunddreißig wilde Rentiere. Sie jagten sie mit dem Jagdrentier und schossen auf sie. Das Riesenmädchen schoß auf alle, erlegte alle. Der Riese erlegte kein einziges. Wenn der Riese einmal schoß, schoß das Riesenmädchen zehnmal. Der Riese sprach, sich geschlagen gebend: »Wir wollen uns morgen wieder beim Schießen messen.«

»Einverstanden, mag es geschehen«, sagte das Riesenmädchen.

Tags darauf stand das Riesenmädchen früh auf, begann ein Hamat weit entfernt – da ist das Geweih eines wilden Rentierbullen nicht mehr zu sehen – zu singen: »Wohlan, fremder Riese, fang du doch zuerst an!«

Der Riese schoß auf das Riesenmädchen. Nicht ein einziges Mal traf er. Er konnte die Riesin nicht erlegen. Die Riesin ergriff mit der Hand die Pfeile des Riesen, die ihr entgegenkamen, an der Spitze. Der Riese schoß fünfunddreißigmal. Da gingen des Riesen Pfeile zu Ende.

Die Riesin sprach wiederum: »Wohlan, fremder Riese, schau wieder auf mich!« Der Riese sagte: »Wohlan!«, stellte sich mit gespreizten Beinen hin, auf daß (die Pfeile) abprallten. Die Riesin schoß einmal, des Riesen beide Hüftgelenkpfannen zerschmetternd. Da starb der Riese.

3. Die Rache um der Ehre willen

EIN Mann lebte mit seiner Frau und vielen Kindern am Ufer eines Sees. Einst sagte er zu seiner Frau: »Ziehen wir von hier fort!« Er begab sich dann fort, bahnte einen Weg (durch die schneebedeckte Taiga). Seine Frau sah: Aus dem See heraus kam ein Jüngling, aus dem Innern des Wassers kam er. Als er gekommen war, liebten sie einander. Die Frau vergaß aufzubrechen; erst als es Nacht wurde, tauchte der Jüngling wieder ins Wasser.

Der Mann wartete draußen in der Taiga auf seine Frau; als er es nicht mehr aushielt, wandte er sich nach Hause. Er kam nach Hause, fragte seine Frau: »Warum bist du nicht aufgebrochen?« Seine Frau sagte: »Die Rentiere waren dickköpfig, daher konnte ich nicht aufbrechen.«

Wiederum übernachteten sie. Der Mann sprach zu seiner Frau: »Wenn ich den Weg gebahnt habe, fahre mir darauf nach.« So sprach er, dann fuhr er wieder davon.

Sobald er fortgefahren war, begann seine Frau viel Fleisch zu kochen, und nachdem sie alles bereitet hatte, wanderte sie ans Ufer des Sees und sprach: »Jüngling, den wir nicht kennen, komm, woher du gekommen bist, komm wiederum, ich verlange nach dir.« Wiederum kam der Jüngling am Ufer des Sees hervor, sie liebten einander, und dann bewirtete sie ihn mit dem, was sie zuvor gekocht hatte.

Da schlich sich der Mann heran, sah dann, wie sie einander liebten. Wieder wurde es Nacht, der Jüngling tauchte ins Wasser. Der Mann kam, sprach zu seiner Frau: »Weshalb bist du nicht aufgebrochen?« – »Da die Rentiere sich ausgeruht hatten, lassen sie sich nicht einfangen, ich konnte sie nicht ergreifen, irgendwie werden wir leben.« Der Mann sprach: »Also laß uns morgen rasten. Hole du das Fleisch (der erbeuteten Tiere), ich will mit meinen Kindern zuhause sitzen.«

Am Morgen ging die Frau das Fleisch holen. Der Mann zog das Kleid seiner Frau an, er wanderte, nachdem er den Bogen genommen hatte, an das Ufer des Sees. Den Bogen versteckte er, ließ ihn nicht sehen, sein Gesicht versteckte er und sprach: »Jüngling, den wir nicht kennen, komm, ich verlange nach dir.« Der im See drinnen erhob seine Stimme, sprach: »Unmöglich zu kommen. Deine Stimme ist eine andere.« Dann streckte er den Kopf heraus. Jener Mensch schoß ihm auf den Kopf. Darauf ging er nach Hause, saß lange da. Seine Frau kam. Als sie den Kessel nahm, hatte sie viel Wasser. Sie konnte es dort nicht mehr aushalten, dachte an das Wasser (worin der Jüngling weilte), sprach: »Ich möchte ihn wieder treffen.« Am See fand sie ihn, er war tot. Da fing sie an zu weinen. Der Mann hörte ihr Weinen, kam hervor, erschoß dort seine Frau. Am nächsten Tage zog er fort, suchte Gesellschaft, fand sie irgendwo, nahm sich dann ein Weib. Ende.

4. »Silber«, »Weidenbaum« und die Frau aus dem Meere

ES lebten zwei Mädchen – die ältere Schwester Mengun (Silber) und die jüngere Hiatak (Weidenbaum). Sie lebten. Einst ging Klein-Hiatak nach Feuerholz. Bis es dunkelte, sammelte sie Holz. Als es recht dunkel war, schritt vom Meere her eine Frau. Sie schritt zu ihr dicht heran und blieb stehen:

»Hiatak, Groß-Freundin, eine goldene Kugel laß uns mit unserem Spielstöckchen spielen. Wer von uns wird siegen, Klein-Freundin, Klein-Freundin?«

Sie reckte sich dabei in die Höhe und wiegte sich (siegesgewiß):

»Freundin, Freundin, vielleicht soll ich die erste, vielleicht du die erste sein. Mit der Erlaubnis der älteren Schwester möchte ich zu dir zum Spielen kommen.«

Hiatak stimmte an:

»Älteres Schwesterchen, älteres Schwesterchen, wer von uns wird (mit ihr) spielen, wirst du, werde ich spielen?«

Dabei erbebte die ältere Schwester Klein-Mengun, zitterte wie Sülze. Klein-Hiatak schaute ihrer Schwester ins Gesicht: Über Menguns Gesicht, über ihre beiden Wangen flossen dicke Tränen. Erblickend dann die Tränen der Schwester, bebte, bebte Hiatak wie eine, die in Schamanentrance ist, die Ränder ihres Gewandes flatterten wie Blätter im Winde.

»O Hiatak, laufe hier fort!« rief die ältere Schwester Mengun aus.

Als ihre Schwester so rief, beruhigte sich Hiatak, setzte sich auf einen Feldstein, der einem Baumstamm glich, bereitete ihren Spielstock vor.

Tschölereng (Einbeinig, die Frau aus dem Meere) zog aus der linken Achselhöhle eine Kugel hervor. Dreimal ließ sie die kreisen, warf sie zum Himmel.

Bis ihnen die Ohren vereisten, warteten sie aufs Fallen dieser Kugel. Wie sie so dastanden, fiel sie zwischen Tschölereng und Mengun. Mengun schlug zu. Tschölereng und Mengun liefen um die Wette hinterher und sagten dabei: »Welche von uns wird sie als erste schlagen?« Wie eine ganz Müde müd, wie eine ganz Matte matt, kam Mengun als erste an, schlug aber dann nur ein bißchen weit. Wieder liefen sie los. Seite an Seite liefen sie. Mengun stolperte, und, nachdem Tschölereng den Ball weggeschlagen hatte, lief sie hinter ihr her.

»Mengun, Lieb-Freundin, wo du so etwas tust, wo-chen ist unsere goldene Kugel hingeraten? Wenn du-chen selbst-chen sie erspähen möchtest?«

sagte Tschölereng (spöttisch).

Als Mengun hinschaute, zeigte sich (die Kugel) wie ein Stern im »Nabel« des Meeres. Mengun schluchzte laut auf. Als sie ihre Tränen abwischte, anschaute, da waren milchweiße Tränen geflossen. Hiatak sah, daß ihre Schwester weinte, da schluchzte sie selber auf:

»Lieb-Mengun, Schwesterchen, wie hast du deine Gelegenheit versäumt?! Was für ein, was für ein Schrecken!«

Mengun, beinahe laufend, beinahe laufend, lief (vor Erschöpfung) nicht mehr, gab es auf. Auch Tschölereng lief nicht mehr. Dann faßten sie sich an den Händen, liefen los. Mengun bemerkte beim Dahinjagen, daß ihre beiden Augen geschwollen waren und ihre Nase blutete. »Woher ist das gekommen?« dachte sie und befühlte ihre Haare: Die waren ganz bedeckt von Reif und waren zu Eis geworden. (So stark hatte sie geatmet bei dem schnellen Lauf im starken Frost.) Im Sommer waren sie gelaufen, Winter war es geworden, sie hatten es nicht bemerkt. Jenen (beim Lauf hindernden Eisklumpen) riß sie zusammen mit den Haaren heraus. Tschölerengs Wort ertönte:

»Warte, warte, daß ich meine Härchen freimache!«

Was sollte Mengun warten? Ganz schnellfüßig war sie geworden, ihre Ohren nur dröhnten (vom Winde beim Laufen). Zum Taimen-Lachs geworden, schwamm Mengun durch das Meerchen, hin zur Kugel schauend. Tschölereng, zur Quappe geworden, schwamm dahin, erschien hinter Menguns Schwanz, verschwand (der Hiatak aus dem Blickfeld). Mengun kam als erste an und schlug (versehentlich) die Kugel zurück (zum Ufer). Was soll man da noch sagen! Abermals schwammen sie im Meere dahin. Zum Meerchen-Ufer gelangend, wurden sie von neuem Menschen. Sie liefen eine hinter der andern. Tschölereng lief vorne weg.

»Ach Hiatak, Hiatak, wie hast du das denn übersehen? Hierherchen schlage!«

stimmte Mengun an.

Aber Hiatak leckte ihren Löffel ab, mit dem sie die Blutsuppe gerührt hatte. Als sie mit dem Löffel fertig war, begann sie an ihrem Rührholz zu lecken, dann wieder ihre Bratpfanne; ihr Kesselchen herbeiholend, ging sie daran, auch dies auszulecken. Als sich von einer Seite (des Himmels) die Dämmerung herabsenkte und von der andern sich die Morgendämmerung erhob, war glitzernd die umkämpfte Kugel zu sehen. Ihrer älteren Schwester Not nahm sie nicht wahr: Hiatak leckte ihren Kessel aus.

Wie eine ganz Müde müd, wie eine ganz Matte matt überholte Mengun Tschölereng und trat die Kugel mit dem Fuß. Die Kugel fiel in den Kessel, den Hiatak ausleckte, ließ den vierfach aufplatzen, schlug hindurch, prallte auf Hiatak. Hiatak aber wandte sich um, ergriff ihren Spielstock und schlug die Kugel zusammen mit dem Kessel auf den Mond.

»Trotz allem, meine Kleine, großartig zu des Möndchens Zunge hin hast du geschossen, Hiatak. Jetzt werden wir leben, alle Not, hoho, ist zunichte geworden«,

stimmte Mengun an. Zu dreien tanzten sie im Reigen:

»Unser Seitlein hat die goldene Kugel erobert, uns zum Guten, guuut«,

sangen sie.

»Ach Freundinnen, ach Freundinnen, im Gipfelmonat (Januar) erwartet mich!«

sang Lieb-Tschölereng. So sagend, lief Tschölereng in ihr Land, ins Meer. Im Gipfelmonat kam Tschölereng wieder und sagte: »Wie gewohnt, wie früher laßt uns jetzt um eine bleierne Kugel kämpfen, die mag der goldenen überlegen sein.«

Sie warf (die Kugel) in den Himmel. Nachdem sie auf die Erde gefallen war, stieß sie sie ins Meer. Sie fiel weit über die Meereszunge, kaum war sie noch zu sehen. Sie beeilten sich nicht, zu dritt faßten sie sich an. Sie liefen, liefen. Als sie so liefen, wurden ihre Haare mit Reif überzogen, und als die mit Reif überzogen waren, vereisten sie. Die Mädchen, die liefen, indem sie sich (vereiste Haarklumpen) ausrissen, aber Tschölereng gelang es nicht, sie herauszureißen.

Mengun erreichte das Ufer des Meeres, tat gar nichts; aber Hiatak, zum Lenoksalm geworden, tauchte zum Grunde des Meerchens. Tschölereng aber, zum Flußbarsch geworden, verfolgte sie. Hiatak schwamm auf gleicher Höhe, dann blieb sie zurück. Tschölereng wußte nicht, wohin sie (die Kugel) stoßen sollte und schlug sie etwa hierhin. (Hier zeigt der Erzähler anscheinend die Stelle.) Hiatak kam als erste zur Kugel und stieß sie zu Mengun. Sie fiel wiederum ins Wasser. Tschölereng erreichte sie als erste und schlug sie wieder in Richtung Meereszunge. Mengun aber, zum Taimenlachs geworden, warf die bleierne Kugel in die Sonne, so daß sie dort haften blieb.

Als der Sommer gekommen war, eroberte Mengun (im Wettkampf) abermals die Kugel aus Silber, die Tschölereng gebracht hatte. Tschölereng, die verloren hatte, trat in das Zelt der Schwestern, setzte sich ihnen gegenüber. Sie aßen die schmackhaftesten Speisen, (Tschölereng) teilte (mit den beiden Schwestern) das Feuer, betete es an, ahmte sie dabei nach.

5. Der Rabe

ANFANGS gab es drei Welten. Oben lebte Gott (Howokī), unten sein älterer Bruder, der Satan. In der mittleren Welt hat Gott gewirkt, hat auch Satan gewirkt.

Gott schuf die Ente, Satan schuf, ihn nachahmend, die Tauchente; Gott schuf den Schwan, Satan schuf den Specht; Gott schuf den Vielfraß, Satan schuf den Bären; Gott schuf den Fuchs, Satan schuf den Wolf.

Gott gab allen Namen. Alles was Satan geschaffen hatte, gab er den Leuten nicht zum Essen frei. Darauf schuf Gott den Mann und die Frau. Sein Helfer ist der Rabe gewesen. Jener Rabe hat seine Schöpfung bewacht. Gott fragte ihn: »Was machen sie?« – »Sie leben, setzen Kinder in die Welt, sind viele Menschen geworden. Sie jagen, sie töten Füchse und Vielfraße«, hat der Rabe gesprochen. Zum Raben kam Satan, hat gebeten: »Gib mir seine Schöpfung, daß ich sie bewache. Dir werde ich gute Speise geben, Lendenstück und Mageninhalt werde ich dir geben.« Der Rabe gab (Satan die Schöpfung zur »Bewachung«); als er fraß, sagte er »Lecker!« Da fragte Gott: »Wie leben die Menschen?« Der Rabe sagte: »Ich habe sie Satan zur Überwachung gegeben.«

Gott hat dem Raben gezürnt, gab ihm Verfaultes und Unrat zu fressen.

6. Die zwei Brüder

EHEMALS waren zwei Brüder, als die Erde ganz früh erst erschaffen war. Jene Brüder haben einander nicht geliebt.

Der Ältere hat etwas ganz Schlimmes geschaffen: die Insekten, der Jüngere schuf die Menschen. Der Ältere lebte in der Unterwelt, der Jüngere in der Oberwelt.

Der Jüngere hatte einen Hund, der hatte kein Obergewand. Der jüngere Bruder schuf die Menschen aus Knochen und Fleisch. Jene erschaffenen Menschen legte er in einen Speicher, verschloß diesen. Dann wollte er zu anderen Geschöpfen gehen, und gab dem Hund den Schlüssel. Als er den Schlüssel gab, sprach er zum Hund: »Wenn mein älterer Bruder kommt, öffne deine Speicher nicht; was er auch sagen mag, öffne sie nicht!«

Der Hund bewachte im Hause seine Speicher. Als er zuhause war, kam der ältere Bruder zu dem Hunde. Er fragte ihn: »Wo ist mein Bruder hingegangen, wann kommt er zurück, was hat er gemacht?« Der Hund sagte: »Er ist heraufgegangen; wann er wiederkommt, was er wohl tut, das weiß ich nicht.« Da sagte der ältere Bruder zum Hund: »öffne deinen Speicher!« Der Hund sagte: »Ich öffne ihn nicht, ich mag ihn nicht öffnen«. Der ältere Bruder sprach zum Hunde: »Wenn du deinen Speicher öffnest, gebe ich dir ein Obergewand. Im Regen wirst du nicht naß werden, in der Hitze wirst du dich nicht erhitzen, in der Kälte wirst du nicht frieren, ein Obergewand werde ich dir geben.« Als er so sprach, öffnete der Hund seinen Speicher. Auf die vom Jüngeren geschaffenen Menschen hauchte (der ältere Bruder); als er so hauchte, erkrankten die Menschen. Der Hund erhielt ein Fell. Dann ging der ältere Bruder fort.

Nach diesem Unheil vergingen zehn Tage, der jüngere Bruder kehrte heim. Heimgekehrt sah er, daß der Hund ein Fell hatte. Er fragte ihn: »Woher hast du das Obergewand erhalten?« Der Hund sagte da: »Dein älterer Bruder kam und gab es mir.« – »Warum hast du deinen Speicher geöffnet?« – »Als er sagte ›Ich gebe dir ein Obergewand‹, öffnete ich ihm.« Der jüngere Bruder ging in den Speicher, seine Menschen warem zum Teil gestorben, zum Teil haben sie gelebt. Er hauchte auf jene, die lebten, sprach: »Blut fließe in euch.« Seine Menschen wurden gesund, Blut floß in sie. »Mein Hund«, sagte der jüngere Bruder, »den Menschen sollst du (dienend) auf den Fersen folgen, mit dem Menschen zusammen, wenn er (ein Tier) getötet hat, friß von der Beute.«

7. Das Haselhuhn

ANFANGS ist das Haselhuhn groß gewesen. Gott fürchtete sich vor ihm. Gott schuf den Menschen, hielt ihn (zuerst) fest, dann ließ er ihn (aus Schreck vor dem Haselhuhn) auf die Erde fallen. Als der fiel, rotzte Gottes älterer Bruder, der Satan, auf Gottes Schöpfung. Satan sprach: »Werdet voller Speichel und Rotz, werdet krank davon!«

Gott erzürnte, er hat des Haselhuhns Fleisch zerteilt: »Dem Hunde werde ich von deinem Fleische geben, dem Rebhuhn werde ich davon geben, dem Lachs, dem Birkhahn, allen Fischen werde ich davon geben, so daß für dich selbst nur noch wenig bleibt. Hättest du mich nicht erschreckt, würden die Menschen nicht sterben, sie wären nicht gefallen.«

Nun wurden die Menschen sterblich.

8. Der Birkhahn

ANFANGS hatte der Birkhahn keinen Namen. Einstmals machte sich der Birkhahn, der damals noch ein Eulchen war, auf zu Gott, um sich bei ihm zu beklagen. Er gelangte zu Gott, beklagte sich, der Birkhahn sagte: »Die Eule packt mich immer.« Sprach die Eule: »Ich habe den Birkhahn nie gepackt, der Hühnerhabicht packt den Birkhahn immer.«

Der Birkhahn schämte sich sehr, fiel in den Schnee, stürzte hinab; dann verkroch er sich in den Schnee. Gott sprach: »Du böses Horokī.« Daher wurde sein Name »Horokī«.

9. Sewekī und Awahī

SEWEKĪ hat mit dem Hund zusammen gelebt, ganz freundschaftlich haben sie gelebt. Sewekī ging hierhin und dorthin. Der Hund bewachte (Sewekīs) Skulpturen (ōmī), bis zu seiner Rückkehr paßte er gut auf sie auf. Der Hund liebte Sewekī sehr. Einst, als Sewekī fortgegangen war, kam Awahī zum Hund, hat gesagt: »Wenn du mir die Menschenskulpturen gibst, mache ich, daß du nie hungerst und nie ermüdest.«

Der Hund hat nachgedacht, hat nachgedacht, hat (schließlich die Skulpturen) hingegeben. Da ist Sewekī gekommen, hat gefragt: »Wo sind die Skulpturen, die du bewacht hast?« Da hat der Hund erzählt, daß er sie fortgegeben hat, daß Awahī bewirkt habe, daß er nie hungerte, nie etwas zu tun brauchte.

Da ist Sewekī erzürnt: »Mit des Menschen Riemen (gefesselt) wirst du den Schlitten ziehen, mit gebücktem Halse wirst du von nun an leben.« Er hat ihn verjagt, ihre Freundschaft ist zu Ende gewesen.

10. Christus und Satan

CHRISTUS’ älterer Bruder ist Satana (Satan) gewesen. Früher ist der »Onkel« (Bär) ein Mensch gewesen, auch der Hund ist ein Mensch gewesen. Zusammen haben sie Christus’ Geschöpfe bewacht, sind seine Helfer gewesen.

Christus ging fort, sein Haus bewachte der Hund. Satana kam: »öffne Christus’ Haus!« sprach er. »Ich öffne es nicht«, dann öffnete er es (doch). Satana ließ eine Schlange frei, dem Hund gab er ein Fell für das Öffnen der Tür.

Da kam Christus zu seinem Haus. »Was hat Satana hier gemacht?« fragte er. Satana hatte den Hund (mit einem Fell) bekleidet. Christus erzürnte, sprach: »Werde du ein Hund, sprachlos werde! Werde einer, der Übles frißt! Lebe nur zehn Jahre! Mit deiner Nase schnüffle, mit deinem Munde belle!« Zum »Onkel« sprach Christus: »Du schlafe das ganze Jahr über zusammen mit dem Erdhörnchen! Ewenken fasse nicht an!«

Auch der »Geschwänzte« (Wolf) ist ein Mensch gewesen. Christus sprach zu dem »Geschwänzten«: »Sei du der Herr in diesem Lande! Wenn du Hunger hast, friß einen nach dem andern!« Auch der Rabe ist ein Mensch gewesen. Zum Raben sprach er: »Geh dort hin, schau da nach, friß, was der Ewenke erlegt!« Darum, aus eben diesem Grunde, frißt (der Rabe), was sein jüngerer Bruder (der Mensch) erlegt hat und fliegt überall herum.