Silbervogel - Gilla Pogo - E-Book

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Gilla Pogo

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Beschreibung

Taka ist ein Indianerjunge im Amazonasgebiet. Während seiner Initiation zum Krieger wird sein Dorf zerstört und er bleibt allein zurück. Als er von einem Padre gefunden und gepflegt wird ist das sein erster Kontakt mit weissen Menschen. Hier lernt er seinen Freund Ben kennen und die Beiden erleben spannende Abenteuer.

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Seitenzahl: 70

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Silbervogel 

Gilla Pogo

Kapitel 1

Edah lag noch immer wach auf ihrer Schlafstelle, hörte auf die nächtlichen Geräusche des Dschungels und übte sich im Erkennen der Tiere. Taka, ihr drei Jahre älterer Bruder, hatte es oft mit ihr gespielt. Taka wird jetzt ein Krieger, dachte sie traurig. Bisher waren sie immer zusammengewesen und Taka hatte ihr die Kniffe und Tricks, die er vom Vater gelernt hatte, beigebracht. Damit würde es nun bald vorbei sein, denn mit zwölf Jahren wurden die Knaben als Krieger des Stammes aufgenommen. Sie drehte sich um und blickte durch die Ritzen des Flechtwerkes, das ihre und Takas Schlafstelle vom Tageswohnraum abgrenzte. Im Schimmer des kleinen Feuers sah sie den neuen Speer, den Vater schon seit Wochen schnitzte, an der Wand lehnen. Daneben hing ein enthaartes und bemaltes Fell, auf dem die Taten von Omao aufgezeichnet waren. Es zeigte Vaters hohe Stellung im Stamme an. Edahs Mutter Siri war sehr stolz auf dieses Fell, und oft hatte sie Edah die einzelnen Bilder erklärt. Am besten gefiel Edah die Zeichnung, wo Omao den Topf mit der heiligen Erde und den Stab der Wahrheit einem anderen Mann übergab. Damit hatte er darauf verzichtet, ein Häuptling zu sein. Verzichten, das war etwas, das nicht jeder konnte. Auch Edah selbst nicht. Wie wird es wohl sein, wenn Taka ein Krieger ist? Ob er noch mit ihr spielen wird? Das letzte Jahr, als Lateh, der Sohn von Amma, ein Krieger wurde, hatte der seine Schwester gar nicht bemerkt. So gingen ihr die Gedanken hin und her. Plötzlich wurde sie am Oberarm gestupft: ” Edah. Psst. Edah, bist du wach?”

“Ja, Taka. Was ist denn?”

“Ich muß dir was Wichtiges sagen,” flüsterte er.” Ich will auf den heiligen Berg gehen.”

“Aber Taka! Das darfst du doch nicht!”

“Psst. Nicht so laut,” unterbrach er sie und blickte sich schnell um. Sein langes schwarzes Haar wirbelte herum und kitzelte Edah in der Nase. Ein Niesen unterdrückend sagte sie: “Du weißt, daß es verboten ist. Auf den heiligen Berg dürfen nur Krieger.”

“Ich werde doch ein Krieger. Beim nächsten Mond. Und das ist in ein paar Tagen.”

“Ja, ja, ich weiß.”

“Du darfst niemandem von meinem Plan erzählen, - nicht einmal Mutter. Hörst du?”

“Ich werde es niemandem sagen,” flüsterte sie, und ihre dunklen Augen funkelten ihn an.

“Aber du könntest doch warten, bis du ein Krieger bist.”

“Nein Edah!” stieß Taka leise hervor und legte ihr den Finger auf den Mund. “Ich will schon vorher hinauf.”

“Ich habe Angst,” murmelte Edah vor sich hin.

“Das brauchst du nicht,” versuchte Taka sie zu beruhigen.” Und jetzt schlafe.” Edah legte sich wieder hin, und Taka kroch auf sein Panterfell, das er von Vater bekommen hatte. Während er bald eingeschlafen war, lag Edah immer noch wach, lauschte den Geräuschen der Nacht und überlegte hin und her, wie sie Takas Ungeduld dämpfen könnte. Doch sie kannte ihn. Da war nichts zu machen. Eher würde der Tukan, der vor der Hütte sein Gekreisch anstimmte, von selber auf den Bratspieß fliegen, als daß Taka eine Idee aufgab. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als mitzugehen. Auch wenn er sicher dagegen war. Mit dieser Lösung war sie einverstanden und schlief ein.

Kapitel 2

Als Edah erwachte, hatte die Morgensonne schon ein beträchtliches Stück ihres Weges zurückgelegt. Sie reckte und streckte ihre Glieder, und plötzlich fiel ihr Taka ein. Mit einem Ruck sprang sie von ihrem Lager auf und eilte aus der Hütte. Ihre Mutter Siri saß auf einem Holzpflock und zerkleinerte mit einem Mörser verschiedene Arten von Nüssen.

“Wo ist Taka?” fragte Edah.

“Hinunter zum Fluß. Er möchte sich einen neuen Bogen schnitzen.”

“Dann gehe ich ihm nach.”

“Ja, ja. Geht nur! Laßt eure arme Mutter nur alleine diese ganzen Nüsse zerstoßen!” rief Siri der davoneilenden Edah nach.

Sie sprang über den staubigen, rotbraunen Pfad, der zum Fluß hinunter führte. Immer wenn ihre Füße den Boden berührten, machte es ein lustiges Flop - Flop. Doch dann hielt sie an. Mutter hatte sicher auch Taka gebeten, ihr zu helfen. Doch Taka sagte, er brauche einen neuen Bogen, darum müsse er zum Fluß. Da gibt es nämlich die geschmeidigsten Stämme, erinnerte sich Edah voller Stolz. Aber eigentlich will er ja auf den Berg, sagte sie sich. Und der ist in der anderen Richtung. Als sie so dastand und nachdachte, kam Lateh mit einem Spießkumpanen gerade den Fluß herauf.

“Habt ihr Taka gesehen? Er wollte zum Fluß,” fragte Edah die beiden.

“Wir wollten ihn mitnehmen, aber er hat gesagt, daß er für Siri Nüsse sammeln gehe,” sagte Lateh.

“Ein angehender Krieger, der für seine Mutter Nüsse sammelt,” lachte der andere und gab Lateh einen Stoß in die Rippen. Lachend verschwanden die beiden in Richtung Dorf.

Edah sah ihnen wütend nach, bis sie verschwunden waren. Dann drehte sie sich um und huschte ins Dickicht neben dem Pfad. Sonst ging niemand durch das dichte Gewächs, das sich neben den ständig begangenen Wegen sofort auftürmte. Die Luft roch würzig und intensiv. Edah zwängte sich zwischen den fleischiggrünen Blättern und Stengeln hindurch. Sie konnte ja nicht den normalen Pfad zum Berg benutzen. Zu nahe durfte sie das Dorf auch nicht umrunden, und leicht begehbare Plätze mußte sie vermeiden. Aber auch Taka hat sich so durchzwängen müssen, tröstete sie sich. Dann, auf einer leichten Anhöhe, sah sie das Dorf links unten liegen. Die Hütten waren halbkreisförmig um das Häuptlings - und Versammlungshaus verteilt. Ein dichter Zaun aus Dornengewächs führte um das ganze Dorf und ließ nur die drei Ein - und Ausgänge frei. Er sollte nicht nur den üppigen Pflanzenwuchs abgrenzen, sondern auch verschiedene Raubtiere fernhalten. Besonders den schwarzen Panter. Obwohl man ihn ja mehr hörte, als zu sehen bekam. Edah gefiel der Anblick des Dorfes so sehr, daß sie fast vergaß, warum sie eigentlich hier war.

“Was tust du hier!” donnerte eine Stimme in ihrem Rücken, und Edah erschrak fast zu Tode. Sie wirbelte herum und sah Taka grinsend vor sich stehen.

“Taka! Hast du mich erschreckt,” schimpfte sie.

“Was tust du hier?” wiederholte er seine Frage.

“Ich gehe mit auf den Berg.”

“Nein, das kannst du nicht!”

“Doch. Ich weiß, daß es gefährlich ist, und darum werde ich dich beschützen.”

“Hahaha. Du willst mich beschützen?”

“Lach du nur. Du wirst schon sehen. Und außerdem - ich gehe dir einfach nach. Auch wenn du mich nicht dabei haben willst.”

Edah hatte Mutters Sturschädel geerbt. Da kam auch ein Krieger nicht dagegen an.

“Also gut,” sagte er.” Aber du tust, was ich dir sage, sonst kehrst du wieder um.”

“Außer, es ist ein Blödsinn, was du mir sagst,” entgegnete Edah.” Schon gut. War ja nur Spaß,” setzte sie nach, als sie Takas ärgerliches Gesicht sah.

“Also gut, dann gehen wir,” befahl Taka.

“Du willst also wirklich hinauf auf den Berg? Ganz hinauf?”

“Ja natürlich. Jetzt frag nicht mehr. Du kannst mich ja doch nicht umstimmen.”

Er ist der gleiche Dickschädel wie Vater, dachte Edah. Da kommt man nicht dagegen an. Also heftete sie sich ihm, zwar noch schimpfend und Unheil prophezeihend, an seine Fersen. Als es aber anfing, immer steiler bergauf zu gehen, wurde sie zunehmend stiller. Sie mußten auch vorsichtig sein, denn es könnte ein ratsuchender Krieger vom Berg zurückkommen. Immer näher kamen sie dem Felsen, den man vom Dorf aus sehen konnte. Aber so groß und mächtig hatten sie ihn sich nicht vorgestellt.

“Oh! Ist das ein Riese,” rief Edah aus.

“Also, Edah. Du bleibst jetzt hier, bis ich zurückkomme. Ich will jetzt sehen, wie dieser Weg beim Felsen weitergeht.”

“Sei vorsichtig, Taka.”

“Ja, ja. Schon gut. Du brauchst keine Angst zu haben.”

Er stieg bis dicht unter den Felsen. Da sah er, daß ein schmaler Riß den Felsen seitwärts teilte. Das war von unten nicht zu sehen. Die Stelle war gerade so breit, daß ein Mann von Omaos Statur sich eben noch durchzwängen konnte. Taka schlüpfte ganz leicht hindurch. Dahinter wurde der Weg breiter und war links und rechts mit eingerammten Pfählen, an denen allerlei Dinge hingen, begrenzt. Taka wußte nicht, wozu sie dienten. Nach einer Biegung führte der Weg in eine dunkle Höhle. Taka blieb stehen. Sollte er da hineingehen? Ein kleines Stück wenigstens, dachte er.