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Der Kirchenarchitekt Gert Hellmar hat ein Haus in abgeschiedener Lage. Während er eines Nachts über Probleme an einem Kirchenbau rätselt wird er von seinem Mitarbeiter seltsamerweise angerufen. Dieser kommt am nächsten Tag viel zu spät in das Büro. Er überredet Gert mit ihm Whiskey zu trinken und ihn mit zu sich nach Hause zu nehmen. Auf der Fahrt dahin touchiert Gert in betrunkenem Zustand eine junge Frau. Sie ist tot. Sein Mitarbeiter und Freund, der bei dieser Fahrt dabei ist, erklärt sich bereit die Tat zu vertuschen und ihm zu helfen. Er versteckt die Leiche der jungen Frau im Wald unter Ästen und Blättern. Am nächsten Tag wird Gert angerufen. Es ist der Bruder der jungen Frau und er erpresst Gert. Er will hunderttausend Euro von ihm. Sonst fliegt die ganze Geschichte auf. Er hat angeblich hieb- und stichfeste Beweise. Gert Hellmar ist am Ende. Er weiß nicht was er tun soll. Sein Mitarbeiter hat bessere Nerven und nimmt das weitere Geschehen in die Hand. Gert Hellmar hat noch einen anderen Freund. Einen Privatdetektiv. Zu ihm hat er vollstes Vertrauen. Er trifft sich mit ihm und erzählt ihm alles so wie es sich zugetragen hat. Auch er hilft ihm und deckt dabei eine ganz andere Geschichte auf.
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Seitenzahl: 44
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Die Waldhütte
Kriminalerzählung von Gilla Pogo
Die schwüle Nacht, sowie die andauernde Nörgelei seiner Frau trieben ihn auch an diesem Sonntag aus der Wohnung. Raus aus der stickigen Bude. Runter mit dem klapprigen Lift. Hinaus. Erstmal tief durchatmen. Er sah die alte dreckige Fassade hoch. Talonerstraße 17a. Da oben, in seiner Penthouse Wohnung, saß jetzt seine alte Schwuchtel und zog sich, bei Chips und Bier, irgend so ein Quatschvideo durch ihre letzten intakten Gehirnfäden. Angewidert überquerte er den Marienplatz und peilte geradewegs den ersten Wagen am Taxistandplatz an.
"Wohin?" fragte der immer freundliche Tamile, als er sich hinten auf den Sitz fallen ließ.
"Das weißt du eh schon - ins Heartbreak, " antwortete er mürrisch.
Die Fahrt dauerte eine gute halbe Stunde, und hie und da sah er schon die ersten Hasen, die auf Freier warteten. Er zahlte, wie üblich zwanzig Mäuse, und stand vor der Tür zum Heartbreak. Das verdammt beste Nachtlokal, das er in dieser beschissenen Stadt kannte. Der Gesichtskontrollor ließ ihn
ungehindert ein, er schlenderte gemächlich zum
ersten Barhocker und sah sich um.
Noch nicht grad der Hammer los, dachte er, und schenkte seiner Rolex einen prüfenden Blick.
"Na ja - ist ja erst halb elf" murmelte er vor sich hin. Die blonde Trudi kam hinter dem Tresen auf ihn zugerauscht und gurrte: "Was willst 'n trinken, Harry?"
"Gib mir 'n Whisky Soda - aber 'n besonders Kräftigen, hörst du?" rief er ihr zu, als sie wieder kehrt machte, um das Getränk zu richten. Sie drehte sich halb um, stieß einen kurzen Pfiff durch die spitzen Lippen und fächelte das rechte Handgelenk auf und nieder: "Hast wohl wieder Ärger gehabt, was?"
Er antwortete nicht, sondern sah sich um. Am ersten Tisch, direkt vor der Bühne, saßen einige Touristen, die sich gierig Evas langweilige Stripteasenummer rein saugten. Bis auf das Animiermädchen Carmen war der samtrote Tresen noch unbesetzt. Weiter hinten, in einer schummrigen Ecke, hockte wie zusammengewachsen, ein Pärchen, das anscheinend bemüht war, ihre Zungen zusammenzuknüpfen. Er goss sich den Whisky runter. Halb eins. Das Lokal hatte sich schon ziemlich gefüllt, als er Sigi 's Stimme, wie durch eine Nebelwand, näher kommen hörte.
"Hey, Harry - bist wohl schon ziemlich down, was?"
Er tauchte aus seinem Whiskyglas auf, gab Sigi einen Klaps auf die Schulter und brummte: "Kann man wohl sagen. Ist auch nicht gerade mein Tag heute. "
"Na komm schon. Jetzt machen wir aber ordentlich einen los. Hey Mann, ich hab heut einen super Schuss drauf, " sagte Sigi und massierte mit der Hand die Hose an seinen Hoden.
Harry sah in Sigis graublaue Augen und lachte plötzlich los:
"Das wär´ jetzt noch ´n Ding. Könnt mich grad wieder' hochbringen. Aber nicht, zu lange. Morgen hab ich ´n anstrengenden Tag. Der Gert hat ' n bomben Projekt an Land gezogen."
"Nee, nur einen kurzen Abstecher in deine Hütte. Wir holen uns ne Flitsche von draußen. Ne kurze Nummer - und der Tag ist mitsamt der Nacht gerettet.“
Auf Sigi´s hoher Stirnpartie standen Schweißperlen, die tiefliegenden Augen blitzten, und oberhalb der eingefallenen Wangen arbeiteten die Backenknochen.
"Also was ist? Machen wir's?" fragte er ungeduldig.
Harry dachte an das letzte Abenteuer miteinander, das sie in seiner versteckten Waldhütte hatten. Er spürte, wie es in seinen Lenden zu kribbeln anfing und sein Glied sich regte. .
" Also gut. Aber du bringst mich hinterher nach Hause.“
"Eh klar. Was denkst du denn“, erwiderte Sigi und schlenkerte die Arme durch die Luft.
Es war ein Uhr, als die beiden bezahlten und das Lokal verließen. Sie saßen in Sigis silbergrauem 3er BMW und fuhren in Richtung Stadtrand.
"Die Flutschen haben heut wohl Urlaub, oder was" knurrte Sigi ärgerlich und fuhr sich mit der Hand durchs ungepflegte Haar.
"Wird schon noch werden. Dreh halt noch ne Runde“, sagte Harry.
"Das ist jetzt schon die dritte. Vielleicht wär´ s besser -"
"Stopp. Halt mal! Da drüben steht doch so ein geiles Dingelchen. Dreh mal um," rief Harry.
Der BMW kurvte um den nächsten Häuserblock und fuhr dann in der anderen Richtung zurück. Da, wo sonst. die anderen Mädchen standen, war alles leer. Nur weiter oben, an einem denkbar ungünstigen Platz, ging Eine die Gehsteigkante auf und ab.
"Muss ne Neue sein" stellte Sigi fest. "Die hat noch keinen Standplatz."
"Frisches Blut ist in der Stadt" flötete Harry.
Sie hielten den Wagen an. Das Mädchen kam ans Fenster. Harry öffnete die Türe und sagte: "Steig ein Kleines. Kannst ein paar lockere Mäuse machen."
"Wo soll´s denn hingehen“, fragte sie.
"'n Stückchen weiter, in unsere Bude, „ warf Sigi ein.
"Na ja, - ihr seid aber zu zweit, „ sagte sie etwas unsicher.
"Kriegst das doppelte, " überredete sie Harry schließlich lächelnd. Sie stieg hinten in den Wagen ein. Als Sigi anfuhr, drehte Harry sich um und schaute ihr ins Gesicht.
"Bist 'n hübsches Ding. Wie alt biste eigentlich? Wenn man fragen darf, " grinste er sie an.
Sie steckte sich eine Zigarette an, blies den Rauch aus und sagte: "Vierundzwanzig, nächsten Monat fünfundzwanzig."
Sigi blickte durch den Rückspiegel und stellte fest: Dann können wir ja nächsten Monat einer Flasche den Hals brechen. Was meinst du? Wie heißt 'n eigentlich?"
"Gudrun, Gudrun Wanner."
