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Wenn Treueschwüre brechen - Roman um die Versuchung eines Mannes
Bis dass der Tod euch scheidet ..." Wenn Helge Auerbach über diese Worte nachdenkt, die in zwei Wochen sein weiteres Leben - seine Zukunft mit Andrea - bestimmen werden, überkommt ihn ein Frösteln. Dabei liebt er seine Braut, und bisher hat er nie den Wunsch verspürt, dass an ihrer Stelle eine andere sein möge. Bisher ...
Denn seit er vor ein paar Tagen der aufregend sinnlichen Simone Barkuhl begegnet ist, spuken die merkwürdigsten Gedanken durch seinen Kopf. Plötzlich hat Helge das unbestimmte Gefühl, den größten Fehler seines Lebens zu machen, wenn er Andrea ewige Treue schwört.
Andrea, die Helge mit allen Fasern ihres Seins liebt, spürt seine innere Zerrissenheit ...
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2019
Cover
Impressum
Wenn Treueschwüre brechen
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Visivasnc / iStockphoto
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar
ISBN 9-783-7325-8031-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Wenn Treueschwüre brechen
Roman um die Versuchung eines Mannes
Von Heide Prinz
Bis dass der Tod euch scheidet …“ Wenn Helge Auerbach über diese Worte nachdenkt, die in zwei Wochen sein weiteres Leben – seine Zukunft mit Andrea – bestimmen werden, überkommt ihn ein Frösteln. Dabei liebt er seine Braut, und bisher hat er nie den Wunsch verspürt, dass an ihrer Stelle eine andere sein möge. Bisher …
Denn seit er vor ein paar Tagen der aufregend sinnlichen Simone Barkuhl begegnet ist, spuken die merkwürdigsten Gedanken durch seinen Kopf. Plötzlich hat Helge das unbestimmte Gefühl, den größten Fehler seines Lebens zu machen, wenn er Andrea ewige Treue schwört.
Andrea, die Helge mit allen Fasern ihres Seins liebt, spürt seine innere Zerrissenheit …
Als Helge Auerbach bei seinem morgendlichen Kontrollritt feststellte, dass jemand das Gatter auf der Westweide nicht sachgemäß geschlossen hatte, zogen sich seine Augenbrauen unwillig zusammen. Wie leicht hätten wegen einer solchen Nachlässigkeit die Pferde ausbrechen können. Die Zeit und die Arbeit, die damit verbunden gewesen wären, die Pferde wieder einzufangen, hätten dann an anderer Stelle gefehlt. Ganz zu schweigen von dem Ärger, der damit auf den Besitzer hätte zukommen können.
Es bedeutete aber auch, dass die Leute wieder stärker kontrolliert werden mussten, damit kein Schlendrian einriss. Ein Gut von den Ausmaßen des Petermannschen Anwesens, auf welchem Helge in gar nicht allzu ferner Zukunft als Gutsherr walten würde, war nun mal auf besonders zuverlässige Leute angewiesen. Längst nicht alle Landmaschinen konnten den Menschen ersetzen.
Wie glücklich konnten sie sich schätzen, noch über ein Juwel wie das alte Faktotum Willi zu verfügen, dessen Nachnamen Kroog kaum noch jemand kannte. Leider war diese Spezies in des Wortes wahrstem Sinne vom Aussterben bedroht.
Vor einer kleinen Ewigkeit schon hatte Willi als junger Stallbursche auf dem Hof angefangen. Und inzwischen war ihm dieser fast vertrauter als dem Verwalter, Helges Vater, und seinem jetzigen Besitzer zusammengenommen.
Der Gutsherr Hannes Petermann verließ sich ganz auf seinen Verwalter. Und dieser, wenn er in irgendeine Bedrängnis geriet, verließ sich wiederum auf Willi. Und der alte Willi wusste so gut wie immer einen Rat. In Ställen und Scheunen kannte sich keiner so gut aus wie er.
Für seine „Herrschaft“ wäre Willi vermutlich auch noch durchs Feuer gegangen. Er, der niemals verheiratet gewesen war, hielt ihr seit Jahrzehnten eisern die Treue. Obwohl er sich schon längst auf sein Altenteil hätte zurückziehen können.
Inzwischen allerdings konnte man Willi mit Aufgaben außerhalb des Hofes leider nicht mehr betrauen. Er verließ das Anwesen nur noch selten, denn seine alten Beine machten nicht mehr viel mit. Seit Jahren plagte ihn ein unangenehm schmerzhaftes Rheumaleiden. Aber was sich innerhalb der Stallungen tat – da hatte Willi noch immer alles fest im Griff. Und er wurde von allen respektiert, fast noch mehr als der Verwalter.
Vor geraumer Zeit hatte der Verwalter Karl Auerbach, der sich allmählich aus dem Berufsleben zurückzuziehen gedachte, Unterstützung von Seiten seines Sohnes Helge bekommen. Vor gut einem Jahr hatte Helge seine „Lehrzeit“, wie er seine umfassende Ausbildung zum Diplom-Landwirt scherzhaft nannte, abgeschlossen und entlastete auf dem Gut jetzt seinen kränkelnden Vater.
„Sieh mal zu, Willi, dass du rauskriegst, wer das Gatter auf der Westweide nicht richtig geschlossen hat“, wandte sich Helge deshalb jetzt auch an Willi und nicht an seinen Vater, als er durch das Hoftor einritt. „Denjenigen möchte ich mir gern mal vorknöpfen. Wer auch immer es war, er hat wohl noch nicht miterlebt, was es heißt, die ausgebrochenen Pferde wieder einfangen zu müssen. Wenn ich nur daran denke, was für ein Chaos die Liesel damals angerichtet hat, als es ihr sogar gelang, bis zur Autobahn hin zu entwischen. Ich möchte so etwas, weiß Gott, nicht noch mal erleben müssen, noch dazu mit einer ganzen Herde. Also, schick den Übeltäter mal zu mir, damit ich ihm die Leviten lesen kann, ja?“
„Nicht nötig, Chef“, erwiderte Willi bedächtig, „das mach ich dem schon klar. So etwas wie mit dem Gatter kommt nicht wieder vor. Verlass dich drauf, Chef.“ Willi stopfte umständlich seine Pfeife und sog an ihr. „Diesmal noch alles gutgegangen?“
„Ist es, Willi, zum Glück.“ Helge übergab Willi seinen dunkelbraunen Hengst und schritt auf das rote Backsteinhaus in der Nähe des Haupteingangs zu.
Seit jeher stand dieses Haus dem jeweiligen Verwalter und seiner Familie zur Verfügung. So war auch Helge dort geboren worden und mit Pferden und Stallgeruch aufgewachsen.
„Chef!?“, rief ihm Willi nach, den Hengst am Zügel.
Helge wandte sich um. „Ja, Willi?“
„Die Andrea hat dich gesucht.“
„Danke, Willi. Ist sie im Haus?“
„Jo.“
Willi nannte sie inzwischen alle drei „Chef“: Den jetzigen Besitzer des Gutes, Hannes Petermann, bei dessen inzwischen verstorbenem Vater er seinerzeit als Stallbursche angefangen hatte; den Gutsverwalter Karl Auerbach und dessen achtundzwanzigjährigen Sohn Helge, weil der in Kürze die Gutstochter, die sanfte honigblonde Andrea, heiraten würde.
Noch während seiner Ausbildung – und obwohl alle Welt ahnte, dass Helge einmal die Andrea heiraten würde – hatte Willi den Helge nie anders als „min Lütten“ – mein Kleiner – genannt. Doch mit der offiziellen Bekanntgabe der Verlobung hatte sich das geändert, und Willi war zu dieser neuen Titulierung übergegangen.
Die Tochter, einziges Kind des Gutsherrn, zu heiraten, bedeutete, dass Helge hier einmal über riesige Ländereien, Gebäude und das Vieh bestimmen würde. Und damit hatte er, nach Willis Meinung, schon jetzt ein Anrecht darauf, mit Respekt behandelt zu werden.
Nicht ganz einverstanden mit dieser Titulierung, hatte sich Helge anfangs diese Anrede entschieden verbeten. Schließlich war Willi immer so etwas wie ein Ersatzvater für ihn gewesen. Stundenlang hatte er als Junge bei Willi im Stall gehockt, ihm bei der Stallarbeit geholfen und sich Geschichten über Pferde angehört.
Aber Willi hatte bei all seiner Behäbigkeit auch seinen eigenen Dickschädel. Und was er einmal für Recht befand, davon brachte ihn nichts und niemand auf der Welt mehr ab.
Zwar duzte er Helge auch weiterhin – ihn möglicherweise zu siezen, so weit reichte seine Einsicht denn doch nicht. Doch er blieb stur bei seiner Anrede „Chef“. Und im Lauf des Jahres gewöhnte sich Helge allmählich daran.
Auf Willis Mitteilung hin änderte Helge nun die Richtung und schritt auf das große Wohngebäude zu. Er wusste, wo er seine Verlobte finden würde.
Helge betrat das geräumige Gutshaus und ging schnurstracks auf das Arbeitszimmer des Hausherrn zu. Ohne anzuklopfen, trat er ein.
Andrea saß vor dem Schreibtisch ihres Vaters am Fenster und schrieb. Bei Helges Eintritt schaute sie auf. Ein Leuchten ging über ihre Züge, als sie ihn sah.
„Du hast nach mir gesucht, sagte mir Willi.“ Helge beugte sich zu Andrea hinab und hauchte ihr flüchtig einen Kuss auf die Schläfe.
„Das hat sich inzwischen erledigt.“ Sie lächelte zu ihm auf. „Es gab wegen der Lieferungen für den Polterabend noch einige Unklarheiten. Aber die habe ich mittlerweile schon mit Mutti klären können.“
Andrea schwang mitsamt dem großen dunkelbraunen Ledersessel, in welchem sie fast versank, zu Helge herum.
„Man sollte nicht glauben, was so eine Hochzeit, die im Grunde doch eigentlich nur zwei Menschen wirklich etwas angeht, schon allein für zeitraubende Vorbereitungsarbeiten erfordert“, stöhnte sie und hob ihr Kinn und damit auch ihren Mund an.
Helge verstand den Wink. Er beugte sich vor, wobei ihm eine vorwitzige braune Locke keck in die Stirn fiel, und stützte sich mit beiden Händen auf den Sessellehnen ab. In dieser Haltung war er ihrem Gesicht jetzt ganz nahe.
„Hättest du es anders gewollt, Muckel?“, fragte er lachend mitten in ihre blauen Augen hinein. „Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätten wir zwei uns ganz klammheimlich aus dem Staub gemacht und wären als Eheleute zurückgekehrt. Punktum! Das war’s, liebe Leute. Wenn ihr wollt, dürft ihr uns jetzt gratulieren. Danach, nach unserer Rückkehr, meinetwegen noch ein kleiner Umtrunk mit der Familie und mit ein paar guten Freunden – und die ganze Sache wäre ohne viel Aufwand erledigt gewesen. Aber du und deine Mutter, ihr legt ja Wert auf eine Hochzeit großen Stils. Also beschwert euch dann auch bitte nicht über die viele Arbeit.“
„Tun wir im Grunde ja auch nicht. Aber trotzdem wird man doch wohl noch ein bisschen stöhnen dürfen“, seufzte Andrea. „Hast du übrigens nichts Sinnvolleres zu tun, als dich hier mit mir herumzustreiten?“
Andrea schloss die Augen und deutete beziehungsvoll auf ihren Mund. Und jetzt endlich kam Helge der Aufforderung nach und küsste sie. Nach einem langen innigen Kuss schob Andrea Helge von sich.
„Warte mal eben.“ Sie erhob sich. „Setz du dich!“, forderte sie Helge auf.
„Was hast du vor? Ich habe nicht viel Zeit.“
„Nicht mal für die Person, die in zwei Wochen deine Ehefrau sein wird?“, schmollte Andrea.
„Natürlich“, gab Helge sofort nach. „Für dich – immer.“
Gehorsam setzte er sich dorthin, wo zuvor Andrea gesessen hatte.
Sofort ließ sich Andrea auf seinen Schoß gleiten, blickte ihm verliebt in die braunen Augen und schlang ihre Arme um den Hals ihres Verlobten.
„Ich kann es gar nicht erwarten, dir endlich auch vor dem Gesetz für immer anzugehören“, flüsterte sie schmeichelnd und schmiegte ihr Gesicht an das Helges. „Wenn nur endlich alles hinter uns läge! Immer noch habe ich Angst, jemand könnte dich mir wegnehmen. Du glaubst nicht, wie oft ich mir das während deiner langen Ausbildungszeit schaudernd vorgestellt habe.“
„So fürchterlich lang war die doch gar nicht“, meinte Helge geschmeichelt.
„Mir kam sie aber so unendlich lang vor! Solltest du mich jemals betrügen, Helge Auerbach, dann würde ich glatt jener Frau – und dir selbstverständlich ebenso! – die Augen auskratzen. Hast du mich verstanden? Merk dir das gut! Also, sieh dich lieber vor!“, warnte sie sehr zärtlich. „Ich bin nämlich rasend eifersüchtig.“
„O lala! Dass du eine kleine Wildkatze bist, wusste ich bisher ja noch gar nicht. Aber wenn du tatsächlich so gefährlich bist, mein kleines Mädchen, dann werde ich doch wohl nicht umhinkommen, mein frivoles Verhältnis hinter deinem Rücken schnellstens zu beenden. Bevor ein Unglück geschieht!“, feixte Helge und umschlang die schmale Taille seiner Verlobten.
„Das möchte ich dir auch geraten haben, du Casanova“, lachte Andrea übermütig. „Ich glaube, du ahnst nicht einmal, wie sehr ich dich liebe.“ Ihre Lippen liebkosten seinen Hals. „Schon mit sechs Jahren stand für mich fest, dass ich dich einmal heiraten werde. Dich – und keinen anderen! Obwohl du im Grunde viel zu alt für mich bist. Ganze zwei Jahre!“
„Tatsächlich?“, tat Helge erstaunt. „Schon mit sechs Jahren stand das für dich fest? Bei mir hat sich dieser Gedanke erst mit zehn Jahren festgesetzt. Aber vielleicht bin ich ein Spätzünder.“
„Red nicht so viel – du Spätzünder, du!“, beschwerte sich Andrea. „Küss mich lieber.“
„Nichts lieber als das …“ Ohne sich nochmals bitten zu lassen, kam Helge dieser Aufforderung auch prompt nach.
„Pardon! Ich störe wohl gerade?“, polterte da mitten in die gegenseitigen Liebesbeteuerungen hinein humorvoll eine tiefe Stimme. „Aber woher soll ich ahnen, was hier in meinem persönlichen Arbeitszimmer vor sich geht?“
„Irgendwohin müssen wir uns doch verziehen dürfen, um wichtige Dinge für die Hochzeit miteinander zu besprechen, Papa“, erklärte Andrea mit einem hinreißenden Augenaufschlag. „Nur anklopfen hättest du vorher wenigstens können. Du weißt doch, ich bin von Natur aus so schreckhaft.“
„Ach ja? So nennt man das also heute, was ich da soeben beobachten durfte?“, raunzte der Gutsherr schmunzelnd. „Gegen deine Schreckhaftigkeit scheinst du inzwischen etwas unternommen zu haben, Tochter. Na, und was das Anklopfen betrifft, da verspreche ich: Ehe ich das nächste Mal etwas aus meinem ganz persönlichen Schreibtisch holen will, werde ich vor der Tür meines eigenen Arbeitszimmers vorsichtshalber einen Kanonenschlag abfeuern. Ist das ein akzeptables Angebot?“
„Dazu wird es gar nicht mehr kommen müssen, Papa“, beruhigte ihn Andrea jedoch. „In Kürze sind wir zwei verheiratet. Und um in unsere Wohnung zu gelangen, wirst du vorher anhaltend läuten müssen.“
In Kürze sind wir verheiratet …
♥♥♥
Helge war sich darüber klar, dass er die zulässige Geschwindigkeit auf Landstraßen bei Weitem überschritt, als er mit seinem Jeep in den Nachbarort preschte. Doch hier draußen war das Verkehrsaufkommen nur sehr gering. Und darüber hinaus hatte man in dieser flachen Landschaft eine gute Übersicht, sodass man relativ gefahrlos schon einiges wagen konnte, wenn man es eilig hatte wie er.
Es ging bei dieser eiligen Angelegenheit um ein Pferd, das sich Helge ansehen wollte, um es möglicherweise für das Gut zu erwerben, und für das es noch einen anderen Interessenten gab.
Die Straße verlief jetzt in einem weiten Rechtsbogen. Kurz vor der Kurve nahm Helge aus Sicherheitsgründen Gas weg. Die Wiese rechterhand wurde zur Straße hin von einer Weißdornhecke abgegrenzt, die in der Kurve am undurchdringlichsten war und damit die Sicht beeinträchtigte.
Helge bog mit mäßigem Tempo in die Kurve ein und wollte anschließend gleich wieder Gas geben – als er „SIE“ sah …
Nicht weit hinter der Kurve versuchte eine junge Frau recht ungeschickt, einen Reifen an ihrem Sportwagen zu wechseln.
Aber was hieß schon „junge Frau“?! Helge erschien sie wie ein Feenwesen, wie eine Märchengestalt. Die Prinzessin aus einem der Bücher seiner Kinderzeit. Unwillkürlich fiel ihm zu ihr das Märchen von „Schneeweißchen und Rosenrot“ ein. Und tatsächlich war es auch eine aufregende feuerrote Mähne, die ihre nackten Schultern umspielte und ihr über das Gesicht fiel.
