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Der vergessene Heiratsantrag
Scheitert ihre Liebe an seinen Bindungsängsten?
Von Heide Prinz
»Gib uns ein paar ungebundene Jahre, Schatz, damit wir später nichts bereuen müssen. Dann heiraten wir, ich werde ein braver Familienvater, und du darfst deine Wunschkinder bekommen!«
Das ist fünf Jahre her. Inzwischen ist Tamara 31, Randolph 36 - und weniger denn je bereit, sein unstetes Leben aufzugeben. Je häufiger ihn Tamara an sein Versprechen erinnert, desto weniger will er davon wissen. Selbst ihre Drohungen, ihn zu verlassen, nimmt er nicht ernst.
Bis Tamara eines Tages bei seiner Heimkehr verschwunden ist. Eine fast aussichtslose Suche beginnt. Doch als er sie endlich wiederfindet und um eine zweite Chance bitten will, ist der Schock grenzenlos ...
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Seitenzahl: 107
Veröffentlichungsjahr: 2019
Cover
Impressum
Der vergessene Heiratsantrag
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: GlobalStock / iStockphoto
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar
ISBN 9-783-7325-8375-1
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Der vergessene Heiratsantrag
Scheitert ihre Liebe an seinen Bindungsängsten?
Von Heide Prinz
»Gib uns ein paar ungebundene Jahre, Schatz, damit wir später nichts bereuen müssen. Dann heiraten wir, ich werde ein braver Familienvater, und du darfst deine Wunschkinder bekommen!«
Das ist fünf Jahre her. Inzwischen ist Tamara 31, Randolph 36 – und weniger denn je bereit, sein unstetes Leben aufzugeben. Je häufiger ihn Tamara an sein Versprechen erinnert, desto weniger will er davon wissen. Selbst ihre Drohungen, ihn zu verlassen, nimmt er nicht ernst.
Bis Tamara eines Tages bei seiner Heimkehr verschwunden ist. Eine fast aussichtslose Suche beginnt. Doch als er sie endlich wiederfindet und um eine zweite Chance bitten will, ist der Schock grenzenlos …
Mit kritischen Blicken musterte Tamara Niehus die schon mehrfach korrigierte Bleistiftskizze. Dann begann sie abermals daran herumzuradieren, mit raschen Strichen etwas zu verändern, den Körperhaltungen ihrer Figuren noch ein bisschen mehr Anmut zu verleihen oder den Gesichtern ihrer weiblichen Märchengestalten das heute eher etwas maskulin Geratene wegzuretuschieren.
Aber auch nach den neuerlich vorgenommenen Korrekturen war sie mit diesem Entwurf ebenso unzufrieden, wie sie es zuvor schon mit den anderen Entwürfen gewesen war. Deshalb waren sie auch sämtlich nacheinander als Papierkügelchen im Abfalleimer gelandet. Um das, was ihr im Geist vorschwebte, auch optisch genauso aufs Papier zu bringen, dazu fehlte es Tamara im Moment ganz eindeutig an der nötigen Konzentration.
Die Konzentration fehlte ihr seit genau jenem Augenblick, als ihr Lebensgefährte, der Kameramann Randolph Marschner, von Tamara zärtlich Randy genannt, ihr vom Münchner Flughafen aus mitgeteilt hatte, dass er soeben wieder heimischen Boden betreten, dort nun aber noch eine kurze Abschlussbesprechung habe, ehe er endgültig heimkommen könne.
»Bussi. Ich liebe dich. Stell schon mal den Champagner kalt, damit wir auf unser Wiedersehen anstoßen können, Baby. Ich freue mich auf dich.«
Und nochmals hatte Randy versprochen, die Abschlussbesprechung kurz zu halten. Doch aus langjähriger Erfahrung wusste Tamara, dass sie dieses Adjektiv nicht allzu wörtlich nehmen durfte. Es bedeutete eher, dass sie sich nun auch noch weiterhin in Geduld üben musste.
Was Tamara seit jenem Telefonat auch zu zeichnen versuchte, ob zarte Elfenwesen oder schlitzohrige kleine Wichtel, irgendwie liefen auf ganz seltsame Weise am Ende alle Gesichter in einem einzigen Gesicht zusammen: in den Zügen Randys, dessen Heimkehr sie sehnlichst erwartete.
Doch sie hatte es beinahe drei Jahre lang selbst miterlebt: Wenn Filmleute einmal ins Diskutieren kamen … Schlimmstenfalls konnten also noch weitere Stunden vergehen, bis sie einander endlich wieder in die Arme schließen durften.
Es war schon mörderisch, was dieser Mann ihr in den vergangenen Jahren an Geduld abverlangt hatte. Darum wurde es höchste Zeit, dass er endlich mal wieder für etwas länger als – wie so oft – zum Wäschewechseln heimkam.
Ein paar zusammenhängende Wochen lang nur Zweisamkeit – oh, wie brennend Tamara sich die nach der letzten langen Trennung nun wünschte! Ein wirklich mal längerfristiges, stilles, kleines Glück in dem hübschen Haus am Hang. Zusammen mit dem Mann, den sie so sehr liebte, dass sie, gerade mal einunddreißig Jahre alt, ihn wie eine langgediente Ehefrau nach jeder Exkursion brav am heimischen Herd erwartete. Anstatt zu dessen Verblüffung einfach mal nicht zu Hause zu sein, wenn der Geliebte mal wieder von irgendwo einschneite.
Welche Auswirkungen es wohl auf Randy, der sich ihrer so sicher war, haben würde, wenn sie ihn einfach mal raten ließ, wo – und vor allem, mit wem! – sie sich gerade herumtrieb?
Aber den Geliebten solcherart zu schocken, das hätte Tamara schon deshalb nicht fertiggebracht, weil sie selber dessen Nähe zwischen Heimkehr und erneuter Abreise vom ersten bis zum letzten Moment voll auskosten wollte.
Und so hatte Tamara die letzten zwei Jahre aus Liebe größtenteils mit Warten zugebracht.
Doch nun hatte sie plötzlich Hoffnung geschöpft, dass sich daran möglicherweise bald etwas ändern könnte. Innerhalb jenes kurzen Telefonats, das ihm schon vom Flugplatz aus nach Hause vorausgeeilt war, hatte ihr Randy auf ihre Frage nach der Dauer seines diesmaligen heimatlichen Aufenthalts nur ausweichend geantwortet. Seitdem hoffte Tamara unter Zuhilfenahme ihres gesamten Wunschdenkens, dass Randy vielleicht den Entschluss gefasst hatte, den sie über kurz oder lang von ihm erwartete: seine Auslandsreisen aufzugeben und in der Heimat eine Festanstellung anzupeilen.
Doch falls sie sich irrte – dann würden sie diesmal tatsächlich ernsthaft über eine gemeinsame Zukunft nachdenken müssen! So wie bisher ging es mit ihnen beiden auf die Dauer nicht weiter. Er dauernd unterwegs, neue Eindrücke sammelnd, interessante Menschen kennenlernend – und sie ebenso ausdauernd das Heimchen am Herd. So etwas würde sie silberhaarig immer noch praktizieren können.
Im Moment fühlte Tamara sich noch zu jung zu einem derart eintönigen Leben, wie sie es jetzt führte. Vor allem fühlte sie sich hier draußen zu abgeschottet von allem, was das Leben interessant machen konnte: von Theatern, Kunstaustellungen, selbst davon, einfach nur mal spontan mit Freunden essen gehen zu können. Von ihrer ländlichen Idylle aus war sie mit ihnen lediglich durchs Telefon verbunden. Aber auch die längsten Telefonate konnten keinen menschlichen Kontakt ersetzen.
Vielleicht bin ich ja ein bisschen ungerecht, dachte Tamara. Sie hockte hier in einem urgemütlichen Häuschen in einer der schönsten Gegenden des Landes, um das sie manch einer sicher beneidet hätte. Doch bedauerlicherweise war man hier leider ausschließlich von »Gegend« umgeben. Schon vom nächsten Nachbarhaus lag dieses Haus dreihundert Meter Luftlinie entfernt.
In solcher Einsamkeit ergaben sich die seltsamsten Träume ganz von selber. Wunschträume eben … Und die waren – weiß Gott – nicht ungefährlich für eine Liebesbeziehung.
Darüber – vor allem auch über diese Gefährdung! – würde sie baldmöglichst mit Randy reden müssen. Auch wenn er es nicht gern hörte – diesmal würde sie ihn ganz unverblümt wieder an das erinnern, was er ihr schon vor langer Zeit fest versprochen hatte: dass er etwa von der Mitte seines vierten Lebensjahrzehnts an allmählich sein Vagabundenleben aufgeben und sesshaft werden würde, damit für eine Familiengründung noch genügend Zeit blieb.
Falls Randy, der in wenigen Monaten siebenunddreißig Jahre alt werden würde, diese Zusicherung inzwischen auch vergessen haben mochte – Tamara erinnerte sich seines Versprechens noch sehr genau:
»Gönn uns noch ein paar ungebundene Jahre, Baby, damit wir später nichts zu bereuen haben. Danach lass ich mich hier irgendwo in der Nähe, vielleicht in München, von einer Produktionsfirma fest anstellen. Ich kenne eine Menge Leute aus der Branche. Danach darfst du deine ersehnten Wunschkinder bekommen, und ich werde ein braver Familienvater …«
Fünf »ungebundene« Jahre hatte Randy seither noch gehabt.
Tamara fand, dass sie geduldig genug gewesen war. Doch bei allem Verständnis für das Abenteuerblut, das durch seine Adern pulsierte – jetzt musste sie endlich auch mal an sich selbst denken. An ihre persönlichen Wünsche und Träume. An ihren Traum von eigenen Kindern. Schließlich tickte ihre biologische Uhr unaufhaltsam weiter. Hinzu kam noch, dass sie seit vielen Jahren Kinderbücher illustrierte. Wie sollte sich bei einem solchen Beruf der Wunsch nach eigenen Kindern auf die Dauer unterdrücken lassen?
Selbst wenn Randy es jetzt abstreiten würde, jemals so etwas versprochen zu haben – damit würde er ihr nicht davonkommen. Tamara glaubte auch ein gutes Druckmittel zu haben, um den Abenteurer zum Nachdenken zu bewegen: Sie würde ihm androhen, ihn andernfalls zu verlassen.
Dann würde sich zeigen müssen, was ihm wichtiger war: die lockende Ferne – oder seine Liebe zu ihr.
♥♥♥
Während Tamara diese und ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen, hing ihr Blick noch immer kritisch an ihrer letzten Skizze.
Plötzlich vernahm sie durch die leise Musikberieselung hindurch, die sie beim Arbeiten brauchte, vom Tal her zweimal kurz den Ton einer Autohupe.
Ihr vereinbartes Signal, wenn Randy heimkehrte.
Flugs stieß sie sich mit beiden Händen von der Tischplatte ab und sprang vom Stuhl auf. Erwartungsvoll eilte sie durch den langgestreckten Raum – sie hatten vor einigen Jahren das Dachgeschoss mit breiten Fenstern und verglasten Giebeln zu einem einzigen großen kombinierten Arbeits- und Wohnzimmer ausgebaut – zum Südbalkon hinüber, der die gesamte Stirnseite des schmucken, im bayerischen Stil erbauten Hauses einnahm. Von hier aus hatte man nicht nur den denkbar schönsten Panoramablick bis zum etliche Kilometer entfernten Viechtach hinüber.
Vom Südbalkon aus ließ sich auch ein Großteil der schmalen Nebenstraße überblicken, die sich in zahlreichen Windungen durch die liebliche hügelige Landschaft schlängelte. Und von der ab ein Schotterweg bis zu dem hoch am Hang gelegenen Häuschen führte, auf welchem sich jetzt am Waldrand ein Taxi hochschraubte.
Vor überschäumender Freude schoss Tamara das Blut heiß in die Wangen. Mit beiden Händen winkte sie dem Taxi lachend zu.
»Randy!«, schrie Tamara ein ums andere Mal aus vollem Hals. »Randy! Hier bin ich! Auf dem oberen Balkon!«
Ein bärtiger Mann winkte zurück.
Nach viermonatiger Abwesenheit kehrte Randolph Marschner wieder in sein Haus im Bayerischen Wald zurück.
♥♥♥
Obwohl die Wiedersehensfreude ihr beinahe die Luft abschnüren wollte, bezähmte Tamara ihre Ungeduld. Im Inneren des Hauses wartete sie, bis sie sicher war, dass Randy den Taxifahrer inzwischen entlohnt hatte.
Erst nachdem sie das Zuschlagen einer Autotür und das Motorengeräusch des wieder abfahrenden Wagens vernommen hatte, riss sie die Haustür auf. Auf dem stark abschüssigen Weg zur Straße zurück war von dem Taxi gerade noch die Rückfront zu sehen.
Umgeben von mehreren Gepäckstücken, stand Randy auf der anderen Seite des Kieswegs, vielleicht sechs oder sieben Meter von Tamara entfernt.
»Da bin ich wieder, Baby«, rief er ihr zu.
Ein bisschen abenteuerlich verwildert sah er aus. Er hatte sich in der Zwischenzeit einen Bart wachsen lassen. Und auch sein etwas zu langes, schon von ersten Silberfäden durchsetztes dunkles Haar hatte während seiner Abwesenheit offensichtlich nicht oft die Bekanntschaft mit einer Schere gemacht.
Seine Gesichtshaut war ebenso tiefbraun, wie es auch seine Unterarme und Hände waren. Strahlend vor Übermut blitzten sie seine tintenblauen Augen an. Über ausgetretenen braunen Slippern trug Randy eine beigefarbene Hose. Das blaue kurzärmelige Hemd mit dem Emblem einer Nobelmarke spannte sich über seinem muskulösen Oberkörper.
Vor Liebe krampfte sich Tamaras Herz zusammen, als sie Randy wieder leibhaftig vor sich sah. Mit ihrer zierlichen Figur, den halblangen rötlichblonden Haaren, der hellen empfindlichen Haut, dazu barfuß, bekleidet mit ausgebleichter Jeans und einem weißen ärmellosen T-Shirt, dass das Milchweiß ihrer Haut noch geradezu hervorhob, kam sie sich diesem braungebrannten kraftstrotzenden Adonis gegenüber total farblos vor.
Was mag Randy bloß an mir finden?, schoss es ihr verwirrt durch den Kopf. Sie wusste, dass er von ihren smaragdgrünen Augen – nach ihrer Meinung das einzig Farbenfrohe an ihr – besonders angetan war. Aber darüber hinaus musste sie ihm mit seiner gesunden Bräune doch eher wie ein Albino vorkommen?
»Bist du endlich da, Randy?«, fragte Tamara, plötzlich eigentümlich unsicher geworden, deshalb eher zaghaft.
»Was? Die Frage ist alles, was du als Willkommen zu bieten hast?« Spottlust blitzte in Randys Augen auf. »Da habe ich aber entschieden mehr Enthusiasmus erwartet, Baby! Willst du den Heimkehrer denn nicht so begrüßen, wie sich das nach so langer Trennung gehört?«
Da war endlich wieder seine Stimme, ein Gemisch aus Zärtlichkeit und Ironie, wie sie es liebte. Seine Stimme war es überhaupt, in die sie sich zuerst verliebt hatte.
Beim Klang dieser Baritonstimme hielt es Tamara nicht mehr länger in der geöffneten Haustür. Mit einem kleinen spitzen Schrei stürzte sie auf Randy zu, mitten hinein in seine jetzt weit ausgebreiteten Arme.
»Randy, Liebster, bist du endlich wieder zu Hause!«, japste sie atemlos. »Lass mich bitte nie wieder so lange allein!«
Als Randys Arme sich um sie schlossen, versank Tamara zwischen ihnen wie ein zierliches Püppchen. Um zu ihm aufschauen zu können, der mehr als einen halben Kopf größer war als sie, musste sie ihren Kopf weit nach hinten zurücklehnen.
»Baby! O mein Baby! Wie hab ich mich da im Urwald nach dir gesehnt«, raunte er ihr zu.
Und dann küssten sie sich endlich. Wild und voller Leidenschaft.
♥♥♥
Die vergangenen Stunden seit Randys Heimkehr hatten sie wie in einem Rausch verbracht. Fast so, als hätten sie beschlossen, vier versäumte Monate innerhalb weniger Stunden nachzuholen.
Nach der ersten Wiedersehensfreude hatte Randy zunächst mal den Reisestaub abgeschüttelt und unter zwar nicht gerade melodischen, dafür aber lautstarken Gesangseinlagen ausgiebig in der eigenen Wanne gebadet. Was ihm, wie er betonte, ein besonderes Wohlgefühl bereitet hatte.
Er hatte seinen Bart abrasiert und mit Hilfe zweier Spiegel die ungleichen Spitzen seiner Haare begradigt. Nach dieser Prozedur sah er schon wieder ganz manierlich aus.
Währenddessen hatte Tamara den Tisch festlich gedeckt und aufgetragen, was sie für diesen Anlass eingekauft hatte. Dann hatten sie bei Kerzenschein gegessen, sich dabei nonstop unterhalten, Erfahrungen ausgetauscht, mit Champagner auf ihr Wiedersehen angestoßen – und sich später leidenschaftlich geliebt.
Inzwischen ging es auf Mitternacht zu. Und nun endlich überkam die Verliebten die erste Erschöpfung. Doch um jetzt erst einmal ein paar Stunden zu schlafen, dazu waren sie beide noch viel zu aufgekratzt.
