Sind wir neuronal determiniert oder frei? - Lars Wojtecki - E-Book

Sind wir neuronal determiniert oder frei? E-Book

Lars Wojtecki

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts, Note: good, FernUniversität Hagen, Sprache: Deutsch, Abstract: Die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte scheinen ein neues Licht auf die alte Frage der menschlichen Willensfreiheit zu werfen. Das Gehirn als Teil der empirisch zugänglichen wissenschaftlichen Welt mit seinen Kausalgesetzen und letztlich seiner Determiniertheit scheint in einer neuen Weltsicht an die Stelle des Menschen als intentional und frei handelndes Ich getreten zu sein. Die vordergründige Konsequenz, somit uns als Menschen nicht als frei sondern eben nach naturwissenschaftlichen Gesetzen determiniert zu sehen entspricht trotzdem nicht unserem alltäglichen Grundverständnis, unserer Grundintuition, unserem alltäglich Sprachgebrauch, in dem wir uns als frei handelnd empfinden. Im Folgenden sollen die empirischen Untersuchungen eines der bekanntesten kognitiven Neurowissenschaftlers unserer Zeit (Michael S. Gazzaniga) kurz referiert und die daraus abgeleiteten Hypothesen untersucht werden. Zu Hilfe genommen wird das dabei Werk von Bennett & Hacker „Philosophical Foundations of Neuroscience“.

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhaltsverzeichnis

 

1 Einleitung: Der freie Wille des Menschen versus neuronaler Determiniertheit

2 Michael S. Gazzanigas neurowissenschaftliche Untersuchungen und Thesen zum freien Willen

2.1 Gazzanigas neurowissenschafliche Untersuchungen: „Split Brain“ und ihre Schlussfolgerungen

2.2 Gazzanigas aktuelle Thesen zum freien Willen in „Who´s in charge?“

3 M.R. Bennett & P.M.S Hacker: „Philosophical Foundations of Neuroscience“

3.1 Kritik durch Bennett & Hacker an Gazzingas Schlussfolgerungen

3.2 Analyse der aktuellen Thesen Gazzanigas im Sinne von Bennett & Hacker

4 Diskussion und Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

 

 

1 Einleitung: Der freie Wille des Menschen versus neuronaler Determiniertheit

Die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte scheinen ein neues Licht auf die alte Frage der menschlichen Willensfreiheit zu werfen.

Das Gehirn als Teil der empirisch zugänglichen wissenschaftlichen Welt mit seinen Kausalgesetzen und letztlich seiner Determiniertheit scheint in einer neuen Weltsicht an die Stelle des Menschen als intentional und frei handelndes Ich getreten zu sein. Die vordergründige Konsequenz, somit uns als Menschen nicht als frei sondern eben nach naturwissenschaftlichen Gesetzen determiniert zu sehen entspricht trotzdem nicht unserem alltäglichen Grundverständnis, unserer Grundintuition, unserem alltäglich Sprachgebrauch, in dem wir uns als frei handelnd empfinden. Die Frage also, ob wir (neuronal) determiniert oder frei sind und zum Zweiten es möglich ist vielleicht beide Sichtweisen zu vereinen führt zu verschieden Positionen, die Geert Keil recht anschaulich in seinem Buch ‚Willensfreiheit und Determinismus’ ausführt (wenn er auch später selbst die Position eines libertarischen Inkompatibilismus einnimmt, gibt er doch zu Beginn eine gute Zusammenfassung möglicher Positionen (vgl. Keil 2009/2012, 10-11)). Unterschieden werden zwei Formen von Inkompatiblismus, d.h. der Auffassung der freie Wille sei nicht mit Determinismus vereinbar. Zunächst der harte Determinismus, die den Mensch für determiniert in einer kausal determinierten Welt und nicht vereinbar mit dem Prinzip der Willensfreiheit sieht. Dazu im Gegensatz steht der Libertarismus, der den freien Willen annimmt und sich von Determinismus distanziert. Ferner gib aber auch kompatibilistische Ansätze, die trotz der Annahme einer deterministischen Weltsicht die Willensfreiheit quasi im Sinne einer Wahlfreiheit eines Entscheidungsprozesses annehmen.

Im Folgenden sollen die empirischen Untersuchungen eines der bekanntesten kognitiven Neurowissenschaftlers unserer Zeit (Michael S. Gazzaniga) kurz referiert und die daraus abgeleiteten Hypothesen untersucht werden. Zu Hilfe genommen wird das dabei Werk von Bennett & Hacker „Philosophical Foundations of Neuroscience“ (vgl. Bennett & Hacker 2003)

Es soll also primär eine Gegenüberstellung der Überlegungen Michael S. Gazzanigas mit Bennett & Hacker erfolgen, ohne eine weitreichende Analyse oder Einbeziehung der sonstigen zahlreichen Literatur zu dem Thema des freien Willen im Kontrast zur neuronalen Determiniertheit.

2 Michael S. Gazzanigas neurowissenschaftliche Untersuchungen und Thesen zum freien Willen

 

2.1 Gazzanigas neurowissenschafliche Untersuchungen: „Split Brain“ und ihre Schlussfolgerungen

 

Zur Behandlung bestimmter Formen von schwerer Epilepsie kann eine neurochirurgische Durchtrennung der Nervenfasern, die die beiden Hirnhälften (Hemisphären) verbindet (Commissurektomie, Callosotomie), in Ausnahmefällen vorgenommen werden. Roger W. Sperry und Michael S. Gazzaniga gehörten zu den ersten, die damit verbundene neuropsychologische Phänomene beschrieben. Sogenannte Split-Brain Patienten dienten der neurowissenschaftlichen Welt der Erkenntnis über die funktionelle Spezialisierung der beiden Hemisphären. Roger W. Sperry erhielt für seine Arbeiten 1981 den Nobel Preis in Physiologie oder Medizin. Seit den 1960er Jahren findet sich ein Vielzahl von naturwissenschaftlichen Schriften zu Split-Brain Patienten. Besonders der Schüler Sperrys, Michael S. Gazzaniga hat sich in der Untersuchung des Phänomens hervorgetan. Für die vorliegende Arbeit zum Verstehen des Split-Brain Phänomens förderlich und dem neurowissenschaftlichen Laien zugänglich ist eine Illustration aus dem Spiegel, die einem Interview mit Gazzaniga (vgl. „Wir sind nur Maschinen“ 2011) beigefügt wurde.

 

 

Abbildung „Spalt im Hirn“ modifiziert aus: „Wir sind nur Maschinen” In: Der Spiegel. Hamburg. SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein 50;2011,149-152

In der Legende und Beschriftung der Abbildung „Spalt im Hirn. Wie die linke Gehirnhälfte des Menschen die Welt interpretiert“ heißt es zur Erläuterung der Split-Brain Versuche:

 

Mit einen Split-Brain Patienten (einem Menschen, dessen Gehirnhälften voneinander getrennt wurden) wird ein Test vorgenommen: Er nimmt über das rechte Gesichtsfeld das Bild eine Hühnerfußes und über das linke Gesichtsfeld das einer Schneelandschaft wahr. Aus jeweils vier Bilder muss er eines auswählen, das dazu passt.

 

1) Das Bild des Hühnerfußes wird in der linken Gehirnhälfte verarbeitet. Dort befinden sich auf das Sprachzentrum und vermutlich ein Bereich, der Zusammenhänge herstellt („Interpret“). Der Patient ist in der Lage, den Hühnerfuß dem Huhn zuzuordnen.