Skrupellose Rache - Andreas Smit - E-Book

Skrupellose Rache E-Book

Andreas Smit

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Beschreibung

Der zweite Teil der Ohne Skrupel Buchreihe! Sarah Mitchell, John Bennett und Jack Frost sind zurück. Ein Jahr nach dem Geschehnissen mit dem nordkoreanischen Satelliten und dem Tod von Liv Carter überschlagen sich wieder die Ereignisse. die USA versinken am Elektion Day 2028 im Chaos und werden im ganzen Land angegriffen. Wahllokale werden in die Luft gesprengt und die Regierung setzt die Wahl aus. Auch in Kanada wird ein schreckliches Attentat verübt. Eine groß angelegte Medienkampagne gibt geheime Dokumente preis, die alles offenlegt was vor einem Jahr mit dem Satelliten passiert war. Eine Spur führt zu einer kanadischen Reporterin, die als einzige mehr Informationen aus einer Unbekannten Quelle bekommen hat. Der CIA Direktor Cartwright gerät selber unter Druck und es gibt Hinweise zu dem Attentäter Lao. Es ist völlig unklar wer profitiert und wer welches Ziel verfolgt. Wer zieht wirklich die Fäden im Hintergrund? Nicht nur Jack Frost muss sich seinem Wunsch nach Rache stellen, sondern auch alle anderen.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Andreas Smit

Skrupellose Rache

Band 2 der Ohne Skrupel Reihe

Sarah Mitchell, John Bennett und Jack Frost sind zurück. Nach einem Jahr auf der Bennett Ranch ziehen wieder dunkle Wolken am Horizont auf und bringen erneut Kampf und eine Chance auf Rache. Keiner kann sich den Mühlen von finsteren Plänen und Intrigen entziehen.

Kapitel 1

Prolog

Los Angeles, LAX Flughafen. 4 Wochen vor dem Elektion Day 2028

Candance Grayson war müde. Noch 2 Stunden bis zum Ende ihrer Schicht. Sie stand nun schon fast den ganzen Tag an der Einreisekontrolle im Terminal B, dem Tom Bradley International Terminal (TBIT), und es war der Bär los. Es war Homecoming an vielen Universitäten und Tausende von Reisenden waren heute auf dem Flughafen unterwegs. Sie bemühte sich, möglichst schnell die Leute abzufertigen.

Ihr fielen heute ungewöhnlich viele Reisegruppen aus Asien auf, die alle einreisen wollten. Auch viele Ukrainer und Georgier und eine große Reisegruppe mit Sportlern aus Kasachstan. Dazu viele Südkoreaner, die erstaunlicherweise fast alle denselben Haarschnitt hatten. Aber vielleicht waren solche Haarschnitte ja die neueste Mode da drüben. Sie schaute sich die Pässe genau an und fand nichts Ungewöhnliches. Candance wunderte sich, dass es nur Männer waren, keine einzige Frau war mit dabei. Aber alle hatten gültige Visa und teilweise auch eine Arbeitserlaubnis. Sie würde aber trotzdem eine Notiz in ihren täglichen Bericht schreiben.

Aber jetzt war der Feierabend nicht mehr fern. Sie wollte sich nur noch auf ihr Sofa setzen und Fernsehen schauen. Heute Abend war die zweite Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten. Das wollte sie sehen. Sie wusste noch nicht, wen sie wählen sollte in vier Wochen. War ja eigentlich auch egal, dachte sie. Alles Gauner.

Washington D.C., einen Tag vor dem Elektion Day 2028

Kathrin Jacobs war zum ersten Mal in der amerikanischen Hauptstadt und total aufgeputscht. Morgen war ein bedeutender Tag. Die ganze Welt schaute auf Amerika und wie die Wahl zum 48. Präsidenten der USA ausgehen würde. Der Vizepräsident trat als Kandidat der Republikaner an und der Gouverneur von Kalifornien für die Demokraten. Sie war in Washington schon seit einigen Tagen unterwegs, um Reportagen für ihre Zeitung zu schreiben. Als freie Mitarbeiterin bei der kanadischen Zeitung The Globe and Mail war sie bereits 2019 an der Aufdeckung des SNC-Lavalin-Skandals beteiligt. Dort hatte Globe and Mail als erstes Medium interne Informationen veröffentlicht, dass Premierminister Justin Trudeau und sein Büro versucht hatten, die damalige Justizministerin Jody Wilson-Raybould unter Druck zu setzen, um strafrechtliche Ermittlungen gegen den Baukonzern SNC-Lavalin einzustellen. Das führte zu einem politischen Skandal und dem Rücktritt mehrerer Kabinettsmitglieder. Es war ihre Passion, solche Skandale aufzudecken.

Aktuell war sie an einem Fall dran, der vor gut einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt hatte. Ein mit Atomwaffen bestückter Satellit war damals auf spektakuläre Weise von der kanadischen Luftwaffe abgeschossen worden. Kurz zuvor war in Montana eine Atombombe explodiert und hatte Teile des Yellowstone Nationalparks verstrahlt. Offiziell waren Verbindungen zwischen den Fällen nicht bestätigt worden, aber ihre inoffiziellen Quellen hatten etwas anderes erzählt. Das Ganze war eine verrückte Geschichte. Sie konnte herausfinden, dass bei dem furchtbaren Anschlag auf die Marinebasis und der Fregatte Ottawa in Victoria letztes Jahr, ebenfalls Verbindungen zu dem abgeschossenen Satelliten bestanden. Kathrin hatte Beweise gesammelt, dass die Amerikaner das alles unter den Tisch kehren wollten, aber auch die kanadischen Behörden keine weiteren Informationen preisgaben. Die Regierung in Washington hatte in den meisten Fällen die Zusammenarbeit mit Kanada untersagt und daher gab es kaum Austausch zwischen den Geheimdiensten der beiden Länder. Nach einigen Anfragen für Interviews an die CIA und NSA, die aber nur Absagen oder überhaupt keine Antwort bekamen, war ihr größter Erfolg bei ihrer Suche nach der Wahrheit der Kommandant der Fregatte, Kapitän LaSalle. Er war beim Anschlag mittendrin gewesen.

Er hatte schwer verletzt überlebt, verlor aber ein Bein und eine Hand. Er lag viele Wochen im Koma und war eher tot als lebendig. Seine Genesung dauerte fast neun Monate. Kathrin, oder Kat, wie ihre Freunde sie nannten, hatte die Familie des Kapitäns ausfindig gemacht und sie besucht. Erst wurde sie abgewimmelt, aber nach etwas hartnäckigem Nachfragen war die Ehefrau des Käptens dann doch bereit, mit ihr zu reden. Sie berichtete, das man ihr fast nichts erzählt hatte, was ihr Mann getan hatte. Er sollte eigentlich im Urlaub sein, wurde aber kurzfristig wieder auf See geschickt, um eine geheime Mission durchzuführen. Sie war bei seiner Rückkehr zum Glück nicht am Pier. Eines der Kinder war krank gewesen und so hatte sie mit ihrem Mann vereinbart, dass er schnell nach Hause kommen sollte. Aber stattdessen bekam sie einen Anruf, dass er schwer verletzt im Krankenhaus sei und sie schnell kommen sollte, da er im Sterben lag. Im Krankenhaus gab man ihr die persönlichen Gegenstände, die ihr Mann bei sich hatte. Sie lagen bei dem Interview immer noch in dem Beutel des Krankenhauses auf einem Beistelltisch. Einer Eingebung folgend fragte Kat die Ehefrau, ob sie sich die Sachen vielleicht mal anschauen dürfte. Frau La Salle hatte nichts dagegen und Kat konnte sich alles ansehen. Das Handy vom Käpten war unbeschädigt. Aber der Akku war leer. Sie schloss es an ihrem Laptop an und automatisch wurde sie gefragt, ob sie die Daten überspielen wollte. Sie drückte heimlich auf Start und die Festplatte des Handys kopierte sich auf ihren Laptop. Nachdem sie wieder in ihrem Büro war, schaute sie sich ihre Beute an. Es waren hauptsächlich Fotos vom Leben an Bord und von der Familie des Kapitäns.

Eine Datei war aber interessant. Eine PDF mit dem Datum des Tages vor dem Anschlag. Es war das Letzte, was das Handy gespeichert hatte. Kat öffnete die Datei und war nach dem Lesen der ersten zwei Zeilen geradezu aus dem Häuschen. Es war ein Bericht von einer Major Carter. Kat erinnerte sich an den Namen. Sie war eines der Todesopfer gewesen. Der Bericht war von ihr verfasst worden und sollte wahrscheinlich nur eine Vorlage für einen größeren Bericht sein, den sie später schreiben wollte. Aber der Inhalt war explosiv. Die Sache mit dem U-Boot und die Erklärung, warum die ganzen mysteriösen Fälle in Kanada und in Amerika zusammenhingen. Das war reines Gold für sie. Mit diesen Informationen konnte sie anfangen, ihre Enthüllungsgeschichte zu schreiben. Im Bericht waren viele Namen, die sie vorher noch nie gehört hatte. Diese Leute würde sie finden und ausfragen. Das war ihr Weg zur anerkannten Investigativ-Journalistin von Weltrang. Aber etwa 2 Monate nach ihrem Fund und einigen Befragungen und einer ersten Teilveröffentlichung ihrer Recherche fingen die E-Mails an. Erst hatte sie die Mails als Blödsinn angesehen, aber es wurden immer mehr und sie enthielten mehr Informationen über ihren Fall. Irgendwie hatte jemand herausgefunden, dass sie mehr wusste und wollte sie entweder unterstützen oder auch auf eine falsche Fährte locken. Auf jeden Fall war heute ein Tag, wo es sich entscheiden würde, ob sie verarscht oder unterstützt wurde.

In der letzten Mail war angedeutet worden, dass heute etwas passieren würde, was die Wahl entscheidend beeinflussen würde. Sie sollte sich in Washington das Spektakel anschauen. Das hörte sich an wie dieser Q-Anon-Mist, aber da sie hier sowieso Informationen sammeln wollte, war sie nun da und wartete, was passieren würde. Morgen würde die Wahl sein und jede Aufregung würde Auswirkungen auf die unentschlossenen Wähler haben. Es waren viele Anhänger des Präsidenten in der Stadt unterwegs. Sie forderten, dass der Präsident auf Lebenszeit bleiben sollte. Fast alle hatten militärische Kleidung an und ab und zu sah man auch Waffen, die offen getragen wurden. Die Polizei war zu Hunderten auf der Straße und ebenfalls schwer bewaffnet. Auf ihrem Handy summte es und eine Nachricht erschien. Sie war von ihrem Kollegen, der für sie im Büro ein paar Recherchen übernahm. Er schrieb nur: Schau dir die Nachrichten an! Kat öffnete ihre Nachrichten-App und sah sich die Meldungen an. Die News überschlugen sich in diesem Moment. Es tauchten von sämtlichen Sendern und Zeitungen kurze Meldungen auf. Fast alle hatten eins gemeinsam: Dass Beweise aufgetaucht waren, die belegen würden, dass es im Umfeld des Präsidenten einige Vertuschungen gegeben habe. Vertuschungen, die im Zusammenhang mit dem Atombombeneinschlag in Montana und anderen Vorkommnissen standen. Es wurde auch von einer manipulierten KI geredet und dass diese nur dafür da wäre, den Präsidenten im Amt zu halten und dass man dafür sogar Tote in Kauf genommen hatte. Kat war wie vor dem Kopf geschlagen, denn das war ihre Story. Ihre Arbeit von nun 9 Monaten. Einfach so überall verfügbar. Sie wusste zwar mehr, aber jede Zeitung oder Fernsehsender war ab heute fast auf dem gleichen Wissenstand wie sie. Kat schaute sich um und bemerkte, dass an vielen Stellen in ihrer Umgebung die Anhänger des Präsidenten anfingen zu schreien und zu brüllen. Sie riefen „Fakenews“ und „Tod den Mainstreammedien.“ Es fielen bereits ein paar Schüsse und kurze Zeit später war zu hören, dass die Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen in die Innenstadt fuhr und das Weiße Haus sichern wollte. Kat schaute auf die Meldungen, es waren in der Stadt schon zwei Anhänger des Präsidenten von der Polizei erschossen worden und die übrigen waren jetzt auf der Jagd nach den Polizisten. Diese Nachrichten hatten einen Flächenbrand der Gewalt ausgelöst, der sich rasend schnell ausbreitete. Kat machte sich auf den Weg in ihr Hotel. Es war nicht mehr sicher auf der Straße. Überall hörte sie Sirenen und weitere Schüsse auf den Straßen. Der Absender der E-Mail hatte nicht übertrieben. Das hatte definitiv Einfluss auf die Wahl. Links von ihr quietschten Reifen und gleich danach hörte man einen Knall und etwas zischte an ihrem Kopf vorbei. Sie war kurz vor ihrem Hotel und stürzte fast in die Lobby. Sie rannte zum Fahrstuhl und fuhr in den 15. Stock, um in ihr Zimmer zu kommen. Dort war es erstmal sicher.

Bennett Ranch, Montana

Sarah stand vor dem Spiegel im Badezimmer und schaute sich ihr Spiegelbild an. Leichte Augenringe und zerzauste Haare waren ja normal, aber den üblen Geschmack im Mund musste sie sofort loswerden. Ihr war schlecht und ihr Magen verweigerte praktisch seinen Dienst. Das müssen die verdammten Bohnen von gestern gewesen sein. Warum mögen Cowboys die so gerne, fragte sie sich. Eine kleine Flasche Magenmittel und jede Menge Mundspülung brachten auf jeden Fall erstmal Besserung.

Eigentlich sollte heute ein schöner Tag werden. Es war, wie jedes Jahr auf der Ranch, wieder Zeit, die Kälber zu brandmarken und das wurde groß gefeiert. Die Bohnen gestern war ein Probeessen gewesen. Denn es war ein weiteres Ereignis zu feiern. David und Lynett hatten sich gestern auf dem Standesamt das Ja-Wort gegeben und das wurde heute gleich mitgefeiert. Sarah war jetzt ein Jahr hier auf der Ranch und war ein Familienmitglied geworden. Zumindest wurde sie so von allen behandelt. Sie war zwar noch nicht mal mit John verlobt, aber trotzdem wurde sie schon als die nächste Rancherin gesehen und behandelt.

Wenn sie mit John in der Stadt war, grüßten viele andere Rancher und Pferdezüchter sie und John sehr freundlich. Die Bennett Ranch war einer der größten Betriebe hier in der Gegend und die Familie war gerne gesehen. Für sie war das aber eigentlich zu viel. John hatte sie das letzte Jahr, das sie beide gezwungenermaßen hier verbringen mussten, nie gedrängt, ihre Beziehung mit einer Verlobung oder gar Heirat zu festigen. Sie hatten vor einem Jahr diesen Deal mit der Regierung gemacht, der sie beide vor dem Gefängnis bewahrt hatte oder sie hätten ein Leben auf der Flucht geführt. Ihre Karriere bei der CIA war weg wie Schnee in der Sonne und John hatte seinen Job bei der NASA verloren. Es schien ihm aber nicht viel auszumachen. Er hatte sich schnell wieder an das Leben auf der Ranch gewöhnt. Sarah selber fühlte sich wohl, aber das ganze Jahr über war sie in Gedanken immer wieder zu dem Punkt abgedriftet, an dem sie den Mörder ihrer Freundin Liv finden wollte. Sie hatte John nicht erzählt, dass sie regelmäßig mit Jack Frost sprach, der mittlerweile für den kanadischen Geheimdienst arbeitete, und von ihm immer die aktuelle Lage der Ermittlungen erfuhr. Sie war also im Bilde. Aber das war auch nicht beruhigend. Die Ermittlungen waren bislang nicht weit gekommen. Sie fühlte sich trotz der Weite hier in Montana wie eingesperrt.

Sie seufzte und gleich sandte der Magen den nächsten Schwall ätzende Flüssigkeit aus der Gegend, die mal ihr Magen war, aber jetzt ein Sack mit ätzender Säure. So wie die Säure dieser gruseligen Außerirdischen aus dem Film, den sie sich am Wochenende mit John angesehen hat. Nur dass es eigentlich wohl ihr Blut war, was sich überall durchätzen konnte. Wahrscheinlich hatte sie auch so einen Alien-Parasiten in sich. Ihr wurde bei dieser Vorstellung auch wieder übel.

Als sie nach der Einnahme einer weiteren Flasche Magenmittel endlich hinunter in die Küche gehen konnte, klingelte das Telefon. Lynett war schon am Apparat und nahm den Hörer ab. „Bennett Ranch, Lynett Bennett hier!“

Sarah schmunzelte. Lynett hatte schon seit Tagen immer wieder ihren neuen Nachnamen geübt und bei jeder Gelegenheit die Aussprache, zusammen mit ihrem Vornamen, geübt.

„Oh, Mister Cartwright, schön Sie zu hören. Ja, das ist richtig. David und ich sind seit gestern verheiratet … Vielen Dank! Sie wollen Sarah sprechen, nehme ich an? Ja, ok ... so schnell wie möglich ...“ Lynett wollte gerade nach oben rufen, als sie Sarah sah, die schon zu ihr kam. „Dein Boss, Liebes!“

„Danke … Sarah Mitchell hier.“

„Sagen Sie mir, dass Sie nichts mit der Scheiße zu tun haben, die sich gerade im Land abspielt!“

„Ähh, schön, auch Sie zu hören, Sir. Was meinen Sie? Was passiert gerade?“

„Verdammt, Mitchell, sind Sie dort zum Hinterwäldler mutiert, für den Nachrichten nur wichtig sind, wenn die Fleischpreise steigen?“

„Sir, wir schauen hier fast kein Fernsehen und für Internetgedöns haben wir keine Zeit. Außerdem arbeite ich hier auf der Ranch.“

„Ok, eine Frage noch und Sie müssen mir ehrlich antworten: Haben Sie oder John mit der Presse gesprochen und denen die Geschichte erzählt, über die Sie beide schweigen sollten? Hat einer von Ihnen die Daten der KI weitergegeben? Keine Lügen!“

„Nein, Sir! Wir haben uns an alle Auflagen gehalten. Weder John noch ich sind an die Presse herangetreten. Was sollen diese Fragen?“

„Sarah, es ist sowas wie Bürgerkrieg in einigen Städten ausgebrochen. In den Nachrichten wurden Informationen über die Versäumnisse der Regierung in Bezug auf die manipulierte KI gebracht. Die haben sehr genaues Wissen darüber. Die Anhänger des Präsidenten sind überzeugt, dass es nur Fakenews sind und verfolgen Reporter und auch andere offizielle Angehörige der anderen Partei. Die Polizei ist in Schwierigkeiten und bekommt in vielen Orten die Lage nicht unter Kontrolle. Ich fürchte, man wird Ihnen die Schuld dafür geben. Machen Sie sich also auf Ärger gefasst!“

„Sir, glauben Sie mir! John und ich haben nichts gesagt!“

„Natürlich glaube ich Ihnen. Aber das reicht nicht. Ich werde mit dem Bundesstaatsanwalt reden und ihn davon in Kenntnis setzen, dass Sie beide nichts damit zu tun haben. Ich hoffe, er glaubt mir!“

„Was sollen wir machen, Sir? Uns wieder verstecken?“

„Nein, bleiben Sie erstmal da, wo Sie sind. Die Behörden haben im Moment alle Hände voll zu tun und werden kaum Leute übrighaben, um Sie zu besuchen. Ich melde mich, sobald ich etwas sagen kann. Passen Sie auf sich auf, Mitchell!“

„Ja, Sir. Machen wir!“ Sarah hängte den Hörer auf und spürte, wie sich die Magensäure wieder den Weg nach oben suchte. Lynett hatte während des Gesprächs in der Nähe gestanden und schaute sie besorgt an: „Sarah, du siehst aus, als wenn gerade jemand gestorben wäre. Was ist los?“

„Lynett, schalte den Fernseher ein und schau dir die Nachrichten an. Ich muss John suchen. Ist er schon im Gatter bei den Kälbern?“

„Ja, er ist mit David schon vor einer halben Stunde los, als du noch nicht unten warst!“

„Ok, ich gehe zu ihm. Es ist etwas Furchtbares passiert. Er muss das sofort wissen.“

„Geh los, ich schalte den Fernseher ein. Was werde ich da sehen?“ Sarah atmete tief ein. „Chaos und Tod, denke ich!“

Jack Frost, Washington D.C.

Vor 10 Minuten dachte Jack noch, dass es für den Tag vor der Wahl doch sehr ruhig in Washington war. Ihm fielen die Gruppen von radikalen Anhängern des Präsidenten auf, aber sie machten keinen Ärger. Die Polizei war präsent. Das Ganze änderte sich aber von einer Minute auf die andere. Jack sah, dass einige Typen mit halbautomatischen Gewehren einen Polizeiwagen unter Feuer nahmen. Die beiden Beamten lagen hinter ihrem Fahrzeug in Deckung. Er wollte gerade eingreifen, als ein Fahrzeug einer Swateinheit in der Nähe hielt und ein halbes Dutzend schwarzgekleideter Polizisten die Angreifer unter Feuer nahmen. Jack spürte, dass eine der Kugeln sogar seinen Wagen getroffen hatte. Er hörte, wie aus einem Reifen die Luft entwich. Zwei der Radikalen gingen sofort zu Boden und der Rest lief weg. Jack kam sich vor, als wäre er wieder in Afghanistan, als die Taliban das Land in Besitz genommen hatten. Was eigentlich als eine Suche nach einer kanadischen Journalistin geplant war, wurde plötzlich eine Fahrt durch ein Bürgerkriegsgebiet. Er versuchte seine Partnerin Charlie zu erreichen, die ebenfalls in D.C. unterwegs war. Sie hatten sich getrennt, um zwei Hotels gleichzeitig zu überprüfen. Sie waren vor zwei Tagen beim Arbeitgeber der Journalistin gewesen, um sie zu befragen. In der Zentrale von Globe and Mail, wusste man nur, dass Kathrin Jacobs nach Washington gefahren sei und nannte zwei Hotels, in denen die Reporter normalerweise abstiegen. Die Zeitung hatte dort immer die Möglichkeit, für ihre Leute ein Zimmer zu bekommen. Jack hatte sein Telefon auf die Freisprechanlage geschaltet und wartete, dass Charlie abhob. Er musste einigen Rasern ausweichen, die teilweise unkontrolliert plötzlich quer über Straße fuhren und das mit hohem Tempo. Es schien, als sei plötzlich Panik ausgebrochen. Jack fragte sich, was passiert war. Sein Handy piepte und die Stimme von Charlie war zu hören: „…ack, wo bis... du?“ Die Verbindung war nicht gerade gut. Er fuhr in eine Parklücke und nahm das Handy ans Ohr: „Charlie, alles ok bei dir? Hier ist plötzlich die Hölle los!“

„Jack, ich weiß. Ich bin auf dem Weg zu dir. Im Dupont Circle Hotel ist sie nicht. Warte auf mich. Sie muss im Fairmont sein.“

„Weißt du, was los ist? Warum wird hier rumgeballert?“

„Schau in die Nachrichten. Irgendjemand hat die Medien mit Informationen über unseren Fall versorgt. Die wissen jetzt alles über die Bomben und den Satelliten und vor allem über die KI!“

„Verdammt, das sollte doch noch gar nicht an die Öffentlichkeit. Ok, wann bist du hier? Ich bin L Street NW, Ecke 19 Street NW, bei einem Hotel.“

„Etwa 10 Minuten vielleicht.“

„Ich fahre bei dir mit, einer meiner Reifen ist platt. Meinen Wagen lasse ich stehen. Du siehst mich!“

„Alles klar, bis gleich!“ Jack legte auf und schaute noch schnell auf die aktuellen Nachrichten. Es kamen alle 10 Sekunden neue Meldungen rein. Die Überschriften waren fast alle gleich. Im Grunde waren zwei Meinungen präsent. Die eine Seite wurde von den Medien bestimmt, die dem Präsidenten nahestanden. Der Tenor war dort, die Offenlegung der geheimen Unterlagen als Fakenews zu betiteln und mindestens zwei ehemaligen Präsidenten die Schuld zu geben. Die rechten Medien zeigten Bilder der aktuellen Pressekonferenz im Weißen Haus, wo die blonde Pressesprecherin des Weißen Hauses die versammelten Pressevertreter fast anschrie. Jeder Medienvertreter, der kritische Fragen stellte, wurde unterbrochen und als schlechter Reporter bezeichnet oder Schlimmeres. Die Regierung stritt alles ab und würde mit allen Mitteln der Strafverfolgung jeden belangen, der diese Fakenews als Wahrheit ansah.

Auf den neutralen Sendern stritt man mit Experten, ob die Enthüllungen denn wirklich wahr währen. Es wurden alte Berichte von vor über einem Jahr gezeigt. Jack sah sogar einen Bericht über den Angriff in Kanada, bei dem Liv getötet wurde. Sie zeigten das kurze Video, in dem man ihn selbst sehen konnte, wie er mit dem Blumenstrauß in Richtung Gangway ging, als plötzlich eine Explosion vom Schiff aus zu sehen war. An der Stelle stoppte das Video und die Nachrichtensprecherin verkündigte, dass dieser Anschlag auch im Zusammenhang mit den Ereignissen um die Atombomben-Explosionen stand. Jack machte sein Handy aus. Das Video wieder zu sehen, hatte ihm einen Stich ins Herz verpasst. Sofort war wieder die tiefe Traurigkeit da und die Wut. Er stopfte das Gerät in seine Jackentasche und stieg aus. Auf der Straße waren nur wenige Menschen unterwegs. Einige eilten mit Aktenkoffern über den Gehweg und eine Straße weiter waren Geschrei und ein Schuss zu hören. Jack schaute sich um und bemerkte eine Bewegung an der Straßenecke. Eine Gruppe von jungen Männern rannte in seine Richtung und johlten laut irgendwelche der bekannten Parolen des Präsidenten. Sie waren bewaffnet mit Holzlatten und anderen zusammengesuchten primitiven Waffen. Die meisten rannten einfach an ihm vorbei. Nur der letzte hatte ihn angesehen und blieb bei ihm stehen. Er hatte ein Jagdmesser in der Hand und hob es in Jacks Richtung: „Na los, gib mir deine Brieftasche, alter Mann. Du bist doch bestimmt auch einer von diesen linken Kommunisten!“ Er war angetrunken, das konnte Jack riechen. Die rote Kappe mit dem Wahlslogan des Präsidenten prangte etwas speckig auf seinem Kopf und hielt die strähnigen ungepflegten Haare im Zaum. Seine Freunde liefen zwar weiter, bemerkten aber wohl, dass er nicht hinter ihnen war. Sie blieben in einiger Entfernung stehen und schauten zu. „Hör zu, geh einfach weiter und wir beide haben noch einen schönen Tag ohne Schmerzen. Besonders du!“

„Halt die Klappe. Du gibst mir jetzt dein Geld!“

„Oder was?“

„Ich steche dich ab, was denkst du denn?“

„Was ich gerade denke, möchtest du nicht wissen, das würde dich nur verstören. Also hau ab!“ Jack spannte sich an und ging in Abwehrhaltung. Der Typ war durch den Alkohol anscheinend schon etwas schwerfällig im Denken und schaute Jack nur erstaunt an. Er grinste und machte mit dem Messer einen halben Schritt auf Jack zu und versuchte, das Messer in Richtung von Jacks Hals zu heben. Und es geht los …, dachte Jack und ließ seinen Schlagstock, den er bereits in seiner linken Hand hatte, ausfahren und schlug mit einem schnellen Schlag auf das Handgelenk der Messerhand. Mit einem satten dumpfen Knackgeräusch brachen Elle und Speiche kurz hinter dem Handgelenk. Der Angreifer grinste nicht mehr und fing an, Jack ungläubig ins Gesicht zu sehen. Jacks rechte Hand verpasste ihm in diesem Moment eine schallende Ohrfeige, die seine Haut im Gesicht in Wellen von einer zur anderen Seite vibrieren ließ. Er fiel augenblicklich in sich zusammen. Jack atmete tief ein und aus.

Die Kumpel von dem Idioten fingen an zu schreien und auf ihn loszurennen. Jack steckte den Schlagstock wieder ein und zog seine Pistole. Das würde eng werden. Er wollte keinen von diesen Kerlen umbringen, aber wenn sie ihn erreichten, dann wäre er in Gefahr. Gegen 8 Leute gleichzeitig zu kämpfen, funktionierte nur im Kino. Die Angreifer waren noch etwa 50 Meter entfernt, als ein Auto mit quietschenden Reifen neben Jack zum Stehen kam. Er schaute nach links und erkannte, dass Charlie da war. Sie hielt eine MP5 aus dem Fenster und feuerte eine Salve über die Köpfe der herannahenden Meute hinweg. Die blieben sofort stehen, duckten sich weg und fingen an, nach allen Seiten wegzulaufen. „Steig ein, Jack!“ Er war schon auf dem Weg und warf sich auf den Beifahrersitz. Charlie gab Gas und der Wagen fuhr mit durchdrehenden Reifen wieder los. Ein paar der jungen Männer warfen ihre Holzlatten und Stangen dem Wagen hinterher.

„Da lässt man dich alleine und dann gibt es Ärger. Machst du das absichtlich oder ist das sowas wie ein Fluch?“ Charlie schaute ihn fragend von der Seite an.

„Das stimmt doch nicht, ich habe nichts gemacht!“

„Du bist nicht im Wagen geblieben!“

„Ja, aber das war nur, damit du mich schneller sehen konntest.“

„Letzte Woche in der Bar, wo wir nur schnell etwas essen wollten und der Typ neben uns mich dumm von der Seite angequatscht hat und du ihm gesagt hast, er soll sich verpissen und er das nicht gemacht hat? Der liegt bestimmt noch im Krankenhaus!“

„Ja, aber der war unhöflich gewesen und wir hatten noch nicht aufgegessen.“

„Dann vor 4 Wochen! Der Blumenhändler, der die Blumen für das Grab von Major Carter geliefert hat und dir gesagt hat, dass du froh sein solltest, dass überhaupt Blumen geliefert wurden? Wir mussten dem seine neuen Zähne bezahlen!“

„Es waren keine Mohnblumen, sondern Chrysanthemen. Der hatte einfach keine Ahnung und hat das Grab verunstaltet!“

„Jaaa, aber es hätte gereicht, ihm mit dem Anwalt zu drohen. Ich bin ja nicht gerade gegen Gewalt, aber du verlierst immer öfter die Geduld und das macht mir Sorgen.“

„Ja, schon gut. Ich werde mich zurückhalten.“ Charlie schaute ihn skeptisch an und grinste schief.

„Was denn? Ich meine das ernst. Meine Güte, du bist meine Partnerin und nicht meine Nanny!“

„Jaaaaa, das sollte so sein, aber eigentlich bin ich sogar deine Vorgesetzte und mit diesen drei Funktionen, Partner, Nanny und Vorgesetzte erwarte ich von dir, dass du ruhiger wirst. Ansonsten muss ich Meldung machen, verstanden?“ Jack runzelte die Stirn. Sie hatte ja Recht. Er hatte, kurz bevor der Kerl ihn angemacht hatte, das Video von dem Attentat gesehen und das hatte ihn getriggert. Er schnaufte ein paarmal: „Ok, in Ordnung! Ernsthaft, du hast Recht, ich versuche mich zu bessern. Aber wir haben ein weiteres Problem. Wenn wir bei der Reporterin auf Widerstand stoßen und sie sich aus dem Staub macht, kommen wir in echte Probleme. Bei den Krawallen zurzeit könnten sie oder wir in die Schusslinie geraten. Wir werden daher gleich die großen Geschütze auffahren. Wir fragen, ob sie da ist und wir lassen dem Mitarbeiter keine Gelegenheit, sie zu warnen. Vielleicht können wir ja überzeugend als Polizei rüberkommen, aber wenn die nicht mitspielen, dann setzen wir sie außer Gefecht. Aber nur temporär, keiner wird verletzt oder gar getötet!“

„Ok, dann nehmen wir zur Not diese neuen Sprays, die wollte ich schon lange einmal ausprobieren. Ok! Wir sind da. Da ist das Fairmont. Wir fahren in die Tiefgarage.“

„Die haben nur Parkservice, fahr direkt zum Eingang!“, sagte Jack und schaute sich um. Das Hotel schien im Moment nicht vom Mob bedroht zu sein. Sie waren erstmal nicht in Gefahr, beim Aussteigen angegriffen zu werden. Charlie fuhr den Wagen zum Haupteingang und sie stiegen beide aus. Ein Valet Attendant stand sofort am Wagen und hielt die Hand für den Schlüssel und das Trinkgeld auf. Charlie gab ihm den Schlüssel und steckte ihm einen Fünfzigdollar-Schein zu. „Park den Wagen nicht zu weit weg. Wenn wir wieder rauskommen, will ich den schnell hier stehen haben. Wenn das klappt, gibt es noch einen General Grant. Wenn nicht, wird mein Partner hier dich durch den Fleischwolf drehen!“ Sie lächelte den Mitarbeiter des Fahrdienstes freudig an und zeigte auf Jack. Der schaute mit seinem düstersten Blick zurück. „Ja, Ma’am. Wird erledigt!“ Fast hätte er den Schlüssel fallen gelassen und beim Wegfahren würgte der Valent fast den Motor ab. Charlie und Jack gingen in das Hotel. Jack schüttelte mit dem Kopf: „Jaaaaa, genau! Und ich habe ein Aggressionsproblem, aber meine Nanny ist ein Mafiaboss, so wie es scheint!“ Charlie sagte nichts und lächelte nur leicht.

Bennett Ranch, Montana

Sarah stand am Gatter und schaute sich das Treiben an. Die Cowboys fangen die Kälber mit dem Lasso ein, während John und sein Vater den gefesselten Kälbern das Brandzeichen der Ranch einbrannten. Sarah stand am Gattertor, winkte John zu und zeigte an, dass er zu ihr kommen sollte. John sah nur kurz in ihre Richtung und musste sich aber wieder auf seine Arbeit konzentrieren. Er blickte wieder auf das Kalb, das gerade gezeichnet wurde. David schaute auf und sah, dass Sarah am Tor stand und anscheinend ins Gatter hereinwollte. Er sprang auf und schrie Sarah an, dass sie nicht reinkommen sollte. Vom plötzlichen Brüllen erschrocken, entschied das Kalb, sich zu wehren und schaffte es, sich aus dem Haltegriff der Cowboys zu befreien. Es sprang wie ein Springteufel weg. Sein Schwanz erwischte John im Gesicht und ließ ihn hintenüberfallen. David rannte zu dem Tor und stellte sich davor. Sarah verstand die Aufregung nicht. „Was ist denn los? Ich will nur John sprechen!“

„Komm nicht rein Sarah, das ist gefährlich!“ David stand mit dem Rücken zu ihr und es sah so aus, als würde er versuchen, mit seinem Körper etwas aufzuhalten. John kam schnell dazu: „Dad, es ist alles gut. Keine Gefahr, das Kalb ist wieder unter Kontrolle. Sarah kann nichts passieren. Alles ist gut!“ David schaute sich um und schien wie aus einem Traum zu erwachen. Er blickte zu John, dann zu Sarah und neigte den Kopf: „Es tut mir leid, Sarah, es war die gleiche Situation wie damals, es tut mir leid. Ich wollte dich nicht erschrecken.“ Er drehte sich um und ging wieder zu den Cowboys, die bereits das nächste Kalb vorbereitet hatten. Sarah blickte John fragend an: „Meine Mom ist hier am Gattertor gestorben. Es war damals auch so, dass die Kälber ihr Brandzeichen bekommen hatten. Zu der Zeit hatten wir noch die Mütter der Kälber im Gatter, damit sie ihr Kalb danach gleich wieder zu sich nehmen konnten. Meine Mutter wurde genau hier von einer wildgewordenen Ferse getötet und der erste Mann von Lynett auch. Seitdem will mein Vater nicht mehr, dass die Frauen der Ranch dabei sind und ich habe vergessen, es dir zu erzählen. Tut mir leid, dass es so gekommen ist.“

„Schon gut, es ist ja auch nichts passiert. Geht es deinem Dad gut?“

„Der kriegt sich wieder ein. Er hatte wohl einen Flashback und wollte das tun, was er damals nicht geschafft hat.“

„Deine Mutter retten?“

„Ja, er hatte es fast geschafft, aber es reichte nicht!“

„Das wusste ich nicht.“

„Ich hätte es dir erzählen sollen, aber ich rede auch nicht gerne darüber. Es ist eine dieser Sachen, über die hier nicht geredet wird.“

„Dann bin ich für deinen Vater eine Frau der Ranch?“

„Nimm ihm das nicht übel. Er und Lynett lieben dich. Sie wollen dich aber nicht bedrängen und das sagt eine Menge darüber aus, wie sehr sie dich respektieren. Aber warum bist du überhaupt hier?“

„Du musst mit zum Haus kommen. Es ist etwas … ich finde gerade kein passendes Wort dafür … passiert. Die Medien haben anscheinend einen Tipp oder Informationen bekommen über das, was letztes Jahr passiert ist. Unsere ganze Geschichte mit den Atombomben, dem Satelliten und mehr. Cartwright hat mich angerufen und mich direkt gefragt, ob wir etwas ausgeplaudert haben. Ich habe ihm natürlich gesagt, dass wir nichts damit zu tun haben.“ John schaute sie nur ungläubig an. „Wir haben doch nichts damit zu tun, John?“

„Natürlich nicht, von mir kein Wort an niemanden. Das hätte ich ohne dein Wissen auch nicht getan, genau wie du!?“

„Du weißt genau, dass ich nichts gesagt habe. Also lassen wir das. Wir haben nichts gesagt. Bleiben nur unsere Freunde übrig. Was ist mit Rick?“

„Der würde ohne unsere Zustimmung nichts machen. Da lege ich meine Hand in Feuer. Rick macht so etwas nicht.“ John schüttelte mit dem Kopf. Sarah nickte zustimmend. Sie mochte Rick und konnte sich auch nicht vorstellen, dass er einen Alleingang machen würde. „Jack können wir auch ausschließen, er arbeitet seit einem Jahr für den kanadischen Geheimdienst und würde eher sterben, als Geheimnisse zu verraten.“

„Deinen ehemaligen Boss können wir auch ausschließen. Der würde sich ins eigene Fleisch schneiden. Ansonsten wären noch Shea, Ellie, mein Dad und Lynett übrig, aber da ist nichts.“

„Komm mit, wir gehen ins Haus und schauen uns die Nachrichten an und versuchen Cartwright zu erreichen. Du wirst es nicht glauben, was gerade in diesem Land passiert.“

„Will ich das wirklich wissen? Ich habe den Eindruck, dass es nicht schön wird!“

„Wird es auch nicht. Es ist fast schon ein Bürgerkrieg in einigen großen Städten. Die Anhänger des Präsidenten gehen auf die Polizei und Medien los und gegen jeden, der nicht zu ihrer Sekte gehört.“

„Das musste ja so kommen!“ Sie gingen beide rasch zum Haupthaus, um sich zu informieren. John hatte das Gefühl, dass es diesmal noch schlimmer werden würde als vor einem Jahr.

Jack und Charlie, Hotel Fairmont, D.C.

Am Foyer hatte ein junger Concierge Dienst und begrüßte Charlie und Jack freundlich, als sie an den Tresen kamen. „Guten Tag, die Herrschaften. Was kann ich für Sie tun? Haben Sie reserviert?“ Charlie holte ein Foto der gesuchten Journalistin hervor und hielt es dem Concierge unter die Nase. „Wir suchen diese Person, Kathrin Jacobs. Ist sie im Haus? Wir wissen, dass sie hier ein Zimmer hat!“

„Wer sind Sie überhaupt? Ich habe keine Erlaubnis, persönliche Informationen über Gäste weiterzugeben. Bitte gehen Sie oder ich rufe die Polizei!“ Jack holte seinen Ausweis heraus und knallte ihn auf den Tresen: „Wir sind von der Polizei, also spucken Sie es aus. Welches Zimmer hat sie und ist sie da?“ Der Concierge schaute auf den Ausweis und runzelte die Stirn. „Der kommt aber aus Kanada und sieht aus wie ein Ausweis vom einem Spielzeugset, Sir!“

„Sie hätten ruhig mitspielen können, Freundchen. Das heißt, Sie sollten es nur für sich behalten, dass wir hier waren. Wir holen nur diese Person ab, die übrigens Kanadierin ist und sind dann auch schon wieder weg. Alles ganz geheim und leise. Außer Sie machen Ärger, dann kann es sein, dass jemand weint.“ Jack machte wieder sein strenges Gesicht und schaute den jungen Mann finster an. Charlie verdrehte die Augen und meinte: „An Ihrer Stelle würde ich jetzt einfach mitmachen. Wir wollen nur diese Frau mitnehmen. Es ist wirklich alles legal. Also geben Sie meinem jähzornigen Partner jetzt nicht die Gelegenheit, seine Aggressionsprobleme rauszulassen. Wir haben nämlich gerade so etwas wie eine Intervention hinter uns und er will sich wirklich bessern. Aber wenn Sie jetzt querschießen, dann haben Sie ein Problem mit ihm. Falls er was übriglässt, übrigens auch mit mir!“

Der Concierge schaute sich nervös um und suchte Hilfe. Jack und Charlie schauten sich an und gleich darauf schnellte sie mit einer eleganten Bewegung über den Tresen und stand neben dem Hotelmitarbeiter. Sie steckte ihm einen Stift in die Seiten und flüsterte ihm zu: „Wir gehen nun in das Büro hinter uns. Ist da noch jemand drin?“ Er schüttelte mit dem Kopf. „Gut, dann los. Jack?“ Jack ging um den Tresen herum und fing an, in dem Computer die Zimmernummer von Jacobs zu suchen. Charlie scheuchte den Concierge in das Büro und ließ ihn sich in einen Stuhl setzen. „Ich fürchte, Sie werden hier nicht still sitzen bleiben, bis wir wieder weg sind, oder?“ Noch bevor er antworten konnte, hatte Charlie ihm eine kleine Spraydose vor die Nase gehalten und verabreichte ihm eine Dosis Knockout Spray. „Ganz ruhig, mein Lieber. Du wirst jetzt etwas schlafen. Wenn du wieder aufwachst, dann war das hier nur ein Alptraum.“ Seine Augen wurden schon glasig und drei Sekunden später war er bewusstlos. Charlie checkte seine Atmung und Puls und war zufrieden. Sie holte eine kleine Spritze heraus und verabreichte dem Concierge noch eine Dosis Midazolam, da das Knockout Spray nur ca. eine Minute wirksam war. Sie hatten jetzt mindestens eine halbe Stunde. Das sollte reichen, um unerkannt mit der Zielperson wieder zu verschwinden. Sie ging wieder zu Jack, der ihr mit einem Daumenhoch signalisierte, dass er die Information hatte. Ohne Aufsehen gingen sie zum Fahrstuhl. Charlie hakte sich bei Jack unter und tat so, als wenn sie gerade von einem schönen Essen zurückkamen und lächelte Jack an. „Mach mit, wir spielen Pärchen.“ Jack sah sie an und grinste: „Ich könnte eher deinen Vater spielen.“

„Welche Tochter steigt mit ihrem Vater in einem Hotel ab?“

„Vielleicht ja meine Tochter?“

„Manchmal stehen junge Frauen ja auch auf ältere Männer. So Sugardaddy like.“

„Charlie, keiner schaut uns an und wir brauchen hier keine Show abzuziehen. Wir müssen in den 15. Stock. Zimmer 1504. Hier ist eine passende Tür Karte. Die öffnet alle Türen im Hotel.“

„Gute Arbeit, Dad. Für einen Mann in deinem Alter wirklich gut.“ Sie stellte sich neben ihn vor die Fahrstuhltür und die beiden warteten auf den Fahrstuhl. Jack musste doch ein wenig schmunzeln. Charlie wäre wirklich eine coole Tochter.

CIA Hauptquartier, Büro von Cartwright

Man hatte sich in seinem Büro getroffen, da er die meisten Informationen über die Mission von vor über einem Jahr hatte. Der Direktor war da und der FBI Koordinator. Es herrschte eine gespannte Stimmung und der Ton war nicht ganz so freundlich. Der Direktor war geradezu außer sich: „Cartwright, was haben wir übersehen? Sie sagen, dass Mitchell und Bennett nichts damit zu tun haben. Aber ist es nicht komisch, dass ihre 12 Monate Bewährung gerade vorbei sind und prompt bekommt die Presse einen Tipp? Das stinkt doch zum Himmel. Ich bin immer noch der Meinung, dass wir sie verhaften lassen sollten. Sie haben die Informationen und ein Motiv!“ Er schnaufte und blickte Cartwright finster an. „Bei allem Respekt, Sir, aber Sie liegen falsch. Die beiden haben nichts damit zu tun. Das FBI wird das auch bestätigen, oder?“

Der FBI Koordinator nickte vorsichtig: „Erste Erkenntnisse zeigen, dass dieses Informationsleck bereits seit Wochen existiert. Wir haben mit allen großen Sendern und Zeitungen geredet. Sie haben alle bestätigt, dass von jedem Sender oder bei jeder wichtigen Zeitung ein oder zwei Reporter oder Journalisten bereits vor Wochen mysteriöse Mails erhalten haben. Die haben sie erstmal als Quatsch abgetan oder als Falschmeldung, Verschwörungsdinge oder dergleichen. Aber dann wurden die Informationen immer besser und sie haben angefangen zu graben und haben tatsächlich Spuren entdeckt und vor allen Informanten, die einigen Reportern etwas erzählt haben.“

Der Direktor war immer noch erbost: „Warum haben diese Hornochsen denn nicht die Behörden informiert? Warum wurde die Heimatschutzbehörde nicht informiert?“ Cartwright erhob sich und sagte: „Sie wollten erstmal sicher sein, ob da wirklich was dran ist. Sie hatten nur Puzzleteile vor sich. Erst gestern Abend wurde allen eine letzte Mail geschickt. Dort waren dann die restlichen Informationen und ein paar schriftliche Unterlagen dabei. Ich wurde heute Morgen von einem Freund, der bei der Washington Post arbeitet, angerufen, der mich eine halbe Stunde vor der Veröffentlichung des Skandals darüber informiert hat, dass bald alle Medien eine Bombe platzen lassen.“ Der Direktor war nicht begeistert: „Sie wussten das eine halbe Stunde vorher und haben nichts unternommen?“

„Was sollte ich denn machen? Ich habe meinen Freund gebeten, das noch nicht zu veröffentlichen, aber er sagte, dass es nicht mehr aufzuhalten sei. Alle Zeitungen und Sender wussten, dass alle diese Infos hatten und keiner wollte darauf verzichten, als einziger nicht darüber zu berichten. Ich habe Ihnen allerdings ein dringliches Memo geschickt, aber Sie waren nicht im Haus, oder?“

„Ich war in Sterling auf dem Golfplatz mit dem Präsidenten. Aber das wussten Sie ja.“

„Ja, ich habe versucht, Sie telefonisch zu erreichen, aber man hat mich nicht durchgestellt, da der Präsident es nicht ausstehen kann, wenn bei seinem Golfspiel ein Telefon klingelt, sofern es nicht seins ist.“ Der Direktor sagte nichts mehr. Der FBI Agent fügte noch hinzu: „Wir haben außerdem Berichte von Sendern und Zeitungen aus Kanada und Mexico, die ebenfalls diese Mails bekommen haben. Allerdings haben sie nicht die letzte Mail mit den restlichen Informationen bekommen. Aber sie springen natürlich auf den Medienzug auf, der sich jetzt in Bewegung setzt. Das lässt sich nicht mehr stoppen. Das war eine durchdachte, groß angelegte Aktion, die einige Ressourcen gebraucht hat. Daher schließen wir aus, dass Ex-Agentin Mitchell und Mister Bennett etwas damit zu tun haben. Sie hatten einfach nicht die Möglichkeiten dazu.“

Cartwright nickt dazu: „Daher werden wir wohl erstmal ermitteln müssen, wer dafür in Frage kommt. Wem nützt es und wer hat die Mittel, das durchzuziehen? Wir werden zusammen mit dem FBI und NSA und deren IT-Abteilungen zusammenarbeiten. Es muss Spuren geben und die führen uns zu den Hintermännern.“

Der CIA Direktor erhob sich und schaute die beiden anderen an. „Halten Sie mich auf dem Laufenden. Der Präsident wird bestimmt nicht erfreut sein. Also finden Sie Antworten.“ Er wollte gerade gehen, als das Handy von Cartwright klingelte. „Cartwright, was gibt es?“ Er stutzte, als er verstand, was er da hörte. „Und das ist gesichert? Darüber soll abgestimmt werden? Geht das überhaupt? Sagen Sie Bescheid, wenn es konkret wird! Danke für die Infos.“ Cartwright legte auf und schaute seinen Boss an: „Das könnte die erste Spur zu einem Motiv sein. Das war einer der Mitarbeiter des Speakers. Es wurde von einigen Abgeordneten der Antrag eingereicht, dass die morgigen Wahlen auf unbestimmte Zeit verschoben werden sollen. Durch die vereinzelten Aufstände und Krawalle können viele nicht zur Wahl gehen und ihre Stimme abgeben. Daher soll die Wahl erstmal ausgesetzt werden. Der Präsident soll dafür länger im Amt bleiben.“

Der FBI Agent fragte: „Geht das überhaupt? Was sagt die Verfassung dazu? Das ist noch nie vorgekommen. Wir haben sogar während der Weltkriege gewählt!“

„Das müssen Verfassungsrechtler entscheiden. Aber es sieht so aus, als würde der Antrag von der Mehrheit getragen werden. Aber was mich wirklich daran stört, ist, dass es so schnell passiert. Die Medien haben erst vor wenigen Stunden die Bombe platzen lassen und jetzt ist schon ein Antrag vorbereitet? Das ist kaum zu glauben.“

Der Direktor machte ein betrübtes Gesicht: „Cartwright, bei diesen Gedanken müssen wir vorsichtig sein. Ich sehe das so wie Sie, aber wenn es tatsächlich innerhalb der Regierung Mitwisser gibt, die diese Lage ausnutzen wollen, um wer weiß was zu erreichen, dann werden die Nachforschungen schwierig.“ Cartwright nickte und sagte dem FBI Agenten: „Wir müssen hier Leute einsetzen, die unbelastet sind. Von denen man sicher sein kann, dass sie keine Verbindungen zu Politikern haben. Machen Sie eine Liste mit ihren Leuten und ich stelle ein Team von unseren Leuten zusammen. Direktor, ich möchte Agentin Mitchell wieder in den aktiven Dienst nehmen, sie hat in diesem Fall die meiste Erfahrung.“

„Auf keinen Fall, Cartwright. Das kommt nicht in Frage. Wenn das bekannt wird, sind wir geliefert. Einige aus der Regierung würden uns vorwerfen, mit den Verrätern unter einer Decke zu stecken. Keine Chance. Sie kommt auch nicht nach D.C. Das wäre ebenfalls eine schlechte Idee.“

„Dann werde ich sie inoffiziell einsetzen. Wir werden im ganzen Land aktiv sein müssen, Sir! Sie hat sich eine zweite Chance verdient.“

„Ok, aber keine offiziellen Berichte von ihr in unserem System, nur intern und für Geheimnisträger. Sie soll unter dem Radar bleiben. Geben sie ihr eine Aufgabe, die nichts mit Politikern zu tun hat. Wenn das hier vorbei ist, werden wir sehen, was ihre Zukunft ist.“

„Danke, Sir. Das ist fair. Sie wird nicht auffallen. Also gehen wir an die Arbeit.“ Die beiden anderen verließen sein Büro und Cartwright überlegte, welche Aufgabe für Sarah die beste wäre. Er hatte aber noch keine Idee. Erstmal müsste er eh mit ihr sprechen, ob sie überhaupt noch Interesse hatte, bei der CIA zu arbeiten. Er hoffte, dass es so war.

Jack und Charlie, Hotel Fairmont, D.C.

Sie standen vor dem Hotelzimmer 1504 und lauschten durch die Tür. Man konnte eine weibliche Stimme hören, die anscheinend telefonierte. Es war zwar nicht zu verstehen, was gesagt wurde, aber es war ein hitziges Gespräch mit wahrscheinlich vielen Flüchen. Charlie zog einen Taser X26P aus ihrem Gürtel und machte ihn bereit. Jack sollte die Tür mit der Karte öffnen. Sie würden ohne Geschrei in das Zimmer gehen und die Journalistin notfalls mit dem Taser ruhigstellen, wenn sie sich wehrte und Krach machte. Jack zählte mit seinen Fingern bis drei und öffnete die Tür. Charlie machte ein paar schnelle Schritte in den Raum und hielt der verdutzten Reporterin den Taser an die Brust. „Auflegen!“ Charlie nahm ihr das Telefon weg und warf es Jack in die Hände. Der schloss die Tür hinter sich und sicherte die Wohnung. Er schaute ins Badezimmer und ging wieder zurück. „Alles sauber. Sie ist alleine!“ Die Reporterin war seltsam gefasst, Charlie hatte mit großem Geschrei gerechnet. „Wer zum Teufel sind Sie? Was wollen Sie von mir?“

„Sie sind Kathrin Jacobs?“

„Wer will das wissen?“

„Wir sind die, die mit Ihnen reden und wie das Gespräch abläuft, hängt ganz von Ihnen ab. Kooperieren Sie, dann werden Sie von uns in ein Flugzeug nach Hause gesetzt und Sie können Ihr Leben frei gestalten. Wenn Sie aber meinen, dass es besser wäre, nicht mit uns zusammenzuarbeiten, dann stecken wir Sie zwar auch in ein Flugzeug, aber in Handschellen und ohne Bordservice mit Getränken.“

„Ok, Sie beide sind vom Geheimdienst! Einschüchtern wirkt bei mir nicht. Ich kenne meine Rechte und Sie beide übertreten die bereits. Sie dürfen hier offiziell niemanden verhaften. Auch keine Kanadierin.“ Jack stellte sich neben Charlie und schaute Kathrin Jacobs nachdenklich an: „Miss Jacobs, wir sind tatsächlich vom Geheimdienst und tatsächlich ist diese Aktion etwas schwammig, was die Rechtmäßigkeit angeht. Da haben Sie recht. Aber Sie sollten bedenken, dass wir tatsächlich in der Lage wären, Ihnen das Leben schwer zu machen. Sie sind mit geheimen Informationen hier, die Sie von einem Unbekannten bekommen haben. Die Informationen sind auch hier in den Staaten geheim. Sie können sich also überlegen, mit wem Sie reden wollen. Mit uns, den lieben Mitbürgern, oder Sie werden in einem amerikanischen Knast monatelang auf Ihren Prozess wegen Spionage warten und etwa 25 weitere Jahre, wenn Sie alles gestehen. Also was soll es sein?“

„Sie sind der Boss, oder?“

„Eigentlich bin ich die Ranghöhere von uns beiden!“ Charlie schaute ihr tief in die Augen.

„Wow, das ist aber mal was anderes. Eine junge Frau, die mehr zu sagen hat als der alte weiße Mann. Darum liebe ich Kanada!“ Sie lacht laut und grinste spöttisch. Charlie schaute Jack an und dann wieder die Reporterin: „Na gut, wir sind ja entspannt hier und werden nun einfach den Dingen ihren Lauf lassen. Ich werde Ihnen gleich eine Spritze geben und Sie ins Reich der Träume schicken. Wenn Sie wieder aufwachen, sind sie im Gewahrsam der Polizei und die haben einen anonymen Anruf bekommen, dass Sie eine Verdächtige sind, die mitschuldig an dem Chaos hier ist. Oder was meinst du?“ Sie schaute Jack an und zog eine Spritze aus ihrer Tasche. „Miss Jacobs, meine Partnerin macht hier keinen Spaß, das können Sie mir glauben. Arbeiten Sie mit uns zusammen und helfen Sie uns. Dann muss hier niemand zu Schaden kommen.“

„Was habe ich davon? Sie müssen mir auch was geben. Ich habe die Informationen nicht geklaut. Sie sind mir ohne meinen Wunsch gegeben worden. Da kann ich nichts dafür. Ich lebe davon, solche Storys zu veröffentlichen. Ich will also auch was bekommen!“ Jack überlegte. Sie hatten nicht mehr so viel Zeit. Der Concierge würde bald wieder wach werden und dann würde er Alarm schlagen. Charlie würde sie sicherlich am liebsten der Polizei zum Fraß vorwerfen, aber sie könnte wichtige Informationen haben. Die wollte er haben. „Ich machen Ihnen einen Vorschlag: Sie kommen mit uns mit. Wir besprechen alles in Ruhe und wenn Ihre Informationen etwas wert sind und uns weiterbringen, dann können Sie mir Fragen stellen, die ich, soweit möglich, beantworten werde. Deal?“

„Woher soll ich wissen, dass Sie relevante Informationen haben, die mich interessieren würden?“

„Ich weiß, dass Sie bei dem Kapitän der Fregatte zu Hause waren und mit seiner Frau gesprochen haben. Sie haben sehr trickreich die Gelegenheit genutzt, das Handy vom Käpten zu durchsuchen und haben etwas gefunden. Das hätten Sie nie sehen dürfen. Allein damit könnten wir Sie hinter Gittern bringen und ich hätte nicht wenig Lust dazu. Es war beschämend von Ihnen, die Situation der Familie auszunutzen und so an Daten zu kommen. Ich kenne den Kapitän und er hat mir erzählt, wie Sie seine Frau übers Ohr gehauen haben. Aber ich werde darüber hinwegsehen, wenn Sie ab jetzt mit uns zusammenarbeiten. Wenn das klappt und wir weiterkommen und dabei Informationen über die Hintermänner bekommen, die dieses Attentat und die anderen Gräueltaten befohlen haben. Meinen Namen haben Sie in diesem Zusammenhang schon gehört. Ich bin Jack Frost! Und Sie haben noch 10 Sekunden, um sich zu entscheiden.“ Jack war nicht mehr bereit, noch weiter nachsichtig zu sein, das war die letzte Chance. Danach war sie verloren. Kathrin Jacobs machte große Augen, als sie Jacks Namen hörte. Sie hatte den Namen schon gehört und wusste, dass er ein Deckname war. Der Name tauchte in der ganzen Geschichte öfter auf. „Ok, ich mache mit. Sie haben gewonnen. Das mit der Frau von Kapitän LaSalle war nicht korrekt gewesen, das gebe ich zu. Aber wie geht es jetzt weiter?“ Jack und Charlie schauten auf ihre Uhren. Charlie machte ein paar Berechnungen: „Tja, da Sie ja unbedingt so lange diskutieren mussten, haben wir kaum noch Zeit, hier unbemerkt rauszukommen. Wir gehen jetzt sofort. Nehmen Sie Ihre Unterlagen und was sonst noch gebraucht wird und los geht’s.“

„Wir nehmen den Aufzug der weiter von dem Tresen in der Lobby entfernt ist. Der liegt näher zum Ausgang. Charlie, geh vor und lass das Auto vorfahren. Ich helfe hier kurz beim Packen und wir kommen in zwei Minuten nach.“

„Ok, zwei Minuten. Aber nicht mehr. Bis gleich!“ Sie ging zur Tür und lief schnell den Gang zum anderen Fahrstuhl hin. Nach ihrer Berechnung würde der schlafende Concierge in etwa 5 Minuten aufwachen und dann sicherlich Alarm schlagen. Oder man hatte ihn mittlerweile gefunden und vielleicht einen Arzt gerufen. Auf jeden Fall würde das nun eine knappe Kiste werden. Sie hatten zu viel Zeit zum Reden verbraucht. Sie hätten die Reporterin einfach betäuben und dann zu zweit mitnehmen sollen. Aber egal, jetzt war Timing angesagt. Als Erstes musste das Auto her.

Jack drängte die Reporterin zur Eile. Sie griff sich ihre Tasche und stopfte ihre Unterlagen und den Laptop hinein. „Ich brauche noch ein paar Sachen aus dem Bad, ohne die gehe ich nicht!“ Jack nickte und schaute genervt auf seine Uhr. Die zwei Minuten waren schon längst um. „Kommen Sie schon, wenn Sie was brauchen, besorgen wir das, wir müssen los.“ Es klapperte im Bad, aber sie war schon wieder zurück und hatte anscheinend alles, was sie brauchte. „Wir gehen jetzt schnell zum Fahrstuhl und unten in der Lobby verhalten Sie sich unauffällig. Keine Spielchen oder andere blöde Ideen. Ich will hier niemanden verletzen. Wenn Sie aber nicht mitmachen, dann muss ich das und wir haben ein Problem!“

„Schon gut, ich mach ja mit. Ich kann ja nichts dafür, dass ihr in Amerika zurzeit nicht erwünscht seid.“

„Ja, ist leider so. Los geht’s!“ Jack ging voran und Kathrin hielt sich dicht hinter ihm. Der Fahrstuhl brauchte etwas, bis er bei ihnen im 15. Stock war. Jack lauschte auf laute Geräusche oder Geschrei, aber im Moment schien alles ruhig. Der Fahrstuhl öffnete sich und sie stiegen ein. „Ich habe von Ihnen gehört. Der Name Jack Frost taucht ein paar Mal auf!“

„Natürlich haben Sie meinen Namen gehört oder besser gelesen. Sie haben ja den Bericht von Major Carter vom Handy des Käptens gestohlen. Dieser Bericht war eigentlich nur für mich gedacht. Ich hatte keine Ahnung, dass Liv ihn auch an den Käpten geschickt hatte.“

„Waren Sie mit Major Carter befreundet oder gar zusammen?“ Jack schaute sie böse an und sagte: „Darüber will ich mit Ihnen nicht sprechen. Das geht Sie nichts an!“

„Ok, das verstehe ich. Aber dann waren Sie der Mann, den man auf dem Video vom Anschlag am Pier mit dem Blumenstrauß sieht. Sie waren vor Ort. Sie haben auch die Verfolgung aufgenommen. Ich habe mit dem Soldaten gesprochen, der damals das Boot gesteuert hat und verwundet worden ist.“ Jack war sauer. Diese ganzen Informationen dürfte sie nicht haben. „Wir werden eine Menge zu bereden haben, Miss Jacobs. Sie wissen zu viel, als dass Sie das alleine durch Recherche erfahren haben könnten.“ Der Fahrstuhl kam in der Lobby an und die Türen gingen auf.

Jack machte einen Schritt aus der Kabine und stand fast sofort dem jungen Concierge gegenüber, der offensichtlich wieder wach war. Er stand mit zwei Wachleuten etwa zwei Meter vom Fahrstuhl entfernt und zeigte erschrocken auf Jack. „Das ist einer von denen, die mich bedroht und vergiftet haben!“, schrie er. Jack fluchte innerlich, jetzt wurde es wieder unschön. Er griff sofort nach seinem Teleskopschlagstock und ließ ihn in seiner linken Hand ausfahren. Seine rechte Hand griff zum Taser und zog ihn mit einer flüssigen Bewegung nach oben. Er zielte nur halbherzig auf den rechten Wachmann und drückte ab. Aus der Entfernung war ein Fehlschuss unmöglich. Der Wachmann fiel augenblicklich in sich zusammen. Der zweite hatte sich davon beeindrucken lassen und wusste nicht, wie er reagieren sollte. Jack nahm ihm das ab und schlug mit dem Schlagstock auf seinen rechten Arm, dessen Hand gerade zur Waffe griff. Durch den Schock wurden die Muskeln im Arm verkrampft und die Hand konnte die Waffe nicht greifen. Jack tat es leid, dem Wachmann das anzutun, aber er hatte keine Wahl. Ein kräftiger rechter Haken an das Kinn des Wachmanns schickte auch ihn ins Reich der Träume. Jack griff sich den Concierge und packte ihn an seinem Kragen: „Du hättest dich auch einfach zurückhalten können, so wie wir es gesagt hatten!“ Er holte mit der rechten Hand aus seiner Tasche eine kleine Gaskartusche und sprühte dem Concierge eine kleine Dosis unter seine Nase. Es war kein Reizgas, sondern wieder das schnell wirkende Betäubungsgas, was einen Angreifer sehr schnell ausknockte. Für mindestens eine Minute war derjenige weg vom Fenster. Er klappte sofort zusammen und Jack schubste Kathrin bis zum Ausgang vor sich her. Draußen wartete tatsächlich schon Charlie mit dem Wagen. Der bestochene Valet hatte den Wagen tatsächlich in Rekordzeit geholt und stand zufrieden in der Nähe und hielt noch den zweiten Fünfziger in der Hand. Jack verfrachtete die Reporterin auf den Rücksitz und stieg vorne ein. Charlie fuhr scharf an und weg waren sie. Charlie grinste ihn an und lachte laut: „Na das war doch was? Keine Toten?“ Jack schaute sie etwas erschöpft an: „Nein, keine Toten. Aber es sind viele Aggressionsfolgen aufgetreten und der Concierge musste noch eine Runde mehr schlafen, weil er unartig war!“ Charlie lachte wieder und Jack versuchte, erstmal wieder runterzukommen. Sie brauchten jetzt erstmal ein ruhiges Versteck, wo sie in Ruhe mit der Reporterin reden konnten. Er hoffte, dass es sich gelohnt hatte, so viel Aufregung zu erzeugen.

Bennett Ranch, Montana

John schaute sich die Nachrichten an und konnte es fast nicht glauben, was er dort sah. Einige Politiker gaben Statements und forderten alles Mögliche. Gerade war Senator Cracken aus Texas dran, seine Meinung zu sagen. Er forderte den Präsidenten auf, den Kongress anzuweisen, die Wahl zu verschieben. Er war auch einer der Antragsteller auf Verschiebung der Wahl gewesen.

Selbst hier in Montana hatten kleine Auseinandersetzungen mit der Polizei stattgefunden. Es sah so aus. als wenn die Polizei die Straßen langsam wieder unter Kontrolle hatte und es wieder sicher war, in die Stadt zu gehen. Aber in den großen Städten war immer noch Bürgerkrieg oder zumindest wurde das von einigen Medien so genannt. Hauptsächlich waren es kleine Gruppen von stark bewaffneten Männern, die offensichtlich Teil des Kultes waren, der sich um den Präsidenten herum gebildet hatte.

Vom Weißen Haus kamen nur Statements, dass nichts von den Meldungen wahr sei und alle Gegner und die Demokraten schuld wären. Die Pressekonferenzen waren nur noch Fassade und kein kritischer Reporter war mehr zugelassen. Das Weiße Haus war mit Hunderten von Nationalgardisten umstellt und vom Secret Service vollständig abgeriegelt. Man hätte schon Panzer gebraucht, um da durchzukommen. Auch der Kongress war gesichert. Mittlerweile war Washington voll mit Soldaten und anderen Sicherheitskräften. John war froh, hier auf der Ranch zu sein. Wenn er noch für die NASA arbeiten würde, dann wäre er mitten in dem Chaos. Sarah versuchte derweilen, Cartwright zu erreichen, aber sie wurde von der Zentrale nicht durchgestellt.

Sie mussten also warten bis ihr ehemaliger Boss sich selbst meldete. „Was sollen wir nun machen? Wir sind sicher schon auf dem Schirm der Verdächtigen!“ John war frustriert. Das ganze Jahr hatten sie sich nicht von hier fortbewegt, die Ranch nur verlassen, wenn sie in der Stadt etwas zu erledigen hatten. Er hatte zwar mit Rick geredet, aber nur online. Sie hatten sich nun seit einem Jahr nicht mehr getroffen. Daher war dies für ihn eine Katastrophe. Es könnte sein, dass die Polizei oder gleich das FBI hierher unterwegs war und sie verhaftete. Er dachte daran, sich wieder in der Jagdhütte zu verstecken, aber Sarah würde das sicherlich nicht wollen. „Meinst du, wir sollten uns verdrücken, bevor wir vielleicht verhaftet werden?“ Er schaute Sarah an.

„Keine Ahnung, ob das Sinn macht. Cartwright hatte gesagt, wir sollen erstmal hierbleiben und warten, bis er sich meldet. Außerdem habe ich keine Lust, auf der Flucht zu sein. Wir haben nichts getan. Wie sollten wir denn auch so ein Riesending durchziehen? Im ganzen Land? Da hätten wir zwei entweder ein paar hundert Helfer haben müssen oder ein paar Jahre Zeit!“

„Du hast recht! Das ist viel zu groß, als dass wir etwas damit zu tun hätten. Verdammt, ich glaube, mein Gehirn ist eingerostet. Ein Jahr lang reiten hat da wohl etwas weichgeklopft!“ John schlug sich vorsichtig mit der Hand an den Kopf. „Aber lass uns überlegen, wer das war! Wer hätte die Ressourcen dafür?“

„Da fällt mir nur ein, dass es entweder eine Organisation mit viel Geld und sehr guten Kontakten zum Geheimdienst ist oder halt von außen kommt. Da bleibt eigentlich nur eine oder vielleicht zwei Optionen.“ Sarah schaute auf den Bildschirm. John nickte: „Du meinst Russland oder China!“ Sarah nickte ebenfalls und zeigte auf den Fernseher. Der Sender hatte auf die Presseversammlung im Weißen Haus umgeschaltet und es lief eine Meldung über den unteren Bildschirmrand. Es ging um eine wichtige Meldung bezüglich der morgigen Wahl. Sarah stellte den Ton lauter.

„...r unterbrechen unser Programm für eine Sondersendung, live aus dem Presseraum des Weißen Hauses. In wenigen Augenblicken soll eine wichtige Mitteilung zur Wahl am morgigen Tag erfolgen!“ Die Szene änderte sich. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses trat an das Mikrofon und bat um Ruhe: „Ich verlese nun eine Ankündigung der Regierung. Sie betrifft den Wahltag. Wie Sie alle wissen, steht unser Land unter dem Angriff von antiamerikanischen Kräften und sozialistischen Feinden, die unsere Heimat in eine woke Diktatur verwandeln wollen. Der Präsident kämpft seit Stunden bereits dagegen an und ist über alles informiert und gibt sehr gute Befehle an alle Kräfte, die noch auf unserer Seite stehen. Nur dank seiner entschlossenen Art und erstaunlichen Intelligenz ist es ihm möglich, hervorragende Entscheidungen zu treffen Der Kongress hat nun in einer dringenden Sondersitzung beschlossen, die morgige Wahl zu verschieben. Der neue Termin wird bekannt gegeben, wenn es mit den Angriffen auf unser Land vorbei ist. Es werden zurzeit unsere im Ausland stationierten Soldaten nach Hause beordert, um hier mitzuhelfen, das Land zu verteidigen. Der Präsident hat vor 10 Minuten das entsprechende Dekret unterschrieben. Es werden keine Fragen beantwortet. Gott schütze unseren Präsidenten!“ Das Bild sprang wieder zurück in das Fernsehstudio. „Geehrte Zuschauer, das sind erstaunliche Ankündigungen. Dieser Vorgang ist einmalig in der Geschichte der USA. Wir werden Sie mit der Meinung von Experten informieren. Bleiben Sie bereit für weitere News in 20 Minuten.“ Sarah machte den Ton wieder leiser. Sie hatte beim Studium auch ein Semester Verfassungsrecht studiert und fragte sich, ob das überhaupt verfassungsgemäß war. „Dürfen die das überhaupt?“, fragte John. „Das kann doch nicht legal sein.“

„Ich muss ehrlich sagen, dass ich da überfragt bin. Sie haben es gemacht und die Wahl morgen, fällt aus.“

„Aber eigentlich doch richtig, wenn einige nicht zur Wahl gehen können, oder?“

„Auf den ersten Blick ja, aber mich stört, dass keiner der aktuellen Kandidaten etwas dazu sagt. Normalerweise müssten die jetzt vor den Kameras stehen und ihre Meinung äußern. Wo sind die?“

„Der Vizepräsident ist sicherlich im Weißen Haus und der andere vielleicht in seinem Bundesstaat?“ John zuckte mit den Achseln. Sarah schaute ihn auch nur ratlos an: „Ja, aber man sieht sie nicht!“ Die Nachrichten überschlugen sich weiter und niemand hatte eine gute Antwort, ob das Vorgehen der Regierung nun richtig oder falsch war. Die Lage in den meisten Städten wurde langsam besser, aber es wurden vermehrt Berichte verbreitet über Anschläge auf Wahllokale. Es waren in der Regel Brandanschläge, die begleitet wurden von Einbrüchen und dem Entwenden der bereitstehenden Wahlurnen. In Florida wurden etliche Wahlmaschinen zerstört oder auch gestohlen. Die Armee wurde beauftragt, die Wahllokale zu beschützen, aber sie waren nicht in der Lage, rechtzeitig alle zu sichern. Sarah hörte das Telefon klingeln und ging ran. Cartwright war dran und sie stellte auf Mithören, so dass John alles mitbekommen konnte: „Mitchell, haben Sie sich die Nachrichten angesehen?“

„Ja, Sir. Es ist unbegreiflich, wie das möglich ist. Sind wir im Verdacht? John hört mit!“