Skulduggery Pleasant (Band 4) - Sabotage im Sanktuarium - Derek Landy - E-Book

Skulduggery Pleasant (Band 4) - Sabotage im Sanktuarium E-Book

Derek Landy

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Beschreibung

Seit der großen Schlacht ist Skulduggery in der Welt der Gesichtslosen verschwunden. Nur ein Wunder kann ihn jetzt noch retten – oder Walküre: Sie muss ganz schnell seinen Kopf finden, der ihm einst von drei Kobolden in Irland gestohlen wurde. Während Walküre um die halbe Welt reist, wird der Magier Skarabäus nach 200 Jahren Gefängnis entlassen. Zwar hat er seine Zauberkräfte eingebüßt, doch seine Rachelust ist ungebrochen. Sofort schart er einen Kreis der schlimmsten Übeltäter um sich, unter ihnen auch Remus Crux, der die Seiten gewechselt hat. Sie alle können Skulduggerys Rückkehr kaum erwarten – denn jeder Einzelne von ihnen hat noch eine Rechnung mit ihm offen ... Mehr Infos rund ums Buch unter: www.skulduggery-pleasant.de Spiegel- Bestseller-Autor Derek Landy mit einem weiteren actiongeladenen Fantasy-Abenteuer über den coolen Skelett-Detektiv Skulduggery Pleasant. Spaß und Spannung garantiert.

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Seitenzahl: 410

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Dieses Buch ist Laura gewidmet.

Ich werde an dieser Stelle keine Witze machen, da du offenbar der einzige Mensch auf der ganzen Welt bist, der mich nicht einmal im Ansatz komisch findet.

Ich bin ZUM BRÜLLEN. Da kannst du jeden fragen. Frag deine Schwester. Sie könnte BRÜLLEN, wenn sie mich sieht. (Stimmt doch, Katie, oder …?)

Und obwohl du dich weigerst, mein geniales komödiantisches Talent anzuerkennen, und öffentlich nicht zugeben willst, wie beeindruckt du von allem bist, was ich tue, wird dir trotzdem ein Buch gewidmet – weil Skulduggery ohne dich seine Walküre nicht hätte.

Du bist meine beste Freundin und meine Muse und dir schulde ich eine ganze Menge.

SKARABÄUS

Seit Clement Skarabäus (kurz „Skarab“ genannt) in seine Zelle gesteckt worden war, hatte er an nichts anderes gedacht als an Mord. Er liebte Morde. Morde und lange Spaziergänge hatten zu seinen bevorzugten Hobbys gehört, als er jünger war. Für einen Mord würde er auch einen langen Weg auf sich nehmen, hatte er oft gesagt, und für einen schönen langen Spaziergang würde er jederzeit morden. Doch nach fast zweihundert Jahren in dieser kleinen Zelle hatte sein Interesse an Spaziergängen deutlich nachgelassen. Seine Mordlust dagegen war noch größer geworden.

Sie entließen ihn ein paar Tage eher aus dem Gefängnis und er trat als alter Mann hinaus unter die Sonne von Arizona. Sie hatten ihm seine Zauberkraft genommen und ohne seine Zauberkraft war sein Körper gealtert und hinfällig geworden. Doch sein Verstand war immer noch messerscharf. Die Jahre, und mochten es noch so viele sein, hatten es nicht geschafft, seinen Verstand zu trüben. Trotzdem gefiel ihm das Altsein nicht. Er zählte, wie lange er brauchte, um die Straße zu überqueren, und fand das Ergebnis niederschmetternd.

Zwei Stunden lang stand er dort an der Straße. Staub wirbelte auf und geriet ihm in die Augen. Er sah sich nach etwas zum Töten um, zügelte dann aber sein Verlangen. Der Eingang zu dem unterirdischen Gefängnis war gerade mal ein paar Schritte entfernt, er hätte hinüberspucken können. Jemanden umzubringen, solange die Wachen ihn noch beobachteten, war wahrscheinlich keine besonders gute Idee. Außerdem hatte Skarab seine Zauberkräfte noch nicht wiedererlangt; selbst wenn es in dieser Wüste etwas gegeben hätte, das es wert gewesen wäre, getötet zu werden, hätte er das womöglich gar nicht geschafft.

Hinter dem Hitzeflimmern tauchte etwas Dunkles auf, das sich als schwarze, klimatisierte Limousine entpuppte. Sie hielt und ein Mann stieg langsam aus. Es dauerte einen Augenblick, bis Skarab ihn erkannte.

„Warum zum Teufel hast du mich nicht längst rausgeholt?“, knurrte er. Seine Stimme deprimierte ihn. Außerhalb des Gefängnisses, unter freiem Himmel, klang selbst sein Knurren alt und schwach.

Der Mann zuckte mit den Schultern. „Ich hab, wenn ich ehrlich sein soll, halb und halb gehofft, dass du da drin stirbst. Bist du sicher, dass du noch am Leben bist? Du siehst ziemlich tot aus. Du riechst auch tot.“

„Ich bleibe lang genug am Leben, um zu tun, was getan werden muss.“

Der andere Mann nickte. „Ich hab mir schon gedacht, dass du dich rächen willst. Eachan Meritorius ist allerdings tot. Nefarian Serpine hat ihn umgebracht. Es wurden auch noch ’n paar andere umgebracht, während du weggesperrt warst.“

Skarabäus kniff die Augen zusammen. „Skulduggery Pleasant?“

„Gilt als vermisst. Vor zehn, kann auch schon elf Monate her sein, sind ’n paar Gesichtslose durch ihr komisches Portal gekommen. Man hat sie wieder zurückgedrängt, aber sie haben das Skelett mit reingezogen.“

„Nie bin ich dabei, wenn’s mal irgendwo lustig wird“, bemerkte Skarab humorlos.

„Seine Freunde suchen seither nach ihm. Wenn du mich fragst, ist er tot. Endgültig, dieses Mal. Aber vielleicht hast du ja auch Glück. Vielleicht finden sie ihn und bringen ihn zurück. Dann kannst du ihn umbringen.“

„Was ist mit Guild?“

Der Mann lächelte breit und ließ seine weißen Zähne sehen. „Er ist der neue Großmagier von Irland. Ein erstklassiges Opfer für dich.“

Skarabäus spürte ein Prickeln, ein leises Vibrieren in seinen Knochen, und sein Herz schlug schneller. Nach all der Zeit, die er eingesperrt war, kehrten nun endlich seine Zauberkräfte zurück. Er ließ sich die unbändige Freude darüber nicht anmerken und krächzte: „Nein, es geht nicht nur um ihn. Es geht um alle. Sie werden alle dafür bezahlen. Für das, was sie mir angetan haben, bringe ich ihre Welt zum Einsturz.“

„Du hast ’nen Plan, nehm ich an?“

„Ich mache das Sanktuarium platt.“

Der Mann nahm seine Sonnenbrille ab und putzte sie. „Kann man dir dabei behilflich sein?“

Skarab sah ihn skeptisch an. „Ich habe nichts, womit ich dich bezahlen könnte, und Rache wirft nichts ab.“

„Ich würd’s umsonst machen. Und ich kenne da ’n paar Leute, die vielleicht gern mitmachen würden. Wir haben in Irland alle noch eine Rechnung offen.“ Billy-Ray Sanguin setzte seine Sonnenbrille wieder auf; sie verdeckte die schwarzen Löcher, in denen einmal seine Augen gewesen waren. „Ich denke da speziell an ’ne kleine Lady.“

ÜBERFALL IM EIGENEN ZIMMER

Sie vermisste ihn.

Sie vermisste seine Stimme und seinen Humor und seine warme Arroganz und diese Momente in seiner Gesellschaft, in denen sie spürte, dass sie ganz lebendig war – endlich lebte an der Seite eines toten Mannes.

Elf Monate war er schon verschwunden und fast ein Jahr lang suchte Walküre nun bereits nach seinem ursprünglichen Schädel, um damit das Portal noch einmal zu öffnen und ihn zurückzuholen. Sie schlief, wenn sie musste, und aß, wenn es nötig war. Sie ließ sich von der Suche aufzehren. Die Zeit, die sie mit ihren Eltern verbrachte, wurde immer weniger. Sie war in Deutschland gewesen, in Frankreich und Russland. Sie hatte vermoderte Türen eingetreten und war durch dunkle Gassen gelaufen. Sie war den Spuren gefolgt, so wie er es ihr beigebracht hatte, und jetzt stand sie kurz vor dem Ziel.

Skulduggery hatte ihr einmal erzählt, dass der Kopf, den er auf seinen Schultern trug, nicht sein richtiger Kopf sei – dass er ihn beim Pokern gewonnen hätte. Er behauptete, sein richtiger Kopf sei ihm gestohlen worden, während er schlief, und zwar von irgendwelchen kleinen Kobolden, die in der Nacht damit abgehauen wären. Damals hatte er sich nicht weiter darüber ausgelassen, doch später hatte er Details nachgereicht.

Vor zwanzig Jahren war in Irland eine kleine Kirche irgendwo auf dem Land von einem Poltergeist heimgesucht worden. Zumindest dachte man das. Der aggressive Geist richtete schlimme Schäden an, tyrannisierte die Einheimischen und vertrieb die Polizei, wenn sie kam, um Untersuchungen anzustellen. Skulduggery wurde von einem alten Freund zu Hilfe gerufen.

Den Schal um den Hals gewickelt und den Hut tief ins Gesicht gezogen, fand er als Erstes heraus, dass der Schuldige kein Poltergeist war. Als Zweites stellte er fest, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine Koboldart handelte und dass vermutlich mehr als einer zugange war. Seine dritte Entdeckung war, dass die Kirche, so klein und bescheiden sie auch aussah, ein Kreuz aus massivem Gold beherbergte, das hinter dem Altar stand. Und wenn Kobolde etwas ganz besonders liebten, dann war es Gold.

„Von den Dingen, die Kobolde ganz besonders lieben“, hatte Skulduggery gesagt, „steht das Verspeisen kleiner Kinder an erster Stelle, aber gleich danach kommt Gold.“

Die Kobolde versuchten, die Leute abzuschrecken und möglichst lange von der Kirche fernzuhalten, damit sie Zeit hatten, das Kreuz aus seinem Sockel zu brechen und sich damit aus dem Staub zu machen. Skulduggery schlug sein Lager auf und wartete. Damit die Zeit schneller verging, versetzte er sich in einen meditativen Trancezustand, aus dem er aufschreckte, wann immer sich jemand der Kirche näherte.

In der ersten Nacht, in der die Kobolde kamen, sprang er auf, brüllte und warf mit Feuerbällen um sich und jagte ihnen einen Mordsschreck ein. In der zweiten Nacht schlichen sie sich an und flüsterten nur noch miteinander, um sich Mut zu machen. Er tauchte hinter ihnen auf, beschimpfte sie lautstark und sie rannten erneut davon und heulten vor Angst. Doch in der dritten Nacht überraschten sie ihn. Statt sich an die Kirche heranzuschleichen, schlichen sie sich an ihn heran und schnappten sich seinen Kopf, während er in tiefer Meditation versunken war. Bis er dahinterkam, was passiert war, waren sie von der Bildfläche verschwunden, und Skulduggery hatte nichts mehr, worauf er seinen Hut setzen konnte.

Skulduggerys Nachforschungen, nun mit einem Kopf, der nicht sein eigener war, hatten ergeben, dass die Kobolde später an einen Zauberer namens Larks geraten waren, der ihnen ihre paar Habseligkeiten abgeknöpft und sie weiterverkauft hatte. An diesem Punkt endeten die Ermittlungen, da andere Ereignisse Skulduggerys Aufmerksamkeit erforderten. Er hatte es nie geschafft weiterzuforschen, und so lag es jetzt an Walküre, die Suche zu Ende zu bringen.

Den Schädel, so viel wusste sie, hatte eine Frau als Überraschung und einigermaßen ungewöhnliches Hochzeitsgeschenk für den Mann gekauft, den sie heiraten wollte. Später hatte die Frau den Schädel als Schlagwaffe benutzt und diesem Mann damit ein blutiges und schnelles Ende beschert, nachdem sie ihn dabei erwischt hatte, wie er sie beklaute. Die Aufklärung des Mordfalls hatten „sterbliche“ Kriminalbeamte übernommen – Walküre hasste diesen Ausdruck – und der Schädel war als Beweisstück registriert worden. Nachdem er es als „Mordschädel“ zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hatte, war er auf den Schwarzmarkt gelangt und hatte viermal seinen Besitzer gewechselt, bevor ein Zauberer namens Umbra Spuren von Magie darin entdeckte. Umbra erwarb ihn und nach einem Jahr gelangte er in den Besitz von Thames Chabon, einem notorischen Schlitzohr, skrupellosen Abzocker und zwielichtigen Allround-Schuft. Soviel man wusste, hatte Chabon den Schädel immer noch. Allein mit ihm Kontakt aufzunehmen war ungeheuer schwierig gewesen und Walküre hatte sich zu reichlich unorthodoxen Methoden gezwungen gesehen.

Die unorthodoxen Methoden standen nun am Rand der stillen Straße, die Hände in den Taschen vergraben. Ihr Name war Caelan. Caelan war vielleicht neunzehn oder zwanzig Jahre alt gewesen, als er starb. Er war groß, schwarzhaarig und seine Wangenknochen bildeten schmale Grate unter seiner Haut. Er beobachtete Walküre, als sie näher kam, und sah dann rasch weg. Bald fing es an zu dämmern. Wahrscheinlich bekam er Hunger. Vampire hatten das so an sich.

„Konntest du was arrangieren?“, fragte sie ihn.

„Chabon will sich um zehn mit dir treffen“, murmelte er. „Morgen früh. Hotel Bailey, in einer Seitenstraße der Grafton Street.“

„Okay.“

„Sieh zu, dass du pünktlich bist – er wartet nicht.“

„Und du bist sicher, dass es Skulduggerys Kopf ist?“

„Zumindest behauptet Chabon es. Er kann sich allerdings nicht denken, warum er dir so wichtig ist.“

Walküre nickte, sagte aber nichts dazu. Sie erzählte ihm nichts vom Isthmus-Anker, einem Gegenstand, der einer Wirklichkeit angehört, sich aber in einer anderen befindet. Sie erzählte ihm nicht, dass die Portale zwischen diesen beiden Wirklichkeiten deshalb durchlässig blieben, und auch nicht, dass alles, was sie brauchte, um ein Portal in Skulduggerys Nähe zu öffnen, sein ursprünglicher Kopf und ein hilfsbereiter Teleporter waren. Den hilfsbereiten Teleporter hatte sie. Jetzt brauchte sie nur noch den Schädel.

Caelan betrachtete die untergehende Sonne. „Ich geh dann mal besser. Es wird spät.“

„Warum tust du das?“, fragte Walküre unvermittelt. „Ich bin es nicht gewohnt, dass Leute mir einfach so helfen.“

Caelan sah sie nicht an. „Vor einiger Zeit habt ihr einen Mann namens Dusk ins Gefängnis gebracht. Ich mag diesen Mann nicht.“

„Ich mag ihn auch nicht besonders.“

„Wie ich gehört habe, hast du ihn fürs Leben gezeichnet.“

„Das hat er sich selbst zuzuschreiben.“

„Oh ja, garantiert.“

Er zögerte kurz und entfernte sich dann. Seine Bewegungen erinnerten sie an die furchterregende Eleganz einer Raubkatze.

Nachdem er verschwunden war, kam Tanith Low aus der Gasse auf der anderen Straßenseite. Ihr Schwert war in ihrem langen braunen Ledermantel verborgen.

Tanith brachte Walküre nach Hause. Walküre stellte sich unter ihr Zimmerfenster, hob rasch die seitlich ausgestreckten Arme, drückte die kalte Luft dann nach unten und ließ sich von ihr zum Fenstersims hinaufheben. Sie klopfte an die Scheibe und ein kleines Licht wurde angeknipst. Das Fenster ging auf und ihr eigenes Gesicht – dunkle Augen, dunkles Haar – sah sie an.

„Ich dachte, du kommst heute Abend nicht nach Hause“, sagte ihr Spiegelbild.

Walküre kletterte ohne eine Antwort ins Zimmer. Ihr Spiegelbild beobachtete sie genau, während sie das Fenster schloss und ihren Mantel auszog. Im Zimmer war es so kalt wie draußen und Walküre fröstelte. Ihr Spiegelbild tat dasselbe und ahmte damit die Reaktion der Menschen auf eine Empfindung nach, die ihm ganz und gar fremd war.

„Wir hatten Lasagne zum Abendessen“, erzählte es. „Dad hat versucht, an Karten für die All-Ireland Championchip am Sonntag zu kommen, bisher aber noch ohne Erfolg.“

Walküre war müde, deshalb wies sie nur wortlos auf den Spiegel in der Tür ihres Kleiderschranks. Das Spiegelbild, das keine Gefühle hatte, die verletzt werden könnten, trat in den Spiegel, drehte sich dann um und wartete. Walküre berührte den Spiegel und die Erinnerungen des Spiegelbilds flogen in ihren Kopf und nisteten sich dort neben ihren eigenen ein. Als sie den Schrank schloss, wurde ihr bewusst, dass sie seit acht Tagen nicht mehr zu Hause gewesen war. Plötzlich sehnte sie sich nach ihren Eltern; sie nur durch die Augen eines gefühllosen Ersatzes zu sehen, genügte ihr nicht mehr. Doch ihre Eltern schliefen am anderen Ende des Flurs und Walküre wusste, dass sie sich bis zum Morgen gedulden musste.

Sie zog einen schwarzen Ring von ihrem Finger und legte ihn aufs Nachtschränkchen. Grässlich, Tanith und China mochten den Ring nicht – er war schließlich das Werkzeug eines Totenbeschwörers. Doch Walküre hatte in den vergangenen elf Monaten zusätzliche Kräfte gebraucht und ihr angeborenes Talent zur Totenbeschwörerin hatte sie mit genau den magischen Fähigkeiten ausgestattet, die sie sich gewünscht hatte.

Sie schlüpfte aus ihrer Kleidung und ließ das ärmellose Oberteil und die Hose auf ihre Stiefel fallen, die auf dem Boden standen. Kleider von Grässlich Schneider knitterten nicht, wofür sie insgeheim dankbar war. Walküre streifte ihre Shorts und das neue Fußballtrikot der Dubliner Mannschaft über, das sie von ihrem Dad zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, und legte sich ins Bett. Sie streckte den Arm aus, löschte das Licht und zog den Arm dann rasch wieder unter die Decke.

Morgen, dachte sie. Morgen würden sie den Schädel in Händen halten und morgen würden sie das Portal damit öffnen. Wo immer Skulduggery war, das Portal würde sich ganz in der Nähe öffnen. Walküre überlegte, was sie tun würde, wenn sie ihn wiedersah. Sie stellte sich vor, wie sie zu ihm lief und ihn umarmte, das Knochengestell unter seinen Kleidern spürte, die ihm Masse gaben, und sie versuchte, sich auszudenken, welches wohl seine ersten Worte sein würden. Irgendeine trockene Bemerkung würde es sein, das wusste sie. Ein Understatement, irgendetwas Komisches. Wahrscheinlich eine Angeberei.

Als Walküre auf ihren Wecker sah, stellte sie fest, dass sie schon über eine Stunde im Bett lag. Sie seufzte, drehte ihr Kissen um, sodass die kalte Seite oben war, rollte sich herum und verbannte alle Gedanken an den morgigen Tag aus ihrem Kopf, und irgendwann kam der ersehnte Schlaf.

Es war allerdings ein unruhiger Schlaf, kein erholsamer, und mitten in der Nacht wachte sie auf und jemand stand an ihrem Bett. Ihr blieb fast das Herz stehen, doch selbst in ihrem Schock ging sie eine Liste von Möglichkeiten durch – Mum, Dad, Tanith –, bis der Mann seine kalten Hände um ihren Hals legte.

Walküre wand sich, versuchte, nach ihm zu treten, doch die Bettdecke hatte sich um ihre Beine gewickelt. Mit aller Kraft kämpfte sie gegen seinen eisernen Griff, aber der Angreifer war viel zu kräftig. Seine Finger drückten auf ihren Kehlkopf und das Blut pulsierte in ihren Schläfen. Gleich würde sie ohnmächtig werden.

Die Bettdecke rutschte weg und sie versetzte ihm einen Tritt gegen den Oberschenkel. Sein Bein wurde nach hinten geschoben, doch er lockerte seinen Griff nicht. Sie stemmte beide Füße gegen seinen Bauch und versuchte, ihn wegzudrücken. Nichts geschah. Die dunkle Gestalt stand unbewegt über ihr. Sie würde sterben. Sie nahm eine Hand von seinem Handgelenk und drückte gegen die Luft, doch der Stoß war viel zu schwach.Verzweifelt tastete sie nach dem Ring der Totenbeschwörer, streckte den Finger hinein und augenblicklich spürte sie die Dunkelheit darin, kalt und schlangenartig. Sie machte eine Faust und stieß nach ihm. Geballte Dunkelheit traf ihn in die Brust. Plötzlich lagen die würgenden Hände nicht mehr um ihren Hals und er stolperte rückwärts. Walküre sprang aus dem Bett, drückte mit den Handflächen gegen die Luft und es riss den Mann von den Füßen. Er donnerte gegen die Wand und stürzte, wobei er ihren Schreibtisch umriss. Mit einem Fingerschnippen zauberte sie Feuer in ihre Hand und leuchtete das Zimmer aus.

Im ersten Augenblick erkannte sie ihn nicht. Die Kleider stimmten nicht – mehrere Schichten abgerissener, schmuddeliger Klamotten, verdreckte Stiefel und fingerlose Handschuhe. Sein Haar war länger und ungepflegt und sein Gesicht schmutzig. Sein Bart war es schließlich, der ihn verriet. Der Spitzbart, den Remus Crux trug, um sein fliehendes Kinn zu verbergen.

Sie hörte, wie ihr Vater nach ihr rief, und löschte das Feuer. Gleich würden ihre Eltern ins Zimmer stürmen. Sie schlang ein Schattenband um ihr Bett und zog es vor die Tür, damit sie sich nicht öffnen ließ.

„Stephanie!“, kreischte ihre Mutter auf dem Flur, als sich nach dem Herunterdrücken der Türklinke nichts weiter tat.

In dem Moment, in dem sich Walküre wieder Crux zuwandte, packte er sie und schleuderte sie gegen die Wand. Sie stieß sich davon ab und sprang in ihn hinein, wobei sie ihn mit dem Knie zurückdrängte. Sie sprang erneut, streckte beide Beine vor und trat ihm mit den Füßen in den Brustkorb. Er taumelte nach hinten, stolperte über ihre herumliegenden Kleider und stürzte. Sein Kopf schlug knirschend auf ihrem Nachttisch auf.

Ihre Eltern bemühten sich nach Kräften, die Tür einzutreten.

Walküres Wissen auf dem Gebiet der Elementemagie reichte nicht aus, um in einem abgeschlossenen Raum mit ihrem Gegner fertigzuwerden. Der Ring der Totenbeschwörer an ihrem Finger war kalt, als sie die Dunkelheit aufsog. Sie verdichtete sie zu einer Kugel und schleuderte sie dann weg. Walküre traf Crux an der Schulter und er machte einen Satz nach hinten. Sie wiederholte das Ganze, traf sein linkes Bein und es knickte unter ihm ein.

„Steph!“, brüllte ihr Vater. „Mach die Tür auf! Mach sofort die Tür auf!“

Crux war bei ihr, bevor sie noch einmal angreifen konnte. Mit einer Hand packte er ihr Handgelenk, wobei er darauf achtete, dass der Ring von ihm weg zeigte, und mit der anderen umklammerte er ihren Hals. Er drückte sie mit seinem ganzen Gewicht an die Wand, sodass sie keine ihrer Waffen einsetzen konnte. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, in denen sie den Wahnsinn sah.

Die Fensterscheibe zersprang und Scherben regneten auf sie herunter. Walküre rang nach Luft, als Crux von ihr fortgerissen wurde. Schatten wirbelten herum und tausend Pfeile aus Dunkelheit flogen auf ihn zu. Er duckte sich, konnte dem Pfeilhagel gerade noch ausweichen und sprang knurrend aus dem kaputten Fenster.

Solomon Kranz wandte sich ihr zu, um zu sehen, ob alles in Ordnung war mit ihr, während die Schatten sich um den Gehstock in seiner Hand wickelten.

Die Tür schlug gegen das Bett und es bewegte sich mit einem Ruck. Kranz sprang hinter Crux aus dem Fenster und Walküre schob das Bett zur Seite. Ihre Eltern stürmten ins Zimmer. Die Mutter schlang beide Arme um sie, während ihr Vater den Raum nach einem Einbrecher absuchte.

„Wo ist er?“, brüllte er.

Walküre sah ihn über die Schulter ihrer Mutter hinweg an. „Wo ist wer?“, fragte sie und sie brauchte kein großes Theater zu spielen, um völlig aufgewühlt zu klingen.

Ihr Vater wirbelte herum. „Wer war hier drin?“

„Niemand.“

Ihre Mum fasste sie an den Schultern und trat einen Schritt zurück, damit sie sie ansehen konnte. „Was ist passiert, Steph?“

Walküre ließ den Blick durchs Zimmer schweifen und entschied dann: „Eine Fledermaus.“

Ihr Vater blieb wie angenagelt stehen. „Was hast du gesagt?“

„Eine Fledermaus. Sie ist durchs Fenster geflogen.“

„Eine … Fledermaus? Es hat sich angehört, als sei jemand über dich hergefallen.“

„Moment“, sagte ihre Mutter, „wir haben erst nach all dem Krach gehört, wie die Fensterscheibe zersprungen ist.“

Mist.

Walküre nickte. „Sie war bereits hier drinnen. Ich glaube, sie saß dort in der Ecke. Sie muss schon vor ein paar Tagen hier reingeflogen sein, um – ich weiß auch nicht – zu überwintern oder so.“

„Stephanie“, bohrte ihr Vater nach, „das Zimmer hier gleicht einem Kriegsschauplatz.“

„Ich hab Panik bekommen. Es war eine Fledermaus, Dad. Eine große. Ich bin aufgewacht und sie ist im Zimmer herumgeflattert und ich bin in meinen Schreibtisch gekracht. Sie saß dann auf dem Boden und ich habe versucht, das Bett über sie zu schieben. Da ist sie durch das geschlossene Fenster rausgeflogen.“

Walküre konnte nur hoffen, dass ihren Eltern nicht auffiel, dass die ganzen Scherben im Zimmer lagen.

Ihr Vater ließ die Schultern sinken, als Erleichterung ihn durchströmte. „Und ich dachte, hier drinnen würde sich etwas ganz Furchtbares abspielen.“

Sie runzelte die Stirn. „Es hat sich etwas Furchtbares abgespielt. Sie hätte sich in meinen Haaren verfangen können.“

Noch ein paar Minuten musste sie die Besorgnis ihrer Eltern inklusive einer Untersuchung ihrer Fußsohlen, damit ausgeschlossen werden konnte, dass sie sich geschnitten hatte, erdulden. Dann half ihre Mutter, das Bett im Gästezimmer zu richten, und sagte endlich Gute Nacht.

Walküre wartete, bis sie sicher war, dass ihre Eltern wieder im Bett lagen, bevor sie aus dem Fenster kletterte. Sie ließ sich auf den Boden fallen, wobei sie die Luft nutzte, um ihren Fall zu bremsen. Ihre bloßen Füße berührten nasses Gras und sie schlang die Arme um sich; es war eisig kalt.

„Er ist weg“, sagte Kranz hinter ihr.

Sie drehte sich um. Kranz stand da, eine blasse Erscheinung und als solche durchaus gut aussehend, hochgewachsen und ganz in Schwarz gekleidet. Er war so groß wie Skulduggery und genauso ruhig, doch sie hatten auch noch andere Gemeinsamkeiten. Beide waren ausgezeichnete Lehrer. Skulduggery hatte sie in Elementemagie unterrichtet und Kranz brachte ihr Totenbeschwörung bei und beide behandelten sie als ebenbürtig. Das taten nicht alle Magier, die sie traf. Ein weiteres Talent, das Skulduggery mit Kranz gemein hatte, war, genau im richtigen Moment aufzutauchen, wofür Walküre ihm ganz besonders dankbar war.

„Was führt dich hierher?“, fragte sie. Sie dankte ihm nicht. Kranz hielt nichts von Dank.

Seine Augen strahlten, als er sie ansah. „Ich habe gehört, Remus Crux sei hier in der Gegend gesehen worden“, sagte er. „Da habe ich natürlich angenommen, dass er hinter dir her ist. Wie es aussieht, hatte ich recht.“

„Und warum hast du mir das nicht gesagt?“, fragte Walküre mit klappernden Zähnen.

„Ein Köder braucht nicht zu wissen, dass er einer ist. Crux hätte womöglich eine Falle gewittert und wäre sofort wieder untergetaucht.“

„Ich habe etwas gegen das Ködersein, Solomon. Er hätte sich auch meine Familie vornehmen können.“

„Er will deiner Familie nichts tun. Wir wissen nicht, warum er hinter dir her ist, aber wenigstens wissen wir, dass er es ist.“

Kranz machte keine Anstalten, ihr seinen Mantel anzubieten. Skulduggery hätte das inzwischen getan.

„Ich möchte nicht, dass das noch einmal vorkommt“, sagte sie. „In meiner Stadt haben diese Sachen nichts verloren. China Sorrows kann Symbole und Sigillen aufstellen, damit er Haggard nicht mehr betreten kann. Gleich morgen bitte ich sie darum.“

„Meinetwegen.“

„Das nächste Mal erwarte ich, dass du mir Bescheid sagst, bevor ich angegriffen werde, Solomon.“

Er lächelte. „Ich will es mir merken. Du kannst jetzt unbesorgt wieder ins Haus gehen. Ich passe auf bis morgen früh.“

Walküre nickte und stellte sich unter das Fenster zum Gästezimmer.

„Oh, und was ist mit dem Schädel?“, fragte er. „Stehst du kurz vor dem Durchbruch?“

„Wir treffen uns morgen mit dem Verkäufer.“

„Und du bist sicher, dass er auch den hat, nach dem du suchst? Es wäre nicht das erste Mal, dass man dich enttäuscht.“

„Diesmal muss er es sein.“

Kranz verabschiedete sich mit einer leichten Verbeugung, klopfte dann mit seinem Stock auf den Boden und versammelte die Schatten um sich. Bis sie sich zerstreut hatten, war auch er verschwunden. Es war ein Totenbeschwörer-Trick ähnlich der Teleportation, nur mit einer wesentlich geringeren Reichweite. Früher hatte sie sich davon beeindrucken lassen. Jetzt nicht mehr.

Sie hob mit Schwung die Arme und ein Windstoß trug sie an der Hauswand hinauf. Sie kletterte durchs Fenster, schloss es hinter sich und strich mit den Füßen über den Teppich, damit sie trocken wurden. Dann schlüpfte sie unter die Bettdecke und rollte sich zu einem zitternden Ball zusammen.

Viel Schlaf bekam sie nicht mehr.

DER PLAN

Am nächsten Morgen ging Walküre in ihr Zimmer zurück. Es war eiskalt dort. Der Fußboden war mit Scherben übersät und der Schreibtisch ein Wrack. Sie rief China Sorrows an und sagte ihr, was sie brauchte. Das letzte halbe Jahr über hatte China junge Zauberer in der Magiersprache unterrichtet, und sie versprach, ihre Schüler vorbeizuschicken, damit diese ein Warnsystem um die Stadt herum errichteten.

Walküre dankte ihr, legte auf und öffnete ihren Kleiderschrank. Sie berührte den Spiegel, ihr Spiegelbild stieg heraus und versteckte sich unter dem Bett, während Walküre ihre Schuluniform anzog und nach unten ging. Es war über eine Woche her, seit sie mit ihren Eltern das letzte Mal gefrühstückt hatte, und sie wollte ihr Beisammensein genießen. Außerdem hatte sie beschlossen, Skulduggery an diesem Tag zurückzuholen.

Ihre Eltern unterhielten sich angeregt über das kaputte Fenster – ihr Vater war zuversichtlich, dass er die neue Scheibe selbst einsetzen konnte, während ihre Mutter gewisse Zweifel hatte. Dann wechselte er das Thema. „Ich bin heute nur den halben Tag im Büro“, sagte er. „Danach treffe ich mich mit ein paar Kunden zu einem schnellen Neuner.“

Seine Frau sah ihn an. „Was ist ein schneller Neuner?“

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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