SOG DER UNENDLICHKEIT - Jens F. Simon - E-Book

SOG DER UNENDLICHKEIT E-Book

Jens F. Simon

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Beschreibung

Sigurds Geist befindet sich im Körper von Marvin. Mit ihm ist er 200 Jahre zurück in die Vergangenheit transferiert. Er ist 25 Jahre alt und befindet sich in der Gefangenschaft von Aliens. Es beginnt sein Überlebenskampf in einer Welt des Chaos, die vom Kampf zweier außerirdischen Machtgruppen zerrieben zu werden droht. Der Kontakt zu dem organischen Raumschiff ist gelungen. Paurusheya holt Alethea im Sternhaufen Omega Centauri ab. Alethea denkt noch immer, dass sie Sigurd im Erdsystem des Jahres 2269 wiederfindet. Es ist fast 1 Jahr vergangen, seit die beiden durch das Schwarze Loch gestürzt waren. Umso enttäuschter ist sie, als Sigurd nicht dort ist. Sigurd liegt im Jahre 2019 im Koma, während Alethea im Jahr 2269 nach ihm sucht. Sigurd tritt an die Stelle von Commander RReggchrah. Mit dem Mutterschiff KO und der gesamten Besatzung fliegt er zur Erde. Begleitet von den beiden Spezial Agent Lieutenant Colonel James Maxwell und Major Rooster Cogburn nimmt er den Kampf gegen den feindlichen, außerirdischen Aggressor auf. In der ehemaligen AREA 51 stößt Sigurd auf die fremden Aliens. In einer anderen, alternierenden Welt erwacht im honduranischen Regenwald, in der Region La Mosquitia das riesige Standbild des Affengottes zu neuem Leben. Die Figur besteht aus Ur-Xxiin. Niemand bemerkt, wie über die Figur, deren Korpus noch über eine Restmenge ‚Magische Energie‘ verfügt, das in Teneriffa unter dem Vulkan Teide-Pico Viejo vergrabene Schiff Paurusheya einen telepathisch-magischen Impuls erhält.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Jens F. Simon

Sonder-Edition

IM GRIFF ALTERNIERENDER WELTEN

SOG DER UNENDLICHKEIT

© 2026 Jens F. Simon

Sonder-Edition mit freundlicher Genehmigung des Autors

Illustration: S. Verlag JG

Fortsetzung von: VERSCHOLLEN IN DER ENDLOSIGKEIT DER STERNE

Verantwortlich für den Inhalt: S. Verlag JG ,Weilsteinstraße 3, 35767 Breitscheid

Alle Rechte vorbehalten

ISBN:978-3-96674-928-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig und wird sowohl strafrechtlich als auch zivilrechtlich verfolgt. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Leben bedeutet Abenteuer. Nur der Mutige findet seinen Weg zu den Sternen.  

Du kämpfst für ein Ziel. Du lebst dein Leben, denkst du jedenfalls. Die Wahrheit wirst du vielleicht niemals erfahren. Dein Bewusstsein erkennt nur die Welt, die sich ihm offenbaren will. Alles ist in Bewegung und der Kosmos lässt sich nicht durch ein kleines Bewusstsein beeinflussen. Lerne, staune und lebe. Sei offen, für jeder Veränderung, sie könnte dir undenkbar Neues offerieren.

Inhaltsverzeichnis:

 

Der Weltraum

Stadt der Tausend Sterne

Die Macht der Neensziss

Der Letzte seiner Art

Die Sicherungs-Autokratie

Menschen unerwünscht

Die Macht der Vergangenheit

Flucht zurück

Die Zeitkapsel

Vergangenheit mal 2

Der Große Krieg

Schmerzhafte Wahrheit

Aliens

Flucht in die Zukunft

Fehler vorprogrammiert

Das neue Erwachen

Die Venus-Katakomben

Sondereinheit ‚Alien Responsibility‘

Angriff auf GLEESITT

Flammende Venus

Aliens vs. Aliens

Die Dämonen von AREA 51

Intervention

Der wirkliche Feind

Der Saboteur

Verschlusssache GENXpl

SITT

Vor der Flucht ist nach der Flucht

Majennas Erinnerungen

Der Attentäter

Verbannung

Im Erdsystem des Jahres 2269

Ishtar City Planet Venus

Schwarze Löscher

Reinkarnation

Das Raumschiff Paurusheya

Der Affengott lebt

Cellas Vermächtnis

Paranormale Magie

Fremde

Takaarraths Entscheidung

Eine Seele, zwei Leben

Takaarrath

Commander RReggchrahs Ende

Der neue Commander der KO

Seitenwechsel

Machtwechsel

Kampfgebiet AREA 51

Schatten auf Erden

Die letzte Schlacht

Die 5. Kolonne

‚Raum der Dimensionen‘ mal 2

Nicht von dieser Welt

Raum-Zeit Verwirbelungen

Aliens der Apokalypse

Aufbruch nach GAR

Alternierende Wirklichkeit

Aletheas Ankunft

Das Xxiin Raumschiff

Die Suche beginnt

Verhärtete Seiten

Extraterrestrial Possibility

Extraterrestrial Alert

Unidentifiziertes Flugobjekt

Sigurds Tod

 

 

 

 

Der Weltraum

Die Gondel aus Sternenstaub schoss mit wachsender Geschwindigkeit durch den geöffneten Schacht.

Ich klammerte mich angstvoll an die Armlehnen meines Sessels und wusste nicht, wohin ich zuerst blicken sollte, auf den dreidimensionalen, rahmenlosen holografischen Bildschirm, der sich direkt vor mir befand oder durch die transparent gewordene Decke über mir.

Die dunkelgrauen Wände des Ausflugsschachtes flogen nur so an der Gondel vorbei, und bevor mir übel wurde, wandte ich mich dem Bildschirm zu.

Hier war von der rasanten Fahrt nichts zu merken. Er zeigte immer noch den Salzsee. Ich blickte etwas unsicher hinüber zu Takaarrath. Er saß vollkommen ruhig und entspannt in seinem Sessel.

Ich konnte nur annehmen, dass er dieses Weltraumboot einzig und alleine mit der Kraft seiner Gedanken steuerte. Jedenfalls gab es um ihn herum, außer dem holografischen Bildschirm, keine anderen, sichtbaren Steuerinstrumente.

Auf dem dreidimensionalen Holoschirm änderte sich plötzlich das Bild.

Ich konnte deutlich inmitten der riesigen Salzfläche den dunklen, rechteckigen Abgrund des offenen Ausflugsschachts erkennen, aus dem jetzt unser Raumboot geschossen kam.

Die Aufnahmen wurden aus großer Höhe gemacht, das bemerkte ich sofort. Woher sie aber wirklich kamen, wusste ich nicht.

Gab es vielleicht ein weiteres Raumboot über uns? Nein, das hätte mich Takaarrath bereits wissen lassen.

Bevor ich noch weiter ins Grübeln kommen konnte, wechselte die Ansicht erneut und jetzt zeigte der rahmenlose Holoschirm eine dichte Wolkenansammlung, die sich seitlich von uns wegbewegte. Ich hatte keine Zweifel, dass der Bildschirm jetzt unsere Flugrichtung anzeigte.

„Takaarrath, ich hoffe du weißt, was du tust!“

Ich hatte laut gesprochen, da ich nicht wusste, ob ich ihn telepathisch nicht gerade bei der gedanklichen Kommunikation mit der Gondel störte.

Das Wolkenband, das wir gerade durchflogen, löste sich übergangslos auf und der dunkle Weltraum lag direkt vor uns.

Obwohl, so dunkel war er überhaupt nicht. Milliarden Sterne blinkten uns entgegen, und zwar in allen nur denkbaren Größen, Farben und Formen. Ich konnte zunächst meinen Blick nicht mehr vom Bildschirm nehmen.

Von der Erdoberfläche hatte ich bisher nie solch eine Farbenpracht wahrnehmen können. Alles wirkte irgendwie fantastisch und überirdisch auf mich.

„Die Farben der Sterne, die du siehst, wurden natürlich von GELCKSITT entsprechend ihrer Bedeutung, Entfernung und Größe eingefärbt. Normalerweise ist das Licht eher weiß, wenn es sich dabei nicht gerade um Sternhaufen handelte, die aufgrund der Entfernung wie ein einzelner, leuchtender Stern erscheinen.“

Takaarrath laute, zischende Stimme riss mich aus meiner Konzentration.

„Ich glaube, es war keine gute Idee, den Planeten zu verlassen!“

Meine Bedenken wurden immer größer, je weiter wir uns von der Erde entfernten. Mir wurde mit einem Mal richtig unheimlich zumute.

„Das Ziel unseres Fluges ist der zweite Planet des Sonnensystems, richtig?“ Ich riss meinen Blick weg vom Bildschirm und schaute Takaarrath eingehend an.

„Richtig. Dort befindet sich die ‚Stadt der Tausend Sterne‘. So jedenfalls hat es GELCKSITT gesagt!“

„Sie hat aber auch gesagt, dass mit den vorhandenen Energiereserven lediglich noch ein einziger Weltraumflug möglich ist. Das macht mir Angst. Wie kommen wir wieder zurück?“

„Ich denke, die Frage lautet nicht, wie kommen wir wieder zurück, sondern vielmehr wollen wir überhaupt wieder zurück? Die Lebensbedingungen auf dem Planeten sind stark minimiert worden. Du selbst hast ständig von dem ‚Pfad zu den neuen Welten‘ gesprochen, den du unbedingt finden wolltest. Nun, jetzt befinden wir uns auf diesem Pfad.“

Ich starrte Takaarrath immer noch an und versuchte, das Gesagte geistig zu verarbeiten.

Irgendwie wusste ich, dass er recht hatte. Aber was war mit Majenna? Ich konnte sie doch nicht dort unten zwischen den Mutanten allein zurücklassen.

Wenn ich an sie dachte, dann überfiel mich nicht nur Gewissensbisse, sondern auch Wehmut und Heimweh.

Ich hatte sie zurückgelassen, das stimmte. Aber sie wollte es auch so. Ich schüttelte mich und versuchte meine Gedanken zu ordnen.

Noch waren wir erst am Anfang dieser Reise. Ich musste mich auf das Naheliegende konzentrieren.

„Die Raumgondel hat dich als ‚Großmeister der Gondel‘ bezeichnet. Das heißt, dass du dem Steuercomputer des Raumboots bekannt bist. Wieso? Wie ist das bloß möglich?“

Takaarraths Antwort kam in gedankenschnelle.

„Das kann ich dir jetzt noch nicht beantworten. Auch ich war erstaunt darüber, als ich so angesprochen wurde. Aber ich habe es nicht hinterfragt, um dem Computergehirn des Boots keinen Anlass zu geben, seinerseits misstrauisch zu werden. Ich weiß nicht, was dann geschehen wäre. Jedenfalls ist es ein Anhaltspunkt, an den ich anknüpfen kann, um über meine Identität weiter zu forschen. Für mich steht aber bereits jetzt schon fest, dass ich in meiner Vergangenheit mit der Hinterlassenschaft der Außerirdischen in sehr enger Beziehung gestanden haben muss.“

Dem konnte ich nicht widersprechen.

„Hier spricht die Sicherungs-Autokratie der Raumgondel GELCKSITT. Die durchgeführte Analyse der bisherigen Gespräche innerhalb der Raumgondel ergaben ein Wissensdefizit der organischen Einheiten. Es wird daher dringend empfohlen, eine Kongruenz der Sachkenntnisse wiederherzustellen!“

Ich war zunächst etwas irritiert.

„Das ist eine gute Idee. Marvin folge mir in die rückseitige Region. Stelle keine Fragen, es ist nur zu deinem Besten!“

Takaarrath hatte sich bereits von seinem Pilotensitz erhoben und ich folgte ihm wortlos durch das sich gerade öffnende Schott in den hinteren Bereich der Gondel.

Die Wissens-Oktroyierung dauerte noch nicht einmal eine halbe Stunde und ich war die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein.

„Bist du dir wirklich sicher, dass diese Maschine in nur so kurzer Zeit mein Wissen erweitert hat? Ich meine, ich spüre so gut wie Überhauptnichts. Außerdem frage ich mich schon die ganze Zeit, wieso du auf einmal so gut über diese Außerirdischen Bescheid weißt. Wieso gehorcht diese Raumgondel deinen gedanklichen Befehlen?“

Bevor Takaarrath mir antworten konnte, erblickte ich in meinem Geist das Bild eines Neensziss. Vollkommen überrascht holte ich tief Luft.

„Nein, das bin ich nicht. Aber es ist eine sehr gute Darstellung eines Neensziss Körpers.“

„Takaarrath was sagst du da? Natürlich bist du das, ähm, ich meine natürlich, dass du eindeutig dem außerirdischen Volk der Neensziss angehörst. Das sind schon keine Ähnlichkeiten mehr, das ist eine absolute Kopie, was ich da vor meinem geistigen Auge gerade sehe.“

Er hatte wieder einmal in meiner Gedankenwelt geschnüffelt, was letztlich nur möglich war, weil ich mich nicht stark genug abschirmte. Aber da die gesamte Kommunikation telepathisch ablief, war es mir momentan sowieso egal.

„Jetzt ist mir auch so einiges klar. Du bist nicht auf der Erde geboren und schon gar nicht bist du ein Mutant, auch wenn gewisse Ähnlichkeiten zu anderen mutierten Menschenabkömmlingen wohl bestehen mögen. Was verschweigst du mir noch alles?“

Takaarrath hatte sich die ganze Zeit über wieder im vorderen Bereich des kleinen Raumbootes aufgehalten. Diese räumliche Entfernung tat unserer telepathisch geführten Unterhaltung keinen Abbruch.

Jetzt stand er im offenen Kabinenschott zum hinteren Teil, wo ich mich gerade aus dem helmartigen Interface des ZIVA befreite.

„Ich wusste auch bis eben nicht wirklich, dass ich diesem Volk angehöre. Du besitzt im Moment mehr Wissen über diese Dinge als ich.“

Er starrte mich mit seinen riesigen Glupschaugen vollkommen gefühlslos an.

„Ich besaß tatsächlich von vornherein eine starke Affinität zu dem Kuppelbau und ebenfalls zu diesem Raumboot. Rein intuitiv konnte ich im richtigen Moment das Richtige tun. Aber das Abbild eines Neensziss habe ich zum ersten Mal in deinen Gedanken erblickt. Die Bezeichnung Neensziss kenne ich auch nur aus den Erzählungen von Sunny Conrad. Das musst du mir glauben. Ich lüge dich nicht an. Meine Gedanken liegen offen vor dir!“

Ich verstand vieles noch nicht wirklich, was sich momentan in meinem Leben abspielte.

Takaarrath sprach jedenfalls nicht die Unwahrheit, das konnte ich spüren, als ich mich auf seine mental übermittelten Äußerungen konzentrierte.

„Wäre es nicht sinnvoll, wenn du dich ebenfalls einer Wissens-Oktroyierung unterziehst?“

Ich stand langsam auf und ging durch das Kabinenschott direkt auf ihn zu. Er saß vollkommen entspannt im Pilotensessel und seine Hände lagen auf den breiten Armlehnen, wo sich auch die Module der manuellen Befehlseingabe und der Steuerung befanden.

„Das hatte ich mir auch überlegt, aber dann wieder verworfen. Ich möchte nicht, dass das aufoktroyierte, künstliche Wissen mir die Möglichkeit nimmt, mein eigenes Wissen um meine Vergangenheit, das ja noch irgendwo in meinem Unterbewusstsein schlummert, zurückzuholen. Nicht auszudenken, wenn mir die Erinnerung an mein ganzes Leben dadurch verloren ginge, oder verschüttet bliebe.“

Ich stand neben ihm und blickte auf den holografischen Bildschirm.

Er zeigte in diesem Moment nur den schwarzen Weltraum. Längs der Seitenränder wurden in einer Art grafischen Darstellung die verschiedensten Informationen zum Fluge angezeigt, wie Geschwindigkeit, Strahlendruck, Abstand zum Zielplaneten und so weiter.

„Ja, ich glaube das kann ich gut verstehen. Ich würde auch gerne mehr über meine Vergangenheit erfahren!“

„Auswertung des Körperscans während der Oktroyierungsphase beendet. Bei dem menschlichen Individuum Marvin handelt es sich eindeutig um ein genetisches Mosaik. Bedingte Befehlsgewalt wird erteilt.“

Die telepathische Übermittlung der Rumgondel ließ mich verblüfft tief Luft holen. Auch Takaarrath hatte sie vernommen.

„Definiere den Begriff ‚genetisches Mosaik‘!“

Er blickte mich mit zusammengekniffenen Augen an, was bei mir eine Gänsehaut verursachte. Seine riesigen, weit hervorquellenden Augäpfel verschwanden fast vollständig hinter hervortretenden Hautlappen.

„Was hast du gemacht?“

Diese Frage von ihm verwirrte mich noch mehr, als die zuvor von dem Computergehirn der GELCKSITT getätigte Aussage.

„Mosaik bezeichnet in der Genetik ein Individuum, in dessen Körper Zellen mit unterschiedlichen Karyotypen und Genotypen vorkommen, wobei sämtliche Körperzellen von derselben befruchteten Eizelle abstammen, lägen hingegen mehrere individuell befruchtete Eizellen vor, würde von einer Chimäre gesprochen. Definition der aus der Menschensprache übernommenen Termini: Karyotyp bezeichnet die Gesamtheit aller den Zellaufbau betreffende Chromosomeneigenschaften eines Individuums oder einer Gruppe genetisch verwandter Individuen. Genotyp ist die Gesamtheit der Gene eines Organismus, also das Erbbild eines Lebewesens. Er repräsentiert dessen exakte genetische Ausstattung, die sämtliche in diesem Individuum vorhandenen Erbanlagen umfasst.“

Ich versuchte die übermittelte Gedankeninformation geistig zu begreifen und irgendwie in meine eigene Vorstellungswelt einzuordnen. Takaarrath war da etwas schneller.

Ich vernahm seine gedankliche Frage, oder war es eine Feststellung?

„In Marvins Erbanlagen sind Neensziss Gene vorhanden?“

„Positiv. Weitere Informationen hierüber unterliegen der obersten Geheimhaltungsstufe. Ein Großmeister der Gondel hat zur Abfrage nicht die notwendige Sicherheitsbefugnis. GELCKSITT Ende.“

Meine Gedanken überschlugen sich. Was hatte das alles zu bedeuten?

„Du bist zur Hälfte ein Neensziss! Das hat es zu bedeuten!“

Takaarrath hatte wieder einmal in meinen Gedanken gelesen. Das konnte er nur, weil ich meine Abschirmung total vernachlässigt hatte.

„Jetzt ist mir auch klar, warum wir seit Anfang unserer Begegnung miteinander telepathisch kommunizieren können“, gab ich gedanklich zurück.

„Was wohl Majenna zu dieser Wendung sagen würden“, schoss mir ein anderer Gedanke durch den Kopf.

Jetzt fragte ich mich natürlich umso mehr, wie meine Vergangenheit ausgesehen hatte.

Ich besaß immer noch diese verflixte Gedächtnislücke und meine frühste Erinnerung war das Erwachen in der Wüste.

„Viel wichtiger ist die Frage, wie du zu den Neensziss Erbanlagen gekommen bist. Das Erscheinen meiner Rasse und der große Krieg liegen mehr als 200 Jahre zurück. Das würde bedeuten, dass sich zumindest auch heute noch Neensziss im Sonnensystem aufhalten und der Erde in den letzten Jahren mindestens einen Besuch abgestattet haben. Eine weitere Frage ist, warum haben sie dich in der Wüste ausgesetzt?“

Takaarrath hatte es im Pilotensessel nicht mehr ausgehalten.

Jetzt stand er dicht vor mir und blickte mich starr an, wobei seine Augen mich von Kopf bis Fuß musterten.

„Vielleicht werden wir ja einen Teil der Antworten in der ‚Stadt der Tausend Sterne‘ erfahren.“

Ich stand immer noch etwas unter Schock. Die Erkenntnis, zumindest zur Hälfte ein Außerirdischer zu sein, ließ mich innerlich nicht zur Ruhe kommen.

„Kann sein, kann aber auch nicht sein. Mir macht der Umstand Sorgen, dass die zentrale Sicherungs-Autokratie der Stadt nicht auf den Kommunikationsversuch unserer Raumgondel reagiert hat. Dieses Verhalten entspricht nicht der Regel.“

Takaarrath stand immer noch auf derselben Stelle und starrte mich an.

„Mit anderen Worten, es ist gut möglich, dass ich noch weiteren Ausgaben deiner Art in Kürze gegenüberstehen werde.“

Meine Anspielung schien ihn nicht zu stören. Er starrte mich immer nur an. Langsam wurde ich nervös.

„Kannst du bitte in eine andere Richtung blicken. Mein Nervenkostüm ist bereits angespannt!“

Als er immer noch nicht reagierte, wandte ich mich von ihm ab und setzte mich wieder in den zweiten Sessel. Es vergingen mehrere Minuten, ohne dass er sich rührte. Langsam begann ich mir Sorgen zu machen.

Zwischen uns beiden bestand eine starke mentale Affinität, die es ermöglichte, die Gedanken des jeweiligen anderen zu erkennen. Ich begann den Kontakt aufzubauen.

In meinem Geist erschien augenblicklich die ureigenste Gedankenwelt einer Spezies, die sich nicht auf der Erde entwickelt hatte.

Obwohl ich mich jetzt ebenfalls zum Teil dazuzählen musste, war es trotzdem eine sehr ungewohnte Erfahrung.

Bisher hatte ich es nämlich unterlassen, mehr als nur die von ihm direkt an mich gerichteten Gedanken zu empfangen und zu lesen.

Unvermittelt sah ich mich inmitten einer Gruppe uniformierter Neensziss stehen. Gleichzeitig vernahm ich Takaarraths Gedanken.

„General Paaraaktu, der Gefangene ist bereit zur Hinrichtung. Wie soll weiter verfahren werden?“

Ich war Takaarrath und er war ich. Ich nahm die Umgebung, den Tagtraum, als er selbst, wahr. Takaarraths Arme waren ihm auf dem Rücken gebunden worden und sein Mund mit irgendetwas verschlossen, das ich nicht genau feststellen konnte. Nur seine Augen und Ohren waren frei.

„Die Exekution wird nicht aufgeschoben. Sie ist unverzüglich auszuführen!“

Den Satz des Offiziers vernahm ich noch, dann verblasste die Szene wie in einem billigen Film.

„Was ist mit mir bloß geschehen? Woher kam diese Erinnerung?“

Ich trennte die mentale Verbindung zu Takaarraths Geist sofort wieder. Er musste nicht wissen, dass ich ihn für einen kurzen Augenblick belauscht hatte.

Aus den Augenwinkeln beobachtete ich, wie er sich langsam zurück in den Pilotensessel sinken ließ. Der kurze Erinnerungsschub musste ihm wirklich stark zugesetzt haben.

Stadt der Tausend Sterne

Der helle Stern strahlte uns entgegen. Natürlich war es kein Stern, sondern ein Planet. Der zweite Planet unseres Sonnensystems, die Venus war das Ziel der interplanetarischen Raumgondel mit der Bezeichnung GELCKSITT.

Erste Daten erschienen auf dem mental-telepathischen VR-Display, das plötzlich einige Zentimeter vor den holografischen 3-D Bildschirm mitten in der Luft erschien.

Ich wusste aufgrund der Wissensoktroyierung, sofort, welche Technologie hier zum Einsatz kam.

Die ‚Stadt der Tausend Sterne‘ befand sich dem Programmspeicher zufolge, zwischen dem 45. und dem 80. Breitengrad. Dort existierte ein riesiger Kontinent mit einem Bergmassiv, dessen Gipfelhöhe etwa bei 10.800 Metern lag.

Die Datensätze wechselten in schneller Folge, trotzdem konnte ich ihnen mühelos folgen.

Die Temperatur lag bei 490 °C in Bodennähe. Der Oberflächendruck auf dem Plateau, das etwa 2,5 km über Nullniveau lag, betrug 89,5 bar.

Die Dichte der Atmosphäre war an der Oberfläche im Vergleich zur Erde etwa 50-mal so groß.

Dort konnte es kein Leben geben, jedenfalls kein Leben im menschlichen Sinne. Die Atmosphäre bestand aus 96 Prozent Kohlendioxid.

Das war etwa fünfmal so viel, wie in der Erdatmosphäre. Die Raumgondel schoss rasend schnell auf die Venusoberfläche zu. Venus, der Name kam mir irgendwie bekannt vor.

Die Bezeichnung war von den Menschen übernommen worden, das konnte ich den Daten entnehmen, die auf dem VR-Display in schneller Folge eingeblendet wurden.

„Siehst du die Schneekappen auf dem höchsten Berg? Sie bestehen hauptsächlich aus einer dünnen Niederschlagsschicht der Schwermetallsalze Bleisulfid und Bismutsulfid. In dieser Gebirgsregion befindet sich die ‚Stadt der Tausend Sterne‘, welche auch GLEESITT, die Glückliche genannt wird!“

Takaarrath hatte sehr leise gesprochen. Er wirkte immer noch nachdenklich.

Es schien mir, als würde wieder ein Teil seiner Vergangenheit in ihm wach.

„Dieser Name klingt ähnlich wie die Eigenbezeichnung des Raumboots GELCKSITT. Ist das beabsichtigt?“

Trotz Wissens-Oktroyierung war mir die Sprache der Neensziss nicht wirklich geläufig.

„Ich weiß es nicht genau, aber irgendetwas sagt mir, dass es mit dem Glauben und dem Ritual der Fortpflanzung zu tun hat. Mehr kann ich dir nicht sagen. Ich glaube auch, es betrifft ein Tabu, das man damit versucht zu umschreiben.“

Das klang geradezu mysteriös. Insbesondere, da es aus dem Mund eines Neensziss kam.

„Irgendetwas stimmt hier nicht!“

Takaarrath hatte laut gesprochen. Ich zuckte regelrecht zusammen, als ich seine Stimme so unvermittelt hörte. Unsere Unterhaltung war bisher auf rein gesanglicher Ebene geführt worden.

„Was meinst du damit?“

Auch ich hatte jetzt laut gesprochen. Die Antwort kam nicht von ihm, sondern von einer anderen Seite.

„GLEESITT kann nicht lokalisiert werden. Die Scans ergeben das Nichtvorhandensein der ‚Stadt der Tausend Sterne’ an den letzten, bekannten Koordinaten. Erbitte Anweisungen zur Flugroute. Achtung, der Energiespeicher ist vollständig aufgebraucht. Notreserve liegt bei 38 Prozent.“

Die telepathische Mittelung durch das Computergehirn des Raumboots halte noch in meinem Geist nach, da regierte Takaarrath bereits.

„Kurs beibehalten!“

Mehr gab er nicht von sich.

Unser Raumboot schwenkte zwischen zwei riesigen Gebirgsmassiven hindurch in die vorgegebene Richtung ein. In dem holografischen 3-D Bildschirm konnte ich jetzt eine weite Fläche erkennen, umrahmt von kleineren Vorgebirgsgruppen.

„Genau dort sollte sich die ‚Stadt der Tausend Sterne‘ befinden. Ich habe die GELCKSITT angewiesen, den ursprünglich vorgesehenen Landeplatz beizubehalten.“

Takaarraths Worte ließen mich fragend zu ihm hinblicken. Wie ich schien er momentan ebenfalls etwas hilflos zu sein.

„Wir landen und versuchen zunächst Energie zu sparen. Zumindest die Lebenserhaltungssysteme sollten uns noch für eine gewisse Zeit erhalten bleiben.“

Ich wandte mich wieder dem Bildschirm zu. Die Umgebung wurde gestochen scharf wiedergegeben.

Das Plateau bestand geologisch größtenteils aus Karbonat freien Sand- und Basaltstein.

Es war in zahlreichen Schichtstufen aufgebaut und wirkte stark verkarstet. Im Osten des Plateaus fanden sich zahlreiche glatt geschliffene basaltische Yardang-Formationen, die von hohen Sicheldünen aus Bismutsulfid umschlossen wurden.

Überall lag feinkörniges Lockermaterial am Boden verstreut. Absolut nichts deutete darauf hin, dass es hier einst eine größere Ansammlung von Gebäuden gegeben hat.

„Was nun?“

Die zwei Worte kamen mir völlig unbewusst über die Lippen. Ich hatte tatsächlich alle meine Hoffnungen und Erwartungen in diese Stadt gesteckt. Sie bedeutete für mich der Pfad zu den neuen Welten.

Umso größer war jetzt die Enttäuschung. Ich verstand zunächst überhaupt nicht, dass die Informationen, welche ich über die Wissens-Oktroyierung in Bezug auf die ‚Stadt der Tausend Sterne‘ erhalten hatte, auf einmal nicht mehr stimmen sollte.

„GLEESITT ist kein Hirngespinst, Marvin. Glaube mir! Es hat sie gegeben und es gibt sie. Ich kann mich sogar vage erinnern, sie durchschritten zu haben.“

Takaarrath hatte wieder einmal in meinen Gedanken gelauscht. Ich hatte sie nicht geblockt.

Es gab momentan Wichtigeres, als sich darüber aufzuregen. Ich wusste nicht einmal, wie lange die Energie des Bootes reichte, bis die Lebenserhaltungssysteme ausfallen würden und wir erbärmlich erstickten.

„Ich werde nach draußen gehen!“

Verblüfft starrte ich Takaarrath an.

Was willst du dort? Wenn die Instrumente der Raumgondel nichts gefunden haben, so wirst du selbst erst recht nichts finden.“

Takaarrath war aufgestanden und bewegte sich langsam in das hintere Abteil. Ich blickte ihm nach, und als von ihm keine Antwort kam, erhob ich mich ebenfalls.

„Takaarrath Stopp! Wenn du gehst, dann komme ich mit.“

Ich erwartete von ihm eine abwehrende Reaktion, war jedoch vollkommen überrascht, als er mir lediglich zurief: „Zieh den Anzug hier an. Es gibt nur zwei davon. Wenn er überhaupt nicht passt, musst du hierbleiben!“

Er deutet zur geöffneten Klappe eines Staufachs. Die ruppige Art, mit der er auf einmal sprach, gefiel mir überhaupt nicht.

Er musste schließlich auch wissen, dass sich der Raumanzug dem jeweiligen Träger anpasste. Dabei spielte die Körpergröße zunächst überhaupt keine Rolle.

Oder hatte ich durch die Wissens-Oktroyierung wieder einmal eine größere Kenntnis über die Neensziss Technologie als er?

Nein, so routiniert, wie Takaarrath in den Anzug stieg, war er bestens informiert.

Warum dann diese plumpe Anmache?

Ich zwängte mich nun ebenfalls in den Anzug, der sich wie Gummi anfühlte und sich entsprechend schwer anziehen ließ.

Erst als ich bereits zur Hälfte in ihm steckte, begann er ein gewisses Eigenleben zu entwickeln.

Alles schien plötzlich in Bewegung zu geraden, außer einem rechteckigen Teil der Montur, der sich über den Brustbereich bis in den Rücken erstreckte. Dieser Teil blieb statisch und veränderte seine Form nicht.

Das Wissen darüber erschien direkt in meinem Kopf, nachdem ich den Raumanzug angesehen hatte.

In dem erhärteten Teilstück des Raumanzugs befand sich die Technik inklusive Energieversorgung, welche eine energetische Schutzhülle um den Kopf aufbaute.

Es war jedoch ein gewaltiger Unterschied, das theoretische Wissen auch in die Praxis umzusetzen. Jedenfalls benötigte ich doppelt so lange wie Takaarrath, bis ich den Raumanzug endlich angezogen hatte und er einigermaßen saß.

Als sich das Vorderteil dann selbstständig schloss, bemerkte ich Takaarraths starren Blick.

Er stand regungslos neben dem Außenschott. Dieser mittlere Teil der Gondel diente ebenfalls als Luftschleuse.

Die Sicherheitsschotte zum Cockpit und zum hinteren Abteil hatte er bereits geschlossen.

Ich betätigte den Verschlusssensor des Raumhelms und bemerkte lediglich ein kurzes Flimmern vor den Augen, ansonsten nichts.

Ich wusste jedoch, dass sich nun ein aus Formenergie bestehendes Schutzfeld um meinen Kopf gelegt hatte und dass die Sauerstoffzufuhr au der Montur heraus erfolgte.

Auch bei Takaarrath konnte ich nur durch genaues Hinsehen den energetischen Helm erkennen. Besaß man kein Wissen darüber, sah es tatsächlich so aus, als würde man vollkommen ohne Kopfschutz sein. Es war schon irgendwie gewöhnungsbedürftig.

„Der Oberflächendruck ist fast neunzigmal höher als auf der Erde. Wird das der Anzug überhaupt kompensieren können?“

„Du weißt es besser. Das Neensziss-Wissen in dir sollte deinen Wissensdurst eigentlich stillen können!“ Takaarrath hatte natürlich recht.

Der Druckausgleich vollzog sich unbemerkt und ehe ich mich versah, stand das Außenschott bereits sperrangelweit offen. Ich blickte in eine düstere, leicht rosafarbene Landformation.

Der Boden schien mit Sedimentgestein regelrecht übersät zu sein.

Seitlich hoben sich schwerewellenartige Bodenstrukturen hervor, die sich in dem weichen, sandförmigen Untergrund über die gesamte, sichtbare Fläche ausbreiteten.

Weiter rechts, in einer Entfernung von etwa zwei Kilometern, erhob sich ein Gebirgszug.

Der Himmel war wolkenbehangen und ebenso düster.

Woher das wenige Licht kam, das sich fast gleichmäßig über die vor uns liegende Hochebene ergoss, konnte ich nicht sagen.

Takaarrath schien völlig unbeeindruckt von alledem zu sein.

Mit weitausholenden Schritten marschierte er in das teilweise nur schemenhaft sichtbare Gefilde.

Ich beeilte mich, ihm zu folgen. Zunächst dachte ich, er würde sich vollkommen orientierungslos bewegen und wollte ihn bereits ansprechen.

Er blieb mehrfach stehen, blickte sich um und wechselte die Richtung. Sein Ziel schien anscheinend jetzt das Gebirgsmassiv zu sein.

„Takaarrath könntest du mich bitte aufklären! Was genau suchst du?“

Ich versuchte gleichzeitig in seinen Gedanken etwas zu finden und war überrascht, dass ich ins Leere stieß. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass er überhaupt nicht mehr dachte. So in etwa stellte ich es mir vor, wenn er versuchte, in meinen Gedanken zu schnüffeln und ich vollständig blockierte. Er wollte also nicht, dass ich seinen Gedankengängen folgte. Auch gut.

„Ich habe nur eine Ahnung. Ich lasse mich von meinem Unterbewusstsein steuern. Störe mich jetzt nicht!“

Schweigsam folgte ich ihm. Es wurde noch dunkler, als wir jetzt am Fuß eines steilen Gebirgshangs ankamen.

Ich hatte mittlerweile jegliches Zeitgefühl verloren und hoffte nur, dass uns der Sauerstoff nicht ausging. Ich hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, als ich plötzlich wusste, dass der Anzug über eine Technologie verfügte, welche das benötigte Atemgasgemisch ständig erneuerte.

Eine reine Vorratshaltung in irgendeinem Gefäß, wie zum Beispiel Sauerstoffflaschen, gab es nicht.

Ich sinnierte gerade darüber, wie ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, Sauerstoff in Flaschen mit herumzuschleppen, als ich unvermittelt in meinem Kopf einen Gedanken von Takaarrath empfing.

„Das ist es! Krrrhah…!“

Es schallte so laut durch meinen Geist, dass ich regelrecht zusammenzuckte und versuchte, mir an den Kopf zu greifen.

Meine Hand erreichte ihn jedoch nicht, sondern wurde nur wenige Zentimeter davor von einem elektrostatischen Feld abgelenkt und zur Seite gedrückt.

Ich hatte tatsächlich vollkommen vergessen, wo ich mich befand. Der energetische Anzugshelm leistete natürlich auf seine Weise Widerstand.

„Takaarrath, alles in Ordnung mit dir?“

Ich vernahm in meinem Geist immer noch das nachklingende, mentale Knurren von ihm.

„Takaarrath, verflucht wo bist du?“

Ich sah ihn plötzlich nicht mehr. Verdutzt blickte ich mich um.

Etwas mehr als fünf Meter vor mir erhob sich Felsgestein steil nach oben und ging in nur fünf bis sechs Metern Höhe über in einen Felsüberhang.

Je länger ich mir die so entstandene Felsennische anschaute, umso mehr fiel mir ihre regelmäßige Form auf.

Der Felsüberhang warf einen langen Schatten in die durch die Sonnen ohnehin sehr spärlich erhellte Landschaft. Vor mir lag nur Dunkelheit. Aber genau dort musste sich auch Takaarrath befinden.

Ich konnte mir absolut keinen Reim darauf machen, was er hier wollte, noch dazu, wo es auch für seine Augen nur Dunkelheit geben dürfte.

Warum meldete er sich nicht und warum tat er überhaupt so geheimnisvoll?

Als plötzlich weißes, grelles Licht in meine Augen stach, hielt ich kurz erschrocken die Luft an.

Trotzdem ich sofort meinen Blick abwendete, war ich für wenige Sekunden geblendet.

Dann vernahm ich bereits die euphorischen Gedanken von Takaarrath: „Ich wusste doch, dass ich es hier finden würde. Sie denkt wohl, dass sie sich vor mir verstecken kann. Das werde ich ihr noch abgewöhnen müssen. Diese ungehorsame Halsstarrigkeit! Ohne mich wäre sie nichts!“

Regelrecht verblüfft vernahm ich die Gedankengänge des Insektoiden Menschen. Nein, ein Insektoiden Mensch war Takaarrath gewiss nicht. Jetzt wusste ich es besser.

Die Frage war jetzt, von wem oder an wem hatte er eben gedacht?

Trotz der Blendung meiner Augen war ich langsam ein paar Schritte vorgegangen.

Jetzt stand ich am Eingang einer anscheinend noch tiefer in den Berg hineinführenden Höhle. Die Wände bestanden aus rohem, unbearbeiteten Felsgestein. Lediglich in der Mitte des etwa zwanzig Meter durchmessenden Raums stand ein Gebilde, das augenscheinlich nicht natürlichen Ursprungs war.

Es sah aus wie ein Tisch, dessen vier Füße aus massiven Felsen bestanden.

Die Tischplatte jedoch war eindeutig künstlicher Natur.

Die etwa fünfzig Zentimeter dicke, aus einem Guss gefertigte, metallisch aussehende Platte, war mit viel Technik vollgespickt, das konnte ich bereits vom Eingang her erkennen.

Takaarrath stand einfach nur bewegungslos vor dem rechteckigen Tisch, dessen Maße ich auf etwa ein Meter fünfzig Mal drei Meter schätzte, und wirkte wie abwesend. In seinen Gedanken jedoch überschlugen sich vergangene Ereignisse dermaßen schnell, dass ich den immer noch bestehenden telepathischen Kontakt abbrach.

Mir war bereits selbst davon schwindlig geworden. Erst jetzt, als sich mein Blick auf den Boden verirrte, bemerkte ich, dass das extrem grelle Licht von dort kam.

Der gesamte Höhlenboden bestand aus einer glatten Fläche, die in gleichmäßige Quadrate mit einer Seitenlänge von zwei Metern aufgeteilt war und die den Raum ausleuchteten.

„Takaarrath, ich hoffe du weißt, was du tust!“

Ich hatte laut gesprochen und wiederholte den Satz sofort nochmals telepathisch, da ich nicht wirklich wusste, ob er mich verstanden hatte. Jedenfalls reagierte er immer noch nicht, aber seine Gedankengänge hatten sich wieder beruhigt.

„Der Code wurde annulliert, das weiß ich natürlich. Diese verfluchten ‚Wächter der Sterne‘. Sie haben mir den ganzen Schlamassel eingebrockt. Die Intrige war gut vorbereitet, wirklich! Aber jetzt bin ich zurück! GLEESITT, als dein Baumeister habe ich natürlich noch ein Hintertürchen offengelassen, das weißt du. Also fordere ich von dir Gehorsam!“

Ich vernahm seine Gedanken in meinem Geist und war von ihnen regelrecht fasziniert. Welch eine fantastische Geschichte offenbarte sich mir in diesem Moment?

Ich versuchte innerlich ruhig zu bleiben, aber es gelang mir nur zum Teil.

Plötzlich explodierten Takaarraths Bewegungen regelrecht.

Mit unglaublich schnellen Bewegungen huschten seine beiden Hände über die mit fremder Technologie übersäte Tischplatte, die unvermittelt anfing, in einem ockerfarbenen Licht zu erstrahlen.

Dann geschahen mehrere Dinge gleichzeitig, die mich meine bisherige Meinung über meinen Freund Takaarrath zum ersten Mal neu überdenken ließen.

Die Macht der Neensziss

Frühste Vergangenheit.

Streitwagen der Neensziss, riesige Raumschiffe in Form von Speeren mit einer Verdickung in ihrer Mitte, fielen vom Himmel.

Das Mutterschiff, mit den Ausmaßen eines kleinen Mondes, war im Abstand von 150.000 Kilometern zur Erde zum Stillstand gekommen.

Mit einer Orbitalgeschwindigkeit von etwas mehr als einem Kilometer pro Sekunde hatte es eine stabile Umlaufbahn eingenommen.

Aus den unzähligen Hangars, die in der zerklüfteten Oberfläche des Raumkörpers eingelassen waren, schossen im Minutentakt weitere Streitwagen.

Das Mutterschiff wies einen Durchmesser von 1250 Kilometern auf und selbst der Laie hätte sofort erkannt, dass es sich hierbei tatsächlich um einen kleinen Mond handelte.

In einer gewaltigen technologischen Glanzleistung war es den Neensziss einst gelungen, diesen Himmelskörper zu übernehmen, ihn zu zwei Drittel auszuhöhlen und durch die Implementierung eines gigantischen, aus einhundertzwölf Einzelaggregaten bestehenden, Raumtriebwerks flugfähig zu machen.

Zwei Generationen später wurde die weiterentwickelten Überlichttriebwerke in das Mutterschiff eingebaut.

Zu diesem Zeitpunkt lebten und arbeiteten hier bereits weit über eintausend Neensziss. Zweihundertacht Neugeburten wurden hier bereits verzeichnet mit einer steigenden Tendenz.

Eines dieser neu geschlüpften Neens bekam den Namen Takaarrath.

Die Regierungen der Erde des Jahres 2025 waren von dem Erscheinen des gewaltigen Himmelskörpers total überrascht worden.

Alle Regierungen? Nein! In Nevada, ein US-Bundesstaat im westlichen Teil der Vereinigten Staaten von Amerika, gab es ein militärisches Sperrgebiet mit der Bezeichnung AREA 51.

Was sich dort seit Mitte des 20. Jahrhunderts wirklich abspielte, kam die breite Öffentlichkeit nicht mit, und obwohl es genug Spekulationen und Gerüchte weltweit über die Anwesenheit von Außerirdischen gab, wurde von der Regierung dies bis zuletzt geleugnet.

Die amerikanische Regierung jedenfalls war auf das Erscheinen des kleinen Mondes vorbereitet, theoretisch jedenfalls. Praktisch hatte sie jedoch wenig entgegenzusetzen.

Dies hätte sie auch überhaupt nicht müssen, da es sich anfänglich um eine friedliche Kontaktaufnahme handelte.

So jedenfalls war es zumindest von den in das Sonnensystem der Erde einfliegenden Fremden vorgesehen gewesen. Bevor sie jedoch überhaupt Kontakt aufnehmen konnten, war bereits die beginnende Apokalypse vorgeplant gewesen.

Die Berater der Regierung, Alien, die bereits seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts der US-Regierung bekannt waren, trieben ihr eigenes Spiel.

Sie unterstellten, dass es sich bei den ankommenden Neensziss um einen kriegerischen Akt handelte.

In Wirklichkeit wollten sie ihren eigenen, großen Plan der heimlichen Unterwanderung führender Militärs nicht gefährdet sehen.

Die Übernahme des Planeten Erde durch sie stand nämlich kurz bevor.

„Sergeant Mellburne, stehen Sie nicht so verkrampft in der Gegend herum. Unsere Gäste werden sonst glauben, dass Sie etwas im Schilde führen, was gegen Sie gerichtet ist, und das wollen wir beide doch nicht, oder?“

„Jawohl Sergeant Major!“

Mellburne stand stramm und hielt beide Arme ausgestreckt an den Körper gedrückt. Dann schnellte die rechte Handfläche, wie von einer Sprungfeder gehalten, vorschriftsmäßig zum Gruß an die Schläfe.

Für ihn war es das erste Mal, dass er den außerirdischen Gästen, wie sie offizielle genannt wurden, begegnen würde.

Er war erst vor einer Woche von seiner Kompanie abkommandiert worden und jetzt dem Sicherungszug von Sergeant Major Ungar zugeordnet. Sein neuer Standort war die sagenumworbene AREA 51.

In einer Tiefe von einhundertfünfzig Metern unter einem riesigen Salzsee lag sein neues Tätigkeitsgebiet.

Die zwei Tage Sicherheitsunterweisung inklusive des Sicherheitstrainings standen wie eingebrannt in seinem Gedächtnis. Am Gürtel seiner Kampfausrüstung hing eine Waffe, die nicht von dieser Welt war.

Sie war das Produkt einer außerirdischen Technologie, welche dem menschlichen Entwicklungsstand nicht unbedingt voraus war, die jedoch von ganz anderen Grundlagenkenntnissen ausging und dementsprechend auch eine vollkommen andere Richtung eingeschlagen hatte.

Die Waffe hatte die runde Form einer altertümlichen Taschenlampe.

Der Durchmesser des Abstrahltrichters am vorderen Ende war nur um wenige Zentimeter größer als das restliche Gehäuse mit den beiden Sensorplätzchen, welche die Aktivierung der Energieversorgung und Inbetriebnahme der neuralen Nervenverbindung auslösten.

Zwei sehr feine, aus einem auf der Erde unbekannten Material bestehenden Fäden, schossen nach der Aktivierung aus der Waffe, wickelten sich um das Handgelenk und verbanden sich mit dem Karpaltunnel.

Sergeant Mellburne hatte die Funktionsweise nicht wirklich verstanden, aber er wusste zumindest, wie man sie anzuwenden hatte und was sie konnte.

Hierüber und über vieles mehr hatte er jedoch absolutes Stillschweigen zu bewahren. Genauso, wie seine anderen 52 Kameraden, die hier unten ihren Dienst versahen.

Das Einzige, was Sergeant Mellburne über die sogenannten ‚Außerirdischen Gäste‘ wusste, war, dass sie neben ihrer Menschenscheu auch besonders misstrauisch waren und man vorher genau zu überlegen hatte, was man sagte und wie man es sagte. Selbst über das Aussehen der Aliens war er bisher nicht informiert worden.

Es gab keine Aufzeichnungen von ihnen, noch sonstige Nachweise ihrer Existenz.

Das Pentagon war diesbezüglich sehr akribisch, was wohl auch auf den klaren Anforderungen der ‚Gäste‘ basierte.

Der Konferenzraum lag auf der untersten Sohle des riesigen unterirdischen Komplexes. Entlang des gesamten Weges, vom Einflugschacht des getarnten Hangars, bis zum Konferenzraum standen in einem Abstand von genau fünfzehn Metern Soldaten der Sicherung.

Ausgenommen hiervon war der Turbolift.

Sergeant Per Mellburne war der Letzte im Spalier der salutierenden Soldaten, dass sich fast über eine reine Wegstrecke von einem halben Kilometer erstreckte und in einhundertfünfzig Meter Tiefe endete.

Er spürte bereits wenige Minuten vor der Ankunft der ‚Gäste', wie sich unter seinen Kameraden zunächst eine gewisse Nervosität verbreitete, die sich dann über ein Gefühl der Beklommenheit direkt in puren Stress verwandelte.

Sergeant Mellburne sah sich plötzlich einem wahren Albdruck ausgesetzt, als die Delegation mit drei Aliens direkt an ihm vorbei in den Besprechungsraum ging.

In ihrem Gefolge befand sich hochrangiges Militär, das konnte er noch an den vielen Streifen und Orden der Uniformen erkennen, dann wurde ihm wirklich schlecht.

Nicht der Anblick der Außerirdischen konnte diese Reaktion seines Körpers ausgelöst haben, denn ihr Äußeres glich dem eines normalen Menschen.

Aus dem Gang heraus hörte er laute Würggeräusche und auch er kämpfte bereits mit sich selbst, um sich nicht zu übergeben.

Es war etwas in der Ausstrahlung der Aliens, das diesen Würgereflex auslöste. Erst wenigen Minuten, nachdem sich die Tür zum Konferenzraum geschlossen hatte, verbesserte sich sein Zustand wieder.

Mellburne fragte sich, wie Sergeant Major Ungar und die anderen Offiziere in Begleitung der ‚Gäste‘ dies die ganze Zeit über wohl aushalten konnten.

Er selbst war zunächst heilfroh, dass er keinen Kontakt zu ihnen mehr hatte. Mit gemischten Gefühlen dachte er jedoch an den Zeitpunkt, an dem sie den Raum wieder verlassen würden.

Mit unerbittlicher Präzession kamen den Streitwagen der Neensziss altertümlich erscheinende, mit Festbrennstoff betriebene Geschosse entgegengeflogen.

Von dem gesamten, dem Mutterschiff entgegengewandten Teil des Planeten, waren fast zeitgleich Raketenstarts zu erkennen.

Diese Art des Zusammenspiels wurde von keinem Nationalstaat koordiniert.

Es war einzig und allein auf die ‚Außerirdischen Gästen‘ zurückzuführen, die sich bisher offiziell nur einem Staat offenbart hatten und dort auch nur wenigen hochrangigen Militärs.

Selbst der Präsident war nur sehr unzureichend über ihre Anwesenheit und ihre Aktivitäten auf der Erde und im Sonnensystem informiert.

Jedes dieser Geschosse war eine Trägerrakete, bestückt mit einer Atombombe.

Die Geschosse wurden vom Boden aus gelenkt, reagierten jedoch außerhalb der Erdatmosphäre eher träge.

Sie waren absolut nicht für den Nahkampf konzipiert worden. Etwa die Hälfte der Raketen waren noch mit einem Aufschlagzünder versehen, teilweise mit und ohne Verzögerung, das heißt, sie detonierten nicht beim Aufprall, sondern erst nachdem das Geschoss in das Ziel eingedrungen war oder eben als Abpraller über dem Ziel.

Für die Streitwagen der Neensziss war diese archaische Art der Kriegsführung keine wirkliche Herausforderung.

Das Mutterschiff hatte sich längst in einen undurchdringbaren Schutzschirm gehüllt.

Während es sich mit Minimalgeschwindigkeit unbeirrbar weiter dem Planeten Erde näherte, begannen die Speerschiffe mit dem Abschuss der Raketen.

Commander RReggchrah, Großmeister der Streitwagen und befehlshabender Meister des Mutterschiffs KO, versuchte, indem was er sah, einen Sinn zu finden.

Auf dem mental-telepathischen VR-Display, das sich vor dem holografischen 3-D Zentralschirm aufbaute, wurden ihm sämtliche Details des Kampfes gegen die Angreifer mitgeteilt.

Er verstand es nicht. Warum wurden sie mit solch primitiven Mitteln angegriffen?

Wieso wurden sie überhaupt angegriffen, schließlich kamen sie in friedlicher Absicht.

Seine aus der oberen Hälfte des runden Schädels hervorquellende Augen öffneten und schlossen sich in einem konvulsiven Zucken.

Er begann sich instinktiv an dem dichten, wollartigen Flaum, dass fast die gesamte Schädeldecke überzog, zu kratzen.

„Diese dummen Planetarier.“

Die Streitwagen seines Volkes schossen immer mehr von diesen primitiven Raketen ab, bevor sie überhaupt auch nur in die Nähe des Mutterschiffs kamen.

Einige der Piloten hatten bereits begonnene, sie innerhalb der Atmosphäre zu eliminieren. Es wurden dicht über der Planetenoberfläche mehrere atomare Explosionen sichtbar.

Anscheinend waren die primitiven Angriffswaffen der Planetarier von den Streitwagen nicht vollständig aufgelöst worden. Commander RReggchrah wurde aufmerksam.

Normalerweise war der Radius des Fächerstrahls am Bug der Pfeilschiffe beliebig veränderbar.

Wieso kam es trotzdem zu solchen Ausfällen?

Er ließ sofort die Kennung der Streitwagen ermitteln, deren Waffensysteme in seinen Augen mangelhaft gearbeitet hatten. Datenanalysen wurden durch das Mutterschiff KO von den beteiligten Schiffen angefordert.

Die Auswertung erfolgte in der gewohnten Routine und Schnelligkeit. Das Ergebnis ergab zunächst überhaupt keinen Sinn. Die Waffensysteme aller Schiffe arbeiteten fehlerfrei.

Die Analyse lieferte jedoch eine Störquelle, die sich außerhalb der Kampfschiffe befand. RReggchrah befahl, die Nahbereichs-Scanner der Streitwagen mit den Waffensystemen zu koppeln.

Gerade als die letzten primitiven Raketenschiffe unter massiven, nuklearen Explosionen vergingen, wurden die Scans fündig.

An der erstellten Grafik konnte er deutlich erkennen, dass die Energiestrahlen der Streitwagen durch äußere Einflüsse beeinträchtigt und sogar abgeschwächt worden waren.

Merkwürdigerweise waren nur die Abschüsse innerhalb der Planetenatmosphäre davon betroffen. Die Raketen der Planetarier, welche bereits die äußere Schicht verlassen hatten, wurden bei jedem Treffer vollständig vernichtet, ohne dass es zu einer atomaren Explosion kam.

„Logikauswertung: Es steht zu fünfundneunzigprozentiger Sicherheit eine gesteuerte Aktion hinter den manipulierten Abschüssen. Aufgrund von bisher dreiunddreißig explodierenden, atomar bestückten Raketen in der Atmosphäre des Planeten ist es durch den dabei ausgelösten Fallout zu einer Verseuchung von dreiundsechzig Prozent der Planetenoberfläche durch radioaktiven Niederschlag gekommen. Tendenz steigend.“

RReggchrah ignorierte die Grafik auf dem mental-telepathischen VR-Display, als er über die künstlich erzeugte Telepathie der geistigen Genetik die Auswertung der Zentralen Sicherungs-Autokratie des Mutterschiffs KO in seinem Geist vernahm.

„Sie bringen sich selbst um, aber sie wissen es noch nicht!“

Commander RReggchrah brauchte nur wenige Sekunden, um zu reagieren.

„Befehl an alle Streitwagen. Sofortiger Rückzug. Einstellung des Beschusses!“ 

Während die Kommandanten der Streitwagen sofort dem Befehl nachkamen, liefen weitere Analyseprogramme.

Erste Ergebnisse zeigten tatsächlich, dass es einen zweiten, noch unbekannten Gegner geben musste.

RReggchrah überlegte noch, weswegen der unsichtbare Gegner den Waffenstrahl der Streitwagen so manipulierte, dass die unbemannten, primitiven Raketen explodierten, bevor sie gänzlich zerstrahlt werden konnten. Er kam auf eine recht merkwürdige Erklärung und ließ diese nochmals über die Logikauswertung des Schiffs überprüfen.

KO bestätigte seine Annahme nur wenige Sekunden später; die radioaktive Verseuchung des Planeten war gewollt.

Der Commander war dermaßen verblüfft, dass er regelrecht zusammenzuckte, als ein infernales Heulen einsetzte und die Beleuchtung auf Notenergie wechselte.

„ZENTRALALARM!“

Die gesamte Crew des Mutterschiffs KO erhielt in diesem Moment zeitgleich über die geistige Genetik die gleiche Alarmmeldung auf telepathischem Wege zugestellt. Das Schiff lag unvermittelt mitten im Feuer schwerer Geschütze.

Sergeant Per Mellburne versuchte mit aller Kraft, den Würgereflex zu unterdrücken, als die Aliens zum zweiten Mal an ihm vorbeigingen.

„Nur nicht negativ auffallen! Nur nicht!“

Immer wieder hämmerte er sich diesen Gedanken durch sein Gehirn und seine Hände verkrampften sich um seine Waffe. Es dauerte fast eine Ewigkeit, bis er am Ende den Ganges endlich das Geräusch des Fahrstuhls vernahm, der die sogenannten ’Gäste‘ wieder nach oben brachte.

Dann konnte er sich nicht mehr zurückhalten und übergab sich lautstark.

So wie ihm erging es fast jedem der hier anwesenden Soldaten, die immer noch ein Spalier zur Ehrenbezeugung bildeten.

Mehr und mehr von ihnen übergab sich, als sich die Aliens schon längst in ihr Schiff zurückgezogen hatten, das in einem unterirdischen Hangar vor den Augen der Weltbevölkerung verborgen, stand.

„Achtung! Stillgestanden! Was ist das den für ein Sauhaufen“, erklang unvermittelt die gewohnte Befehlsstimme von Sergeant Major Ungar.

Mellburne hatte sich mittlerweile wieder etwas erholt und stellte sich schnell zurück ins Glied.

„Rührt euch und macht um Himmelswillen die Schweinerei hier weg. Ich will in Punkt Null-sieben-fünfzehn nichts mehr davon sehen.“

Der Sergeant Major ging an den zum Teil immer noch würgenden Soldaten vorbei und kam direkt auf Per Mellburne zu, der am Ende des Spaliers stand.

„Mellburne, was ist hier los?“

Sergeant Mellburne wischte sich kurz mit dem Ärmel über den Mund.

„Haben Sie es denn nicht auch bemerkt? Die Fremden strahlen etwas aus, das Übelkeit erregt und das nicht gerade wenig. Ich hatte das Gefühl, dass sich meine ganzen Innereien nach außen stülpten. Es war furchtbar. Wie können Sie so etwas überhaupt aushalten, Sir!“

Sergeant Major Ungar wurde jetzt tatsächlich wütend.

„Was ist das für eine weitere Schweinerei. Hat man Ihnen hier nicht zuvor ebenfalls die Anti Stress Injektion verabreicht? Das Medikament soll gerade so etwas, wie hier vorgefallen, verhindern.“

Mellburne blickte seinen direkten Vorgesetzten ungläubig an.

„Nein Sir. Wir haben nichts bekommen!“

Jetzt wurden auch die Kameraden hellhörig, die eifrig dabei waren, den Boden des Flurs zu reinigen.

„Ich verspreche Ihnen, ich werde mich darum kümmern. So etwas darf nicht noch einmal passieren!“

Sergeant Major Ungar wollte weitergehen und öffnete gerade das Schott zu dem Besprechungszimmer, als sich Sergeant Mellburne nochmals an ihn wandte. Mit Verlaub, Sergeant Major, können Sie mir sagen, was das Ergebnis dieser Unterredung ergeben hat.“

Plötzlich hörte man ein dumpfes Donnergrollen und von der Decke rieselte weißer Staub.

„Ich meine, es ist doch allgemein bekannt, dass die Erde von diesem riesigen, mondgroßen Alienschiff bedroht wird und wir wohl oder übel auf die Hilfe unserer außerirdischen Gäste angewiesen sind.“

Sergeant Major Ungar war stehen geblieben und drehte sich jetzt langsam zu Mellburne um. Es war auf einmal still geworden im Gang des unterirdischen Bunkers der AREA 51. Die Soldaten blickten alle gespannt auf Sergeant Major Ungar und Sergeant Per Mellburne.

„Ich darf nicht darüber reden. Jedoch kann ich ihnen so viel verraten, dass wir tatsächlich nicht allein stehen. Unsere ‚Gäste‘ werden zu unseren Gunsten handeln, daran besteht überhaupt kein Zweifel!“

Der Boden erzitterte unvermittelt und ein extrem lauter Donner gefolgt von einer Explosion ließ kurz die Beleuchtung flackern.

Die Männer schauten sich bezeichnet an. Es schien, als wäre die Zeit der endgültigen Eskalation gekommen.

Sergeant Per Mellburne war sich aber nicht wirklich sicher, ob die Menschheit gut daran tat, sich diesen außerirdischen ‚Gästen‘ anzuvertrauen.

Sie waren so verschieden in ihrer ganzen Physiologie und es stellte sich für ihn ebenfalls die Frage, warum sie der Menschheit überhaupt dermaßen angagiert halfen.

Gab es eine Gegenleistung und wenn ja, welche? Schließlich stürzte man sich nicht einfach so in einen Krieg mit einer anderen außerirdischen Spezies. Irgendetwas daran war faul.

Der Letzte seiner Art

Spätere Vergangenheit.

Es war schrecklich kalt, erbärmlich kalt und dunkel. Es war still, erbärmlich still. Kein einziges Geräusch war zu hören. Wo war ich? Was war ich? Wieso war ich?

Verzweifelt versuchte ich mich an irgendetwas zu erinnern, aber ich stieß immer wieder in die Leere meines Gedächtnisses. So konnte ich mir zumindest momentan nicht helfen.

Ich begann vorsichtig meine Hände zu bewegen. Tatsächlich erinnerte ich mich daran, dass ich welche hatte.

Dann die Füße, die Beine und meinen Kopf. Trotz der alldurchdringenden Kälte begannen die körperlichen Sinne ihre Arbeit wieder aufzunehmen.

Meine Arme stießen gegen etwas Hartes, das meinen Leib eingrenzte. Ich konnte sie nur wenige Zentimeter aufwärtsbewegen.

Das Gleiche galt für meine Beine und meinen Kopf. In einer reinen Reflexhandlung schnellte mein Zungenstachel aus dem Mund und prallte ebenfalls gegen ein Hindernis.

Ich hatte meine Augen weit aufgerissen und versuchte trotz der absoluten Dunkelheit etwas zu erkennen.

Immer wieder ließ ich meinen Zungenstachel über das glatte, undurchdringbar erscheinende Hindernis gleiten, das meinen Körper anscheinend vollständig einschloss.

Ich war ein Gefangener. Wie war ich bloß in diese missliche Lage gekommen?

Kurz zuckten Erinnerungsfetzen wie Nebelschwaden durch mein Gedächtnis. Sie waren zu schnell, als dass ich auch nur im Ansatz erkennen konnte, was mit mir geschehen war.

Unvermittelt wurde die Stille mit Brachialgewalt auseinandergerissen.

Ein intensiver, hoher Ton, ein fast schon in den Ultraschallbereich gehendes Geräusch, malträtierte meine sensiblen Gehörnerven. Seltsamerweise wusste ich sofort, um was es sich dabei handelte; Kollisionsalarm.

Die Station gab Kollisionsalarm.

Das war überhaupt nicht gut. Erst jetzt wurde ich hellhörig.

Was hatte ich gerade gedacht? Die Station? Welche Station?

Meine Schläfen fingen an, in einem bestimmten Rhythmus schmerzhaft zu pochen. Dann sah ich das rote Licht oder vielmehr wurde es mir plötzlich Rot vor den Augen.

Nervös leckte ich ein letztes Mal mit dem Zungenstachel über das mich umgebende Hindernis.

Erschrocken zog ich den Stachel wieder ein. Es war fast in eine klebrige, dickflüssige Masse stecken geblieben.

Das rote Licht zuckte im Rhythmus meiner Schmerzen, die sich jetzt von den Schläfen ausgehend über den ganzen Kopf verbreiteten.

„Noterweckung! Der Delinquent wird aus dem Stasis-Gewahrsam vorzeitig entlassen. Code 9 wurde aktiviert. Achtung, Code 9 für alle Abteilungen der Station GLERK!“

Ich konnte meine Arme und Beine wieder bewegen, jedoch fiel ich von einem Muskelkrampf in den Nächsten.

Vor Schmerz heulte ich auf. „Verdammte Technik, verdammte Sicherungs-Autokratie“, schrie ich so laut ich konnte.

Die Worte kamen jedoch nur als ein weiteres Krächzen aus meinem Mund.

Etwas Anderes jedoch überfiel mich wie ein altertümlicher Turbohammer, nämlich meine Erinnerung. Mit einem Ruck erhob ich mich von der Liege, die sich noch vor wenigen Zeiteinheiten senkrecht in einer der Stasis-Kammern befunden hatte.

Aufsteigende Übelkeit ließ mich würgen und mein immer noch sehr niedriger Kreislauf erzeugte Rinnsale von Schweißtropfen auf meiner hohen Stirn.

So saß ich schwankend auf dem Rand der Liege und vor meinen Augen drehte sich der Raum.

Im Rhythmus der pochenden Kopfschmerzen zuckte die rote Alarm-Beleuchtung und der immer noch anhaltende, helle Ton, war mittlerweile in den Ultraschallbereich abgedriftet.

Leider musste ich schmerzlicherweise feststellen, dass mein Gehör auch in diesem Bereich besonders gut arbeitete.

Das Stationsgehirn hatte Alarm gegeben. Das war überhaupt nicht gut.

Normalerweise hatte dies nur in absoluten Notfällen zu geschehen, quasi, wenn die Existenz der ganzen Anlage bedroht war.

Sollte dieser Notfall etwa eingetreten sein?

„Vakuumeinbruch in den Sektionen V-1-2a- V-2-4c. Achtung, weitere Meteoroideneinschläge stehen kurz bevor. Die Station muss evakuiert werden. Notfallplan ELPA ist angelaufen. Der Fluchtweg zu den Sternengondeln kann noch genau 32 Zeiteinheiten abgeschirmt werden.“

Wie ein riesiger, weißer Diamant im Vollschliff erstrahlte der Himmelskörper, dessen Oberfläche großflächig mit reinem Wassereis bedeckt war.

Er wies damit das höchste Albedo aller Himmelskörper im Sonnensystem auf.

Enceladus, der Eismond, war als der Vierzehnte und sechstgrößte der 62 bekannten Monde des Planeten Saturn bekannt. Seine eisvulkanischen Aktivitäten verursachten sehr hohe Fontänen aus Wassereispartikeln, welche auf der südlichen Hemisphäre eine dünne Atmosphäre erzeugten.

Die Rotationszeit des annähernd kugelförmigen, etwa 504 Kilometer durchmessenden Mondes, war gleich seiner Umlaufzeit; er zeigte also, wie der Erdenmond, immer mit derselben Hemisphäre auf den unter ihm liegenden Planeten.

Seine Rotationsachse stand senkrecht auf der Umlaufebene. Seine Oberfläche war durchzogen von Einschlagkratern.

Daneben gab es flache Ebenen sowie ausgeprägte Brüche und Verwerfungen. Die Temperaturen lagen im Durchschnitt bei minus 200 Grad Celsius.

Zwischen zwei kleinen, inaktiven Kältevulkanen lag die außerirdische Station.

Sie war durch einen dünnen Eispanzer, der sie jedoch vollständig umgab, nur unzureichend vor einer zufälligen Entdeckung geschützt. Aber wer oder was sollte sich schon in diesem kleinen, unbedeutenden Sonnensystem am Rande einer Spiralgalaxie dafür interessieren?

Immer wieder explodierten in der näheren Umgebung größere und tiefer gelegene Eisvulkane und schleuderten aus dem Inneren des Mondes Wasser, das von einem unterirdischen Ozean gespeist wurde, durch kilometerlange Spalten im Eispanzer von Enceladus zur Oberfläche.

Es war kein gesteuerter Angriff, sondern vielmehr ein Naturereignis, welches sich nur alle Jahrtausende ereignete.

Der Saturnmond Enceladus befand sich im direkten Durchfluggebiet eines riesigen Meteorschauers.

Millionen von Meteoroiden bewegen sich mit sehr großen Geschwindigkeiten durch den Weltraum.

Mit einer Geschwindigkeit von weit über 70 Kilometer pro Sekunde traf die linke Seite des Meteorschauers auf den Mond.

Tausende von Meteoroiden mit einem Durchmesser von nur wenigen Millimetern und einem Gewicht von weniger als zwei Gramm schossen fast ungebremst auf die Station der Neensziss zu. Normalerweise wurde die Station von einem Schutzfeld umgeben.

Doch die Enceladus Station war vor über 200 Jahren plötzlich von seinen Erbauern unverhofft verlassen worden.

Die Energieversorgung war fast vollständig deaktiviert worden.

Nur die einzige Stasis-Kammer, die belegt war, sowie eine vergessene Subroutine verfügten noch über ein gewisses Kontingent an Energie. 

Takaarrath verlor keine Zeit mit nutzlosen Überlegungen. Die Vergangenheit, seine Vergangenheit war momentan zweitrangig.

Die Situation war ernst und sein Leben unmittelbar gefährdet. Er stand wankend vor der Liege und versuchte sich zu orientieren. Sein Verstand arbeitete trotz längerer Zwangspause mit der Präzision eines Uhrwerks.

„Sicherungs-Autokratie, welche Zeitspanne ist seit meiner Inhaftierung vergangen und wo befindet sich die Stationsbesatzung? Ich muss sofort den verantwortlichen Großmeister der Station sprechen!“

Ein schwerer Schlag erschütterte den Raum.

Von irgendwo her drangen Zischgeräusche.

Takaarrath versuchte erste Schritte und taumelte gegen ein frei im Raum stehendes, pultförmiges Steuergerät.

„Sicherungs-Autokratie, Station GLERK an den Meister der Gondel, Takaarrath. Du befindest dich in Lebensgefahr. Benutze umgehend den ausgezeichneten Fluchtweg zu den Sternengondeln. Dies ist deine einzige Überlebenschance. Alle noch verfügbaren Schutzanzüge befinden sich in der jetzt unzugänglichen Sektion V-1-2a. GLERK wurde vor 400 Tri-Zeiteinheiten, das sind etwa 200 Planetenumläufe des dritten Planeten dieses Sonnensystems um seinen Stern, evakuiert. Außer dir befindet sich kein lebendes Wesen in der Station! Sicherungs-Autokratie, Station GLERK Ende.“

Takaarrath schwankte bereits auf das Schott zu, das sich während der Gedankenbotschaft selbstständig geöffnet hatte.

Immer wieder waren schussartige Geräusche zu hören.

Es knallte in einem wahren Stakkato, als der Meteoroidenbeschuss der Station ständig zunahm. Am Boden erkannte er sofort anhand der farblichen Markierung, in welche Richtung er sich zu wenden hatte, um die Hangars mit den Gondeln aus Sternenstaub zu finden.

Eine Gondel war der einzige, noch mögliche Weg, um sich in Sicherheit zu bringen. Wieder durchzog eine schwere Erschütterung das Stationsgefüge.

Von irgendwo her war das Geräusch einer Explosion zu hören. Die Meiler der Energieversorgung befanden sich in der untersten Etage.

Wenn sie hochgingen, war alles verloren. Takaarrath rannte so schnell er konnte und es seine immer noch recht schwache Konstitution zuließ, den Korridor entlang.

Noch wurde der Fluchtweg durch einen schwachen Schutzschirm vor den gewehrähnlichen Salven der auftreffenden Meteoroiden geschützt.

Die Beleuchtung flackerte stark und setzte immer wieder vollständig aus.

Bei jedem erneuten Hochfahren gab es weniger Leuchtmittel und die Lichtverhältnisse verschlechterten sich entsprechend schnell.

Takaarrath wusste, dass er sich immer noch auf dem falschen Deck befand.

Die Hangars der Gondeln lagen weiter oben. Er orientierte sich immer noch nach den farblichen Markierungen am Boden, als diese plötzlich endeten.

Verwirrt blickte er sich um. Er stand vor einer Antigrav-Röhre, die jedoch ohne Energie absolut nutzlos für ihn war. Es musste einen anderen Weg geben.

Pfeifend und mit lautem Knallen und Zischen durchschlugen Meteoroiden das Korridorstück, das er soeben noch durchschritten hatte.

Ein starker Sog begann unvermittelt an seinem Körper zu zerren und das Atmen wurde schwerer.

Das Schutzfeld schien zusammengebrochen zu sein. Er musste sofort von hier verschwinden.

Mit weit aufgerissenen Kugelaugen versuchte er sich zu orientieren. Takaarrath kannte sich in dieser Station nicht aus.

Selbst die Erinnerung an seiner Ankunft war dementsprechend nicht wirklich hilfreich.

Man hatte ihn nämlich sofort in die Stasiskammer verbannt. Er war aber ein Baumeister seines Volkes.

Seine diesbezüglichen Erfahrungen sagten ihm, dass solch eine Außenstation über besondere Notausgänge verfügen musste.

Bevor sich Panik einstellen konnte, gewahrte er das Symbol an der Wand. Es stand für Nottreppe oder so etwas Ähnliches.

So genau erinnerte er sich nicht. Jedenfalls wusste er aber noch, wie er zur Treppe kam, denn es gab keinen sichtbaren Zugang noch irgendein Verschlussriegel oder Ähnliches.

Takaarrath sprang einfach auf die Wand zu, wo sich das Symbol befand.

Er durchdrang sie ohne Mühe und befand sich unvermittelt auf der anderen Seite. Die Stufen der Wendeltreppe aus energetischem Hartformstahl begannen direkt vor seinen Füßen.

Takaarrath atmete mehrmals tief durch. Die Luft war abgestanden aber der atmosphärische Druck schien noch im Normbereich zu liegen.

Mit schnellen Schritten begann er die Treppe hinaufzurennen.

Immer wieder vernahm er dumpfe, unbestimmte Geräusche und die Stufen zitterten wie unter starken Schlägen. Takaarrath übersprang immer öfters mehrere Stufen und nutzte das Geländer, um sich so schneller nach oben zu ziehen.

Trotzdem benötigte er eine gewisse Zeitspanne, bis er endlich vor dem Ausgang stand.

Es benötigte weitere drei Sekunden, bis er realisierte, dass sich das Notfallschott bei seiner Annäherung nicht selbstständig öffnete.

Er wusste jedoch mit Sicherheit, dass er es nicht einfach mit seinem Körper durchdringen konnte.

Nur die entsprechend gekennzeichneten Wandstellen waren derart ausgestattet. Wider besseres Wissen rammte er mit der rechten Schulter gegen das massive Schott.

Der kurze, aber heftige Schmerz brachte ihn schnell wieder zur Vernunft. Es musste doch eine manuelle Entriegelung vorhanden sein.

Mit eiserner Disziplin begann Takaarrath den Rahmen und die Wandung um ihn herum abzusuchen.

Hier kam ihm zugute, dass seine Art über ein sehr gutes Sehvermögen verfügte. Am rechten Schottrahmen, in einer Höhe von etwa einem Meter fünfzig, bemerkte er nach mehrmaligem Hinsehen das leicht verblasste Gefahrensymbol.

Sofort drückte er dagegen. Ein leises Klicken war das Einzige, was er vernahm.

Das Schott hatte sich jedenfalls um keinen Millimeter bewegt. Der Boden bebte und von unten schallte ein Donnerschlag durch den Treppenaufgang.

Das zischende Geräusch, das unvermittelt einsetzte, ermahnte ihn, sich zu beeilen.

Der atmosphärische Druck innerhalb der Station begann zunehmend abzufallen.

Mit der ganzen Kraft seines Körpers warf sich Takaarrath gegen das Schott. Der Aufprall verursachte an seiner rechten Schulter mehrere Blutergüsse.

Er ignorierte den Schmerz. Ihm war absolut klar, dass er nur noch wenige Minuten zur Verfügung hatte, um die Station zu verlassen.

Das Schott hatte seinem Angriff standgehalten. Jedoch bemerkte er an der einen Seite einen kleinen Spalt. Er musste gerade erst entstanden sein, als er sich dagegen geworfen hatte.

Hastig spreizte er seine Klauen und griff mit den spitzen und messerscharfen Fingerspitzen in den Spalt hinein und versuchte, die Schottfläche vom Rahmen wegzudrücken.

Zwei seiner Fingernägel brachen ab, dann bewegte es sich etwas.

Sofort fasste er nach, und als er endlich mit beiden Klauen den Schottrand umfassen konnte, war es nur noch eine einzige, intensive Muskelbewegung seiner Oberarme entfernt, bis der Weg hinaus frei vor ihm lag.

Zischend schoss in diesem Moment ein nur wenige Millimeter großer Meteoroid an seinem Kopf vorbei und hinterließ ein Einschussloch im Schottrahmen.

Takaarrath ignorierte es. Ebenso ignorierte er den ständig stärker werdenden Sog und den Druckabfall. Aus dem Stand heraus spurtete er los.

Sein einziges Denken war auf das gelbe Hangarschott fixiert, das sich am Ende des vor ihm liegenden Korridors befand.

Dahinter mussten sich die Raumgondeln befinden.

Ein Pfeifen und Rauschen begleiteten ihn, als er mit fast fünfzig Stundenkilometer auf das Schott zuschoss. Er bekam fast kaum noch Luft.

Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre innerhalb der Station war nur noch minimal. Er hatte keine Zeit mehr, seine Geschwindigkeit zu reduzieren. Takaarraths einzige Hoffnung war, dass sich das Schott rechtzeitig automatisch öffnen würde, andernfalls würde er wohl mit voller Wucht dagegen rennen.

Sein Körper war zwar sehr widerstandsfähig und würde auch den Aufprall überstehen, jedoch würde ihm das auch nicht mehr helfen. Es gab keine Luft mehr zum Atmen.

Er hatte das sprichwörtliche Glück im Unglück.

Das Schott öffnete sich etwa einen halben Meter vor ihm. Es fuhr sehr langsam zur Seite, sodass Takaarraths linke Schulter den Schottrahmen streifte und ihn im vollen Lauf herumriss.

Er überschlug sich mehrmals, und als sein Körper endlich auf dem Hangarboden wieder zur Ruhe kam, befand er sich bereits zwanzig Meter weit im Hangar. Das Schott begann sich langsam wieder zu schließen.

Takaarrath hatte das Bewusstsein verloren. Die Temperatur lag mittlerweile bei minus zwanzig Grad Celsius und die Atmosphäre war fast vollständig entwichen. Sein Ende schien besiegelt.

Die Sicherungs-Autokratie der Raumgondel GELCKSITT erwachte zum Leben. Ein Notfallimpuls der Station hatte das kleine Raumboot erreicht. Ein Großmeister der Gondel war in Gefahr.

Direkt vor dem Außenschott der Raumgondel lag der Neensziss im Sterben.

Das Schiffsgehirn ermittelte in Nanosekunden die aktuelle Gefahrenlage und errechnete einen Gefahrenabwehrplan.

Das Außenschott, das gleichzeitig auch als Schleuse diente, öffnete sich und ein Traktorstrahl zog in Windeseile Takaarraths leblosen Körper in das Boot.

Der Notstart war bereits eingeleitet, als sich das Außenschott schloss.

Kurzzeitig wurden extrem große g-Kräfte innerhalb der Gondel wirksam, als diese sich mit Maximalbeschleunigung auf das Hangarschott zubewegte, das bereits offenstand.

Der Andruckneutralisator war verzögert angelaufen, sodass Takaarraths Körper wie ein welkes Blatt im Sturm durch den hinteren Bereich der Gondel gefegt wurde.

Durch den Belastungsdruck der Beschleunigung und den mechanischen Einwirkungen auf den Körper begann sein Herz wieder zu schlagen und die Atmung setzte ebenfalls wieder ein.

Er war immer noch ohnmächtig, aber am Leben, als die Raumgondel GELCKSITT bereits den Saturnmond Enceladus hinter sich gelassen hatte und mit überlasteten Treibwerken in Richtung des dritten Planeten des Sonnensystems zuraste, der in den Datenspeichern unter der Bezeichnung Erde bekannt war.

Die Sicherungs-Autokratie

 

Gegenwart. Planet Venus.

„GLEESITT, Stadt der Tausend Sterne“, vernahm ich Takaarraths Gedanke.

„Zeige dich endlich. Wache auf, ich benötige deine Hilfe!“

Ich starrte Takaarrath an, wie einen Geist, als er seinen Raumanzug öffnete.

Ich erwartete tatsächlich, dass durch den enormen Druck der Venusatmosphäre sein Körper sofort zerquetscht würde, bevor er jämmerlich erstickte.

Als nichts dergleichen passierte, atmete ich zwar auf, war aber umso irritierter.

Ich stand immer noch an der gleichen Stelle und beobachtete jetzt, wie er den Mittelfinger der rechten Hand in eine Vertiefung seitlich an der Tischplatte legte.

Hinter mir hörte ich ein leises Knistern, und als ich mich umdrehte, gewahrte ich einen milchigen Vorhang, der den Eingang vollständig umschloss.

Erst da wurde mir klar, dass die Höhle von der restlichen Oberfläche vollkommen hermetisch abgetrennt worden war. Außerdem musste, von mir völlig unbemerkt, der Innenraum mit einer atembaren Atmosphäre geflutet worden sein.

Auch der atmosphärische Druck war menschlichen Verhältnissen angepasst worden.

Langsam wandte ich mich wieder dem Mittelpunkt des Raums zu und ging langsam in Richtung des Tisches, wo sich auch Takaarrath noch immer aufhielt.

Er hatte mittlerweile seine Hand wieder zurückgezogen und wirkte irgendwie in sich gekehrt.

Er musste mich auf sich zukommen sehen, aber ich hatte den Eindruck, dass er dabei durch mich hindurchblickte und mich überhaupt nicht wahrzunehmen schien. Erst als ich direkt vor ihm stand, zuckte ein kurzes Erkennen in seinen rundlichen Augäpfeln auf.

Um uns herum knisterte es immer stärker. Kleine, bläuliche Elmsfeuer begannen über den Tisch und an den unbearbeiteten Wänden entlang zu lodern. Ich wagte es nicht, ihn anzusprechen.

Eine merkwürdige Spannung lag fast greifbar in der Luft.

„Marvin, mein Freund, komm zu mir. Tritt neben mich und du wirst erleben, was das Volk der Neensziss zu leisten imstande ist!“

Seine laut gesprochenen Worte erschallten in einem erhabenen Tonfall.

Ein glockenheller Ton lag plötzlich in der Luft, als ich meinen energetischen Helm deaktivierte und mich neben ihn stellte.

Ich wollte gerade eine Frage stellen, als der gesamte Höhlenraum begann, sich zu verändern.

Ich verstand zunächst nicht, was überhaupt geschah. Erst, als sich die unbearbeiteten, aus rohem Felsgestein bestehenden Wände sowie die Decke ihre Formen zu verändern begannen, wurde mir die Einzigartigkeit des Vorgangs richtig bewusst. Es war regelrecht imposant, wie sich um uns herum alles zu verändern begann. Lediglich der Fußboden und der Tisch, hinter dem wir standen, behielten ihre Form bei.

„Das ist die Macht der Naniten und die Baumeister der Neensziss sind ihre Herren“, vernahm ich Takaarrath mit leiser Stimme sagen.

Selbst er schien von dem furiosen Geschehen, das sich hier und jetzt abstielte, beeindruckt zu sein, obwohl er ja der Verursacher zu sein schien.

Die Decke hatte sich mittlerweile um beeindruckende zehn Meter erhoben und in ein goldglänzendes Kuppelgewölbe mit gigantischen Ausmaßen verwandelt.

Der Raum selbst war zu einem riesigen Saal geworden, dessen gegenüberliegende Wandung ich nicht mehr erkennen konnte.

Die quadratischen Bodenplatten spendeten jetzt ein diffuses Licht, das aber ausreichte, um den Saal vollkommen auszuleuchten.

Überall konnte ich kleine Inselgruppen von Maschinenpulten, Bildschirmen und Steuertischen erkennen. Den Mittelpunkt dieses gigantischen Raums bildete der Tisch, hinter dem wir immer noch vollkommen erstarrt vor Staunen standen.

„Dies ist die zentrale Autokratie von GLEESITT, der ‚Stadt der Tausend Sterne‘. Von hier aus wird die gesamte Stadtanlage über und unter dem Planetenboden sowie der Raumhafen gesteuert und verwaltet.“ 

In Takaarrath war unvermittelt wieder Bewegung gekommen.

„Folge mir!“

Majestätisch schritt er an den Maschinenpulten vorbei, geradeaus auf eine gerade noch sichtbare Fensterfront zu.

Ich beeilte mich, ihm zu folgen und versuchte dabei, mein Staunen im Zaun zu halten.

Ein feines Summen und Wispern lag plötzlich in der Luft. Die festen Strukturen um mich herum schienen sich immer noch in Bewegung zu befinden.

„Wie ist das alles möglich? Es kommt mir vor, als wäre es Zauberei!“

Ich hatte unbewusst laut gesprochen. Takaarrath antwortete mir telepathisch: „Wir arbeiten mit Formenergie. Es ist aber noch etwas komplizierter. Vieles, was du hier siehst, besteht in den Grundstrukturen aus Naniten. Es sind Milliarden von Nanobots, welche im Nanobereich mit Formenergie arbeiten.“

Ich verstand kaum etwas davon, aber gab mich zunächst mit der Antwort zufrieden.

Vor uns tat sich auf einmal eine riesige Fensterfront auf. Takaarrath blieb wenige Meter davor stehen, streckte seinen rechten Arm aus und bewegte ihn langsam von links nach rechts.

„Das ist GLEESITT!“

Es wirkte fast schon theatralisch, wie er dort stand und seinen Blick über die in Gold und Türkisgrün schillernden Gebäudeflächen und Türme schweifen ließ, die plötzlich im hellen Sonnenlicht vor uns erstrahlten.

„Durch spezielle Formenergiefelder wird das spärliche Sonnenlicht in der dichten Wolkendecke gesammelt, gebündelt und auf die Stadt geworfen. So entsteht dieser wundervolle Anblick!“

Diesmal hatte Takaarrath laut gesprochen und in seiner Stimme schwang regelrechter Stolz mit.

Wir befanden uns am höchsten Punkt von GLEESITT und blickten hinab auf die Vielzahl von hohen Gebäuden, Straßenschluchten und Dächern.

Mir fielen sofort die verschiedenen Dachformen auf. Keildächer, Kegeldächer und Tonnendächer überwogen in der Masse der baulichen Strukturen.

Zwischen den einfachen Gebäuden erhoben sich Türme von imposanter Erscheinung in den gräulich blau schimmernden Himmel.

Takaarrath hatte wohl meinen Blick bemerkt, denn er sagte: „Das Stahlskelett der höchsten Gebäude ist bis in eine Tiefe von einhundertachtzig Metern verankert. Lediglich die ersten fünfundzwanzig Etagen haben eine vorgehängte Fassade. Alle weiteren Etagen wurden aus Formenergie erstellt und verfügen über eine Nanitenstruktur, sind also wandelbar.“

Ich nickte nur, immer noch etwas sprachlos. Die Stadt erstreckte sich bis zum Horizont.

Umrahmt wurde sie von einem Bergmassiv, das sich direkt hinter den letzten Bauten erhob und sogar die höchsten Türme weit überragte.

Wir beide standen einfach nur da und bestaunten, was sich dort draußen vor unseren Augen präsentierte.

Ich benötigte eine Zeit lang, bis ich endlich wusste, was mich an dem, was ich sah, störte.

Nicht die absolute Stille war es, die über alldem lag, sondern dass ich überhaupt keine Bewegung in der Stadt wahrnahm.

„Die Stadt wirkt wie ausgestorben. Warum wurde sie überhaupt gebaut? Wo sind ihre Einwohner? Warum war sie zuerst unseren Blicken entzogen? Wo ist dein Volk Takaarrath?“

„Das kann ich dir so genau auch nicht sagen. Jedenfalls wurde sie von den Neensziss erbaut. Wo sich die Angehörigen meines Volkes aufhalten und warum sich die Stadt im Tarnmodus befand, weiß ich nicht. Sobald ich versuche, mich zu erinnern, stoße ich in ein Vakuum. Jedoch taucht wie ein Gespenst immer wieder der Begriff ‚Wächter der Sterne‘ auf. Ich kann jedoch ebenso wenig eine Zuordnung herstellen, als eine Ableitung von Gegebenheiten erstellen.“

Takaarrath hatte sich von dem Anblick der Stadt losgerissen und mir zugedreht. Er wirkte irgendwie verlassen und deprimiert. So hatte ich ihn bisher noch nicht erlebt.

„Initialisierung positiv. Letzte Feinjustierung erfolgreich abgeschlossen. Die Testphase ‚Projekt Tarnkappe‘ kann somit als erfolgreich beendet werden. Weitere, detaillierte Informationen liegen für den Großbaumeister bereit. Code GleeTa ist zu verwenden. Ende der Nachricht!“

Die telepathische Mitteilung erstarb unvermittelt. Es handelte sich eindeutig um die Zentrale Sicherungs-Autokratie der ‚Stadt der Tausend Sterne‘, die über die geistige Genetik einer künstlich erzeugten Telepathie mit uns in Verbindung getreten war.

Ich beobachtete fasziniert Takaarraths Mienenspiel. Er wusste anscheinend nicht, ob er sich freuen oder eher verblüfft sein sollte. Jedenfalls schien er sich unvermittelt im Kampf mit seinem Erinnerungsvermögen zu befinden.

Ich sah deutlich, wie es in ihm arbeitete.

„Mit der Bezeichnung ‚Projekt Tarnkappe‘ kann ich zwar etwas anfangen, aber das andere habe ich nicht verstanden!“

„So viel ich jedenfalls verstanden habe, bist du der Baumeister von GLEESITT ‚der ‚Stadt der Tausend Sterne‘. Damit bist du ihr doch auch weisungsbefugt, oder nicht?“

Er blickte mich an, als wäre ich der Außerirdische und nicht er. „Dann nutze doch endlich deine Möglichkeiten. Frage nach der Vergangenheit, nach deiner Vergangenheit und nach alledem, was dir deine Erinnerungen verheimlichen!“

Plötzlich wurde Takaarrath aktiv.

Mit zunächst lauter Stimme sprach er die Sicherungs-Autokratie von GLEESITT an: „Ich verlange eine aussagekräftige Erklärung über deine Entstehung. Wo befinden sich die Angehörigen meines Volkes?“

Es vergingen mehrere Minuten, ohne dass die Stadt antwortete. Takaarrath blickte mich ernüchternd und gleichzeitig auch niedergeschlagen an.

„GLEESITT, du hast deinem Baumeister Rede und Antwort zu stehen. Dein Schweigen ist nicht akzeptabel!“

Die Gedanken brachen einfach so aus mir heraus und ich hatte noch nicht einmal bemerkt, dass es nur Gedanken waren und keine Lautsprache.

„Negativ! Angehörige von Fremdrassen sind nicht als befehlsgebend zugelassen, auch wenn sie fähig sind, über den korrekten Kommunikationsweg Verbindung aufzubauen.“

Die Stadt der Tausend Sterne hatte tatsächlich reagiert.

„Takaarrath, du solltest deine Fragen an GLEESITT nochmals telepathisch formulieren.“

Er reagierte zunächst vollkommen anders, als ich es erwartet hatte.

Takaarrath trat kraftvoll mit dem linken Fuß gegen die Fensterscheibe und setzte mit beiden Fäusten nach. Ein kurzer, heller Ton war zu hören, als er lautstark ausatmete und einen unterdrückten Schrei ausstieß.

„GLEESITT, ich befehle dir sofort mit der Raumgondel GELCKSITT in Kontakt zu treten und sämtliche Datensätze abzurufen, die sich auf Marvin beziehen und in dem Raumboot gespeichert sind. Du wirst unzweifelhaft sofort erkennen, dass er ebenfalls im Sinn deiner Erbauer befehlsberechtigt ist, da er deren Gene in sich vereint. Du reagierst vorschnell ohne Analyse der aktuellen Gegebenheiten. Überprüfe sofort deine Subroutinen. Bist du überhaupt noch in der Lage, logisch zu handeln? Wie steht es um deine Loyalität zu deinen Erbauern und zu mir, deinem Baumeister und Großmeister der Gondel? Ich erwarte ein sofortiges Bekenntnis!“

Takaarraths Gedanken halten in mir noch nach und ich musste das Gesagte zunächst einmal sacken lassen.

Jedoch ließ man mir dazu keine Zeit.

Vor meinen Augen begann sich die Gestalt Takaarraths unvermittelt einfach aufzulösen. Der ganze Vorgang spielte sich absolut still und irgendwie unspektakulär ab.

Ich hatte jedenfalls den Eindruck, als wäre es etwas vollkommen Normales, wenn der Körper einer Person einfach so verblasste.

Takaarrath, was geschieht hier?“

Ich erwartete keine Antwort mehr von ihm, da er mittlerweile verschwunden war.

„GLEESITT, was ist mit dem Großmeister der Gondel geschehen? Hast du damit etwas zu tun?“

Ich bekam natürlich keine Antwort. Irgendwie hatte ich damit auch gerechnet.