SOLOMON KANE - DIE KOMPLETTE SAGA - Robert E. Howard - E-Book

SOLOMON KANE - DIE KOMPLETTE SAGA E-Book

Robert E. Howard

2,0

Beschreibung

Solomon Kane, ein Puritaner des elisabethanischen Zeitalters, ist ein glühender und kompromissloser Vorkämpfer für Gerechtigkeit. Auf der Suche nach Abenteuern zieht er um die Welt. Mit seinem Degen, den er meisterhaft und wie kaum ein Zweiter zu führen versteht, rächt er begangenes Unrecht und bekämpft das Böse, wo immer es ihm begegnet... Robert E. Howard, der Autor der der weltbekannten CONAN-Serie, hatte bereits in seiner frühesten Jugend ein besonderes Interesse an Mythen, barbarischen Völkern, versunkenen Kulturen und Kontinenten (sowie an deren dunklen Gemeimnissen) entwickelt. Diesem Interesse verdankt der Leser auch die einzigartige Figur des Solomon Kane, Howards frühesten Fantasy-Helden. Der Band Solomon Kane versammelt erstmals sämtliche Erzählungen um SOLOMON KANE in einer deutschsprachigen Gesamtausgabe.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 368

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
2,0 (1 Bewertung)
0
0
0
1
0



 

 

ROBERT E. HOWARD

 

 

Solomon Kane -

Die komplette Saga

 

 

 

 

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

Der Autor 

 

Die Schwerter der Bruderschaft 

Der Knochentanz 

Totenschädel zwischen den Sternen 

Die roten Schatten 

Die Hügel der Toten 

Die Schritte im Innern 

Die rechte Hand des Todes 

Die Schwingen der Nacht 

Unter dem Schädelmond 

Solomon Kanes Heimkehr 

 

Einzelnachweise 

 

Das Buch

 

Solomon Kane, ein Puritaner des elisabethanischen Zeitalters, ist ein glühender und kompromissloser Vorkämpfer für Gerechtigkeit. Auf der Suche nach Abenteuern zieht er um die Welt. Mit seinem Degen, den er meisterhaft und wie kaum ein Zweiter zu führen versteht, rächt er begangenes Unrecht und bekämpft das Böse, wo immer es ihm begegnet...

 

Robert E. Howard, der Autor der der weltbekannten CONAN-Serie, hatte bereits in seiner frühesten Jugend ein besonderes Interesse an Mythen, barbarischen Völkern, versunkenen Kulturen und Kontinenten (sowie an deren dunklen Gemeimnissen) entwickelt. Diesem Interesse verdankt der Leser auch die einzigartige Figur des Solomon Kane, Howards frühesten Fantasy-Helden.

Der Band Solomon Kane versammelt erstmals sämtliche Erzählungen um SOLOMON KANE in einer deutschsprachigen Gesamtausgabe. 

Der Autor

 

Robert Ervin Howard (* 22. Januar 1906, + 11. Juni 1936). 

 

Robert Ervin Howard war ein US-amerikanischer Autor von Fantasy-, Abenteuer- und Horrorgeschichten sowie mehrerer Westernromane. Er gilt als stilprägender Vertreter der Low Fantasy.

Howard wuchs in der kahlen und trockenen Landschaft von West-Texas auf und unternahm nur wenige Reisen. Als Heranwachsender arbeitete er auf den örtlichen Ölfeldern; darüber hinaus arbeitete er als Baumwollpflücker, Cowboy, Verkäufer, in einem Rechtsanwaltsbüro, als Landvermesser und als Journalist, bevor er sich durch den Verkauf seiner Geschichten an diverse Pulp-Magazine - vor allem Weird Tales, Thrilling Adventures, Argosy und Top-Notch - ein regelmäßiges Einkommen sichern konnte.

Seine erste Geschichte Spear And Fang verkaufte er im Jahre 1924 an Weird Tales. Dies war der Start einer ebenso kurzen wie beeindruckenden (und vor allem: nachwirkenden) Karriere als Schriftsteller: In den Folgejahren erschuf Howard seine bekanntesten Zyklen um Conan den Cimmerier, Kull von Atlantis, den Pikten Bran Mak Morn, den irischen Piraten Turlogh O’Brien und den englischen Puritaner Solomon Kane.

Die meisten Helden in Howards literarischem Nachlass sind latent depressiv (Solomon Kane, Turlogh O’Brien, Kull von Atlantis), was biographische Bezüge vermuten lässt. Lediglich Conan ist ein tendenziell naiver, von keinen Skrupeln oder tieferen Gefühlen berührter Abenteurer und Krieger. Über den Charakter Conan, der - vor allem auch durch die Verfilmungen in den Jahren 1982 und 1984 (beide mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle) sowie 2011 (mit Jason Momoa in der Rolle des Barbaren)  - wohl die populärste der von ihm geschaffenen Figuren ist, sagte er, sie sei die realistischste von allen, da sie eine intuitive Kombination diverser Männer darstelle, mit denen er in seinem Leben zu tun gehabt habe.

Viele von Howards Fantasy-Geschichten spielen vor dem Hintergrund des – fiktiven – Hyborischen Zeitalters.

Howard war ein Brieffreund H. P. Lovecrafts, der auch Einfluss auf Howards Geschichten ausübte. Umgekehrt geht das fiktive Buch Unaussprechliche Kulte, dessen Erfindung häufig Lovecraft zugeschrieben wird, auf Howard zurück.

Robert E. Howard Howard beendete sein Leben im Alter von 30 Jahren durch Selbstmord. Als seine kranke Mutter ins Koma fiel und wenig Hoffnung auf Genesung bestand, stieg er in seinen Wagen und erschoss sich in der Einfahrt zu seinem Haus.

  Die Schwerter der Bruderschaft

 

 

  Die Klingen trafen aufeinander, und Funken sprühten. Zwei Augenpaare belauerten einander mit erbarmungslosen Blicken: Das eine Paar war schwarz, das andere blau. Die Kämpfer keuchten, ihre Füße scharrten auf dem Boden, als sie vorgingen und zurückwichen.

  Der Schwarzäugige machte eine Finte und stieß dann mit der Geschwindigkeit einer Natter zu. Der Blauäugige parierte mit einer halbkreisförmigen Bewegung seiner sehnigen Hand, und seine riposte kam wie der Blitzeines Sommergewitters.

  »Haltet ein, Gentlemen!«

  Ein korpulenter Mann trennte die Degen der beiden Kämpfer mit seinem juwelenbesetzten Rapier. In der anderen Hand hielt er einen dreieckigen Hut.

  »Haltet ein! Die Angelegenheit ist entschieden und die Ehre wieder hergestellt! Sir George ist verletzt!«

  Der schwarzäugige Mann versteckte den linken Arm, der blutete, hinter dem Rücken. »Tretet beiseite!«, rief er zornig. »Es ist nur ein Kratzer! Nichts ist entschieden! Das ist ohne Bedeutung. Hier geht es bis zum Tod!«

  »Aye, geht zur Seite, Sir Rupert«, sagte der andere ruhig, aber seine blauen Augen blitzten wie Stahl. »Diese Angelegenheit kann nur durch den Tod eines von uns entschieden werden!«

  »Runter mit den Waffen, ihr jungen Kampfhähne!«, verlangte Sir Rupert. »Ich befehle es als Richter! Herr Doktor, wollt ihr bitte nach Sir Georges Wunde sehen.

Jack Hollinster, steckt Eure Klinge in die Scheide! In meinem Distrikt dulde ich keinen Mord, solange mein Name Rupert d'Arcy ist.«

  Der junge Hollinster sagte nichts und folgte auch nicht der Aufforderung des cholerischen Richters, aber er senkte seine Waffe, stand schweigend da und bedachte die Gesellschaft mit Blicken unter zusammengezogenen Augenbrauen.

  Sir George zögerte, aber als einer seiner Sekundanten ihm eindringlich etwas ins Ohr flüsterte, gab er zögernd nach, überreichte dem Sprecher seinen Degen und ließ

den Arzt seine Wunde behandeln.

  Die trostlose Umgebung passte zu dem Geschehen. Das Land war eben und nur stellenweise mit dürrem Gras bewachsen und ging in einen weißen Sandstrand über, der mit Treibholz übersät war. Dahinter hob und senkte sich grau und ruhelos die See. Das einzige Zeichen von Leben auf den wie tot wirkenden Wassern war ein einzelnes Segel in großer Entfernung. Landeinwärts erhoben sich die schäbigen Hütten einer kleinen Ortschaft auf der anderen Seite eines öden Moores, das in Strandnähe begann.

  In dieser unfreundlichen Landschaft bildete die farbige Gruppe am Strand einen eigenartigen Kontrast. Die bleiche Herbstsonne spiegelte sich in den glänzenden Klingen, den mit Edelsteinen verzierten Griffen, den Silberknöpfen der Mäntel einiger Männer und den Goldverzierungen an Sir Ruperts dreieckigem Hut.

  Sir Georges Sekundanten halfen diesem in den Rock und Hollinsters Sekundant, ein kräftiger junger Man in schlichter Kleidung, forderte ihn auf, sich ebenfalls anzuziehen. Aber Jack schob ihn beiseite. Plötzlich sprang er mit dem blanken Degen in der Hand zwei Schritte vor und rief mit erregter Stimme: »Sir George Banway, nehmt Euch in Acht! Ein Kratzer am Arm löscht noch lange nicht die Beleidigung aus, von der Ihr wohl wisst! Wenn sich unsere Wege das nächste Mal kreuzen, wird kein Richter da sein, Eure räudige Haut zu retten!«

  Mit einem wilden Fluch wirbelte der Angesprochene herum, und Sir Rupert sprang brüllend dazwischen: »Mein Herr, wie könnt Ihr es wagen?«

  Hollinster schnitt eine Grimasse, wandte sich um, schob mit einer wilden Bewegung den Degen in die Scheide und ging davon.

  Sir George machte Anstalten, ihm zu folgen, aber sein Freund wiederum flüsterte ihm etwas ins Ohr und machte eine Armbewegung zum Meer hin. Banways Blick richtete sich auf das einsame Segel, das so aussah, als wäre es gegen den Himmel gemalt, und er nickte grimmig.

  

  Hollinster schritt schweigend den Strand entlang, Seinen Hut hielt er in der Hand, den Überrock trug er über den Arm geworfen. Der kühle Wind spielte in seinen schweißverklebten Locken, vermochte jedoch nicht seine aufgewühlten Gedanken zu beruhigen.

  Randel, sein Sekundant, folgte ihm schweigend.

  Nach einiger Zeit wurde die Umgebung wilder und zerklüfteter. Moosbewachsene Felsen standen dicht am Strand. Weiter draußen befand sich ein gefährliches Riff.

  Jack Hollinster hielt an, wandte sein Gesicht der See zu und begann aus vollem Herzen zu fluchen. Der beeindruckte Zeuge dieses Monologs erfuhr, dass er, Hollinster, es aus tiefster Seele bedauerte, seinen Degen nicht bis zum Griff in das schwarze Herz George Banways, dieses verdammten Schurken, versenkt zu haben.

»Und jetzt«, knurrte er, »sieht es so aus, dass der Kerl mir nie wieder in ehrlichem Zweikampf gegenüberstehen wird, nun, da er meinen Stahl gekostet hat. Aber bei

Gott...«

  »Beruhige dich, Jack«, mahnte Randel. Er war Hollinsters bester Freund, aber er verstand nicht, dass Hollinster in solche Wut verfallen konnte. »Du hast es ihm gegeben. Dein Sieg war aufrichtig. Letzten Endes kannst du einen Mann kaum dafür töten, was er getan hat.«

  »Nicht?«, rief Jack aufgebracht. »Kann ich einen Mann für diese Beleidigung nicht töten? Nun, vielleicht nicht einen Mann, wohl aber diesen erbärmlichen Schuft von einem Adeligen! Ist dir bewusst, dass er in aller Öffentlichkeit Mary Garvin verleumdete, das Mädchen, das ich liebe? Dass er in der Schenke ihren Namen in den Schmutz zerrte? Ich...«

  »Das verstehe ich wohl«, seufzte Randel, »habe ich es doch schon oftmals in allen Einzelheiten gehört. Aber ich weiß auch, dass du ihm einen Becher Wein ins Gesicht geschüttet, ihn auf das Hinterteil geschlagen, seinen Tisch umgestürzt und den Mann überdies zwei- oder dreimal getreten hast. Glaube mir, Jack, das muss für jeden reichen! Sir George ist von hohem Stand, und du bist nur der Sohn eines Kapitäns im Ruhestand, auch wenn du dich in der Fremde durch Tapferkeit ausgezeichnet hast. Vergiss nicht, Jack, Sir George hätte streng genommen gar nicht gegen kämpfen müssen. Er hätte sich auf seinen Stand berufen und dich von seinen Dienern auspeitschen lassen können.«

  »Hätte er das getan«, knirschte Hollinster zwischen zusammengepressten Zähnen, »dann hätte ich ihm eine Pistolenkugel zwischen seine schwarzen Augen gejagt. Dick, lass mir meine Eigenheiten. Ich weiß, du predigst den rechten Weg - den Pfad der Geduld und der Bescheidenheit. Ich aber habe an Orten gelebt, wo die einzige

Hilfe eines Mannes der Degen an seiner Seite war, und ich habe ungestümes Blut geerbt. Und jetzt ist dieses Blut in äußerstem Aufruhr. Er wusste, dass ich Mary liebe, und dennoch saß er da und beleidigte sie in meiner Anwesenheit - aye, mir direkt ins Gesicht sprach er und mit einem höhnischen Grinsen! Und warum? Weil er Geld hat, Ländereien, Titel, eine einflussreiche Verwandtschaft und edles Blut. Ich bin ein armer Mann und der Sohn eines armen Mannes und trage mein Vermögen in einer Scheide an meiner Seite. Wären ich oder Mary von edler Abstammung gewesen, dann hätte er uns respektiert und....«

  »Pah!«, unterbrach Randel. »Wann hat Sir George Banway jemals etwas respektiert? Er hat seinen üblen Ruf in dieser Gegend wohl verdient. Er respektiert bloß seine eigenen Wünsche und Begierden.«

  »Und er stellt Mary nach«, grollte der andere wütend. »Nun, vielleicht wird er sie nehmen wie so manche andere Maid hier, aber zuerst muss er Jack Hollinster töten.

Dick, ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich halte es für besser, wenn du mich ein wenig allein lässt. Im Augenblick gebe ich für niemanden eine gute Gesellschaft

ab, und ich benötige die Einsamkeit und den kalten Atem der See, um mein brennendes Blut abzukühlen.«

  »Du suchst doch wohl nicht Sir George auf?«, fragte Randel zögernd.

  Jack machte eine ungeduldige Handbewegung. »Ich verspreche, den entgegengesetzten Weg einzuschlagen. Sir George hat sich nach Hause begeben, um seinen Kratzer behandeln zu lassen. Er wird sich zwei Wochen nicht blicken lassen.«

  »Aber Jack, seine Männer haben einen schlechten Ruf. Ist es ohne Risiko für dich?«

  Jack grinste wölfisch. »Keine Angst; schlägt er auf seine Weise zu, so in der Dunkelheit der Nacht und nicht am helllichten Tag.«

  

  Randel ging auf das Dorf zu und schüttelte zweifelnd den Kopf, während Jack seinen Weg entlang des Strandes fortsetzte. Jeder Schritt entfernte ihn weiter von den Behausungen der Menschen und tiefer in die düstere Region wilden Landes und wilden Wassers. Der Wind schnitt wie ein Messer durch seine Kleidung, aber er zog sich nicht den Mantel an. Wie ein Leichentuch lastete der graue Schimmer des Tages über seiner Seele, und er verfluchte das Land und das Klima.

  Seine Seele hungerte nach den fernen, warmen Ländern, in denen er gewandert war, aber vor seinem geistigen Auge erschien ein lachendes, mädchenhaftes Gesicht, das von goldenen Locken gekrönt war und in dessen Augen eine Warme lag, die selbst dieses kahle Land mild und angenehm machte.

  Da wurde er in seinen Gedanken durch den Anblick eines anderen Gesichts gestört: es war dunkel und spöttisch, hatte schwarze, grausame Augen, und unter einem schmalen schwarzen Schnurrbart verzog sich bösartig ein grausamer Mund.   

  Jack Hollinster fluchte ausgiebig.

  Eine tiefe Stimme unterbrach sein Fluchen: »Junger Mann, Eure Worte sind wie der Klang von Posaunen und Becken: voll Aufruhr und Wut, jedoch ohne Bedeutung.«

  Jack wirbelte herum und griff an den Degen. Auf einem großen grauen Felsbrocken saß ein Fremdling. Der Mann erhob sich, als Jack sich ihm zuwandte, entfaltete einen weiten, schwarzen Umhang und legte ihn sich über den Arm.

  Hollinster betrachtete ihn neugierig. Der Mann würde überall sofort Aufmerksamkeit erregen. Er war um eine gute Handbreit größer als Hollinster, der selbst Leute von durchschnittlicher Größe beträchtlich überragte. Kein Gramm Fett oder überflüssiges Fleisch hing an den Knochen, und doch wirkte der Mann nicht gebrechlich oder auch nur dünn. Im Gegenteil zeugten seine breiten Schultern, seine mächtige Brust und die langen Gliedmaßen von Kraft, Flinkheit und Ausdauer, verrieten den Fechter ebenso deutlich wie das lange Rapier an seinem Gürtel. Der Mann erinnerte Jack vor allem an die schlanken, grauen Wölfe, denen er in den sibirischen Steppen begegnet war.

  Aber es war das Gesicht, das zuerst die Aufmerksamkeit des jungen Mannes erregte: Es war ziemlich lang, glattrasiert und von einer seltsamen Blässe, die dem

Mann mit den eingefallenen Wangen ein fast leichenhaftes Aussehen verlieh - bis man ihm in die Augen sah. Diese leuchteten mit dynamischer Vitalität, jedoch verhalten und eisern beherrscht. Als Jack Hollinster in diese Augen blickte und ihre seltsame Macht verspürte, konnte er deren Farbe nicht erkennen. Es lag das Grau alten Eisens in ihnen, aber auch die Bläue der tiefsten Tiefen der Nordsee. Darüber befanden sich dichte, schwarze Brauen, und der Gesamteindruck war entschieden mephistophelisch.

  Die Kleidung des Fremden war auffallend schlicht. Keine Feder zierte seinen schwarzen Schlapphut. Von Hals bis Fuß war er in eng anliegende Gewänder in düsteren Farben gehüllt, ohne jeden Schmuck oder Verzierung. Kein Ring schmückte seine kräftigen Finger, kein Edelstein funkelte am Griff seines Rapiers, und die lange Klinge stak in einer einfachen Lederscheide. An den Kleidern befanden sich keine Silberknöpfe und an den Schuhen keine glänzenden Schnallen.

Sonderbarerweise wurde die düstere Monotonie seiner Kleidung durch eine breite Schärpe unterbrochen, die auf Zigeunerart um seine Taille geschlungen war. Die Schärpe war aus orientalischer Seide, schimmerte grün, und die Griffe eines Dolches und zweier Pistolen ragten daraus hervor.

  Hollinsters Blick wanderte über die sonderbare Erscheinung, und er fragte sich, wie der Mann Wohl hierhergekommen sein mochte. Er machte den Eindruck eines Puritaners, aber dennoch war etwas an ihm...

  »Wie seid Ihr hierhergekommen?«, fragte Jack ohne zu zögern. »Und wie kommt es, dass ich Euch nicht sah, ehe Ihr mich anspracht?«

  »Ich kam wie alle ehrlichen Männer, junger Herr«, gab die tiefe Stimme zur Antwort, als der Sprecher sich wieder in den weiten Umhang hüllte und erneut auf dem Felsblock Platz nahm, »nämlich auf meinen beiden Beinen. Und was die andere Frage betrifft: Derjenige, der so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, dass er den Namen des Herrn unnütz in den Mund nimmt, sieht weder seine Freunde noch seine Feinde.«

  »Wer seid Ihr7«

  »Mein Name ist Solomon Kane, junger Herr; ein Mann ohne Heimat – einst jedoch aus Devon.«

  Jack runzelte die Stirn. Der Puritaner musste irgendwo und irgendwann den unverwechselbaren Dialekt von Devonshire zur Gänze verloren haben. Von der Sprache her mochte er überall in England beheimatet sein - so- wohl im Norden wie auch im Süden. »Ihr seid weit herumgekommen, Sir?«

  »Meine Wanderungen haben mich durch viele fremde Länder geführt, junger Mann.«

  Da kam Hollinster ein Gedanke, und er betrachtete sein Gegenüber mit erneutem Interesse.

  »Wart Ihr nicht eine Zeitlang Hauptmann in der französischen Armee, und wart Ihr nicht in...« Er nannte einen bestimmten Ort.

  Kanes Stirn verfinsterte sich. »Aye. Ich führte einen Haufen gottloser Männer, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, wenngleich unsere Sache gerecht war. Bei der Einnahme der Stadt, die Ihr nanntet, wurden unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit viele üble Taten begangen, und mein Herz litt darunter. Nun, seither ist viel Wasser unter der Brücke hindurch geflossen, und ich habe einige der blutigen Erinnerungen im Meer ertränkt... Und wenn wir schon vom Meer sprechen, junger Mann: Was haltet Ihr von jenem Schiff, das seit der Morgendämmerung des gestrigen Tages dort ankert?«

Ein schlanker Finger wies gegen die offene See, und Jack schüttelte den Kopf. »Es liegt zu weit draußen. Ich kann es nicht deutlich ausmachen.«

  Die düsteren Augen bohrten sich in die seinen, und Hollinster zweifelte nicht daran, dass der Blick imstande wäre, die Entfernung zu überwinden und den Namen

des Schiffes zu lesen, der auf seinen Bug gemalt war. Diese seltsamen Augen schienen alles zu vermögen.

  »Es ist in der Tat ein wenig zu weit entfernt«, sagte Kane, »aber ich glaube es am Aufbau seiner Masten zu erkennen. Ich würde ganz gern den Herrn des Schiffes treffen.«

  Jack schwieg. Es gab keinen Hafen in der Nähe, aber bei ruhigem Wetter mochte ein Schiff leicht weiter herankommen und außerhalb des Riffes ankern. Vielleicht

handelte es sich um ein Schmugglerschiff. An dieser abgelegenen Küste, an der man nur selten Zollbeamte sah, herrschte stets ein ziemlich reger, aber gesetzloser Handel.

  »Habt Ihr je von einem gewissen Jonas Hardraker gehört, den man den Fischadler nennt?«

  Hollinster fuhr zusammen. Dieser gefürchtete Name war an allen Küsten der zivilisierten und an vielen der unzivilisierten Welt bekannt, denn sein Träger hatte durch berüchtigte Taten dafür gesorgt. Jack versuchte im Gesicht des Fremden zu lesen, aber die düsteren Augen waren undurchdringlich. »Der blutige Pirat? Nach dem, was ich zuletzt von ihm hörte, soll er in der karibischen See kreuzen.«

  Kane nickte. »Lügen sind rascher als das schnellste Schiff. Der Fischadler kreuzt dort, wo sich sein Schiff befindet, und wo sein Schiff ist, weiß nur sein Meister - der Teufel.« Er erhob sich und zog den Umhang enger um sich. »Gott hat mich an viele seltsame Orte geführt und über viele seltsame Pfade«, sagte er düster. »Einige waren gut und viele Waren schlecht; manchmal schien ich ohne Ziel und Zweck zu wandern. Doch jedes Mal, wenn ich tief nachdachte, konnte ich einen Grund dafür erkennen. Hört gut zu, junger Mann! Abgesehen von den Feuern der Hölle gibt es kein heißeres Feuer als die blaue Flamme der Rache, die Tag und Nacht ohne Unterlass das Herz eines Mannes verbrennt, bis er sich in Blut ertränkt. In der Vergangenheit war es oftmals meine Pflicht, verschiedene schlechte Menschen ihres Lebens zu berauben. Nun, der Herr ist mein Licht und mein Weg, und ich bin sicher, er hat mir meinen Feind in die Hände gegeben.«

  Mit diesen Worten schritt Kane mit langen, katzenhaften Schritten von dannen, während Hollinster ihm verwundert nachstarrte.

 

  Jack Hollinster erwachte aus unruhigen Träumen.

  Er setzte sich im Bett auf und blickte um sich. Draußen war der Mond noch nicht aufgegangen, aber im Fenster zeichneten sich schwarz gegen das Sternenlicht breite

Schultern ab.

  Ein warnendes »Pssst!« drang an seine Ohren.

  Jack erhob sich, zog den Degen aus der Scheide, die am Bettpfosten hing, und trat ans Fenster. Er erkannte ein bärtiges Gesicht, in dem zwei kleine Augen funkelten.

Der Mann atmete schwer, als wäre er weit gerannt.

  »Nimm deinen Degen, Junge, und folge mir«, kam ein eindringliches Flüstern. »Er hat sie.«

  »Wer hat wen?«

  »Sir George«, flüsterte es wieder. »Er schickte ihr ein Schreiben mit deinem Namen drauf, sie solle zum Felsen kommen, und seine Kerle schnappten Sie und...«

  »Mary Garvin?«

  »So wahr ich hier stehe, Herr!«

  Das Zimmer schien sich um ihn zu drehen, Hollinster hatte einen Angriff gegen sich selbst erwartet, nicht aber damit gerechnet, dass die Bösartigkeit von Sir George so weit gehen würde, das hilflose Mädchen zu entführen.

  »Verdammt sei seine schwarze Seele«, knirschte er zwischen zusammengebissenen Zähnen, als er sich hastig ankleidete. »Wo ist sie jetzt?«

  »Sie haben sie in sein Haus gebracht, Herr.«

  »Und wer bist du?«

  »Ich bin der arme Sam vom Stall bei der Schenke, Herr. Ich habe gesehen, wie sie sie ergriffen.«

  Angekleidet und mit dem Degen in der Hand, kletterte Hollinster durchs Fenster. »Ich danke dir, Sam«, sagte er. »Wenn ich am Leben bleibe, werde ich es dir nicht vergessen.«

  Sam grinste und entblößte dabei gelbe Zähne. »Ich gehe mit dir, Herr; ich habe ein paar Dinge mit Sir George abzurechnen!« Er schwenkte einen groben Knüppel.

  »So folge mir.«

  

  Sir George Banways altes Herrschaftshaus, das er zusammen mit ein paar hässlichen Dienern und einigen alten Weibern bewohnte, befand sich zwei Meilen entfernt vom Dorf am Strand, aber in entgegengesetzter Richtung zu jener, die Jack am Vortag eingeschlagen hatte. Es war unförmig und groß, reparaturbedürftig, und

die Eichenbalken waren vom Alter geschwärzt. Man erzählte sich viele böse Geschichten darüber, und außer den Raufbolden und Rohlingen, die das Vertrauen des Besitzers genossen, hatte es niemand aus dem Dorf je betreten. Es war von keiner Mauer umgeben, nur von einigen verwilderten Buschreihen und ein paar Bäumen. Das Moor reichte bis zur Hinterseite, und zwischen der Vorderseite und dem felsigen Meeresstrand erstreckte sich ein etwa zweihundert Schritt breiter Sandstreifen. Die Felsen am Ufer direkt vor dem Haus waren ungewöhnlich hoch und zerklüftet. Man sagte sich, es befänden sich geheimnisvolle Höhlen dazwischen und darunter, doch wusste niemand etwas Genaues, denn Sir George betrachtete diesen Teil des Ufers als sein Eigentum und pflegte Vorwitzige, die den Gerüchten nachgehen wollten, mit seiner Muskete zu beschießen.

  Kein Licht brannte im Haus, als Jack Hollinster und sein Begleiter sich ihm vom Moor her näherten. Ein dünner Nebel hatte die meisten Sterne verhüllt, und in diesem Nebel erhob sich das Haus schwarz und drohend, umgeben von Hecken und Bäumen. In Richtung des Meeres war alles wie in ein graues Leichentuch gehüllt,

aber einmal glaubte Jack das gedämpfte Klirren einer Ankerkette zu Vernehmen. Er fragte sich, ob ein Schiff außerhalb des gefährlichen Riffes liegen mochte.

  »Zu den Fenstern, Herr«, flüsterte Sam. »Er hat die Lichter gelöscht, aber er ist gewiss da!«

  Zusammen schlichen sie vorsichtig auf das dunkle Haus zu. Jack wunderte sich darüber, dass anscheinend keine Wachen aufgestellt waren. Fühlte sich Sir George

so sicher, dass er dies versäumte? Oder schliefen die Wachen? Er betastete vorsichtig ein Fenster. Es befand sich ein schwerer Laden davor, aber dieser ließ sich bemerkenswert leicht öffnen. Dabei durchzuckte ihn blitzartig ein Verdacht: Alles ging viel zu leicht! Er wirbelte herum und sah gerade noch Sams Keule herabsausen. Zum Ausweichen war es zu spät. Ehe die Welt um ihn versank und es um ihn dunkel wurde, sah er noch das Glitzern des Triumphs in Sams Augen.

 

  Langsam kam Jack Hollinster wieder zu Bewusstsein.

  Vor seinen Augen tanzten rote Schleier. Sein Kopf schmerzte fürchterlich, und das rote Leuchten tat ihm in den Augen weh. Er schloss sie und hoffte, der Schmerz

würde verschwinden, aber der Schein drang durch seine Lider und direkt in sein hämmerndes Gehirn. Gedämpft drang Stimmengewirr an seine Ohren. Er versuchte die Hand zum Kopf zu führen, konnte sich jedoch nicht bewegen. Da kam ihm mit einem Mal die Erinnerung an alles, und er war völlig wach und bei Bewusstsein. Er war an Händen und Füßen gefesselt und lag auf feuchtem Erdboden. Er befand sich in einem riesigen Keller, in dem sich Kisten und Fässer und schwarze Tonnen hoch auftürmten. Die Decke des Kellers bestand aus Brettern, die durch schwere Eichenpfosten abgestützt wurden. An einem dieser Pfosten hing eine Laterne, von der das Licht ausging, das ihm in den Augen schmerzte. Der Schein der Laterne erleuchtete den Keller, erfüllte jedoch die Winkel mit flackernden Schatten. An einem Ende führte eine breite steinerne Stiege in den Keller herab, während am anderen Ende ein Gang begann, der hinausführte.

  Im Raum befanden sich viele Männer. Jack erkannte das dunkle, höhnische Gesicht Banways. die aufgeschwemmten Züge des Verräters Sam und zwei oder drei der Raufbolde, die ihre Zeit abwechselnd in Sir Georges Haus und dem Dorfwirtshaus verbrachten. Die restlichen zehn bis zwölf Männer kannte er nicht. Es handelte sich zweifellos um Seeleute, denn sie hatten langes Haar, Ringe in den Ohren oder den Nasen, und sie trugen teerbefleckte Beinkleider. Einige hatten farbenprächtige Stirnbänder um den Kopf gebunden, und alle waren bis zu den Zähnen bewaffnet. Sie trugen schwere Säbel mit großen Schalen aus Messing, edelsteinbesetzte Dolche und mit Silber eingelegte Pistolen. Die Männer würfelten, tranken und fluchten wild, und ihre Augen glitzerten im Licht der Laterne.

  Piraten! Das waren keine ehrlichen Seeleute. Der Kontrast zwischen den Kostbarkeiten und ihrem Benehmen war zu groß. Zu den teerbefleckten Hosen und Seemannshemden trugen sie seidene Schärpen um die Hüften; an den Beinen hatten sie keine Strümpfe, doch waren viele in Schuhe mit Silberschnallen gekleidet und

trugen schwere Goldringe an den Fingern. An mehr als einem goldenen Ohrring baumelten große Edelsteine. Statt Seemannsmessern besaßen sie wertvolle spanische und italienische Dolche. Der Prunk, die verwegenen Gesichter und ihr wildes und gotteslästerliches Benehmen verrieten ihr blutiges Handwerk.

  Jack dachte an das Schiff, das er vor Sonnenuntergang gesehen und dessen Ankerkette er im Nebel gehört hatte. Plötzlich fiel ihm auch der seltsame Fremde, Kane, ein und dessen Worte. Hatte er gewusst, dass es sich um ein Piratenschiff handelte? In welcher Beziehung stand er zu diesen Verbrechern? War sein puritanisches Gehabe nur eine Maske, hinter der er unheilvolle Absichten verbarg?

  Ein Mann, der mit Sir George würfelte, wandte sich plötzlich dem Gefangenen zu. Er war groß und breitschultrig, und Jacks Herz schlug rascher. Dann beruhigte er sich wieder. Im ersten Augenblick hatte er den Mann für Kane gehalten, doch jetzt sah er, dass der Pirat, obgleich er dem Puritaner von der Statur her glich, in jedem anderen Hinblick sein Gegenteil darstellte. Er trug wenige, aber prächtige Kleidungsstücke und war mit einer Seidenschärpe, Silberschnallen und goldenen Troddeln geschmückt. Sein breiter Gürtel war mit Dolchen und Pistolen vollgepfropft, die mit Juwelen verziert waren. Ein mit Goldeinlagen und Edelsteinen überladenes, langes Rapier hing an einem verzierten Wehrgehänge. Von beiden goldenen Ohrringen hingen rot leuchtende Rubine herab, die zu dem braunen Gesicht eigenartig kontrastierten Das Gesicht war schmal und grausam, auf der hohen Stirn saß ein dreieckiger Hut, und zwischen ihm und den schwarzen Brauen war ein buntes Kopftuch sichtbar. Im Schatten des Hutes glitzerten graue Augen, über dem schmalen Mund krümmte sich eine messerscharfe Nase, und die Oberlippe zierte ein Schnurrbart, der zu beiden Seiten lang herabhing.

  »Ho, George, unser Gast ist erwacht!«, rief der Mann. »Bei Zeus, Sam! Ich glaubte schon, du hättest ihm zu viel verpasst. Aber er scheint einen dickeren Schädel zu besitzen, als ich erwartete.«

  Die Piraten hielten mit ihren Spielen inne und betrachteten Jack neugierig oder höhnisch. Sir Georges Antlitz verdunkelte sich, und er wies auf seinen linken Arm, wo unter dem geschlitzten Seidenärmel ein Verband zu erkennen war. »Du hast die Wahrheit gesprochen, Hollinster, als du sagtest, bei unserem nächsten Treffen wurde kein Richter anwesend sein. Nur deucht es mir, dass deine räudige Haut darunter leiden wird.«

  »Jack!« 

  Tiefer noch als Banways Hohn schnitt die verzweifelte Stimme ihm in die Seele. Jack rollte sich verzweifelt herum, und als er den Kopf verdrehte, bot sich ihm ein

Anblick, der fast sein Herz zum Stillstand brachte. An einen schweren Ring an einem der Eichenpfosten war ein Mädchen gebunden - ein Mädchen, das auf der feuchten Erde kniete und ihn mit weißem Gesicht und erschreckt aufgerissenen Augen anstarrte.

  »Mary - oh mein Gott!«, drang es über Jacks Lippen.

  Ein Chor brutalen Gelächters war die Antwort auf seinen gepeinigten Aufschrei.

  »Trinkt auf das Wohl des Liebespaars!«, brüllte der riesige Piratenkapitän und hob seinen schäumenden Lederbecher. »Trinkt auf die beiden, Leute! Mir scheint, er beklagt unsere Gesellschaft. Möchtest wohl gern mit dem Mädchen allein sein, was Junge'?«

  »Ihr Schweine!«, brüllte Jack und richtete sich mit übermenschlicher Anstrengung auf die Knie auf. »Ihr Feiglinge, ihr Memmen, ihr erbärmlichen Wichte! Bei allen Göttern der Hölle... hätte ich nur meine Arme frei! Lasst mich los, wenn ihr nur einen richtigen Tropfen Männerbluts in den Adern habt! Schneidet mich los, und ich fahre euch mit bloßen Händen an eure verdammten Hälse!

  »Donnerwetter!«, sagte einer der Piraten bewundernd. »Der Junge hat auf jeden Fall Mut, das muss man ihm lassen! Und welche Sprache... Verdammt, Kapitän, aber...«

  »Schweig!«, unterbrach ihn Sir George heftig. »Hollinster, du verschwendest nur deinen Atem. Diesmal stehe ich dir nicht mit bloßem Stahl gegenüber. Du hattest deine Chance und hast sie nicht genutzt. Diesmal kämpfe ich mit Waffen, die deinem Rang und Namen besser angepasst sind. Niemand weiß, wohin du gegangen bist, und warum. Und niemand wird es jemals erfahren. Die See hat schon bessere Männer als dich verborgen. Und was dich betrifft...« - er wandte sich an das entsetzte Mädchen - »...so wirst du mir in meinem Haus eine Weile Gesellschaft leisten. Und wenn ich deiner überdrüssig geworden bin...«

  »Sieh dazu, dass du ihrer bei meiner Rückkehr in zwei Monaten überdrüssig geworden bist«, unterbrach ihn der Piratenkapitän. »Wenn ich diesmal einen Leichnam mitnehme - und Satan weiß, dass dies eine unheilvolle Fracht ist -, so will ich das nächste Mal einen erfreulicheren Passagier an Bord haben.«

  Sir George grinste säuerlich. »Na schön. In zwei Monaten soll sie dir gehören - außer sie stirbt zuvor. Knapp vor Sonnenaufgang segelst du mit den Überresten Hollinsters in einem Leinensack los und wirfst ihn so weit vom Ufer entfernt über Bord, dass er niemals an Land gespült wird. Wenn du das tust, kannst du dir in zwei

Monaten das Mädchen holen.«

  Als Jack dieses Gespräch mithörte, sank ihm das Herz im Leibe. »Mary, meine Geliebte«, sagte er schwach, »wie kommst du hierher?«

  »Ein Mann brachte mir eine Botschaft«, flüsterte sie erschöpft und voll Furcht. »Die Schrift ähnelte deiner, und die Botschaft war mit deinem Namen unterzeichnet. Darin stand, du wärest verletzt, und ich sollte zu dir zum Felsen kommen. Ich kam, diese Männer ergriffen mich und brachten mich durch einen langen Tunnel hierher.«

  »Habe ich es Euch nicht gesagt, Meister?«, rief Sam voll höhnischer Freude. »Überlasst es nur dem alten Sam, ihn zu überlisten! Er folgte mir wie ein Lamm! Was für ein Trick - und was für ein Narr!«

  »Haltet ein«, erhob ein hagerer, finsterer Pirat, offenbar der Erste Steuermann, seine Stimme. »Es ist gefährlich genug. Und was geschieht, wenn irgendwer das Mädchen hier findet und sie alles erzählt? Wo werden wir dann die Waren los, die wir erbeuten?«

  Sir George und der Kapitän lachten. »Beruhige dich, Allardine! Du warst schon immer ein misstrauischer Kerl. Sie werden annehmen, das Mädchen und der Junge sind miteinander davongerannt. George sagt, ihr Vater mag den Jungen nicht. Keiner im Dorf wird die beiden je wiedersehen oder von ihnen hören, und hier werden sie niemals nachsehen. Du bist schlechter Laune, weil wir uns so weit von der offenen See befinden. Reiß dich zusammen, Mann; wir haben nicht zum ersten Mal den Kanal durchsegelt und in der Ostsee die Kauffahrer vor den Nasen der Kriegsschiffe beraubt!«

  »Das stimmt schon«, murmelte Allardine, »aber ich fühle mich erst sicher, wenn ich diese Gewässer hinter mir habe. In diesen Breiten sind die Tage der Piraten ge-

zählt. In der Karibischen See sind wir besser dran. Ich spüre Unheil in meinen Knochen. Über uns schwebt der Tod wie eine schwarze Wolke, und ich sehe keinen

Durchschlupf für uns.«

  Die Piraten wurden unruhig. »Halt ein, Mann! Deine

Rede bringt Unglück!«

  »Der Meeresboden ist ein freudloser Platz«, antwortete der andere düster.

  »Sei guten Mutes«, lachte der Kapitän und schlug seinem Steuermann dröhnend auf die Schulter, »Trink einen Schluck Rum auf die Braut! Die Hinrichtungsstätte ist ein unguter Platz, aber noch liegt viel Wasser dazwischen. Trink auf die Braut! Ha, ha! Georges und meine Braut - wenngleich das scheue Reh keine besondere Freude zu haben scheint...«

  »Still!« Der Steuermann riss den Kopf hoch. »War das nicht ein Schrei dort oben?«

  Alle schwiegen. Augenpaare richteten sich auf die Treppe, und Hände griffen nach den Waffen. Der Kapitän zuckte unwirsch mit den Schultern. »Ich habe nichts gehört.«

  »Aber ich. Ein Schrei und ein fallender Körper. Ich sage euch, heute geht der Tod um...«

  »Allardine«, sagte der Kapitän mit beherrschter Leidenschaft und hieb einer Flasche den Hals ab. »In der letzten Zeit bist du wahrhaftig zu einem alten Weib geworden, das sich vor Schatten fürchtet. Nimm dir ein Beispiel an mir! Mache ich mir jemals Sorgen?«

  »Es wäre besser, du ließest mehr Vorsicht walten«, antwortete der Steuermann. »Du gehst die größten Risiken ein, und dabei hast du Tag und Nacht einen menschlichen Wolf auf den Fersen! Hast du die Botschaft vergessen, die er dir vor fast zwei Jahren geschickt hat?«

  »Pah!« Der Kapitän lachte und hob die Flasche an die Lippen. »Die Spur ist selbst für...«

  Ein schwarzer Schatten fiel auf ihn, die Flasche entglitt seinen Fingern und zerschellte auf dem Boden. Wie von einer Vorahnung gepackt, erbleichte der Pirat und wandte sich langsam um. Aller Blicke richteten sich auf die Steintreppe, die in den Keller führte. Niemand hatte vernommen, dass sich eine Tür geöffnet oder geschlossen hätte, und doch stand ein großer Mann oben auf der Treppe. Er war ganz in Schwarz gekleidet, wenn man von der glänzenden, grünen Schärpe um seine Taille absah. Unter dichten, schwarzen Brauen im Schatten eines tief in die Stirn gezogenen Schlapphuts glühten zwei Augen. In beiden Händen hielt er schwere Pistolen.

  Solomon Kane! 

  »Keine Bewegung, Jonas Hardraker«, sagte Kane ausdruckslos. »Rühr dich nicht, Ben Allardine! George Banway, John Harker, Black Mike, Bristol Tom, haltet eure Hände vor euch, so dass ich sie sehen kann! Keiner rührt an Säbel oder Pistole, oder er stirbt augenblicklich!«

  Im Keller befanden sich fast zwanzig Mann, aber in den schwarzen Läufen lauerte für zwei von ihnen der sichere Tod, und keiner wollte der erste sein, der ihn fand. Also rührte sich niemand.

  Nur Steuermann Allardine keuchte: »Kane! Ich habe es gewusst! Wenn er in der Nähe ist, schwebt der Tod in der Luft! Ich habe es dir gesagt vor fast zwei Jahren, als er dir die Nachricht sandte, Jonas. Aber du lachtest. Ich habe dir ja gesagt, er kommt wie ein Schatten und tötet wie ein Gespenst! Die Indianer der Neuen Welt könnten von ihm lernen! Oh, Jonas, du hättest auf mich hören sollen!«

  Unter Kanes eisigem Blick verstummte er.

  »Du kennst mich von früher her, Ben Allardine. Du kennst mich noch aus der Zeit, ehe die Bruderschaft der Freibeuter zu einer blutigen Bande von Halsabschneidern und Piraten wurde. Wir beide erinnern uns daran, dass ich mit deinem Kapitän zu tun hatte. Er war ein schlechter Mensch, und er brennt zweifellos im Feuer der Hölle - wohin ich ihn mit Hilfe einer Musketenkugel schickte. Und was den Vergleich mit den Indianer betrifft, so muss ich zugeben, dass ich tatsächlich in der Neuen Welt etwas vom Handwerk der Jäger und vom Anpirschen gelernt habe, aber Piraten sind wie Ochsen und leicht zu beschleichen. Die Wachen vor dem Haus sahen mich nicht, als ich durch den Nebel schlich, und der Halunke, der mit Muskete und Säbel die Kellertür bewachte, wusste nicht, dass ich das Haus betreten hatte. Er starb eines plötzlichen Todes.«

  Hardraker fluchte wild. »Was willst du hier?«

  Solomon Kane bedachte ihn mit einem Blick, in dem er sein sicheres Verderben las, und das Blut gefror dem Kapitän in den Adern. »Einige deiner Leute kennen mich von früher, Jonas Hardraker, den man den Fischadler nennt.« Kanes Stimme war fast ausdruckslos, aber wenn man genauer hinhörte, erkannte man unterdrückte Leidenschaft dahinter. »Und du weißt sehr genau, warum ich dir von der Neuen Welt nach Portugal und von Portugal nach England gefolgt bin. Vor zwei Jahren versenktest du in der Karibischen See ein Schiff, die Flying Heart aus Dover. Darauf befand sich ein junges Mädchen, die Tochter von... Nun, der Name tut nichts zur Sache. Du erinnerst dich an das Mädchen. Sein Vater war ein guter Freund von mir, und vor vielen Jahren habe ich seine Tochter oftmals auf den Knien geschaukelt, das Kind, das, kaum erwachsen, in deine dreckigen Hände fiel. Das Schiff wurde also geentert, das Mädchen kam in deinen Besitz und starb kurz danach. Der Tod war gnädiger zu ihr als du. Ihr Vater, der durch Überlebende des Massakers von ihrem Schicksal erfuhr, wurde wahnsinnig. Sie hatte keine Brüder, niemanden außer diesem alten Mann. Niemand war da, um sie zu rächen...«

  »Außer dir, Sir Galahad?«, höhnte der Fischadler.

  »Ja, ich, du verdammter Hund!«, brüllte Kane unerwartet. Das Dröhnen seiner mächtigen Stimme schmerzte in den Ohren, und selbst die abgehärteten Freibeuter fuhren zusammen und erbleichten. Nichts ist überraschender und schrecklicher als der Anblick eines Mannes mit eiserner Selbstbeherrschung, der plötzlich diese Beherrschung verliert und in einem mörderischen Wutausbruch explodiert. Eine kurze Zeitlang, als er die Worte hinausdonnerte, bot Kane das Bild schrecklicher Leidenschaft. Danach legte sich der Sturm augenblicklich, und er war wieder er selbst: kalt und hart wie Stahl, tödlich wie eine Kobra.

  Einer der schwarzen Läufe richtete sich auf Hardrakers Brust, während der andere die übrigen Männer in Schach hielt.

  »Versöhne dich mit Gott, Pirat«, sagte Kane tonlos, »denn in wenigen Augenblicken ist es dazu zu spät.«

  Zum ersten Mal wurde der Kapitän kreidebleich. »Großer Gott«, keuchte er, während Schweiß auf seiner Stirn perlte, »du wirst mich doch nicht wie einen tollen Hund niederschießen?«

  »Genau das werde ich tun, Jonas Hardraker«. antwortete Kane, und weder seine Stimme noch seine Hand zitterte auch nur im Geringsten. »Und freudigen Herzens. Hast du nicht alle Verbrechen begangen, die man sich nur denken kann? Bist du nicht Gestank in der Nase Gottes und ein Schmutzfleck in den Büchern der Menschen? Hast du jemals den Schwachen verschont oder Mitleid mit Hilflosigkeit gehabt? Fürchtest du dich vor deinem Schicksal, du erbärmlicher Feigling?«

  Mit ungeheurer Anstrengung riss sich der Pirat zusammen. »Nein, ich fürchte mich nicht, aber der Feigling bist du.«

  Zorn verdunkelte einen Augenblick lang die kalten Augen. Kane schien sich noch mehr in sich zurückzuziehen, noch mehr von menschlichem Kontakt zurückzuweichen. Wie eine unmenschliche Gestalt stand er oben auf der Treppe - wie ein riesiger, schwarzer Kondor, der sich aufs Töten vorbereitet.

  »Du bist ein Feigling«, fuhr der Pirat hastig fort, denn er war kein Narr und hatte die schwache Stelle in Kanes Panzer entdeckt: Eitelkeit. Obgleich er nie prahlte, war Kane äußerst stolz darauf, dass, was immer man auch von ihm sagte, nicht einmal seine Feinde ihn je Feigling genannt hatten.

  »Vielleicht verdiene ich es, kaltblütig getötet zu werden«, fuhr der Fischadler fort und beobachtete ihn genau, »aber wenn du mir keine Gelegenheit gibst, mich zu verteidigen, wird man dich einen feigen Schwächling nennen.«

  »Eitelkeit ist die Tugend und die Schande des Menschen«, sagte Kane düster. »Und alle wissen, ob ich ein Feigling bin oder nicht.«

  »Aber ich nicht!«, rief Hardraker triumphierend. »Wenn du mich niederschießt, so werde ich im Jenseits wissen, dass du feige bist, mögen die Leute denken oder

sagen, was sie wollen!«

  Trotz all seines Fanatismus war Kane letzten Endes dennoch menschlich. Er versuchte sich einzureden, dass er sich nicht um das kümmerte, was der elende Schuft dachte oder sagte; aber in seinem Herzen wusste er, dass sein Stolz und seine Tapferkeit innerlich so groß war, dass er es für den Rest seines Lebens nicht zu vergessen vermochte, wenn der Pirat mit einem höhnischen Lächeln sterben würde.   

  Er nickte grimmig. »Es sei. Du sollst deine Chance haben, obgleich der Herr weiß, dass du sie nicht verdienst. Wähle die Waffen.«

  Die Augen des Fischadlers verengten sich. Kanes Geschick mit dem Degen war ein geflügeltes Wort unter den Gesetzlosen und Räubern, die die Welt durchstreif-

ten. Mit Pistolen hätte er, Hardraker, keine Gelegenheit für eine Hinterlist und vermochte auch nicht seine unerhörte Kraft einzusetzen.

  »Messer!«, stieß er zwischen den Zähnen hervor.

  Kane betrachtete ihn einen Augenblick lang nachdenklich, dann breitete sich ein grimmiges Lächeln über seine Gesichtszüge aus. »Ich bin einverstanden. Zwar ist das Messer nicht die geeignete Waffe für einen Gentleman, aber damit kann man einen Tod bringen, der weder rasch noch schmerzlos ist.« Er wandte sich an die Piraten: »Werft eure Waffen weg!«

  Sie gehorchten widerwillig.

  »Und jetzt macht das Mädchen und den Jungen los!«

  Auch diesem Befehl kamen sie nach.

  Jack streckte seine betäubten Gliedmaßen, befühlte die Wunde auf dem Kopf, die von getrocknetem Blut bedeckt war, und nahm die wimmernde Mary in die Arme.

  »Lasst das Mädchen gehen«, flüsterte er, doch Solomon schüttelte den Kopf.

  »Sie käme niemals an den Wachen vor dem Haus vorbei.«

  Kane bedeutete Jack, sich auf die Treppe zu stellen, mit Mary hinter ihm. Er reichte Hollinster die Pistolen, nahm den Gürtel ab, zog sich den Rock aus und legte beides vor sich auf die Stiegen, Hardraker legte seine Waffen ab und zog sich bis auf die Hosen aus.

  »Halte sie alle gut unter Aufsicht«, murmelte Kane. »Ich kümmere mich um den Fischadler. Wenn ein anderer nach einer Waffe greift, schieß rasch und genau. Falle ich, so flieh mit dem Mädchen die Treppe hinauf. Aber mein Geist ist mit der blauen Flamme der Rache erfüllt, und ich werde nicht fallen!«

  Die beiden Männer gingen aufeinander zu: Kane barhäuptig mit Hemd und Hosen, während Hardraker sein Kopftuch trug, ansonsten aber bis zu den Hüften nackt war. Der Pirat war mit einem langen, türkischen Dolch bewaffnet, den er mit der Spitze nach oben hielt. Kane hielt einen Dolch vor sich wie ein Rapier. Beide waren erfahrene Kämpfer, und daher richtete keiner die Spitze der Waffe nach unten. Das ist unpraktisch und nur in ganz besonderen Fällen von Vorteil.

  Die flackernde Laterne an der Wand beleuchtete eine alptraumhafte Szene: Auf der Treppe stand der bleiche Jüngling mit dem Mädchen hinter sich und den Pistolen in den Händen, die Augen der bärtigen Piraten glitzerten, die mattblauen Klingen schimmerten gespenstisch, als die beiden Gestalten in der Mitte des Raumes einander umkreisten.

  »Komm und kämpfe, Puritaner«, höhnte der Pirat, wich aber gleichzeitig vor Kanes unerbittlichem Vormarsch zurück. »Denk an das Mädchen, Breitkrempe!«

  »Das tue ich auch, du Abschaum des Fegefeuers«, erwiderte Kane ernst. »Es gibt viele Feuer, du Niederträchtiger, und einige sind heißer als andere. Aber mit Ausnahme der Feuer der Hölle können alle Feuer mit Blut gelöscht werden!«

  Und Kane stieß zu wie ein Wolf.

  Hardraker parierte den geraden Stoß, sprang vorwärts und führte einen Streich nach oben, Kane lenkte die Waffe mit der Spitze der seinen ab, und der Pirat sprang mit einem mächtigen Satz wieder außer Reichweite. Kane drang erbarmungslos nach - stets war er der Angreifer in jedem Kampf. Wie der Blitz stieß er nach dem Gesicht und dem Körper, und für einige Augenblicke war der Pirat zu sehr damit beschäftigt, die Stöße abzuwehren, um an einen eigenen Angriff zu denken. So konnte es nicht lange weitergehen, denn ein Messerkampf ist meist kurz und tödlich. Die Natur der Waffen lässt ein langes Schauspiel der Fechtkunst nicht zu.

  Da erkannte Hardraker eine Gelegenheit und packte plötzlich Kanes Handgelenk mit eisernem Griff, während er gleichzeitig einen wilden Streich nach dem Leib seines Feindes führte. Kane fing die emporzuckende Hand auf, was ihm einen bösen Schnitt eintrug, und stoppte die Messerspitze einen Fingerbreit vor seinem Körper. Einen Augenblick lang standen die beiden wie Statuen da, starrten einander in die Augen und setzten all ihre Kräfte ein.

  Kane mochte diese Art des Kampfes nicht. Er zog den anderen Stil vor, der rascher zu einer Entscheidung führte, den offenen Stil, bei dem man vor und zurück sprang, stieß und parierte, wo man sich auf die Flinkheit von Hand, Fuß und Auge verlassen musste, wo man zu offenen Stößen einlud und solche austeilte. Aber sollte es auf ein Kräftemessen ankommen, so war es ihm auch recht!

  Hardraker bekam bereits Zweifel. Noch nie war er einem Mann begegnet, der ihm ebenbürtig war, was rohe Kraft anbelangte. Nun musste er jedoch feststellen, dass der Puritaner unnachgiebig wie Eisen war. Er sammelte all seine Kraft in seinen Gelenken und den mächtigen Beinen.

  Kane hatte den Griff gewechselt und sich der veränderten Lage angepasst. Beim Zusammenprall hatte Hardraker Kanes Hand mit dem Messer hochgedrückt. Nun hielt Solomon seine Waffe mit der Spitze abwärts über der Brust des Piraten. Sein Bestreben ging darauf hinaus, die Hand, die sein Gelenk umspannte, hinunterzudrücken, so dass er Hardraker den Dolch in die Brust stoßen konnte.

  Der Fischadler hielt sein Messer tief und mit der Klinge nach oben und versuchte, gegen den Widerstand von Kanes linker Hand und linkem Arm dem Puritaner den Bauch aufzuschlitzen.