Sophies schlimme Briefe - Kirsten Boie - E-Book

Sophies schlimme Briefe E-Book

Kirsten Boie

4,9
8,99 €

Beschreibung

Muntermacherbriefe für die Oma Farbige Neuausgabe des Boie-Kleinods Sophies Oma liegt im Krankenhaus, weil sie eine neue Hüfte bekommen soll. Das beschäftigt Sophie und sie schreibt ihr Briefe, in denen sie erzählt, was in der Schule und zu Hause passiert û aber nur die lustigen Sachen! Bestimmt möchte die Oma das alles wissen. Sophie passt sehr auf, dass sie keine schlimmen Wörter benutzt, aber das gelingt ihr nicht immer! Ein Briefroman zum Vorlesen und Selberlesen, warmherzig aus Kindersicht erzählt - und mit schlimmen Wörtern wider Willen, die besonders viel Spaß machen!

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 62




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Wie geht es dir in deinem Krankenhaus? Mama sagt, na gut, ich kann dir schreiben. Wenn ich die Buchstaben alle weiß. Die weiß ich aber sowieso ja alle. Ich bin ja kein Baby.

Liebe Omi, hast du große Angst vor dem Operieren? Bestimmt ist eine neue Hüfte aus Plastik sehr schön. Plastik ist sehr haltbar und auch abwaschbar. Nur leider ist Plastik nicht gut für die Umwelt, wusstest du das? Lieber soll man Stoff nehmen oder Papier. Aber Mama sagt, das geht natürlich nicht für eine neue Hüfte.

Hast du Angst vor der Betäubung? Piesel (Rowedder) sagt, das ist nicht schlimm. Bei Piesel haben sie die Polypen rausgeschnitten, letztes Jahr. Es hat nicht wehgetan, sagt Piesel. Du musst also überhaupt keine Angst haben. Du kriegst was aufs Gesicht, das riecht komisch. (Piesel sagt, es stinkt.) Dann musst du zählen und dann bist du schon eingeschlafen. So war das bei Piesel, also keine Sorge.

PS (Ich hab noch was vergessen, liebe Omi.) Willst du wissen, welche Krankheiten ich alle schon hatte? Ich hatte schon: Erkältung und Keuchhusten (mit Spucken) und Windpocken und leichte Mumps und Scharlach und Drei-Tage-Virusse und vielleicht Röteln (das weiß man nicht genau, liebe Omi, es ist keine schwere Krankheit) und gebrochenen Arm und ganz oft Durchfall (aber darüber redet man nicht, es ist eklig). Ich bin immer wieder gesund geworden, du musst dir also keine Sorgen machen, man wird immer wieder gesund. Außer wenn man stirbt. Du stirbst aber nicht, liebe Omi, du bist ja noch jung. (Piesel sagt, es gibt auch Betäubungen mit Spritze, die stinken nicht so doll.)

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Mama sagt, vielleicht heitern meine Briefe dich ja auf, dass du nicht mehr so Angst haben musst. Aber ich darf dich nicht aufregen. Ich soll dir was Fröhliches schreiben.

Liebe Omi, das ist jetzt sehr fröhlich: Heute in der Pause hat Fabian dem Mirko einen Zahn rausgeschlagen! Es hat geblutet, aber nicht so doll. Und außerdem war Mirko selber schuld. Weil er nämlich Fabians Sandale im Mülleimer versteckt hat, und Fabian hat geschrien: »Gib die her! Gib die her!« Und ist immer so auf einem Bein gehüpft. Aber Mirko hat nicht auf ihn gehört. Da hat Fabian zugeschlagen und da hatten wir alle gut was zu gucken. Zuerst hat Mirko nur immer so an seiner Lippe rumgesaugt und dann hat er plötzlich gespuckt. Da lag der Zahn auf dem Boden, und alle haben geschrien: »Ein Zahn! Ein Zahn!« Der kleine Arne hat natürlich gleich wieder angefangen zu heulen, dabei war es noch nicht mal sein Zahn.

Piesel und ich sind gleich zu Frau Meier gerannt und haben Bescheid gesagt. (Ich glaube, es war kein Petzen, aber vielleicht doch.) Frau Meier ist angerannt gekommen und hat gerufen: »Wo ist der Zahn? Zeigt mir sofort den Zahn!«

Dann hat sie gesagt, es ist alles gar nicht so schlimm, es ist nur ein Milchzahn. Und bestimmt hat der schon vorher gewackelt. Aber Prügeln ist trotzdem nicht schön.

Liebe Omi, findest du die Jungs auch so blöd? Immer müssen sie sich prügeln und Zähne raushauen und Nasen blau. Piesel und ich streiten uns nur manchmal. Und dann hauen wir uns auch nicht. Ich sag Piesel dann nur, wie doof sie ist, von hier bis nach Jerusalem. Da wird sie wütend, das kannst du gar nicht glauben bei so einer kleinen Piesel.

Bist du jetzt wieder fröhlich?

PS Mama sagt, wenn mir nichts einfällt, kann ich dir ja von der Schule erzählen. Findest du das interessant? Wir haben heute auch noch das »EU« gelernt, das freut dich bestimmt. Es ist sehr nützlich, weil man es für viele Wörter braucht: heute, Leute, Heu, freuen und noch viele andere. Ich kannte es aber sowieso schon.

(Das heißt Sophie abgekürzt, liebe Omi,

man macht es so.)

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Heute haben sie sich leider nicht geprügelt, ich kann dir also gar nichts Fröhliches erzählen. Nur leider etwas sehr, sehr Gemeines, aber das ist geheim, weil ein schlechtes Wort dabei ist. Ich habe es Mama nicht erzählt, weil sie sonst schimpft, aber du schimpfst ja nicht, Omi, es ist auch kein so sehr schlechtes Wort. Aber du darfst den Brief keinem zeigen, schwöre mit drei Kreuzen auf Tod und Leben heilig! Sonst kann ich es nicht schreiben.

Wir haben heute das »SCH« gelernt, das kennst du ja, man muss sich gleich drei Buchstaben merken und es klingt wie eine Spielzeuglokomotive. Ich kannte es aber schon.

Frau Meier hat gesagt, wir sollen Wörter damit im Lesekasten stecken, und ich habe »SCH-ULE« gesteckt und »SCH-NEE« und »SCH-ÜRZE« und »A-SCH«. Das hat das »SCH« ja hinten. Aber dann ist Frau Meier gekommen und hat den Lesekasten nachgeguckt. Sie hat mich so angeblinzelt, und dann hat sie gesagt: »Sophie, das nimm aber mal ganz schnell wieder da raus!« Und dann hat sie gesagt, dass es ein ungezogenes Wort ist, und ungezogene Wörter wollen wir in unserem Lesekasten gar nicht stecken. In unserer Klasse sagen wir das Wort nicht, hat Frau Meier gesagt, da sagen wir lieber »PO«. Aber Po hat doch gar kein »SCH«, liebe Omi! Das wäre ja gar nicht richtig gewesen, wenn ich das gesteckt hätte. Da hat Frau Meier nicht gut überlegt.

Ich musste das Wort wieder rausnehmen aus meinem Lesekasten, da hatte ich nur noch »Schule« und »Schnee« und »Schürze«, das waren nur drei. Und Frau Meier hat mich gar nicht gelobt. Und weißt du, was das ganz Gemeine ist? Piesel hatte wieder bei mir abgeguckt, das macht sie immer, und alles genauso geschrieben wie ich. Nur das Wort mit dem »SCH« hinten hatte sie noch nicht, da war sie zu langsam. Und Frau Meier hat »Prima, Antonie!« zu ihr gesagt. Dabei hatte Piesel doch abgeschrieben! Ich hab den ganzen Tag nicht mehr mit Piesel geredet und ich bin auch alleine nach Hause gegangen. Geschieht ihr recht.

Vielleicht weiß ich morgen wieder was Fröhliches, liebe Omi!

PS Omi? Frau Meier hat gesagt, und außerdem schreibt man das Wort mit einem »R« zwischen dem »A« und dem »SCH«. Warum macht man das denn? Damit man es nicht gleich erkennt? Weil es so ferkelig ist? Ist es wie Geheimschrift?

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Mama sagt, bald wird ihr das Porto zu teuer, wenn ich dir nun jeden Tag schreibe. Sie ärgert sich aber nur, weil ich die Briefe immer gleich zuklebe, und sie kann nicht lesen, was drinsteht. Das soll sie auch nicht, liebe Omi, schwöre heilig! Es ist nur ganz allein unser Geheimnis, weil Mama sonst doch nur schimpft. Ich sage ihr, ich schreibe dir nur was zum Aufheitern. Dann nörgelt sie nicht mehr so doll. Heute hat sie aber doch genörgelt, weil sie nämlich nicht genug geschlafen hat. Dann nörgelt sie ja immer und ich muss es aushalten und dabei ist Demian schuld. Der hat heute die ganze Nacht gespuckt. (Merkst du das, Omi? Ich habe nicht gekotzt geschrieben, weil ich ungezogene Wörter nämlich kindlich finde.) Mama hat gejammert, weil es vielleicht ein Virus ist, und ich kriege den dann auch.

Wir haben wirklich viel Ärger mit Demian und er schreit und schreit und ist zu nichts nütze. Ich wäre viel lieber ein Einzelkind, die kriegen auch mehr zum Geburtstag.