Tag 1 - cevdet Ildiz - E-Book

Tag 1 E-Book

Cevdet Ildiz

0,0

Beschreibung

Was ist mit Jack los? Er wacht alleine in seinem Schlafzimmer auf. Von seiner Frau und ihrer gemeinsamen Tochter fehlt jede Spur. Nur ein kleiner Zettel dient als Hinweis. Alleine macht er sich auf den Weg, um die Beiden zu finden. Durch den dichten Nebel folgt er seinem Instinkt und entdeckt seine alte Stadt völlig neu. Wo ist seine Familie? Und wieso fühlt er sich so elend? Die Antworten auf diese Fragen werden ihn an seiner Vernunft zweifeln lassen. Jack setzt seine Suche fort und trotzt allen Gefahren auf dem Weg.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 194

Veröffentlichungsjahr: 2025

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Weitere Informationen finden Sie unter meinem Instagram Account:

https://www.instagram.com/proepicnoob_cosplay/

Anbei noch der Link zu meinem ersten Buch (natürlich auch auf Amazon und anderen Plattformen erhältlich):

https://buchshop.bod.de/terror-cevdet-ildiz-9783756888634

Dieses Buch widme ich meiner geliebten Frau. Sie musste viel durchmachen in der letzten Zeit, dafür möchte ich mich entschuldigen. Die Zeit mit ihr ist und bleibt die beste Zeit meines Lebens. Wir hatten dieses Jahr 2024 unseren 10. Hochzeitstag und ich habe ihr dafür nie den gebührenden Respekt zukommen lassen, den sie verdient. Ich liebe dich über Alles.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Zwischenwort

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Vorwort

Die Zukunft ist etwas Mysteriöses. Jeder Mensch denkt dabei an etwas Anderes. Damals zu der Zeit als die Filme der „Zurück in die Zukunft“ Reihe herauskamen, waren sie mit den gezeigten Flatscreens so etwas wie Prophezeiungen für die jetzige Zeit, welche tatsächlich so eintrafen. Andere Fernsehserien haben nahezu akkurat Ereignisse vorhergesagt, welche später so eingetroffen sind. Andere wiederum sagten das Ende der Welt voraus und am vorbestimmten Datum passierte rein Garnichts.

Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: Die Zukunft ist ungewiss und kann in jede Richtung gehen. Sie kann Fortschritt, aber auch genauso einen Schritt zurück bedeuten. Doch was wäre als Beispiel, wenn die Zukunft gar nicht anders ist als die jetzige Zeit? Es bleibt alles auf dem jetzigen Stand technologisch gesehen. Man könnte eben solch eine Zukunft auch als Schritt zurück bezeichnen, da es keinen Fortschritt gibt. Man sollte mit dem zufrieden sein, was man hat, das denke ich mir.

Ich habe mich mit diesem Buch wieder auf eine Reise ins Ungewisse begeben. Einen neuen Charakter für Sie erfunden, welcher mir bis Zuletzt sehr ans Herz gewachsen ist. Ich hoffe Sie werden ihn genauso lieben lernen und begleiten ihn auf seiner Suche. Ich habe mir in dieser Geschichte einen groben Schnitzer, was die „Regeln des Schreibens“ angeht, erlaubt. Ja ich bin noch ein Anfänger, was das Autorendasein angeht, doch weigere ich mich, Regeln einzuhalten, wenn dies für meine Erzählweise hinderlich ist. Manche würden mich deshalb verteufeln, allerdings hat heutzutage weder im Autorenwesen noch in der Filmbranche oder im Gamedesign, irgendjemand das Rad neu erfunden. Alles, was man sieht hat man schonmal irgendwo mitbekommen und wenn es nur in abgewandelter Form ist. Ich möchte nicht behaupten ich hätte hier etwas gänzlich Neues erschaffen. So etwas würde ich mir nie anmaßen. Doch denke ich, dass ich in ungefähr der Mitte des Buches einen kleinen, ich nenne es mal „Ausatmer“ eingebaut habe, welcher dem Ganzen einen gewissen neuen Schwung geben soll. Dieses Buch umfasst genau 26 Kapitel, davon einige länger und einige kürzer. Wieso sage ich Ihnen das? Ich möchte, dass Sie, lieber Leser, wissen was Sie erwartet. Und so können Sie, immer wieder aufs Neue, in Ihren Gedanken das Ende selber durchspielen. Was könnte jetzt noch passieren, wo doch schon so viel passiert ist, weil es bald zu Ende sein wird?

Ich freue mich, auf die Erfahrung, die Sie machen werden und wünsche Ihnen viel Spaß mit der folgenden Reise.

Kapitel 1

Ein neuer Tag, in demselben tristen Zimmer. Mein, nein unser Schlafzimmer in unserem alten Haus in dem wir seit vielen Jahren wohnen. Meine Sicht ist getrübt von einem grauen Schleier und meine Augen lassen sich nur schwer öffnen so wie in letzter Zeit immer.

Ich bin krank, das weiß ich, doch was genau ich habe, weiß keiner. Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich mit meiner Tochter und meiner wunderschönen Frau in unserem Garten gespielt habe. Damals war die Welt noch in Ordnung. Stundenlang haben wir uns gegenseitig gefangen oder haben uns voreinander versteckt. Natürlich habe ich immer absichtlich verloren, damit meine Kleine gewinnen konnte. Nach dieser Zeit sehne ich mich zurück. Sogar nach meinem langweiligen Bürojob verdammt! Meine Kollegen und meine Chefin, die ich immer gehasst habe. Wie gerne würde ich wieder meinen Alltag haben, ohne diese Krankheit.

Dann kam das Virus, diese Plage die uns Alle heimgesucht hat. Wie heißt sie noch gleich? Ich weiß es nicht mehr, es scheint alles schon so lange vergangen zu sein. Wieso kann ich mich nicht mehr an die Details erinnern? Ich bin müde tagein, tagaus ohne mich zu verausgaben. Der Gang ins Bad um mein Geschäft zu verrichten, fühlt sich wie ein langer Marsch an. Die Treppen im Haus erinnern mich an Berge, welche ich erklimmen muss, um an den Gipfel zu kommen. Oder andersherum hinabsteigen muss, um an den Fuß des Berges zu gelangen. Jeder Luftzug durch das Fenster in meinem Schlafzimmer umschlingt meinen Hals und die Kälte durchfährt meinen ganzen Körper. Meine Decke, oder besser gesagt meine Decken, sind warm. Denn wie in einer Bettenburg liege ich unter 3 von ihnen.

Fast wie früher in meiner Kindheit, in der ich und mein Bruder oft zusammen Ritter gespielt hatten. Einer war der Ritter in der Burg und der andere wollte diese stürmen. Mit allen Mitteln natürlich. Gebaut haben wir unsere Burg im Kinderzimmer aus unserem Etagenbett und allen Kissen und Decken, die wir finden konnten. Oft haben wir sogar das Wohnzimmer geplündert und die Kissen dort als Wurfgeschosse genutzt. »Stürzt die Burg!«, hat der Angreifer immer gerufen und jeder verschoss sein Arsenal an gefährlichen Kissen. Manchmal taten wir so, als würden wir sie anzünden und brennende Geröllbrocken in die Burg katapultieren.

Mein Bruder… was war mit ihm geschehen? Ich habe ihn seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, oder etwas von ihm gehört. Nachdem alles den Bach runterging, trennten sich unsere Wege. Jeder hatte seine eigene Familie zu beschützen. Ich blieb hier im Elternhaus, welches ich seit jenem Tag gegen Plünderer und andere Widrigkeiten verteidigt habe. Er sollte aber nicht sehr weit weg sein. Vielleicht werde ich ihn mal besuchen, sofern ich diese Krankheit bald loswerde. Die Matratze und der Lattenrost unter mir ächzen bei jeder Bewegung meines Körpers. Die Krankheit hat einen Vorteil: Durch die leichte Ernährung habe ich viel Gewicht verloren.

Mein Magen knurrt, es wird Zeit für Frühstück. Meine Frau bringt es mir immer und stellt es in mein Zimmer, wenn ich schlafe und holt das leere Tablett nach dem Essen wieder ab wenn ich wieder eingeschlafen bin. Ich schlage die Decken beiseite, um aufzustehen. Immernoch trage ich denselben Schlafanzug, wie vor… ich erinnere mich nicht mehr wie lange ich ihn trage. Ich setze mich auf und sofort fängt alles an sich zu drehen. Meine Sicht verschwimmt und kurz sehe ich helle Lichter aufblitzen. Das Fenster im Schlafzimmer ist kaputt und die Bruchstellen wurden mit Holzlatten versperrt. Dennoch bläst der kühle Wind unentwegt hindurch, was sicherlich nicht förderlich für meine Krankheit ist. Trotz des Windes schwitze ich und meine Klamotten kleben förmlich an mir. Meine Stirn ist nass vom Schweiß und meine Lippen sind im Gegensatz dazu trocken, genau wie meine Kehle. Wasser. Ich greife nach dem Glas auf dem Nachttisch neben meinem Bett, doch nur eine kleine Pfütze bedeckt noch den Boden. Normalerweise sorgt meine Frau immer für eine volles Glas. Ich mache mich daran die Flasche, welche daneben steht, zu öffnen und nachzufüllen. Durch die kühle Luft hat das Wasser eine erfrischende Temperatur. Nach dem ersten Schluck geht es mir schon besser und ich leere den Inhalt des Glases sofort. Als ich aufstehen will, stößt mein Fuß gegen ein Essenstablett mit leeren Tellern und Essensresten. Doch wie kann das sein? War es etwa doch nicht Morgen? Habe ich so die Zeit aus den Augen verloren? Der Wecker neben meinem Bett auf dem Nachttisch steht still, obwohl meine Frau mir gesagt hatte, dass sie Batterien besorgen wird. Die Wände des Zimmers sind alt und die Tapete ist an vielen Stellen schon gerissen. Andere Stellen bestehen nur noch aus nacktem Stein. Ich hoffe das Haus hält noch einige weitere Jahre mit mir und meiner Familie aus. Ich gehe schlurfend an meinem Kleiderschrank vorbei und ziehe mir Socken und eine Strickjacke über. So verlasse ich das Zimmer und gehe ins Bad, um mein Geschäft zu erledigen. Wieso liegt das Tablett noch neben dem Bett? Nach meinem kleinen Geschäft verlasse ich die obere Etage und beginne den Abstieg in das Wohnzimmer. Es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis ich an meinem Ziel angekommen bin. Der Hausflur ist im selben tristen Grau gestrichen wie mein Schlafzimmer. Grau war schon immer meine Lieblingsfarbe. Sie ist neutral und man sieht nicht jeden Fleck. Obwohl nach all den Jahren viele Stellen an der Wand dunkler sind. Unten angekommen betrete ich den Flur, der in das Wohnzimmer führt. Hier ist das Reich meiner Frau, mit Duftkerzen und Bildern überall von uns und der Familie. Die Kerzen brennen nicht, was mich wundert, denn Heizen ist schon lange keine Option mehr, seit die Energieversorgung so teuer geworden ist. Es ist kalt, denn genau wie im Schlafzimmer, sind die Fenster zerstört und zeugen von alten Kämpfen. Eines muss ich noch verbarrikadieren und geeignete Holzlatten besorgen. Der Fernseher läuft nicht und in der Küche herrscht keinerlei Betrieb. Die Couch ist alt aber dennoch, oder gerade deswegen, sehr bequem. An einigen Stellen ist sie gerissen und weist Kratzspuren von unsern Katzen auf, welche seit einiger Zeit weggelaufen sind. Obwohl ich schon seit langer Zeit nicht mehr darauf sitze, da ich das Bett hüten muss, lockt sie mich. Mein Schlafzimmer ist mein Reich geworden, seitdem die Krankheit in mir ausgebrochen ist. »Hohes Fieber«, wurde mir immer gesagt, aber nichts Näheres. In der Küche liegt noch etwas Obst in der Schale. Der Apfel sieht noch essbar aus, also verschlinge ich ihn mit ein paar Bissen komplett mitsamt dem Stiel. An der Tür zur Küche, welche zwischen Wohn- und Esszimmer liegt, sehe ich einen kleinen Zettel hängen. Wo haben sie den nur rausgekramt? Völlig zerfleddert und schon etwas vergilbt hängt er da. Darauf steht: Sind kurz etwas besorgen. Kommen bald wieder. Ruh dich aus! Das erklärt einiges. Ich gehe wieder aus dem Flur und erklimme abermals die Treppe in mein kleines Schlafzimmer. Erst jetzt vernehme ich das leise Geräusch des Radios dort. Größtenteils hört man nur statisches Rauschen, aber einige Wortfetzen wie Virus und Ausbruch, oder Plünderungen können erahnt werden.

Ich werde mich wohl oder übel wieder ausruhen müssen. Hoffentlich geht es ihr gut. Erschöpft von dieser Wanderung, lege ich mich wieder in das Bett. Die Matratze zeigt durch einen deutlichen Umriss die Stelle, auf der ich immer liege. Wieder im Warmen, hülle ich mich in die Decken und schließe die Augen. Fast augenblicklich drifte ich ab in einen Traum und in die Sorglosigkeit.

Kapitel 2

Ich sitze auf einer Wiese und höre den Vögeln zu. Ihr Lied klingt fröhlich und unbekümmert im sanften Frühlingsmorgen. Das ist der erste gemeinsame Urlaub als Familie und meine Frau sitzt mit unserer Tochter am Flussufer. Sie kühlt sich im Wasser die Füße mit der Kleinen. Ich lasse Steine weiter flussaufwärts über den Fluss springen, dort wo das Wasser noch nicht von der Strömung umhergewirbelt wird. Ohne Pause werfe ich immer weitere Steine in das kühle Nass. Erst sind es nur ein paar, aber ab dem 10. Stein höre ich auf zu zählen. Als wäre es ein Wettkampf werfe ich immer schneller und schneller. Schweißperlen treten mir auf die Stirn als ich wie besessen den wahrscheinlich 100. Stein schmeiße. Schwer atmend hole ich Luft und stütze meine Hände auf die Knie. Als ich wieder zu meiner Frau schaue, ist sie verschwunden mit der Kleinen. Ich sehe sie gerade noch in den Wald verschwinden und kurz treffen sich unsere Blicke. Ihr Gesicht hat etwas Unheilvolles, ja fast gespenstisch sieht sie aus. Ich folge ihr natürlich, doch kann sie nicht einholen. Immer wieder versuche ich ihr hinterherzurufen doch meine Stimme versagt bei jedem Versuch. Es entweicht nur ein Krächzen und Keuchen. Ich gehe den steinigen Weg entlang zwischen den Bäumen hindurch, welche immer größer werden und immer unheimlicher aussehen, je tiefer ich in den Wald hineintrete. Auf einen Schlag ist es dunkel und die Bäume bekommen grausige Fratzen, mit denen sie mich anblicken und zu verhöhnen scheinen. Die Vögel haben aufgehört zu singen. Man hört nur noch den Wind – den mittlerweile eisigen Wind – der mir um den Nacken weht. »Es sollte doch warm sein um diese Jahreszeit!«, höre ich mich zu mir selbst sagen. Weiter vorne vernehme ich einen Schrei und erhöhe besorgt mein Tempo. Wieder versuche ich meine Frau zu rufe. Nichts. Als ich durch die Zweige der Bäume hindurcheile, finde ich mich an einer kleinen Lichtung wieder. Meine Frau ist mir viele Schritte voraus. Gerade als ich sie dann endlich erblicke, wird die Hoffnung in meinem Blick durch Grauen ersetzt. Das was ich dort sehe, lässt mich starr vor Schreck stehen bleiben. Meine Frau steht dort und wird von Etwas angegriffen. Mit Händen und Füßen versucht sie sich vor einem Ungetüm zu wehren. Was es ist kann ich nicht genau erkennen, doch es sieht nahezu menschlich aus. Aus der Entfernung kann ich nur einen kahlen Kopf und Lumpen erkennen, die seinen Körper bedecken. Die Hände ausgestreckt, als würde es sich etwas holen wollen, attackiert das Monster meine Frau und meine Tochter, welche meine Frau vor ihre Brust gespannt in einer Tragetasche hält. Sie weint und meine Frau schreit, während sie auf das Ungetüm einschlägt und es tritt, wo sie nur kann. Ich versuche zu rennen, doch meine Beine fühlen sich schwer wie Blei an. Als ich an mir herunterblicke, erkenne ich skelettartige Finger an Händen, die verfault scheinen. Sie graben sich durch den Boden und packen mich fest an den Fußgelenken. Mich aus der eben verursachten Schockstarre lösend, versuche ich meine Füße loszureißen, um meiner Familie zu Hilfe zu kommen, welche sich immernoch dem Monster erwehrt. Die Hände kratzen ohne Unterlass meine Füße auf und arbeiten sich an meinen Beinen empor bis zu meinen Schenkeln. Langsam geben sich die Angreifer zu erkennen, während sie immer weiter aus der weichen Erde steigen. Ich kann meine Augen kaum von ihnen abwenden, so grausam sehen sie aus. Zähne die teilweise gebrochen sind und ein Mund der zwingend zu einem Grinsen verformt wurde, da es keine Haut mehr an den Stellen gibt, die Kiefer und Wangen bedecken. Augen die aus ihren Höhlen zu platzen scheinen, weit aufgerissen als hätten die Kreaturen einen Geist gesehen. Die Schädel liegen teilweise frei und an manchen Stellen sind sie gebrochen, wodurch man das Gehirn sehen kann. Zähneklappernd kommen sie mir immer näher und ziehen mich zu Boden, während ich unentwegt versuche, meinem Ziel näher zu kommen. Mein Mund öffnet sich immer wieder und lässt stumme Schreie entweichen, die Griffe und Verletzungen ignorierend. Nun haben sie meinen Oberkörper und Kopf erreicht, wodurch ich mich schnell nicht mehr auf den Beinen halten kann. Ich stürze der Länge nach zu Boden und sehe noch wie meine Frau, genauso wie ich, überwältigt wird. Meine Augen werden durch die Finger der Monster herausgestochen, wodurch das letzte Bild, welches ich erkenne das meiner Frau ist, wie sie schreiend und blutend unserer Tochter hinterherweint, welche gerade von dem Ungetüm über ihr gefressen wird. Weinend (zumindest fühle ich dass ich weinen muss, denn durch die blutigen Höhlen an der Stelle wo meine Augen waren, können keine Tränen entrinnen) ergebe ich mich meinem Schicksal und spüre wie die Klauen sich in mein Fleisch graben und Stücke herausreißen. Ich höre die schmatzenden Geräusche, als die Monster es verzehren und ihren Atem, als sie immer näher an mein Gesicht herankommen. Unter dem ganzen Knurren und Stöhnen, kann ich deutlich meinen Namen hören, welchen meine Frau noch schreit, bevor auch ihre Stimme in einem Gurgeln verstummt. Genau wie das Schreien unserer kleinen Tochter. Das letzte was ich spüre, ist wie mir die Dinger den Hals aufreißen um sich an mir zu stärken.

Schreiend wache ich aus diesem Traum auf und sitze sofort kerzengerade in meinem alten Bett. Gerade atme ich noch panisch ein und aus, im nächsten Moment reiße ich meinen Kopf zur Seite und übergebe mich auf das leere Essenstablett. »Was für ein Traum«, sage ich laut und mache mich daran, aufzustehen. Es gelingt mir besser als beim letzten Mal und ich trete meinen Weg ins Bad an, um mich zu erleichtern. Meine Frau ist anscheinend immernoch nicht zurück, was mir Sorgen bereitet. Langsam gehe ich die Stufen hinab in das Wohnzimmer und setze mich nach Ewigkeiten wieder auf die alte Couch. Die Übelkeit sitzt mir noch im Magen und so gelingt es mir weder etwas zu trinken noch etwas zu Essen. Beim bloßen Anblick der Obstschale dreht sich mir mein Magen um und ich könnte mich sogleich wieder übergeben. Bei näherem Hinsehen erkenne ich, dass der Großteil des Obstes schon verschimmelt ist, oder gerade damit anfängt. Ich beschließe einen Spaziergang zu machen und bereite mich auf den Aufbruch vor. Die Mühe mich umzuziehen erscheint mir sinnlos, denn ich möchte lediglich um die vier Ecken gehen, um meinen Kreislauf in Schwung zu bringen. Als ich die Haustür öffne und meinen sicheren (zumindest bis jetzt sicheren) Ort verlasse, bietet sich mir ein ungewöhnlicher Anblick: Nebel bedeckt die Straßen, sodass man keine 20 Meter weit sehen kann. Er ist dicht, viel dichter als das letzte Mal. Ich weiß nicht mehr, wann er aufgetaucht ist, aber seitdem geht alles den Bach runter. Dennoch erkenne ich ein leichtes Schimmern, je mehr ich hineinblicke. Ich verlasse den vertrauten Hof, welchen wir damals noch mit meiner Frau komplett bepflanzt hatten. Ihre Lieblingsblumen sind Orchideen, am besten bunt gemischt. Wir haben einen Weg angelegt mit wunderschönen Steinen und ihn mit anderen, kleineren Steinen dekoriert. Sogar einen kleinen Teich habe ich damals ausgegraben für bunte Fische, damit unsere Tochter ihren Spaß daran hat sie zu füttern. Der Teich ist mittlerweile komplett ausgetrocknet und zerstört, durch die Plünderer und anderes Gesindel. Der hübsch angelegte Garten zeigt nur noch graue und verdorrte Pflanzen.

Alle sind damals übergeschnappt, als der lokale Radiosender plötzlich die Neuigkeiten verbreitete. Kurz darauf brach Chaos aus und die Plünderungen begannen. Ich weiß es noch ganz genau, denn damals wurde es immer nebliger, obwohl es gar nicht die Jahreszeit für Nebel war. Autos fuhren ineinander und verursachten massenhaft Unfälle, weil alle in Panik gerieten. Manche krachten sogar in Läden und gegen Hauswände. Da unser Haus mit einer langen Einfahrt gesegnet ist, welche ummauert wurde, haben wir keinen Schaden davongetragen. Die Schule wurde geschlossen und das Krankenhaus konnte nicht mehr lange alle Patienten versorgen. Durch den dichten Wald um uns herum, hatten wir wenigstens den Vorteil, dass keine Plünderer von Außerhalb zu uns kamen.

Meine Gedanken wandern zu meiner Frau. Was könnte sie nur um diese Zeit noch besorgen? Mit dieser Frage im Kopf, laufe ich die Hauptstraße entlang ohne ein Ziel zu haben. Ich habe das Bedürfnis mich zu bewegen und nicht stehen zu bleiben. Mir wird immer wieder heiß und kurz darauf wieder kalt, als würde mein Körper mit sich selbst um seine Temperatur ringen. Aber ich fühle mich besser als vorher muss ich mir eingestehen.

Als ich abbiege, um mich bei ein paar Nachbarn und Bekannten zu erkundigen, ob sie meine Frau gesehen haben, entdecke ich eine Gestalt im Nebel. Torkelnd kommt sie immer näher und ich kann noch einen Rucksack erkennen, aber das wars dann auch schon. Der Nebel nimmt mir die Sicht. Ich bin unbewaffnet, falls es einer der Plünderer sein sollte. Ich gehe langsam näher und halte meine Arme schützend vor mich in Erwartung eines Feindes. Als die Person aus dem Nebel tritt, erkenne ich einen jungen Mann, mit Rucksack und einem Knüppel in der Hand. Ich versuche ihn zu grüßen, doch es kommt nur ein Ächzen aus meinem Mund. Mein Hals ist so trocken, es tut weh beim Schlucken. Der Mann seinerseits sieht mich und wittert anscheinend die Chance Beute zu machen. Mit erhobenem Knüppel kommt er auf mich zu und schreit noch: »Hey du Bastard, Zeit zu sterben!« Ein Plünderer! Ich hätte es wissen müssen. Was soll ich nur machen? Er tritt näher an mich heran und hebt bedrohlich den großen Knüppel in seiner Hand. Bei näherem Hinsehen kann ich erkennen, dass er Nägel an dem Ende durchgeschlagen hat, welches auf mich einzuschlagen droht. Ich kann ihn gerade noch beim Ausholen aufhalten, indem ich mit einer Hand seinen Arm umklammere und mit der anderen Hand seinen Hals. Er schreit und verwünscht mich, dabei holt er mit der freien Hand, welche er zur Faust ballt aus und erwischt mich an der Schläfe. Ich taumle etwas zurück aber kann mich noch gut auf den Beinen Halten und ihn mit mir reißen, wodurch er auf den Boden fällt und ich auf ihn. Der Knüppel fliegt aus seiner Hand und mit beiden Händen halte ich ihn jetzt am Hals gepackt und meine Nägel graben sich ins Fleisch. Er schreit vor Schmerzen auf und versucht meine Arme mit seinen Händen wegzureißen. Vergeblich, denn ich drücke immer fester zu und schnüre ihm die Luft ab. Plötzlich packt er mich am Kragen und zieht mich eng an sein Gesicht, um mir einen Kopfstoß zu verpassen. Ich weiche aus und benutze das Einzige, was ich noch zur Verfügung habe: Meine Zähne. Ich drücke seinen Kopf mit meinem zur Seite und beiße ihm in sein Ohr. Ich reiße daran wie ein Löwe, der nach einem Stück Fleisch aus einem erlegten Tier dürstet. Er schreit abermals laut auf als ich ihm das Ohr abbeiße und wegspucke. Weiter zudrückend sitze ich auf ihm und lasse den letzten Rest Luft und Leben aus ihm weichen. Mit offenem Mund und Augen liegt er vor mir und ich stehe langsam auf, ungläubig der Tat, welche ich gerade begangen habe. Es war Notwehr, ganz klar. Was hätte ich tun sollen? Warten, bis er mich totprügelt? Ich gehe langsam weiter und beachte den Toten dort nicht weiter.

Was ist nur aus unseren Mitmenschen geworden? Dieses scheiß Virus hat alles kaputt gemacht. Hoffentlich finden irgendwelche Forscher irgendwo Irgendetwas, um dieses Problem zu bekämpfen. Noch erschöpft vom Kampf gehe ich die Straße entlang und komme an ein paar Häusern der Nachbarschaft vorbei. Allerdings kann man da nicht mehr viel erkennen, denn die Fassaden sind größtenteils zerstört und die Gärten komplett verwüstet. An die Wände vieler Häuser sind Worte geschrieben, teils mit Pinsel und Farbe, teils mit Spray. Die Worte bilden Sätze und Parolen wie Lügen, Lügen, alles Lügen oder Nieder mit der Führung. Verdammt, ich hoffe meiner Frau und meiner Tochter geht es gut. Die Türen zu den Häusern sind größtenteils zerstört, also wage ich es und gehe in eines hinein in der Hoffnung jemand Vertrautes und freundliches anzutreffen. Die Garage steht halb offen, also könnte es sein, dass sie wegfahren wollten, es sich