Tempted - Ava Harrison - E-Book

Tempted E-Book

Ava Harrison

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Beschreibung

Er ist reich, gefährlich attraktiv und absolut tabu. Drew Lawson, Besitzer des exklusivsten Nachtclubs in New York, hat keine Zeit für Ablenkungen – schon gar nicht für eine Frau wie Bailey Jameson. Sie ist klug, verletzlich und kämpft verzweifelt darum, ihre dunkle Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch als sie sich im Club Silver begegnen, knistert die Luft vor Spannung. Zwischen verbotenen Blicken, scharfen Wortgefechten und der ständigen Versuchung, alte Fehler zu wiederholen, verschwimmen schnell die Grenzen zwischen Warnung und Verlangen.

Er sollte sie auf Abstand halten. Sie sollte ihm nicht trauen. Doch manche Versuchungen sind einfach zu verlockend, um ihnen zu widerstehen ...


Grumpy-Boss meets Damaged-Heroine: zwischen den dunklen Geheimnissen eines exklusiven Nachtclubs und dem gefährlich Reiz des Verbotenen bleibt nur eine Frage: Wer wird zuerst schwach?

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Seitenzahl: 478

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Er ist reich, gefährlich attraktiv und absolut tabu. Drew Lawson, Besitzer des exklusivsten Nachtclubs in New York, hat keine Zeit für Ablenkungen – schon gar nicht für eine Frau wie Bailey Jameson. Sie ist klug, verletzlich und kämpft verzweifelt darum, ihre dunkle Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch als sie sich im Club Silver begegnen, knistert die Luft vor Spannung. Zwischen verbotenen Blicken, scharfen Wortgefechten und der ständigen Versuchung, alte Fehler zu wiederholen, verschwimmen schnell die Grenzen zwischen Warnung und Verlangen.

Er sollte sie auf Abstand halten. Sie sollte ihm nicht trauen. Doch manche Versuchungen sind einfach zu verlockend, um ihnen zu widerstehen ...

Grumpy-Boss meets Damaged-Heroine: zwischen den dunklen Geheimnissen eines exklusiven Nachtclubs und dem gefährlich Reiz des Verbotenen bleibt nur eine Frage: Wer wird zuerst schwach?

Über Ava Harrison

USA-Today-Bestsellerautorin Ava Harrison liebt das Schreiben. Wenn sie sich nicht gerade neue Romances ausdenkt, kann man sie bei einem ausgiebigen Schaufensterbummel, beim Kochen für ihre Familie oder mit einem Buch auf der Couch antreffen.

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Ava Harrison

Tempted

Aus dem Amerikanischen von Valeska Schorling

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

Newsletter

KAPITEL EINS — Drew

KAPITEL ZWEI — Bailey

KAPITEL DREI — Drew

KAPITEL VIER — Bailey

KAPITEL FÜNF — Drew

KAPITEL SECHS — Bailey

KAPITEL SIEBEN — Drew

KAPITEL ACHT — Bailey

KAPITEL NEUN — Drew

KAPITEL ZEHN — Bailey

KAPITEL ELF — Drew

KAPITEL ZWÖLF — Bailey

KAPITEL DREIZEHN — Drew

KAPITEL VIERZEHN — Bailey

KAPITEL FÜNFZEHN — Bailey

KAPITEL SECHZEHN — Drew

KAPITEL SIEBZEHN — Bailey

KAPITEL ACHTZEHN — Drew

KAPITEL NEUNZEHN — Bailey

KAPITEL ZWANZIG — Bailey

KAPITEL EINUNDZWANZIG — Bailey

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG — Drew

KAPITEL DREIUNDZWANZIG — Bailey

KAPITEL VIERUNDZWANZIG — Drew

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG — Bailey

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG — Bailey

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG — Drew

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG — Bailey

KAPITEL NEUNUNDZWANZIG — Drew

KAPITEL DREISSIG — Bailey

KAPITEL EINUNDDREISSIG — Drew

KAPITEL ZWEIUNDDREISSIG — Bailey

KAPITEL DREIUNDDREISSIG — Bailey

KAPITEL VIERUNDDREISSIG — Drew

KAPITEL FÜNFUNDDREISSIG — Drew

KAPITEL SECHSUNDDREISSIG — Drew

KAPITEL SIEBENUNDDREISSIG — Bailey

KAPITEL ACHTUNDDREISSIG — Drew

KAPITEL NEUNUNDDREISSIG — Bailey

KAPITEL VIERZIG — Drew

KAPITEL EINUNDVIERZIG — Bailey

KAPITEL ZWEIUNDVIERZIG — Drew

KAPITEL DREIUNDVIERZIG — Drew

KAPITEL VIERUNDVIERZIG — Bailey

KAPITEL FÜNFUNDVIERZIG — Drew

KAPITEL SECHSUNDVIERZIG — Bailey

KAPITEL SIEBENUNDVIERZIG — Drew

KAPITEL ACHTUNDVIERZIG — Bailey

KAPITEL NEUNUNDVIERZIG — Drew

KAPITEL FÜNFZIG — Bailey

KAPITEL EINUNDFÜNFZIG — Bailey

KAPITEL ZWEIUNDFÜNFZIG — Drew

KAPITEL DREIUNDFÜNFZIG — Drew

KAPITEL VIERUNDFÜNFZIG — Drew

KAPITEL FÜNFUNDFÜNFZIG — Bailey

KAPITEL SECHSUNDFÜNFZIG — Bailey

KAPITEL SIEBENUNDFÜNFZIG — Bailey

KAPITEL ACHTUNDFÜNFZIG — Drew

KAPITEL NEUNUNDFÜNFZIG — Bailey

KAPITEL SECHZIG — Drew

KAPITEL EINUNDSECHZIG — Bailey

KAPITEL ZWEIUNDSECHZIG — Drew

KAPITEL DREIUNDSECHZIG — Bailey

KAPITEL VIERUNDSECHZIG — Bailey

KAPITEL FÜNFUNDSECHZIG — Drew

KAPITEL SECHSUNDSECHZIG — Bailey

KAPITEL SIEBENUNDSECHZIG — Drew

EPILOG — Drew

Impressum

Lust auf more?

KAPITEL EINS

Drew

Die meisten Menschen würden mich wahrscheinlich glühend um mein Leben beneiden.

Mit nur achtundzwanzig Jahren gehört mir der angesagteste Nachtclub in New York City.

Eigentlich kann ich mich nicht beklagen …

Aber bekanntlich ist nichts perfekt. Ich habe nämlich gerade ein Problem.

Cal Loche.

Der Idiot hört einfach nicht auf, mich anzurufen. Ich hasse das kleine Arschloch, aber so ungern ich auch rangehen will – da ich geschäftlich öfter mit ihm zu tun habe, sind gelegentliche Telefonate mit ihm leider ein notwendiges Übel.

»Was willst du?«, frage ich barsch.

»Du musst mir dringend einen Gefallen tun.«

Ich seufze resigniert. Das hier war offensichtlich ein Fehler.

»Warum sollte ich auch nur irgendetwas für dich tun?« Ich drehe mich in meinem Schreibtischstuhl vom Tisch weg und lehne mich zurück. Dieses Gespräch könnte eine Weile dauern, also kann ich es mir genauso gut bequem machen.

»Man munkelt, dass du ein Auge auf eine bestimmte Immobilie in Upper Manhattan geworfen hast.«

»Ist das so? Vielleicht solltest du die Zuverlässigkeit deiner Quellen mal überprüfen.«

Ich habe tatsächlich eine bestimmte Immobilie im Visier, will aber nicht, dass Cal das weiß. Ich stehe nämlich ganz kurz vor dem Geschäftsabschluss, da kann ich nicht riskieren, dass mir dieser Idiot in die Quere kommt.

»Danke für den Tipp, aber meine Quelle ist zuverlässig, und er sagt, du willst kaufen.«

Shit!

Auch wenn stimmt, was er sagt – bisher war es ein gut gehütetes Geheimnis. Ich habe zu viele Konkurrenten, die eine Info wie diese nur zu gern zu ihrem Vorteil nutzen würden. Sie würden es glatt fertigbringen, sich das Gebäude schon allein deshalb unter den Nagel zu reißen, um mir eins auszuwischen, egal, was ich damit vorhabe.

»Warum mischst du dich da überhaupt ein?«, frage ich betont ruhig und desinteressiert. Natürlich brenne ich förmlich darauf, den Grund zu erfahren, aber wenn ich das durchblicken lasse, spiele ich Cal nur in die Hände.

»Na, weil ich zufällig der Eigentümer bin.«

Ruckartig setze ich mich auf. »Und warum erfahre ich das erst jetzt?«, stoße ich durch zusammengebissene Zähne hervor.

»Das Gebäude läuft auf den Namen einer Holdinggesellschaft.«

»Also gehört es Mommy und Daddy.«

Wahrscheinlich ist es keine besonders gute Idee, Cal auf diese nicht unwesentliche Tatsache hinzuweisen, aber ich bin gerade zu angepisst, um auf seine Gefühle Rücksicht zu nehmen. Was er mir da erzählt, passt mir nämlich gar nicht. Ich habe auch so schon genug Stress.

»Ist doch egal, wem das Gebäude gehört. Wenn du es haben willst, schuldest du mir jedenfalls einen Gefallen.«

Ich seufze resigniert. Er hat mich komplett in der Hand, das weiß er genauso gut wie ich. »Und um was für einen Gefallen handelt es sich?«

»Suchst du immer noch eine Kellnerin?«

»Ja.«

»Ich hätte da eine für dich.«

»Ich stelle doch nicht irgendeine deiner Bettgeschichten ein!«

»Ich schlafe nicht mit ihr. Sie ist die Schwester meiner Freundin. Ein richtiger Sozialfall, also genau dein Ding. Sie wird dir gefallen.«

»Wie zum Teufel meinst du das?«

»Wart’s ab. Sie ist jedenfalls genau dein Beuteschema.« Ich beuge mich vor. Cal weiß über meine schmutzige Vergangenheit Bescheid. Er weiß von Alexa und kennt daher meine größte Schwäche. Keine Ahnung, wie detailliert seine Kenntnis ist, aber so genau will ich es auch gar nicht wissen.

»Du meinst, sie ist drogensüchtig?«

»Zumindest war sie das mal. Du findest sie im Internet, falls dir das bei deiner Entscheidung weiterhilft. Aber wenn du das Gebäude willst, musst du sie einstellen.«

»Und wie heißt sie?«, frage ich frustriert. Im Grunde brauchen wir gar nicht weiterreden. Ich weiß jetzt schon, dass ich ihr den Job geben werde. Mein Wunsch zu helfen, zu reparieren, zu retten ist einfach zu groß.

»Bailey Jameson.«

Rasch tippe ich den Namen in die Tastatur meines Computers ein, und prompt erscheint das Foto des Mädchens auf dem Monitor. Meine Finger erstarren über der Tastatur. Sie ist bildschön. Typ Mädchen von nebenan, nur in atemberaubend. Ihr trauriger Blick trifft mich mitten ins Herz, aber ich komme nicht dazu, über diese Reaktion nachzudenken, denn der Artikel unter dem Foto fesselt meine Aufmerksamkeit.

Wieder erstarren meine Finger.

»Was hast du eigentlich davon?«, knurre ich.

»Ich will verhindern, dass sie aus ihrer Wohnung fliegt und bei mir und meiner Freundin einzieht. Harper ist leitende Staatsanwältin. Ich kann nicht riskieren, dass Bailey unsere Beziehung kaputtmacht. Die ist nämlich Gold wert, wie du dir vermutlich denken kannst. Wenn du mir entgegenkommst, kriegst du den Zuschlag für das Gebäude.«

»Na gut.« Genervt lege ich auf. Wahrscheinlich habe ich gerade den größten Fehler meines Lebens gemacht, aber jetzt ist es sowieso zu spät.

Ich greife nach der Karaffe mit Scotch auf meinem Schreibtisch und schenke mir ein Glas ein. Der Abend hat noch nicht mal angefangen und ist schon jetzt im Eimer. Schlimmer kann es eigentlich nicht mehr kommen.

Wie auf ein Stichwort kommt in diesem Moment der Gegenbeweis zur Tür herein.

Noch ein Störfaktor, den ich einfach nicht loswerde.

Monica.

Sie ist bestimmt hier, um mich zu bitten, ihr das zu geben, was angeblich nur ich ihr geben kann.

Auch sie hätte ich nie einstellen sollen – offensichtlich lerne ich einfach nicht dazu –, aber woher hätte ich wissen sollen, dass sie sich zu einer solchen Nervensäge entwickeln würde? Dabei waren wir noch nicht mal zusammen. Wir haben nur gevögelt.

Ein einziges Mal.

Das Problem ist nur, dass sie seitdem glaubt, ich will mehr von ihr.

Nichts liegt mir ferner.

Ich will gar nichts von ihr und auch sonst von niemandem.

Ich habe weder die Zeit noch die Nerven zum Daten, geschweige denn für eine richtige Beziehung. Das ist im Moment einfach nicht drin und schon gar nicht mit jemandem wie Monica.

Ich habe nämlich große Pläne und kann keine Ablenkung gebrauchen.

Eigentlich müsste sie längst geschnallt haben, dass aus uns nichts wird.

Aber offensichtlich sind bisher weder meine diskreten Winke noch mein direktes Nein zu ihrem Dickschädel durchgedrungen.

Sonst würde sie jetzt nicht mein Büro über dem Nachtclub betreten, um erneut ihr Glück bei mir zu versuchen.

Die Bar unten ist voller Gäste, und hier wartet auf mich noch jede Menge Papierkram. Ich bin daher nicht in der Verfassung, besonders rücksichtsvoll mit ihr umzugehen.

Was sie hier abzieht, ist vermutlich eine fleischgewordene Männerfantasie, aber für mich ist das Ganze eher ein Albtraum.

Diese wunderschöne Frau – denn schön ist sie, das muss ich ihr lassen – wirft sich mir praktisch an den Hals, und ich empfinde nichts. Sie streift sich den Ausschnitt ihres hautengen schwarzen Kleids über eine Schulter, bis eine Brust komplett entblößt ist.

»Monica«, warne ich sie in der Hoffnung, dass mein Ton sie zur Raison bringen wird. Keine Chance. Sie macht einfach rechts weiter, bis sie komplett oben ohne ist und ihr das Kleid die Beine hinuntergleitet.

»Ver-schwin-de«, sage ich, wobei ich jede Silbe bewusst deutlich betone. Sie bleibt für einen Moment stehen und sieht mich verständnislos an.

Anscheinend hat sie es immer noch nicht kapiert, und das nervt mich gewaltig. »Ich. Habe. Gesagt. Du. Sollst. Verschwinden!«

Monica ist locker eine Zehn auf der Attraktivitätsskala: blond, eins fünfundfünfzig groß, mit ellenlangen Beinen und sexy Knackarsch. Sie scheint irgendetwas in meinem Blick wahrzunehmen, das ihr Mut macht, denn sie schenkt mir ein neckisches Lächeln, bevor sie weiter auf mich zu schlendert und einen Finger über meinen Oberkörper gleiten lässt.

»Du willst doch gar nicht, dass ich verschwinde«, schnurrt sie ohne jedes Schamgefühl. »Lass mich einfach machen.«

Ich spüre den Rhythmus der Bässe von unten in meinen Füßen vibrieren. Das wilde Treiben im Erdgeschoss war mal auch mein Leben: Partys, Musik, Alkohol, Drogen … Als der Rhythmus schneller wird, werde ich fast schwach.

Mir mit einer Hand über das Gesicht fahrend stehe ich auf, um ihr die Tür zu öffnen.

»Wo willst du hin?« Monica sieht mich aus großen Augen an, als ich an ihr vorbeigehe.

»Wir hatten dieses Thema doch schon, Monica. Du musst jetzt gehen.« Als ich ihr die Tür aufhalte, schallt so ohrenbetäubend laute Musik ins Zimmer, dass ich Monicas Stimme kaum verstehen kann.

»Aber ich …«

»Aber was, Mon?«, frage ich gereizt.

Jetzt gebe ich ihr auch noch einen verdammten Spitznamen! Was ist bloß los mit mir? Prompt sehe ich einen neuen Funken Hoffnung in ihren Augen aufblitzen. Ich muss das hier beenden, und zwar ein für alle Mal. Ich muss ihre Hoffnung komplett zerstören, denn aus uns wird nichts. Ich bin nun mal kein Beziehungstyp, und schon gar nicht will ich mich langfristig auf jemanden einlassen. Anscheinend habe ich das ihr gegenüber bisher nur noch nicht deutlich genug klargemacht, also werde ich das jetzt nachholen. Am besten bringe ich es gleich hinter mich.

»Ich habe dich nicht hergebeten. Du bist unaufgefordert bei mir aufgetaucht, aber zwischen uns wird sich nichts abspielen.«

Ihr Kopf zuckt zurück, als hätte ich sie geohrfeigt. »Was? Aber du … Was zur Hölle, Drew?!«, kreischt sie plötzlich so laut, dass mir die Ohren klingeln.

Allmählich verliere ich wirklich die Geduld mit ihr. »Wir sind kein Paar. Du arbeitest für mich, das ist alles. Darüber hinaus wird nichts zwischen uns laufen.«

Sie sieht mich gekränkt an. Als sie ihr Kleid aufhebt und überstreift, zittern ihre Lippen. Das hat mir gerade noch gefehlt! Ich kann mit weinenden Mädchen einfach nicht umgehen.

»Warum?«, fragt sie. »War ich nicht gut genug?«

»Du bist meine Angestellte!«

»Und wenn ich das nicht wäre?« Wieder sieht sie mich hoffnungsvoll an. Sosehr sie mich auch gerade in den Wahnsinn treibt – sie ist meine beste Barkeeperin. Wie deutlich muss ich eigentlich noch werden, damit sie es endlich kapiert? »Monica, es tut mir leid, aber ich stehe einfach nicht auf dich.« So, jetzt habe ich es endlich ausgesprochen. Nicht ganz die feine Art, auf den Titel eines Buches und eines Films zurückzugreifen, aber scheiß drauf. Hauptsache, es wirkt.

Monica stürmt aus dem Zimmer und knallt die Tür hinter sich zu.

Es scheint tatsächlich gewirkt zu haben.

Fragt sich nur, warum ich mich dann so mies fühle.

Hätte ich damals schon gewusst, dass ich sie als Barkeeperin einstellen würde, hätte ich sie nie angerührt.

Ich komme mir vor wie das Arschloch, für das sie mich jetzt garantiert hält.

KAPITEL ZWEI

Bailey

Panisch schrecke ich aus dem Schlaf hoch. Mein Gesicht ist schweißnass.

Wie spät ist es eigentlich?

Als ich einen Blick auf meinen Wecker werfe, stöhne ich frustriert auf.

Erst drei Uhr morgens.

Verdammte Scheiße! Leider ist das hier eher die Regel als die Ausnahme.

Fast Nacht für Nacht holt mich meine Vergangenheit in meinen Träumen ein, bis ich voller Panik aufwache. Meistens brauche ich eine Ewigkeit, um wieder einzuschlafen, und überhöre dann morgens den Wecker.

Bei dem Gedanken daran beginnt sofort mein Arm zu schmerzen. Ein Phantomschmerz. Die Narbe lässt mich einfach nicht vergessen.

Ich senke den Blick zu dem inzwischen verblassten Gewebe. Den meisten Menschen fällt sie gar nicht mehr auf, aber mir schon, und jeder Blick darauf wirkt.

Sie klagt mich an.

Lässt mich nicht los.

Der Schmerz, normalerweise nur ein dumpfer Nachhall, ist stärker geworden, seit ich mir hinter dem Rücken meiner Schwester einen Job in einem Nachtclub organisiert habe. Eigentlich habe ich dort nichts zu suchen, aber mir bleibt nichts anderes übrig. Ich habe nämlich gerade meinen dritten Räumungsbefehl bekommen, und Cal, der Freund meiner Schwester, war meine letzte Hoffnung.

Die einzige Bedingung ist, dass Harper nichts von dem neuen Job erfahren darf.

Niemals.

Wegen meiner Vergangenheit würde sie nämlich schon ausflippen, wenn ich auch nur andeuten würde, dass ich in einer Bar anfangen will.

Ich schwinge die Beine aus dem Bett und tapse barfuß über die Holzdielen in meine kleine Küche. Kurz darauf setze ich mich mit einer Packung Oreos und einem Glas Milch an die Kücheninsel. Mein Dad hat seine Probleme früher auch immer mit Oreos gelöst. Wenn er nachdenken musste, hat er sich welche geholt und sich mit ihnen und einem Glas Milch hingesetzt.

Ich richte den Blick auf ein gerahmtes Foto an der Wand – mein Lieblingsfoto, auf dem Harper, Dad und ich vor dem Vergnügungspark auf Coney Island zu sehen sind. Er hatte sich damals spontan den halben Tag freigenommen, um mit uns dorthin zu gehen.

Wehmütig betrachte ich sein Gesicht. Seit damals hat sich vieles verändert.

Ich vermisse ihn schrecklich.

Unter anderem auch, weil mich seit seinem Tod das Pech förmlich zu verfolgen scheint. Es ist wie ein Schatten, den ich nicht abschütteln kann. Das Universum meint es anscheinend nicht gut mit mir. Zumindest war das noch bis vor einigen Jahren so.

Seitdem bin ich nämlich clean.

Seit zwei Jahren habe ich keine Tablette mehr angerührt.

Eigentlich kann es nur noch bergauf gehen. Es geht auch nicht anders.

Ich tunke noch einen Oreo in die Milch und warte, bis er praktisch vom Löffel fällt. Während ich mir die durchweichte Masse genüsslich in den Mund schiebe, verdränge ich die Erinnerungen an meine Verluste.

Dass ich in einer Bar arbeiten werde, heißt noch lange nicht, dass ich wieder Lust auf eine Tablette bekomme.

Der Schmerz ist vorbei.

Aber gilt das auch für meine Erinnerungen …?

Club Silver.

Ich bin hier, obwohl sich alles in mir dagegen sträubt. Entweder liegt das an diesem abschreckenden Gebäude, oder der Engel auf meiner rechten Schulter versucht verzweifelt, den Teufel auf der linken zu besiegen. Die beiden liegen schon seit dem Tod meines Vaters im Clinch. Leider hat der Teufel bisher deutlich mehr Siege davongetragen.

Der Club sieht von außen ziemlich nichtssagend aus – ein typisches New Yorker Lagerhaus halt. Die fensterlosen Betonplatten wirken jedoch nicht besonders vertrauenerweckend. Sie strahlen etwas Düsteres, Bedrohliches aus, aber vor dem, was mich im Innern erwartet, graut mir noch viel mehr. In den Untiefen dieses fleischfressenden Gebäudes lauern nämlich jede Menge Probleme auf mich. Probleme, die ich eigentlich ein für alle Mal hinter mir lassen wollte.

Aber leider bleibt mir keine andere Wahl. Sämtliche anderen Möglichkeiten sind ausgeschöpft.

Als mein Handy klingelt und ich den Namen meiner Schwester auf dem Display sehe, stöhne ich verzweifelt auf. Warum hasst mich das Universum eigentlich so?

Die Frau scheint übersinnliche Fähigkeiten zu haben. Eigentlich sollte ich jetzt nicht rangehen, aber ich kenne Harper. Sie wird erst lockerlassen, wenn sie mit mir gesprochen hat.

»Hey, Harp! Was gibt’s?«, frage ich betont locker und entspannt, obwohl ich innerlich vor Angst schlottere. Eigentlich muss ich jetzt da reingehen und meinen Job anfangen, aber das kann ich ihr schlecht sagen.

»Nichts Besonderes. Ich treffe mich gleich mit Cal in SoHo. Da steht irgendein Haus, für das er sich interessiert, und bei der Gelegenheit lädt er mich zum Abendessen ein.«

»Klingt doch ganz vielversprechend. Ich bin auch gerade auf dem Sprung«, lüge ich. Hoffentlich erwartet sie jetzt nicht von mir, das weiter auszuführen. Mir bleiben nämlich nur noch fünf Minuten, bis meine Schicht anfängt.

»Wohin und mit wem?«, hakt sie prompt nach.

Harper nervt, auch wenn sie es nur gut meint. Da ich bisher nicht gerade die beste Erfolgsbilanz vorweisen kann, was meine Lebensgestaltung angeht, hat sie es sich zu ihrer persönlichen Aufgabe gemacht, mich auf den Pfad der Tugend zu lenken.

»Ich muss Lebensmittel einkaufen und ein paar andere Besorgungen machen. Eine Kollegin nimmt mich mit. Sie wartet schon unten.«

»Hmm …« Harper klingt etwas misstrauisch, vermutlich, weil sie besagte Kollegin noch nicht kennt.

»Beruhige dich, Harper! Sie tut mir nur einen Gefallen.«

Es ist mir sehr unangenehm, mir diese Geschichte ausdenken zu müssen. Die Lügen häufen sich allmählich, was mir gar nicht behagt, aber ich will Harper nicht noch mehr enttäuschen.

»Okay.« Sie seufzt resigniert. »Rufst du mich an, wenn du wieder zu Hause bist? Ich will mehr erfahren.«

Ich zwinge mich, tief ein- und auszuatmen. Und noch etwas mehr zu lügen.

»Ich habe morgen einen sehr anstrengenden Tag. Können wir das Telefonat auf morgen Abend verschieben?« Ich beiße die Zähne zusammen. Hoffentlich gibt Harper wenigstens dieses eine Mal nach.

»Na gut, dann also morgen«, sagt sie zu meiner Riesenerleichterung. »Hab dich lieb Bae.«

»Ich dich auch, Schwesterherz.«

Als ich aufgelegt habe, reibe ich mir stöhnend das Gesicht. Ich fühle mich schrecklich schuldig, sie so zu hintergehen, aber leider lässt sie mir keine andere Wahl. Ich habe mir schon früh angewöhnt, Harper über gewisse Aspekte in meinem Leben im Unklaren zu lassen, weil sie es einfach nicht kapiert.

Jetzt schon erschöpft, fahre ich mir mit einer Hand durch die dunklen Locken. Es wird Zeit, meinen neuen Job anzutreten. Tief ein- und ausatmend zähle ich bis zehn und versuche mit jedem Atemzug, meine strapazierten Nerven zu beruhigen. Erst dann gehe ich los. Kaum zu glauben, dass dieses trostlose Gebäude in nur wenigen Minuten meine Rettung sein wird … oder mein Untergang …

Kopfschüttelnd bleibe ich wieder stehen. So darf ich gar nicht erst denken. Wenn ich schon durchdrehe, noch bevor ich an der Tür bin, kann ich gleich einpacken. Also schüttle ich diesen negativen Gedanken buchstäblich und metaphorisch ab. Sollte mich jemand dabei beobachten, wird er vermutlich denken, dass ich stolpere. Ein letztes Mal atme ich tief ein und aus und gehe wieder weiter.

Es fällt mir nicht leicht, die schwere Metalltür aufzuschieben. Sie schleift über den Boden, als ich über die Schwelle trete und mich umsehe. Es überläuft mich eiskalt. Das Treiben hier ist mir beunruhigend vertraut. Als mein Blick auf den Tresen fällt, warte ich auf das Verlangen, in alte Gewohnheiten zurückzufallen.

Auf das Jucken.

Das Bedürfnis nach einer Tablette.

Den Wunsch, das hungrige Untier in mir zu füttern.

Aber zu meiner Erleichterung bleibt das Gefühl aus. Gut so, in meinem neuen Leben hat es nämlich auch nichts verloren.

Während ich mir meinen Weg durch den von Dekadenz und Sünde erfüllten Raum bahne, klammere ich mich verzweifelt an meiner Hoffnung fest, dem hier gewachsen zu sein. Darauf, dass die Versuchung nicht allzu groß werden wird. Denn irgendwie muss ich diesen Job hier hinkriegen, wenn ich in Zukunft noch ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen auf dem Tisch haben will.

Mir klingeln die Ohren, als ich mich dem Tresen nähere. Die Bässe sind so laut, dass der ganze Raum bebt. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Es wäre so leicht, mich in dem vertraut pulsierenden Rhythmus zu verlieren. Genau deshalb habe ich seit meinem ersten Narcotics-Anonymous-Meeting auch keinen Fuß mehr in einen Club oder eine Bar gesetzt.

Ich verspüre das dringende Bedürfnis nach einem starken Drink. Eigentlich dürfte ich gar nicht hier sein, aber wie schon gesagt – mir bleibt nichts anderes übrig.

Club Silver ist weiß, steril und ultramodern. An den Rändern befinden sich gedämpft beleuchtete Nischen, in denen man ganze Flaschen ordert. Weiße Chiffonvorhänge hängen von Metalldrähten. Sie erlauben besonders zahlungskräftigen Gästen, sich von dem übrigen Chaos abzuschotten und ungesehen die Nacht durchzuzechen und zu feiern.

Als weitere negative Erinnerungen in mir aufsteigen, beiße ich die Zähne zusammen. Nein, gar nicht erst dran denken.

Ich gehe weiter zum Tresen, einer Monstrosität aus Edelstahl, die sich über die gesamte Länge einer Wand erstreckt. Als ich dort ankomme, dreht sich der schönste Mann, den ich je gesehen habe, zu mir um. Er hat kurzes braunes Haar mit sonnengeküssten Strähnen und leuchtend blaue Augen. Sein Blick ist so intensiv, dass ich von Kopf bis Fuß erröte. Sein perfekter Dreitagebart verleiht seinen jungenhaften Gesichtszügen genau den richtigen Grad Männlichkeit. Er könnte locker die Hauptrolle in meiner nächsten Sexfantasie spielen, so umwerfend sieht er aus.

»Äh, stimmt etwas nicht?«, frage ich, als er nicht aufhört, mich anzustarren.

Lächelnd schüttelt er den Kopf. »Nee, alles bestens. Sogar die Frisur sitzt perfekt. Du erinnerst mich nur an jemanden von früher, weiter nichts.« Er geht zum Zapfhahn und füllt ein Glas mit bernsteinfarbenem Bier. »Verdammt«, flucht er, als der letzte Rest aus dem Fass rausspritzt und sein Hemd durchnässt. »Warte mal kurz.« Er geht nach hinten.

Während seiner Abwesenheit betrachte ich die vor mir an der Wand aufgereihten Flaschen. Die teuersten stehen am höchsten, aber ich bin mir sicher, dass sie in einer so exklusiven Bar wie diese keinen Staub ansetzen.

»Sorry wegen eben«, sagt Mr. Beautiful zu mir, als er ein neues Bierfass reinrollt. »Was ist dein Lieblingsnervengift?«

»Eigentlich bin ich hier, um mich mit Mr. Lawson zu treffen. Ich bin Bailey Jameson.«

Er prustet los, während er das Fass anschließt. »Was? Heißt du wirklich Bailey Jameson? Hatten deine Eltern zufällig ein Alkoholproblem?«

O mein Gott, hat er sexy Oberarme! Er hebt eine Augenbraue, um mich dazu aufzufordern, seine Frage zu beantworten.

»Äh … was?« Brillant, Bae! Jetzt hält er dich bestimmt für eine Vollidiotin.

»Du heißt wie zwei Alkoholmarken. Du weißt schon, Baileys und Jameson Whisky.«

»Ach so ja, stimmt«, sage ich errötend. »Nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Namenswahl nur ein unglückseliger Zufall war.« Lächelnd sehe ich mich nach meinem neuen Chef um. Bitte lass ihn kein weiterer scharfer Barkeeper sein.

»Ich soll heute hier anfangen.«

»Ah, Frischfleisch also«, sagt er anzüglich grinsend.

Himmel, dieses Lächeln! Ich schmelze förmlich dahin.

»Leider musst du erst mal mit mir vorliebnehmen. Drew ist gerade in seinem Büro beschäftigt. Ich bin übrigens Carter Cass.«

Carter Cass … Sein Name ist genauso schön wie er.

»Kein Problem.« Die Vorstellung, mit diesem Mann vorliebnehmen zu müssen, macht mich etwas nervös. Zumal sich seine tollen Oberarmmuskeln noch mehr wölben, als er sich über den Tresen beugt. Ich erröte schluckend. Seine Mundwinkel zucken belustigt. Ich muss mich anscheinend besser in Acht nehmen.

Sein Grinsen vertieft sich. »Bist du sicher, dass du hier arbeiten willst? Du siehst etwas verängstigt aus.«

Ich verziehe das Gesicht. Shit! Ja, er ist heiß, aber das ist kein Grund, mich vor ihm zum Affen zu machen. »Klar bin ich mir sicher. Neue Jobs machen mich nur immer etwas nervös, das ist alles.«

»Also, hier hast du nichts zu befürchten, Bailey. Wir sind hier alle total entspannt, und das Trinkgeld ist nicht zu überbieten. Mehr kriegt man nirgendwo in New York.« Er macht eine ausladende Geste. »Komm doch hinter den Tresen, dann zeige ich dir alles. Was hat Drew dir schon über den Job gesagt?«

Ich zucke die Achseln. »Nichts, ehrlich gesagt. Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen.«

»Und wie kommst du dann zu diesem Job?«

»Ein Freund hat ihn um einen Gefallen gebeten. Ich sollte nämlich meine Wohnung räumen und …« Erschrocken schlage ich eine Hand vor den Mund. Carter sieht mich aufmerksam an. Er sagt nichts, aber ich merke ihm an, dass ich seine Neugier geweckt habe und er gern mehr hören würde. Da kann er lange warten. Schweigend sehen wir uns an, bis er schließlich den Blick abwendet.

»Du brauchst nichts weiter zu sagen, ich verstehe schon«, sagt er zu meiner Erleichterung. »So, wo waren wir gerade stehen geblieben?« Nachdenklich tippt er sich mit einem Finger gegen das Kinn. »Ach ja, ich wollte dir alles zeigen. Komm rüber. Keine Angst, ich beiße nicht.« Als ich ein niedliches Grübchen in seiner rechten Wange spielen sehe, entspanne ich mich wieder. Seine freundliche Art hilft mir dabei, über diese erste Hürde hinwegzukommen und nicht zu vergessen, warum ich hier bin.

Als ich hinterm Tresen bin, zeigt er mit einem gebräunten Arm auf die gepolsterten Sitzbänke um die Tanzfläche herum und die VIP-Nischen am Rand und erklärt mir, wer wo bedient.

»So, Bailey, und was machst du sonst so? Bist du auch ein erfolgloses Model?«

Ich schüttle den Kopf. »Nein. Du?«

Er nickt. »Model, Schauspieler, Sänger … die übliche Barkeeperbiografie halt«, erklärt er, während er einer Gruppe Männern auf der anderen Seite des Tresens Patrón-Silver-Shots einschenkt. »Du wirst dich hier gut einfügen. Die Kerle werden dich lieben.«

Er bedient eine weitere Gruppe Männer. Die Vorstellung, dass »die Kerle« mich lieben werden, ist mir eher unangenehm. Männer sind nämlich noch eine Ablenkung, für die ich keine Zeit habe.

»Wenn du Lust auf einen Drink oder etwas zum Wachbleiben bekommst, sag Bescheid. Ich kann mit beidem dienen«, flüstert er mir verschwörerisch ins Ohr. »Du darfst dich allerdings nicht erwischen lassen, denn der Chef ist da etwas eigen. Früher war er mal entspannter, was das angeht, aber inzwischen duldet er keine Drogen mehr. Obwohl wir natürlich unsere Mittel und Wege haben.« Fuck, genau das wollte ich eigentlich nicht hören. Ich schüttle den Kopf. »Danke, aber nein danke. Ich halte mich lieber an Coca-Cola oder Red Bull.«

Carter nickt. »Finde ich gut. Ich respektiere das. Wahrscheinlich kommst du auch schon auf Touren, wenn du einen Blick auf Drew wirfst. Die Mädchen, die hier arbeiten, finden ihn alle, ich zitiere, ›mega sexy‹.«

Ich nicke nur, weil ich nicht weiß, was ich dazu sagen soll. »Und du … was bringt dich so auf Touren?«, frage ich.

»Groß gewachsene, blonde Sexbomben, die gern feiern.« Na toll! Also das Gegenteil von mir. Ich bin eher zierlich, habe mausbraunes Haar, langweilige blaue Augen, und eine Sexbombe bin ich auch nicht gerade. Also kann ich Carter wohl vergessen. Was wahrscheinlich auch besser so ist, wenn er Drogen vertickt. Ich sollte mich auf niemanden einlassen, der so etwas macht.

Die Stunden vergehen wie im Flug. Ich weiß nicht, wann ich mich zuletzt so gut mit jemandem verstanden habe. Ich schufte wie ein Tier, und das macht mir sogar richtig Spaß.

Zumindest, bis ich eine Bewegung von links wahrnehme. Carter jongliert mit Bierflaschen, versagt dabei jedoch kläglich, sodass ich zusätzlich zu all meinen anderen Aufgaben heute Abend auch noch Scherben vom Fußboden aufsammeln muss. Er lächelt jedoch so reumütig, dass ich unwillkürlich zurückstrahle. Dieser Typ ist eine richtige Augenweide. Wie verzaubert sehe ich ihn an, bis er mich aus meiner Trance reißt.

»Hey, Erde an Bailey! Ich weiß, dass ich ein heißer Typ bin, aber kannst du bitte aufhören, mich so anzusehen? Und mach um Himmels willen den Mund zu. Der Sabber ist nicht sehr attraktiv, Süße. Wir können nicht befreundet sein, wenn das so weitergeht.«

Shit, stand mir wirklich gerade der Mund offen? Als ich unwillkürlich nach Sabber taste, bricht Carter in schallendes Gelächter aus. Na toll, jetzt hat er mich nicht nur dabei erwischt, ihn anzustarren, sondern hält mich auch noch für eine Vollidiotin!

»Äh, sorry, ich war gerade in Gedanken woanders. Was hast du gesagt?«

Er winkt ab und arbeitet weiter. »Nichts. Bringst du kurz eine Flasche Wodka und die üblichen Zutaten zu Tisch drei?« Ich scheine immer noch etwas benommen zu wirken, denn er schüttelt belustigt den Kopf und zeigt nach vorn. »Ich meine den Tisch da in der Mitte.«

Ich gehe in die Richtung, auf die er gezeigt hat, aber anscheinend bin ich verkehrt, denn kurz darauf höre ich wieder seine Stimme hinter mir: »Nein, weiter links. Links! Direkt neben der Nische mit den geschlossenen Vorhängen. Siehst du die Männer?« Ungeduldig werfe ich eine Hand in die Luft, um ihm zu signalisieren, dass er aufhören soll, mir Anweisungen zu geben. Himmel, wirke ich wirklich so unbedarft?

Als ich mich dem Tisch nähere, bringt die Szenerie vor mir prompt unangenehme Erinnerungen zurück. Erinnerungen, die ich gerade gar nicht gebrauchen kann. Meine Narbe beginnt zu pochen, und ich spüre den vertrauten Impuls, etwas gegen den Schmerz einzunehmen.

Mein erster Tag hier, und schon ist das altbekannte Bedürfnis wieder da.

Wird es eigentlich je einfacher?

Der Unfall hat alles verändert.

Hat alles noch viel schlimmer gemacht.

Ich schüttle die Erinnerung ab. Ich brauche diesen Job hier, und vor allem brauche ich das Geld. Ich werde es schon irgendwie hinkriegen. Ich muss es hinkriegen.

Als ich die VIP-Nische mit den vier Männern betrete, schenken sie mir keine Beachtung. Ohne mich auch nur eines Blicks zu würdigen, wedelt einer mit einer leeren Wodkaflasche vor mir herum.

»Wir brauchen mehr Goose«, lallt er.

Grey Goose Magnum ist nicht einfach irgendein Wodka. Er kostet schlappe achthundert Dollar pro Flasche. Einer meiner früheren Freunde stand total da drauf. Diese Männer müssen stinkreich sein, also beschließe ich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und hoffentlich ein fettes Trinkgeld abzukassieren.

»Äh, natürlich. Sorry, dass ich die falsche Flasche gebracht habe.« Ich schenke dem Typen mein strahlendstes Lächeln. Als er sich endlich dazu herablässt, meinen Blick zu erwidern, vergeht ihm sein arrogantes Grinsen schlagartig, und er wird blass. Er blinzelt ein paarmal erschrocken, ohne den Blick von mir zu lösen. Hm, irgendwie schräg …

»Alles okay?«, frage ich ihn.

Er schüttelt den Kopf und räuspert sich, bevor er sich wieder in das Arschloch von gerade eben verwandelt.

»Du hast uns den billigen Fusel gebracht? Weißt du etwa nicht, wer ich bin, Mädel?« Seine Sperenzien bringen die anderen Männer am Tisch zum Feixen und Johlen. »Bring den Fusel wieder zurück und bitte Carter, uns Monica zu schicken.« Er wedelt mich weg. »Sie weiß, was wir wollen.«

Weiteres Gelächter schallt hinter mir her, als ich die VIP-Nische verlasse. Ich versuche, mir meinen Ärger nicht anmerken zu lassen. Erstens ist er betrunken, und zweitens habe ich das Gefühl, dass er mit seinem ruppigen Verhalten auch seine seltsame Reaktion auf mich überspielen wollte.

Ich bin nicht angewiesen auf diese Arschlöcher. Fast alle Gäste hier haben Geld wie Heu. Wenn diese Typen Monica wollen, sollen sie Monica bekommen. Ich werde mein Trinkgeld schon noch zusammenkriegen.

»Weißt du, wo Monica ist?«, frage ich die erste Kellnerin, die mir über den Weg läuft. Sie ist eine zierliche Blondine mit kurz geschnittenem Haar und einer dicken Schicht Make-up, die garantiert bis in die frühen Morgenstunden hält.

Sie nickt. »Sie ist gerade in Nische fünf. Gibt dem alten Knacker vermutlich einen Lapdance.« Sie verdreht die Augen. »Ich bin übrigens Darla. Du musst Bailey sein, oder?«

Ich nicke lächelnd. »Freut mich, dich kennenzulernen. Ist das dein Ernst mit dem Lapdance?«

Sie winkt ab. »Hör nicht auf mich, ich bin nur neidisch auf sie. Das Mädchen verdient sich eine goldene Nase.« Achselzuckend geht sie weiter. »Wenn du etwas brauchst, sag mir Bescheid«, ruft sie mir noch über eine Schulter zu.

Als ich bei Nische fünf ankomme, stoße ich fast mit Monica zusammen, die gerade herauskommt.

»Pass doch auf!«, schnauzt sie mich an.

Ich ignoriere ihr unfreundliches Verhalten. »Bist du Monica?«

»Ja.« Sie klingt genervt und gelangweilt zugleich.

»Die Männer in Nische drei haben nach dir verlangt.«

Sie sieht in die Richtung und hebt eine perfekt gezupfte Augenbraue. »Was, bist du etwa nicht mit Reese fertiggeworden?«, fragt sie spöttisch. »Er flirtet mit jeder, ist aber harmlos, okay, ich übernehme ihn. Geh nur. Und sag Carter, dass wir die Nischen tauschen.«

Ich drehe mich um und kehre zurück zum Tresen.

Auf dem Weg dorthin unterdrücke ich ein Stöhnen. Anscheinend kann ich nichts mehr ab. Ich werfe einen Blick auf die Uhr. Es ist noch nicht mal zwei, und ich bin total erledigt. Kann mich kaum noch wachhalten, obwohl die Gäste erst jetzt richtig aufdrehen.

Ich lege mein Handtuch auf den Tresen und setze mich auf einen Hocker. »Diese Typen sind ja richtige Arschlöcher«, sage ich zu Carter. Er hebt eine Augenbraue und folgt meinem Blick zu dem VIP-Raum, aus dem ich gerade gekommen bin. Achselzuckend sieht er mich an.

»Bei Reese kann ich das auf jeden Fall bestätigen. Willkommen im Club.«

Ich betrachte den Tisch. Eigentlich sollte ich mir von ein paar Vollidioten mit handgenähten Schuhen nicht die Laune vermiesen lassen. Tief Luft holend beschließe ich, die Männer von jetzt an zu ignorieren.

»Ich brauche dringend einen Kaffee«, stöhne ich. »Oder einen Oreo.«

»Einen Oreo? Interessant …«

Ich hebe die Augenbrauen. »Warum?«

»Ich habe dich eher für den Gummibärchentyp gehalten. Wie dem auch sei, du brauchst offensichtlich einen Muntermacher. Wie wär’s mit einer männlichen Augenweide?«

»Inwiefern soll mir das helfen?«

»Das wirst du dann schon merken. Mich persönlich bringt nichts so auf Trab wie eine scharfe Tussi. Wenn ich müde bin, sehe ich mir immer Monica an. Ich würde sie nie anrühren, aber sie sieht verdammt heiß aus.«

»Ich habe doch dich als Augenweide …« Ich unterdrücke ein Gähnen. »Mist, es funktioniert nicht.«

»Er kommt näher.«

»Wer kommt näher?«

»Die Mädchen, die hier arbeiten, stehen alle auf ihn … Er ist übrigens hinter dir.«

Ich wende den Kopf, kann aber niemanden sehen, der zu meiner von Carter geweckten Fantasie passt.

Ich lasse den Blick durch den Raum und über die Menschen auf der Tanzfläche schweifen. Als sie vorübergehend auseinanderweichen und den Blick auf eine Treppe freigeben, bleibt mir für den Bruchteil einer Sekunde das Herz stehen. Ich erstarre, und meine Hände beginnen zu zittern. Denn auf besagter Treppe steht ein absolut göttliches Wesen.

Er ist groß gewachsen und von Kopf bis Fuß durchtrainiert. Sein braunes Haar sieht gerade zerzaust genug aus, um mit den Händen hindurchfahren zu wollen, und seine Augen … Sie sind so unendlich tief und dunkel und geheimnisvoll wie der Nachthimmel.

Er ist ein griechischer Gott unter Männern.

Noch nie habe ich einen schöneren Mann gesehen.

Ich bin wie gebannt.

Fasziniert beobachte ich, wie er sich die Ärmel seines Hemds hochkrempelt und dabei sehnige Unterarme entblößt. Erst dann fällt mir auf, dass er etwas angespannt wirkt, als er die Gäste betrachtet. Im Vergleich zu diesem Mann wirkt Carter geradezu durchschnittlich. Es ist fast lachhaft.

Carter redet weiter, aber ich kriege kaum etwas von dem mit, was er sagt. Ich bin wie hypnotisiert. Komplett in den Bann geschlagen von diesem Fremden. »Wer ist das?«, frage ich atemlos.

»Das, meine liebe, süße Bailey, ist das, was die Mädchen hier als den ansässigen Hottie bezeichnen«, antwortet Carter, während er ein Glas mit Johnny Walker füllt. Sein irritierter Ton entgeht mir nicht. Anscheinend teilt er das Rampenlicht nicht gern. Ich kann der Versuchung nicht widerstehen, ihn etwas aufzuziehen.

»Und ich dachte schon, dieser Titel geht an dich«, witzele ich. Aus dem Augenwinkel sehe ich ihn lächeln.

»Das ist auch so. Er ist nur die Zulage«, antwortet er. Ich richte meine Aufmerksamkeit wieder auf den feschen Fremden, der förmlich die Treppe hinunterschwebt. Ich kann den Blick einfach nicht von ihm losreißen.

»Aber wer ist das?« Ich zerbreche mir so den Kopf darüber, wer dieser Fremde sein könnte, dass ich Carter nur mit halbem Ohr zuhöre.

»Schätzchen, so wie du heute die Männer anstarrst – meine Wenigkeit eingeschlossen –, würde ich sagen, du musst dringend mal wieder flachgelegt werden«, sagt er grinsend.

Wenn er wüsste, wie lange meine Durststrecke schon dauert, hätte er das nicht so leichtfertig dahingesagt. Es ist geradezu beschämend.

»Halt die Klappe und verrat mir endlich, wer er ist!« Ich muss es einfach wissen!

»Erst, wenn du mich ansiehst. Ich will deine Reaktion mitkriegen, wenn ich es dir verrate.«

Genervt die Augen verdrehend erwidere ich seinen Blick.

»Das, mein Schatz, ist Mr. Drew Lawson. Freu dich, diesen Anblick wirst du jetzt nämlich jeden Abend genießen können.«

Fuck! Diese Neuigkeit hat meinen Job gerade erheblich interessanter gemacht. Andererseits kann ich weiß Gott keine Ablenkung gebrauchen. Als es mir endlich gelingt, den Blick von Drew Lawson loszureißen, wische ich den Tresen ab. Mehrere Glasscherben von Carters Jonglierversuchen bleiben an meinem Lappen hängen. Als ich sie wegwerfe, sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare. Ich habe das Gefühl, dass mich jemand beobachtet. Es ist nicht direkt unangenehm, nur eine instinktive Körperreaktion auf einen Blick. Langsam hebe ich den Kopf und versuche herauszufinden, wer diese Reaktion auslöst. Sofort begegne ich Drew Lawsons Blick. Drew steht auf der anderen Seite des Raums und sieht mich ganz seltsam an.

Wahrscheinlich sollte ich wieder wegsehen, aber irgendwie bringe ich das nicht fertig. Es ist, als hätte eine fremde Macht von mir Besitz ergriffen. Ich fühle mich geradezu magisch von ihm angezogen und kann den Sog bis in die Knochen spüren. Vielleicht liegt es an seinem unglaublich guten Aussehen, aber meine Körperreaktion verrät mir etwas anderes. Und seinem Blick nach zu urteilen, geht es ihm genauso.

Es ist erschreckend.

KAPITEL DREI

Drew

Sosehr ich auch an diesem Club hänge – das Letzte, das mich interessiert, sind die Gäste, also lasse ich mir hübsch Zeit auf dem Weg nach unten. Club Silver ist sehr exklusiv. Nur die Elite und die Schönsten von New York City dürfen hier rein, was leider auch gewisse Schattenseiten hat. So gut wie alle hier können es sich nämlich leisten, es richtig krachen zu lassen. Der Konsum von Drogen ist in meinem Club zwar strikt untersagt, aber es ist nicht immer einfach, diese Regel durchzusetzen. Eine Line Kokain zum Beispiel gehört bei dieser Klientel einfach dazu, was mich genauso ankotzt wie diese Leute selbst.

Früher war das anders. Es gab mal eine Zeit, da war ich ein richtiger Partylöwe. Verdammt, so kam ich überhaupt erst zu diesem Club! Aber die Zeiten ändern sich, und schlimme Dinge passieren. Und eins der Dinge, die ich am meisten bereue, ist nach einer Line Koks zu viel passiert.

Abwehrend schüttle ich den Kopf, bevor sich die Erinnerungen in meinem Hirn festsetzen. Stattdessen wappne ich mich innerlich schon mal gegen das Chaos hier unten. Mein Büro ist mein Heiligtum, und das hier ist meine Hölle. Wie schon gesagt, viele Menschen beneiden mich glühend um mein Leben. Dabei würde ich das alles hier bereitwillig verschenken, wenn ich die Zeit dadurch nur zurückdrehen könnte.

Die Ärmel meines Hemds bis zu den Ellenbogen hochkrempelnd, sehe ich mich im Club um. Es ist brechend voll heute Nacht, aber das ist nichts Ungewöhnliches.

Ich werde mich kurz bei Carter erkundigen, ob alles läuft, und dann werde ich machen, dass ich hier wegkomme.

Ich habe viel zu viel Arbeit und in ein paar Tagen ein Meeting in Napa. Bestimmt quatscht Carter gerade am Tresen mit der Neuen.

Cal ist echt ein Arsch!

Normalerweise hätte ich ihn zum Teufel geschickt, aber nachdem ich alles über die Schwester seiner Freundin gelesen habe, was ich online finden konnte, bringe ich das nicht mehr übers Herz.

Was mich in die Gegenwart zurückbringt – zu einer neuen Angestellten, die mich an die ganze gequirlte Scheiße erinnert, die mich immer noch bis in den Schlaf verfolgt.

Kopfschüttelnd sehe ich mich nach Carter um. Als ich ihn entdecke, muss ich grinsen. Ich hatte recht. Er lässt mal wieder seinen ganzen Charme spielen. Frauen lieben ihn. Männer lieben ihn. Verdammt, sogar meine Großmutter würde ihn lieben! Ich kann das Gesicht des Mädchens nicht erkennen, aber ich wette, sie ist hin und weg. Das geht den meisten Neuen so.

Ich lasse den Blick an ihrer Rückseite hinunterwandern.

Sie ist durchschnittlich groß, hat eine schmale Taille und Hüften, die gerade breit genug sind, um jene Sanduhrfigur zu erzeugen, die Männer so verrückt macht. Ihr langes braunes Haar fällt ihr wellig über die Schultern, aber erst als sie sich umdreht, stockt mir buchstäblich der Atem.

Dieses Gesicht …

Wie ich von den Online-Fotos weiß, sind ihre Augen blau, obwohl ich die Farbe von hier aus nicht erkennen kann. Sie sind außerdem faszinierend groß. Aufmerksam betrachtet sie das Treiben auf der Tanzfläche und verzieht die vollen Lippen zu einem spöttischen Lächeln, als Carter etwas zu ihr sagt.

Himmel, ist sie umwerfend!

Ich habe absolut keine Erklärung für die Heftigkeit meiner Reaktion auf sie. Es ist nicht das erste Mal, dass ich am liebsten sofort mit einer Frau ins Bett will, aber das hier ist irgendwie anders.

Es muss an ihren Augen liegen.

An ihrem traurigen Blick.

Es sind wahrscheinlich nur ihre Dämonen, die sie zu etwas Besonderem machen.

Nein, es ist mehr als das …

Als mir mein schräger innerer Monolog bewusst wird, stöhne ich innerlich.

So verführerisch sie auch ist – ich habe jetzt keine Zeit, den Ursachen für meine primitive körperliche Reaktion auf sie auf den Grund zu gehen. Ich werde das Ganze einfach auf …

Leider fällt mir partout nichts ein, worauf ich meine Reaktion schieben könnte.

Wieder schüttle ich den Kopf, diesmal, um den Nebel loszuwerden, der sich in meinem Hirn auszubreiten scheint. Ich beschließe, doch nicht zu Carter zu gehen. Stattdessen sehe ich mich um, wobei mir auffällt, dass der Vorhang von Reeses Nische zugezogen ist.

Es überrascht mich nicht, das zu sehen.

Genervt marschiere ich auf den VIP-Bereich zu.

Reese bereitet mir nichts als Ärger.

Leider weiß ich nicht, wie ich das ändern soll. Eigentlich hassen wir uns abgrundtief, aber irgendwie fühle ich mich wegen Alexa immer noch an ihn gebunden.

Schuldgefühle sind echt grausam. Sie schlängeln sich heimtückisch an einen heran wie eine Giftschlange. Erst kriegt man gar nichts davon mit, aber sie liegt schon auf der Lauer, versteckt im Gras und bereit zum Angriff.

Reese hat mich in der Hand.

Trotzdem kann ich ihm nicht alles durchgehen lassen.

Eigentlich habe ich keine Lust auf eine Konfrontation, aber es muss sein.

Als ich den Vorhang zur Seite ziehe, treffen sich unsere Blicke. Seine grünen Augen sind glasig und seine Nasenlöcher gerötet.

Überraschung, Überraschung! Manche Dinge ändern sich anscheinend nie.

»Drew Lawson! Wie komme ich denn zu der Ehre?«, nuschelt er.

»Reiß dich am Riemen, sonst muss ich dich leider auffordern zu gehen. Drogen sind in meinem Club nicht erlaubt!«

»Spiel dich hier nicht so auf, Lawson! Vergiss nicht, ich weiß, dass du kein Stück besser bist als ich. Und du willst doch bestimmt nicht deinen makellosen Ruf aufs Spiel setzen, oder?«

»Halt die Klappe!«

»Warum? Schuldgefühle?«

»Ich habe gesagt, du sollst die Klappe halten, sonst bist du schneller hier raus, als du gucken kannst!«

»Das wagst du nicht!«

»Wart’s ab!«

»Was würde Alexa wohl dazu sagen?«, fragt er feixend.

»Was weißt du schon darüber?«

»Stimmt, du kanntest sie ja am besten. Ist leider nicht gut ausgegangen, oder?«

Ich bin kurz davor, die Beherrschung zu verlieren, reiße mich jedoch zusammen. Alexa wäre nicht erfreut über diese Konfrontation. Sie würde mich davon abhalten, mich mit Reese zu prügeln, und wenn er hier ist, kann ich wenigstens auf ihn aufpassen. Dafür sorgen, dass er nicht komplett Mist baut.

Manche Menschen würden mich zwar darauf hinweisen, dass ich nicht für ihn verantwortlich bin, aber leider irren sie sich.

Er ist das Päckchen, das ich zu tragen habe. Mein ganz persönliches Kreuz.

Ob ich will oder nicht.

Er verengt die Augen zu schmalen, bösartigen Schlitzen. »Ich habe übrigens gerade die Neue gesehen, die du engagiert hast.«

»Halt dich ja von ihr fern«, warne ich ihn, bevor ich ihm den Rücken zukehre und auf sie zugehe.

Als ich bei ihr ankomme, versteift sie sich etwas.

»Hat er Sie belästigt?«, stoße ich durch zusammengebissene Zähne hervor.

Ihre Augen weiten sich kurz, bevor sie den Kopf schüttelt. »Nein, halb so wild.«

Aus der Nähe ist sie noch viel hübscher als von Weitem. Sie ist wirklich der Typ süßes, unschuldiges Mädchen von nebenan. Aber ich weiß es besser. Sie mag unschuldig aussehen, ist aber alles andere als das.

Was sie für mich leider nur umso anziehender macht.

Sofort verspüre ich den Wunsch, sie besser kennenzulernen, so fatal das auch ist.

KAPITEL VIER

Bailey

Als der Club endlich schließt, kann ich mich kaum noch auf den Beinen halten vor Müdigkeit. Ich bin nach wie vor etwas durcheinander von meiner ersten Begegnung mit meinem Chef, obwohl er kaum etwas zu mir gesagt hat. Ich hatte nur den Eindruck, dass er dem betrunkenen Loser in Nische drei am liebsten den Kopf abreißen würde.

Irgendwie geht mir die Begegnung nicht mehr aus dem Kopf. Außerdem tut mir alles weh, jetzt, da der Club geschlossen ist und kein Adrenalin mehr durch meinen Körper pumpt. Ich bin so verspannt, dass ich wahrscheinlich sofort hinfallen werde, wenn ich stolpere. Es ist schon nach halb vier. Wenigstens dröhnen mir die Bässe nicht mehr in den Ohren. Als ich mich umsehe, wird mir jedoch bewusst, dass die Musik mein geringstes Problem war. Die VIP-Tische, der Tresen …

Die Gäste haben ein einziges Chaos hinterlassen.

Sämtliche Oberflächen kleben von ihren Ausschweifungen und Sünden, obwohl der letzte Gast längst gegangen ist.

Laut stöhnend greife ich unter den Tresen nach einem Feudel. Das Geräusch hallt so laut durch den Raum, dass Carter sich lachend nach mir umdreht.

»Großer Gott, Mädchen, alles okay mit dir?« Als sich unsere Blicke treffen, hebt er die Augenbrauen.

»Ich fühle mich wie von einer Dampfwalze überrollt.« Ich verziehe das Gesicht, während ich die schmerzenden Arme dehne.

»Dein Körper wird sich schnell daran gewöhnen.«

»Versprochen?«

Er zwinkert mir zu. »Ja, versprochen. Du hast dich heute wacker geschlagen. Jetzt müssen wir nur noch die Flaschen wieder einsortieren, und den Rest übernimmt dann der Putztrupp.« Mir entschlüpft ein Geräusch, das klingt, als käme es von einem sterbenden Tier, das sich nur noch nach Erlösung sehnt.

Carter lacht schallend. »Wie wär’s mit einem Drink oder einem Muntermacher?«, fragt er und greift in seine hintere Hosentasche, um etwas herauszuziehen. Es ist nicht schwierig zu erraten, was es ist.

»Ein bisschen Koks ist genau das, was der Doktor für diese Uhrzeit verschreibt, und jetzt, wo der Chef weg ist, brauchen wir uns nicht im Lager zu verstecken.«

Mich überläuft es kalt. Abwehrend schüttle ich den Kopf. »Ich nehme keine Drogen.« Ich spüre, wie sich eine Falte zwischen meinen Augenbrauen bildet.

Carter sieht mich mit schmalen Augen an. »Das ist schon das zweite Mal, dass du etwas in der Art sagst. Was steckt dahinter? Spuck’s aus, Bailey, was ist los mit dir?«

»Ich, äh …« Verlegen fasse ich mir an die Nasenwurzel.

Er sieht mich eindringlich an. »Ich mag etwas exzentrisch wirken, aber du kannst mir vertrauen, auch wenn wir uns noch nicht lange kennen. Wenn du daher reden willst …« Er verstummt und wartet auf meine Reaktion.

»Es würde zu lange dauern, dir alles zu erklären, und wir müssen hier noch klar Schiff machen. Vielleicht hinterher?«

Er nickt. »Okay, wie wär’s, wenn wir aufräumen und uns in einer halben Stunde am Ausgang treffen? Ein Stück weiter ist ein tolles Diner. Es ist vielleicht zu spät für etwas zu essen, aber Kaffee kann man nie früh genug trinken.«

Unschlüssig beiße ich mir auf die Unterlippe. Es wäre schön, hier im Club einen Freund zu haben. Jemanden zum Reden. »Ja, gern«, stimme ich nickend zu. Im Weggehen drehe ich mich noch mal zu ihm um. »Danke, Carter.« Sein Lächeln ist so aufrichtig, dass ich tatsächlich das Bedürfnis verspüre, ihm alles anzuvertrauen.

Schweigend setzen wir uns an einen kleinen Tisch in dem rund um die Uhr geöffneten Diner. Mein Herz klopft vor Nervosität.

»Alles okay mit dir?«, fragt Carter.

Ich erwidere seinen Blick und reibe mir verlegen den Nacken. »Ehrlich gesagt bin ich etwas nervös.«

»Bei mir brauchst du nicht nervös zu sein.« Er lächelt beruhigend. »Du brauchst auch nicht zu reden, wenn du nicht willst.«

Ich seufze und gebe mir innerlich einen Ruck. »Ich bin suchtkrank«, sage ich ohne Umschweife. »Aber seit zwei Jahren bin ich clean.«

Er hält mir eine Hand hin, und ich nehme meine vom Nacken und reiche sie ihm. Als er sie schüttelt, spüre ich, dass mir die Tränen kommen. »Ich war mal in einen … Ich hatte mal einen Unfall und fing an, gegen die Schmerzen Tabletten zu nehmen. Anfangs nur hier und da eine, aber ehe ich mich’s versah, schwänzte ich die Uni und häufte Schulden an, und das war erst der Anfang. Mir wird ganz schlecht, wenn ich daran denke, wozu ich alles fähig war, wenn ich high war. Ich habe Dinge getan, auf die ich alles andere als stolz bin. Eines Morgens wachte ich dann auf und …«

»Du brauchst mir keine Details zu erzählen, Bailey.«

Ich nicke dankbar.

»Zufällig kenne ich mich selbst ein bisschen mit Süchten aus und weiß daher, wie schwer sie in den Griff zu kriegen sind. Ich finde es bewundernswert, dass du es schon seit zwei Jahren schaffst, clean zu bleiben. Eines Tages wirst du mir dein Geheimnis verraten müssen«, sagt er lächelnd.

Ich zucke die Achseln. »Man muss dazu bereit sein. Wenn man das nicht ist, hilft einem kein Programm der Welt.«

»Irgendwann ist es bei mir bestimmt auch so weit. Bald«, fügt er hinzu. »Danke für dein Vertrauen. Ich werde es nicht missbrauchen.«

Ich glaube ihm sogar.

»Bist du noch an der Uni?«, fragt er.

Ich schüttle den Kopf. »Nein. Im Moment habe ich genug damit zu tun, clean zu bleiben. In dieser Stadt ist das nicht ganz einfach, vor allem nicht, wenn man in einem Club arbeitet.« Ich seufze. »Während meines Studiums habe ich mehr Seminare verpasst, als ich besucht habe. Ich habe das Studium schließlich abgebrochen, um erst mal wieder mein Leben auf die Reihe zu bekommen. Eines Tages würde ich gern weitermachen, aber das kann ich mir gerade nicht leisten. Ich muss erst mal meine Schulden abbezahlen. Vielleicht ja hinterher.«

»Ich kann gut verstehen, dass der Job im Club eine echte Herausforderung für dich ist, aber Drews Vorschriften werden dir dabei helfen. Im Job dürfen wir eigentlich weder Alkohol trinken noch Drogen nehmen. Jetzt, wo ich weiß, was los ist, werde ich auch nicht mehr versuchen, dich dazu anzustiften. Ich pass auf dich auf.«

Bei seinen Worten wird mir ganz warm ums Herz. »Ich bin wirklich froh, dich kennengelernt zu haben.«

»Dito.« Ein Grinsen breitet sich über sein Gesicht aus. »Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft«, fügt er in so überzeugender Bogart-Manier hinzu, dass ich lachen muss.

»Model und Schauspieler also, hm?«

Er stöhnt frustriert. »Keine Ahnung, ob ich die Berufsbezeichnungen noch verdiene. Ich hatte seit über einem Jahr keine Aufträge mehr.«

»Warum nicht? Ich hätte gedacht, bei jemandem wie dir stehen die Agenten Schlange.«

Er zuckt die Achseln. »Es ist verdammt hart, in diesen Branchen Fuß zu fassen.«

Ich trinke einen Schluck Kaffee und seufze genießerisch. Er schmeckt herrlich. »Wie alt bist du eigentlich?«

»Ein Gentleman genießt und schweigt.«

»Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich diese Redensart auf etwas anderes bezieht«, sage ich lachend.

»Okay, jetzt, wo wir Freunde sind, werde ich dir mein schmutziges Geheimnis anvertrauen: Ich bin achtundzwanzig.« Er ahmt ein erschrockenes Aufkeuchen nach. »Noch ein Grund, warum die Agenten bei mir nicht Schlange stehen.«

»Achtundzwanzig ist doch noch jung.«

Er schüttelt den Kopf. »Nicht für ein angehendes Model. Mein Zenit ist überschritten. Achtundzwanzig ist höchstens für einen Clubbesitzer jung. Ich wünschte, ich hätte so viel Kohle wie Drew.«

»Was? Drew Lawson ist erst achtundzwanzig? Wie kommt er eigentlich zu dem Club? Familienunternehmen?«

Carter schüttelt den Kopf. »Nein, aber die Geschichte erzähle ich dir ein andermal. Nur so viel: Drew war früher ein richtiger Partylöwe, bis etwas passiert ist, das ihn zur Besinnung gebracht hat. Seitdem hält er sich strikt ans Gesetz und bleibt anständig.« Carter trinkt einen Schluck Kaffee und gähnt.

Sein Gähnen steckt mich an. »Ich muss auch ins Bett. Ich kann kaum noch die Augen offen halten.«

In diesem Moment klingelt die Glocke über der Dinertür, und eine lachende Vierergruppe kommt rein. Als ich den Kopf in ihre Richtung wende, fährt mir der Schreck in die Glieder. Sofort rutsche ich auf meinem Sitz tiefer.

»Was ist?«, fragt Carter stirnrunzelnd.

Gequält seufzend schließe ich die Augen. »Das sind meine Schwester und ihr Freund.«

Verwirrt zieht er die Augenbrauen zusammen. »Und inwiefern ist das ein Problem für dich?«

»Es ist vier Uhr morgens, und da ich früher suchtkrank war … Sie ist Staatsanwältin. Wenn sie mich hier sieht, wird sie sofort das Schlimmste vermuten.«

Er verzieht das Gesicht. »So sehr bemuttert sie dich?«

»Eigentlich nicht, aber bisher war das auch nicht nötig, weil ich kaum meine Wohnung verlasse.«

»Sie kommt näher«, warnt er mich.

»Erwähn ja nicht den Club!«, zische ich, und er nickt.

Die Vierergruppe zieht ohne Zwischenfall an uns vorbei. Rasch lege ich etwas Geld auf den Tisch und stehe auf, um mich unauffällig zu verziehen, doch zu meinem Glück setzt sich Harper nicht mit dem Rücken zu mir, sondern so, dass sie mich sehen kann. Als unsere Blicke sich treffen, reißt sie überrascht die Augen auf, bevor ihr Blick zu Carters Hinterkopf wandert. Ihre Augen verengen sich misstrauisch.

Na super, jetzt glaubt sie bestimmt, dass ich zu meinen schlechten Angewohnheiten zurückgekehrt bin!

»Bailey?«, fragt sie, als sei sie sich nicht sicher, ob sie ihren Augen trauen kann.

»Hey, Harp.« Verlegen winke ich den anderen zu, als sie sich zu mir umdrehen. Cal wird ganz blass bei meinem Anblick. Wahrscheinlich weiß er genau, was ich um diese Uhrzeit hier mache.

Harper steht auf und kommt auf uns zu.

»Was machst du hier, Bailey?«, fragt sie scharf. »Weißt du überhaupt, wie spät es ist?«

»Ich könnte dich das Gleiche fragen«, kontere ich und nicke warnend Richtung Carter, damit sie hier keine überflüssige Szene macht. Als sie jedoch die Arme vor der Brust verschränkt, wird mir klar, dass sie nicht so schnell klein beigeben wird. »Das ist mein Freund Carter«, füge ich hinzu. »Ich konnte nicht schlafen, also hat er mich zu einem Frühstück eingeladen.«

Carter steht auf und hält ihr lächelnd eine Hand hin. »Freut mich, Sie kennenzulernen.« Harpers unterkühlter Gesichtsausdruck taut merklich auf. Sie ist Wachs in seinen Händen. Er hat’s wirklich drauf.

»Ganz meinerseits«, sagt sie, während sie ihm die Hand schüttelt, und legt den Kopf schief, um ihn näher zu begutachten. »Wie habt ihr beide euch kennengelernt?«

Neue Panik steigt in mir auf. Verzweifelt versuche ich, mir eine plausible Antwort einfallen zu lassen, aber Carter kommt mir zuvor.

»Ich wohne ganz in Baileys Nähe, also sind wir uns öfter über den Weg gelaufen«, erklärt er, bevor er sich wieder hinsetzt. »Bailey und ich haben gerade ihre Zukunftspläne besprochen. Sie will wieder studieren.«

Er unterdrückt einen Schmerzensschrei, als ich ihm unterm Tisch einen Tritt verpasse, aber Harper scheint die Neuigkeit so zu freuen, dass ihr das gar nicht auffällt. Ist Carter eigentlich klar, was er da angerichtet hat? Jetzt wird sie mich bestimmt bearbeiten, mein Studium wieder aufzunehmen.

»Nicht so voreilig«, sage ich durch zusammengebissene Zähne. »Mein Job hat erst mal Vorrang.«

»Nicht unbedingt«, sagt Harper. »Du weißt, dass ich dich finanziell gern unterstütze, wenn du wieder zur Uni gehst.«

Ich stöhne innerlich. »Danke, aber ich brauche deine Hilfe nicht, Harp.« Ich nicke in Richtung ihres Tisches. »Dein Freund wartet auf dich, damit ihr bestellen könnt.«