The Carters - Cat Brown - E-Book

The Carters E-Book

Cat Brown

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Beschreibung

Eliza träumt immerzu von einer anderen Zeit. Um alles behalten zu können, schreibt sie ihre Träume in Form kurzer Geschichten auf. Es geht um Edana, die Dunham kennen und lieben lernt. Dunham, den Clanführer mit den eisblauen Augen. Im wahren Leben trifft Eliza auf Sam. Kann es Zufall sein, dass er sie mit ebensolchen eisblauen Augen anblickt? Doch geprägt durch ihre Vergangenheit, hält sie Sam auf Abstand, was ihr zunehmend schwerer fällt. Als ihr Exfreund Sebastian, vor dem sie aus Irland geflüchtet ist, in Bridgetown auftaucht, wendet sich das Blatt.

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Seitenzahl: 241

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Ich habe schon oft gehört, dass wir viele Male wiedergeboren werden -

Ungeachtet unserer äußeren Form oder unseres Geschlechts.

Das würde unsere Déjà-vus oder ein ‚Gefühl von zu Hause‘ in

verschiedenen Ländern und Städten, die wir bereisen, erklären…

Aber auch, wenn wir einen Film ansehen und uns die Orte bekannt

vorkommen, obwohl wir noch nie dort waren, kann uns dieses Gefühl

beschleichen.

Doch ist es auch möglich, von einem früheren Leben zu träumen?

Nun… Lass mich dir erzählen:

Inhaltsverzeichnis

Eliza

Edana

Eliza

Sam

Eliza

Edana

Eliza

Edana

Eliza

Sam

Eliza

Edana

Eliza

Sam

Eliza

Edana

Eliza

Sam

Eliza

Edana

Eliza

Sam

Eliza

Sam

Eliza

Edana

Eliza

Sam

Eliza

Edana

Eliza

Sam

Eliza

Sam

Eliza

Sam

Eliza

Ann

Eliza

Sam

Eliza

Sam

Eliza

Edana

Eliza

Sam

Eliza

Sam

Eliza

Edana

Eliza

Sam

Eliza

Drei Monate später…

Sam

Eliza

Prolog

6 Monate später

Eliza

Bridgetown: Ein idyllisches Städtchen mit etwa 25.000 Einwohnern.

Kleine Läden schmückten die wunderschöne Altstadt.

Im Industriegebiet waren nicht nur einige noble Autohäuser und Herstellerfirmen der verschiedensten Gegenstände und Kleidungsstücke zu finden, sondern auch Bürokomplexe einflussreicher Geschäftsleute aus Bridgetown.

Man fand hier alles, was das Herz begehrte.

Am bekanntesten jedoch war die Stadt für ihr riesiges Wald- und Naturschutzgebiet, in dessen Nähe meine Cousine Ann und ich ein schönes Häuschen angemietet hatten.

Darf ich mich vorstellen:

Ich bin Eliza DeVille, bin 28 Jahre alt und gemeinsam mit meiner Cousine Ann DeVille aus Irland in dieses wunderbare Städtchen gezogen.

Unsere Väter sind Brüder und Ann ist die Schwester, die ich nie hatte.

Ich kam gerade von meiner Mittagspause zurück, stützte mich vor meinem Notebook ab und betrachtete die Tabellen, die ich zurzeit bearbeitete, als Mrs. Ericson mich unvermittelt ansprach.

Sie bat mich, für drei Personen Tee und Wasser zu bringen und lächelte mich dabei freundlich an.

Ich erwiderte das Lächeln und ging in die Küche, um das Gewünschte zusammenzusuchen.

Seit drei Monaten arbeitete ich bereits für diese tolle und selbstbewusste Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben stand – das bewunderte ich schon immer an Frauen, waren doch allzu viele immer noch zu bescheiden, um ihr wahres Potenzial zu leben. Sie trauten sich schlicht und ergreifend zu wenig zu. Sie stellten sich selbst in den Schatten; mochten das Wort „Emanzipation“ nicht aussprechen und ließen sich von Männern kleinhalten. Aber was führe ich hier aus, hatte ich doch selbst Erfahrungen diesbezüglich gemacht.

Ach ja: Erwähnte ich schon, dass der Job ein absoluter Glücksgriff war?

Oder besser gesagt: Das Schicksal hatte seine Finger im Spiel. Denn als ich nach Wohnungen in London suchte, stolperte ich über Bridgetown, fand unser Häuschen und entdeckte die ausgeschriebene Stelle der Firma EricsonEnterprise, auf die ich mich einfach bewerben musste.

Es war, seit ich denken konnte, mein Traum, als Assistentin und Buchhalterin zu arbeiten. Man durfte Verantwortung übernehmen und bekam einen Einblick in die Arbeiten des Vorgesetzten – dies jedoch immer „nur“ in begleitender Tätigkeit.

Zuviel Verantwortung, vor allem im Business, schreckte mich ab. Leider mangelte es mir da noch an einem gesunden Selbstbewusstsein.

Aber was nicht ist…

…konnte ja noch werden.

…wo wir doch gerade beim Thema Frauen und Selbstwert waren.

An den Wochenenden jobbte ich zusätzlich in der Stadtbibliothek.

Bücher hatten mich schon immer fasziniert und waren meine Rückzugsorte, gerade in Zeiten, in denen es mir nicht sonderlich gut ging oder wenn der Stress mich zu überrollen drohte.

Und das zusätzliche Geld konnten wir sehr gut gebrauchen, denn Ann war noch Studentin. Sie hatte zwar einen kleinen Job als Kellnerin in einem süßen Café, jedoch reichte das Geld nicht aus, um den kompletten Monat über die Runden zu kommen.

Schnell suchte ich die gewünschten Sachen in der Küche zusammen, stapelte sie auf ein Tablett und ging zurück.

Ich klopfte vorsichtig an den Türrahmen, woraufhin mich Mrs. Ericson hereinbat.

Zwei Männer in gut sitzenden Anzügen saßen mit dem Rücken der Tür zugewandt und waren in das Studium von Unterlagen vertieft.

„Darf ich euch Miss DeVille vorstellen? Ihr kennt sie noch gar nicht, da ihr ja gerade erst aus Amerika zurückgekommen seid“, hörte ich Mrs.

Ericson zu ihnen sagen.

Die beiden erhoben sich und mir blieb bei dem Anblick beinahe das Herz stehen:

„John Carter - freut mich, Miss DeVille.“ Ich stellte das Tablett ab und reichte dem Mann, der vor mir stand, die Hand. Er war sicher über 1,90 Meter groß, hatte graue Augen und schwarze Haare. Seine Ausstrahlung ließ mich eine gerade Haltung annehmen, denn die Dominanz prallte mir mit einer nicht unangenehmen Wucht entgegen.

„Ebenso!“, entgegnete ich ihm und sah dann zu dem anderen Mann.

„Sam Carter!“, lächelte mich dieser Mann charmant an und ich ergriff auch seine Hand. Es war, als ob mich ein Stromschlag getroffen hätte und auch Sam schien es bemerkt zu haben, denn er zog, wie zum Beweis, kurz eine Augenbraue hoch. Sein Haar und seine Augen waren heller als die von John… Man konnte jedoch sofort erkennen, dass diese beiden Männer Brüder waren. Allerdings hatte Sam etwas an sich, das ich nicht in Worte fassen und auch nicht greifen konnte. Es war nicht mit dem „gewissen Etwas“ zu beschreiben. Das wäre einfach nicht das Treffende gewesen. Aber etwas anderes fiel mir in diesem Moment nicht zu ihm ein.

Ein letzter Blick in diese schönen eisblauen, von dichten schwarzen Wimpern umrahmten Augen, und ich verteilte Wasser und Tee.

Dann verließ ich das Büro und widmete mich meinen Aufgaben.

Nach drei Stunden Arbeit und kurz vor meinem Feierabend, saßen die beiden Brüder noch immer bei Mrs. Ericson.

Ich klopfte erneut an und verabschiedete mich.

Meine Chefin verabschiedete sich ebenfalls von mir und wandte sich dann wieder einem Skypegespräch zu.

Die beiden Männer nickten mir zu und ich hatte das Gefühl, dass Sam Carter mich eine Weile länger musterte.

Gedankenverloren griff ich nach meinen Sachen, schaltete den PC aus und ging zum Treppenhaus, da sich das Büro im 13. Stock eines Gebäudekomplexes befand.

Im Erdgeschoss angekommen zog ich meine Kopfhörer aus der Tasche und schaltete Musik aus meinem MP3-Player ein, während ich auf den Bus wartete.

„Welche Art Musik hören Sie denn?“ Grinsend trat ein junger Mann in mein Blickfeld und ich nahm die Kopfhörer ab.

„Klassik!“, erwiderte ich spontan, lächelnd.

„Darf ich?“ Er setzte sich neben mich und nahm mir die Kopfhörer ab.

Er summte zur Musik und ich musterte ihn währenddessen. Seine Arme und Hände waren komplett tätowiert, was ich nur sehen konnte, weil die Ärmel seiner Baseballjacke hochgekrempelt waren. Und auch am Hals waren Tätowierungen zu erkennen. Er hatte seine Haare nach hinten gestylt und trug einen Nasenring. Seine Augen waren grünblau und von dichten schwarzen Wimpern umrahmt. Sein Gesicht war sehr markant und er hatte eine starke Ähnlichkeit mit den beiden Männern, die noch immer bei Mrs. Ericson saßen.

Der junge Mann betonte, dass er klassische Musik mochte und reichte mir die Kopfhörer zurück. „Vor allem, wenn es Disney-Lieder sind. Es lässt einen wieder ‚Kind sein‘!“

Ich gab ihm recht.

„Ich bin übrigens Elijah!“, stellte er sich vor.

„Eliza! Freut mich!“

„Die Freude ist ganz auf meiner Seite!“ Ein charmantes Lächeln umspielte seine Lippen. „Arbeiten Sie hier?“

„Ja in dem Bürokomplex dort drüben!“

Er nickte und blickte auf seine Uhr. „Da müsste ich auch schon längst sein!“, bemerkte er mit einem Zwinkern und verabschiedete sich.

„Vielleicht sieht man sich ja mal!“

Ich lächelte zum Abschied und erhob mich, weil in dem Moment mein Bus kam.

Edana

„Edana! Edana!“ Damh trat völlig außer Atem in unsere Hütte. Seine Gesichtsfarbe glich der eines Gespenstes.

„Damh! Was ist passiert?“

„Dort draußen ist ein Mann… Er ist schwer verletzt und liegt im Bach…

Er erfriert sicherlich, wenn wir ihm nicht helfen! Oder noch schlimmer:

Er ertrinkt oder verblutet.“

Mein Herz zog sich bei derart Gedanken zusammen. „Hol Hamish!“,

sagte ich, packte mein Webzeug beiseite und warf mir meinen Mantel über die Schultern.

Draußen klatschte mir der kalte Wind ins Gesicht. Es war zwar bald Frühjahr, doch zurzeit wüteten noch die letzten Unwetter und Kälteeinbrüche des ausgehenden Winters. Dessen ungeachtet versuchten einige Knospen bereits zu erblühen und Pilze und Kräuter suchten sich ihren Weg. Die Natur hatte lange genug geruht.

Damh ergriff meine Hand und führte mich zu der Stelle, wo der Mann lag.

„Heilige Mutter!“, flüsterte ich und beugte mich zu dem Fremden hinunter.

Der Mann lag zwar bäuchlings im Bach, doch ich konnte erkennen, dass er sehr flach atmete.

Gott sei Dank: Er lebte noch.

„Hamish! Hilf mir!“, rief ich.

Mein Bruder eilte zu uns und blickte mich mit ernster Miene an. „Er ist ein Krieger, Edana! Er könnte uns gefährlich werden!“

Skeptisch zog Hamish seine Augenbrauen zusammen und verschränkte seine Arme vor der Brust.

Ich sagte ihm, dass wir keinen Unterschied bei Menschen in Not machten. Egal, ob ältere Frau, kleines Kind oder Krieger – wir halfen, wenn es nötig war. Und da der Krieger keltische Tätowierungen besaß, gehörte er zu unserem Volk. Nach meiner Ansprache versuchte ich, den Mann aus dem Bach zu ziehen.

„Warte! So könntest du ihm noch mehr Schaden zufügen“, sagte Hamish und griff nach den Beinen des Fremden. Er wies mich an, unter die Schultern zu greifen, damit wir den Mann aus dem Bach heben konnten und daraufhin in unsere Hütte.

Ich nickte und folgte den Anweisungen meines Bruders.

Unsere Hütte war spärlich eingerichtet, doch unseren Bedürfnissen genügte es: Wir besaßen drei Betten, eine Feuerstelle und einen Holztisch mit vier Stühlen. Wir hatten es warm und genügend zu Essen.

Wir legten den Fremden vorsichtig auf mein Bett, sodass ich mir ein Bild seiner Verletzungen machen konnte.

„Hole mir warmes Wasser, Damh! Außerdem brauche ich Tücher und die Kräuterpaste.“

„Ja Edana!“ Emsig brachte er mir alles, was ich benötigte und ich begann, den Fremden zu entkleiden.

Er war groß, von starker Statur und hatte eine breite Brust. Sein Körper sah aus, als ob nicht ein Gramm Fett daran war, definierte Muskeln zierten seinen Körper und seine Gesichtszüge sahen so friedlich aus. Sein Bart war recht kurz und sein dunkelblondes Haar reichte ihm bis in den Nacken. Die Haare an den Schläfen hatte er wegrasiert und es waren dort Tätowierungen zu sehen.

Hamish bemerkte, dass es den Anschein habe, als sei er in einen Kampf verwickelt gewesen und dass ein Tier ihn nie so verletzt haben konnte. „Vielleicht waren es englische Soldaten?“

„Das können wir nur mutmaßen. Ich frage mich, wo seine Männer geblieben sind.“, antwortete ich gedankenverloren.

Es war ungewöhnlich, einen derart gut ausgestatten Krieger alleine anzutreffen…

Vorsichtig wusch ich die Wunden an seinem Bauch, seinen Rippen und an der Schulter. Sie waren glücklicherweise nicht sehr tief, sodass seine Organe unbeschädigt waren. Doch er musste viel Blut verloren haben. Und es grenzte zudem an ein Wunder, dass er nicht erfroren war.

Ich nahm ihm den Waffengurt ab und legte ihn auf den Tisch.

Damh inspizierte neugierig die Sachen, was mich lächeln ließ... Wenn es nach ihm ginge, wäre auch er ein Krieger und würde ins Abenteuer ziehen… Nur war er dafür noch zu jung.

Plötzlich packte der Fremde den Kragen meiner Kleidung und zog mich mit schnellem Griff zu sich.

Eisblaue Augen durchdrangen mich, als blickten sie tief in meine Seele.

Für einen kurzen Augenblick sah ich etwas in seinen Augen aufblitzen, was ich nicht zu deuten vermochte, als ich die Stimme von Hamish wahrnahm.

„Lasst augenblicklich von meiner Schwester ab!“ Mein Bruder stand neben mir, hielt sein Schwert in der Hand, das er dem Fremden drohend unter das Kinn hielt und schaute ihn wütend an. „Sie ist dabei, Euch zu helfen! Überlegt Euch genau, was Ihr tut…“

Der Fremde lockerte seinen Griff und atmete mit einem rasselnden Geräusch aus. Hatte er etwa doch Verletzungen an der Lunge?

Er entschuldigte sich mit tiefer Stimme. „Ich wusste nicht, wo ich mich befinde und war etwas durcheinander!“

„Ich kann Euch verstehen!“, erwiderte ich, während Hamish das Schwert zurück an seinen Platz legte und sich dann an den Tisch setzte. Er ließ uns nicht aus den Augen.

„Wie ist Euer Name?“, wandte ich mich an den Fremden, der mich genau dabei beobachtete, wie ich die Kräuterpaste auf seiner Haut verteilte.

„Declan! Und Eurer, Davnat?“

Rehkitz? Ich schien einen Charmeur zu versorgen, einen überaus gutaussehenden noch dazu.

„Mein Name ist Edana!“ Ich zögerte kurz, ehe ich weitersprach und fragte ihn direkt: „Wo sind Eure Männer?“

Er sagte mir, dass sie wahrscheinlich auf der Suche nach ihm seien.

„Ich hoffe es zumindest. Ich bin schon seit ein paar Wochen unterwegs… So lange wollte ich nicht wegbleiben! Meine Brüder werden sicher langsam stutzig.“

„Edana?“ Damh unterbrach uns und ich wandte mich zu ihm um.

„Ja Damh?“

Er deutete auf das Wappen im Schwert des Fremden und ich erkannte es sofort. Es war das Wappen der MacDurants und war zusätzlich mit einem besonderen Zeichen versehen – er schien ein Oberhaupt zu sein.

„Sieh an… Ich habe einen Krieger des mächtigsten Klans Schottlands in meiner Hütte.“, sagte ich überrascht.

Ein sanftes Lächeln umspielte Declans Lippen. „Keine Sorge. Euch droht keine Gefahr!“

„Aber vielleicht Euch!“, entgegnete ich. „Schließlich seid Ihr mir gerade hilflos ausgeliefert!“

„Nein! Ich scheine bei Euch sicher zu sein! Dieses Gefühl jedoch…“ Er zögerte kurz, ehe er weitersprach. „Es ist mir beinahe fremd.“

Was ist diesem Mann nur widerfahren? Ich könnte ihn später fragen, wenn Damh schlief. Vielleicht hielt seine Geschichte Grausamkeiten bereit, die nicht für kleine Jungs bestimmt waren.

Ich sagte ihm, dass ich mich geehrt fühlte, stand dann auf, holte eine Schüssel und schöpfte etwas Suppe aus dem Topf.

Diese reichte ich ihm mit einem Stück Brot und setzte mich wieder neben ihn. „Lasst es Euch schmecken!“

Dankend nahm Declan das Dargebotene an.

Eliza

Ich begrüßte meine Cousine und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Dann schaute ich in den Ofen und mir lief das Wasser im Mund zusammen.

Ann lächelte. „Ich habe gedacht, dass dir ein veganer Auflauf nach diesem langen Arbeitstag sicher guttun wird!“

Ich mochte ihre unglaubliche Fürsorge.

Das war eine Eigenschaft, die meine Mum leider sehr selten zeigte.

Doch ehe ich die Erinnerung an alte Zeiten zulassen wollte, konzentrierte ich mich wieder auf die Gegenwart.

„Das ist schließlich das Mindeste, was ich tun kann, da du die Hauptverdienerin von uns Zweien bist!“, schmeichelte Ann mir.

Ich entgegnete, dass ich dies auch gern sei und dass wir oft genug darüber gesprochen hätten.

„Es ist alles gut so, wie es ist!!“

Sie lächelte dankend und erwähnte beiläufig, dass es zum Nachtisch Chiapudding mit Schokoladeneis gäbe.

„Du bist bezaubernd! Vielleicht solltest du noch mal über eine Ausbildung zur Köchin nachdenken, sollte es mit dem Studium nichts werden“, sagte ich und ging auf mein Zimmer, um mich umzuziehen.

Raus aus dem Businesslook, bestehend aus weißer Bluse und dunklem Bleistiftrock, hinein in meine Leggings und einen weiten Pullover.

Da schlich Balthazar, ein stattlicher Waldkater, um meine Beine. Ich begrüßte ihn und fragte, wo seine Schwester sei.

Weise schaute Balthazar mich an und es dauerte nicht lange, bis Shanna auch schon durch das Fenster hereinhuschte.

Ich sah, dass sie wieder einmal in dem Busch mit den Kletten gesessen hatte, ging zu ihr und entfernte die klebrigen Biester aus ihrem Fell.

Schnurrend wurde ich auch von ihr begrüßt. Doch als die beiden Fellnasen das Geräusch der Futterdosen aus der Küche hörten, waren sie so schnell verschwunden, wie sie gekommen waren. Typisch!

Ich hatte die beiden damals in Irland am Straßenrand gefunden – sie wurden ausgesetzt und waren ausgehungert.

Als ich den beiden hinunter folgte, blieb ich kurz an dem Fenster stehen, das etwa mittig der Treppe lag. Man konnte von hier aus weit übers Feld und in den Wald hineinblicken.

Es war Vollmondnacht und somit war alles hell erleuchtet – eine mystische, faszinierende Stimmung und Erinnerungen an eine frühere Zeit kamen auf.

Im selben Moment klopfte es.

Ich rief Ann zu, ob sie jemanden erwartete, doch sie verneinte.

Also ging ich an die Haustür, öffnete sie und blickte direkt in Sam Carters eisblaue Augen.

„Entschuldigen Sie die Störung, Miss DeVille. Aber Sie haben dies hier im Büro vergessen. Gisele wollte es selbst vorbeibringen - da Ihr Haus aber auf unserem Heimweg lag, nahm ich ihr diese Aufgabe ab.“ Sam reichte mir mein Smartphone und meinen Schreibblock.

Ich konnte spüren, dass Ann hinter mich getreten war. Sie trocknete sich die Hände ab und musterte dabei Sam.

„Mr. Carter? Darf ich Ihnen meine Cousine Ann vorstellen?“

„Ann? Das ist Sam Carter!“

„Nennen Sie mich doch beide Sam, bitte!“, sagte dieser und ergriff Anns Hand, die sie ihm zur Begrüßung anbot.

Ann fragte ihn gerade heraus, ob er schon gegessen habe und mein Herz vollführte einen Salto.

Meine Cousine war schon immer offen und herzlich den Menschen gegenüber, da sie stets an das Gute in ihnen glaubte.

Hatte man sie allerdings enttäuscht und hintergangen, war dies auch auf Lebzeiten nicht wieder gutzumachen.

Sam blickte auf seine Armbanduhr, die sehr teuer aussah und seufzte dann. „Es ist verlockend… Doch leider habe ich gleich noch einen Termin und vorher muss ich noch mit Alaska eine Runde gehen!“

„Alaska?“ Ich wurde hellhörig. „Verzeihen Sie. Ich liebe Tiere und finde, dass sie viel über ihren Besitzer aussagen!“, entschuldigte ich mich direkt für meine Neugier.

Sam lächelte. „Alaska ist ein Husky-Schäferhund-Mix. Ich gehe immer mit ihm in den Wald dort drüben, wenn ich denn in Bridgetown verweile. Wie Gisele vorhin bereits erwähnte, sind John und ich gerade erst aus Amerika zurückgekommen, wo wir ein halbes Jahr lebten.“

„Moment!“, schaltete sich Ann ein. „Ihnen gehört aber nicht das Bulgerhaus?“

„Doch!“, sagte Sam und Anns Augen leuchteten auf.

„Ich beneide Sie! Sicher sind Statik und Einrichtung dort grandios.“ Ann war ganz in ihrem Element.

„Es ist wirklich ein besonderes Haus! Wenn Sie einmal Zeit haben, kommen Sie gern vorbei und sehen es sich an.“

Sams Handy vibrierte. „Ich muss nun leider los und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.“

Ich bedankte mich für seine Mühe und hob meinen Block und das Smartphone hoch.

„Gisele sagte, dass Ihnen Ihre Notizen heilig sind!“

„Da hat Mrs. Ericson recht!“, erwiderte ich und spürte die aufsteigende Wärme meiner Wangen.

„Vielleicht zeigen Sie mir ein paar Ausschnitte? Sie erwähnte, dass in Ihnen eine geborene Schriftstellerin schlummert“, sagte er im Weggehen und stieg in einen weißen Audi R8 ein.

Ich wandte mich um und blickte in Anns geweitete Augen.

„WOW!“, sagte sie nur und grinste dann breit. „Du scheinst ihm zu gefallen!“

Ich verneinte und bemerkte, dass er dies sicher nur aus Höflichkeit übernommen habe, da er ein Geschäftspartner von Mrs. Ericson war und sie somit keine Umstände hatte.

„Wir sprechen uns wieder!“, lachte Ann. „Du und dein Schöngerede. Es wird mal wieder Zeit für einen Mann.“

Ich ging nicht auf ihre Aussage ein. „Ob er wohl in meinen Unterlagen gelesen hat?“

Ann glaubte dies nicht und befand, dass Sam einen sehr vernünftigen Eindruck hinterlassen hatte. Andersrum sollten das die Schlimmsten sein. Dann erkundigte sie sich nach den anderen Brüdern und ob diese auch so heiß wären, da ich schon alle persönlich kennen gelernt hatte.

„Ann!“, schimpfte ich lachend und wir gingen in die Küche, um Abendbrot zu essen.

Sam

Als ich in den Wagen stieg erklärte Elijah, dass das die junge Frau war, die er an der Bushaltestelle angetroffen habe.

Fragend sah ich ihn an.

„Ja! Du kennst mich doch: Wenn mir eine Frau gefällt, spreche ich sie an. Sie hörte klassische Musik und ihre Ausstrahlung…“

„… ist in Worte kaum zu fassen!“, beendete ich den Satz meines kleinen Bruders.

„So würdest du es ausdrücken!“, grinste er, blickte noch einmal kurz zum Haus und fragte dann, was sie wohl hierher verschlagen hatte.

Das Haus war sehr abgelegen und wenn man die Ruhe suchte, so fand man sie hier.

„Gisele bemerkte, die beiden seien Cousinen und kämen aus Irland. Sie würden hier einen neuen Anfang versuchen und einige Dinge aus der Vergangenheit waren wohl nicht allzu schön!“

„Was genau, hat sie wahrscheinlich nicht gesagt?“ Fragend sah mich Elijah an.

Wir wussten beide, dass Gisele Stillschweigen über ihre Angestellten bewahrte, doch konnte man nicht übersehen, dass Elizas Geschichte sie berührte.

„Wer weiß: Vielleicht werden wir dem Ganzen einmal gewahr! Du weißt ja: Das Schicksal geht seine Wege!“

Elijah lachte und bemerkte, dass dies bereits begonnen hatte. Dann nahm er das Telefongespräch auf seinem Blackberry entgegen.

Ich war gedanklich schon bei meinem nächsten Treffen. Cecil hatte schon zwei Nachrichten geschrieben und hatte zusätzlich versucht, anzurufen.

Wir hatten in Amerika ein kleines Stelldichein und nun schien sie zu hoffen, dass wir hier weitermachen würden.

Das Ganze wurde mir allerdings langsam zu einengend, versuchte Cecil doch, mich zu ändern: Eine Eigenschaft, die ich an Frauen verachtete.

Ob Eliza auch so war?

Ich sollte mir nicht derartige Fragen stellen.

Mein Leben war gefährlich und Eliza machte den Anschein, als dass sie eher mit Samthandschuhen angefasst werden müsste… So verletzt und sogar etwas schüchtern wirkte sie.

Es weckte meinen Beschützerinstinkt… Was nicht gut war…

Denn war dieser Instinkt geweckt, wollte ich die Frau für mich gewinnen. Koste es, was es wolle…

Eliza

Ann lachte neben mir und wusste nicht, wen sie süßer finden sollte:

Den kleinen oder den großen Bruder.

Sie hatte in der Internet-Suchmaschine Sams Namen eingegeben und las sich nun alles, was sie zu ihnen finden konnte, durch.

Elijah war tatsächlich der Bruder, so wie ich es vermutet hatte.

Und sie waren erfolgreiche Geschäftsmänner, die das Imperium des Vaters vor der Pleite gerettet hatten. Denn dessen Geschäftspartner hatte alles heruntergewirtschaftet, während Richard Carter sich von einer schweren Krankheit erholte. Dies war nun schon mehr als zehn Jahre her.

Richard Carter hatte sich zur Ruhe gesetzt. Mit einer dreißig Jahre jüngeren Frau.

John und Elijah waren als Architekten tätig, während Sam das Sprachrohr der Firma war.

„Das wundert mich nicht, bei seiner Eloquenz.“

Ann nickte neben mir. Dann sagte sie, dass Elijah 30, Sam 33 und John 38 Jahre alt war.

„Bewirb dich doch bei ihnen!“

Ann sah mich überrascht an.

Ich zeigte auf die Startseite der Homepage. Dort war angepinnt, dass das Carter-Building eine Architektin und Assistentin suchte. „Bist du etwa so von diesen Männern abgelenkt, dass du dies überlesen hast?“,

grinste ich.

„Dann sterbe ich ja jeden Tag einen neuen Tod vor Aufregung!

Außerdem werde ich erst in zwei Monaten mein Studium beenden.“ Sie überhörte meine Frage einfach, obwohl ich mir die Antwort denken konnte.

„Das kann auch Nervenkitzel sein! Abgesehen davon können sie auf ein gutes Talent sicherlich noch warten.“ Ich stand vom Sofa auf, um die Schüsseln abzuräumen.

„Wusstest du, dass Sam ein Autor ist?“

Ich entgegnete, dass ich heute zum ersten Mal von diesen Brüdern gehört habe und war nun neugierig.

„Er hat einige Beststeller verfasst. Moment… Er schreibt unter dem Synonym ‚Sam Smith‘.“

Ungläubig sahen wir uns an.

„Diese Krimis sind zum Sterben spannend.“, sagte Ann.

„Wie oft möchtest du heute denn noch sterben?“, lachte ich und ging in die Küche.

„Bis ich diese Männer wiedersehe!“, rief Ann aus dem Wohnzimmer.

Ich neckte sie, indem ich ihr sagte, dass sie immer schön am Bulgerhaus vorbeijoggen solle, griff nach meinem Smartphone und ging die Stufen hinauf. „Gute Nacht Ann!“

„Gute Nacht Liz!“

Nachdem ich mich ins Bett gekuschelt hatte, dauerte es nicht lange, bis ich einschlief und von eisblauen Augen träumte.

Edana

Am späten Abend bekam Declan plötzlich hohes Fieber. Ich legte ihm kalte Wickel um die Waden und brachte anschließend Damh ins Bett.

Er bat mich, ihm ein Schlaflied zu singen und blickte dabei noch einmal hinüber zu Declan, dessen Brust sich in gleichmäßigen Zügen hob und wieder senkte.

Dies tat ich gern, wenn Damh dadurch besser schlafen konnte.

Er nickte und zog sich die Decke bis zum Kinn. Seine Augen waren geschlossen, als ich zu singen begann.

Es war das Schlaflied, das meine Mutter uns immer vorgesungen hatte.

Es sollte den Schlafenden beschützen und ihn segnen.

Während ich sang, legte ich Holz auf das Feuer, fegte den Boden und wechselte die Wadenwickel. Da öffnete Declan plötzlich die Augen und lächelte.

„Wenn Ihr jeden Abend so singt, bleibe ich bei Euch!“

Ich lächelte verlegen, tauschte den Lappen auf seiner Stirn gegen einen frischen und fragte ihn, warum er allein unterwegs war.

Diese Frage brannte mir schon die ganze Zeit auf den Lippen. Ich konnte es nicht verstehen. In solchen Zeiten waren die schottischen Krieger niemals allein unterwegs. Die Gefahr, die von den Engländern ausging, war einfach zu groß.

Was ist nur aus unserem Land geworden, dass sich die Völker hier gegenseitig bekriegen, töten und daran auch noch Gefallen fanden…

Auf meine Frage hin verfinsterte sich sein Gesicht und er entgegnete, dass er jemanden gesucht habe.

„Warum allein? Nicht, dass ich Eure Kraft unterschätzen sollte…“ Ich deutete auf seinen Körper. „Aber Ihr seid schwer verwundet! Man kann von Glück reden, dass Ihr überlebt habt… Wie seid Ihr überhaupt hier hergekommen?“

Er erwiderte, er sei gekrochen, und schwieg dann wieder.

„Ihr wollt mir nicht sagen, was passiert ist!“ Das war keine Frage, sondern eine Feststellung und er nickte. Schade. Mich hätte interessiert, wer hier sein Unheil trieb.

„Keine Sorge… Euch droht keine Gefahr durch die Engländer!“

Noch nicht! Sobald sie herausfinden sollten, dass ich einen MacDurant in meiner Hütte versorge, werden sie uns zur Rechenschaft ziehen.

„Ich hoffe, dass Euch Eure Männer schnell finden werden, damit Ihr in Sicherheit seid! Ich werde Hamish morgen früh losschicken, um nach ihnen Ausschau zu halten! Denn wenn ich zu lange ein Stammesmitglied der MacDurants in meiner Hütte beherberge, könnten wir in Schwierigkeiten geraten... Ich könnte damit mein ganzes Dorf in Gefahr bringen.“

„Eure Güte lässt mich erröten! Wie alt seid Ihr?“

„Es schickt sich nicht, eine derartige Frage zu stellen!“, empörte ich mich ein wenig gespielt, woraufhin Declan, sichtlich über meine Worte amüsiert, eine Augenbraue hochzog.

„Ich bin 22 Jahre alt. Und wie alt seid Ihr?“

„25. Und die Jungen? Wie alt sind sie?“

„Damh ist 7 und Hamish ist 17 Jahre alt!“

„Sind sie Eure Brüder?“

Ich nickte.

Er erkundigte sich nach unseren Eltern.

„Sie sind viel zu früh an einer schlimmen Krankheit gestorben!“

Ich konnte Mitgefühl in seinen Augen erkennen.

„Wir kommen zurecht!“, sagte ich daraufhin.

„Das bedeutet viel Verantwortung für Euch!“

Da hatte Declan Recht. Doch Hamish und Damh unterstützen mich, so gut sie dies konnten und hörten auch auf mich, ohne ständig Widerworte zu geben, wie es in anderen Familien oft der Fall war, wenn die Schwester das Oberhaupt der Familie war.

Mein Blick fiel auf Declans verletzte Schulter und ich sah das blutdurchtränkte Tuch.

„Ich muss das Tuch wechseln! Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Wunde zu sehr entzündet!“

Declan nickte und ließ sich von mir beim Aufsetzen helfen.

Ich dachte an das Rasseln, das ich zuvor wahrgenommen hatte und erkundigte mich bei ihm, ob er Schmerzen beim Atmen oder im Brustkorb hatte.

Declan verneinte und schaute mich zögernd an. „Warum helft Ihr mir Edana?“, fragte er mich, während ich ihn versorgte. „Ihr hättet mich auch im Bach liegen lassen können!“

„Weil ich auch die Hoffnung hätte, es würde mir in einer misslichen Lage geholfen werden!“

Da legte er seine Hand an meine Wange und bedankte sich von ganzen Herzen bei mir.

„Gern geschehen, Declan!“ Ich griff nach seiner Hand und drückte sie fest. Für einen Augenblick konnte ich ein Flackern in seinen Augen erkennen, das jedoch allzu schnell wieder erlosch. Ich vermochte, eine Hoffnung in diesen Augen zu deuten… Dieser Mann musste schon viel in seinen jungen Jahren gesehen und erlebt haben.

Nachdem ich die Wunde frisch eingesalbt und diese mit einem neuen Tuch verbunden hatte, ließ ich mich auf dem Stuhl neben seinem Bett nieder, und begann, zu weben.

Überrascht blickte Declan zu mir und fragte, ob ich nicht schlafen wolle.

Ich entgegnete, dass ich dies später tun werde und zog ihm die Decke bis unter sein Kinn. „Schlaft jetzt! Umso schneller werdet Ihr gesund sein und könnt wieder heimkehren!“

Dann beobachtete ich ihn noch lange und wechselte zwischendurch die Tücher, ehe ich meinen Kopf auf dem Bettrand ablegte und kurz die Augen schloss.

Eliza

„Guten Morgen Eliza!“

„Guten Morgen Mrs. Ericson. Danke, dass Sie Sam noch vorbei geschickt haben, um mir meine Sachen zu bringen!“

„Ich weiß ja, wie wichtig sie Ihnen sind!“

Ich stellte Mrs. Ericson ihren morgendlichen Kaffee und das Ingwerwasser auf den Tisch, während sie mich aufmerksam beobachtete.

Plötzlich forderte sie mich ermutigend auf, Sam meine Werke zu zeigen. Schließlich sei er Autor und sehr gut in seinem Business.

Überrascht blickte ich auf. „Nein, Mrs. Ericson. Ich schreibe nur für mich!“

„Darf ich einmal etwas davon lesen?“

„Gern!“ Ich vertraute Mrs. Ericson. Sie hatte etwas Mütterliches an sich, was mir von Anfang an ein warmes Gefühl gab – und was ich von meiner eigenen Mutter nie so erfahren hatte.