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Hannah Pym, deren Leidenschaft es ist, Herzen zu verbinden und Ehen zu stiften, begibt sich auf die Reise nach Dover. In der Postkutsche begegnet sie der bezaubernden Lady Deborah Western, deren strahlende Schönheit und lebendige Ausstrahlung sofort alle Blicke auf sich ziehen. Miss Pym erkennt auf Anhieb, dass Deborah und der gut aussehende, charmante Mitreisende Lord Ashton perfekt füreinander wären.
Doch die temperamentvolle Deborah lehnt es ab, sich wie eine typische Lady zu verhalten - sehr zum Missfallen von Lord Ashton. Und auch Deborah kann Lord Ashton nichts abgewinnen, der für sie lediglich ein Langweiler ist - bis er sie zu einem Pferderennen herausfordert. Mit etwas Hilfe von Miss Pym erkennen die beiden bald, dass Liebe oft auf unerwartete Weise ihren Weg findet. Zwischen spannungsgeladenen Momenten und funkelnden Blicken beginnt sich eine zarte, leidenschaftliche Verbindung zu entfalten, die alle Zweifel überwindet ...
Ein hinreißend schöner Liebesroman der berühmten Autorin M. C. Beaton - für Fans von Georgette Heyer, DOWNTON ABBEY und BRIDGERTON. Begleite die reisende Ehestifterin Hannah Pym auf der Suche nach Abenteuern und Romanzen in der charmanten Travelling Matchmaker Reihe:
Band 1: The Travelling Matchmaker - Fahrt ins Glück
Band 2: The Travelling Matchmaker - Das Schloss am Fluss
Band 3: The Travelling Matchmaker - Hafen der Sehnsucht
Band 4: The Travelling Matchmaker - Neues Glück für Beatrice
Band 5: The Travelling Matchmaker - Ein wildes Mädchen
Band 6: The Travelling Matchmaker - Unterwegs ins Glück
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Seitenzahl: 213
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
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Über dieses Buch
Titel
1
2
3
4
5
6
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Über die Autorin
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Inhaltsverzeichnis
Titelseite
Inhaltsbeginn
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Hannah Pym, deren Leidenschaft es ist, Herzen zu verbinden und Ehen zu stiften, begibt sich auf die Reise nach Dover. In der Postkutsche begegnet sie der bezaubernden Lady Deborah Western, deren strahlende Schönheit und lebendige Ausstrahlung sofort alle Blicke auf sich ziehen. Miss Pym erkennt auf Anhieb, dass Deborah und der gut aussehende, charmante Mitreisende Lord Ashton perfekt füreinander wären.
Doch die temperamentvolle Deborah lehnt es ab, sich wie eine typische Lady zu verhalten – sehr zum Missfallen von Lord Ashton. Und auch Deborah kann Lord Ashton nichts abgewinnen, der für sie lediglich ein Langweiler ist – bis er sie zu einem Pferderennen herausfordert. Mit etwas Hilfe von Miss Pym erkennen die beiden bald, dass Liebe oft auf unerwartete Weise ihren Weg findet. Zwischen spannungsgeladenen Momenten und funkelnden Blicken beginnt sich eine zarte, leidenschaftliche Verbindung zu entfalten, die alle Zweifel überwindet...
M. C. Beaton
The Travelling Matchmaker
Ein wildes Mädchen
Aus dem Englischen von Anita Peter
Miss Hannah Pym war verliebt.
Verliebt gewähnt hatte sie sich schon einmal, vor langer Zeit, als sie noch eine Dienerin war und nicht die jetzige Dame mit eigenem Vermögen. Aber dies, das fühlte sie, war endlich wirkliche Liebe.
Nicht die von Hoffnung beflügelte Liebe einer taufrischen Sechzehnjährigen, sondern die einer Frau in mittleren Jahren, deren Sehnsucht etwas Verzweifeltes hatte, eine aussichtslose Liebe.
Hannah war in den Vierzigern. Gegenstand ihrer Zuneigung war ein Junggeselle in den Fünfzigern. Altersmäßig konnte niemand besser zusammenpassen. Aber Gegenstand ihrer Liebe war kein anderer als Sir George Clarence, der Bruder ihres verstorbenen Herrn; dieser hatte sie in seinem Testament mit einer Summe bedacht, die es ihr ermöglichte, ihrem Dienstbotendasein Valet zu sagen.
Einen Teil des geerbten Geldes hatte sie auf vier Reisen mit der Postkutsche verwandt und dabei den treuen Lakaien Benjamin und die Freundschaft Sir Georges gewonnen.
Aber es hatte nicht den Anschein, als ob diese Freundschaft je inniger würde. Als sie von ihrer letzten Reise, nach Brighton, zurückgekehrt war, hatte es sogar einen Rückschlag gegeben. Sir George war im Begriff gewesen, einer gewissen Miss Bearcroft einen Heiratsantrag zu machen. Zwar wurde bekannt, dass diese Dame in keinem guten Ruf stand, und Sir George zog sich von ihr zurück, froh, vor einem schweren Fehler bewahrt worden zu sein. Aber die Tatsache als solche, dass er für die Verlockungen des anderen Geschlechts so anfällig gewesen war, hatte Hannah wie ein Keulenschlag getroffen. Statt neue Hoffnung zu schöpfen, hatte sie sich ausgemalt, wie Sir George der nächstbesten Frau von zweifelhaftem Ruf ins Netz gehen werde.
Solche düsteren Gedanken spukten auch in ihrem Kopf, als sie im Hof des Gasthofs zum Adler in der Gracechurch Street auf die Postkutsche nach Dover wartete. Hätte sie nicht lieber in London bleiben sollen, statt den Schmerz ihrer jungen Liebe zur Küste mitzunehmen? Und doch hatte sich Sir George die Schilderung ihrer Abenteuer mit Vergnügen angehört. Aber woher sollte Hannah den Stoff für weitere spannende Geschichten nehmen, wenn sie das Reisen aufgab?
Die Postkutsche fuhr in den Hof. Hannahs Lakai Benjamin half dem Wächter, das Gepäck seiner Herrin im Korb zu verstauen, war ihr beim Einsteigen behilflich und kletterte dann auf das Dach des Vehikels, wo er sich zu den Außenpassagieren setzte.
Hannah war der erste Innenpassagier. Sie fragte sich, was wohl für Reisende noch zusteigen würden. Schon mehrfach hatte sie sich bei Menschen, denen sie auf ihren Reisen begegnete, erfolgreich als Ehestifterin betätigt. Aber eine Dame, die sich nichts sehnlicher wünscht, als selbst zu heiraten, hat wenig Lust, sich mit fremder Leute Liebesangelegenheiten zu befassen. So beschloss Hannah, diesmal nur an sich selbst zu denken, die Landschaft zu genießen und sich Beschreibungen für Sir George auszudenken – für Sir George mit den durchdringenden blauen Augen und dem silberweißen Haar.
Ein Passagier nach dem anderen begann sich in der Kutsche häuslich einzurichten. Da war ein grimmig dreinblickender Hauptmann in scharlachroter Uniform, eine unscheinbare junge Dame mit hässlicher Haube, von einer Frau behütet, die offenbar ihre Mutter war, ein schon älterer Geistlicher und seine unscheinbare Ehefrau. Eine langweilige Gesellschaft, dachte Hannah unchristlich.
Es war sechs Uhr früh, und der Morgen graute über dem Schornsteingewirr der Stadt London. Ein kräftiger Wind blies, und wirbelnder Rauch quoll aus den Schornsteinen und senkte sich auf die Straßen herab.
Auf ihrem Weg nach Dover kam die Postkutsche nach Deptford. Hier war es, wo 1581 Königin Elisabeth den berühmten englischen Seehelden Sir Francis Drake auf seinem Schiff »Die goldene Hirschkuh« aufgesucht hatte. An deren Bord hatte die Königin auch gespeist und nach dem Dinner den Kapitän zum Ritter geschlagen. Zwölf Jahre später trat in Deptford ein weit weniger erfreuliches Ereignis ein. Der Dramatiker Christopher Marlowe wurde dort im Alter von neunundzwanzig Jahren bei einem Wirtshausstreit erschlagen.
Kaum aus Deptford herausgekommen, fuhren sie schon durch Blackheath. Im Jahre 1400 empfing hier Heinrich IV. Manuel, den Eroberer von Konstantinopel. Und Heinrich V. wurde nach seinem langen Triumphzug von Dover her in Blackheath vom Bürgermeister und fünfhundert Londoner Bürgern festlich empfangen. Nicht zuletzt ließ sich hier Heinrich VIII., der König mit den vielen Ehefrauen, zum vierten Mal trauen, mit Anna von Cleve.
Als die Postkutsche schließlich in den Hof des »Ochsen« von Dartford fuhr, wo die Reisenden zu frühstücken pflegten, kehrte auch Hannah mit ihren Gedanken in die Gegenwart zurück. Der »Ochse« war ein hübscher alter Gasthof mit einem Balkon, der ringsum lief.
Hannah kletterte steif aus dem Wagen. Es war das erste Mal, soweit sie sich erinnern konnte, dass sie sich unwohl fühlte, und sie fragte sich, ob die Liebe einem wie eine Krankheit in die Knochen fuhr.
Durch Benjamin rückte sie in den Brennpunkt des allgemeinen Interesses. In eine schwarzgoldene Livree gekleidet, bezog er hinter Hannahs Stuhl Posten. Jedes Mal, wenn seine Herrin an diese Livree dachte, überkam sie ein ungutes Gefühl. Benjamin hatte das Prachtstück in Brighton gekauft und, wie sie wusste, aus seinen Gewinnen im Glücksspiel bezahlt. Wohl zum hundertsten Mal sagte sich Hannah, dass sie etwas gegen Benjamins Spielleidenschaft unternehmen müsse. Was war, wenn er sich in Schulden verstrickte und sie sie bezahlen musste? Vor kurzer Zeit war ihr ihr Legat in Höhe von fünftausend Pfund noch wie ein großes Vermögen vorgekommen. Doch inzwischen war sie ein Mitglied der eleganten Welt geworden, hatte ihre kleine Wohnung über der Bäckerei in Kensington mit einer vornehmen im Herzen des Londoner Westends vertauscht. Zugegeben, dank Benjamin hatte sie bisher noch nicht allzu tief in die Tasche greifen müssen. Der findige Lakai schien durch sein Spiel immer über einen kleinen Geldvorrat zu verfügen, der für Kohle, Kerzen und Kost ausreichte.
Ihr Gewissen quälte sie. Sie lebte von seinen Gewinnen, unrechtmäßigen Gewinnen, wie sie sich eingestand.
Das Frühstück war ausgezeichnet. Aber die Junggesellin vermisste ihren Benjamin, der weggegangen war, um sein Mahl zusammen mit dem Kutscher und dem Wächter zu verzehren. Sie blickte sich im Gästezimmer um und erstarrte zur Salzsäule. Über der Anrichte befand sich ein großer Spiegel, der ihr Bild deutlich zurückwarf.
Wie viele andere Damen von mittlerem Alter schaute Hannah kaum je genauer in den Spiegel, sondern zog es vor, sich ein möglichst schmeichelhaftes Bild von ihrem Äußeren ohne ihn zu machen. Aber das dort war sie, die echte Hannah Pym, in den Vierzigern, altjüngferlich von ihrer mageren Figur mit der flachen Brust bis zu dem sandfarbenen Haar und der krummen Nase. Das einzig Schöne an ihr waren die Augen, die Opalen ähnelten und die Farbe je nach ihrer Stimmung wechselten.
Wie konnte ich nur hoffen, Sir George Clarence werde sich in eine wie mich verlieben?, dachte Hannah verbittert.
»Sie haben wohl eine Art Krampf?«, fragte eine Stimme neben ihr.
Hannah wandte sich ihrer Nachbarin zu, der Mutter des jungen Mädchens aus der Postkutsche. »Danke, mir geht es sehr gut, danke«, erwiderte sie höflich.
»Ich bin Mrs. Conningham«, sagte die Dame, »und das ist meine Tochter Abigail.«
Das junge Mädchen lächelte Hannah zaghaft an. Von dem guten Essen wohlig durchwärmt, begannen sich die Reisenden zu entspannen. Der Hauptmann stellte sich mit Namen Beltravers vor. Der Geistliche erwies sich als protestantischer Pfarrer namens Osborne. Als er seine Frau vorstellte, errötete diese vor Zorn, weil sie nun mit Krethi und Plethi sprechen musste.
Allmählich erholte sich Hannah. Ihr Interesse an den Mitreisenden nahm zu. »Fahren wir alle bis zur Endstation Dover?«, fragte sie.
Mrs. Conningham, ihre Tochter und der Hauptmann wollten die ganze Strecke fahren. Der Geistliche und seine Frau wollten die Postkutsche dagegen schon in Rochester verlassen.
Hannah fragte sich, warum Abigail so traurig aussah. Wenn sie glücklich wäre, würde sie bestimmt nicht gar so unansehnlich wirken, mutmaßte die Ältere. Gegenwärtig hatte Abigail ein abgehärmtes Gesicht mit Augen, die offenbar vom Weinen geschwollen waren. Und warum sah der Hauptmann wie ein mürrischer alter Mann aus? Hannah schätzte ihn auf Anfang dreißig. Ein stechender Schmerz durchfuhr sie, als sie sich bewusst wurde, dass die Tage vorbei waren, als sie Dreißigjährige noch für alt hielt.
Hannah erkundigte sich bei Abigail, ob sie noch zur Schule gehe. Das junge Mädchen erwiderte schüchtern, es sei vor drei Jahren von einem Mädchenpensionat in Chiswick abgegangen. Nun hielt Hannah sie für etwa zwanzig. »Und was führt Sie nach Dover?«, fragte sie, und ihre Augen leuchteten vor Neugier grün auf.
»Mein Onkel lebt dort«, erwiderte Abigail traurig. »Wir sind zu ihm unterwegs.«
Ihre Mutter warf ihr einen warnenden Blick zu, der die Unglückliche zum Schweigen brachte.
Als sie wieder in der Postkutsche saßen, öffnete der Himmel seine Schleusen. Der Regen trommelte auf das Dach. Hannah hoffte, ihr Lakai werde sich nicht erkälten. Der Regen ließ nicht nach. Nach Dartford schlichen sie durch Gravesend und weiter bis Rochester. Der Wagenkasten war feucht und kalt. Die Passagiere fröstelten und fragten sich, ob der Regen je aufhören werde.
Hannah dachte an ihre früheren Erlebnisse im Zusammenhang mit Postkutschen, fürchtete aber, dass sie Sir George über die jetzige Reise bis auf den Umstand, dass es feucht und ungemütlich gewesen war, nichts zu erzählen haben würde. Es gab weder einen gut aussehenden Aristokraten noch eine hübsche Frau, sondern nur einen düsteren Hauptmann und ein schlichtes, trauriges Mädchen. Es sollte aber nicht mehr lange dauern, bis Hannah einer schönen Dame begegnete. Wenn sie sie gerade jetzt gesehen hätte, hätte sie allerdings stark bezweifelt, dass man ein solches Geschöpf passend verheiraten könne.
Lady Deborah Western blickte in den strömenden Regen hinaus, gähnte und schwang ihre in Stiefeln steckenden Beine von einem Beistelltischchen auf den Fußboden. »Verdammt langweilig, nicht wahr?«, sagte sie zu ihrem Bruder.
Lady Deborah und ihr Bruder waren Zwillinge. Sie wurden häufig für Brüder gehalten, denn Lady Deborah bevorzugte Männerkleidung. Sie hatte kurze blonde Locken und das gleiche energische Kinn und eine ebenso gerade Nase wie ihr männlicher Gegenpart. Auch die blauen Augen hatten sie gemeinsam. Beider Vater, der Graf von Staye, war wieder einmal auf Reisen; diesmal war es die Türkei. Die Gräfin war bei der Geburt der Geschwister gestorben. Vom Krabbelalter an hatten sie zusammengehalten, und seit sie laufen konnten, hatten sie den Dienstboten das Leben schwer gemacht, wenn diese ihnen etwas verbieten wollten. Sie jagten, ritten, schossen und fischten zusammen, seit Kurzem mit noch größerem Vergnügen als gewöhnlich, weil der Vater gedroht hatte, wenn er das nächste Mal heimkehre, werde Deborah auf ihrer ersten Ballsaison in die Gesellschaft eingeführt werden und Bruder William in ein Regiment kommen. Allerdings konnte keines von beiden so recht daran glauben, dass ihr nachsichtiger Vater eine so schreckliche Drohung wahrmachen werde.
»Hast du schon gehört, dass Ashton aus dem Krieg zurückgekehrt ist?«, fragte Lord William, während er einer Schachtel ein Bonbon entnahm und es einem Wolfshund hinwarf, der auf einem der Sofas lag.
»Was?« Lady Deborah blickte ihn interessiert an. »Doch nicht der Puritaner Ashton?«
»Doch, er will sich den Adelstitel verleihen lassen und sich um den baufälligen Schuppen seiner Familie in Rochester kümmern.«
»Geld genug wird er dafür haben«, erwiderte Lady Deborah. »Der alte Graf war ein Pfennigfuchser. Hinterlässt ein Vermögen.«
»Trotzdem brauchst du ihn nicht darum zu beneiden, dass er nun auf seinen Gütern Ordnung schaffen muss«, meinte Lord William spöttisch. »Er muss schon um die dreißig sein.« Spitzbübisch sah er seine Schwester an. »Wie du weißt, erhofft sich unser Vater in dieser Hinsicht etwas von dir.«
»Pah! Ashton ist mir zu alt«, erwiderte die neunzehn Jahre junge Lady Deborah. »Ich kann mich noch gut an ihn erinnern. Wie alt waren wir eigentlich, als er uns besuchte? Zehn oder elf? Er sagte zu Papa, was wir bräuchten, sei eine ordentliche Tracht Prügel.«
»Du hast in seine besten Stiefel Mäuse getan«, sagte ihr Bruder. »Der war vielleicht wütend.«
»Und verknöchert«, setzte Lady Deborah hinzu. »Weißt du noch, was er zu Papa gesagt hat? ›Sie können diese Kinder nicht unbeaufsichtigt aufwachsen und sie tun lassen, was ihnen gefällt, sonst mausern sie sich zu wahren Ungeheuern.‹«
»Und er hatte recht«, meinte Lord William. »Du musst zugeben, Deborah, dass du eine absolut unweibliche Frau bist. Du trägst Männerkleidung, jagst und schießest. Die Gralshüterinnen des Almack werden vor Schreck in Ohnmacht fallen.«
»Ins Almack gehe ich nicht«, erwiderte Lady Deborah. »Ich kann doch jederzeit offen mit Papa reden. Warum sollte er sich Sorgen machen? Ich brauche keinen reichen Ehemann. Wir haben genug Geld. Mir gefällt es hier.« Sie blickte sich glücklich in dem unaufgeräumten Salon um, der mit weggelegten Büchern, Jagdtaschen, Angelgerät und Gewehren angefüllt war.
Sie liebten ihr Zuhause, Downs Abbey, mit seinen dunklen, alten Zimmern, den krummen Gängen und qualmenden Kaminen. Vom Salon aus hatte man eine schöne Aussicht auf den Park und den Zierteich. Der Graf beschäftigte einen hervorragenden Obergärtner. Trotz ihres sorglosen In-den-Tag-hinein-Lebens unterstützten die Zwillinge den Verwalter bei der Arbeit, wenn ihr Vater abwesend war, und wussten über alles genauso gut Bescheid wie er selbst.
»Gestern Abend war ich in der ›Goldenen Krone‹ in Rochester«, fuhr Lord William fort. »Im Festsaal fand gerade ein Ball statt. Ich habe kurz hineingeschaut. Echte Rasseweiber, wie nach einer Modezeitschrift gekleidet.« Er fuchtelte mit den Armen. »Feine Musselinkleider und dergleichen. Dich dagegen könnte man zuweilen tatsächlich für einen Jungen halten, Deborah.«
Lady Deborah schien gekränkt zu sein. »Sonst hast du dich nie darüber beschwert.«
»Stimmt. Aber hast du je darüber nachgedacht, dass ich vielleicht einer kleinen charmanten Frau den Hof machen möchte? Was würde passieren, wenn ich sie und ihre Mutter hierherbrächte und dir vorstellte? Du würdest sie verscheuchen.«
»Warum bist du so grausam?«, rief Lady Deborah, über die ihr bis dahin fremde Vorstellung entsetzt, ihr Bruder werde sie verlassen und sie dann neben seiner Frau nur noch die zweite Geige spielen.
Er stand auf und begann auf und ab zu gehen. »Verzeihung, es tut mir leid«, sagte er schließlich. »Dieser scheußliche Regen ist schuld. Wird er denn nie mehr aufhören?«
Der Graf von Ashton stand vor dem Kamin seiner Bibliothek und blickte stirnrunzelnd auf den Brief in seiner Hand. Er war von dem Grafen von Staye. Dieser beglückwünschte ihn zur Verleihung des neuen Titels und sprach ihm zum Tode des Vaters sein Beileid aus, alles sehr höflich und formell. Nur der letzte Absatz ließ den Grafen von Ashton ärgerlich den Mund verziehen: »Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie meinem Sohn und meiner Tochter einen kurzen Besuch abstatten würden. Ich fürchte nämlich, meine Tochter hat sich zu einem rechten Wildfang entwickelt. Beide sind wohl ziemlich verwildert. Bitte sorgen Sie dafür, dass sie in meiner Abwesenheit kein Unheil stiften. Ich wage ein solches Ansinnen an Sie zu stellen, da wir Nachbarn sind.«
Die Güter des Grafen von Staye, genannt Downs Abbey, waren gute fünfunddreißig Meilen entfernt und die Wege dahin schlecht.
Der Graf von Ashton warf den Brief ins Feuer. Er hatte nicht die Absicht, die Fahrt nach Downs Abbey zu unternehmen, bevor sich das Wetter gebessert hatte. Wie alt mochten die Zwillinge jetzt sein? Neunzehn? Zu alt und zu sehr an ihre Freiheit gewöhnt, um noch auf seine Ratschläge zu hören.
Trotz des Kaminfeuers fröstelte er leicht. In der Bibliothek war es feucht. Ashton Park war Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut worden, und seitdem hatte man nicht mehr viel daran gemacht. Ein älterer Lakai trottete mit einem Tablett herein, auf dem eine Kaffeekanne und eine einzelne Tasse standen. Mit zitternden Händen stellte er es auf einen niedrigen Tisch und entfernte sich.
Obgleich er den alten Dienern versichert hatte, dass sie alle ihre Stellung behalten oder eine großzügige Rente bekommen sollten, fürchteten sie sich vor ihm, und er fragte sich, warum. Stets hatte er sich bemüht, ehrlich, großzügig und gerecht zu sein, und er wusste, dass die Männer in seinem alten Regiment nichts an ihm auszusetzen gehabt hatten.
Er ahnte nicht, dass sein Äußeres den Dienstboten Angst einjagte, da sie ihn lange nicht mehr gesehen hatten. Er war ungewöhnlich groß und hatte harte Gesichtszüge, grüne Augen und eine Adlernase. Sein Haar war pechschwarz, und seine Augenbrauen sträubten sich. Die Köchin hatte mit dem Unsinn angefangen, indem sie sich vor den anderen bekreuzigte und sagte, der Teufel sei in den neuen Grafen gefahren. Diese Mär wurde von den übrigen Dienern noch ausgeschmückt. Man behauptete, der Graf habe, bevor er in den Krieg gezogen sei, kornblumenblaue Augen und braunes Haar gehabt. Das war nicht wahr, gab aber eine gute Geschichte ab, bei der einem in der Gesindestube am Abend schön gruselig wurde. Außerdem war es etwas Besonderes, einen Herrn zu haben, dem man nachsagte, er sei der Teufel in Person. War das Ganze am Anfang nur ein Spaß, begann sich das Personal allmählich allen Ernstes vor seinem Herrn zu fürchten. In den alten Köpfen wurde aus Dichtung Wahrheit.
Hannah zog den Umhang fest um sich. Die Kutsche schlingerte von einer Seite zur anderen, da der Kutscher mit Höchstgeschwindigkeit fuhr, als ob er dem Platzregen entkommen wolle. Hauptmann Beltravers beugte sich aus dem Fenster, um dem Kutscher zuzurufen, er möge vorsichtig sein, bekam aber ärgerlicherweise einen Schwall Wasser ins Gesicht.
»Wenn er so weitermacht, landen wir bald in einem Graben«, sagte Mr. Osborne, und seine Frau stieß einen schrillen Schrei aus und klammerte sich hilfesuchend an ihn.
So rasten sie dahin. Bestimmt würden sie bald in Rochester und damit in Sicherheit sein. Alle träumten von einem prasselnden Kaminfeuer.
Doch dann geschah das Unvermeidliche. Der Kutscher, überzeugt, dass er eine freie Wegstrecke vor sich habe, peitschte auf die Pferde ein. Gerade als er den Arm hob, um sich die Regentropfen aus den Augen zu wischen, tauchte vor ihm die Postkutsche aus Dover auf.
Die Pferde brachen aus, und die Räder der Kutsche aus London gerieten in einen tiefen Graben. Unter furchtbarem Krachen drehte sich der Wagen zur Seite. Außenpassagiere, Kutscher und Wächter stürzten zu Boden, die in der Kutsche Sitzenden purzelten übereinander.
Die Innenpassagiere hatten Prellungen und Zerrungen erlitten, sich aber nichts gebrochen. Die Außenpassagiere waren ins weiche Heidekraut gefallen und hatten den Sturz gut überstanden. Ihre zornigen Stimmen – sie beschimpften den Kutscher – drangen ans Ohr der innen Befindlichen, die sich voneinander loszumachen suchten. Sie wurden aufs Neue durcheinandergeschüttelt, als Wächter, Kutscher und Außenpassagiere, nachdem sie den gestürzten Pferden aufgeholfen hatten, nun auch die Postkutsche auf ihre vier Räder stellten.
Als schließlich alle wieder auf ihren Plätzen saßen, wurde die Tür von außen geöffnet, und die Außenpassagiere versuchten, in den Wagen zu klettern, um vor dem Regen geschützt zu sein. Gern hätte Hannah dies Benjamin erlaubt, aber die anderen protestierten lebhaft. Schließlich hatten die Außenpassagiere nur für Außenplätze bezahlt, und nass waren sie ohnehin. Sollten sie doch draußen bleiben!
Benjamin streckte den Kopf zum Fenster herein und informierte Hannah darüber, dass der Wächter in das eine Meile entfernte Rochester geritten sei, um Hilfe herbeizuholen; eine der Achsen der Kutsche war gebrochen.
»Unter diesen Umständen werden wir Dover bestimmt nicht erreichen«, unkte Mrs. Conningham.
Hannah war es, als höre sie Abigail das Wort »gut« flüstern. Obwohl sie sich unbehaglich fühlte, war ihr Interesse erwacht. Warum wirkte der Besuch beim Onkel auf die arme Abigail so niederdrückend?
Nachdem sie eine Stunde lang gefroren und sich nur flüsternd unterhalten hatten, als fürchteten sie, der Regen könne sie hören, wurde die Tür aufgerissen, und der Kutscher verkündete stolz, dass der Wirt der »Goldenen Krone« in Rochester Wagen geschickt habe, um sie abzuholen.
Hannah stieg aus. Sie fror entsetzlich, und der Kopf tat ihr weh. Dankbar nahm sie Benjamins Arm und erlaubte ihm, sie zu einem der Wagen des Gasthofs zu geleiten. Benjamin stieg hinter ihr ein und meinte: »Ich laufe nicht. Hier ist Platz genug für uns alle.«
»Armer Benjamin«, sagte Hannah mitfühlend. »Diener oder nicht, Sie hätten bei mir drin sitzen sollen. Bestimmt haben Sie sich Ihre Livree ruiniert. Sie hätten einen Überzieher gebraucht.«
»Das widerliche englische Wetter ist daran schuld, gnädige Frau«, erwiderte Benjamin niedergeschlagen. »War es bei unserer Abreise nicht schön?« Sein kluges, lebhaftes Gesicht erinnerte an einen traurigen Clown. Von seinem gepuderten Haar fielen Regentropfen herab, und die Schultern seiner schwarzen Samtlivree hatten helle Flecken.
In der »Goldenen Krone« waren für die erschöpften Reisenden Zimmer reserviert worden, ausgenommen Mr. Osborne und seine Ehefrau, die ihren Bestimmungsort schon erreicht hatten und sich nach Hause begaben. Mr. Osborne hatte sogar gedroht, die Post zu verklagen.
Während Hannah die Haube abnahm und sich umzog, fröstelte sie. Ihr war heiß, und ihr Kopf fühlte sich schwer an. Trotzdem ging sie in den Speisesaal hinunter.
Benjamin betrachtete sie ernst und sagte dann: »Stimmt etwas nicht, gnädige Frau? Sie sehen ja so rot aus wie ein Krebs.«
»Ach, das vergeht wieder«, erwiderte Hannah leichthin. Sie war sehr hungrig, aber als das ausgezeichnete Essen vor ihr stand, schien ihr der Appetit zu vergehen. Sie schüttelte sich gegen ihren Willen und starrte auf ihren vollen Teller nieder.
Benjamin, der wie stets hinter ihrem Stuhl stand, beugte sich vor. »Sie gehören ins Bett«, flüsterte er besorgt. »Kommen Sie!«
Hannah folgte ihrem Lakaien wie ein Lamm die Treppe hinauf. »Ziehen Sie Ihr Nachthemd an!«, befahl Benjamin, während er im Kamin herumstocherte. Nachdem er gegangen war, streifte sich Hannah benommen ihr Nachtgewand über, setzte sich die Nachtmütze auf und stieg steif ins Bett. Das Nächste, was sie mit Bewusstsein wahrnahm, war Benjamins ängstliches Gesicht, das in einem roten Nebel zu verschwimmen drohte, und seine Stimme, die ihr sagte, dass der Arzt unterwegs sei.
Zwei Tage lang hatte Hannah hohes Fieber. Benjamin pflegte sie. Um Mitternacht des zweiten Tages ließ das Fieber nach, und sie fiel in einen tiefen, erholsamen Schlaf. Als sie erwachte, übergab Benjamin ihr Zeitungen, Romane und ein Körbchen mit Obst.
»Sie sind ein guter Junge«, sagte Hannah schwach. »Bringen Sie mir mein Täschchen! Ich möchte Ihnen etwas Geld geben.«
Benjamin zögerte und sagte dann leichthin: »Ich habe mir schon Geld von Ihnen genommen, gnädige Frau. Sie waren nur zu krank, um es zu bemerken.«
So ruhte Hannah den ganzen Tag, las und wurde von den Kellnern mit leichten Mahlzeiten versorgt. Als sie am Abend die Kerze ausblies, störte sie nur das eine – dass Benjamin auf geheimnisvolle Weise verschwunden war und dass er gelogen hatte, als er sagte, er habe sich Geld aus ihrem Täschchen genommen.
Am nächsten Tag fühlte sie sich beinahe wieder gesund, machte sich aber wegen Benjamin Sorgen. Er war immer noch nicht zurückgekehrt. Die Diener des Gasthofs versicherten ihr, sie hätten ihn nicht gesehen, und sein Bett sei unberührt.
Am zeitigen Abend bekam sie von Mrs. und Miss Conningham sowie Hauptmann Beltravers Besuch. Sie erzählten ihr, dass die Straßen nach dem wolkenbruchartigen Regen immer noch in einem schlimmen Zustand seien und sie deshalb noch ein paar Tage hier bleiben müssten. Man erwarte aber von der Post, dass sie für alles aufkomme. Hannah erkundigte sich bei ihnen, ob sie ihren Lakaien gesehen hätten, aber die Besucher schüttelten den Kopf.
Sie überlegte gerade, ob sie noch ein bisschen lesen sollte, um leichter einzuschlafen, als es an die Tür klopfte und der Hauptmann eintrat.
»Ich habe Ihnen angesehen, dass Sie sich wegen Ihres Lakaien Sorgen machen«, sagte er, holte sich einen Stuhl herbei und setzte sich ans Bett.
»Haben Sie etwas von ihm gehört?«, fragte Hannah gespannt.
»Ich war mir im Unklaren, ob ich es Ihnen sagen sollte oder nicht, das heißt, ob ich Sie Ihrem Kummer überlassen oder Sie über den wahren Sachverhalt informieren sollte.«
Hannah setzte sich auf. »Erzählen Sie, Herr Hauptmann! Sie müssen es mir auf der Stelle sagen. Hat er gespielt?«
»Ja. Morgen sollte hier ein Boxkampf stattfinden, und es wimmelt in der Stadt von vornehmen Leuten. Es war vorgesehen, dass Randall gegen Chudd kämpfte. Aber dieser ist krank geworden, und obwohl sich ein Ersatzmann gefunden hat, wurde der Kampf abgesagt. Doch inzwischen sind alle ihre Anhänger eingetroffen und brennen darauf, ihr Geld unter die Leute zu bringen. Ihr Lakai stürzte sich aufs Würfelspiel, obwohl die Einsätze hoch waren, und verlor.«
»Wie viel?«
»Neunhundert Goldguineen.«
»Aber die kann er doch unmöglich bezahlen.«
»Das dürfte der Grund sein, dass er spurlos verschwunden ist«, meinte der Hauptmann.
