The Travelling Matchmaker - Unterwegs ins Glück - M. C. Beaton - E-Book

The Travelling Matchmaker - Unterwegs ins Glück E-Book

M.C. Beaton

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Beschreibung

Keine Kutschfahrt ist langweilig, wenn Miss Hannah Pym an Bord ist. Auf ihrer Reise nach York begegnet sie der jungen, bezaubernden Yvonne Grenier, die vor den Wirren der Französischen Revolution auf der Flucht ist. Der charmante und ungebundene Marquis von Ware könnte ihr Schutz und Geborgenheit schenken. Obwohl das Mädchen aus der französischen Bourgeoisie stammt, ist Miss Pym sicher, dass Yvonnes Anmut und ihre schlagfertige Zunge sein Interesse mehr als geweckt haben. Schließlich ist eine Jungfrau in Not unwiderstehlich - selbst für einen eingefleischten Junggesellen!

Miss Pym, mit ihrer warmen und liebevollen Art, weiß genau, wie sie zwei einsame Herzen zueinanderführen kann. Und so beginnt eine zarte, leidenschaftliche Liebesgeschichte, die alle Hindernisse überwindet. Und auch Hannah findet endlich ihren Weg ins Glück. Denn manchmal braucht es nur eine Kutschfahrt, um das Herz für die wahre Liebe zu öffnen.

Ein hinreißend schöner Liebesroman der berühmten Autorin M. C. Beaton - für Fans von Georgette Heyer, DOWNTON ABBEY und BRIDGERTON. Begleite die reisende Ehestifterin Hannah Pym auf der Suche nach Abenteuern und Romanzen in der charmanten Travelling Matchmaker Reihe:

Band 1: The Travelling Matchmaker - Fahrt ins Glück
Band 2: The Travelling Matchmaker - Das Schloss am Fluss
Band 3: The Travelling Matchmaker - Hafen der Sehnsucht
Band 4: The Travelling Matchmaker - Neues Glück für Beatrice
Band 5: The Travelling Matchmaker - Ein wildes Mädchen
Band 6: The Travelling Matchmaker - Unterwegs ins Glück

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Seitenzahl: 176

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Titel

1

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Über dieses Buch

Keine Kutschfahrt ist langweilig, wenn Miss Hannah Pym an Bord ist. Auf ihrer Reise nach York begegnet sie der jungen, bezaubernden Yvonne Grenier, die vor den Wirren der Französischen Revolution auf der Flucht ist. Der charmante und ungebundene Marquis von Ware könnte ihr Schutz und Geborgenheit schenken. Obwohl das Mädchen aus der französischen Bourgeoisie stammt, ist Miss Pym sicher, dass Yvonnes Anmut und ihre schlagfertige Zunge sein Interesse mehr als geweckt haben. Schließlich ist eine Jungfrau in Not unwiderstehlich - selbst für einen eingefleischten Junggesellen! 

Miss Pym, mit ihrer warmen und liebevollen Art, weiß genau, wie sie zwei einsame Herzen zueinanderführen kann. Und so beginnt eine zarte, leidenschaftliche Liebesgeschichte, die alle Hindernisse überwindet. Und auch Hannah findet endlich ihren Weg ins Glück. Denn manchmal braucht es nur eine Kutschfahrt, um das Herz für die wahre Liebe zu öffnen.

M. C. Beaton

The Travelling Matchmaker

  Unterwegs ins Glück

Aus dem Englischen von Anita Peter

1

Hannah erwachte mit heftigem Herzklopfen. Ihr Traum war so echt gewesen, so lebhaft, dass sie ein paar Augenblicke ganz still dalag, während ihre Augen langsam in dem gut möblierten Schlafzimmer, das schon vom Licht der Morgendämmerung erleuchtet war, umherwanderten und sich davon überzeugten, dass sie sich nicht in ihrem alten Zimmer in Thornton Hall befand.

Sie kletterte aus dem Bett und begann, sich eilig anzuziehen, dabei aber noch mit ihrem Traum beschäftigt. Darin war ihr von ihrem verstorbenen Herrn keine Erbschaft hinterlassen worden, hatte sie keine Abenteuer in Postkutschen erlebt oder einen Lakaien angestellt und diese elegante Wohnung im Londoner Westend erworben. In ihrem Traum war sie wieder Hannah Pym gewesen, die Haushälterin im schwarzen Kleid, mit dem Schlüsselbund am Gürtel. In ihrem Traum war auch die Frau ihres verstorbenen Herrn vorgekommen: Mrs. Clarence, die hübsche, lachende Mrs. Clarence, gerade als wäre sie nie mit einem Lakaien durchgebrannt; sie rief: »Kommen Sie, Hannah, wir haben eine Menge zu tun. Stellen Sie sich bloß vor, Sir George heiratet zu guter Letzt doch noch! Und wir haben ihn alle für einen überzeugten Junggesellen gehalten!«

Hannah schüttelte sich wie ein Hund, als wollte sie ihren Traum von sich schütteln. Es war alles Vergangenheit. Jetzt befand sie sich in der Gegenwart und war dabei, sich auf eine neue Reise zu machen, dieses Mal nach York. Denn Sir George Clarence hatte ihr erzählt, dass ein Freund von ihm Mrs. Clarence vor Kurzem in York gesehen habe, und das war in Verbindung mit dem Wunsch, Sir George mit Geschichten von weiteren Abenteuern zu erfreuen, für sie ein Grund, wieder auf Reisen zu gehen. Hannah glaubte, Sir George werde sie niemals lieben können: Ihre gesellschaftliche Stellung war zu verschieden. Obgleich sie jetzt eine finanziell unabhängige Frau war, hatte sie Sir George als die Haushälterin seines Bruders kennengelernt. Aber ihre Erzählungen von ihren Reisen in der Postkutsche gefielen ihm, und Hannah glaubte beinahe selbst daran, dass ihr ein paar kostbare Augenblicke seiner Gesellschaft genügten. Außerdem musste sie auf Mrs. Clarence bedacht sein, die so gut zu ihr gewesen war. Sie wusste womöglich noch nichts vom Tod ihres Gatten, wusste vielleicht noch nicht, dass sie jetzt frei war und den gut aussehenden Lakaien, mit dem sie weggelaufen war, heiraten konnte.

»Benjamin!«, rief Hannah ihren eigenen Lakaien, der im Nebenzimmer schlief, und bekam die gedämpfte Antwort: »Ich komme, gnädige Frau.«

Andere Diener hatte Hannah nicht. Benjamin hatte sie auf einer früheren abenteuerlichen Fahrt vor dem Henker gerettet, und er war ihr seitdem treu ergeben. Viele, die Hannah, die magere Frau mit der gebogenen Nase, in Begleitung ihres hochgewachsenen livrierten Lakaien sahen, nahmen an, dass sie ein Haus voller Diener hatte, denn nur reiche Leute konnten sich Lakaien leisten.

»Kommen Sie, Benjamin«, rief Hannah, die fürchtete, er sei wieder eingeschlafen. »Die Kutsche fährt um halb sieben, und wir müssen eine Droschke nehmen, die uns nach Holborn bringt.«

»Ich hab sie schon gestern Abend bestellt«, rief Benjamin.

Hannah beendete ihre Toilette, setzte sich den Hut auf den Kopf und eilte ins Wohnzimmer, wo Benjamin in Hemdsärmeln das Frühstück bereitete. »Lassen Sie«, fauchte sie ihn an. »Die Droschke ist jeden Moment da. Wir frühstücken unterwegs.«

Benjamin murmelte etwas vor sich hin und trollte sich, um seine neue Perücke aus gesponnenem Glas aufzusetzen und die Livree anzuziehen, die er in der Monmouth Street aus zweiter Hand gekauft hatte. Sie bestand aus einem roten Plüschjackett, das geradezu lächerlich mit goldenen Epauletten und Stickereien herausgeputzt war, einer roten Kniehose aus Plüsch und einem Rüschenhemd. Er griff hastig nach seinem Spazierstock mit dem silbernen Knauf und verkündete zur gleichen Zeit, dass man den Droschkenkutscher von draußen rufen höre, er sei da.

Als sie am Gasthof, von dem die Kutsche wegfahren sollte, angekommen waren, bezahlte Benjamin den zuvor vereinbarten Fahrpreis von zwei Schilling. Der Kutscher forderte prompt fünf Schilling, warf seinen Hut zu Boden und sagte, er wolle mit Benjamin darum kämpfen. Hannah befahl ihm, sich fortzumachen, sonst werde sie den Wächter rufen, und zog Benjamin zur Postkutsche nach York.

Sie stand mit vier Braunen bereit, die sich unruhig in ihrem Geschirr hin und her bewegten, die Mähnen schüttelten und die Morgenluft schnupperten. Stallknechte, die durch die Zähne pfiffen, striegelten ihnen die Flanken noch ein letztes Mal auf Hochglanz. Vor einer Tür unterhielt sich der Kutscher Tom Tapton, der sich schmeichelte, ein Casanova zu sein, mit einem hübschen Hausmädchen, das noch die papierenen Lockenwickler im Haar trug. Die Stallknechte begannen, das Gepäck im Gepäckkorb zu verstauen. Er schien unersättlich zu sein und verschlang alles, was man in ihn warf. Benjamin erhielt die Erlaubnis, im Inneren der Kutsche statt mit den Außenpassagieren auf dem Dach zu reisen. Ein magerer Mann kletterte herein und nahm seinen Sitzplatz ein. Seine Augen waren blassblau und blieben neugierig an Hannah hängen, um sich dann Benjamin zuzuwenden.

Da hörte man großen Lärm. Hannah, immer neugierig, ließ das Fenster herab und blickte hinaus. Eine schlanke weibliche Gestalt stand wartend da, während ihr Gepäck in den Korb verladen wurde. Um sie herum ertönten Beleidigungen.

»Ich frage mich, ob ihre Frauen auch Frösche essen«, sagte ein Stallknecht.

»Das kann man bei den Franzmännern nie wissen«, höhnte ein anderer. »Sie haben schmutzige Sitten. Man sollte sie umbringen wie Ratten.«

Das empfindsame Gesicht des Mädchens war blass. Hannah nahm an – und sie hatte damit recht –, dass sie Französin sei und den franzosenfeindlichen Knechten des Gasthofes als Zielscheibe diente. Sie stieg aus der Kutsche und hielt dabei ihren Schirm wie einen Knüppel in der Hand. »Reisen Sie allein?«, fragte sie das Mädchen.

Das Mädchen warf ihr einen Blick zu, der halb verschreckt, halb bittend war. »Ja, Madame.«

»Nach York?«

»Ja.«

»Dann wäre es besser, Sie hätten eine Anstandsdame bei sich. Sie sind Französin?«

Ein schüchternes Nicken.

»Kommen Sie mit! Sie brauchen Schutz.« Hannah half der jungen Dame in die Kutsche und zu einem Sitzplatz neben ihr. »Ich bin Miss Hannah Pym«, sagte sie und streckte ihr dabei die Hand hin, »und das ist mein Lakai Benjamin.«

Das Mädchen nahm Hannahs Hand und schüttelte sie. »Merci«, sagte sie leise. »Ich bin Miss Yvonne Grenier. Ich ...« Ihre Augen fielen auf den mageren Mann und wurden vor Schreck ganz groß.

Er lächelte und entblößte dabei gelbe, den Fängen eines Raubtiers ähnliche Zähne. »Ich bin Mr. Smith«, sagte er.

Hannah spürte, wie sich Yvonne beim Klang von Mr. Smiths englischen Worten entspannte. Was hatte sie erwartet? Einen Franzosen? Hannahs Neugier ließ ihre seltsamen, wie Opale schillernden Augen von Blau zu Grün wechseln.

Und dann geschah etwas so Wundervolles, dass Hannah ihre Mitreisenden vollkommen vergaß. Denn wer da vor dem Kutschenfenster stand und hereinlächelte, war Sir George Clarence. Wieder stieg Hannah aus der Kutsche, errötend wie ein junges Mädchen.

In der Kutsche saß Benjamin und kaute an seinen Fingernägeln. Er wusste von der Liebe seiner Herrin zu Sir George und hatte etwas unternehmen wollen, um eine Romanze in die Wege zu leiten. Deshalb hatte er, als Mrs. Courtney, eine der einflussreichsten Londoner Klatschbasen, ihre Zofe schickte, damit sie über Hannah Erkundigungen einziehe, weil Mrs. Courtney glaubte, sie sei Sir Georges Geliebte, und dies bestätigt haben wollte, diese Bestätigung freudig gegeben. Er hoffte, dass der böse Klatsch Sir George zwingen werde, Hannah einen Heiratsantrag zu machen, oder ihn immerhin zu zärtlicheren Gedanken als bloße Freundschaft bewog. Jetzt sorgte sich Benjamin, dass er wohl verrückt gewesen sein müsse. Derartiger Klatsch schlug Sir George womöglich ganz und gar in die Flucht. Vielleicht war er gekommen, weil er davon gehört hatte und sich dagegen verwahren wollte. Als Benjamin jedoch aus dem Fenster schaute, sah er, dass das Paar ausgesprochen freundlich miteinander plauderte.

»Wie liebenswürdig von Ihnen, zu dieser nachtschlafenden Stunde zu kommen, um auf Wiedersehen zu sagen«, bedankte sich Hannah schüchtern.

»Ich werde Sie vermissen«, sagte Sir George, und Hannah wurde ganz schwach vor Glück. »Ich freue mich schon jetzt darauf, bei Ihrer Rückkehr von Ihren Abenteuern zu hören. Ich habe Ihnen ein paar Kleinigkeiten für die Reise mitgebracht.« Er überreichte ihr eine viereckige Schachtel.

Hannah stammelte ihren Dank.

»Einsteigen«, rief der Kutscher.

»Auf Wiedersehen«, sagte Hannah und streckte Sir George die Hand hin. Er zog schwungvoll den Hut, neigte den Kopf und küsste ihre Hand.

Hannah schwebte wie auf Wolken in die Kutsche und nahm ihren Platz ein. Tränen des Glücks standen ihr in den Augen.

Der Wächter blies eine Fanfare, und die Kutsche fuhr unter heftigem Schwanken los.

»Was ist das?«, fragte Benjamin und blickte neugierig auf die Schachtel in Hannahs Schoß.

»Ein Geschenk von Sir George.«

»Öffnen Sie es«, bat Benjamin.

Hannah knüpfte die Seidenschleife auf, die um die Schachtel gebunden war, und verstaute sie sorgfältig in ihrer Handtasche. Dann hob sie den Deckel von der Schachtel. Diese enthielt eine kleine Flasche Rosenöl, einen Seidenschal in allen Farben des Regenbogens, einen kleinen Fächer mit Elfenbeinstäbchen und einen Reiseführer von York.

Hannah entkorkte die Rosenölflasche und tupfte sich ein paar Tropfen hinter die Ohren. Sie schlang sich den Schal um den Hals und übergab dann die Schachtel mit dem Führer und dem Fächer Benjamin zur Aufbewahrung.

Benjamin war befriedigt. Er hatte sich schon Sorgen gemacht, dass Sir George womöglich Verdauungspülverchen oder eine Wolldecke oder etwas dergleichen Trübseliges als Geschenk gewählt haben könnte.

Die Kutsche rumpelte durch Smithfield, wo sie zum Stehen kam, weil sie plötzlich von Kühen, die auf dem Weg zum Markt waren, umgeben war.

Sie saßen da und hörten das Muhen des Viehs und die Rufe des Wächters, der den Postkutscher drängte, »ihnen Beine zu machen«, worauf der Kutscher erwiderte, er habe noch nie einem Tier die Peitsche gegeben.

Dann ging es wieder weiter, und bald waren sie im berühmten Gasthof zum Pfauen in Islington mit seinen Fachwerkmauern, seinen drei Stockwerken, die auf der Vorderseite eines über das andere vorsprangen, und seinem Verandadach, das von Karyatiden getragen wurde. Vor dem alten Gasthof standen etwa zwanzig Kutschen. Es herrschte ein solcher Lärm, dass Hannah ganz taub wurde. Kellner kamen mit Tabletts voller Gläser mit Rum und Milch heraus. Benjamin und Hannah tranken dankbar ihr Glas, denn es war noch früh am Morgen, und die Kutsche war kalt, aber sowohl Yvonne als auch Mr. Smith lehnten ab.

Weiter rollten sie, und bald begann der Anstieg nach Highgate. Die Sonne schien in all ihrer Pracht von einem blauen Himmel herab, und hinter ihnen schlief London noch unter einer Dunstwolke.

Hannah wurde allmählich hungrig. Sie wusste, dass der nächste Pferdewechsel in Barnet geplant war, und hoffte, dass sie dort frühstücken konnten. Aber als sie in Barnet ankamen, musste man erfahren, dass es erst in Enfield Chase Frühstück gab. Es wurde Branntwein mit heißem Wasser serviert, und dieses Mal nahmen Yvonne und Mr. Smith eine Erfrischung zu sich. Hannah, die einen Seitenblick auf ihre französische Gefährtin warf, bemerkte, dass Yvonnes Gesicht durch das heiße Getränk immerhin ein wenig Farbe angenommen hatte. Sie mussten eine ganze Weile warten, weil Tom Tapton, dieser Don Juan der großen Straße nach Norden, mit einem Serviermädchen schäkerte. Seinen Biberhut hatte er dabei verwegen in den Nacken geschoben, seinen Blick gelegentlich auf sein nächstes Gespann richtend, das ungeduldig in den Zugriemen stampfte, vor allem aber auf das Mädchen, das anbetend zu ihm aufschaute.

Endlich rief er: »Herrschaften, nehmen Sie Ihre Plätze ein«, als sei die ganze Gesellschaft aus der Kutsche gestiegen, und kletterte selbst lässig auf den Bock hinauf. Als sie gerade drauf und dran waren, abzufahren, öffnete sich die Tür der Postkutsche noch einmal, und ein großer Mann stieg ein und setzte sich zwischen Benjamin und Mr. Smith.

Hannah warf einen Blick auf den Neuankömmling und fasste ihn dann genauer ins Auge.

Es handelte sich um eine imponierende Gestalt, über eins achtzig groß. Er hatte dickes kastanienbraunes Haar unter einem Hut mit breiter Krempe, silbergraue Augen und eine stolze Nase. Mund und Kinn kündeten von Entschlusskraft. Seine Kleidung war einfach, aber es entging Hannah nicht, dass sie von der Hand eines der feinsten Londoner Schneider angefertigt sein musste. »Ich hoffe, ich habe Sie nicht warten lassen«, sagte er in einem leichten, angenehmen Tonfall.

»Ich glaube, unser Romeo von einem Kutscher hätte uns in jedem Fall warten lassen«, erwiderte Hannah sarkastisch. »Wenn er vorhat, mit jedem Frauenzimmer an der Straße seine Zeit zu vertändeln, werden wir unser Ziel nie erreichen.«

»Ach, wer kann schon einem hübschen Mädchen widerstehen«, meinte der Neuankömmling. Er lächelte Yvonne an, die leicht zusammenzuckte und zu Hannah hinrückte. »Erlauben Sie, dass ich mich vorstelle. Mein Name ist Giles.«

Die anderen stellten sich ebenfalls einer nach dem anderen vor.

»Eine Französin«, rief Mr. Giles, die Augen auf Yvonne gerichtet, und fing munter an, französisch zu parlieren.

Yvonne rang nach Luft und sagte: »Ich bitte Sie, Sir, sprechen Sie englisch mit mir. Ich brauche Übung.«

»Selbstverständlich. Reisen Sie allein, Miss Grenier?«

»Nein«, erwiderte Hannah schnell, »ich bin Miss Greniers Gefährtin. Wir reisen zusammen.«

Mr. Smith war offensichtlich erstaunt. »Ich würde schwören, dass Sie einander erst vor dem Gasthof kennengelernt haben!«

Unter dem Schutz ihres Umhangs suchte Yvonnes kleine Hand nach der Hannahs und drückte sie fest.

»Ich weiß nicht, was Ihnen diesen Eindruck vermittelt hat, Sir«, sagte Hannah. »Wir waren an der Poststation in Holborn miteinander verabredet.«

»Aber sie hat sich Ihnen doch in der Kutsche vorgestellt«, widersprach Mr. Smith.

»Ich habe nach ihr Ausschau gehalten, weil ich ihr persönlich noch nicht begegnet bin«, sagte Hannah sanft. »Sie ist auf Bitten ihrer Familie in meiner Obhut.«

»Ein höchst unenglischer Charakterzug, ein solches Interesse an Ihren Mitreisenden an den Tag zu legen, Mr. Smith«, bemerkte Mr. Giles.

Die blassen Augen wandten sich ihm zu. »Ich bin so englisch wie Roastbeef«, sagte Mr. Smith.

»Aber da Sie so neugierig sind«, fuhr Mr. Giles fort, »will ich Ihnen eine Freude machen. Was mich betrifft, so reise ich nach York, um einen Verwandten zu besuchen. Was haben Sie vor, Mr. Smith?«

»Ich fahre ebenfalls nach York, um einen Besuch zu machen«, sagte Mr. Smith übelnehmerisch. Er zog ein Büchlein aus der Tasche und begann zu lesen.

Mr. Giles zuckte kaum merklich die Achseln. »Und Sie, Miss Pym? Man begegnet nicht oft einer Dame mit einem livrierten Lakaien in der Postkutsche.«

»Ich reise um des Reisens willen«, sagte Hannah.

»In einer Postkutsche?«

»Warum nicht, Sir? Es ist eine preiswerte und bequeme Art zu reisen.«

»Wirklich? Ich selbst würde, wenn ich das Geld hätte, eine gut gefederte eigene Reisekutsche bevorzugen, mit sechs erstklassigen Zugpferden. Und Sie, Miss Grenier, reisen Sie auch zum Vergnügen?«

»Ja«, erwiderte Hannah schnell. »Ich habe Ihnen doch gesagt, dass sie mit mir reist.« Sie öffnete die Schachtel, die ihr Sir George gegeben hatte, holte den Reiseführer heraus und begann zu lesen. Aber sie nahm kaum ein Wort in sich auf. Was veranlasste Yvonne zu dieser Reise, und warum war sie so ängstlich? In Frankreich war die Revolution noch nicht vorbei, aber in England hatte sie nichts zu befürchten. War sie erst vor Kurzem aus Frankreich hierhergekommen? Ihr Englisch hatte zwar einen Akzent, war aber sehr gut. Hannah fragte sich auch, was sie von Mr. Giles halten sollte. Sein Auftreten und die Ungezwungenheit seiner Manieren erwiesen ihn als Mann, der es gewohnt war zu befehlen.

Die Kutsche hielt in Enfield Chase, und die Passagiere kletterten mit steifen Gliedern ins Freie.

Hannah nahm Yvonnes Arm, als sie auf den Gasthof zugingen, und sagte kameradschaftlich: »Sie werden sich gleich besser fühlen, wenn Sie etwas gegessen haben, Miss Grenier. Es geht nichts über ein gutes englisches Frühstück. Ich will mich ja nicht in Ihre Angelegenheiten mischen, aber ich möchte Sie doch daran erinnern, dass Sie in einem freien Land sind. Hier droht Ihnen keine Gefahr.« Außer, dachte sie ärgerlich, als sie um den runden Frühstückstisch Platz genommen hatten und den bewundernden Blick sah, den Mr. Giles Yvonne zuwarf, vonseiten dieses Don Juans.

Yvonne war sehr hübsch. Sie hatte ein ovales Gesicht und große haselnussbraune Augen, die von dichten Wimpern eingefasst waren. Ihr Mund war klein und voll, und sie machte den Eindruck von Anmut, Zartheit und Verletzlichkeit.

Benjamin schien Yvonnes Wohlergehen ebenfalls am Herzen zu liegen, und er ließ die Kellner springen, damit sie Hannah und Yvonne vor den anderen Passagieren bedienten.

»Ich kenne Sie«, sagte Mr. Giles plötzlich und blickte dabei Benjamin an, der hinter Hannahs Stuhl stand. »Sie sind der Bursche, der Randall in Rochester bezwungen hat. Da habe ich Sie zwar nicht erlebt, aber ich habe Sie einen Boxkampf mitten auf dem Berkeley Square bestreiten sehen.«

»Warum haben Sie auf dem Berkeley Square geboxt?«, fragte Yvonne Benjamin.

»Weil die verdammten Hunde von Lakaien mich dazu gebracht haben«, erwiderte dieser.

»Jetzt ist es aber genug«, befand Hannah entschieden. »Sie können jetzt gehen und selbst frühstücken, Benjamin.«

Der Lakai schlenderte in den Raum, in dem der Kutscher und der Wächter speisten.

»Was hat er gesagt?«, fragte Yvonne.

»Oh, das ist eine lange Geschichte.« Hannah bestrich ihren Toast mit Butter. »Er ist ein Spieler, und in Rochester hat er viel Geld verloren und sich deshalb auf einen Boxkampf eingelassen, dessen Preisgeld es ihm ermöglicht hat, seine Schulden zu bezahlen. Von dem Kampf auf dem Berkeley Square weiß ich nichts, will auch nichts davon wissen. Benjamin ist ziemlich ... ungewöhnlich.«

»Und natürlich sind Sie die Miss Pym«, sagte Mr. Giles.

»Wo haben Sie von mir gehört?«

»Der Bericht vom Boxkampf auf dem Berkeley Square stand in den Gesellschaftsspalten, Miss Pym. Man schrieb, Sie seien Benjamins Herrin. Ich glaube, Sie sind auch eine Freundin von Sir George Clarence.«

»Sie sind bemerkenswert gut informiert, Mr. Giles«, fuhr ihn Hannah an. »Kann ich jetzt in Ruhe frühstücken?«

Er lächelte und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Was für ein Gerücht hatte er erst neulich gehört? Dass Sir George sich eine Mätresse genommen habe und dass diese Mätresse Miss Pym sei, die stolze Herrin des boxenden Lakaien. Er betrachtete Hannah, ihre magere Gestalt, die seltsamen Augen, das rotblonde Haar und die gediegene Garderobe, und beschloss bei sich, dass an dem Klatsch nichts war. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Miss Pym das Zeug zu einer Mätresse hatte.

Hannah beendete ihre Mahlzeit und machte sich auf den Gang zu dem Häuschen hinter dem Gasthof.

»Hinter dem Gasthof ist ein sehr hübscher Garten. Ich habe ihn gesehen, als wir ankamen«, sagte Mr. Giles zu Yvonne. »Hätten Sie Lust, sich die Füße zu vertreten, bevor die Kutsche weiterfährt?«

»O ja«, meinte sie.

Zusammen traten sie ins Freie und dann durch ein kleines Tor. In dem Garten blühten frühe Rosen, und im Rasen, der mit Gänseblümchen getupft war, suchten Amseln nach Würmern. Yvonne stieß vor Freude einen Seufzer aus, nahm den Schal von ihren Schultern und legte ihn sich über den Arm.

»Eine kleine Oase des Friedens«, sagte Mr. Giles. Er wollte Yvonne fragen, wann sie aus Frankreich gekommen sei, entschied sich dann aber anders. »Ich wundere mich über Ihre Freundin Miss Pym«, fuhr er fort. »Über solche Entfernungen nur zum Vergnügen zu reisen!«

»Ich kann es verstehen«, erwiderte Yvonne und blickte sich um. »Man ist hier so weit von allem entfernt. Es ist so friedlich.«

»So weit von den Schinderkarren und der Guillotine«, rief er, aus irgendeinem Grund ärgerlich. »Wissen die Narren, die nach Freiheit und Gleichheit rufen, was für eine Hölle sie in Bewegung gesetzt haben? Ob sie wohl nachts noch schlafen können? Was meinen Sie?«

Sie schrak zurück, eine Hand am Mund.

»Verzeihen Sie mir«, murmelte er schnell.

Aber sie lief schon davon.