The Walking Dead 3 - Robert Kirkman - E-Book

The Walking Dead 3 E-Book

Robert Kirkman

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Beschreibung

Es gibt kein Entkommen!

Wie lebt man weiter nach dem Untergang der Welt? Während die Toten auferstehen und als blutrünstige Bestien umherziehen, kämpfen die letzten Menschen ums nackte Überleben. Im kleinen Südstaatenstädtchen Woodbury hat ein Mann, der sich Governor nennt, ein rücksichtsloses Regime errichtet und hält Menschen wie Tote gleichermaßen in Schach. Doch dann begeht er einen Fehler, der ihn nicht nur die Macht, sondern alle anderen das Leben kosten könnte …

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Seitenzahl: 440

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Das Buch

Die Apokalypse ist angebrochen: Während sich im ganzen Land die Untoten sammeln, um die letzten Überlebenden zu jagen, halten sich Lilly Caul und ihre Freunde weiterhin in dem kleinen Städtchen Woodbury verschanzt. Jeder neue Tag bedeutet einen neuen Kampf um Dinge, die früher so selbstverständlich waren: sauberes Trinkwasser, Nahrung, Medikamente gegen Krankheiten, die längst als ausgerottet galten. Doch schlimmer ist das, was in den Schatten der Nacht lauert. Schon die kleinste Unachtsamkeit kann den Tod bedeuten. Denn auch Woodbury ist nicht so sicher, wie Philip Blake, der selbst ernannte »Governor«, seine Untertanen gern glauben machen würde. Ohnmächtig müssen Lilly und die übrigen währenddessen zusehen, wie die Machtbesessenheit des »Governors« mehr und mehr in Wahnsinn umschlägt. Nach einem missglückten Revolutionsversuch schreckt er vor nichts zurück – und der in Woodbury gebannten Schicksalsgemeinschaft stellt sich die Frage, ob ein Ausbruch nach draußen wirklich die schlimmere Wahl ist …

Die Autoren

Robert Kirkman ist der Schöpfer der mehrfach preisgekrönten und international erfolgreichen Comicserie The Walking Dead. Die gleichnamige TV-Serie wurde von ihm mitentwickelt und feierte weltweit Erfolge bei Kritikern und Genrefans gleichermaßen. Zusammen mit dem Krimiautor Jay Bonansinga hat er nun die Romanreihe aus der Welt von The Walking Dead veröffentlicht.

Lieferbare Titel

The Walking Dead

The Walking Dead 2

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www.heyne-fantastisch.de

Robert KirkmanJay Bonansinga

The Walking Dead 3

Roman

Deutsche Erstausgabe

Titel der englischen Originalausgabe

THE WALKING DEAD – RISE OF THE GOVERNOR

Deutsche Übersetzung von Wally Anker

Deutsche Erstausgabe 08/2012

Redaktion: Werner Bauer

Copyright © 2011 by Robert Kirkman, Jay Bonansinga

Copyright © 2012 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: Animagic, Bielefeld

Satz: Vornehm Mediengestaltung GmbH, MünchenISBN 978-3-641-11292-9www.heyne-magische-bestseller.de

Für Sheri Stearn, meine treue Leserin und zweite Mutter, und für Diego und dessen Dynamik des Todes und der Verwüstung.

Jay Bonansinga

TEIL 1 – Die Zusammenkunft

Wenn also die letzte und fürchterlichste Stunde

das Ende dieses dahinschwindenden Festes verkündet,

dann wird die Trompete von hoch oben erklingen,

die Toten werden leben, die Lebenden werden sterben,

und Musik wird den Himmel erzürnen.

John Dryden

Eins

Sich windend vor Schmerzen, liegt Bruce Allan Cooper auf dem Boden. Ihm steigen Tränen in die Augen, als er versucht, Luft zu holen und wieder zu Atem zu kommen. Er hört das röchelnde, wilde Knurren des halben Dutzends Beißer, das auf ihn zukommt, um endlich etwas zwischen die Zähne zu kriegen. Eine Stimme in seinem Kopf schreit ihn an: Steh endlich auf, du verdammter Idiot! Du verschissener Schlappschwanz! Was zum Teufel machst du da unten? Steh auf!

Bruce Allan Cooper ist ein Riese von einem Mann, ein Afroamerikaner mit dem Körperbau eines Basketball-Angreifers oder Schwergewichtsboxers. Sein imposantes Äußeres wird von seinem kahl rasierten, raketenförmigen Schädel und einem teils ergrauten Ziegenbart abgerundet. Schnell rollt er sich durch den Staub auf eine Seite und entgeht um Haaresbreite einer erwachsenen Beißerin, die mit verwesenden Fingern nach ihm krallt. Die Hälfte ihres Gesichts ist abgefallen, einfach weggefault, und sie schnappt vergeblich mit ihren Zähnen in die Luft.

Der Versuch, sich aufzurichten, indem er sich mit beiden Beinen vom staubigen Boden abstößt, scheitert. Er rutscht aus, kommt keine zwei Meter weit, als ein scharfer Schmerz seine Seite entlangschießt und seine Flanke und Rippen in Flammen aufgehen lässt. Er hält abrupt inne, die Höllenqualen lassen ihn zuerst mitten in der Luft erstarren und zwingen ihn dann wieder zu Boden. Er landet auf dem Rücken, die rostige Kreuzhacke noch immer in der Hand. Der Kopf des Todeswerkzeugs ist mit Blut verkrustet, Haare hängen in dicken Strähnen herab, und die gesamte Hacke ist mit einer schwarzen, dickflüssigen Brühe bedeckt, die von den Überlebenden allgemein Zombie-Scheiße genannt wird.

In seinem zerfetzten Tarnanzug und den mit Schlamm und Staub verkrusteten Stiefeln der Woodbury-Miliz liegt er einen Augenblick lang da wie vom Donner gerührt. In seinen Ohren tost es, und wegen seiner gebrochenen Nase droht eines seiner Augen zuzuschwellen. Er schaut in den Himmel Georgias – über sich sieht er graue, wie schmutziges Spülwasser gefärbte Wolken hängen, die selbst für April bedrohlich wirken –, und es scheint Spott auf ihn herabzuregnen: Du bist nichts weiter als ein Insekt da unten, Brucey-Boy. Eine Made auf dem Kadaver einer verendenden Erde, ein Parasit, der sich von den Abfällen und Trümmern der dahinschwindenden menschlichen Gattung ernährt.

Plötzlich verschwinden die Wolken über ihm hinter drei anormalen Gesichtern – wie dunkle Planeten, die das Himmelszelt verdecken. Jedes einzelne knurrt und geifert dumpf vor sich hin. Wie betrunken starren ihn drei Paar milchig weiße, sich nie schließende Augen gierig an. Einer der Beißer sabbert – ein fetter Kerl in einem völlig verdreckten Krankenhauskittel –, und schwarzer, dickflüssiger Speichel tropft auf Bruces Wange.

»VERDAMMT NOCHMAL!«

Bruce fängt sich in Sekundenschnelle, verspürt eine unerwartete Kraft in seinen Knochen. Er holt mit der Kreuzhacke aus. Das spitze Ende schießt durch die Luft und bleibt im weichen Doppelkinn des einen Beißers stecken. Die untere Hälfte seines Gesichts löst sich wie von Geisterhand, und eine Fontäne glänzenden Knorpelgewebes und glitschigen Fleisches schießt meterweit in die Luft, ehe alles mit einem nassen Platschen neben ihm auf dem Boden landet.

Er rollt sich erneut zur Seite, rafft sich auf, vollführt eine halbe Pirouette – eigentlich recht elegant für einen solchen Riesen, der gleichzeitig unerträgliche Schmerzen leidet – und trifft mit der Kreuzhacke in die verfaulte Halsmuskulatur einer weiteren Beißerin, die auf ihn zustolpert. Ihr Kopf fällt, bleibt plötzlich wie von Geisterhand mitten in der Luft hängen, wird einen Augenblick lang von den Fäden vertrockneten Gewebes gehalten, ehe er sich losreißt und zu Boden purzelt.

Ihr Schädel kullert einen halben Meter über die Erde, hinterlässt eine Spur schwarzen Eiters, während der Körper einen quälenden Augenblick lang noch aufrecht dasteht, zitternd und bebend, die abgestorbenen Arme in grässlicher, blinder Gier verkrampft nach ihm ausgestreckt. Als die Gestalt endlich in sich zusammensackt, liegt etwas Metallenes neben ihren Füßen.

Plötzlich hört Bruce etwas, das er hier und jetzt nie erwartet hätte. Nach dem Chaos und dem Gemetzel kämpft sich das Geräusch an seine traumatisierten Ohren vor: das Schlagen von Trommeln. Zumindest klingt es so in Bruces von Tinnitus geplagten Ohren – ein pochender, metallener, schriller Lärm in seinem Kopf, der ganz aus der Nähe zu kommen scheint. Angespornt von dem Geräusch, zieht er sich mit der Waffe in der Hand zurück. Bruce blinzelt, versucht, weitere Beißer anzuvisieren, die auf ihn zustolpern. Es sind einfach zu viele von ihnen, um sie alle mit nichts weiter als einer Kreuzhacke ausschalten zu können.

Bruce dreht sich um, will fliehen, doch prallt direkt auf eine weitere Gestalt, die ihm den Weg versperrt.

»HEY!«

Der andere Mann – ein weißer Typ mit einem Stiernacken und einem Kreuz wie ein Schrank – hat einen blonden Bürstenhaarschnitt. Er stößt einen Kriegsschrei aus, holt mit einem Morgenstern aus, der so groß wie ein Pferdebein ist, und schwingt die Waffe in Bruces Richtung. Der mit Nägeln gespickte Kopf saust an Bruces Schädel vorbei, verfehlt seine gebrochene Nase nur um wenige Zentimeter. Instinktiv schreckt Bruce zurück und stolpert dabei über die eigenen Füße.

Er stürzt unbeholfen zu Boden, und eine Staubwolke hüllt ihn ein. Von irgendwo ertönen erneut Trommelschläge. Er verliert seine Kreuzhacke. Der Blonde nutzt Bruces Verwirrung zu seinem Vorteil und wirft sich mit erhobenem Morgenstern auf ihn, bereit, seinem Gegner mit der tödlichen Waffe ein Ende zu bereiten. Bruce stöhnt und wälzt sich im letzten Moment zur Seite.

Der Morgenstern dringt mit ungeheurer Wucht nur wenige Fingerbreit von Bruces Kopf entfernt in den Boden ein und bleibt stecken.

Bruce robbt so schnell er kann zu seiner Waffe, die drei Meter von ihm entfernt auf der roten Erde liegt. Mit der Hand ergreift er den hölzernen Stiel, als sich durch die Staubwolke plötzlich und ohne Vorwarnung eine weitere Gestalt zu seiner Linken auf ihn wirft. Bruce zuckt zurück. Die Beißerin kriecht jetzt mit den trägen Zuckungen einer Rieseneidechse auf ihn zu. Schwarzer Sabber trieft aus ihrem offen klaffenden Mund – man kann die kleinen, scharfen, schwarz gefärbten Zähne darin erkennen –, und ihr Kiefer schnappt mit unstillbarer Gier nach ihm.

Und dann passiert etwas, das Bruce wieder zur Besinnung kommen lässt.

Ein metallenes Rasseln ertönt, verursacht von Ketten, die um die Fesseln der Beißerin gelegt sind und sich jetzt spannen. Das Monster zieht und zerrt, kann aber nicht weiter. Bruce entringt sich ein Seufzer der Erleichterung, obwohl die todbringende Gestalt keine zehn Zentimeter von ihm entfernt verzweifelt nach ihm grapscht. Die Beißerin knurrt ihn in unbefriedigter Gier an, aber die Ketten halten. Bruce würde ihr am liebsten die Augen mit den bloßen Händen auskratzen, diesem Haufen verwesenden Fleisches am liebsten den Nacken mit den eigenen Zähnen durchtrennen.

Erneut dringt das Schlagen von Trommeln an Bruces Ohr. Dann, kaum hörbar in dem Getöse, vernimmt er eine Stimme. Ein Mann drängt ihn: »Los, Mann. Steh auf … Steh endlich auf!«

Bruce tut, wie ihm geheißen. Er nimmt die Kreuzhacke und rafft sich auf. Wieder das Schlagen von Trommeln … und Bruce dreht sich blitzartig, die Hacke über dem Kopf, um sie dann mit aller Wucht in Richtung des anderen Mannes zu schwingen.

Die Waffe verfehlt den Typen mit dem Bürstenhaarschnitt um Haaresbreite und schlitzt einen zehn Zentimeter langen Riss in den Kragen seines Rollkragenpullovers.

»Besser so?«, murmelt Bruce und umkreist seinen Gegner. »Macht dir das so mehr Spaß?«

»So ist gut«, entgegnet sein stämmiger Widersacher – eigentlich heißt er Gabriel Harris, seine Kumpanen nennen ihn Gabe – und holt erneut mit dem Morgenstern aus. Diesmal zischt der mit Nägeln besetzte Kopf knapp an Bruces geschwollenem Gesicht vorbei.

»Sag bloß, mehr hast du nicht auf Lager?«, macht Bruce sich über ihn lustig und weicht dem Schlag rechtzeitig aus. Dann schleicht er in der entgegengesetzten Richtung um Gabe herum. Erneut ein Hieb mit der Kreuzhacke. Gabe wehrt ihn mit dem Griff des Morgensterns ab. Um sie herum knurren die Monster von allen Seiten, ächzen und stöhnen, ihr wässriges Geheul scheint die beiden Kämpfer völlig zu umgeben. Vor unstillbarem Hunger nach menschlichem Fleisch ziehen und zerren die lebenden Untoten an den Ketten, sind im Futterrausch verloren.

Als sich der Staub um die Kampfarena endlich legt, erscheinen die Überreste eines Stadions rund um eine ehemalige Rennbahn.

Der Woodbury Veterans Speedway hat die Größe eines Fußballfelds. Die Rennbahn selbst ist mit Maschendraht eingezäunt und von alten Boxen gesäumt. Dunkle Gänge führen tief ins Innere des Stadions. Hinter dem Zaun ragen Zuschauertribünen in die Höhe, die von riesigen, rostenden Flutlichtern umringt sind. Johlende Einwohner Woodburys füllen das Stadion, und das Schlagen der Trommeln ist in Wirklichkeit der wilde Applaus und die grölenden Schreie der tobenden Menge.

Gabe, noch immer vom Staub umhüllt, der in der Mitte des Feldes durch die Luft wirbelt, murmelt seinem Gegner ins Ohr: »Du kämpfst wie ein gottverdammtes Weib, Brucey. Bist doch sonst nicht so zimperlich.« Der Spruch wird von einem Hieb in Richtung der Beine des Schwarzen begleitet.

Bruce springt in die Luft, weicht dem Schlag mit einem Kunststück körperlicher Beherrschung aus, das einem World-Wrestling-Superstar alle Ehre gemacht hätte. Wieder holt Gabe aus, aber der Morgenstern verfehlt seinen Widersacher erneut, und die Nägel treffen stattdessen den Kopf eines jungen Beißers, der in einer zerrissenen, völlig verdreckten und mit Öl verschmierten Latzhose steckt – wahrscheinlich ein ehemaliger Mechaniker.

Die Nägel bohren sich tief in den vergammelten Schädel des Monsters. Fontänen schwarzer Flüssigkeit schießen in die Luft. Gabe reißt den Morgenstern wieder aus dem Kopf heraus und raunt: »Der Governor wird stinksauer wegen deiner beschissenen Vorführung sein.«

»Ach, meinst du?« Bruce holt zum Gegenschlag aus und trifft Gabe mit dem Stiel hart auf dem Solarplexus, sodass der stämmige Mann mit dem Bürstenhaarschnitt zu Boden geht. Sogleich zischt die Kreuzhacke erneut durch die Luft und gräbt sich knapp neben Gabes Wange in den Boden der Rennbahn.

Gabe rollt zur Seite und springt auf. Wieder reißt er einen hämischen Spruch: »Du hättest dich gestern Abend nicht so vollstopfen sollen.«

Bruce holt erneut aus und lässt den Kopf der Kreuzhacke knapp an Gabes Nacken vorbeirauschen. »Na, das kommt ja genau vom Richtigen, Dicker.«

Gabe kommt endlich zum Gegenangriff, ein Hieb nach dem anderen, und drängt Bruce in Richtung der angeketteten Beißer. »Wie oft muss ich es dir noch sagen? Der Governor will, dass es echt aussieht.«

Bruce wehrt die Attacke mit dem Stiel seiner Kreuzhacke ab. »Du hast mir meine verdammte Nase gebrochen, du Arschloch!«

»Hör endlich mit dem Gejammer auf, du Baby.« Gabe drischt immer wieder auf Bruce ein, bis die Nägel des Morgensterns sich in den Stiel der Kreuzhacke vergraben haben und feststecken. Mit einem kräftigen Ruck reißt er Bruce die Waffe aus den Händen, sodass sie durch die Luft fliegt. Die Menge grölt. Bruce duckt sich bei dem Versuch, sich in Sicherheit zu bringen, aber Gabe ist ihm dicht auf den Fersen. Der schwarze Mann schlägt einen Haken, doch Gabe hat schon ausgeholt, wirft sich mit der Waffe in Bruces Richtung und trifft ihn an den Beinen.

Die Nägel reißen ein Loch in den Stoff der Tarnhose und bohren sich in das bloße Fleisch. Bruce gerät aus dem Gleichgewicht und fällt hart zu Boden. Blut spritzt durch das staubige Tageslicht, während Bruce versucht, sich abzurollen.

Gabe saugt den rasenden, beinahe fanatischen Applaus in sich auf – das Klatschen und Gejohle grenzt an Hysterie –, und er dreht sich zu den Tribünen um, auf denen der Großteil von Woodburys Einwohnern beinahe durchdreht. Siegessicher reißt er den Morgenstern wie in »Braveheart«über den Kopf. Die Menschenmenge wird immer lauter, und Gabe genießt jeden Augenblick. Langsam dreht er sich zu allen Seiten, den Morgenstern noch immer in Siegerpose erhoben, auf dem Gesicht eine beinahe komisch anmutende Macho-Miene.

Im Stadion ist die Hölle los … Aber auf den Tribünen, inmitten der wild winkenden Arme und sich überschlagenden Stimmen, ist eine Person, die nicht auf den Wogen der Euphorie schwimmt.

Weit oben auf der Nordtribüne, in der fünften Reihe, dreht Lilly Caul sich angewidert zur Seite. Um ihren Nacken hat sie einen sonnengebleichten Schal aus Leinen gewickelt, um die Kälte abzuhalten. Wie immer trägt sie ihre zerrissene Jeans, ein Sweatshirt aus einem Billigheimer-Laden und eine Perlenkette, die schon bessere Tage gesehen hat. Als sie den Kopf schüttelt und entnervt aufstöhnt, hebt ein Windstoß ihre karamellbraunen Locken in die Luft, um ihr ehemals jugendliches Gesicht zu entblößen, das mittlerweile von Entsetzen gezeichnet ist – die Fältchen um ihre aquamarinblauen Augen und die Mundwinkel gleichen tiefen Rillen in gegerbtem Leder. Sie merkt nicht einmal, was sie vor sich her murmelt: »Gottverdammte Römer … Brot und Spiele …«

»Was ist?« Die Frau neben ihr blickt von einem Thermosbecher voll lauwarmen grünen Tees auf. »Hast du was gesagt?«

Lilly schüttelt den Kopf. »Nein.«

»Geht’s dir gut?«

»Super … Alles bestens.« Lilly lässt den Blick in die Ferne schweifen, während der Rest der Menge wild auf und ab springt, grölt und jault. Obwohl sie erst Anfang dreißig ist, erscheint Lilly Caul mindestens zehn Jahre älter. Tiefe Falten der Fassungslosigkeit und des Entsetzens haben sich in ihre Stirn gebrannt. »Wenn ich ganz ehrlich sein soll … ich weiß nicht mehr, wie lange ich diese ganze Scheiße noch aushalten kann.«

Die andere Frau nippt nachdenklich an ihrem Tee. Unter ihrem Parka trägt sie einen verblichenen Kittel, und ihr Haar ist zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden. Es handelt sich um Woodburys Krankenschwester – eine ernste, meistens stille Frau namens Alice –, die mit Sorge Lillys gefährdeten Status in der Hierarchie der Gemeinde beobachtet. »Es geht mich ja nichts an«, beginnt Alice endlich und so leise, dass niemand der Umstehenden sie hätte verstehen können, »aber wenn ich du wäre, würde ich das eher für mich behalten.«

Lilly blickt sie fragend an. »Was zum Teufel redest du da?«

»Zumindest für den Augenblick.«

»Da komme ich nicht mit.«

Alice scheint nicht ganz wohl dabei zu sein, mitten am Tag und in Anwesenheit aller über so etwas reden zu müssen. »Er beobachtet uns, weißt du das etwa nicht?«

»Wie bitte?«

»Selbst jetzt, in diesem Augenblick. Er hat es auf uns abgesehen.«

»Bei dir piept es …«

Lilly hält inne. Erst jetzt begreift sie, dass Alice auf die dunkle Gestalt anspielt, die unterhalb der maroden und nicht mehr funktionierenden Anzeigetafel keine dreißig Meter nördlich entfernt von ihnen im Eingang eines gewölbten Gangs steht. Er ist in Schatten getaucht, aber die Lichter für die Käfige hinter ihm verleihen seiner Silhouette etwas Unheimliches. Die Hände in die Hüften gestemmt, steht er da und starrt auf das Geschehen in der Arena. Seine Augen leuchten vor Zufriedenheit auf.

Er ist nicht groß, aber auch nicht klein, weder dick noch dünn. Ganz in Schwarz gekleidet, trägt er eine großkalibrige Waffe an der Hüfte. Auf den ersten Blick macht er einen beinahe harmlosen, ja gutmütigen Eindruck – ganz der stolze Landbesitzer oder Adelige aus dem Mittelalter, der sein Gut beäugt. Aber selbst aus dieser Entfernung kann Lilly seinen schlangenartigen Blick spüren – so gerissen wie der einer Kobra –, wie er jeden Winkel der Tribünen überfliegt. Und alle paar Sekunden fällt dieser elektrisierte Blick auf die Plätze, auf denen jetzt Lilly und Alice vor Kälte bibbernd sitzen.

»Besser, wenn er glaubt, dass alles in Butter ist«, flüstert Alice, den Mund tief in die Tasse getaucht.

»Verdammt noch mal«, entgegnet Lilly und starrt dabei die von Müll übersäte Tribüne hinab. Eine weitere Welle der Jubelschreie und des Klatschens schwillt an, als die Gladiatoren im Innenfeld wieder aufeinander losgehen – Bruce schwingt seine Kreuzhacke durch die Luft, während Gabe von einer Reihe angeketteter Zombies umringt ist. Lilly aber zollt ihnen keine Aufmerksamkeit.

»Lächeln, Lilly! Immer schön lächeln!«, ermahnt Alice sie.

»Lächle du doch … Ich kriege das nicht mehr über die Lippen.« Lilly blickt auf das Gemetzel im Stadion, sieht zu, wie der Morgenstern den verwesenden Schädel eines Beißers in tausend Stücke explodieren lässt. »Ich verstehe das einfach nicht.« Sie schüttelt den Kopf und wendet sich angeekelt vom Geschehen ab.

»Was verstehst du nicht?«

Lilly holt tief Luft und blickt Alice an. »Und was ist mit Stevens?«

Alice zuckt mit den Schultern. Dr. Stevens ist seit fast einem Jahr so etwas wie ihr Rettungsanker, hat sie stets bei Verstand gehalten, ihr das nötige Fachwissen beigebracht, gezeigt, wie man halb zu Brei geschlagene Gladiatoren mit Hilfe der immer spärlicher werdenden Vorräte an medizinischer Ausrüstung, die in den Katakomben unterhalb der Arena gelagert sind, wieder auf die Beine bringt. »Was soll denn mit ihm sein?«

»Der macht bei dieser ganzen widerlichen Scheiße doch auch nicht mit.« Lilly reibt sich die Augen. »Was macht ihn so besonders, dass er es nicht nötig hat, dem Governor in den Arsch zu kriechen? Vor allem nach dem, was im Januar passiert ist!«

»Lilly …«

»Versuch jetzt nicht, dich rauszureden.« Lilly starrt Alice an. »Gib es einfach zu. Der gute Doktor ist nie dabei, wenn sich die Leute hier gegenseitig die Köpfe einschlagen, und nutzt wirklich jede Gelegenheit, allen und jedem seinen Unmut gegenüber dem Governor und seinen blutrünstigen Spielchen unter die Nase zu reiben.«

Alice fährt sich mit der Zunge über die Lippen und legt Lilly eine Hand auf den Arm. »Jetzt hör mir mal gut zu, Lilly. Mach dir bloß nichts vor. Der einzige Grund, warum Dr. Stevens hier geduldet ist, sind seine medizinischen Fähigkeiten.«

»Ehrlich?«

»Ehrlich! Er ist ein nicht gern gesehener Gast in des Governors hochheiligen königlichen Hallen.«

»Was willst du damit sagen, Alice?«

Die jüngere Frau holt erneut tief Luft und fährt dann noch leiser fort: »Ich will damit nur sagen, dass niemand hier unentbehrlich ist. Hier hat keiner einen unbefristeten Arbeitsvertrag.« Ihr Griff um Lillys Arm wird stärker. »Was, wenn ihm ein anderer Arzt über den Weg läuft, einer, der mehr Gefallen an diesem Spektakel findet? Dann könnte es ganz leicht passieren, dass Dr. Stevens’ nächste Wirkungsstätte da draußen in der Arena ist.«

Lilly zieht ihren Arm zurück und blickt noch einmal auf das fürchterliche Gemetzel, das sich vor ihren Augen abspielt. »Ich habe die Nase so voll davon, ich kann da einfach nicht mehr mitmachen.« Dann schweifen ihre Augen in Richtung der Gestalt, deren Silhouette unter dem Gewölbe nördlich von ihnen steht. »Und es ist mir scheißegal, ob der es weiß oder nicht.«

Mit diesen Worten steht sie auf und macht Anstalten, Richtung Ausgang zu gehen.

Alice ergreift sie erneut. »Lilly, eines musst du mir versprechen … Sei vorsichtig, okay? Mach keinen Unsinn, bleib cool. Bitte!«

Lilly schenkt ihr ein kaltes, rätselhaftes Lächeln. »Ich weiß schon, was ich tue, Alice.«

Dann dreht sie sich um und verschwindet die Treppe hinunter in Richtung Stadt.

Es ist mittlerweile mehr als zwei Jahre her, dass die ersten Toten wieder zum Leben erwacht sind und sich der gesunden Bevölkerung vorgestellt haben. Seitdem hat sich die große, weite Welt außerhalb der tiefsten Provinzen Georgias langsam, aber sicher – wie sich stetig ausbreitende Metastasen – von den Lebenden verabschiedet. Nur hier und da haben sich Menschen in verlassene Bürohäuser, Industriegebiete, Einkaufszentren und herrenlose Ortschaften retten können. Mit der kontinuierlich wachsenden Herde der Zombies nahmen die Gefahren für die Überlebenden zusehends zu, und mit der Zeit formten sie streng organisierte und ernstzunehmende Sippschaften und Schutzbündnisse, um sich gegen den drohenden Untergang zu wappnen.

Das Städtchen Woodbury im Regierungsbezirk Meriwether befindet sich im Westen von Georgia, gute hundert Kilometer südlich von Atlanta, und bildet eine große Ausnahme, was diese Ansiedlungen Überlebender angeht. Früher war es einmal ein kleines Bauerndorf mit ungefähr tausend Einwohnern, dessen Zentrum sich über sechs Häuserblocks und einen Bahnübergang erstreckte. Jetzt aber ist es zu einer Festung geworden, mit Stadtmauern aus allen nur erdenklichen Materialien, die der Krieg so abwirft.

Sattelschlepper, auf denen nachträglich 50-Kaliber-Geschütze installiert wurden, stehen an jeder Ecke dieses Verteidigungswalls. Alte Eisenbahnwaggons wurden in Stacheldraht eingewickelt und sind an jedem Aus- beziehungsweise Eingang platziert, um diese rasch öffnen oder versperren zu können. Im Stadtzentrum umgeben Befestigungswälle das gesamte Geschäftsviertel – einige der Barrikaden wurden erst vor Kurzem fertiggestellt. Hier verbringen die Menschen ihr aussichtsloses Leben und hängen an lang verloren gegangenen Erinnerungen ehemaliger gemeinschaftlicher Aktivitäten wie Grillfesten, Tanzabenden und dergleichen.

Als Lilly zielstrebig die von Wällen umgebene, baufällige Hauptstraße hinuntergeht, versucht sie das Gefühl zu ignorieren, das sie jedes Mal verspürt, wenn sie die Handlanger des Governors mit ihren AR-15-Maschinengewehren vor den Läden des Städtchens patrouillieren sieht. Die halten nicht nur die Zombies davon ab hereinzukommen … sondern hindern uns auch daran auszubrechen – wie Gefängniswärter.

Lilly ist schon seit Monaten eine nicht gern gesehene Person in Woodbury. Seit ihrem gescheiterten Coup im Januar. Für Lilly war es schon damals offenkundig, dass der Governor einen Schuss weg hatte, dass sein blutrünstiges Regime Woodbury früher oder später in einen Totenkarneval verwandeln würde. Lilly hatte es geschafft, einige der noch vernünftigen Einwohner Woodburys zusammenzutrommeln – darunter auch Dr. Stevens, Alice und Martinez, eigentlich die rechte Hand des Governors –, um den Governor eines Nachts zu entführen und eine Spritztour ins umliegende Zombieland zu unternehmen. Etwas liebevolle Strenge würde ihm guttun. Der Plan lautete, ihn wie aus Versehen einem Beißer zum Abendessen zu servieren. Aber diese Zombies können die Gewohnheit nicht abschütteln, selbst die besten Pläne in Schutt und Asche zu legen, und so waren sie wie aus dem Nichts von einer ganzen Herde umzingelt. Aus der Spritztour wurde ein Überlebenskampf … und der Governor überlebte, um am Tag drauf weiterhin das Zepter Woodburys in der Hand zu halten.

Merkwürdigerweise diente dieser gescheiterte Versuch eines Attentats nur dazu, die Machtposition des Governors zu stärken. Für diejenigen, die bereits in seinem Bann standen, wurde er zu Alexander dem Großen, der nach Mazedonien zurückkehrte … verwundet, angeschlagen, aber nicht kleinzukriegen – ein knallharter Typ, zum Anführer geboren. Niemandem schien es etwas auszumachen, dass ihr Chef offensichtlich – zumindest in Lillys Augen – nichts anderes als ein gewöhnlicher Soziopath war. Dies sind brutale Zeiten, und brutale Zeiten bedürfen brutaler Herrschaft. Und ganz nach dem Motto verhielt er sich auch. Für die Verschwörer wurde der Governor zu einem grausamen Lehrer, der stets voller Freude seine grausamen »Lektionen« verabreichte.

Lilly nähert sich einer Reihe zweistöckiger Backsteingebäude, die am Rand des Geschäftsviertels stehen. Früher einmal nette, kleine Häuser mit Eigentumswohnungen, die jetzt aber alle Anzeichen notdürftiger Unterkünfte für jene tragen, die einen Zufluchtsort vor der Plage suchen. Mit Stacheldraht umwickelte Lattenzäune, brachliegende, steinige Beete, übersät mit Patronenhülsen, und über den Türstöcken herabhängend Bougainvillea-Ranken, tot und braun wie zerfaserte Kabel.

Lilly blickt zu den mit Brettern verschlagenen Fenstern hoch und wundert sich zum hundertsten Mal, warum sie noch immer Teil dieser grässlichen, desolaten, zerrütteten Familie ist, die sich Woodbury nennt. Aber sie kennt die Wahrheit – der einzige Grund ist, dass sie keine andere Wahl hat. Außerhalb der Barrikaden wimmelt es nur so von Beißern, auf den Straßen jenseits der Siedlung lauern Tod und Verwesung. Lilly bleibt hier, weil sie Angst hat, und Angst ist die größte Macht in dieser neuen Welt. Angst treibt die Leute dazu, sich zurückzuziehen, löst Instinkte aus, fördert das Schlechteste im Menschen, von dem man zwar dachte, es sei längst besiegt, das aber nichtsdestoweniger in den Tiefen der menschlichen Seele überlebt hat.

Für Lilly Caul hat das Dasein eines eingesperrten Tieres im Zoo etwas anderes zum Vorschein gebracht, etwas, das sie den Großteil ihres Lebens tief verborgen mit sich herumschleppt, etwas, das sie in ihren Albträumen immer wieder heimgesucht, etwas, das sich tief in ihrem Knochenmark versteckt gehalten hat: Angst vor Einsamkeit.

Sie ist ein Einzelkind, das in der gutbürgerlichen Mittelschicht Mariettas aufgewachsen ist. So spielte sie meistens allein, saß allein im hintersten Eck der Kantine oder des Schulbusses … egal was, sie tat es immer alleine. In der Highschool sorgten ihre aufblühende Intelligenz, ihre Hartnäckigkeit und ihr scharfer Witz dafür, dass sie nie Teil der Cheerleader-Gemeinschaft wurde. Sie wuchs einsam auf, und die Last dieser verborgenen, in ihr schlummernden Angst drohte sie in dieser postapokalyptischen Welt zu zerstören. Sie hat alles verloren, das ihr jemals etwas bedeutet hat – ihren Vater, ihren Freund Josh, ihre Freundin Megan.

Alles. Sie hat einfach alles verloren.

Ihre Wohnung befindet sich am östlichen Ende der Hauptstraße, in einem der heruntergekommensten Backsteingebäude Woodburys. Tote Pflanzen kleben an der Westwand wie Schimmel, die Fenster sind von schwarzen, vertrockneten Ranken eingerahmt. Auf dem Dach sprießen Antennen und uralte Satellitenschüsseln, die mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nie wieder ein Signal empfangen werden. Als Lilly sich ihrer Unterkunft nähert, hat sich die Sonne durch die niedrig hängende Wolkendecke gekämpft und strahlt jetzt mit ihren blassen und doch wärmenden Strahlen auf sie nieder, sodass sie – dick angezogen, wie sie ist – zu schwitzen beginnt.

Sie geht zur Tür, sucht nach ihren Schlüsseln. Plötzlich aber hält sie inne, denn etwas in ihrem Sichtfeld hat ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sie dreht sich um und sieht eine zerlumpte, vorgebeugte Gestalt auf der anderen Straßenseite, einen Mann, der sich gegen ein Schaufenster gelehnt hat. Der Anblick jagt ihr vor Mitleid Schauer über den Rücken.

Sie findet die Schlüssel, steckt sie aber wieder ein und eilt über die Straße auf die andere Seite. Je näher sie der Gestalt kommt, desto deutlicher hört sie die vor Schleim rasselnden, verzweifelten Atemzüge. Die tiefe, keuchende Stimme lallt unverständliche Flüche.

Bob Stookey, einer von Lillys letzten wahren Freunden, liegt zusammengekauert gegen die Tür gelehnt auf der Straße. Er zittert vor sich hin, gekleidet in seine bis auf den letzten Faden abgewetzte, stinkende Wolljacke. In dem Fenster der verlassenen Eisenwarenhandlung über ihm hängt ironischerweise ein von der Sonne verblichenes Schild, das in bunten Buchstaben fröhlich verkündet: WINTERSCHLUSSVERKAUF. Wie ein Haufen Müll liegt der ehemalige Armee-Sanitäter jetzt auf dem Bürgersteig, und es bricht Lilly beinahe das Herz, den Schmerz zu sehen, der sich tief in sein ledriges Gesicht geätzt hat.

Seit den Geschehnissen des letzten Winters ist sein Leben komplett außer Kontrolle geraten, und er ist wohl der einzige Einwohner Woodburys, der noch verlorener ist als Lilly Caul.

»Du armer, armer Kerl«, flüstert Lilly leise, als sie den Arm nach einer schäbigen Wolldecke zu seinen Füßen ausstreckt. Der Gestank von altem Schweiß, kaltem Rauch und billigem Whiskey steigt ihr in die Nase. Sie zieht die Decke über seinen Körper, und eine leere Schnapsflasche rollt aus ihr hervor und zerbirst an der ersten Stufe, die zum Laden führt.

Bob lallt: »… muss es ihr erzählen …«

Lilly kniet sich neben ihn und legt sanft ihre Hand auf seine Schulter. Ob sie ihn wohl auflesen, säubern und von der Straße holen soll? Dann wundert sie sich, ob er mit »ihr« wohl Megan meint. Er hatte sich in das Mädchen verguckt – der Arme –, und Megans Selbstmord hatte ihm den letzten Überlebenswillen genommen. Lilly entscheidet sich dagegen, zieht nur die Decke bis zu seinem Nacken hoch und klopft ihm sanft auf den Rücken. »Ist schon gut, Bob … Sie ist … Sie ist an einem besseren Ort …«

»… muss es erzählen …«

Für einen kurzen Augenblick erschrickt Lilly, als seine Lider flattern, um seine blutunterlaufenen Augen zu öffnen. Hat er sich etwa verwandelt? Ist er zum Zombie geworden? Ihr Herz beginnt zu rasen. »Bob? Ich bin es, Lilly. Du hast einen Albtraum gehabt. Bob!«

Lilly schluckt die Angst runter, weiß, dass er noch unter den Lebenden ist – wenn man es bei ihm so nennen kann –, sich lediglich im Vollrausch befindet und fiebrig vor sich hin träumt – wohl von dem Moment an, als er stolpernd auf eine am Strick baumelnde Megan Lafferty traf, den sie zuvor an einer Holzlatte an der heruntergekommenen Dachterrasse festgebunden hatte.

»Bob …?«

Seine Lider flattern erneut, und er öffnet die Augen. Für einen kurzen Augenblick starrt er schmerzerfüllt und qualvoll ins Leere. »Muss … ihr erzählen … was er gesagt hat«, schnaubt er.

»Bob, ich bin es, Lilly«, wiederholt sie und streichelt sanft seinen Arm. »Ist schon gut. Ich bin es.«

Dann richtet der alte Sanitäter den Blick auf sie, und er flüstert etwas mit stockendem, schleimigem Keuchen, dass es ihr kalt den Rücken hinunterläuft. Diesmal versteht sie jedes Wort. Jetzt weiß sie, wen er mit »ihr« gemeint hat. Er hat nicht von Megan geredet, wie sie vermutet hat. Nein.

Er hat sie gemeint.

Und die Nachricht, die Bob Stookey ihr mitteilen muss, wird sie bis ans Ende ihrer Tage verfolgen.

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