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Was für ein Tohuwabohu! Auf dem Dachboden seines alten Bauernhauses entdeckt Gustav eine Rattenfamilie. Von da an wird sein ruhiges Leben, das er bis dahin mit seiner Frau Hilde und Kater August geführt hatte, völlig auf den Kopf gestellt. Gustav bringt es nicht übers Herz, die Ratten auffliegen zu lassen. Jedes Mal nimmt er die Schuld auf sich, wenn die frechen Rattenkinder wieder etwas im Haus angestellt haben und wird dafür irgendwann für verrückt erklärt. Zu allem Übel bahnt sich für Hilde und Gustav eine Katastrophe an, durch die sie ihr Haus verlieren könnten. Doch wer steckt dahinter, und welche Absichten verfolgen der Bürgermeister von Dingsdorf und Doktor Hasenfuß? Gustav versucht mit allen Mitteln, gegen das Unrecht vorzugehen und erhält dabei unerwartete Hilfe. Doch wird dies ausreichen, um die Katastrophe abzuwenden?
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Seitenzahl: 103
Veröffentlichungsjahr: 2025
Bea Barinski
Tohuwabohu In Dingsdorf
Zum Buch:
Was für ein Tohuwabohu! Auf dem Dachboden seines alten Bauernhauses entdeckt Gustav eine Rattenfamilie. Von da an wird sein ruhiges Leben, das er bis dahin mit seiner Frau Hilde und Kater August geführt hatte, völlig auf den Kopf gestellt. Gustav bringt es nicht übers Herz, die Ratten auffliegen zu lassen. Jedes Mal nimmt er die Schuld auf sich, wenn die frechen Rattenkinder wieder etwas im Haus angestellt haben und wird dafür irgendwann für verrückt erklärt. Zu allem Übel bahnt sich für Hilde und Gustav eine Katastrophe an, durch die sie ihr Haus verlieren könnten. Doch wer steckt dahinter, und welche Absichten verfolgen der Bürgermeister von Dingsdorf und Doktor Hasenfuß? Gustav versucht mit allen Mitteln, gegen das Unrecht vorzugehen und erhält dabei unerwartete Hilfe. Doch wird dies ausreichen, um die Katastrophe abzuwenden?
Zur Autorin:
Bea Barinski lebt mit ihrer Familie und einer wechselnden Anzahl an Hausspinnen in Berlin und liebt es zu reisen und sich in guten Geschichten zu verlieren, die sie in Büchern liest oder selbst zu Papier bringt. Nicht nur deshalb, weil sie im pädagogischen Bereich arbeitet, ist es ihr wichtig, dass ihre Geschichten immer eine positive Botschaft in die Welt hinaustragen.
Bea Barinski
Tohuwabohu
In Dingsdorf
Kinderbuch
Texte:
© Copyright by Bea Barinski, 2025
Alle Rechte vorbehalten.
Kontakt:
Bea Barinski
c/o Block Services #121327
Stuttgarter Str. 106, 70736 Fellbach
Instagram:
bea.barinski_autorin
Cover/Bilder:
Ben Barinski, mit KI-Unterstützung, 2025
Druck:
epubli - ein Service der Neopubli GmbH,
Köpenicker Straße 154a, 10997 Berlin
Dieses Buch, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig.
Alle Personen, Handlungen und Örtlichkeiten sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Inhalt
Inhalt
Die Entdeckung
Erstes Abenteuer
Kaffeeklatsch
Gefahr im Anmarsch
Zweites Abenteuer
Duell im Rathaus
Doktor Hasenfuß
Drittes Abenteuer
Der Saft für Verrückte
Auf in den Kampf
Heimliche Liebe?
Unerwartete Hilfe
Die Katastrophe naht
Die Entdeckung
In einem alten Bauernhaus am Rande eines großen Waldes lebten zufrieden ein alter Mann namens Gustav und seine Frau Hilde. Hinter dem Haus befand sich ein Kartoffelacker, der von den beiden bewirtschaftet wurde.
Es herrschte eine himmlische Ruhe in ihrem Heim. Bis zu jenem Tag, an dem Bauer Gustav auf den Dachboden ging, um ein paar Dinge, die er nicht mehr brauchte, in einer alten Holztruhe einzulagern.
„Ausmisten“ nannte das seine Frau Hilde. Eigentlich meinte Hilde damit, dass er Dinge, die kaputt oder lange nicht benutzt worden waren, wegwerfen sollte. Das klang gerade so, als ob er Mist in seinen Schränken zu liegen hätte. Gustav mochte dieses Wort nicht. Und noch weniger mochte er sich von alten Dingen trennen. Aus drei Gründen, wovon er die ersten beiden Hilde gegenüber stets anpries. Wer weiß, vielleicht würde er in ein oder zwei Jahren genau das wieder gebrauchen können, was er zum jetzigen Zeitpunkt einfach weggeworfen hatte.
Ein gutes Beispiel hierfür war der kaputte Ledergürtel, der knapp zwei Jahre oben in der Truhe gelegen und auf seinen Einsatz bei der Reparatur eines Gartengerätes gewartet hatte.
Dieses Beispiel führte Gustav am liebsten an, wenn Hilde wieder einmal vom Ausmisten sprach. Der zweite Grund war der, dass doch jeder Gegenstand mit irgendwelchen Erinnerungen an frühere Zeiten verbunden war. Wie konnte er diese Erinnerungen, quasi ein Stück seines Lebens, einfach auslöschen, indem er diese kostbaren Gegenstände ausmistete?
Der dritte und letzte Grund bestand vorwiegend aus der Angst, zuzugeben, dass alles irgendwann einmal unnütz werden oder kaputtgehen könnte. Vielleicht auch er, wo er jetzt schon in die Jahre gekommen war. Vielleicht würde man auch ihn irgendwann nach eingehender Überlegung und Begutachtung ausmisten?
Mit einem etwas unguten Gefühl im Bauch und einem defekten Radio in der Hand ging Gustav auf den Dachboden. Hier war alles etwas staubig. Die Sonne fiel mit einem winzigen Strahl aus dem einzigen Dachfenster in den überfüllten Raum. Überall standen alte Kisten, Schränke und Kommoden und dazwischen waren andere Dinge verstreut. Eigentlich müsste Gustav hier mal ordentlich aufräumen.
Er öffnete die große, hölzerne Truhe, in der die ausrangierten Dinge lagen und begutachtete einige von ihnen. Er sah sich alte Fotos an, die nur die Füße der Familienangehörigen oder nur den Himmel zeigten.
Wie gern erinnerte er sich an diese Zeit zurück. Der Fotograf wurde extra zum Geburtstag seines Vaters eingeladen, damit ein schönes Familienfoto erstellt werden konnte. Doch Gustav und sein älterer Bruder Heinz hatten nichts Besseres zu tun, als kurz vor dem Auslösen von ihren Plätzen zu verschwinden und den Fotografen so zu ärgern, dass am Ende nur die Füße oder der Himmel zu sehen waren. Ihr Vater fand das alles andere als lustig, und zur Strafe mussten Gustav und sein Bruder die Küche blitzblank putzen.
Gustav lächelte in Gedanken versunken vor sich hin. Nachdem er ein wenig in der Truhe gekramt hatte, fand er auch seinen alten Fußball wieder, den er von seinem Vater zum zehnten Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Dieser war mittlerweile so kaputt, dass er mehr mit einem matschigen Kürbis als einem Ball gemeinsam hatte. Doch Gustav erinnerte sich gern an die Fußballspiele zurück. Sonntags nahm sich sein Vater immer etwas Zeit für ihn und seinen Bruder, um mit ihnen zu spielen, obwohl er dafür eigentlich gar keine Zeit gehabt hätte, da die Äcker bewirtschaftet und die Tiere versorgt werden mussten. Das rechnete Gustav seinem Vater hoch an.
Nachdem er wieder einmal in Erinnerungen geschwelgt und das defekte Radio in die Truhe gelegt hatte, bekam er einen Schreck. Hinter der Truhe lugte keck eine kleine Ratte hervor, so als wollte sie sagen: „Hallo, hier bin ich!“
Gustav und die Ratte sahen sich einige Sekunden lang tief in die Augen. Plötzlich lugte ein weiteres Köpfchen, dann noch eins, kurze Zeit später ein weiteres und schließlich noch eins hervor. Fünf Ratten saßen Gustav gegenüber und schauten ihm so tief in die Augen, als wollten sie ihn hypnotisieren. Drei der Ratten waren noch etwas kleiner. Das schienen die Kinder zu sein. Die zwei anderen waren wohl die Eltern.
„Hallo, alter Mann! Warum guckst du so, als ob du noch nie eine Ratte gesehen hättest?“, rief plötzlich die Zweitkleinste.
„Tommy“, rief Tammy, das älteste Rattenkind, „der kann dich doch gar nicht verstehen. Nur die kleinen Menschen und wenige große Menschen können uns verstehen.“
„Echt? Das wäre mir gar nicht aufgefallen, wenn du mir das jetzt nicht gesagt hättest“, antwortete Tommy keck. „Zum Glück gibt es große Schwestern. Die sind immer so schlau.“
Jetzt mischte sich auch Timmy, die kleinste Ratte, ein: „Wieso können uns eigentlich viele große Menschen nicht verstehen? Ich dachte immer, wenn man größer wird, wird man auch klüger.“
„Tja, kleiner Timmy“, antwortete Tommy, „so kann man sich eben täuschen. Sieh dir doch nur Mama und Papa an. Sehen die etwa klüger aus als wir?“
„Also jetzt reicht es aber langsam, du Frechdachs!“, schimpfte die Mutter. „Und nun versteckt euch schnell!“
Gustav hatte mittlerweile seine Sprache wiedergefunden und rief laut: „Hilde, komm mal schnell her! Das musst du dir ansehen!“ Nach kurzer Zeit hörte man Hilde die Bodentreppe hochsteigen, ehe sie fragte: „Was ist denn los, Gustav?“
Vier der fünf Ratten waren unterdessen wieder verschwunden. Nur der kleine Timmy steckte seine neugierige Nase noch über die Holztruhe und sah Gustav mit einem Blick an, der sagen wollte: „Bitte verrate uns nicht!“.
Dann verschwand auch er hinter der Truhe. „Gustav“, wiederholte Hilde, „was gibt es denn?“ Gustav räusperte sich kurz. Wenn er Hilde erzählte, dass auf dem Boden Ratten hausten, würde sie den Kater August oder womöglich den Kammerjäger holen. Gustav taten die Ratten auf einmal leid.
Also sagte er, während er vorsichtig den Deckel der Holztruhe hochklappte: „Ähm, Hilde, schau doch mal! Habe ich dir eigentlich schon meinen alten Fußball gezeigt?“
„Aber Gustav, deswegen hast du mich jetzt herbeigerufen? Den hast du mir bestimmt schon hundertmal gezeigt.“
„Aber das Foto mit unseren Füßen, das kennst du doch noch nicht, oder?“
„Doch, mein lieber Gustav, auch das hast du mir bereits einige Male gezeigt. Und auch den ganzen anderen Kram aus dieser Truhe, den du eigentlich schon längst ausgemistet haben solltest, habe ich schon mehrmals zu Gesicht bekommen. Wenn du nichts Wichtigeres hast, würde ich jetzt gern wieder in die Küche gehen, um nach dem Kuchen zu sehen. Du weißt doch, heute Nachmittag bekommen wir Besuch von Schäfers.“
Während Gustav den Kopf schüttelte, kletterte Hilde wieder nach unten. Oh nein, das hatte er ja ganz vergessen. Herr und Frau Schäfer wollten heute Nachmittag zum Kaffee vorbeikommen.
Irgendwie konnte Gustav die beiden nicht leiden. Er mochte weder Frau Schäfers eingebildetes Getue noch Herrn Schäfers überhebliche Art.
Plötzlich hörte Gustav das Maunzen von August, dem Kater. Er durfte keinesfalls auf den Dachboden gelangen. Also schloss Gustav schnell die Truhe, schob August sanft auf die Bodentreppe zurück und schloss die Bodenklappe über sich. August kratzte an der Klappe. Er hatte die Ratten gewittert.
„Komm, August, wir schauen mal, ob Frauchen ein Leckerli für uns hat, ja?“
Auf dem Weg in die Küche überlegte sich Gustav eine Ausrede, um nicht bei diesem schrecklichen Kaffeeklatsch dabei sein zu müssen.
„Du, Hilde“, sagte Gustav, „als ich gerade auf dem Dachboden war, habe ich bemerkt, dass es dort eine undichte Stelle gibt, die ich unbedingt schnellstmöglich reparieren muss. Ich glaube, ich kann heute nicht bei der Kaffeerunde dabei sein. Ich muss noch etwas Hanf zum Abdichten in Dingsdorf besorgen.“
„Willst du dich etwa drücken, Gustav?“ Hilde schaute ihn mit forderndem Blick an. Das ist das Problem, dachte sich Gustav, wenn man länger als fünfzig Jahre zusammen ist. Der andere weiß genau, was los ist. Trotzdem log er.
„Wie kommst du denn darauf? Ich soll mich vor der Kaffeerunde drücken wollen?“
„Etwas Hanf liegt noch in der Scheune“, fiel Hilde ein. „Und du kannst doch Gottfried fragen, ob er dir beim Abdichten hilft.“
Das wollte er nun auf keinen Fall. Gottfried würde ihm wieder die ganze Zeit Vorträge darüber halten, wie man was am besten tut. Und in jedem zweiten Satz müsste er sich dann anhören, dass er ja einmal studiert hat und er sowieso alles besser kann und weiß.
„Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage“, dachte Gustav. Also lenkte er ein.
„Ach weißt du, Hilde, ich glaube, so groß ist das Loch im Dach doch noch nicht. Ich denke, es hat Zeit bis Montag.“
„Also gut, wenn du meinst. Aber vielleicht ist dir Gottfried ja eine Hilfe. Immerhin hat er studiert.“ Gustav rollte mit den Augen.
„So, und schon ist er fertig, unser Kuchen. Sieht der nicht lecker aus?“
„Ja, Hilde“, antwortete Gustav brav. „Du bist einfach die beste Köchin und Bäckerin in ganz …, ähm, auf der ganzen Welt.“
Hilde sah zufrieden ihren Kuchen an. Gustav wusste, dass Hilde nie genug gelobt werden konnte, wenn es um das Kochen und Backen ging.
„So“, sagte Hilde mehr zu sich selbst als zu Gustav, während sie sich die nassen Hände an ihrer Schürze abtrocknete, „jetzt werde ich noch schnell August auf den Dachboden bringen, damit er bei dem Kuchenduft nicht auf dumme Gedanken kommt.“
Gustav nickte teilnahmslos, ehe er registrierte, was seine Frau da vorhatte. Schnell sagte er, während er sich vor sie stellte: „Ach Hilde, du hast heute schon genug getan. Lass mich das mal machen. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, eigentlich kann der Kater bei diesem schönen Wetter doch auch draußen ein wenig herumstreunen und sich die Zeit vertreiben.“
August, der die ganze Zeit um die Beine seiner Herrin herumgeschlichen war, schaute misstrauisch zu Gustav. Hilde blickte ebenso misstrauisch, schob die Küchengardine etwas zur Seite und deutete nach draußen.
„Das soll schönes Wetter sein? Es gießt gerade wie aus Kannen.“
Gustav räusperte sich ein wenig.
„Ach so, na ja, das bisschen Regen. Es wird schon bald wieder aufhören. Siehst du dort den blauen Himmel?“ Er deutete auf ein winziges, blaues Fleckchen am Himmel zwischen schweren, grauen Regenwolken, welches mit dem bloßen Auge kaum sichtbar war. Hilde guckte ungläubig, und August schmiegte sich noch enger an ihre Beine.
„Und außerdem“, fuhr Gustav fort, „habe ich erst kürzlich in einer Zeitschrift gelesen, dass Abhärtung auch für Tiere sehr gut sei.“
„Was, du liest meine Zeitschriften? Ich dachte immer, du hasst sie. Du nennst sie doch immer Klatschzeitschriften.“
