Tom Prox 143 - Erik A. Bird - E-Book

Tom Prox 143 E-Book

Erik A. Bird

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Beschreibung

Es ist ein Raubzug, wie er skrupelloser nicht sein könnte. Als die drei Verbrecher Moyne, Hugh und Winsley in Pierre das Juweliergeschäft von Ambrose Levasier ausnehmen wollen, läuft der Überfall völlig aus dem Ruder. Zurück bleiben zwei Tote, der Juwelier selbst und dessen Haushälterin, beide eiskalt von den Schurken ermordet.
Und sie werden nicht die letzten Opfer bleiben, die auf das Konto dieser brutalen Gang gehen. Denn auf der Flucht in die unwirtlichen, einsamen Badlands von South Dakota taucht das Gangster-Trio bei einem Mustang-Jäger unter, der mit seinem gehbehinderten Vater eine kleine Pferderanch betreibt. Und ausgerechnet hierher verschlägt es auch Ghostsergeant Snuffy Patterson, der mit neuen Ordern auf dem Weg nach Rapid-City ist, wo er eigentlich Captain Tom Prox und seinen Sergeanten-Kollegen Ben Closter treffen soll ...


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Seitenzahl: 154

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Den Finger am Abzug

Vorschau

Impressum

Den Finger am Abzug

Von Erik A. Bird

Es ist ein Raubzug, wie er skrupelloser nicht sein könnte. Als die drei Verbrecher Moyne, Hugh und Winsley in Pierre das Juweliergeschäft von Ambrose Levasier ausnehmen wollen, läuft der Überfall völlig aus dem Ruder. Zurück bleiben zwei Tote, der Juwelier selbst und dessen Haushälterin, beide eiskalt von den Schurken ermordet.

Und sie werden nicht die letzten Opfer bleiben, die auf das Konto dieser brutalen Gang gehen. Denn auf der Flucht in die unwirtlichen, einsamen Badlands von South Dakota taucht das Gangster-Trio bei einem Mustang-Jäger unter, der mit seinem gehbehinderten Vater eine kleine Pferderanch betreibt. Und ausgerechnet hierher verschlägt es auch Ghostsergeant Snuffy Patterson, der mit neuen Ordern auf dem Weg nach Rapid-City ist, wo er eigentlich Captain Tom Prox und seinen Sergeanten-Kollegen Ben Closter treffen soll ...

Ambrose Levasier war klein, schmächtig und alt. Das Haar hing ihm in langer, ungepflegter Mähne den Hinterkopf herunter. Er sah nicht wohlhabend aus. Trotzdem war er einer der reichsten Männer von Pierre.

Den Ranchern in der Umgebung der Stadt ging es gut. Sonst hätte Levasiers Juweliergeschäft nicht das abgeworfen, was es einbrachte.

Es begann zu dunkeln. Der tiefe, enge Laden hätte schon seit einer Stunde Beleuchtung gebraucht. Aber Ambrose war sparsam.

Jenny Tribley, seine Haushälterin, stand neugierig neben ihm, als er die schwere Ledertasche auf den Ladentisch stellte. Er war erst vor fünfzehn Minuten aus Frisco angekommen.

»Ist der Schmuck für Miss Celia Dornfields Hochzeit wirklich so gut geworden, wie Sie ihr versprachen, Mr. Levasier?«

Der Alte küsste seine Fingerspitzen und erwiderte schmunzelnd: »Noch ausgezeichneter, meine Liebe!« Er öffnete die Tasche, legte drei große Schmuckbehälter vor sich hin und öffnete sie. »Mr. Brown hat sich diesmal selbst übertroffen. Miss Dornfields Schmuck stellt ein Vermögen dar, in Dollars umgerechnet.«

Er ließ Jenny Tribley einen Blick in die Kassette tun. Sie stieß ein verzücktes »Ah!« hervor.

In diesem Augenblick wurde die Ladentür geöffnet. Levasier erstarrte, obwohl das Glockenspiel, das durch sie in Bewegung gesetzt wurde, sehr melodisch klang.

Zwei Männer betraten das Geschäft, die Stetsons tief in die Stirn gerückt, Reittücher vor den Gesichtern und Colts in den Händen.

Levasier wollte sich bücken. Unter dem Ladentisch verwahrte er eine ausgezeichnete Schusswaffe, und er verstand es, damit umzugehen.

»Stopp!«, mahnte der eine der beiden drohend. »Eine einzige Bewegung und Sie sind gewesen, Mister!«

»Gehen Sie!«, flehte Levasier, den plötzlich der Mut verließ. »Machen Sie mich nicht unglücklich!«

»Man soll sein Herz nicht an Tand hängen, Alter«, belehrte ihn der Mann auf der anderen Seite des Ladentisches. »Kein Mensch kann etwas ins Grab mitnehmen.«

Jenny Tribley hatte bisher wie versteinert dagestanden. Nun kam Leben in ihr vor Entsetzen verzerrtes Gesicht. Sie wollte schreien.

Der zweite Maskierte sprang über den Ladentisch. Jenny Tribley wich zurück und stieß gegen eine Vitrine.

Todesmut überkam sie. Sie ergriff eine große Vase, um sie dem Angreifer auf den Kopf zu schmettern.

Der kam ihr zuvor, wirbelte den Colt um den Daumen, sodass er ihn beim Lauf zu fassen bekam, und schlug ihr mit dem Kolben gegen die Schläfe.

Sie brach zusammen, ohne einen einzigen Laut von sich zu geben. Die Vase ging in Stücke.

»No!«, schrie Levasier in einer Mischung aus Angst und Wut. »So etwas können Sie nicht tun!«

Blitzschnell bückte er sich. In der nächsten Sekunde hielt er seine Waffe in der Hand.

Ehe er sie hochreißen konnte, hatte der Maskierte durchgekrümmt. Levasiers Gesicht verzog sich schmerzhaft, seine Hand fuhr nach dem Herzen. Im selben Augenblick brach er zusammen.

»Damn!«, zischte der zweite Maskierte. »Das war unklug. Wenn wir Pech haben, ist innerhalb von zehn Minuten die ganze Stadt hinter uns her.«

»In zehn Minuten sind wir längst fort«, erwiderte sein Komplize zuversichtlich. »Pack zusammen, was da ist!«

Sie hatten zwei eigens für diesen Zweck angefertigte Leinensäckchen mitgebracht, stopften den auf dem Ladentisch liegenden Schmuck hinein und räumten dann Vitrinen und Fächer aus.

Während sie in eifriger Arbeit waren, entstand auf der Straße Lärm.

Einer der beiden rannte zur Tür und spähte durch deren kleine Scheiben.

Grinsend wandte er sich zu seinem Kumpan zurück. »Hugh ist in Aktion. Wenn er Glück hat, bedeutet das noch zehn Minuten Zeit für uns.«

»Haltet den Dieb!«, schrie draußen jemand laut und heftig. »Dort reitet er!«

Ein Reiter preschte in vollem Galopp an Levasiers Geschäft vorüber.

Die Männer im Laden grinsten.

»Ausgezeichneter Trick!«, sagte der eine.

»Wenn es klappt!«, entgegnete der andere.

»Warum sollte es nicht klappen?«, fragte der Erste.

Ihre Hände blieben dabei keinen Augenblick müßig. Alles, was von Wert war, wurde in die Leinensäcke gestopft. Sie nahmen Mr. Levasier sogar die Taschenuhr ab und zogen Jenny Tribley den Ring vom Finger.

Dann suchten sie durch die Hintertür das Weite.

Die Banditen schlichen durch Höfe und Gärten. Sie bedauerten, dass es nicht finsterer war. Trotzdem hatten sie Glück. Ungesehen erreichten sie den Stadtrand von Pierre.

Auf einem wüsten, verlassenen Platz, hinter den Ruinen eines schon seit Langem unbewohnten Hauses, standen ihre Gäule. Sie traten in das baufällige Gebäude.

Hier hockte ein dritter Mann auf dem Boden und rauchte eine Zigarette. Als sie eintraten, sprang er auf.

»Well, da seid ihr endlich! Glück gehabt, Moyne?«

Sie zeigten die prall gefüllten Säckchen vor. Er grinste zufrieden.

»Ist wohl am besten, wir machen, dass wir weiterkommen. Was klappte nicht, dass ihr schießen musstet?«

»Der Alte fing mit einem Mal an, verrücktzuspielen. Übrigens – hast deine Sache gut gemacht, Hugh!«

Der andere lachte.

»War verdammt einfach, Moyne! Ich stand nicht weit vom Laden entfernt, hatte den Gaul bei mir und passte auf. Als ich den Schuss hörte, wartete ich, was passieren würde. Die Leute liefen zusammen. Da hielt ich es für besser, sie abzulenken. Also schwang ich mich in den Sattel, schrie ,Haltet den Dieb!' und preschte los. Einige, die ihre Pferde zur Hand hatten, tobten hinter mir her. Am Stadtrand hielt ich, scheinbar enttäuscht, inne. Als die anderen hörten, jemand habe mir die letzten Dollars geklaut, veranstalteten sie eine Sammlung für mich. Sieben Dollar fünfzig – können die Moneten im nächsten Kaff in Whisky umsetzen.«

»Bleiben wir über Nacht hier?«, fragte Winsley, Mann Nummer drei. »Vielleicht wäre es gut. Nachtreisende sind immer auffällig.«

Moyne überlegte. »Der Alte ist hin, daran besteht kein Zweifel. Wie es mit der Frau ist, weiß ich nicht. Vielleicht wacht sie wieder auf und schlägt Alarm. Aber auch, wenn sie ebenfalls tot ist – morgen früh wird die Sache auf jeden Fall entdeckt. Da ist es besser, wir sind bereits eine Anzahl Meilen von der Stadt entfernt.«

»Okay, Moyne, dann reiten wir! Unsere Gäule haben sich inzwischen ausgeruht. Wohin?«

»Badlands, schlage ich vor. Verdammt einsame Gegend. Wenn man es geschickt anstellt, bekommt man wochenlang keinen Menschen zu sehen, und ich habe das Gefühl, wir sollten erst einmal Gras über die Geschichte wachsen lassen. Schmuckstücke sind nicht leicht zu verhökern.«

»Ziemlich weiter Weg! Und ich bin kein Freund der Einsamkeit. Jetzt, wo wir was haben, das zu Zaster gemacht werden kann, will ich die Dollars rollen lassen. Whisky, nette Girls und was sich sonst gehört ...«

Moynes Körper straffte sich. Aus harten Augen blickte er den anderen an.

»Lass dir eines sagen, Freund: Ich habe die Geschichte ausbaldowert, ihr stimmtet zu, dass ich den Boss mache, also möchte ich raten, dass ihr euch nach mir richtet.«

Hugh tat eine beschwichtigende Handbewegung.

»Well, well, Moyne, keiner sagt mehr was. War nur eine winzige, höchst private Ansicht, die Winsley äußerte.«

Mr. Levasiers Tod wurde erst am nächsten Morgen entdeckt. Sheriff Goldwyn stellte die übliche Posse zusammen und suchte die Umgebung ab.

Kein Mensch hatte die Täter gesehen. Niemand wusste etwas. Es blieb Goldwyn nichts anderes übrig, als Meldung an seine vorgesetzte Dienststelle zu erstatten.

Im Headquarter der Ghost Squad saß Oberst Blackbottom hinter dem Schreibtisch. Er zog kräftig an seiner Zigarre, die ausgehen wollte. Dann drückte er auf den Klingelknopf.

Eine sehr attraktive Blondine trat ein. Fragend blickte sie ihren Vorgesetzten an.

»Diktat, Colonel?«

»Wo hält Captain Prox sich zurzeit auf, Maud?«

»Befindet sich mit Sergeant Closter auf dem Weg nach Rapid-City, Colonel. Wahrscheinlich haben sie ihr Ziel inzwischen erreicht. Sergeant Patterson ist nach Erledigung des Crondel-Auftrages auf dem Marsch hierher. Er soll ebenfalls nach Rapid-City, um die beiden anderen dort zu treffen. Sie haben die Sprit-Geschichte zu untersuchen. Sie wissen, worum es sich handelt, Colonel?«

»Was hat es mit dieser Geschichte auf sich?«

»Mutmaßliche Schnapsbrennerei in Rapid-City oder Umgebung. Seit einiger Zeit wird der dortige Distrikt mit unversteuertem, billigem, aber schlechtem Fusel überschwemmt.«

»Nicht so wichtig, als dass sich Captain Prox und sein Team darum kümmern müssten, Maud. Beauftragen Sie jemand anders mit der Sache. Lassen Sie sich von Captain Nord sagen, wer frei ist.«

»Well, Chef!«

»Zitieren Sie Captain Prox hierher. Oder – no, setzen Sie Patterson sofort in Marsch, sobald er aufkreuzt. Schicken Sie ihn zu Prox. Die drei sollen sofort nach Pierre. Überfall auf ein Juweliergeschäft. Zwei Menschen ermordet. Den Banditen fielen Schmuckstücke im Wert von zweihunderttausend Dollar in die Hände.«

»Allerhand, Chef!«

»Telegrafieren Sie an den Sheriff von Rapid-City. Captain Prox wird sich bei ihm melden, sobald er eintrifft. Setzen Sie ihn ins Bild. Tom weiß dann schon, was er zu tun hat. Eine Frage dazu, Girl?«

»Alles klar, Chef!«

Maud verschwand.

Moyne, Hugh und Winsley waren die Nacht hindurch geritten. Als der Morgen graute, wollten ihre Pferde vor Erschöpfung nicht weiter. Sie hatten die Badlands erreicht.

»Kleine Rast!«, befahl Moyne. »Unsere Gäule haben sie verdammt nötig. Können bei der Gelegenheit frühstücken. Den Kaffee müssen wir uns allerdings verkneifen. Kein Rauch in der klaren Morgenluft, verstanden?«

Winsley murrte.

Hugh zog eine Whiskyflasche aus der Satteltasche. »Besser als Kaffee«, erklärte er grinsend. »Wärmt dabei ebenso gut.«

Sie setzten sich, packten ihre Vorräte aus und kauten ein wenig später mit vollen Backen. Die Whiskyflasche kreiste. Je öfter sie daraus tranken, desto zuversichtlicher fühlten sie sich.

»Nun sind wir also am Hintern der Welt, Boss«, meinte Hugh, nachdem er das letzte Stück Speck zwischen die Zähne geschoben hatte. Mit dem Handrücken wischte er den Mund ab. »Wäre schön, wenn du uns sagen würdest, wie es weitergeht.«

»Halte es für richtig, eine Zeit lang das Mäuschen zu machen«, erklärte Moyne gewichtig. »Habe mir sagen lassen, noch weiter hinauf gäbe es Höhlen im Fels. Vielleicht finden wir eine, die als Unterschlupf geeignet ist.«

Winsley verzog den Mund.

»Habe sonst nichts gegen Höhlen. Sind sehr romantisch, solange man davon liest. Wenn man aber darin hausen soll, ist es mit der Romantik Essig. Eine kleine Pinte, in der wir uns als Goldsucher oder Ähnliches ausgeben könnten, wäre mir lieber.«

»Glaube nicht, dass es hier herum Kneipen gibt. Wer sollte sie besuchen? Die Gegend ist zu einsam.«

Plötzlich hoben sie die Köpfe und lauschten. Was sie hörten, war unverkennbar Hufschlag.

»Doch nicht so einsam, wie wir uns einbilden, Boss«, meinte Hugh und griff nach der Halfter.

»Vielleicht ein verirrter Reiter«, sagte Winsley.

»Gleich, wer es ist! Wir sind drei und er nur einer. Kein Grund zur Besorgnis.«

»Also«, beharrte Hugh, »wie geht es weiter, Moyne?«

»Das Wichtigste ist zunächst der Unterschlupf. Wenn wir uns drei, vier Wochen darin verborgen halten, können wir es riskieren, weiterzuziehen. Dann denkt kein Mensch mehr an die Sache in Pierre.«

Plötzlich preschte ein Mustang wie gehetzt dort vorbei, wo sie saßen. Ihm folgte ein junger Mann zu Pferd, das Lasso bereit zum Wurf.

Als das Tier in die Nähe der Lagernden kam, stutzte es und wechselte die Richtung. Der Verfolger geriet dadurch in Verwirrung. Mit einem enttäuschten »Sorry!« gab er die Jagd auf und hielt. Misstrauisch musterte er die drei.

Moyne hielt seinem Blick offen und freimütig stand. Er konnte sehr harmlos tun, wenn es darauf ankam.

»Tut uns leid, Gent, dass wir Ihnen die Beute vergrämten. Konnten aber nicht wissen, dass Sie hier herum Wildpferde jagen. Werden das Biest schon noch bekommen, schätze ich. Wenn nicht heute, dann morgen. Sind ein fixer Bursche.«

Der Reiter schwang sich aus dem Sattel. Er war nicht älter als dreiundzwanzig, eine sehnige Gestalt mit offenem, freimütigem Gesicht.

»Fremd in der Gegend?«, fragte er neugierig.

»Kann man sagen, Gent. Wollen nach Rapid-City, wo wir Geschäfte haben. Kamen in dieser Teufelsgegend vom Weg ab und wissen nicht mehr, wie es weitergeht. Ein Glück, dass wir Sie trafen.«

»Noch weit bis Rapid-City«, entgegnete der junge Mann achselzuckend. »Ihre Gäule sehen nicht aus, als ob sie es in einem Ritt schaffen, Strangers.«

»Hatten es eilig, Gent. Ritten die Nacht durch, und das war unser Verderben. Nun – ein paar Stunden Ruhe machen die Tiere wieder fit. Uns auch. Wenn wir hier herum nur ein Haus fänden! Brauchen etwas Warmes in den Leib.«

Der junge Mann überlegte. »Ich wohne zwanzig Minuten von hier weg. Mit meinem Vater zusammen. Alter Mann, gelähmt, kann sich nur im Rollstuhl fortbewegen.«

»Nicht zu einsam hier?«

»Was soll man machen? Natürlich gibt es weder Acker noch Weide oben bei uns. Leben vom Wildpferd-Fang. Ich reite die eingefangenen Mustangs zu und verkaufe sie nach Rapid-City. Man wird nicht reich davon, kann aber leben.«

»Wenn es nicht unbescheiden von uns ist und wir Ihrem Dad nicht zur Last fallen, Mister ...«

»Fairbanks. Teddy Fairbanks. Ob es Vater recht sein wird, weiß ich nicht. Ein störrisches Pferd brach ihm vor einem Jahr beide Beine. Schlecht verheilt, die Sache. Wo sollten wir einen Doc hernehmen? Seit dem Unfall ist Daddy menschenscheu geworden. Aber ich kann Sie ja schließlich nicht Ihrem Schicksal überlassen.«

»Sind ein netter Kerl, Mr. Fairbanks!«

»Nennen Sie mich Teddy. Bin es nicht anders gewohnt.«

»Okay, Teddy! Ich heiße Moyne, und das sind meine Gefährten Winsley und Hugh. Friedliche Gesellen. Werden uns ausgezeichnet mit Ihnen vertragen.«

Die Hütte der Fairbanks' sah recht ärmlich aus. Sie lag in einem kleinen Felsenkessel, von drei Seiten durch Bergwände eingeschlossen, war aus Holz gebaut und stand mit der Rückseite dicht an einem Steilabfall. Seitwärts, am Rand des Kessels, lag ein Korral, in dem sich ungefähr zehn Broncos befanden.

»Allerhand Glück in letzter Zeit, wie?«, sagte Moyne anerkennend.

»Kann man wohl sagen«, entgegnete Teddy. »Die Hauptarbeit kommt aber erst. Bringt verdammt viel Mühe mit sich, diese Satansbiester zu guten Reitpferden zu machen.«

Moyne lachte. »Wem sagen Sie das? Verstehe genügend von der Kunst des Zureitens, um Bescheid zu wissen. Falls Sie Hilfe brauchen – wären unter Umständen bereit, eine Zeit lang hierzubleiben.«

Teddy blickte ihn misstrauisch an. Hatte der Mann nicht erst vor kurzer Zeit geäußert, sie müssten rasch nach Rapid-City?

Durch die offene Tür kam ein Mann im Rollstuhl gefahren, alt und hinfällig. Er bewegte sich nur mit Mühe vorwärts. Erstaunt blickte er den Männern entgegen, die mit seinem Sohn ankamen.

»Verirrte Reiter, Dad. Bitten um ein warmes Essen und ein paar Stunden Schlaf, ehe sie weiterziehen.«

Der Alte brummte etwas Unverständliches. Man sah ihm an, dass ihm die plötzlichen Gäste nicht recht waren.

»Wenn es nur auf ein paar Stunden ist«, stimmte er schließlich unschlüssig zu.

»Auf keinen Fall länger, Gent!«, versprach Moyne sofort.

Sie schwangen sich aus den Sätteln.

»Was haben Sie denn in den beiden Leinensäcken?«, fragte Fairbanks Sr. mit einem Mal misstrauisch.

»Nichts von Wichtigkeit«, entgegnete Moyne ausweichend. Er hätte Winsley am liebsten einen Tritt versetzt. Ausgerechnet jetzt musste dem Kerl einfallen, die Säcke mit der Beute aus den Satteltaschen zu nehmen.

»Warenproben«, fiel Hugh grinsend ein. »Wie wir Ihnen schon sagten, haben wir Geschäfte in Rapid-City.«

»Nicht zu einsam für Sie, so allein in der Einöde zu wohnen?«, versuchte Moyne, dem Gespräch eine andere Richtung zu geben.

Der Alte schüttelte den Kopf.

»Habe nicht den Wunsch, anderswo zu leben. Hause schon zu lange hier oben, um mich nach einer Veränderung zu sehnen. Lebe im Übrigen nicht mit Teddy allein. Habe noch einen zweiten Sohn. Red. Ein Jahr älter als Teddy. Ausgezeichnete Boys, alle beide.«

»Dann werden wir Red also auch noch kennenlernen?«

»Glaube es nicht. Ist nach Frisco. Behagte ihm nicht mehr hier in der Einsamkeit. Hat dort eine Stellung angenommen.«

Winsley wollte die Leinensäckchen auf der Bank neben der Haustür abstellen. Plötzlich entglitt ihm eines davon. Die Schnur, mit der es zugebunden war, riss. Sein Inhalt fiel heraus und verstreute sich über den Boden.

Der Alte machte große, ungläubige Augen. Fragend blickte er Moyne an.

Winsley mühte sich, die Schmuckstücke rasch wieder zusammenzulesen.

Moyne tat nebensächlich. »Ungeschickter Bruder!«, schalt er Winsley.

»Darf ich erfahren, wie Sie zu dem Zeug da kommen?«, fragte der Alte argwöhnisch. »Sie werden verstehen, dass mir das nicht gleichgültig sein kann.«

Moyne lachte. »Ich sagte Ihnen ja, dass wir Geschäfte in Rapid-City haben. Handeln mit diesem unnützen Kram. Von etwas muss der Mensch ja leben.«

»Es sieht eher aus ... als ob Sie ...« Fairbanks vollendete den Satz nicht. Er maß den anderen mit einem durchdringenden Blick. »Gehen Sie fort!«, verlangte er plötzlich aufgeregt. »Gehen Sie weg von hier! Ich will nicht ... mit Banditen will ich nichts zu tun haben!«

»Yeah, glauben Sie denn wirklich, wir seien Gangster?«

Der Alte unterbrach ihn wild. »Sie sollen gehen! Je eher Sie fort sind, desto besser! Ich will Sie nicht mehr sehen!«

Moyne wurde unwillig.

»Was wollen Sie denn, Sie alter Narr? Seien Sie nicht kindisch! Kann Ihnen doch gleich sein, woher wir das Zeug haben und wohin wir damit gehen!«

Der Alte zog mit einem Mal einen Colt unter der Wolldecke hervor, die seine hilflosen Füße bedeckte.

»Gehen Sie, habe ich gesagt! Will nichts mit Ihnen zu tun haben! Steigen Sie auf Ihre Pferde, und ...«

Plötzlich und so unvermutet, dass Winsley und Hugh ihn verblüfft anstarrten, warf Moyne sich auf Fairbanks, um ihm den Colt zu entreißen.

Aber der Alte war kräftiger, als er angenommen hatte, und wehrte sich heftig.

»Teddy!«, schrie Fairbanks wild. »Zu Hilfe, Teddy!«

Moyne entwand ihm die Waffe. Um seinen Mund legte sich ein teuflischer Zug. Er richtete den Lauf gegen den Alten und krümmte kaltblütig durch.

Teddy stürzte aus dem Haus – nur, um noch zu sehen, wie sein Vater vornüber sank und aus dem Rollstuhl fiel.

In derselben Sekunde hatte er seinen Colt in der Hand. »Das sollt ihr mir büßen!«

Aber Moyne war schneller als er. Es knallte zweimal kurz hintereinander.

Teddys Hand fuhr zum Herzen und krampfte sich dort zusammen. Langsam wie eine Marionette, deren Drähte gerissen sind, drehte er sich einmal um sich selbst und sackte zu Boden.

»Was, um des Satans willen! – Das war aber doch nicht nötig!«, keuchte Winsley entsetzt. »Warum hast du die beiden ... ?«

Triumphierend blickte Moyne ihn an.

»Well – glaubst du, sie hätten uns nicht schnellstens angezeigt? Wenn ein Idiot wie du einen Fehler begeht, muss ich die Konsequenzen ziehen. Im Übrigen ist etwas an der Sache, was bisher weder du noch Hugh begriffen haben. Jetzt brauchen wir nicht mehr von hier wegzugehen.«