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Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Eine bittere Erfahrung, die auch all diejenigen machen müssen, die auf die Aktienschwindler-Bande hereingefallen sind. Die Banditen verkaufen Anteile an vermeintlichen, ergiebigen Gold-Claims, die tatsächlich aber kaum mehr als eine Handvoll Gold enthalten.
Längst sind Captain Tom Prox und Sergeant Snuffy Patterson dieser Bande auf der Spur. Als die Gangster aber die Mescalero-Apachen mit allerlei Mummenschanz und falschen Versprechungen aufhetzen, droht alsbald ein neuer blutiger Krieg mit den Indianern, der unzählige Opfer fördern könnte. Nur die beiden Ghosts könnten das jetzt noch verhindern, dann aber geraten sie selbst in allerhöchste Lebensgefahr. Häuptling Großer Bär verurteilt die Freunde zum Tod am Marterpfahl ...
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Seitenzahl: 153
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Das Ende eines großen Bluffs
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
Impressum
Das Ende einesgroßen Bluffs
Von Erik A. Bird
Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Eine bittere Erfahrung, die in diesen Tagen auch all diejenigen machen müssen, die auf die Aktienschwindler-Bande hereingefallen sind. Die Banditen verkaufen Anteile an vermeintlich, ergiebigen Gold-Claims, die tatsächlich aber kaum mehr als eine Handvoll Gold enthalten.
Längst sind Captain Tom Prox und Sergeant Snuffy Patterson dieser Bande auf der Spur. Als die Gangster aber die Mescalero-Apachen mit allerlei Mummenschanz und falschen Versprechungen aufhetzen, droht alsbald ein neuer blutiger Krieg mit den Indianern, der unzählige Opfer fordern könnte. Nur die beiden Ghosts könnten das jetzt noch verhindern, dann aber geraten sie selbst in allerhöchste Lebensgefahr. Häuptling Großer Bär verurteilt die Freunde zum Tod am Marterpfahl ...
Blauweiß züngelten die feurigen Schlangen der Blitze aus dem pechschwarzen Firmament und warfen gespenstische Lichter über die Zacken des wilden Gebirges, das sich aus dem grünen Meer des Nadelwalds in fantastischen Formen in den Himmel erhob. Um die spitzen Basaltnadeln geisterten die leuchtenden Entladungen der Elmsfeuer gleich geheimnisvollen Aureolen. In unablässiger Reihenfolge rollten krachende Donnerschläge. Ein schweres Gewitter tobte über der Reservation der Mescalero-Apachen.
Nahe der Spitze eines kegelförmigen Berges, der aus einem gewaltigen Talkessel wohl fünfhundert Meter hoch in die dunkle Nacht ragte, trat ein Mann in den Eingang einer Höhle und blickte hinaus in das Rasen der Elemente.
Das fahle Licht der Blitze verlieh dem von einem weißen Bart umrahmten und von unzähligen Falten durchzogenen Gesicht des Mannes ein dämonisches Gepräge.
Unbeweglich wie eine Bildsäule starrte er minutenlang in den Talkessel hinunter. Erst als aus dem alles verhüllenden Wolkenvorhang erlösender Regen fiel, kam wieder Leben in seine Gestalt. Er wandte sich ab und verschwand im Innern des Berges. Weit hinten in der Höhle flackerte ein grünes Licht und zauberte huschende Schatten auf die dunklen Felswände.
Der Mann trug Stiefel mit dicken Gummisohlen, sodass seine Schritte gänzlich unhörbar waren, als in die kleine Felshalle trat, in der sich die Lichtquelle befand.
An der Decke des Gewölbes hing eine kopfgroße Kristallkugel, in der grüne Dämpfe zischten und brodelten. Das smaragdfarbene Licht, das sie aussandten, brach sich hundertfach und hüllte die Felsenhalle in einen zauberhaften, von Strahlenbündeln durchzuckten Schein.
Im Hintergrund des Gewölbes stand neben einem durch Sackleinen verhüllten Ausgang ein hoher, mit Fell überzogener Lehnstuhl. Sonst war es hier gänzlich leer. Der alte Mann setzte sich auf den Stuhl und wartete.
Das eintönige Rasen des Regens, der draußen über das Gebirge niederging, wurde allmählich schwächer und verstummte schließlich ganz. Noch eine Viertelstunde verging; dann wurden in dem Gang Schritte laut, und sieben hochgewachsene Indianer erschienen in der Halle. Grüßend hoben sie die Hand an die Stirn und setzten sich auf eine Handbewegung des Alten im Halbkreis vor ihm nieder.
»Seid mir gegrüßt, ihr Weisen der Mescaleros!«, sagte der Mann auf dem Stuhl mit einer tiefen, metallenen Stimme. »Ich habe euch gerufen, um mit euch über das Wohl eures Volkes zu beraten.«
»Wir haben dein Licht gesehen, heiliger Mann«, antwortete einer der Roten, der an seinem Federschmuck als Häuptling zu erkennen war. »Und wir haben erkannt, dass du ein mächtiger Zauberer bist. Der Regen, den du herbeigerufen hast, wird das verdorrte Land neu beleben.«
»Ich lebe nur noch für die Mescaleros«, erwiderte der Alte. »Durch mich werdet ihr, du und dein Volk, zu neuer Macht und Größe kommen. Meine eigenen Brüder haben mich aus ihren Reihen ausgestoßen, weil ich für die roten Männer eintrat. Jetzt sind sie meine Feinde, die ich mit eurer Hilfe vernichten werde, wenn der Tag gekommen ist. Morgen treffen meine Agenten mit achthundert Gewehren und ebenso vielen Revolvern am ›Turm der Adler‹ ein. Sie bringen auch viele Kisten Munition mit. Jeder der Männer deines Stammes wird eine Winchesterbüchse und einen Revolver erhalten. Hast du das Geld für die Waffen, Großer Bär?«
»Es liegt bereit«, antwortete der Häuptling.
»Gut. Mit diesen Waffen kannst du die Reservation verteidigen, wenn die habgierigen Blassgesichter in eure letzte Zuflucht eindringen wollen, um hier nach Erz zu graben. Ich aber werde euch mit Blitz und Donner zu Hilfe kommen, wenn es notwendig sein sollte.«
Die Indianer neigten zustimmend ihre Köpfe. Nur einer von ihnen ließ ein verächtliches Zischen hören. Respektlos blickte er auf den Alten.
»Du lügst, Heiliger«, sagte er. »Es gibt keine Zauberer. Ich habe vier Jahre unter den Weißen gelebt und weiß, dass es sinnlos ist, mit ihnen einen Krieg zu beginnen.« Er blickte den Alten durchdringend an. »Außerdem wird uns niemand aus der Reservation vertreiben wollen. Unsere Grenzen sind garantiert, und alles, was sich innerhalb des Territoriums befindet, ist unser Eigentum. Niemals wird ohne unsere Zustimmung auf unserem Gebiet nach Erz geschürft werden. Die Gesetze der Regierung sind ganz eindeutig. Wir haben unsere Verträge mit Washington.«
»Gesetze!« Der Alte lachte höhnisch. »Die Weißen haben alle Gesetze, die zu eurem Schutz erlassen wurden, gebrochen! Sie sind von dem großen Wasser der aufgehenden bis zum großen Wasser der untergehenden Sonne vorgedrungen. Ihr Weg ist gepflastert mit gebrochenen Versprechungen und gesäumt von den Gräbern der Söhne des Großen Geistes. Sie werden auch dieses Mal nicht anders handeln.«
»Sie werden es«, widersprach der Indianer. »Denn sie besitzen das ganze Land mit all seinen Bodenschätzen und werden es niemals riskieren, sich der Entrüstung in ihren eigenen Reihen auszusetzen, indem sie uns aus der Reservation vertreiben. Die Zeit hat sich wesentlich geändert. Das weißt du am besten, der du hier den Heiligen spielst und meinen Stammesbrüdern dein Theater vorführst, um sie zu Torheiten zu verlocken, die nur zum Untergang der Mescaleros führen können.«
In dem faltigen Gesicht des alten Mannes regte sich bei diesen Beschuldigungen kein Muskel, aber in seinen großen, dunklen Augen erschien ein böses Funkeln.
»Habe ich nicht den Regen herbeigezaubert, Männer der Mescaleros?«, wandte er sich an die übrigen Anwesenden.
»Ja«, bestätigten diese einstimmig.
»Bah«, sagte der Indianer, der den Alten angegangen hatte, »in den großen Städten der Weißen gibt es Stationen, die vierundzwanzig Stunden vorher sagen können, ob es regnet. Lasst euch von diesem Lügner nicht übertölpeln! Ihr rennt sonst ins Verderben! Niemals könnt ihr den Weißen widerstehen, wenn ihr den Kriegspfad beschreitet.« Er überlegte kurz.
»Denkt nur an die Yaqui in Mexiko, die sich nach ihrem Aufstand ins Gebirge zurückzogen und deren Felsenfestungen von den Bomben tragenden Metallvögeln der Weißen vernichtet wurden! Uns würde es nicht anders ergehen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat Soldaten, zahlreich wie die Körner des Sandes am großen Wasser, und sie haben Maschinengewehre und Kanonen ...«
»Die ihnen gar nichts nützen werden«, unterbrach ihn der Alte, »denn ich werde sie allesamt mit meinen Blitzen zerschmettern. Mein ist die Macht über Wasser und Feuer.«
»So beweise es!«, forderte ihn der Indianer auf. »Ich habe dich einen Lügner genannt. Zerschmettere mich, wenn du es vermagst!«
Langsam richtete sich der Alte in seinem Stuhl auf. Seine Augen schienen beinahe zu brennen vor Wut.
»Ihr habt es gehört, Männer der Mescaleros!«, sagte er zu den anderen Rothäuten. »Er hat es selbst so gewollt.«
In atemloser Spannung starrten die Indianer auf den Alten, der sich erhob und mit ausgestreckten Armen auf seinen Herausforderer zuschritt. In seinem weiten schwarzen Umhang, dessen bauschige Ärmel seine Hände verdeckten, machte er einen unheimlichen Eindruck.
»Du hast den Gesandten Manitus beleidigt, Flinker Puma«, knirschte er düster. »Stirb!«
Sein Gegner lachte verächtlich auf. Aber noch während dieses Lachen durch das Gewölbe klang, zuckte ein blauer Blitz aus dem Ärmel des Alten, und Flinker Puma brach zusammen.
»Weh!«, schrien die Indianer. Wie ein Mann federten sie aus der Hocke hoch und rannten zu dem Niedergestreckten, der mit verzerrtem Gesicht auf dem Rücken lag. Mitten auf seiner Stirn befand sich ein schwarzer Fleck verbrannter Haut.
»Der Blitz hat ihn getroffen!«, flüsterte Großer Bär.
Gleich seinen Männern hob er den entsetzten Blick zu dem Alten, der mit verschränkten Armen vor seinem Opfer stand.
»Glaubt ihr nun, dass ich dem Feuer gebiete?«, fragte der alte Mann kalt. »So wie ich diesen hier erschlagen habe, der an meiner Macht zweifelte, so kann ich auch die Soldaten vernichten.«
Der Häuptling trat vorsichtshalber einen Schritt zurück.
»Wir glauben dir, heiliger Mann«, antwortete er noch ganz unter dem Eindruck des Geschehnisses, »und wir werden tun, was du uns rätst. Morgen werden meine Männer am ›Turm der Adler‹ sein, um die Waffen zu holen. Was soll weiter geschehen?«
»Ich werde erst Manitu in der Flamme befragen«, sagte der Alte, indem er die Verschränkung seiner Arme löste. »Kommt!«
Er verließ die Halle und schritt dem auf Ausgang der Höhle zu. Zwei der Indianer fassten den Toten auf einen Wink ihres Häuptlings unter den Armen und an den Beinen und trugen ihn hinter den anderen Mescaleros her, die scheu dem Alten folgten. Der führte sie in eine muldenförmige Vertiefung neben dem Höhleneingang, die von Krüppelkiefern gesäumt war. Inmitten der Mulde blieb der Alte stehen und breitete beschwörend die Arme aus.
»Erscheine, Geist der Flamme!«, rief er mit lauter Stimme.
Alsbald schoss aus der Erde eine drei Meter hohe, zischende Lohe. Unter Schreien des Entsetzens wollten die Indianer vor dieser Erscheinung die Flucht ergreifen, doch ein Befehl des Alten bannte sie auf die Stelle.
»Was sollen die Söhne der Mescaleros tun, großer Manitu?«, fragte er dann.
Da erklang eine dröhnende Stimme: »Die Grenzen ihres Landes besetzen und jedes Blassgesicht töten, das sie überschreiten will. Ich will meine roten Kinder zum Sieg führen und ihnen all das wiedergeben, was ihren Vätern geraubt wurde!«
Die Indianer hatten sich mit dem Gesicht auf die Erde geworfen, als die geisterhafte Stimme ertönte. Jetzt erhoben sie sich zitternd und starrten in die Luft. Aber keine weitere Botschaft kam mehr von oben.
»Kehrt nun wieder in euer Lager zurück, meine roten Brüder, und verkündet eurem Volk, was Manitus Wille ist!«, sagte der Alte. »Wenn sein Geist mich wieder ergreift, werde ich euch rufen.«
Verabschiedend hob er die Hand und verschwand in der Höhle. Schleunigst hoben die Indianer ihren toten Stammesgenossen auf und machten sich an den Abstieg.
Mittlerweile war der Alte wieder in der Halle angelangt. Dort warf er den schwarzen Umhang ab und schnallte einen länglichen, schwarzen Kasten los, der an seinem Gürtel hing. Das Kabel, das um seinen rechten Arm geschlungen war und in einer metallenen Spitze endete, entfernte er ebenfalls und warf den ganzen Apparat achtlos auf den Stuhl, auf dem er gesessen hatte.
Dann steckte er zwei Finger in den Mund und stieß einen grellen Pfiff aus. Es dauerte eine halbe Minute, bis die Sackleinwand, die den hinteren Ausgang der Halle bedeckte, zurückgeschlagen wurde. Ein Mann von zwergenhafter Gestalt erschien in der Öffnung. Er war kaum eineinhalb Meter groß und besaß einen mächtigen Buckel, aber sein schmales Gesicht verriet hohe Intelligenz.
»Ging alles glatt, Boss?«, erkundigte er sich.
»Klar«, antwortete der Alte. »Ich habe diesen verdammten Flinken Puma, der mir im Wege stand, töten können, ohne beim Häuptling Verdacht zu erregen. Jetzt haben wir die Roten völlig in der Hand. Sie werden alles tun, was ich will. Du hast übrigens ausgezeichnet gearbeitet, Ted, und den Lautsprecher an der richtigen Stelle montiert. Die Stimme klang, als ob sie direkt aus der Luft gekommen wäre.«
Der Bucklige kicherte geschmeichelt.
»Und der Trick mit dem Karbid?«, fragte er. »War der nicht gleichfalls gut?«
»Tadellos. Die Roten fielen vor Schreck beinahe um, als die Flamme aus der nassen Erde schoss. Wie hätten sie auch ahnen sollen, dass wir heute Abend dort ein paar Kilo Karbid in wasserdurchlässigen Tonkästen vergraben haben, sodass Acetylen-Gas entstand, als Regenwasser eindrang.«
»Hat keiner gemerkt, wie du die Zündpille fallen ließest?«
»Keiner. Es war viel zu dunkel, und außerdem waren sie durch den Blitz, mit dem ich den verdammten Kerl umbrachte, noch viel zu sehr beeindruckt. Ohnehin hätten sie die Zusammenhänge niemals begriffen.«
Der Bucklige rieb sich die Hände. »Du bist also jetzt der große Medizinmann, der nur an der Strippe zu ziehen braucht, damit diese roten Marionetten tanzen. Können wir nicht von dem Häuptling erfahren, woher er das Gold hat, mit dem er die Waffen bezahlt?«
»Das weiß ich längst. Aber damit lässt sich kein großes Geschäft machen. Es ist Schwemmgold, das die Mescaleros mühevoll aus den Gebirgsbächen herausgewaschen haben. Die Ausbeute ist gering. Vielleicht würde es sich lohnen, wenn wir den Adern nachspüren würden, die irgendwo oben im Gebirge sitzen. Aber dann müssten wir einen regelrechten Minenbetrieb aufziehen, und das können wir nicht, ohne dass der Regierungskommissar auf uns aufmerksam wird. Also lassen wir am besten die Finger davon. Wir verdienen unser Geld mit der bisherigen Methode leichter und gefahrloser.«
»Okay. Wie läuft übrigens unsere bisherige Aktion?«
»Wie am Schnürchen. Die Boys haben ein einwandfreies Gutachten beschafft und wieder eine ganze Menge Gimpel getäuscht. Schätzungsweise werden wir über eine halbe Million kassieren können.«
»Großartig«, sagte der Bucklige. »Und wie lange, glaubst du, werden wir dieses einträgliche Geschäft noch betreiben können?«
»Noch jahrelang. Nur müssen wir unsere Tätigkeit jetzt ins Ausland verlegen. Hier in den Staaten werden die Burschen allmählich misstrauisch. Der nächste Claim wird in Mexiko angelegt. In den nächsten Tagen fahren wir dorthin. Bereite alles vor.«
Im Nachrichtenraum des Hauptbüros der Special-Police in San Francisco klapperte ein Telegrafenapparat und spie einen langen Papierstreifen aus. Der Telegrafist riss ihn ab und brachte ihn in das Nebenzimmer.
»Telegramm für den Boss«, meldete er lakonisch.
Der Mann, der vor der Dechiffriermaschine saß und mit gelangweiltem Gesicht durch das breite Fenster den Straßenverkehr beobachtet hatte, nahm den Streifen und steckte ihn zwischen die Gleitrollen der Maschine. Auf einen Hebeldruck begann der Apparat zu arbeiten. Tacktacktack ... tacktacktack ... tacktacktacktack ... machte es, und hinter der Glasscheibe rollte der Klartext des Telegramms ab.
Halblaut las der Mann mit: »Zentrale an Frisco ... geheim! Neuer Aktienschwindel größten Ausmaßes bei angeblichen Goldfunden in der mexikanischen Tierra Fria, hundert Meilen westlich von Tampico, vermutet. Stopp! Bekannter Geologe Dr. Harrington mit Gutachten beauftragt. Benachrichtigte uns. Stopp! Expedition bricht vierundzwanzigsten August von Tampico auf. Stopp! Beobachten Sie Begleitmannschaft und stellen Sie fest, ob alles in Ordnung.
Colonel Steele«
Und nur wenige Minuten später hatte der Mann die Nachricht in der Hand, für den sie bestimmt war: Tom Prox.
Der Alte vom Berg war ein Mann von großem Verstand. Aber es gibt kein menschliches Gehirn, das alle Dinge voraussehen kann. Niemals hätte er sich vorstellen können, dass ausgerechnet eine einfache Indianerin auf die Idee kommen würde, seine Geheimnisse auszuspionieren.
Abergläubische Furcht hielt die Mescaleros von seinem Wohnsitz fern, und noch nie hatte es einer der Roten gewagt, sich ohne ausdrückliche Einladung der Höhle zu nähern.
Doch Nautla, die Frau von Flinker Puma, hatte die Missionsschule besucht, und ihr erschlagener Gatte hatte ein Übriges getan, um sie von allem Aberglauben zu befreien.
Nachdem die Mescaleros ihr den Toten in das Zelt gebracht hatten, war sie, dem Brauch ihres Volkes folgend, in lautes Klagegeschrei ausgebrochen. Aber nachdem Flinker Puma begraben worden war, dachte sie nur noch an Rache.
Tagelang lag die junge Indianerin auf der Lauer und beobachtete den Höhleneingang.
Sie wusste, dass der Alte oft wochenlange Reisen unternahm, und wollte die Gelegenheit nutzen, sich während seiner Abwesenheit in der Höhle umzusehen. Und ihre Ausdauer wurde belohnt.
Am dritten Tag erschienen in der Abenddämmerung der Alte und sein buckliger Diener auf dem schmalen Pfad, der in den Talkessel hinunterführte. Nautla sah ihnen mit zusammengepressten Lippen nach, bis sie auf ihren Maultieren im Fichtenwald verschwunden waren; dann machte sie sich an den Aufstieg.
Der Mond war bereits herausgekommen und breitete sein silbernes Lichtnetz über dem Gebirge aus, als sie den Höhleneingang erreichte. Schwarz gähnte das Felsentor, und im Hintergrund des Ganges zuckten gespenstisch die grünen Lichtstrahlen der leuchtenden Kristallkugel über die Wände.
Einen Augenblick zögerte die Indianerin. Aber dann gab ihr der Hass auf den Mörder ihres Mannes den Mut, den Gang zu betreten. Sie hatte jedoch kaum einige Schritte gemacht, als plötzlich ein gellendes Geheul an ihre Ohren drang. Gleichzeitig erschien an der linken Wand wie aus dem Nichts ein ungeheurer Wolf. Die Bestie hatte den gewaltigen Rachen weit aufgerissen, und ihre tellergroßen Augen brannten in grün phosphoreszierendem Glanz.
Diesem Anblick waren die Nerven Nautlas nicht gewachsen. Schieres Entsetzen durchzuckte sie. Unfähig, sich zu rühren, starrte sie auf die grausige Erscheinung; dann wurden ihr die Knie weich. Lautlos sackte sie zusammen.
Minuten vergingen, ehe sie das Bewusstsein wiedererlangte. Furchtsam öffnete sie die Augen. Das Geheul war verstummt. Aber noch immer hockte die entsetzliche Bestie sprungbereit im Dunkel.
An allen Gliedern zitternd und mit klappernden Zähnen, kroch die Indianerin zurück. Plötzlich hörte sie ein Knacken; dann war das Phantom wie weggewischt.
Nautla presste beide Hände auf die wogende Brust und biss sich so fest auf die Unterlippe, dass sie blutete.
»Ich muss hinein!«, flüsterte sie. »Ich muss! Es gibt keine Gespenster!«
Erneut machte sie ein paar Schritte in den Gang hinein, und wieder sprang das heulende Untier aus der Finsternis. Nautla sträubten sich die Haare, und sie hielt sich vor den fürchterlichen Lauten die Ohren zu.
Aber dieses Mal wurde sie weder ohnmächtig noch ergriff sie die Flucht. Die Augen fest auf die Erscheinung gerichtet, drückte sie sich auf der anderen Seite des Ganges an ihr vorbei. Mit einem letzten, schaurigen Ton erstarb das Wolfsgeheul; dann erklang wieder das Knacken, und der Gang lag im Dunkeln.
Mit klopfendem Herzen schritt die Indianerin weiter. Immer wieder blickte sie sich nach der unheimlichen Bestie um, doch hinter ihr herrschte Grabesstille. Ungefährdet erreichte sie die Halle und blickte zu der Kristallkugel empor, in der es noch immer zischte und brodelte.
Das fantastische Spiel der grünen Lichtbündel verfehlte nicht seinen Eindruck auf ihr Gemüt, in dem die Tradition abergläubischer Ahnen mit ihrem nüchternen Verstand kämpfte, den die Missionsschule und ihr freigeistiger Gatte in ihr erweckt hatten.
Dann gewahrte sie den verhangenen Ausgang und schritt darauf zu.
Als sie die Sackleinwand hob, sah sie einen dunklen Gang, der schnurgerade weiter in den Berg hineinführte. Sie brachte ein Talglicht zum Vorschein und zündete es an. Die kleine Flamme vor der Zugluft schützend, ging sie weiter.
Nach etwa zehn Metern erreichte sie ein kleines Gewölbe, das anscheinend das Ende der Höhle bildete. Enttäuscht sah sie sich um. Zwei schmale Feldbetten, ein Tisch und zwei roh gezimmerte Schemel bildeten das ganze Mobiliar. In einer Ecke befand sich eine gemauerte Feuerstelle unter einer schmalen Öffnung in der Decke.