Tom Prox 148 - Derrick Day - E-Book

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Derrick Day

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Beschreibung

Jesse Owens, der mit Abstand reichste Großgrundbesitzer in der Umgebung von Greenvillage, ist einem feigen Anschlag zum Opfer gefallen. Am Tatort trifft Sheriff Duke auf Larry Box und verhaftet diesen sogleich wegen Mordes, obwohl Box seine Unschuld beteuert. Aber der junge Cattle-Besitzer lag schon länger im Clinch mit dem alten Owens, nicht zuletzt, weil sich Larry und Owens‘ Tochter lieben und heiraten wollen.
Eigentlich mochte jeder in Greenvillage den stets freundlichen, hilfsbereiten Larry, nun aber schwenkt die Stimmung um. Alle Indizien sprechen gegen ihn, und kaum einer glaubt noch an seine Unschuld. Ausgerechnet Mabel aber hält weiterhin zu ihrem Verlobten, und auch Box‘ bester Freund, der Cowboy George Haller, ist überzeugt, dass Larry niemals einen Menschen feige von hinten erschießen würde.
In seiner Not wendet sich Haller an einen alten Bekannten. Und schon bald tauchen zwei seltsame Cowboys mit noch seltsameren Namen, Lucky und Funny, in Greenvillage auf ...

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Seitenzahl: 164

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Ähnliche


Inhalt

Cover

Trio der Ehrlosen

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

Vorschau

Impressum

Trio der Ehrlosen

Von Derrick Day

Jesse Owens, der mit Abstand reichste Großgrundbesitzer in der Umgebung von Greenvillage, ist einem feigen Anschlag zum Opfer gefallen. Am Tatort trifft Sheriff Duke auf Larry Box und verhaftet diesen sogleich wegen Mordes, obwohl Box seine Unschuld beteuert. Aber der junge Cattle-Besitzer lag schon länger im Clinch mit dem alten Owens, nicht zuletzt deshalb, weil sich Larry und Owens' Tochter lieben und heiraten wollen.

Eigentlich mochte jeder in Greenvillage den stets freundlichen, hilfsbereiten Larry, nun aber schwenkt die Stimmung um. Alle Indizien sprechen gegen ihn, und kaum einer glaubt noch an seine Unschuld. Ausgerechnet Mabel aber hält weiterhin zu ihrem Verlobten, und auch Box' bester Freund, der Cowboy George Haller, ist überzeugt, dass Larry niemals einen Menschen feige von hinten erschießen würde.

In seiner Not wendet sich Haller an einen alten Bekannten. Und schon bald tauchen zwei seltsame Cowboys mit noch seltsameren Namen, Lucky und Funny, in Greenvillage auf ...

1. Kapitel

Dumpf polterten die Hufe des Fuchses über das dicht gewachsene Weideland. Das Tier schien seinen Weg genau zu kennen. Ohne jede Hilfe trabte es zielsicher durch die Landschaft. Die Sonne hatte noch nicht die obersten Zacken des fernen Colorado-Plateaus erreicht. In der Ferne trieben einige Cowboys eine kleine Herde junger Rinder in Richtung Greenvillage davon.

Demnach war es jetzt ungefähr neun Uhr. Der Güterzug würde die Kleinstadt gegen elf verlassen, und wahrscheinlich sollten die Tiere noch mit.

Sheriff Duke blinzelte ein wenig. Die Männer würden sich verdammt beeilen müssen, wenn sie die Herde noch bis zur Abfahrt verladen wollten. Aber was ging ihn das an? Er hatte schlimmere Sorgen.

Da war dieser verdammte Streit des alten Owens mit Larry Box. Beide waren eigentlich vernünftige Burschen, und man wusste wahrhaftig nicht, wie die Sache ausgehen sollte. Ohne Zweifel waren beide im Recht, aber der Rancher Owens war dennoch im Vorteil.

Eine uralte Verfügung der Regierung besagte nämlich, dass staatliches Weideland nur so lange Allgemeingut war, wie kein Käufer darüber mit den Behörden verhandelte. Für die Dauer solcher Verhandlungen durfte das strittige Land nicht mehr genutzt werden.

Wahrscheinlich war dieser Paragraf geschaffen worden, um den potenziellen Käufern die Weiden in dem Zustand zu übertragen zu können, in dem sie besichtigt worden waren.

Owens wollte nun den in Larrys Besitz hineinragenden Zipfel des Regierungslandes kaufen und hatte bereits seine Fühler ausgestreckt. Das hieß, dass hinfort niemand mehr sein Vieh dort grasen lassen durfte, auch Larry nicht! Das aber bedeutete, dass Larrys Herde verhungern würde, weil sein eigenes Land nicht ausreichte, die Tiere zu ernähren. Es war daher nicht verwunderlich, dass sich der junge Cattle-Besitzer sträubte, der Anordnung Folge zu leisten.

Duke kratzte sich im Nacken. Dabei schüttelte er sorgenvoll seinen weißen Schädel. Es war wirklich nicht leicht, Sheriff zu sein, besonders dann nicht, wenn einen das Amt zwang, die Einhaltung unsinniger Bestimmungen mit Gewalt durchzusetzen und damit einem anständigen Kerl auf die Füße zu treten.

Langsam kamen die Berge näher. Duke reckte die Schultern und sog seine Lungen voll. Die frische Gebirgsluft tat ihm wohl. Aber seine düsteren Gedanken vermochte sie nicht zu verscheuchen.

Larry hatte schon im Vorjahr viel Pech gehabt, und nun auch noch das! Owens war an sich kein Unmensch, aber ein Sklave seines Ehrgeizes. Er tat deshalb alles, um Larry aus dem Bezirk zu vertreiben. Und seitdem er auch noch erfahren hatte, dass seine einzige Tochter und der Sohn Larrys sich liebten, war der Alte wie rasend.

Duke kannte die Hintergründe dieses Spiele; er war lange genug im Distrikt und wusste, dass sich schon die Väter nicht sonderlich grün gewesen waren. Damals ging der Kampf um Larrys Mutter, und sein Vater hatte gesiegt. Leider schien der alte Owens daraus nichts gelernt zu haben – oder wollte er sich für diese Niederlage etwa jetzt noch rächen?

Larry war in Owens' Augen ein Habenichts. Die Eltern des Jungen waren früh gestorben, und die Herde war alles, was er besaß. Im Vorjahr war sein Hof niedergebrannt, und er hatte den größten Teil seines Weidegrundes verkaufen müssen, um wieder von vorn anfangen zu können. Seine Rinder weideten seitdem hauptsächlich auf Regierungsland, und dieses nun wollte der alte Owens kaufen, um den jungen Mann endgültig zum Aufgeben zu zwingen.

Duke seufzte auf. Schließlich war es ihm selbst einmal ähnlich ergangen. Er konnte sich denken, wie dem jungen Mann zumute war, denn auch er hatte vor vielen Jahren um ein Mädchen gekämpft, das dann aber seinen Rivalen geheiratet hatte.

Irgendwie erfüllte den alten Sheriff nun doch eine gewisse Genugtuung. Mabel Owens jedenfalls würde nicht aufgeben und ihren vom Vater geerbten Dickkopf auch dann durchzusetzen wissen, wenn dem Alten sein Plan gelingen sollte. Mabel und Larry würden trotzdem heiraten und glücklich werden. Und eines Tages würde Jesse Owens dann auch einsehen, dass er falsch gehandelt hatte.

Vorläufig aber ging es hart auf hart. Gewiss gab es Leute genug, die Larry gern mit einem kleinen Darlehen ausgeholfen hätten. Aber Land war augenblicklich teuer, und zudem wollte es sich niemand ohne Not mit Jesse Owens, dem mächtigsten Mann im Distrikt, verderben.

Langsam wurde es warm. Er war jetzt sehr nahe an den Bergen. Duke atmete wieder tief die kühle Luft ein und bemühte sich, an den ganzen Streit zwischen Owens und Larry nicht mehr zu denken.

Da knallte es in einiger Entfernung ganz unvermittelt. Er zügelte den Fuchs, legte die Hand über die Augenbrauen und spähte aufmerksam in die Runde. Das musste ganz in der Nähe von Vorwerk 18 gewesen sein.

Duke riss seinen Gaul herum und preschte mit vornüber geneigtem Oberkörper los. Er kannte sich in dieser Gegend gut aus; so war es auch kein Wunder, dass er die Koppeln von Vorwerk 18 in ganz kurzer Zeit erreichte.

Seine Vorahnung sollte sich bestätigen. Über einer am Boden ausgestreckten Gestalt kniete ein Mann. Er wandte ihm den Rücken zu, aber Duke wusste sofort, mit wem er es zu tun hatte. Das Pferd, das einige Schritte weiter an der Felswand stand, war ein Schimmel, und einen solchen ritt im ganzen Bezirk nur einer.

Der junge Mann musste so aufgeregt sein, dass er den anderen überhaupt nicht bemerkte.

Conny Duke verhielt seinen Gaul und hechtete aus dem Sattel. Dabei klirrten leise seine Sporen. Nun erst hob der Kniende den Kopf. Sekundenlang verharrte er lauschend, sprang dann plötzlich auf und wirbelte herum. Seine Rechte zuckte nach unten, noch ehe er seinen schlanken Körper richtig gedreht hatte.

Aber Duke war schneller. Auch er hielt bereits seinen Colt in der Faust und richtete den Lauf warnend auf die Brust des anderen.

»Stick ›em up, Larry!«

»Sind Sie es, Duke?«

Sofort ließ der junge Mann den Revolver sinken. Fast ungläubig stierte er auf den Sheriff, der mit wiegenden Schritten näherkam.

Larrys Züge wurden grau.

»Wer ist es?«, fragte der Sheriff. Er stand jetzt dicht vor dem Boy und zeigte fragend in Richtung der Gestalt, die auf dem Bauch lag.

Larrys Stirn umwölkte sich. Es fiel ihm schwer, den Namen auszusprechen, denn er wusste, was dieser Namen für den Sheriff bedeutete. Er antwortete trotzdem.

»Owens ist es!«

Conny Duke fühlte einen Kloß im Hals. Die beiden Männer, an die er während seines Rittes gedacht hatte – ja, hatte denken müssen –, hier waren sie. Der eine tot, der andere lebend.

Eine Weile schwiegen beide.

Dukes Gesicht wurde hart; seine Kiefer mahlten, und seine Augen glitzerten eisig. Er benötigte einige Zeit, um seine Sympathien für den Jungen niederzukämpfen. Denn hier war offenbar ein Mord geschehen.

»Warum hast du das getan, Larry?«, fragte er unvermittelt. »Es gab doch andere Möglichkeiten ...«

»Ich war es nicht, Duke!« Larry winkte ungeduldig ab. Er merkte aber gleichzeitig, dass er blutrot wurde: der Schein war gegen ihn! Wenn jemand um den Streit wusste, den er mit dem Toten gehabt hatte, dann war es der Sheriff.

»Als ich kam, war er schon tot. Ich hatte die Schüsse gehört und war schnell hierher geritten. Und dann ...«

»Nun, das werden wir gleich haben!«, murmelte Duke und bückte sich. Larry aber dachte nicht daran, die Gelegenheit zu nutzen. Wie betäubt starrte er auf den Sheriff, der zunächst seinen Revolver untersuchte.

»Zwei Kugeln fehlen, Boy! Und ich hörte zwei Schüsse!«

Der Sheriff wälzte den Körper des Toten auf den Bauch, weil er sonst nicht feststellen konnte, wie viele Geschosse Owens getroffen hatten.

Als er sich wieder aufrichtete, stand eine tiefe Falte zwischen seinen Brauen.

»Zwei Kugeln in den Rücken – Jesse kam gar nicht mehr dazu, selbst zu ziehen. Seine Waffe steckt im Holster. Das sagt alles!«

»Nein, nein!«, brach es verzweifelt aus dem jungen Mann heraus. Die Worte klangen beschwörend. »Ich war es wirklich nicht, Duke! Bei der Seligkeit meiner Mutter, ich habe das nicht getan! So glauben Sie mir doch, Duke!«

Der wehrte ab. »Lass deine Mutter ruhen, Larry! Die Sachlage ist zu eindeutig. Zwei Schüsse waren es, die ich hörte; zwei Kugeln fehlen in der Kammer deines Colts, und zwei Einschüsse weist der Tote auf.«

Larrys Kopf sank plötzlich nach unten. Er wusste, dass es keinen Zweck mehr hatte, weiterzusprechen. Wortlos streckte er dem Sheriff die Hände entgegen.

»Es fällt mir nicht leicht, Boy«, brummte Duke mit einem kurzen Blick in das blasse Gesicht seines Gegenübers. »Du hättest es dir vorher überlegen sollen. Es gab andere Mittel, ihm beizukommen, auch wenn er dem Gesetz nach im Recht war. Wo ist übrigens der Zettel, den du ihm abgenommen hast? Ich beobachtete, wie du ihn aus seiner Hosentasche holtest.«

Larry biss die Lippen zusammen. Einen Augenblick überlegte er.

Gleich darauf begann Duke die Suche nach dem Zettel. Zuerst hatte er keinen Erfolg, und es schien, als ob Larry schon erleichtert aufatmen wollte. Dann aber, als er die Hüften seines Gefangenen abtastete, merkte er, dass dieser nervös wurde. Er fand schließlich ein eng beschriebenes Blatt Papier im Waffengürtel des Verhafteten.

Er überflog den Text. Seine Miene wurde jetzt noch finsterer. Der Zettel war der Beweis für Larrys Schuld.

Während des Rittes nach Greenvillage wechselten die beiden Männer kein Wort mehr.

Am Tag zuvor war das große Roundup zu Ende gegangen. Nun waren die neuen Herden zusammengestellt, die Rinder gebrannt, die Jungtiere aussortiert und das schlachtreife Vieh zum größten Teil verladen. Man konnte sich eine Pause gönnen – und man tat es auch.

Frederic Pool, der Besitzer des »Gebrannten Rindes« – die Schenke hieß eigentlich »Zum gebrannten Rind« –, hatte alle Hände voll zu tun. Er vergaß darüber sogar den Grimm, dass ihm irgendein Witzbold in der Nacht zuvor aus dem »gebrannten Rind« ein »gebranntes Kind« gemacht hatte.

Diese Verunglimpfung seiner ehrsamen Kneipe hatte ihn zunächst schwer in Harnisch gebracht, nun jedoch war er dem unbekannten Missetäter nicht mehr gram, denn jeder, der von der Sache hörte, wollte das übermalte »R« sehen. Und so kam es, dass das »gebrannte Kind« restlos voll und Pool – allgemein nur Fekky genannt –, sehr zufrieden war. Seine winzigen Mausaugen huschten emsig hin und her.

Kein einziges Mal entging ihm, wenn jemand aus Übermut seinen Colt zog. Die Schüsse waren nämlich immer das Signal, dass ein Gast etwas wünschte. Dies war eine uralte Sitte in Greenvillage, die stets geübt wurde, wenn in einer Kneipe viel Betrieb herrschte. Und da man heute wieder einmal wichtige Probleme wälzte und daher keine Zeit hatte, dauernd nach dem Dicken zu rufen, »knallte« man ihn einfach herbei.

»Eine Runde an diesen Tisch, Fekky!«, johlte eben wieder ein breitschultriger Rancher und schob den noch rauchenden Colt ins Futteral. »Aber von dem Guten, nicht vom Gepanschten, alter Knabe!«

»Werde ich tun, Mr. Cook!« Fekky verbeugte sich so tief, wie es sein Spitzbauch erlaubte. »Selbstverständlich bekommt Ihr nur das Beste vom Besten. Ganz wie es einem Gentleman zukommt, Mr. Cook!«

Alles grinste. Fast sämtliche prominenten Persönlichkeiten von Greenvillage und Umgebung waren versammelt.

»Möchte wissen, weshalb Jesse Owens heute nicht erscheint!«, knurrte ein Viehhändler von der Stirnseite des Tisches her. »Er hält doch sonst, was er verspricht. Er hat mir ausdrücklich zugesagt, zu kommen und einige Runden auszugeben. Hat mit seiner Herde ein verteufelt gutes Geschäft gemacht!«

»Wirst wohl dabei auch nicht zu kurz gekommen sein, Henry!«, meinte Big Jafford, der erst vor einigen Minuten gekommen war. »Wie ich dich kenne, lässt du dir die Butter nicht so leicht vom Brot nehmen.«

»Soll nur bleiben, wo er ist«, schaltete sich Will Cook ein »Wenn euch seine Gesellschaft lieber ist, könnt ihr ihn ja holen. Aber dann gehe ich!«

»Nun Ruhe!« Mr. Brook legte dem aufgebrachten Rancher die Rechte auf die Schulter. »Reg dich nicht auf, Will! So war es nicht gemeint. Übrigens verstehe ich nicht, weshalb ihr beide euch nicht vertragen könnt. Eure Feindschaft ist wirklich schon so alt, dass man nicht mehr weiß, weshalb ihr eigentlich Gegner seid.«

»Er hat schon recht!«, mischte sich ein untersetzter Gent ein, der gerade in die Kneipe geschlendert kam, aber keinen Platz mehr fand. »Owens ist ein Bursche, der über Leichen geht, wenn sich es lohnt.«

Big Jafford winkte geringschätzig ab.

»Komisch, Grant, dass Ihr jetzt erst zu dieser Meinung gekommen seid, wo Euch Owens den Laufpass gegeben hat. Als sein Vormann wart Ihr mit ihm doch ein Herz und eine Seele!«

Der Vormann trat noch näher heran; zwischen seinen buschigen Brauen stand eine scharfe Falte.

»Ich kann solch ein Gerede nicht vertragen, Jafford! Ihr seid erst ein halbes Jahr im Bezirk, sonst würdet Ihr mich besser kennen. Bin zwar nur ein Vormann, aber das hat auch seinen Vorteil: man kann gehen und kommen, wann man will! Außerdem merkt euch: Ich lasse mir auch von einem reichen Rancher nicht dumm kommen. Owens hat es schon gemerkt, und auch ihr solltet Euch das hinter die Ohren schreiben!«

»Hör auf zu streiten, Garry!« Fekky schob dem Vormann begütigend ein großes Glas Whisky hin. »Hat doch keinen Sinn, dass ihr euch hier gegenseitig anödet. Das Roundup ist vorbei, jetzt wird gefeiert. Und nun Schluss mit dem Gefasel, trink lieber!«

Langsam beruhigten sich die erhitzten Gemüter. Nach einer Weile hatte man neue Gesprächsthemen und vergaß den kurzen Wortwechsel. Und so dauerte es nicht lange, bis auch der Name Larry Box fiel. Und wenn man an den dachte, musste man auch unwillkürlich an seinen Streit mit dem mächtigsten Mann des Distriktes denken.

»Hat eine Menge Pech gehabt, der Junge«, sagte der Bankier und zuckte bedauernd mit den Schultern. »Erst der plötzliche Tod der Eltern bei der großen Stampede, dann im vergangenen Jahr der Brand. Und nun das noch!«

Jeder im Raum wusste, was mit diesem letzten Satz gemeint war. Die meisten standen auf der Seite des jungen Mannes, aber niemand wagte, dies offen zu zeigen.

Owens war ein gefährlicher Gegner; er hatte großen Einfluss und Geld genug, um manchen zu ruinieren, selbst wenn er dabei einige tausend Dollars riskieren musste. Er hatte sogar schon einmal einen Preissturz inszeniert und dabei mehreren Ranchern das Genick gebrochen. Sein Geld steckte in der Schmiede, seine Dollars in der Sägemühle am Yellow-Spring, und teilweise hatte er auch in die Läden von Greenvillage investiert.

»Larry ist ein feiner Kerl!«

Garry Grant hieb auf die Theke, dass die Gläser zu tanzen begannen.

»Ein Junge, der das Herz auf dem richtigen Fleck hat und zuzupacken versteht. Wir benötigten noch mehr von seiner Art, dann wäre es mit der Vorherrschaft gewisser eingebildeter Knicker in diesem Kreis bald vorbei.«

»Oho, oho!«

Im Hintergrund erhob sich jetzt ein spindeldürrer Mann im grauen Gehrock. Es war der Bürgermeister von Greenvillage.

»Sei vorsichtig mit deinen Bemerkungen, Garry! Du hast kein Recht, solche Anspielungen zu machen, verstanden?«

»Aber er hat recht!« Fekky bremste geschickt den ausbrechenden Krawall. »Jeder hier weiß das.«

Zustimmendes Gemurmel ertönte jetzt ringsum. Mehrere Gäste nickten. Einer sprang sogar auf und warf beide Fäuste in die Luft. Es war William Cook.

»Mabel Owens ist ein nettes Kind, verdammt noch mal«, brüllte er grimmig. »Ein ganz anderer Schlag als der saubere Vater. Weder eingebildet noch stur, weder habgierig noch brutal. Merkwürdigerweise scheint der Alte der Meinung zu sein, dass sie zu fein ist für den jungen Box. Sie selbst ist – Gott sei Dank – anderer Ansicht.«

Brook, der Bankier, nickte.

»Die beiden gäben ein prächtiges Paar ab. Und ich glaube, es täte auch Owens Besitz ganz gut, wenn Larrys mit im Spiel wäre. Der würde anders vorgehen und die Macht auch anders ausnützen.«

»Owens aber wird so lange insistieren, bis Larry geht. Ich selbst war dabei, als er nach Phoenix fuhr, um mit der Regierungsstelle zu verhandeln. Und ich sage euch: er bekommt das Land!«

»Dann sollten wir lieber überlegen, wie man ihm helfen kann«, wandte Frame, ein kleingewachsener Pferdezüchter ein. Niemand hätte dem Zwerg so viel Mut zugetraut.

Von allen Seiten wurden Rufe des Beifalls laut.

»Wie wäre es denn mit einem Darlehen für ihn, Brook?« Garry Grant grinste.

»Wäre doch eine feine Gelegenheit, mit dem späteren Eigentümer der Owens-Ranch langsam ins Geschäft zu kommen.«

»Noch ist er es nicht!«, meinte Jafford. »Und wie ich Owens kenne, wird er noch verdammt lange leben. Wenn er merkt, dass seine Tochter ihren Schädel durchsetzen will, ist er sogar imstande, sie zu überleben.«

Grant zupfte sich belustigt an der Nase.

»Na, wie ist es mit dem Kredit, Mr. Brook?« Er warf dem Bankier einen ermunternden Blick zu.

»Lasst Eure Scherze, Grant!«, erwiderte dieser peinlich berührt. »Ihr wisst ganz genau, dass Owens dann seine Gelder aus meinem Unternehmen zurückziehen würde und ihr alle das Nachsehen hättet. Ich kann Larry nicht helfen.«

»Es gäbe trotzdem ein Mittel«, versuchte es Frame von Neuem. «

Jeder, der ihm gern helfen möchte, tut es – aber heimlich. Das sollte doch möglich sein, was?! Man braucht dazu nur einen Briefumschlag und eine Banknote. Das Geld schiebt man hinein, schreibt die Adresse von Box drauf und schickt die Sendung los. Kleinvieh macht auch Mist, und wenn Larry genug Geld hat, kann er entweder ein Stück neues Weideland dazukaufen, oder ...«, er stockte.

»Oder?«, stieß Jafford nach.

»Oder sogar das strittige Regierungsland selbst!«, beendete Frame seinen Satz.

Mit einem Male knallte es aus allen Ecken. Die Männer waren so begeistert. Der hatte Mut, Donnerwetter!

Nur mit Mühe vermochte sich der Bankier Ruhe zu verschaffen.

»Nun haltet mal endlich den Rand, Gents. Frame ist in Ordnung, wirklich, das ist er! Aber eins möchte ich euch zu bedenken geben: Owens ist nicht der Mann, der sich so was gefallen ließe. Die Vernunft diktiert mir, euch zu warnen. Ihr kennt Jesse genau. Und es könnte sein, dass einige von euch das Nachsehen hätten.«

Die Anwesenden starrten sich ratlos an. Es gab wohl keinen, der Larry Box nicht gern geholfen hätte. Aber wie konnte man den Jungen unterstützen, ohne Owens gleichzeitig in Harnisch zu bringen?

Von der Straße her war plötzlich Lärm zu hören. Wilde Schreie wurden laut, und rasendes Hufgetrappel näherte sich dem Lokal. Dann wallte Staub auf, und ein paar Männer banden ihre Gäule an die Pfosten. Die Gäste, die an den Fenstern saßen, konnten genau beobachten, dass die Cowboys sehr erregt waren.

»Was gibt es, Gents?«, erkundigte sich Fekky von der Theke her.

»Da muss was passiert sein«, meinte einer der Gäste. »Rich, Jeffe, Percy und Harry sind es. Sollte mich wundern, wenn die nicht etwas Wichtiges bringen.«

Da wurde auch schon die Tür aufgerissen, und die vier Puncher drängten über die Schwelle.

»Duke hat Larry Box verhaftet!«, brüllte Jeffe. »Wir waren gerade aus dem Ort heraus, als wir sie kommen sahen.«

Schon nach dem ersten Satz sprangen die Gäste auf und stierten ungläubig auf den Cowboy, der sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn wischte.

»Ruhe, zum Donnerwetter, Ruhe! Los, erzähl weiter, Jeffe!«, befahl William Cook seinem Vormann.

»Da gibt es nicht viel zu erzählen, Boss!« Jeffe zuckte mit den Achseln.