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Unheimliche und erschreckende Geschichten zur Weihnachtszeit: Eine eingesperrte Horde Zombies, ein blutrünstiger Mörder und ein im wahrsten Sinne des Wortes eiskalter Killer. Drei Horror-Kurzgeschichten rund um Weihnachten und die Adventszeit. Immer anders, aber immer blutig.
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Seitenzahl: 37
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Ryan J. Sinclair
Tote Weihnacht
3 Kurzgeschichten
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Der See
Die Krippe
Schnee & Nacht
Impressum neobooks
Pfeifend griff Matt nach seinen Schlittschuhen, die ganz hinten im Schrank verstaut waren. Es war der 23. Dezember und heute fand das traditionelle Eislaufen auf dem See statt. Die ganze Stadt würde sich wie immer treffen, ein paar Runden laufen, Glühwein trinken und frische Reibekuchen essen.
Ein Stockwerk unter ihm hörte er auch seine Eltern ihre Sachen packen. Er würde zwar mit ihnen hingehen, wie er es versprochen hatte, am See war er allerdings mit Freunden verabredet. Leo und Chris warteten dort sicher bereits auf ihn. Wie sonst auch, waren er und seine Eltern spät dran, aber egal. Draußen schien die Sonne, der Schnee lag wie Zuckerwatte auf den Büschen und Bäumen und es war angenehme null Grad warm, so warm wie noch nie um diese Jahreszeit. Das ganze Jahr über waren die Temperaturen schon höher gewesen als in den Jahren zuvor und im Sommer hatten sie sogar die 25-Grad-Marke geknackt. Zwar nur an einem Tag, aber immerhin.
Er rannte hinunter in den ersten Stock.
„Können wir endlich los?“
Seine Eltern sahen zu ihm auf. Beide saßen auf dem Boden und kramten im untersten Fach ihres vollgestopften Schrankes herum.
„Ja, einen Moment.“
Seine Mutter zog an etwas und im nächsten Moment beförderte sie einen Schlittschuh aus dem Schrank auf ihren Schoß. „So, jetzt haben wir alles. Wir können gehen.“
Sie band die Schnürsenkel ihrer Schuhe zusammen und hängte sie sich über die Schulter. Gemeinsam gingen sie die Treppe hinunter, zogen ihre Mäntel an und traten vor die Haustür. Matt atmete tief ein. Sauber und klar war die Luft. Ein schöner Tag.
Sie gingen zu Fuß, der See lag nur etwa fünf Minuten entfernt. Unterwegs trafen sie viele andere Familien und junge Paare, die ebenfalls auf dem Weg zum Eislaufen waren. Fröhlich grüßte Matt sie.
Kurze Zeit später konnte er den See bereits sehen: Eine riesige glitzernde Fläche, die sich zwischen zwei kleinen Hügeln erstreckte. Rundherum hatte man bereits einige Stände aufgebaut, die bunt dekoriert waren und mit riesigen Schildern für ihre Leckereien warben. Über den See waren vier Lichterketten gespannt worden, gehalten von einem hohen Baumstamm in der Mitte der Eisfläche. Schön, sogar schöner als im Jahr zuvor.
Die halbe Stadt schien bereits eingetroffen zu sein und überall tummelten sich in bunte Jacken und Handschuhe gekleidete Leute.
Matt entdeckte Chris und Leo weiter hinten, neben dem Stand, an dem Waffeln verkauft wurden und der Leos Mutter gehörte.
„Ich gehe jetzt, ja?“, wandte Matt sich an seine Eltern und sie nickten.
„Aber heute Abend um zehn gehen wir alle zusammen nach Hause.“
Matt seufzte. Was die Zeit anging, zu der er zu Hause sein sollte, waren seine Eltern sehr streng.
Er lief den Hügel hinab und quetschte sich durch die Menschenmassen, die vor den Buden anstanden. Hin und wieder traf er jemanden aus seiner Klasse und blieb kurz stehen, um zu grüßen. Nach zehn Minuten hatte er seine Freunde endlich erreicht.
„Mann, was brauchst du denn so lange? Hier, deine Waffel, ist sicher schon kalt.“ Leo drückte Matt eine dicke Waffel in die Hand, die mit einer Schicht Puderzucker bestäubt war.
„Hab noch ein paar Leute getroffen.“ Er biss in die Waffel und spürte, wie sich der Puderzucker rund um seinen Mund verteilte. Die Waffel war noch lauwarm. Gar nicht schlecht.
Er wischte sich über den Mund. „Wart ihr schon auf dem Eis?“
Chris schüttelte den Kopf. „Ne, wir haben auf dich gewartet.“
„Wollen wir dann gleich los?“
„Ja, die Mädchen sind auch schon da.“ Leo deutete mit dem Kinn hinüber zur Eisfläche. Tatsächlich konnte Matt dort Emily erkennen, zusammen mit drei von ihren Freundinnen.
„Gut, dann los.“ Er stopfte sich den Rest der Waffel in den Mund und zielte mit dem Pappteller auf den Mülleimer. Er verfehlte grandios um mehr als einen Meter und wandte sich ab.
„Matt, das willst du doch wohl nicht so liegen lassen?“ Die Mutter von Leo streckte ihren Kopf aus dem Waffelstand.
„Nein, natürlich nicht.“ Mit rotem Kopf bückte er sich nach dem Teller und warf ihn ordnungsgemäß in den Mülleimer. Dann lief er seinen Freunden hinterher, die in sicherer Entfernung standen und lachten.
„Ja, ja“, murmelte er nur und ging rasch an ihnen vorbei.
