Träumer des Todes - Friedrich Schmidt - E-Book

Träumer des Todes E-Book

Friedrich Schmidt

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Beschreibung

Neun Träumer haben böse Träume, die Realität werden. Der Scheriff des Ortes Pacific Grove hat alle Hände voll zu tun. Er braucht Hilfe....

Das E-Book Träumer des Todes wird angeboten von BoD - Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Horror,Spannung,Todes-Träumer,Krimi,Monster

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Seitenzahl: 295

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Foto/Bearbeitung: Friedrich Schmidt/pixabay

Über den Autor

Friedrich Schmidt, geboren – 1962 in Saarbrücken, begann seine schriftstellerische Laufbahn mit der Sciense Fiction. Nun, nicht ganz, denn seine ersten Werke waren „Gute-Nacht-Geschichten“ - die er für seine Kinder schrieb. Veröffentlicht wurde aber 1999 sein erster S.F.-Roman mit dem Titel: Weg ins Licht... und zurück, erschienen im R.G. Fischer Verlag. Doch dabei blieb es nicht. Es folgten mehrere Dramen und ein Gedichtband mit Kurzgeschichten und weiteren Romanen. Dramen und Sciense Fiction bleiben, aber es kamen Krimis dabei und nun Horror.

Er liebt beim Schreiben, wie er sagt, das weglassen. Ohne Umschweife eine Story erzählen – das ist sein Credo. Daher – viel Spaß an den folgenden Seiten!

Inhalt

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Epilog

Ende

Danksagungen

Quellen

Vorschau

Bisher von Friedrich Schmidt erschienen:

Alle Bücher sind über alle gängigen Internetportale bestellbar! Und im Buchhandel.

Weg ins Licht... und zurück (SF) 1999 im R.G. Fischer Verlag

Was war wird sein (SF) 2018 Twentysix-Verlag

Lemmy, ich brauch´ dich (Teil-biographisch) 2019 Twentysix-Verlag

Tod oder Liebe 2019 Twentysix-Verlag

Mond 99 (SF-Drama/Fantastisch) 2020 Twentysix-Verlag

Die Frau des Teufels (Liebesdrama/Gedichte) 2022 Twentysix-Verlag

Headfield´s Erbe (SF-Krimi/Drama) 2023/24 Twentysix-Verlag

Tod den Killern BoD-Verlag

Forget, der Zeitreisende... SF-Drama BoD-Verlag

Und nun: Träumer des Todes Horror/Triller/Drama BoD-Verlag

Mitwirkende

In der Reihenfolge ihrer Erscheinung

Jack Neumann – Sheriff

Linn Neumann – Ehefrau

Samantha (Sam) Neumann – Tochter

Mike Jefferson – Hilfspolizist

Jeff – geistig behinderter Mann

Mark Stevens – Arzt und Psychologe

Aileen – erste Träumerin

Stan Tilkowski - zweiter Träumer

Agent Bill Meier – Kriminalbeamter

Doktor Frank Klein – Psychologe und Parapsychologe

Michelle – Vergewaltigungsopfer 2

Steve Watson – dritter Träumer

Joe - zweiter Kriminalbeamter

Fred MacMaklis – dritter Kriminalbeamter

Michael Simons – vierter Träumer

Ted Filbert – fünfter Träumer

Ken Stevenson - sechster Träumer, Fred´s Freund

Father Cornelius – geistlicher des Ortes

John Miller – Chef von Bill/Einsatzleiter

Samuel Stevens – Träumer sieben

Niklas McQuaid – Träumer acht

Linda Masters – die neunte Träumerin

Namen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären rein zufällig. Den Ort, mit all den genannten Schauplätzen gibt es wirklich, steht aber in keinem Zusammenhang mit dem Inhalt des Romans.

Dieses Mal ist es eine Horrorstory - und die ist nichts für schwache Nerven.

Kinder lasst die Hände weg! (Empfehlung des Autors: ab 14 Jahre)

Zitate:

Manche Träume sind heiß wie Feuer. Trotz, dass sie unmöglich sind, bleiben sie die Hoffnung unseres Lebens.

Jichi Hussein

Ein Traum, den sie alleine träumen, ist nur ein Traum, ein Traum, den sie gemeinsam träumen, ist Realität.

John Lennon

Wer in Angst vor einem bösen Traum einschläft, träumt bestimmt nicht gut.

Deutsches Sprichwort

Wenn der Verstand die Dinge nicht mehr zu erfassen vermag, regiert die Angst... es sei denn, du hast den Mut, die Dinge zu hinterfragen – doch dann erkennst du möglicherweise eine noch grausamere Wahrheit...

Friedrich Schmidt

Prolog

Vor einer Woche...

Ich blickte, wie ich es jeden Abend vorm Zubettgehen tue, aus dem Schlafzimmerfenster, das aus weiß lackiertem Holz besteht. Das Fenster ist so alt wie das Haus, daher ist die Farbe etwas vergilbt und teilweise leicht abgeblättert. So ist es an vielen Häusern hier Standard, die deshalb aber keineswegs ungepflegt aussehen. Nein, im Gegenteil, die Häuser, Gärten und Vorgärten waren und sind fast immer adrett – typisch amerikanisch. Und auch wenn hier und da etwas Farbe abgeblättert ist, das störte noch nie jemanden. So etwas gehörte eben für beinahe alle hier im Ort stets zum Bild. Die Leute hier lieben es eher gemütlich, und halten, wenn es geht, jeden Stress von sich fern. Jedenfalls käme kaum einer, im ganzen Ort nicht, auf die Idee, etwas an den Häusern zu verändern. Warum auch? Sie standen alle mindestens hundert Jahre und hatten einen besonderen Flair. Überall wo es möglich war, standen stets und stehen immer noch Kübel mit blühenden Blumen. Oleander und anderen bunten Sträuchern. Sie zieren Fenster, Balkone und – dort, wo es nicht stört, die gemütlich wirkenden Gassen. Einige der Leute nennen den Ort auch liebevoll „Little Italy“ - und verdammt, sie haben Recht. Wenn vielleicht auch nicht genau italienisch... der Ort wirkte jedenfalls schon etwas europäisch.

Viele Gassen in Pacific Grove, unserer kleinen Stadt, sind eng und verwinkelt, wie eben in Italien, und die Leute hier lieben es. Linn und ich, die wir vor etwa zehn Jahren hierherkamen, können das nur allzu gut verstehen. Der Ort liegt malerisch auf den schroffen Felsen einer Halbinsel, südlich von San Francisco. Dort kommen wir her... und dort haben wir es nicht mehr ausgehalten.

Linn hat mir, bevor wir von da wegzogen folgenden Brief geschrieben und ihn mir vorm Zubettgehen zum Lesen in die Hand gedrückt. Darin stand -

Lieber Jack,

Was ich mir wünsche, - möglichst für den Rest meines Lebens, ist ein Ort, ein Heim. Ein schöner, malerischer Ort soll es sein. Ein Ort, der nicht nur schön ist, sondern wo auch Frieden herrscht. Ein ruhiger Ort. Ruhe bedeutet Geborgenheit. Geborgenheit bedeutet Glück... Glück macht selig – selig ist, wer einen solchen Ort sein Eigen nennt. Dort ist kein Luxus. Nur ein Ofen zum kochen und zum heizen. Eine Toilette und ein bequemes Bett. Internet zum Zeitvertreib wäre gut. Aber wirklich wichtig ist ein Geschäft in der Nähe, wo es gute und günstige Lebensmittel gibt, und eine nette Schule für unsere Tochter Samantha (wo ich auch lehren kann...). An diesem Ort ist es warm aber nicht zu heiß. Eine Wohlfühloase. Ein Bach oder kleiner See in der Nähe, wo man angeln kann und ringsum niemand da ist, der einen stört, wäre auch sehr nett. Freiheit pur eben. Schön wäre es, wenn dieser Ort dir auch gefällt, sodass wir dort zusammen alt werden können. Denn wer braucht nicht eine große Liebe an seiner Seite? Das würde diesen Ort perfekt machen! Lass es uns tun, dass wäre gut für uns alle!

Deine Linn

Ich las also damals ihren Brief und hätte beinahe Tränen in den Augen gehabt. Das Kuriose – ich selbst hatte zu der Zeit den Gedanken, in San Francisco alles hinter uns zu lassen, unser Gespartes zusammenzukratzen um irgendwo anders unser Glück zu versuchen. Ich hatte schon seit Tagen überlegt, wie ich es ihr beibringen sollte. Auch mir wurde diese Stadt, obwohl sie zweifelsohne ihre Reize hat, zu laut, zu schrill und die Schulen... sie sind zwar schön, aber eher durchschnitt. Daher verstand ich Linn mehr als gut. Deshalb stimmte ich auch gleich zu. Hierzu muss man wissen - Linn ist Lehrerin und lehrte in dieser Großstadt in einer Grundschule. Aber, es war oft so, dass nur wenige Kinder etwas lernten, außer prügeln und Rap zu hören und die Wände mit Graffiti zu versauen. Jedenfalls in den höheren Klassen. Ich war auch damals schon Polizist (noch ziemlich jung) aber mir erging es auch nicht viel anders als Linn. Unbelehrbare, brutale Menschen aus der Großstadt, die alle nur sich sehen, und ihr Geld. Getrieben vom ewigen Stress und Streit. Egoisten, reiche Manager... auf der anderen Seite, Obdachlose, die bettelnd mit ihren Hunden die Straßen belagerten – und ja, verstörte Kinder,die keine Ziele mehr hatten.

In dieser Nacht, so beschlossen wir, da wir beide müde waren, würden wir nicht mehr weiter darüber reden. Das taten wir dann am Abend des nächsten Tages beim Abendessen. Wir beschlossen dann, dass wir dieses schöne Fleckchen Erde, von der Linn in ihrem Brief gesprochen hatte, finden mussten. Wir wollten, wegen dem milden Klima, in Kalifornien bleiben. Im Internet suchten wir also einen schönen Ort und fanden ihn. Als wir dann, das erste Mal an dem Haus ankamen... und eigentlich gerade erst aus dem Auto ausgestiegen waren und nun nur vor diesem Haus standen (wir waren tatsächlich noch nicht einmal drinnen gewesen...) - flüsterte Linn mir ins Ohr: „Wir haben unseren Ort... unser Heim gefunden!“

Und ich musste zugeben, dass das weiße Holzhaus uns beiden das Gefühl der Geborgenheit gab. Bereits von Außen. Die verbauten Erker ein Balkon und schöne Fenster, luden uns geradezu ein. Mehr noch. Diese kleine Stadt war in der Tat ein Ort zum Wohlfühlen! Pacific Grove sollte also zu unserer zweiten und letzten Heimat werden. Das wussten wir sofort, als wir an diesem ersten Tag dort ankamen.

Pacific Grove liegt in Monterey County, hat etwa 15000 Einwohner und irgendwie ist dort die Zeit stehen geblieben. Linn und mir kam es jedenfalls so vor. Die Leute grüßten sich hier noch, und die Menschen laufen nicht gehetzt aneinander vorbei. Am besten ist – gegenüber dem Ort Carmel, wo fast nur Millionäre wohnen, dass es hier verhältnismäßig günstig ist. Und Carmel ist nur ein Katzensprung von uns entfernt... und Pacific Grove ist beinahe genauso schön. Fast ebenso malerisch. Der Unterschied liegt nur darin, dass viele Häuser dort prunkvoll sind. Manche haben sogar ihren eigenen Golfplatz vorm oder neben dem Haus! Aber wer braucht das schon? Das für uns Wichtige war gegeben. Ein gutes Klima, nette Leute drumherum, und ein Haus das zu uns passte. Und in Pacific Grove ist es ebenso friedlich wie in Carmel... also alles so, wie wir es uns gewünscht und ausgemalt hatten.

Ich schaue also aus meinem Lieblingsfenster im Schlafzimmer und stelle fest: an den Anblick, wenn ich dann so meine Blicke schweifen lasse, kann ich mich bis Heute nicht sattsehen. Auch nach nun fast zehn Jahren nicht. Tagsüber, bei klarer Sicht, was aber fast immer der Fall ist, sieht man, von uns aus, da unser Haus so ziemlich am höchsten liegt, über den halben Ort – bis hinaus auf den Pazifik. Was mich, und auch meine Frau Linn, am meisten fasziniert, ist Point Pinos Lighthouse, der Leuchtturm aus dem 18. Jahrhundert*. Das kleine weiße Haus steht dort unerschütterlich im stetigen Wind, der vom Meer hochkommt. Teils sind die Pinien dort vom Wind in eine Richtung geneigt, aber das Haus trotzt allem, auch der Zeit. Wie der ganze Ort.

An diesem Abend gegen 22 Uhr, Linn schlief bereits, kam eine so leichte Priese vom Meer hoch und ich sog die frische, salzhaltige Luft tief in meine Lungen hinein. Der Ort, nebenbei erwähnt, gehört wegen dem milden Klima und der Meeresluft, zu den gesündesten Orten der Welt. Es gibt kaum Temperaturschwankungen und die angenehmen Temperaturen, die fast das ganze Jahr über herrschen, sorgen dafür, dass viele Schmetterlinge hier zuhause sind. Man sieht sie fast überall.

Die Dunkelheit hielt sich an diesem 22. Mai in Grenzen, da der Vollmond über dem Pazifik stand und sein gespenstisches Licht aussandte und sich in den leichten Wellen im Wasser spiegelte. Die Wolken, die am Mittag noch da waren, waren verflogen. Kurz ließ ich den Tag Revue passieren, atmete wieder tief durch und schloss dann das Fenster und legte mich neben Linn, die leise schnarchte. Lächelnd schlief auch ich kurz danach ein. Es war mal wieder ein guter Tag gewesen, unddie Entscheidung hierher zu kommen, hatten wir beide nicht bereut. Zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil. Der Ort, die gesunde Luft... unsere Arbeit, die gar kein Vergleich war, zu dem, was wir in San Francisco hatten – nein, wir hatten uns in jegliche Richtung verbessert und waren glücklich hier. Nichts schien verbesserungswürdig zu sein. Bis zum nächsten Tag, der etwas seltsam begann und nichts Gutes ahnen ließ!

*

Kapitel 1

Jeff...

Entgegen den meisten Amerikanern, die kaum eine Strecke ohne Auto zurücklegen, ließ ich an diesem sonnigen Morgen, den Pickup stehen und lief die etwa einen Kilometer bis zur Polizeistadion. Das tat ich öfter. Viele Amerikaner lieben ja Fast Foot und bewegen sich zu wenig. Andere hingegen joggen noch vor der Arbeit durch den Park. Linn und ich versuchten einen gesunden Mittelweg zu gehen. Wir trieben beide etwas Sport, übertrieben es aber nicht. Wir ernährten uns gesund, was für uns bedeutete, dass wir hier und da auf Fleisch verzichteten, und es mit Fisch tauschten. Allzu ernst nahmen wir das aber auch nicht. Und ja, wir tranken am Abend, zum Essen auch mal ein Glas Rotwein, oder zwei. Aber auch nur zum Genuss. Unsere Tochter, die, als wir hierhergezogen waren, erst drei Jahre alt war, wird nächsten Monat vierzehn. Und... sie scheint es uns gleichzutun. Obwohl sie stets im Sport außerordentlich gut war, übertrieb auch sie es nicht. Und auch sonst machte sie uns stolz. Sie hatte immerzu gute Noten gehabt und sie hatte Freundinnen, wie wir es uns wünschten. Es waren keine ungehorsamen Gören. Obgleich wir zu diesem Zeitpunkt natürlich befürchteten, dass bald ein junger Mann an die Tür klopfen würde, um sie auszuführen. Aber noch war es nicht so weit. Aber, sie ist sehr hübsch – schlägt im Aussehen also eher ihrer Mutter nach... nicht nach mir, und so wird es nur eine Frage der Zeit sein, und unsere Befürchtung wird wahr werden. Andererseits ist das der Lauf der Dinge. Auch sie wird eine Familie gründen und Linn und ich werden Großeltern sein. Im Moment war das ein abwegiger Gedanke und ich verwarf ihn schnell wieder. Aber so dachte ich an diesem schönen, wolkenlosen Morgen, weil mich sonst keine ernsthaften Sorgen plagten.

Ich hatte es, wegen meiner guten Ausbildung, hier, nach nur etwa einem Jahr als Hilfspolizist, zum Sheriff gebracht. Nun ja, das Glück spielte auch eine Rolle. Der alte Sheriff war damals kurz davor in Rente zu gehen. Er lernte mich also an, bevor es so weit war. Er hockt jetzt am See, wo er ein kleines Häuschen hat, und angelt... es sei ihm gegönnt. Er ist ein guter Mensch, der es jedem recht machen will – was ihm auch fast immer gelungen war. Leider verlor er seine Frau viel zu früh. Wir fanden das alle sehr schade. Jeder der ihn und seine Frau kannte, wünschte den Beiden noch ein paar schöne Jahre, aber das war ihnen leider nicht vergönnt. Aber er kam, nach der Trauer, ganz gut alleine zurecht. Ab und an gehe ich ihn besuchen.

Gutgelaunt gab ich, bevor ich das Haus verließ, Linn einen Kuss zum Abschied. Da sie noch im Bad war und sich gerade ihre Zähne putzte, musste ein Kuss auf die Wange genügen, die sie mir lachend hinhielt.

„Man“ - dachte ich - „... sie sieht noch verdammt sexy aus!“ - und ich gönnte mir noch einen Augenblick, und ließ meine Blicke auf ihren Brüsten und ihrem Po schweifen. Sie hatte außer einem schlabbrigen T-Shirt (mein altes Baseball-T-Shirt) nur eine weiße, knappe Unterhose an. Ihre leicht gelockten, blonden Haare, wackelten bei jeder ihrer Bewegungen, hin und her. Alles an ihr war noch Glatt und straff... und hatte genau die richtige Größe. Ihre dunkelblauen Augen und ihr voller, roter Mund, hatten mich schon immer angemacht. Und ja, sie wirkte, im Gegensatz zu mir, noch wie zwanzig. Wir waren aber beide fünfunddreißig und bei mir traten bereits die ersten grauen Haare an den Schläfen hervor. Ich schaute auf meine Armbanduhr, die mir zeigte, dass es an der Zeit war mich loszureißen. Ich winkte ihr also zu und verließ sie.

Sie würde nur wenig später das Haus verlassen. Aber im Gegensatz zu mir, würde sie noch ausgiebig Frühstücken. Mir reichte stets nur ein schwarzer Kaffee ohne Zucker. Und selbst den trank ich meistens erst auf dem Revier. So auch heute. Kaum war ich einige hundert Meter vom Haus weg, begegnete ich Jeff. Jeff ist hier im Umkreis relativ bekannt. Nun, er ist noch jung, etwa zwanzig, mit untersetzter Statur, aber relativ kräftig. Einige Leute haben Angst vor ihm, andere nahmen ihn nie ernst, weil er – nun, er ist geistig zurückgeblieben und läuft ab und zu durch die Gegend und schimpft laut vor sich hin. Viele, auch ich nicht, wissen genau, wo sie mit ihm dran sind. Aber zwischendurch zeigt er auch, dass er lustig sein kann. Für mich das Schlimmste – er redet undeutlich. Das heißt, er bekommt die Zähne nicht auseinander. Seine relativ dunkle Stimme tut ihr Übriges. Eigentlich wollte ich mich nicht mit ihm abgeben und wäre am liebsten grüßend an ihm vorbei gelaufen. Aber er stellte sich mir in den Weg!

„Es werden Leute kommen... neun Stück“ - murmelte er in seiner unnachahmlichen Art vor sich hin. Er schaute mir dabei nicht in die Augen, sondern starrte mir auf den Bauch, was irgendwie unangenehm war. Bei einem mir unbekannten Mann, hätte ich anders reagiert, so hörte ich ihm zu. Ich versuchte ihn ernst zu nehmen. Viele schimpften ja über ihn und verlangten von mir, etwas gegen ihn zu unternehmen. Aber seine Mutter versicherte mir, dass er keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Wie gesagt – genügend Menschen trauten ihm nicht über den Weg, aber tatsächlich hatte er, in den Jahren, wo ich ihn kannte, keinem etwas getan. Also ließ ich ihn in Ruhe.

„Was meinst du?“ - fragte ich ihn daher.

„Neun Leute werden kommen“ - wiederholte er. „Sie werden Tod und Verderben in die Stadt bringen... sie träumen, und was sie träumen... sie werden lebendig“ - schrie er in seiner etwas seltsamen Art, und dann lief er ohne weitere Worte an mir vorbei.

„Auf Wiedersehen“ - rief ich freundlich hinter ihm her, nun nahm auch ich ihn nicht ernst.

Er blieb stehen, drehte sich wieder zu mir um und winkte mir, dann lief er schnellen Schrittes weiter, wobei sein knallgelbes T-Shirt in der Sonne leuchtete. Irgendwie konnte ich schon den einen oder anderen Kollegen verstehen, die Angst vor ihm hatten. Ich stellte mir vor, dass wenn er wütend werden würde, dass nur wenige eine Chance gegen ihn hatten. Doch für den Moment dachte ich, dass er eben nur seltsam ist, aber es gab kein Gesetz gegen Dummheit (sonst müsste ich mehr Menschen verhaften). Also ging ich meinen Weg weiter. An meiner guten Laune hatte dieser Vorfall jedenfalls nicht gekratzt. Ich hatte aber keine Ahnung, dass die Worte des „Irren“ - wie ihn viele zu unrecht nannten, mich später noch weiter beschäftigen würden.

Kapitel 2

Die ersten Fälle

Am Mittag des selben Tages empfing ein Arzt der Stadt – sein Name ist Mark Stevens, eine Patientin, die das erste Mal in seine Praxis kam. Doktor Stevens ist auch Psychologe. Er erschrak also nicht, als er die Frau sah. Nun, so furchtbar sah sie auch nicht aus, sie war nur sehr schmutzig. Kleidung, Hände, Gesicht, und wohl auch der Rest des Körpers, hatten seit einiger Zeit kein Wasser und keine Seife mehr gesehen. Und sie musste sich wohl auf dem Boden gewälzt haben. Die etwa dreißigjährige Frau wäre eigentlich ganz hübsch, dachte der Doktor noch, wenn die Haare, die stumpf und struppig in alle Richtungen standen, mal gewaschen und gekämmt wären. Sie wirkte auch sehr unruhig und nervös, und der Doktor machte sich schon innerlich darauf gefasst, dass gleich ein Hammer käme, wenn sie zu reden anfinge. So war es dann auch.

„Wie kann ich ihnen helfen – wo drückt der Schuh?“ - fragte Mark Stevens fröhlich. Er wollte ihr damit gleich schon klarmachen, dass nichts so schlimm sein kann, dass man seinen Körper vernachlässigt. Denn genauso sah es für ihn aus, da sie auch sehr dünn war. Die Ringe unter den Augen, die ziemlich dunkel waren, deuteten auf Schlafmangel hin.

„Ich... ich“ - stotterte sie - „... ich weiß nicht ob sie mir glauben oder verstehen werden, was ich ihnen nun sage!“ - schrie sie, mit etwas zittriger Stimme heraus.

Doch der Doc blieb ruhig, spielte so seine Rolle weiter und sagte daher in ruhigem Ton: „Beruhigen sie sich erst einmal und dann sagen sie mir bitte, was genau sie so bedrückt!“

Bevor sie weiterredete – sie versuchte scheinbar tatsächlich sich zu beruhigen, schaute sie sich im Zimmer um. Es war eine normale Praxis, wie es sie zu Millionen, auf der Welt gibt. Weiße Wände, ein sauberer, heller Kunststoffboden oder Laminat, jedenfalls ein Holzimitat. Bunte Landschaftsbilder an den Wänden. Der sehr dunkle Schreibtisch stand schräg in dem etwa 16 Quadratmeter großen Raum. Der schwarze, dick gepolsterte Sessel des Doc war groß, schwer, fast schwarz und aus Leder. Der mittlere Fuß, der den Sessel hielt, war aus Chrom und endete am Boden Trompetenartig. Der Besucherstuhl war einfach. Zwar waren die Stuhlbeine auch verchromt, aber der Bezug war aus schwarzem Cord, der bereits etwas speckig war. Aber die komplette Einrichtung passte zusammen. Das Zimmer lieferte ein insgesamt harmonisches Bild aus Farben und Formen. Sehr modern.

„Ich werde verfolgt! Aber – bevor sie jetzt sagen, dass ich verrückt bin... hören sie mich zu Ende an! Ich weiß, dass sich das alles verrückt anhört, aber glauben sie mir, alles was ich sage entspricht der Wahrheit“ - sagte sie und verhielt sich wie ein scheues Reh, das weiß, dass ein Wolf in der Nähe ist. Sie schaute sich stets gehetzt nach allen Seiten um, als rechne sie damit, dass gleich jemand hinter ihr steht.

„Und was macht der Verfolger?“ - fragte der Doc, immer noch mit betont ruhiger Stimmlage.

„Da... da ist ein Irrer... er vergewaltigt mich... immer und immer wieder!“

Der Doc, etwa vierzig, legte seine bis dahin glatte Stirn in Falten. Er strich sich mit der rechten Hand über seine braune Elvis-Frisur, so, als ob er sich kämmen würde. Dann lehnte er sich zurück, bevor er antwortete, sodass die Rückenlehne des schweren Sessels so weit nach hinten gebogen wurde, dass seine neue Patientin dachte, dass er gleich nach hinten stürzt. Doch dann setzte er sich wieder nach vorne, verschränke die Hände und stützte die Arme auf den Schreibtisch. Er legte sein Kinn auf die Hände.

Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, da er genau wusste, dass es genau das war, was die Frau brauchte – etwas Ruhe.

„Entschuldigung“ - fragte er daher mit leiser Stimme - „... wie heißen Sie nochmal?“

„Aileen, mein Name ist Aileen.“

„Okay, Aileen, wie sieht der Mann denn aus und wo trifft er sie für gewöhnlich an?“

„Er ist etwa so groß und so kräftig wie sie. Ich schätze 1,90 Meter und hundert Kilo.“

„Hm“.

„Und er hat eine unbändige Kraft. Einmal habe ich ihm eine Pfanne auf den Schädel geschlagen. Er hat sich geschüttelt, mir die Pfanne abgenommen, sie in die Ecke geworfen, und mich weiter vergewaltigt!“

„So, so... er trifft Sie also meistens zuhause an?“

„Ja, meistens zuhause. Deshalb schlafe ich auch kaum noch! Es kann aber auch sein... im Park oder im Kaufhaus. Aber meistens daheim.“

„Und wie oft?“

„Jeden Tag!“ - heulte sie nun - „... er tut es mindestens einmal am Tag!“

„Heute schon?“

„Nein, heute noch nicht!“

„Und was sagt die Polizei dazu?“

„Das ist ja mein Problem! Es sieht ihn ja keiner außer mir!“

„Ist es ein Geist?“

„Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich das erste Mal wach wurde, als ich von ihm träumte!“ - sagte sie und ihre Stimme war schrill und überschlug sich.

„Er erscheint Ihnen im Traum?“

„Ja, anfangs nur Nachts. Aber jetzt sehe ich ihn vor mir, so deutlich wie Sie jetzt... und auch am Tag. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Geist ist. Der hätte doch keine solche Kraft! Er schmeißt mich auf´s Bett oder auf den Boden, so, als sei ich eine Handpuppe!“

„Seien Sie mir nicht böse wenn ich ihnen das alles...“ - sagte der Doc, doch er konnte seinen Satz nicht beenden, da sich vor seinen Augen etwas unglaubliches abspielte.

Aileen schrie plötzlich auf. Dann wurde sie von einer unsichtbaren Macht vom Stuhl auf den Boden geworfen. Der Stuhl kippte ebenfalls um und blieb vor ihr auf der Seite liegen. Sie schlug hart – halb auf der Seite, halb auf dem Rücken auf und es gab ein Geräusch, als ob ein Knochen gebrochen wäre. Dann schob diese unsichtbare Hand Aileen´s hellen Pulli nach oben. Dann wurde der schwarze BH nach oben geschoben. Der Doc stand so schnell auf, dass der Sessel nach hinten an das dortige Bücherregal knallte. Er umrundete den Schreibtisch, um Aileen zu helfen. Aber nun wurde es noch unglaublicher! Der bisher unsichtbare Mann wurde sichtbar! Er hatte lange, ungepflegte, fast schwarze Haare, die pomadisiert, jedenfalls fettig, aussahen und streng nach hinten gekämmt waren. Sein weißes T-Shirt war auch nicht mehr ganz sauber, ebenso wenig wie seine hellgraue Jeans. Der Unbekannte sah unglaublich athletisch aus. Er hatte sehr breite Schultern und stramme Muskeln, wohin man auch sah. Als der Doc in unmittelbarer Nähe war, hielt der Mann kurz inne und er schaute den Doc an. Er schaute ihm direkt in die Augen. Das alleine war bereits angsteinflößend. „Puh“ - sagte der Typ nur, wie bei einem kleinen Kind, dass man erschrecken will – dann schubste er den Doc, aber so fest das er mit dem Rücken hart gegen den Schreibtisch knallte. Ein unbeschreiblicher Schmerz breitete sich sofort in seinem ganzen Körper aus. Dennoch wollte er wieder aufstehen um der Frau zu helfen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte er sich am Schreibtisch hochzuziehen. Doch der Typ, der immer wieder unsichtbar wurde, holte mit der Rechten Faust aus und schlug den Doc hart ans Kinn. Er sah Sterne und es wurde ihm für einen Moment schwarz vor Augen. Der Doc kippte zur Seite, wo er dann vor seinem Schreibtisch liegenblieb. Ohnmächtig war er aber nicht geworden. Aber im Moment konnte er sich nicht rühren. So musste er tatenlos zusehen, was der Kerl noch alles mit der Frau anstellte, da er sich im Moment wirklich nicht bewegen konnte – auch wegen der Angst, die ihm nun im Gesicht stand und ihn lähmte. Er sah dann, dass die Hose von Aileen geöffnet wurde. Der Kerl war nun wieder unsichtbar! Der Doc wusste nicht, warum das so war, aber er dachte, dass es unmöglich ein Geist sein kann. So einem Wesen traute er nicht so viel Kraft zu, da musste er Aileen Recht geben. Und der würde wohl auch unsichtbar bleiben, jedenfalls vorläufig. Er sah also, wie der Po der Frau in die Höhe ging. Ihr Kopf lag noch auf dem Boden, ihr Körper bildete also eine Brücke. Das alles war für den Doc unverständlich – doch dann verstand er, denn die Hose wurde nach unten gezogen, das gleiche geschah mit der Unterhose. Dann legte der Mann die Frau auf den Boden und spreizte ihre Beine. Dann hörte man Aileen nur noch stöhnen und ihr ganzer Körper wackelte rhythmisch. Sie schob den Kopf abwechselnd nach rechts und links. Ihre Brüste verformten sich durch die unsichtbaren Hände. Von dem Kerl hörte man nur ein schreckliches Keuschen. Dann war plötzlich Ruhe und Aileen drehte sich weinend zur Seite. Sie wandte dem Doc den Rücken zu.

„Glauben sie mir jetzt?“ - stellte sie ihm schluchzend eine Frage, ohne nach ihm zu schauen. Und sie rappelte sich auf.

Doch der Doc konnte nicht antworten, er starrte nur stumm und ungläubig zu Aileen, die sich jetzt aufgestanden war und dabei war die Hose wieder hochzuziehen. Ohne weitere Worte verließ sie das Zimmer, wohl wissend, dass ihr der Doc nicht wird weiterhelfen können. Er lag nun selbst da, wie ein getretener Hund auf dem Boden und stöhnte vor Schmerzen vor sich hin. Als Aileen draußen war, zog auch er sich am Schreibtisch hoch und setzte sich wieder in seinen Sessel. Er wusste nicht, wie ihm geschah. Als erfahrener Arzt hätte er mit allem gerechnet, nur nicht mit so etwas. Sagte sie nicht, dass sie nur so eine Art Alptraum hat? Wie konnte das sein? Wie, um Gottes Willen, fragte er sich, kann eine geträumte Person Gestalt annehmen... handgreiflich und brutal werden? Es musste eine andere Antwort geben. Aber für den Moment war er ratlos. Mehr als das. Er war unfähig klar zu denken, und er fragte sich, wie diese Frau das schon eine Zeitlang mitmachen konnte. Sie musste schreckliche Qualen durchleben. Das ganze war einfach nur grausam. Und – schlimm, auch für ihn! Er konnte wirklich nichts tun! Wie sollte er hier vorgehen? Das war eines anderen Ressort... nur wer? - wer konnte der armen Frau helfen? Der Doc schaute starr vor sich hin und er wusste nicht, ob er vielleicht nur am Schreibtisch eingeschlafen war, doch die Schmerzen in seinem Rücken erzählten ihm eine andere Geschichte. Nein, das Ganze war passiert. Er wusste nur nicht was das war... oder was das sollte oder wie das sein konnte.

„Aber“ – so beschloss er in dem Moment und murmelte Sätze vor sich hin - „... ich werde der Frau helfen! Auch wenn ich im Moment noch nicht weiß, wie. Aber ich werde ihr helfen.“

Nach kurzer Überlegung, also, nachdem er sich selbst wieder beruhigt hatte, wusste er auch, wen er ansprechen musste. Den Sheriff. Er war sowieso bei Verbrechen dieser Art der Richtige.

„Wenn sie der Frau schon nicht glauben“ - dachte er und murmelte laut vor sich hin - „... mir wird Jack glauben. Wenn er meinen Worten nicht glaubt“ - dachte er nun, ohne zu murmeln - „... dann werden ihn meine blauen Flecken auf dem Rücken überzeugen!“

Und er rief mich an. Ich gehöre auch zu seinen Patienten an. Aber das war im Moment egal. Nach nur dreimaligem Klingeln meines Handys, ging ich ans Telefon. Wir waren – oder sind auch befreundet... halbwegs jedenfalls.

„Ja, hallo Jack, Mark hier. Hast du Zeit? Du müsstest dringend kommen! Hier, in meiner Praxis, wurde gerade eben, vor meinen Augen, eine Frau vergewaltigt. Die Frau und auch der Täter, sind verschwunden. Ich wurde, bei dem Versuch ihr zu helfen, auch verletzt!“

„Okay, ich komme gleich... ist es schlimm? - deine Verletzung?“

„Nun, es wird wohl eine Prellung sein. Mein Rücken ist sicher total blau. Der Kerl hat mich gegen meinen Schreibtisch geschubst. Im Moment konnte ich mich nicht rühren... konnte nur mitansehen, was er der Frau angetan hat! Dreckig waren beide. Scheinbar geht das schon seit Tagen so.“

„Wie sah der Typ aus?“ - fragte ich.

„Kannst du nicht erst kommen? Es gibt ja noch mehr zu bereden!“

„Okay – bis gleich“ - sagte ich und legte auf. Nun konnte ich nicht mehr zu Fuß gehen, da ich durch den halben Ort gemusst hätte. Ich nahm also den Polizeiwagen, den Dodge, der vor der Tür stand. Auf eine Sirene verzichtete ich vorläufig. Nur wenige Minuten später, bog ich in die Straße ein, wo Mark seine Praxis hat. Ich beschloss, bevor ich aussteigen würde, erstMike über Funk zu kontaktieren. Mike ist unser junger Hilfspolizist. Er erhielt den Job an meiner Stelle, macht aber, auf seine Art, den Job, mit seinen erst zweiundzwanzig Jahren, richtig gut. Der alte Sheriff, ging damals wie erwähnt, in seinen wohlverdienten Ruhestand. Mike und ich sind so, seit nun schon ein paar Jahren, zu einem guten Team geworden. Es gibt noch einen dritten Polizisten, aber der arbeitet wohl auch langsam auf den Ruhestand hin, und ist entweder krank oder in Urlaub. Wie jetzt gerade. Nun, er fing damals unter dem alten Sheriff an und wurde mit uns „Jungs“, wie er uns immer nur nennt, nie richtig warm. Nicht, dass er sich nicht mit uns verstanden hätte, aber er war eben in Gedanken noch bei seinem alten Chef, und er war nicht der Typ, der sich gut umstellen kann. Aber ich verstand das sehr gut und sah es ihm nach. Wenn er dann auch in Rente gehen würde, würden Mike und ich einen jungen Nachfolger einstellen. Jemand in unserer Wellenlänge. Irgendwie freute ich mich schon darauf. Nicht, dass ich den „Alten“ - wie auch wir ihn nur nannten, loswerden wollten, aber mein Gedanke war, dass eine junge Mannschaft mehr erreicht und sich eben besser versteht. Noch gut ein Jahr würden wir zusammen auskommen müssen. Ich rief also Mike an.

„Hey Mike, sage mal, war in letzter Zeit eine Frau bei dir im Büro, die eine Vergewaltigung anzeigen wollte?“

„Eh, ja, Jack... aber, um ehrlich zu sein dachte ich, dass da nur eine Irre wäre, die dummes Zeug redet! Ich nahm zwar alles auf, aber sie redete von einem Unsichtbaren. Sie erschien mir auch ziemlich verwirrt zu sein.“

Ich hielt den Wagen dann kurz darauf vor der Praxis an - „Wieso meinst du, dass die Frau verrückt sei?“

„Sie hat gesagt, dass der Mann, von dem sie immer träumt, sie belästigt! Verstehst du? Ein Mann, von dem sie träumt! Das ist doch...“

Doch ich unterbrach ihn, indem ich sagte - „Alles, ich möchte über wirklich alles in Zukunft informiert werden! Verstanden? Wenn es auch noch so abwegig klingt, was die Leute dir so erzählen! Hast du den Fall komplett aufgenommen?“

„Nein, Jack, tut mit leid. Ich habe nur Namen und Adresse notiert. Als sie dann mit dem Unsichtbaren anfing, habe ich das Formular nicht weiter ausgefüllt. Kommt nicht wieder vor. Entschuldige.“

„Ist jetzt okay, ich gehe jetzt in die Praxis von Mark. Der hat nämlich eine Vergewaltigung gemeldet. Nicht, dass das der selbe Kerl war, und wir sind der Sache nicht nachgegangen. Verstehst du? Allem muss nachgegangen werden! Auch wenn es unmöglich erscheint!“

„Okay, Jack, ich werde es nicht vergessen und dir in Zukunft alles sagen!“

„Okay, bis später“ - sagte ich und legte das Mikro, leicht verärgert in die Halterung des Polizeiwagens. Dann ging ich die vier Stufen hinauf und klingelte an der Tür der Praxis. Nach wenigen Sekunden öffnete Mark die hölzerne Tür. Auch deren rote Farbe war an einigen Stellen nicht mehr vorhanden und man sah das ausgebleichte, helle Holz an diesen Stellen.

„Komm herein“ - begrüßte er mich knapp und ging durch einen schmalen Flur vor in sein Behandlungszimmer. Ich folgte ihm in seine Praxis, die ich von einigen Besuchen in eigener Sache, gut kannte. Seiner Sprechstundenhilfe winkte ich im Vorbeigehen freundlich zu, was sie wortlos erwiderte. Der Patientenstuhl lag immer noch auf dem Boden. Ich hob ihn auf und setzte mich. Mark setzte sich in seinen Sessel.

„Fang an“ - bat ich ihn - „... was ist passiert?“

„Es war so schrecklich, du kannst es dir nicht vorstellen! Die Frau, ich weiß nur, dass sie Aileen heißt, kam das erste Mal hier her. Die Sprechstundenhilfe hat sicher die Adresse. Sie erzählte mir von ihren Träumen. Hauptsächlich träumte sie von einem Mann, der sie vergewaltigt! Natürlich glaubte ich ihr nicht, und ich beschloss bereits, sie einliefern zu lassen... nun, bis eine unsichtbare Gewalt sie, mitsamt dem Stuhl zu Boden warf. Jeder, der jetzt an einen Geist denkt, irrt, denn plötzlich wurde der Mann sichtbar. Er hat mir in die Augen geschaut und mich verletzt! Das Ganze ist unglaublich, ich weiß, und es hört sich verrückt an. Aber so war es, glaube mir.“

„Oh, ich glaube dir. Ich habe eben noch, dass muss ich zu meiner Schande gestehen, mit dem Hilfspolizisten gesprochen. Der hat, leider, seinen Job nicht richtig gemacht, denn die Frau wollte – scheinbar schon vor Tagen, eine Anzeige aufgeben, doch Mike hat sie nicht ernst genommen!“

„Sei ihm nicht allzu böse, ich habe die Frau auch nicht ernst genommen! Wie willst du so etwas auch ernst nehmen, wenn dir jemand sagt, dass sein Alptraum wahr wurde? Das eine erdachte Kreatur Form annimmt, sich manifestiert und real wird. Als Arzt und Psychologe kann ich dir versichern, dass das quasi unmöglich ist. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem geträumten und der realen Umgebung. Es gibt, meines Wissens nach, keinen solchen Fall. Also, noch nie... auf der ganzen Welt nicht. Das kann ich dir versichern“ - wiederholte er.

„Das würde in jedem Lehrbuch für Psychologen stehen... steht es aber nicht. Also gibt es das auch nicht... eigentlich“ - verbesserte er sich.

„Nun“ - sagte ich - „... für alles gibt es mal ein erstes Mal. Zunächst mal zwei Fragen - „Könntest du ihn beschreiben, und - an wen kann ich mich da wenden?“ - fragte ich dann - „... an einen Parapsychologen?“