Cyborg Klone - Friedrich Schmidt - E-Book

Cyborg Klone E-Book

Friedrich Schmidt

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Beschreibung

Die Cyborgs werden zu Kriegszwecken gebaut. Damit sie menschlich sind und nicht auf alles schießen was sich bewegt, setzt man ihnen menschliche Gehirne ein. Soweit so gut... doch es werden auch Organe illegal verkauft! Chaos bricht aus als das Menschenfleisch verkauft wird...

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Seitenzahl: 363

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Für Dunja

Inhalt

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Epilog

Ende

Danksagung

Aufruf

Hinweis nächstes Buch

Anmerkung des Autors

Über den Autor

Friedrich Schmidt, geboren 1962 in Saarbrücken, begann seine schriftstellerische Laufbahn mit der Sciense Fiction.

Nun, nicht ganz, denn seine ersten Werke waren

„Gute-Nacht-Geschichten“ - die er für seine Kinder schrieb.

Veröffentlicht wurde aber 1999 sein erster S.F.-Roman mit dem Titel: Weg ins Licht... und zurück, erschienen im R.G. Fischer Verlag.

Doch dabei blieb es nicht.

Es folgten mehrere Dramen und ein Gedichtband mit Kurzgeschichten und weiteren Romanen. Dramen und Sciense Fiction mag er und es werden weitere Bücher in der Art folgen, aber es kamen auch Krimis und eine Horrorstory und nun ein (Horror?) Thriller.

Er liebt beim Schreiben, wie er sagt, das weglassen.

Ohne Umschweife eine Story erzählen – das ist sein Credo.

Daher – viel Spaß an den folgenden Seiten!

Bisher von Friedrich Schmidt erschienen:

Alle Bücher sind über alle gängigen Internetportale bestellbar!

Oder im Buchhandel.

Weg ins Licht... und zurück (SF)

1999 im R.G. Fischer Verlag

Was war wird sein (SF)

2018 Twentysix-Verlag

Lemmy, ich brauch´ dich (Teil-biographisch)

2019 Twentysix-Verlag

Tod oder Liebe – Lisa (Liebesdrama)

2019 Twentysix-Verlag

Mond 99 (SF-Drama/Fantastisch)

2020 Twentysix-Verlag

Die Frau des Teufels (Liebesdrama/Gedichte)

2022 Twentysix-Verlag

Headfield´s Erbe (SF-Krimi/Drama)

2023 Twentysix-Verlag

Tod den Killern – Krimi

2024 BoD-Verlag

Forget, der Zeitreisende (SF-Drama)

2024 BoD-Verlag

Träumer des Todes Horror/Triller/Drama

2025 BoD-Verlag

Und nun: Cyborg-Klone – denn zum töten sind sie da

Mitwirkende

In der Reihenfolge des Erscheinens

Nicole Dumas – Joggerin, findet erste Leiche

Neil Stevenson – Streifenpolizist

Jason Bugman – Neil´s älterer Kollege

Daniel King – erstes Opfer (zweiter Chef)

Charles Forman – zweites Opfer (erster Chef)

Tom Filbert – dritter Chef, Opfer (vom Labor)

Alex Botin – Mordkommission (Erzähler)

Eric Hont – Spurensicherung

Melissa Flier – Laborchefin der Polizei

Monika McConner – Mitarbeiterin/Sekretärin, Fa. CyHaC

Tom Fletcher – Ermittler, Alex´ Kollege

Stan Wilson – Drogensüchtiger/Vermisster

Dr. Johnson – Arzt von Stan

Jack Meier – Vermisster (Anwalt)

Jon Slash – weiterer Vermisster

Wesley Silver – weiterer Vermisster

Gilbert Norris – weiterer Vermisster

Sam Mitchell – Hausmeister der Firma CyHaC

Paul Lawrence – Metzgermeister

Ken Forster – Wachmann der Firma CyHaC

Dr. Nilson Torr – OP-Chef

Steve Norden – neuer Chef der Firma CyHaC

Constantin Ford – Reporter der TV-Sendung

Ethan „Götze“ Meier – Vater eines Vermissten

Ted Filbert – Commissioner (Polizeichef)

Nico Cannon – Bürgermeister

Namen und Story sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären rein zufällig. Den Ort, mit all den genannten Schauplätzen gibt es wirklich, steht aber in keinem Zusammenhang mit dem Inhalt des Romans.

Zitate

„Gott würfelt nicht“

Albert Einstein

Diese Antwort gab Albert Einstein in einem Interview, bei der Frage des Reporters, ob alles im Universum zufällig entstanden und verteilt ist.

Laut meiner Interpretation meint Albert Einstein (auch) damit, dass der Mensch nicht mit dem Leben spielen (würfeln) sollte. Leben erschaffen ist eine Sache der Natur, der sich der Mensch unterzuordnen hat... er sollte sich einer höheren Ordnung fügen – und nicht Gott spielen.

In einer wahnsinnig gewordenen Welt gibt es nur noch eine Konstante, - den Wahnsinn...

Friedrich Schmidt

Prolog

Fall 1

Monikas Traum

Monika schlief in dieser Nacht nicht tief und eher schlecht. In ihrem Schlafzimmer war es auch zu heiß geworden, wie immer zu dieser Jahreszeit, wo Nachts die Heizung ansprang, obwohl es tagsüber noch warm genug war. Sie wälzte sich also in ihrem Bett hin und her und wurde in der Nacht, gegen drei Uhr morgens wach, da sie auch ein Alptraum quälte. Als sie wach war erinnerte sie sich noch deutlich an den Traum der ihr so Angst gemacht hatte.

Sie sah in dem Traum gelb leuchtende böse dreinschauende Augen. Das Gesicht konnte sie kaum erkennen, da es sich im Dunklen verbarg. Auch von der Gestalt selbst konnte sie nur Umrisse sehen, da ein helles, weißes Licht die Kreatur von hinten beleuchtete. Aber scheinbar war dieser Mann muskulös und stark behaart – und er hatte scheinbar einen langen Schwanz. Ein Schwanz wie ein Löwe, an dessen Ende ein Büchel Haare waren. Somit waren die auffälligsten Merkmale drei Dinge: die gelben Augen und Hörner – Hörner eines Ziegenbocks! Und dieser seltsame Schwanz! Es musste sich um einen Dämon oder um den Teufel selbst handeln! Und diese dunkle Gestalt kam in dem Traum immer näher an Monika heran. Verzweifelt hatte Monika sich also suchend umgeschaut. Sie suchte einen Platz, wo sie sich verstecken könnte. Doch die ganze Gegend war flach, eine Ebene ohne Bäume oder Sträucher. Nirgends war eine Hecke oder ein Fels, hinter dem sie Zuflucht hätte finden können.

Und dieser Teufel streckte seine rechte Klaue nach ihr aus! Brüchige, fast schwarze uralte Krallen berührten sie beinahe – und die schnell wachsende Angst trieb sie fast in den Wahnsinn. Doch das helle Licht hinter dem Wesen wurde heller und heller. Plötzlich formierte sich aus einem blauen Dunst, der in dem Licht entstand, eine Art Fee – oder eher ein Engel. Der war viel größer als diese dunkle, hässliche und scheinbar nackte Gestalt. Dieser Engel zog nun ein langes Schwert! Mit nur einem einzigen Hieb, dieses schweren Schwertes, zerteilte dieser Engel den Dämon in zwei Teile. Funken sprühten aus dem Leib, als die beiden Hälften rechts und links zur Seite fielen. Feuer brodelte aus Torso und Beinen, als sie dann auf dem Boden lagen. Kein Schrei kam aus dem Mund des Monsters. Als letztes verbrannten die gelben Augen; wurden schwarze, tiefe Höhlen im verbrannten Fleisch. Und Monika roch sogar im Traum diesen beißenden Geruch!

Kurz danach schaute der leuchtende Engel kurz nach Monika und verschwand dann ebenso schnell, wie er gekommen war – er löste sich einfach wieder in diesem blauen Nebel auf, der sich dann verflüchtigte. Sie öffnete dann die Augen und räkelte sich im nun Schweißfeuchten Bett.

Der Vollmond schien nun durch die Jalousie und Monika war dann richtig wach. Sie beschloss aufzustehen und sich ein Glas Wasser zu nehmen, da ihre Kehle ausgedörrt war. Hastig trank sie von dem kühlen Nass. Das tat gut.

Das leere Glas immer noch in der Hand haltend simulierte Monika und starrte dabei, auf der Bettkante sitzend, vor sich hin. Aber sie hatte keine Ahnung, warum sie diesen Traum hatte oder was der Traum zu bedeuten hatte.

Sie fragte sich, ob ein Engel sie retten würde – retten musste? War sie in Gefahr? Sie wusste nur, dass die Nacht nun schnell enden würde und das sie noch etwas Schlaf brauchte. Dann fiel ihr ein, dass sie, gleich morgen früh, als erstes ihren Chef anrufen musste. Der hatte sich seit gestern Abend nicht mehr gemeldet – und das war ungewöhnlich für ihn.

Dann versuchte Monika noch etwas zu schlafen, was ihr aber nicht sofort gelang. Erst gegen fünf Uhr morgens erreichte sie wieder seliger Schlaf wofür sie dankbar war.

Am nächsten Morgen - Nicole

Nebel waberte an diesem frühen Oktobermorgen über den großen Weiher. Eigentlich war es eher ein kleiner See (viele sagten so). Je nachdem, wie man es eben interpretierte. Die Blätter der großen Buchen und Eichen, die den See umgaben, verloren langsam das Grün. Immer mehr verfärbten sich die Blätter von gelb zu orange. Nicole wusste aus Erfahrung, dass es nun noch etwa zwei bis drei Wochen dauern würde, bis die Farbe der Blätter erst ein kräftiges dunkelrot haben würden. Danach wären sie trocken und braun. Danach würden sie, wenn dann die ersten Herbststürme kamen, von den Bäumen fallen und alles wäre dann irgendwann kahl. Sie hasste das was dann kam. Den November, der kalten Regen brachte, der dann – oft ohne größere Unterbrechungen, bis zum Frühjahr anhalten würde. Und sie hasste dieses Grau des Himmels, und das dann nur noch selten die Sonne durch die dicken Wolken hindurch scheinen würde. Ihr war, wie allen ihren Freunden, der Sommer lieber. Blauer Himmel und Wärme. Dafür gab es doch keinen Ersatz! Aber das war nun mal der Tanz der Erde um die Sonne. Da musste man durch. Durch die Jahreszeiten. Das galt ja für alle Erdenbewohner. Für sie, da sie nun seit kurzem fünfunddreißig Jahre alt geworden war, gingen besagte Jahreszeiten gefühlt immer schneller voran! Nicole Dumas war, an diesem Tag wie jeden Morgen, joggen. Das liebte sie und sie würde sich diese Betätigung, um nichts in der Welt, nehmen lassen. Sommer wie Winter, bei Regen oder Schnee (was aber in ihrer Region eher selten war) – täglich machte sie ihre Runde um dieses Gewässer, das idyllisch in einem Tal lag. Und dies stets noch vorm Frühstück. Sie fand, dass das Joggen, dass sie erst seit etwa drei Jahren begonnen hatte, dass Beste war was sie für ihren Körper tun konnte. Einige ihrer Bekannten sahen das anders. Sie meinten, dass Jogging zu viel auf die Kniegelenke gehen würde. Das konnte sie nicht bestätigen. Sie lief jedenfalls gerne. Es tat ihren Lungen gut – ihren Beinen und dem Po sowieso. Nicole sah jedenfalls keinen Grund, so schnell mit dem Joggen aufzuhören.

Als sie etwa auf halbem Weg ihrer gewohnten Strecke war, vernahm sie das relativ laute Läuten eines Handys. Sie kannte diese Melodie, die auch bei einigen ihrer Bekannten auf deren Handy eingestellt war. Sie verlangsamte also ihre Schritte, da keine Menschenseele um sie herum zu sehen war. Wie üblich, es war ja erst kurz nach sieben Uhr morgens, waren nur wenige Leute unterwegs. Nur gegenüber – auf der anderen Seite des Sees, waren ebenfalls zwei Jogger. Aber die waren weit weg. Von dort konnte das Läuten nicht kommen. Sie vergewisserte sich, ob nicht doch jemand in der Nähe war. Doch es war so - weder vor, noch direkt hinter ihr sah Nicole sonst jemanden. Aber das Handy war deutlich zu vernehmen. Sie machte noch langsamer und blieb dann stehen. Sie drehte sich im Kreis um besser orten zu können, von wo genau das Läuten herkam. Der schmale Weg, auf dem sie sich befand, war nur mit feinem, hellen Kies bedeckt. Zum Ufer hin, neben dem Weg, war nur spärlicher Rasen zu sehen. Zum Wasser hin wurde der Bewuchs noch dünner. Auf der anderen Seite des Weges sah der Rasen besser aus. Dort waren noch kleine eckige Felder angelegt, auf denen im Sommer immer Rosen blühten. Dort standen nun nur verdorrte Stängel, der einst blühenden Landschaft. Die Pfleger des Parks würden bald die Rosen schneiden müssen. Sie waren spät dran, dieses Jahr, überlege sie kurz. Aber das Klingeln hörte nicht auf und holte sie ins Hier und Jetzt zurück. Das Läuten kam irgendwie von weiter weg, bemerkte Nicole. Von irgendwo auf der Wiese, stellte sie dann fest. Dort stand noch ein mächtiger Kirschlorbeerstrauch in fettem, dunklem Grün. Von dort schien das Klingeln zu kommen. Eine Melodie, die ihr nicht gefiel, weil sie sich ständig wiederholte. Ein ungutes Gefühl kroch in Nicole´s Magengegend. Sie rechnete damit, dass dort jemand lag. Vielleicht ein Jogger mit Herzversagen... wer weiß? Das Läuten hörte immer noch nicht auf und so ging sie langsam darauf zu. Sie bewunderte die Geduld des Anrufers. Sie selbst hätte längst aufgelegt. Es musste ein wichtiger Grund sein, um zu dieser Zeit jemanden anzurufen. Angst kroch nun vom Magen her in ihr hoch und sie hatte plötzlich diesen sprichwörtlichen Klos im Hals. Dann sah sie Füße hinter dem Busch! Sie hielt die rechte Hand vor den Mund, um nicht loszuschreien, ging aber langsam weiter darauf zu. Wie sich herausstellte, hatte der unbekannte Mann sehr feine, glänzende Lederschuhe an. Das war ungewöhnlich. Achtzig Prozent der Leute, denen sie hier im Park begegnete, waren angezogen wie sie. Turnschuhe, T-Shirt und Jogginghose. Wenn es kälter wurde, hatten die Leute eine passende Jacke darüber. Gegebenenfalls einen Schal und eine Mütze. Tief im Winter auch mal Handschuhe. Aber der Kerl hier hatte einen Anzug an – und zwar einen der feineren Sorte! Der Anzug war nicht von der Stange. Das erkannte man, selbst wenn man keine Ahnung von Mode hatte. Nicole hatte tatsächlich nur wenig Ahnung von Mode – jedenfalls nicht von Herrenanzügen. Aber hier, bei diesem Modell, konnte man bereits am Stoff erkennen, dass der Anzug sehr teuer gewesen sein musste. Wahrscheinlich war der Anzug sogar maßgeschneidert! Es war ein dunkler, samtglänzender Stoff. Der Mann war groß und kräftig, er lag auf dem Bauch. Nun sah Nicole ein hässliches Loch, mitten im Rücken des Mannes. Getrocknetes Blut war um das Loch zu sehen. Stofffasern standen aufrecht um das kleine Loch, dass in etwa den Durchmesser ihres Zeigefingers hatte. Dass das ein Einschussloch war... um dies zu erkennen musste man nicht studiert haben. Nicole schlussfolgerte, dass die Kugel ihn vorne getroffen hatte, und hier, auf dem Rücken austrat. Ihr wurde schlecht – wusste sie doch, dass sie seinen Puls nicht mehr zu fühlen brauchte! Sicherlich ein Schuss ins Herz. Bei dem Gedanken war sie froh, dass sie ihn nicht von vorne sah – dort sah die Geschichte sicherlich weitaus blutiger aus! Wahrscheinlich lag er schon eine Zeitlang so da. Das Läuten in seiner Jacke hörte aber dann wenigstens auf – endlich!

Nicole nahm ihr Handy aus der Hosentasche und wählte die Nummer, die seit dem 11. September 2001 weltberühmt geworden war – sie drückte die Nummer 911.

„Hallo“ - meldete sich eine weibliche Stimme nach relativ kurzer Zeit -

„... Polizeistation Charleston, Officer Smith am Apparat. Was kann ich für Sie tun?“

„Ja, mein Name ist Nicole Dumas, und ich befinde mich im Hampton Park am See. Etwa am Ende des Parks. Und da liegt ein toter Mann im Anzug hinter einem Busch“ - sagte sie mit etwas zittriger Stimme.

„Okay, Nicole, bitte beruhigen sie sich. Bleiben Sie vor Ort und greifen Sie nichts an. Es werden bald zwei Kollegen bei ihnen sein. Haben Sie ihn bereits angefasst?“

„Nein“ - sagte sie mit nun etwas festerer Stimme.

„Am Besten wird sein, Sie treten ein paar Meter weg. Nicht, dass Sie irgendwelche Spuren verwischen!“

Als Nicole das hörte, sprang sie, mit einem Hopser nach hinten – so, als ob eine Biene sie gestochen hätte.

„Okay, verstehe“ - versicherte sie - „... am Besten ich gehe wieder auf den Weg!“

„Ja, das ist keine schlechte Idee. Bitte haben Sie etwas Geduld, es wird ein paar Minuten dauern!“

„Okay, ich warte dann hier“ - meinte Nicole dann. Ihre Stimme war zart, was bei ihr aber normal war. Ungeduldig wartete sie und war froh als sie – nach nur wenigen Minuten, endlich eine Sirene hörte. Nervös trat sie von einem Fuß zum anderen, was ein wenig so aussah, als ob sie dringend auf die Toilette müsste. Die Sirenen erloschen dann irgendwann. Da es jedoch vom Eingang des Parks bis zu ihr einige hundert Meter waren, würde es noch einige Minuten dauern, bis die Polizisten bei ihr sein würden. Nicole´s Übelkeit hatte sich etwas gelegt. Die vielen Mücken, die in ihrem Bauch zu sein schienen, waren aber noch nicht verschwunden. Zum einen hatte sie dieses Unbehagen, weil sie nur wenige Meter neben einer Leiche stand. Zum anderen hatte sie davor Angst, was die Beamten sie bald fragen würden. Vor ihrem inneren Auge sah sie schon, wie die Polizeibeamten sie untersuchen würden – die Waffe bei ihr suchen würden. Wäre sie doch nur vorbeigelaufen, sagte sie in Gedanken zu sich selbst.

Nun sah sie wie sich ihr zwei Polizeibeamte näherten. Schnell und zielstrebig gingen sie direkt auf Nicole zu. Sie blieben nicht auf dem Weg, sondern gingen, wohl um Zeit zu sparen, über die Wiese. Sie hatten diese typischen blauen Uniformen an und diese eckigen Schirmmützen mit dem silbernen Wappen vorne drauf. Die Gummiknüppel hatten sie jeweils links am Hosenbund, die Revolver rechts. Die schwarzen Hosen hatten diese, für die heutige Zeit, unmodernen Bügelfalten. Beim näherkommen erkannte Nicole, dass der eine ein älterer Polizist war. Seine Haare waren beinahe weiß und er hatte einen dicken Schnurrbart wie er das letzte Mal 1980 modern war. Sie nahm an das der Mann kurz vor der Pension stand. Der Kollege daneben hatte in etwa ihr alter und sah... nun, mehr als gut aus! Der typische amerikanische Junge von Nebenan. Der Typ, dem in der Schule bereits alle Mädchen hinterherliefen und ihn anhimmelten. Der Typ, der beim Fußball der Mannschaftsführer war. Der Quarterback einer Baseballmannschaft war oder eine andere Führungsaufgabe inne hatte. Muskulös und groß war er. Das sah man, trotz der Jacke. Dunkle Haare, fesch zur Seite gekämmt. Soweit man das unter der Mütze erkennen konnte. Etwas dunkler Teint, starker Bartwuchs, markantes Kinn mit Grübchen... kurz – genau Nicole´s Typ Mann!

„Hallo“ - begrüßte der junge Mann Nicole freundlich lächelnd - „... ich nehme an, dass Sie uns angerufen haben! - sagte er und seine Stimme wirkte auf Nicole´s Nerven wie Balsam. Denn seine Stimme – wie seine gesamte Ausstrahlung, hatte eine gewisse Dynamik und war dennoch sanft.

Der Alte nickte nur zur Begrüßung und schnippte mit der rechten Hand dabei am schwarzen Sonnenschutz der Mütze.

„Ah, ich sehe schon worum es geht“ - sagte der jüngere mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen - „... ich nehme an, dass Sie mit dem Mann nichts zu tun haben. Sie waren joggen und sahen ihn hier liegen!“

„Richtig, sein Handy hat geläutet. Ich wusste erst nicht, wo das Geräusch herkam. Ich machte langsam, und ja – so fand ich ihn.“

„Verstehe. Machen Sie sich keine Sorgen. Wir werden Ihre Personalien aufnehmen. Ansonsten war es das für Sie. Ich nehme an, dass Sie sonst niemanden gesehen haben?“

„So ist es. Weiter kann ich ihnen nichts sagen.“

„Ist schon klar. Sie haben nichts angefasst?“

„Nein. Darauf wies mich bereits Ihre Kollegin am Telefon hin.“

„Gut, denn ich muss nun die Spurensicherung und die Mordkommission informieren. Wenn Sie, sagen wir mal – das Handy in der Hand gehabt hätten, müssten Sie es sagen. Die werden das sicher untersuchen und würden dann bei Ihnen landen.“

„Nein, wie gesagt, ich habe nichts angerührt!“

Nachdem der junge Polizist Nicole´s Personalien notiert hatte, konnte sie gehen. Ihr Puls verlangsamte sich wieder auf normale Norm.

Langsam und halbwegs erleichtert ging sie daher in die Richtung, aus der sie gekommen war. Das Joggen war ihr für heute vergangen. Der Anblick der Leiche würde sie heute noch im Schlaf verfolgen, dass wusste sie jetzt schon. „Scheiße“ - murmelte sie vor sich hin.

Kapitel 1

Untersuchungen

Als mein Handy ging war ich gerade auf der Toilette der Polizeistation und wusch mir die Hände. Ich hasste solche Momente – die Hände nass, natürlich kein Papier im Spender und das Telefon hört nicht auf zu läuten... und draußen wartete mein Kaffee, der nun langsam kalt wurde!

„Ja“ - meldete ich mich daher etwas verärgert, da mir, wegen der nassen Hände, um ein Haar das Telefon aus den klitschigen Fingern gerutscht wäre!

„Ja, Hallo, Sergeant Neil Stevenson hier. Hier im Hampton Park wurde uns eine männliche Leiche gemeldet. Nun“ - sagte der junge Polizist, etwas ungeschickt - „... der Mann ist tot. Da gibt es keinen Zweifel!“

„Scherzkeks... wohl einen Clown gefrühstückt? - sagte ich, unnötig barsch - „... entschuldigen Sie... also, können Sie etwas sagen?“

„Schon gut, hab mich blöde ausgedrückt. Nein, die Frau, die es meldete, eine Joggerin, sagte, dass sonst keiner da war. Sein Handy hätte geläutet. Und in diese Richtung sei sie gegangen. So hat sie ihn gefunden.“

„Okay. Warten Sie bitte dort und passen Sie auf, dass keiner irgendwelche Spuren verwischt. Ich komme so schnell es geht. Ich bringe Eric von der Spurensicherung mit. Der hat heute Dienst.“

„Okay, bis gleich“ - sagte Neil.

Erst setzte ich mich in mein Büro und trank meinen nun nur noch lauwarmen Kaffee aus. Ohne den brauchte ich gar nicht erst vor die Tür zu gehen. Ohne meinen Kaffee war ich für andere Menschen ein ungenießbarer Geselle. Deswegen war ich eben auch etwas unwirsch zu dem guten Neil. Egal, ich hatte mich entschuldigt und er wusste auch warum. Wir kannten uns lange genug. Er wusste, dass bei mir nichts lief, wenn ich nicht wenigstens zwei Kaffee intus hatte.

Nun, ich rief Eric Hont an. Dann leerte ich die Tasse. Diese Tasse hatte das Wappen unserer Polizeistation vorne drauf. Die Kollegen hatten sie mir geschenkt, als ich befördert wurde. Ich war, etwa seit gut einem Jahr, Chef der Mordkommission. Auf der Glastüre meines Büros, dass von den anderen Beamten mit einer Glaswand getrennt war, prangte ein schwarzes Schild mit meinem eingravierten Namen darauf: Alex Botin, Chief, stand da. Das Schild hatten sie mir auch geschenkt. Ich war damals sehr gerührt und dankbar. Ja, es war stets eine gute Mannschaft und wir alle verstanden uns gut. Das war mir wichtig und ich achtete auch etwas darauf, indem ich beispielsweise ab und zu den Jungs einen ausgab. Oder, dass wir an Weihnachten etwas zusammen feierten. Viele der Kollegen waren auch in einem Sportvereinen. Dort ließ ich mich dann auch mal sehen. Das alles förderte das Zusammengehörigkeitsgefühl. Ich glaube, dass gerade bei der Polizeiarbeit, die ja mal etwas härter sein kann, ein guter Zusammenhalt der Mannschaft wichtig ist.

Etwa eine halbe Stunde später kam ich dann mit Eric bei den Beiden an. Als klar war, dass in näherer Umgebung um die Leiche, keine Spuren da waren, die wir unbrauchbar machen würden, stellte Eric seine kleinen gelben Dreiecke auf, die aussahen wie Pyramiden. Darauf waren Nummern – 1, 2... und dann legte er ein kleines Lineal neben den Mann. Somit war die Position und seine Größe, also wo und wie er dalag, gesichert. (Wenn es auch ein kleines Lineal war – so konnte man doch erkennen, wie groß der Mann war.) Er machte Fotos. Währenddessen ging ich bei die beiden Kollegen, die rauchend am Wegrand standen und sich unterhalten hatten. Sie erzählten aber nur, was sie bereits gesagt hatten. Mehr wussten sie eben auch nicht.

„Okay“ - sagte ich daher - „... habt ihr etwas gefunden? Eine Patronenhülse vielleicht?“

Beide schüttelten den Kopf. Ich schaute mich also selbst ein wenig um. Die Leiche hatte ein Austrittsloch im Rücken. Die Patrone musste also irgendwo sein. Zur Not müssten die beiden Kollegen die Gegend weitläufig mit einem Absperrband sichern, sodass keiner über die Wiese lief. Dann sah ich, dass ein Ast am Kirschlorbeerstrauch, etwa in Brusthöhe, gebrochen war. Ich schlussfolgerte, dass die Kugel vom anderen Seeufer abgefeuert wurde. Sie brach den Ast ab und schlug dann in des Mannes Brust ein, wo sie wieder austrat. Um die angenommene Flugbahn zu „verfolgen“, musste ich mich umdrehen. Dort standen drei dicke Eichen, direkt nebeneinander. Ich lief dorthin. Ich suchte die Rinde der Bäume ab. Meine Augen suchten die Umgebung in 1,4 – 1,6 Meter Höhe ab - Brusthöhe. Ich wurde fündig! Am rechten äußeren Rand des linken Baumes, steckte eine Kugel. Glück spielt hier und da eine Rolle. Nun, der Tag hatte schlecht begonnen, mit nassen Händen und einem kalten Kaffee (das hasse ich!). Da kann man ja mal ein wenig Glück vertragen.

Ich rief Eric herbei. Der zog sofort seine OP-Handschuhe an. Wusste er nun doch, dass Arbeit auf ihn wartete. Er näherte sich also mit seinem kleinen silbernen Alu-Köfferchen. Dort hatte er das Notwendigste verstaut. Er konnte Fingerabdrücke nehmen, Abstände messen, Fotos machen – und ja, da waren noch diverse andere Dinge drin, wie Pinzetten und kleine Messer und Tüten, die zusammengefaltet auf ihre Bestimmung warteten. Er legte den Koffer auf den Boden und klappte ihn auf.

„Ja?“ - fragte er knapp.

„Hier, in der Rinde steckt die Kugel“ - sagte ich und zeigte ihm die Stelle. Sie steckte nicht tief. Daher ging ich davon aus, dass der Schütze zwar ein Gewehr mit Zielfernrohr verwendet hatte, aber ganz sicher hatte er einen Schalldämpfer aufgeschraubt, was dem Projektil etwas die Power nahm. Nun, die Kugel war jedenfalls immer noch stark genug gewesen, um den armen Mann zu durchbohren und noch drei Meter weiter, hier in den Baum einzudringen.

Eric nahm ein kleines, wiederverschließbares Beutelchen und eine Pinzette aus Kunststoff aus dem Koffer. Eine Pinzette aus Metall hätte die Kugel womöglich verkratzt. Vorsichtig zupfte er also die Patrone heraus und tat sie in die kleine Tüte und verschloss sie. Er tat sie in die Innentasche seines grauen Anzugs. Er klopfte leicht mit der flachen Hand auf seine Tasche, was wohl bedeuten sollte, dass sie sicher verstaut ist.

Weiter konnten wir hier nichts tun. Ich wies also die beiden anderen Kollegen an, sie sollten so nett sein, und den Leichenwagen rufen. Der würde den Mann, zwecks weiterer Untersuchungen, in die Leichenhalle bringen. Doch zuvor erlaubte ich mir aus seiner Po-Tasche sein Portmonee zu entnehmen. Hierzu lieh ich mir bei Eric welche von seinen feinen Handschuhen. Da seine Hände etwas kleiner sind als meine, hatte ich Mühe die Dinger an zubekommen, ohne sie kaputt zu machen. Ich kniete mich. Im Geldbeutel fand man zumeist den Ausweis oder den Führerschein. So war das auch dieses Mal.

Ich las den Namen laut vor, dann nahm ich meinen kleinen Notizblock, und schrieb den Namen auf. Dann steckte ich alles wieder an seinen Platz. Für den Moment genügte mir der Namen des Mannes. Der Name kam mir bekannt vor, doch wusste ich im Moment nicht wieso. Dann stand ich wieder auf und nickte den beiden Polizisten in Uniform zu. Sie wussten was sie zu tun hatten. Eric und ich gingen zum Auto und fuhren wieder ins Revier. Dort gab Eric die Patrone ins Labor. Sie würden dort das Kaliber feststellen und typische Kratzspuren, wie sie jede Waffe hinterlässt – und, mit etwas Glück ließe sich sogar feststellen, wo die Patrone herkam. Auf Fingerabdrücke hoffte ich nicht. Vereinzelt gab es Spezialisten, die, vor allem wenn sie viel schießen, die Patronen selbst herstellen. In dem Fall würde es schwierig werden die Herkunft herauszufinden. Besser ist es, wenn die Patronen beispielsweise aus dem Ausland kommen. Dann kann man über den Zoll und Zwischenhändler den Weg gut verfolgen. Hat man dann, mit viel Glück, im Waffengeschäft, wo die Patrone – oder gar das Gewehr gekauft wurden recherchiert, dann hat man eventuell auch einen Käufer. Ich ging aber jetzt schon davon aus, dass, sowohl Patronen, als auch das Gewehr, Massenware aus Amerika waren. Das hieß, dass beides von überall aus dem Land her sein konnte und war somit nur schlecht nachverfolgbar. Ja, vieles deutete auf einen Auftragsmord hin. Die teure Kleidung des Opfers und die (wahrscheinlich) relativ einfache Waffe, deren Herkunft wohl im Dunklen bleiben würde, deuteten eben auf einen bezahlten Killer hin. Es würde eine qualitativ hochwertige Waffe sein, aber eine, die es tausende Male gibt. Ein Auftragskiller legt natürlich Wert auf solche Details. Als ich dann später gerade zu Mittag in die Kantine gehen wollte, klingelte das Telefon auf meinem Schreibtisch. Beim Abnehmen des Hörers ahnte ich bereits, dass es mit dem feinen Essen heute nichts werden würde. Es gab deutsche Currywurst mit Pommes – und die waren immer schnell vergriffen!

Kapitel 2

Meldung zweites Opfer/Überlegungen

„Ja“ - meldete ich mich nur knapp und bereute schon, dass ich den Hörer abgenommen hatte... irgendwie war heute nicht mein Tag – jedenfalls nicht, was meine geliebten Genüsse anging.

Am Telefon war Jason Bugmann, zufällig der ältere Kollege von Neil - „Heute gibt’s viel zu tun!“ - scherzte er - „... Neil und mir wurde ein weiterer Mord gemeldet. Ein piekfeiner Gentleman. Liegt hier erschossen vor seiner Garage im Nobelviertel von Charleston. Eine Prachtvilla, sag ich dir!“

„Okay, Jason. Ich komme hier nicht sofort weg. Haltet mir den Typ warm, ich komme so schnell es geht!“ - sagte ich, was gelogen war.

„Okay, machen wir“ - versicherte Jason, und ich dachte mir, dass ich mir die Currywurst nicht nehmen lassen würde. Würde ich das tun und später wären alle weg, würde ich mich zu tote ärgern, und dies würde ich dann an den anderen auslassen. Die Leiche musste also warten – oder besser, meine beiden Kollegen. Aber die würden, wie ich sie kannte, selbst die Gelegenheit nutzen um etwas zu essen. Es war eben nun kurz vor Mittag. Also – alles gut! Doch eines musste ich noch erledigen. Ich gab den Namen des ersten Opfers des Tages in die Suchleiste meines PC´s ein - „Daniel King“. An erster Stelle erschien sodann auf dem Bildschirm, dass es ein reicher Unternehmer war. Er war wohl Teilhaber, zweiter Chef eines, hier vor Ort, bekannten Labors. So stand es auf meinem Bildschirm zu lesen. In dieser Firma/diesem Labor stellten sie, meines Wissens nach, keine Chemikalien her. Dass, was sie dort taten, ging weiter. Es war das (soweit ich wusste) erste Labor in der Welt, wo hypermoderne Cyborg´s gezüchtet wurden. Also Wesen, halb Mensch, halb Maschine. Das wurde so auch auf deren Website beschrieben. Ich überflog nur flüchtig den Text. Denn vom Grunde her kannte fast jeder im Ort das Unternehmen. Alles erinnerte dort an Sciense Fiktion. Auch das extrem moderne Gebäude mit viel Glasflächen. Das Labor (eigentlich eine Fabrik, dass Labor war nur ein Teil davon) lag etwas außerhalb des Ortes, in der Nähe eines kleinen Waldstücks. Es wurden dort, so viel war bekannt – wie erwähnt, Roboterähnliche Wesen gebaut. Aber einige Teile davon, wie – angeblich die Gehirne, wären menschlicher Natur. Kein Prozessor, kein Computerchip – so las man jedenfalls in den Zeitungen, war so leistungsstark wie das menschliche Gehirn. Darüber hinaus, so versprachen sich die Macher in der Fabrik, dass in den Gehirnen eine Art Gewissen wohnte. Man wollte keine Rechenmaschine, die in Sekundenbruchteilen über Tod oder Leben entscheidet. Nein, da die Cyborg´s Soldaten ersetzten sollten, wollte man... irgendwie, etwas Menschlichkeit in die Roboter einpflanzen. Schließlich wären dann, in einem Krieg, auch Kinder, ältere Menschen und Frauen vor Ort. Nicht jeder durfte ja als feindlicher Soldat angesehen werden. Die Uniformen hatten ja nicht unbedingt etwas zu sagen – oder, dass jemand ein Gewehr in der Hand hat. Das könnte ja auch ein Partisan sein, der gegen die andere Seite ist – ein Helfer, im weitesten Sinne. Das und mehr galt es ja zu unterscheiden, um dann richtig zu entscheiden, auf wen man schießt... wen man tötet. Ein sinnloses Gemetzel sollte so jedenfalls verhindert werden. Erst einmal gefiel mir der Gedanke. Ich erinnerte mich nun an einen TV-Bericht... es würden so doch Menschenleben gerettet werden, hieß es damals in dem Bericht. Das der ersetzten Soldaten, aber auch, dass Leben der dortigen Zivilbevölkerung! Natürlich kam bei vielen Menschen dann die Frage auf: „Ja, und wo haben sie die Gehirne her?“

Die Antwort gab einer der Chefs des Unternehmens in diesem TV-Interview, den ich eben auch gesehen hatte. Von dort hatte ich die meisten Infos, welche mir nun nach und nach einfielen. Das war aber nur das, was jeder im Ort wusste, der den Bericht gesehen hatte. Was wirklich dort ablief, war wie immer, Betriebsgeheimnis. Sie sagten natürlich nur, was die Menschen hören und sehen sollten, dachte ich mir in dem Moment. Er sagte in dem Interview, dass ihre Firma die staatliche Erlaubnis hätte, die Gehirne aus Gen-Material zu züchten. Die Gehirne seien also Klon-Material. Die Klone, beziehungsweise, das Gen-Material, wäre von Nabelschnüren, und nicht, wie einige Leute behaupteten, von toten Menschen.

Das alles ließ ich mir, nachdem ich wusste, wer der jetzige Tote war, durch den Kopf gehen - „Interessant“ - murmelte ich leise vor mich hin - „... wer hatte was gegen dich?“ - stellte ich mir dann murmelnd die Frage. Dann stand ich auf und ging in die Kantine. Aber irgendwie war auch schon klar, dass jemand wie er, auch Feinde haben konnte, dachte ich mir unterwegs. Nicht jeder im Land war mit dem was dort geschah zufrieden. Im Gegenteil. Am Anfang gab es kleinere Demonstrationen die sich gegen die Firma richteten. Leute, die gegen die Gen-Technik waren und Leute, die die Menschenrechte in Gefahr sahen. Daher auch dieses Interview, fiel mir ein. Sie wollten damit die Bevölkerung aufklären. Das sagten sie ganz öffentlich und das war ihnen damit dann auch gelungen. Nachdem bekannt wurde, dass dort auch über zweihundert Menschen Beschäftigung fanden, hatten sich die Wogen der Leute weitestgehend gelegt. Sie erzählten außerdem, dass alles staatlich kontrolliert sei und alles nach geltendem Recht geschehe. Sie würden auch bedauern, ging es im Bericht weiter, dass sie diese Aufklärung nicht im Vorfeld getätigt hätten. Das glaubte ich sogar, da es ihnen eine Menge Ärger erspart hätte.

Auf dem Weg zur Kantine überlegte ich mir, ob ich das, was in dieser Firma passierte, wirklich gut finden sollte. Ich war mir da unsicher, wusste aber nicht genau warum – was mich eigentlich störte. Ein Bauchgefühl. Vielleicht konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass wir Menschen schon so weit sind, solche Wesen zu erschaffen, die zwar Roboter sind... und doch auch menschlich. Das passte für mich nicht zusammen, aber die Leute dort machen es nun seit fast zwei Jahren und es gab bisher keinen Skandal und keinen weiteren Zwischenfall. Bis jetzt!

Kapitel 3

Es ist der oberste Chef

Satt und halbwegs gut Gelaunt, kamen wir dann bei den beiden Kollegen an. Kurz, bevor ich wegfuhr, hatte ich nach der Adresse gefragt. In weißer Voraussicht hatte ich Eric gebeten gleich mitzukommen. Es war anzunehmen, dass es Arbeit für ihn geben würde.

Da die beiden anderen Kollegen rülpsten, als ich vor ihnen stand, bewies meine Annahme, dass die beiden ebenfalls gegessen hatten und satt waren.

„Mahlzeit“ - begrüßte ich sie daher lächelnd. Von Eric wusste ich auch das er satt war – saß er doch in der Kantine mir gegenüber. Beide hatten wir eine Kola bei der Wurst getrunken, dass schmeckt einfach am besten.

„Wie sieht´s aus, könnt ihr mir etwas sagen?“

„Nicht viel. Wir erhielten die Nachricht von einem Passanten, der vom Bürgersteig her sah, dass hier ein Mann läge, der sich nicht bewegt. Und das da Blut zu sehen wäre. Er sei aber nicht auf das Gelände gegangen, sondern hat uns angerufen“ - sagte Jason.

„Verstehe, habt ihr etwas feststellen können?“

Neil zuckte die Schultern - „Wie Sie sehen, ergibt sich ein ähnliches Bild, wie bei dem Toten heute Morgen. Auch ihm wurde direkt ins Herz geschossen. Auch er liegt auf dem Bauch und auch bei ihm ist die Kugel wieder ausgetreten. Wir haben sie gefunden. Die Kugel steckt im Rahmen des Garagentors.“

„Na, dass ist doch schon was“ - sagte ich und kniete mich nieder. Das Gesicht des Toten war zur Seite geneigt. Ich erkannte ihn, da ich mich – gerade eben erst, an das Interview im TV erinnerte. Deshalb wusste ich auch sofort, wer der Tote war. Es war der oberste Chef der Firma. Sein Name war Charles Forman. Er und ein weiterer Kollege waren in diesem TV-Interview zu sehen gewesen. Dann betrachtete ich mir die Patrone, die dort steckte. Auf den ersten Blick sah sie aus wie die, die wir heute morgen aus dem Baum geholt hatten. Scheinbar war das Kaliber das Gleiche. Das es sich um einen Auftragsmord hantelte, daran gab es nun eigentlich keinen Zweifel mehr. Ich ließ Eric ran. Er machte das selbe wie schon einmal und steckte auch diese Patrone in einen seiner kleinen Beutel aus durchsichtigem Plastik und verstaute selbigen wieder an gleicher Stelle.

„Da wird sich später Melissa freuen“ - bemerkte Eric - „... da hat sie es leichter und kann gleich die Patronen miteinander vergleichen.“

Melissa Flier. Sie ist unsere gute Perle im Polizeilabor - „Ja“ - bestätigte ich - „... da hast du recht. Gebe ihr also alles weiter. Darüber hinaus wartet noch weitere Arbeit auf uns. Wir müssen in diese Firma. Schauen, warum gleich zwei der Chefs für jemanden zum Problem wurden!“

„Das ist in der Tat die Hauptfrage!“ - meinte dann auch Neil.

Sonstige Spuren waren augenscheinlich keine vor Ort. Der Schütze musste wohl wieder aus einiger Entfernung geschossen haben. Wahrscheinlich wieder mit einem Schalldämpfer, da sich sonst Nachbarn wegen eines Schusses gemeldet hätten. Auch das Blut an dem Austrittsloch dieses Mannes, war bereits getrocknet. Der Doc würde, nachdem er die beiden Leichen untersucht hat, sagen, dass beide schon seit Stunden tot sein mussten. Ich selbst ging davon aus, dass beide bereits gestern Abend getötet wurden. Warum gerade dieser Tote hier also relativ spät gemeldet wurde war schnell erklärt. Hier, in dieser Gegend, verfährt sich so schnell keiner. Nur Nachbarn kommen dort vorbei – und die fahren zumeist mit dem Auto auf der Straße. Das ein Mann zu Fuß geht... jedenfalls in Amerika, ist sowieso schon eher die Ausnahme. So war es für mich auch nicht die Frage, wieso der Tote so spät bemerkt wurde.

„Das selbe Spiel wie heute morgen“ - sagte ich an die Kollegen in Uniform gerichtet.

Neil und Jason nickten erst still, dann meldete sich Neil doch noch zu Wort - „Ja, wir rufen den Leichenwagen. Hoffentlich war es das dann für Heute!“ - fügte er seinen Worten noch hinzu.

„Da muss ich Ihnen recht geben“ - meinte ich - „... aber eigentlich können wir doch Du sagen! Du bist zwar als letzter in die Mannschaft gekommen, aber mir ist wichtig, dass wir eine lockere Truppe sind.“

„Alles klar, freut mich – Alex“ - sagte er dann und grinste dabei bis hinter beide Ohren.

„Machst gute Arbeit“ - lobte ich - „... und hast auch einen guten Lehrmeister“ - sagte ich zu Jason gewandt, der dann auch Grund zum Lächeln hatte.

„Ja, das stimmt“ - nickte Neil - „... schade, dass er in einem halben Jahr in Pension geht. Aber ich gönne es ihm auch von Herzen“ - sagte er und klopfte seinem Kollegen beherzt auf die Schulter.

„Ich unterstütze dich, so lange ich kann – aber dann verschwinde ich spurlos“ - prophezeite er lachend mit seiner rauchigen Stimme.

Und ich war froh, dass ich den etwas holprigen Morgen retten konnte. Ich meinte es aber auch ernst. Neil gab einen guten Job ab. Und ja, wenn er sich auch nicht immer perfekt ausdrücken konnte. Er war ja kein Professor. Und... passiert uns das nicht allen mal? Wer sagt nicht mal etwas Falsches? Schwamm drüber! Wir verabschiedeten uns also von den Beiden mit einem Lächeln. Das war die Sache, die mir so wichtig war. Ich wollte Kumpels und keine Hyänen, wo der eine nur darauf lauert, dass er den anderen bei Gelegenheit beißen kann. Mobbing gab es überall – vor allem dann, wenn es um Beförderungen ging, und jeder zeigen will, dass einer besser ist wie der andere. So was galt es zu verhindern. Nun, alles, was wir heute erlebt hatten, gehört in die Welt der Polizei. Und da gehörte Feindschaft untereinander nicht hin. Eher mal ein Lachen zwischendurch. Und das war ja einfach. Man musste es nur tun. Ein Gag hier, ein Lächeln dort – hilft einem im ganzen Leben... und gilt nicht nur unter Polizisten.

Eric und ich gingen also wieder ans Auto. Wir fuhren ins Revier. Auf dem Weg dorthin, versank ich in Gedanken, die so gar nichts mit dem Fall zu tun hatten - „Weißt du?“ - fragte ich Eric, während dem Fahren - „... wo ich an Tagen wie diesen lieber wäre?“

„Nö, keine Ahnung.“

„Du kommst nie darauf. Die Toskana in Italien!“

„Hm“ - meinte er nur.

„Ja, dort ist ein ganz besonderes Licht, so, wie du es sonst nirgends auf der Welt siehst. Alles sieht aus wie weichgezeichnet und die Landschaft ist traumhaft. Die Bretagne in Frankreich. Das wäre auch eine Möglichkeit. Vielleicht auch Irland – auch eine fantastische Landschaft, aber dort regnet es zu viel. Oh“ - träumte ich laut weiter - „... es gibt viele schöne Landschaften auf der Welt. In Kalifornien oder Florida ist es natürlich auch schön und da hätte ich es auch nicht so weit. Aber die Menschen, beispielsweise in Portugal, die haben eine andere Einstellung zum Leben. Ruhe, die Schönheit der Landschaft, gute Luft – dass ist das was ich mir wünsche. Hier, in der Stadt, jedenfalls an Tagen wie diesen, fühle ich mich nicht mehr wohl.“

Schulterzuckend gab ich zu - „Vielleicht werde ich auch langsam alt!“

„Ach was, du bist doch keine Vierzig“ - gab Eric zu bedenken - „... ich denke, dass sind einfach nur unerfüllte Wünsche, die du hast. Mache doch mal Urlaub dort! Oder – wenn dich der Gedanke gar nicht loslässt, verbringe deinen Lebensabend dort. Hab gehört, dass man dort günstige Häuser bekommt.“

„Ja, Italien wäre toll. Nette Leute ohne Stress. Gut drauf und leckeres Essen gibt’s da auch!“

„Höre auf damit. Sonst gerate ich auch ins Schwärmen. Was hältst du davon, wenn wir beide heiraten und dort hinziehen?“

„Halt dein dummes Schandmaul“ - lachte ich, und er wusste genau, wie ich es meinte. Er lachte dann auch.

Am Revier angenommen gingen wir zusammen zu Melissa und Eric übergab ihr den zweiten Beutel des Tages mit der Patrone.

„Ich gehe fast davon aus, dass sie aus einer Waffe stammen“ - sagte ich zu ihr.

Immer wenn ich Melissa sehe, erinnere ich mich immer an ein Gemälde, dass meine Eltern im Schlafzimmer über dem Bett hängen hatten. Das Bild zeigte einen blonden Engel, der Kinder über eine Brücke führt – ein Schutzengel. Plötzlich fand ich, dass ich sonst nicht so philosophisch bin. Aber ab und zu hatte ich solche Gedanken – einen solchen Anfall eben. Das musste ich von meinem Vater haben.

„Wir werden sehen. Morgen kann ich euch mehr sagen!“ - meinte Melissa dann, wobei ihre zarte Stimme ebenso an einen Engel erinnert. Jedenfalls stelle ich mir das so vor.

„Okay, liebliche Melissa“ - sagte Eric dann, der an diesem Tag auch irgendwie anders drauf war als sonst. Egal, der ganze Tag war irgendwie seltsam. Melissa lächelte jedenfalls nur milde. Auch sie wusste wie er es meinte... jedenfalls nicht ernst.

An diesem Tag passierte dann weiter nicht viel. Wir erledigten den Papierkram und machten dann pünktlich Feierabend, was uns beileibe nicht jeden Tag gelang. An den meisten Tagen ist es tatsächlich so, dass wir – irgendwo am anderen Ende der Stadt sind und dann noch zurück ins Revier mussten. Das Polizeiauto durften wir nicht mit nach hause holen. Nur in Ausnahmefällen.

Kapitel 4

Noch ein Toter

Am nächsten Morgen lagen, ja, hier und da geschieht das auch mal schnell, zwei Berichte auf meinem Schreibtisch. Der eine Bericht war vom Doc, der gestern noch beide Leichen untersucht hatte. Über die jeweilige Todesursache wunderte ich mich nicht. Da stand: Tod durch einen Schuss ins Herz. Männliche Leiche... bla, bla... geschätzter Todeszeitpunkt: etwa 22:00 Uhr - 21.10.2027.

Und der zweite Tote - geschätzter Todeszeitpunkt: circa 23:00 Uhr - 21.10.2027.

Also starben die beiden Kollegen (das waren sie ja tatsächlich) – im Abstand von etwa einer Stunde. Das passte. Denn vom Park, wo der Killer das erste Opfer erschoss, bis zur Villa des obersten Chefs, fuhr man, wenn man nicht von der Polizei angehalten werden will, etwa eine dreiviertel Stunde. Vielleicht musste er die Waffe wieder verschrauben, sich in eine günstige Position bringen und warten, bis sonst keiner mehr in der Nähe war, bevor er schießen konnte. Somit ist eine Stunde Zeit nachvollziehbar erklärt. Ich ging also davon aus, dass es sich um einen einzelnen Täter handelte... dessen Geschäft florierte! Aus Erfahrung wussten wir, dass ein Auftragskiller für einen Mord etwa 50000 Dollar erhält. Mindestens. Der Typ war nun also reich! Vielleicht war es auch eine Frau! - soll es heutzutage ja alles geben. Wir würden jedenfalls in der Umgebung die Nachbarschaft befragen müssen. Neil und Jason konnten das übernehmen. Es tauchte aber sogleich das Gefühl auf, dass da nicht viel dabei herauskommen würde. Das war ein Profi. Und die hinterließen