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Rituelle Morde in Travemünde, Intrigen und verwirrende Szenarien, stellen die POK Stina Wallison und Ihre Kollegen vor unlösbare Rätsel. Die Presse und Politik übt immensen Druck aus. Die Reise ihres Freundes Jörg Illmer, zu den Göttern nach Bali, bringt Erleuchtung. Das Leben schreibt die kuriosesten Geschichten. Travemünder Lokalkolorit trifft mit Humor auf menschliche Schwächen und mit Betroffenheit auf Unvermögen und Abgründe. Können die Götter Balis eine Absolution erteilen? "Om."
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Seitenzahl: 193
Veröffentlichungsjahr: 2017
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„TraveSünde“
Aus dem Inhalt:
Rituelle Morde in Travemünde, Intrigen und verwirrende Szenarien, stellen die POK Stina Wallison und ihre Kollegen vor unlösbare Rätsel. Eine Reise ihres Freundes Jörg Illmer, zu den Göttern nach Bali, bringt Erleuchtung. Können die Götter Balis eine Absolution erteilen?
Der Passatmörder (2010)
ISBN 9-783839-183946
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Paperbook
ISBN 9-783842-398474
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e-Book
Engel von Travemünde (2011)
ISBN 9-783842-351004
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Paperbook
ISBN 9-783844-859072
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Trave-Nebel (2012)
ISBN 9-783848-212927
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Paperbook
ISBN 9-783844-839487
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e-Book
Trave-Kristalle (2013)
ISBN 9-783732-234189
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Paperbook
ISBN 9-783732-218141
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Travemünde Komplott (2015)
ISBN 9-783738-617078
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Paperbook
ISBN 9-783739-273358
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e-Book
Quallenpest von Travemünde (2016)
ISBN 9-783738-629255
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Paperbook
ISBN 9-783741-230615
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e-Book
„Karma ist keine Menüfolge. Du bekommst das serviert, was
Du gesät hast.“ (unknown)
„Es gibt nur eine Zeit, in der es wesentlich ist aufzuwachen.
Diese Zeit ist jetzt.“ (Bhudda)
Liebe Käufer (!) und liebe Leser,
dies ist nun der siebte abgeschlossene Fall rund um die Polizeioberkommissarin (POK) Stina Wallison und dem mysteriösen Jörg Illmer. Tauchen sie mit ein in die Welt rund um das Ostseeheilbad Travemünde und der indonesischen Insel der Götter: Bali.
Im Übrigen gilt mein Dank wie immer ausschließlich Ihnen, denn Sie geben mir den Spaß und den Anstoß weiter zu schreiben und die Möglichkeit, aufgrund der Verkäufe, zu reisen...
So mancher Roman kann allerdings, aufgrund von realen Begebenheiten dazu verleiten, der Story Glauben zu schenken. Aber bitte, auch wenn viele Fakten zutreffen, halten Sie es in diesem Fall wie der derzeitige amerikanische Präsident Donald Trump es ‚überzeugend’ formulieren würde: die Handlungen und die Personen sind alle frei erfunden.
Viele beschriebene Ortsangaben werden Sie auch in der Realität wiederfinden. Nehmen Sie die Angaben nicht als Navigationshilfe. Sollten Sie sich aufgrund der Beschreibungen verlaufen, so übernehme ich als Autor dafür keinerlei Haftung.
Es ist nur ein Roman
Für etwaige, eingeschlichene Fehler, bitte ich um gütige Nachsicht. Sollten sie in der Interpretation liegen, so bin ausschließlich ich dafür verantwortlich.
Guido Bleil / Juli-2017
Meine Bücher werden zwar von mir verfasst, aber in der Regel gibt es viele kleine und große Helfer, die zum Ganzen beitragen – wissentlich sowie auch unwissentlich. Das ist auch gut so!
Das Leben schreibt die besten Geschichten und somit bedanke ich mich an dieser Stelle bei allen, die mir wieder Informationen und Steilvorlagen geliefert haben, welche zum Teil in dieses Buch mit eingeflossen sind. Sollten Sie sich „ertappt“ fühlen.., nun gut, herzlichen Glückwunsch! Sie fielen temporär irgendwie aus dem „grauen“ Raster der „unscheinbaren“ Masse, im positiven ebenso wie vielleicht auch im negativen Sinne. Ich benötige beide Varianten, nach dem Motto: „Es gibt gut eingekleidete Dummheiten, wie es gut gekleidete Dummköpfe gibt!“
dem Mediengestalter Jan Ole Bleil, Hannover,
dem Kommissar Detlef Schubert, Bremen,
Für die Feinheiten besonderen Dank: Klaus Both, Cuxhaven
Location im Buch:
Travemünde
Lübeck
Bali + Gili Air/Lombok - Indonesien
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
1. Nachtrag
2. Nachtrag
Rund zwanzig Kilometer vom Lübecker Holstentor entfernt, liegt der Stadtteil Travemünde, welcher durch den Welterfolg des Thomas Mann Roman ‚Buddenbrooks’, eine überregionale Bekanntheit erlangte. Schon früh erfreuten sich erholungssuchende Großstädter an dem abwechslungsreichen Seebad, mit dem tollen Blick auf die Lübecker Bucht. Direkt an der Bucht gelegen und zusammen mit der Halbinsel Priwall, schwärmen nicht nur die knapp 13.500 Einwohner vom ‚schönsten’ Teil Lübecks. Die Geschichte der „Schönen“ reicht bis ins zwölfte Jahrhundert zurück. Der ursprüngliche Gründungsort liegt an der Trave bei Dummersdorf, wo heute ein Naturschutzgebiet ausgewiesen ist und nur noch ein Gedenkstein daran erinnert.
Nicht nur zahlreiche Prominente haben diesen Ort für sich entdeckt, sondern hunderttausende von Besuchern steuern diesen Ort gezielt an, um sich am und im Wasser zu erfreuen, in den zahlreichen Cafes und Restaurants zu verweilen, die Seele baumeln lassen oder gefühlt, den Kapitänen der großen Fähren die Hand zu reichen. So nah kommt man nirgendwo den schwimmenden Riesen.
Wenn auch der politische Filz in Lübeck unübersehbar ist, lässt es sich hier zur Zeit noch wunderbar leben.
Meistens zumindest...
Travemünde, Schleswig-Holstein
Mi-09.August-2017
„Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr.“ (5.Mose 32.35)
Obwohl der Mond sich bereits in der abnehmenden Phase befand, erhellte er den Priwall beinahe wie eine Flutlichtanlage. Vor zwei Tagen erreichte der erdnahe Trabant optisch seine volle Größe, war allerdings meist von Wolken verdeckt. Diese Nacht suchte man vergebens nach Wolken und bei den angenehmen Temperaturen saßen noch viele Menschen am Strand oder auf ihren Booten im Passathafen und schauten in den sternenklaren Himmel.
Aufmerksame Beobachter entdeckten hin und wieder Sternschnuppen. Für die Perseiden, dem jährlich wiederkehrenden Meteoritenschwarm, war es noch drei Tage zu früh. Erst am 12.August, sollte es vor allem in den Morgenstunden, zu einem Himmelsspektakel von bis zu 140 Sternschnuppen pro Stunde kommen, sofern die Wolken nicht wieder den Himmel zudeckten. Dem Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und zugleich in die Zukunft haftet immer etwas mystisch an. Die Romantiker unter den Beobachtern liefen bei Mondschein stets zur Höchstform auf.
Die flackernden Kerzen im großzügig und aufwendig ausgebautem Haus auf dem Priwall, nur einen Steinwurf von der Trave entfernt, tauchten das Billardzimmer mit seinen drei ledernen Clubsesseln, ebenfalls in ein warmes, romantisches Licht. Das grüne, belgische Filztuch des Spieltisches harmonierte hervorragend mit den cremefarbenen Sesseln und dem gediegenen, fast strahlendweißen Berberteppich. Über dem Billardtisch hing eine original ‚London’ Leuchte aus feinstem italienischem Messing, mit insgesamt drei grünen Glasschirmen. Passend dazu zierten die beiden langen, fenster- und türlosen Wände, vier große Gemälde von Jackson Pajunk, einem Hamburger Künstler, dessen Bilder rasch an Wert gewannen. Der Betrachter fand in seinen beschwingten Werken ständig neue Details. In diesen Bildern kann man eintauchen und die Welt, das Leben und den Kosmos wiederfinden. An der schmalen, fensterlosen Stirnseite, hing ein balinesisches Bild, mit einem einzigen Zeichen darauf. Einem Om, eine Silbe, die bei Buddhisten und Hindus als heilig gilt. Das bekannteste Om-Zeichen in der Devanagari Schrift wird oft als Symbol des Hinduismus wahrgenommen.
In diesem Fall handelte es sich jedoch um das Bali-Om. In der Ausprägung stark abweichend, doch von der Bedeutung her gleich. Der balinesische Hinduismus hatte sich schon vor rund 700 Jahren vom indischen abgekoppelt und eine eigene Entwicklung durchlaufen. Vom reinen Glauben wandelte er sich durch Druck der Regierung zu einer Religion. Die Balinesen glauben an die Reinkarnation und arbeiten ständig an der Verbesserung ihres Karmas. Nur mit gutem Karma besteht die Möglichkeit einer Wiedergeburt in der nächsten, höheren Ebene.
Der ganze Raum strahlte gediegene Harmonie und Frieden aus. Ganz klar war hier die Handschrift eines Innenarchitekten, oder eines Menschen mit ausgeprägt gutem Geschmack, erkennbar.
Bis hier hin...
Bis auf zwei unübersehbare Makel.
Zum einem störten die scheinbar willkürlich verteilten, noch die rot glänzenden Farbkleckse auf dem weißen Berberteppich und zum anderen wollte der blutleere, leblose Körper auf dem Billardtisch, nicht zu den Vorstellungen eines gelungenen Spielabend passen. Das konnte das warme Licht der Kerzen auch nicht ausgleichen.
Leise wurde die schwere Zugangstür geschlossen. Kurz vor Mitternacht.
Die Meeresschildkröte schwamm in ruhigen Bewegungen aus der Tiefe direkt auf mich zu, und etwa einen Meter vor mir legte sie sich in eine seichte Kurve, um mich nicht zu touchieren.
Nach weiteren drei, vier Metern ließ sie sich das, knapp ein Meter lange Tier, langsam auf einer Tischkoralle nieder. Es schien ein ausgewachsenes Tier zu sein und brachte gut und gerne mehr als siebzig Kilogramm auf die Waage. So eine Karettschildkröte ist vom aussterben bedroht und muss von den Menschen geschützt werden. Aufgrund ihres Fleisches, ihrer Eier und besonders wegen des Schildplatts, wurde diese Art besonders bejagt.
Hier auf Gili Meno, zwischen Lombok und Bali, gehen diese Meeresschildkröten zur Eiablage an Land. Wenn man sich als Taucher in ihrem Revier respektvoll bewegt, verlieren sie ihre Scheu, schwimmen ein wenig neben einem her und lassen sich in Ruhe im angestammten Lebensraum beobachten. Heute war ich alleine mit meinem aus Paris stammenden Guide Mehdi Malcom, der seit Jahren auf den Gilis lebt und bei den Gili Air Divers arbeitet, auf zweiundzwanzig Meter Tiefe unterwegs. Im Gegensatz zu gestern war die Sicht heute ausgezeichnet. Dennoch hatten wir bisher jeden Tag Schildkröten angetroffen. Manchmal sechs oder sieben auf einmal. „Du hast richtig Glück, York“ sagte der Guide
Mehdi lenkte meine Aufmerksamkeit auf einen Punkt. Angestrengt versuchte ich auszumachen, was er mir zeigen wollte. Die leuchtend, blau-gelbe Nacktschnecke zum Beginn des Tauchgangs, erblickte ich auch erst nach einer Weile. Sie ist allerdings auch nur knapp einen Zentimeter klein gewesen. Die verschiedenen Muränen in den Korallen auszumachen, bereitete mir mittlerweile keine Schwierigkeiten mehr.
Ich blickte konzentriert auf die Korallen in der angedeuteten Richtung und scannte Koralle für Koralle. Ich sah die üblichen Rifffische in Bewegung. Ansonsten entdeckte ich nichts Außergewöhnliches. Ein Blick auf das Finimeter zeigte mir 150 Bar an. Alles gut. Mit 220 Bar begann der Tauchgang und ab 80 Bar wollten wir austauchen, sodass wir an der Wasseroberfläche mit noch 50Bar Sicherheit auftauchen würden. Ich sog das Nitrox-Atemgemisch (in diesem Fall ist der Sauerstoffanteil höher als normale Luft: 32% anstelle 21%), in regelmäßigen Atemzügen durch meinen Lungenautomaten ein. Mit Nitrox ist das Tauchen ermüdungsfreier, allerdings kann man hiermit nicht viel mehr als 30 Meter tief tauchen. Danach wird das Gasgemisch toxisch.
Die Unterwasserkamera blinkte im Powermodus und meine Atmung war gewohnt ruhig. Nur meine Augen tasteten immer noch vergeblich den Korallengarten nach einer Besonderheit ab. Jetzt bildete sich auf der Netzhaut eine ungewöhnliche Bewegung ab. Ich konnte sie aber nicht wirklich erfassen und verarbeiten. Zu kurz war der Eindruck. Vielleicht hatte ich mich getäuscht? Doch nur einen Moment später entdeckte ich ein ‚glotzendes’ Auge. Eine der festen Korallen fing an zu bewegen!
Es schien, als wenn sich die Koralle auflöste und sich Sekunden später an anderer Stelle wieder verfestigte. In anderer Form und Farbe. Gleich darauf noch einmal. Ein Kraken. Ein großer Kraken mit beinahe 50 Zentimeter Körper und entsprechend langen Tentakel. Fasziniert schaute ich dem Spiel vom Auflösen-Bewegen-Verschmelzen zu. Dabei nahm der Kraken nicht nur die Farbe des jeweils neuen Untergrunds an. Er bildete auch die Form der unterschiedlichen Korallenarten eins zu eins nach. Sensationell!
Mit seinen großen Augen schaute er uns an und es gelangen mir ein paar sehr schöne Fotos. Wir wohnten diesem Treiben noch weitere fünfzehn Minuten bei, bevor wir uns weiter mit der seichten Strömung im Riff treiben ließen. Nach den entsprechend vorgegebenen Dekompressionsstopps, bliesen wir an der Wasseroberfläche unsere Tarierjackets auf, um entspannt auf das Tauchboot zu warten. Ich hatte noch 70 Bar Restluft. Mehdi 110 Bar. Keine Ahnung, wieso er so wenig Luft verbrauchte. Vielleicht setzte seine Atmung unterwegs aus. Eben ein Profi.
Das mir, mit meinen über einhundert, meist spektakulären Tauchgängen, die Begeisterung anzumerken war, wird niemanden verwundern, aber auch die Augen des Guides sprühten vor Begeisterung. Während der zwanzig Minuten Rückfahrt ließen wir den Tauchgang noch einmal Revue passieren. Mehdi entledigte sich seines fünf Millimeter Neoprenanzuges, während ich nur mein nasses Lycrashirt gegen ein trockenes austauschte. Bei warmen achtundzwanzig (!) Grad Wassertemperatur, auf dreißig Meter Tiefe, brauchte ich keinen Neo. Deshalb tauchte ich nur in tropischen Gefilden. Der Fahrtwind kühlte die Außentemperatur von 32° auf angenehme 25° runter.
Heute war dies unser zweiter erfolgreicher Tauchgang. Wir beschlossen an Land von Gili Air, in der Beachbar des Sunrise Resort, ein Dekobier zu trinken. Das kühle Bintang Bier schmeckt süffig. Die indonesische Brauerei wurde 1929 während der niederländischen Kolonialherrschaft gebaut. Eine der größten Brauereikonzerne der Welt, Heineken, ist mittlerweile der Besitzer von Bintang.
Wir nahmen jeder auf einem breiten, chilligen Loungemöbel Platz und blickten auf den feinen, weißen Sandstrand und dem smaragdfarbenen Meer in Richtung Lombok, mit seinen Vulkanen. Paradiesisch!
Eine freundliche Servicekraft stellte uns zwei geeiste Bierglashumpen auf den Tisch und füllte die Gläser. Sofort beschlug die Glaswand. Wir nahmen die Getränke in die Hand, stießen mit den Gläsern zusammen, sodass ein dumpfes ‚Klock’ ertönte und setzten zum Trinken an. Bevor der kühle Gerstensaft meine Lippen berührte, wachte ich auf.
Sch.....!
Die RIB-Boot Besatzung der Travemünder WaschPo fuhr so langsam auf der Trave, dass sie sogar von der hundertneunzig Meter langen TT-Line ‚Nils Holgersson’ überholt wurde.
Das dumpfe Wummern der fast 30.000 PS starken Motoren, legte sich wie ein unsichtbares Tuch über die Stadt. Auf dem Fährschiff, das zwischen Travemünde und Trelleborg pendelt, befinden sich 2.685 Lademeter, die 540 PKW aufnehmen können. Die Besatzung von 56 Personen betreuen bis zu 744 Passagiere, welche in Kabinen unterschiedlicher Kategorien untergebracht sind. Ein Restaurant, Lounge, Kino, Fitnessbereich mit Sauna und ein Spielkasino, versüßen den Gästen ihren Aufenthalt während der Überfahrt von sieben bis knapp zehn Stunden.
Es war jedoch eher das Kreischen der Möwen, was die Aufmerksamkeit der beiden Beamten nicht sofort auf die hysterisch schreiende Frau lenkte.
„Malte, schau mal nach Steuerbord. Diese Person dort benimmt sich aber ganz seltsam. Steuer mal zu der Uferbefestigung. Das überprüfen wir mal.“ Die vierundvierzigjährige Polizeioberkommissarin Stina Wallison, nahm das Handfunkgerät und verständigte kurz die Einsatzzentrale, während ihr Kollege Polizeimeister Malte Scheel den Gashebel des leistungsstarken Schlauchbootes kurz nach vorne drückte und mit Schwung längsseits zur Uferkante ging, um gleich darauf wieder aufzustoppen.
Wallison sprang federnd an Land und bewegte sich auf den Maschendrahtzaun zu, hinter dem eine korpulente, etwa dreißigjährige Frau, wild gestikulierend und in höchsten Tönen kreischend, stand. Stina Wallison versuchte die Frau zu beruhigen vor allem überhaupt zu verstehen, was sie wollte. Wahrscheinlich Afrikanerin vermerkte sie für sich, aufgrund des Aussehens. Die Sprache war ihr vollkommen fremd.
Mittlerweile stand Malte Scheel neben ihr. „Die ist ja vollkommen durchgeknallt“ bemerkte er trocken. „Da sollten wir lieber einen Arzt anrufen.“
Wallison ging nicht weiter auf seine Bemerkung ein. „Ich glaube, sie will uns etwas zeigen. Komm mit.“ Mit einem gehockten Sprung setzte sie über den Zaun, während Malte sich ein wenig abmühte. In letzter Zeit trieb er nicht mehr so viel Sport. Dafür gab es mehr Pizza und Bier. „Zu viele Kumpels, zu wenig Frauen“ stöhnte der Polizeimeister und versuchte den Abstand zu den beiden enteilten Frauen zu verringern.
Keuchend erreichte er die offene Haustür, in der wohl beide verschwunden waren. Sicher war er nicht, aber das Gekreische wies ihm den Weg. Auf halben Weg kam ihn seine Kollegin wieder entgegen.
„Malte, rufe die Kollegen. Das ganze Programm. Hier können wir nichts mehr tun. Allenfalls Spuren vernichten. Wir sichern erst einmal das ganze Grundstück und die Frau braucht dringend medizinischen Beistand.“
„Was ist passiert?“
„Das kann ich so noch nicht beantworten. Auf jeden Fall haben wir eine nackte männliche Leiche, ca. Mitte dreißig, weiße Hautfarbe. Die Augenhöhlen sind leer und ein Pflock steckt im Brustkorb, in Höhe des Herzen.“
„Verdammt!“ entfuhr es PM Scheel.
„Oh man, York! War dies ein schöner Traum. So real.“
Mein letzter Bali Urlaub hatte mich im positiven Sinne heimgesucht. Gerne wäre ich wieder dort. Es gibt Schlimmeres, als nur davon zu träumen. Die Realität hatte mich nun wieder. Die war schlimmer.
Auf den angenehm warmen Relaxsteinen im a-ROSA Saunabereich musste ich eingenickt sein. Mein Kopf brummte ein wenig. So ein dumpfes Drücken an der Schädeldecke. Obwohl ich mich nicht so richtig erinnern konnte, schien ich mein Fitnesstraining ein wenig übertrieben zu haben.
Noch müde und wie im Nebel, nahm ich mit dem Fahrrad den Weg vom a-ROSA entlang der Strandpromenade, zur Nordermole. Den Blick auf die Lübecker Bucht gerichtet, wo im Moment nur zwei Angelboote im Sonnenlicht dümpelten und den grünen sowie roten Fahrwassertonnen Gesellschaft leisteten, empfand ich immer wieder als wohltuend. Die Weite und Mächtigkeit des Wassers lösten in mir ein unbeschreibliches Glücksgefühl aus. Ein Gefühl, so wie es früher einmal an der Tagesordnung war.
Langsam ließ ich den Blick vom Möwenstein, von links nach rechts schweifen. Die Küste von Mecklenburg-Vorpommern und der Priwallstrand kamen in den Blick.
Ab da bekam ich immer eine Halsstarre. Nicht, dass ich einen steifen Hals hatte oder gar einen angeborenen Halswirbeldefekt. Nein. Ich wusste einfach, was gleich in den Blickwinkel kam. Die Würfel.
Die Würfel, welche die Politik in höchsten Tönen gelobt und sich entgegen den Widerstand der Priwallaner, welche dort schließlich auf der Halbinsel wohnten, durchgeboxt hatte. Das Bild des Priwalls wandelte sich durch dieses riesige Bauprojekt, von einem grünen Juwel zu einem Betonpark, der in jeder Großstadt zu finden ist. Die Stadt Lübeck hielt bei der Vergabe des Grundstücks alle Trümpfe in der Hand und verspielte eine einmalige Chance, auf ein wirklich schönes, ökologisch nachhaltiges Bauprojekt, mit Alleinstellungsmerkmal. Die Verschalungen an den Betonwürfeln änderten nichts an diesem kalten, dazu noch selten mit Leben gefüllten, architektonischen Missgriff.
Ich versuchte erst gar nicht, mir diesen kantigen Bildausschnitt, welcher der Viermastbark ‚Passat’ ihren Stolz nahm, aufzuzwingen. Stattdessen radelte ich auf der Mole zurück in Richtung Vorderreihe.
Auf Höhe des im Volksmund ‚umgefallenen und halbierten’ Maritim, auch so eine eckige Baumaßnahme, verringerte ich meine Geschwindigkeit. Aus der siebziger Jahre Bausünde Maritim hatten die Stadtplaner und Architekten gelernt. Allerdings nicht viel. Mangels genügend Fantasie, griffen sie wohl auf die alten Maritimpläne zurück, legten das Hochhaus quer vor das Maritim Hotel und teilten es einmal mittig. Fertig war etwas, laut Investoren, Politik und Planern, etwas Einzigartiges. „Wir führen Travemünde in die Zukunft“ lautete ihr gemeinsames Credo. Hierdurch wandelte sich der einstige Charme Travemündes, in den Charme von eckigen Bunkern. Den einzigartigem Charme von modernen Plattenbauten. Chapeau!
Mein Fahrrad hatte ich nun soweit abgebremst, dass ich direkt an dem Kontrollposten 3.1 an der Personenfähre zum Halten kam. Ich hielt meinen Bewohnerausweis mit Lichtbild und Daumenscan vor den Bildschirm des Automaten. Das rote Blinklicht sprang, ähnlich wie bei einer Ampel, auf grün und ich durfte die Panzerglasschleuse passieren. Die zwei diensthabenden, schwer bewaffneten Sicherheitsleute blickten starr durch mich hindurch.
Mittlerweile besaß Travemünde im Stadtkern 17 dieser Kontrollpunkte. Ohne den entsprechenden Sicherheitsausweis war es nicht möglich, sich in dem kleinen Ort zu bewegen. Jeder der rein wollte und jeder der raus wollte, musste sich checken lassen. Da die Diskrepanz zwischen Arm und Reich im Land mittlerweile erschreckende Ausmaße angenommen hatte, errichteten die Reichen, mit Hilfe von Geld und der Politik, immer mehr ‚Oasen der Ruhe’ ein. Eine renommierte Marketingagentur betreute diese Projekte in der Außendarstellung. Abgeschottet vom Pöbel, bewegten sich die ‚Auserwählten’ meist unter sich. Den noch wenigen Ortsansässigen machten sie das Leben durch ständig steigende Mieten täglich schwerer. Die Angestellten der Geschäfte und Restaurants durchliefen ein intensives Ausleseprogramm.
Die Sonne ließ sich hierdurch nicht beirren und erwärmte die Luft schon seit Stunden. Das offizielle Thermometer zeigte bereits 23°C an. Es war gleich acht Uhr dreißig. Auf der Straße waren schon die ersten Menschen unterwegs. Die Damen, meistens über siebzig, in sündhaft teuren Garderoben der angesagten Modelabels, die wenigen Herren in betont sportlich, maritimen Outfit gekleidet sowie die passenden Hunde, in jeder Größenordnung, mit jeder Menge Sarovski Accessoires, säumten den penibel gesäuberten Bürgersteig der Vorderreihe. Viele der ehemals wunderschönen Häuser waren, aus dubiosen Gründen, durch eckige Gebäude ersetzt worden. Dies zog sich nun durch bis in den Fischereihafen. Den ehemaligen wohlgemerkt, denn die Fischer waren längst vertrieben. Dafür gab es dort nun ebenfalls Würfel, der zuvor beschriebenen Art. Kalt und ausdruckslos. Schlichtweg eine riesengroße Sünde.
Allein das Eiscafe Cayade in der Vorderreihe trotze dieser Entwicklung und bewahrte sich seiner Wurzeln. Hier trank ich morgens gerne meinen Capuccino – auch wenn der Blick auf die andere Seite des Priwalls, sich mittlerweile grauenhaft darstellte.
Das Cafe war wie immer schon geöffnet und musste in den letzten Tagen eine neue Terrassenbestuhlung bekommen haben. Ich nahm an einem Zweiertisch Platz. In etwa auf der Höhe, wo ich meistens saß. Die aktuelle Tageszeitung lag auch schon auf der Tischplatte. „Sehr aufmerksam“ dachte ich. Vier Tische weiter saßen bereits zwei Damen vor einem Glas Champagner. Mein XO, mit dem ich hier frühstücken wollte, musste jeden Moment dazukommen. Eine mir unbekannte Servicekraft kam mit leerem Blick, jedoch in einer sehr hochwertigen, schwarzen Arbeitskleidung zu mir an den Tisch. Gerade, indem ich die Zeitung in Augenschein nehmen wollte.
„Sie haben reserviert..?“ näselte sie gerade noch verständlich.
Ich blickte erschrocken auf. „Reserviert?“ echote ich. „Wollt ihr eure Stammkundschaft veralbern?“ schob ich hinterher und lächelte sie dabei freundlich an.
„Ohne Reservierung geht hier gar nichts. Das ist schon seit Jahren so. Außerdem sind wir bereits ausgebucht – wie sie sehen!“ Mit der rechten Hand vollführte sie eine Geste zu den unbesetzten Tischen. Kurzerhand drehte die Bedienung sich um und verschwand wieder im Ladengeschäft. Auf dem Rücken ihrer Kleidung entdeckte ich in Höhe der Schultern einen goldenen Schriftzug. Es gelang mir nicht, diesen komplett zu entziffern. Nur ‚Stan......äß’.
„Tzzz.., Arman, was wird das denn jetzt“ ging mir durch den Kopf. Mein Blick glitt dabei über die Eingangstür, worauf auf einem Schild der Geschäftsname stand. In goldener Farbe auf schwarzem Perlmutt stand ‚Standesgemäß’.
Irritiert nahm ich die Zeitung in die Hand und schaute auf das Datum: 09.August 2037.
Sonntag-09.August 2037!
Der dumpfe Kopfschmerz machte sich wieder bemerkbar.
„Und so jemand seinem Nächsten eine Verletzung beibringt – so wie er getan, so geschehe es ihm“ (Talionsformel ‚Heiligkeitsgesetz’)
Für die luxuriöse Inneneinrichtung, in der repräsentativen Villa, in der Alfred-Hagelstein-Straße, hatte der sonnengebräunte Mann keine Augen. Jeder Einbrecher würde sich die Hände reiben, ob des vielen Silbers, in Form von Leuchtern, Bilderrahmen, Trinkbecher, etc. Die Gemälde erschienen ihm echt und nicht für den normalen Geldbeutel gedacht. Impressionisten, wie Monet und Cezanne, die sich mit der Darstellung des Lichts und deren atmosphärischen Bedingungen auseinandersetzten, machte er sofort aus. Diese Werke würden jedes Museum schmücken.
Jens wusste nicht, ob der Hauseigentümer diese Bilder auf legalen Weg erworben hatte. Wie viel warf so ein Pharmaunternehmen ab? Besonders groß war es laut seinen Recherchen nicht. Die Verdienstspanne konnte natürlich riesig sein. Ihm war es im Prinzip egal. Das einzig wichtige für ihn bestand darin, Andreas zu Größenfelde gefunden zu haben. Nach langen, beinahe zehn Jahren. 3423 Tage Qual! Dann hatte er das ‚Missing Link’. Der entscheidende Punkt. Professor Dr. Andreas zu Größenfelde. Besitzer des Pharmaunternehmens AzG AG, Bad Schwartau, mit ungefähr hundertzehn Millionen Euro Bilanzsumme. Privat wohnhaft in Travemünde an der Ostsee.
Der Zufall führte ihn auf die Spur. Er fand heraus, dass eine Import/Export Firma, dessen Vorstandsvorsitzender schon lange ohne Erfolg in seinem Fokus stand, chemische Substanzen für die Produktion aus Asien anlieferte. Jens Schröder durchsuchte im Netz alles, was irgendwie mit dem Vorstand Dr. Oliver von Gassmann und dem Pharmaunternehmen in Beziehung stand. Einige lose Enden verliefen im Sande. Dies war durchaus normal. Im Laufe der Jahre hatte Schröder gelernt, dass die meisten Spuren in Sackgassen endeten.
