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Geboren um 2000 in einer Welt voller ökologischer, sozialer und seelischer Herausforderungen, Widersprüche und Übergänge, ist Trixi auf der Suche nach dem Sinn und Glück des Lebens. Trixi entführt euch in ein Universum voller Möglichkeiten, Magie und Erleben. Sie reist in ihrem Zimmer, genau wie alle anderen Morgenländer, durch einen Strom aus Zeit, Gefühlen, Raum, Temperatur, Zahlen, Bytes, Molekülen und vielem anderen. In dieser Welt erlebt Trixi das Abenteuer des Erwachsenwerdens. Auch heute reist Trixi wieder im Strom. Sie entdeckt zusammen mit Rosie die bunte Welt von Turisede. Doch sie reist noch weiter - mit ihrem besten Freund Aram verschlägt es sie in die Erlebniswelt Philosophie. Weitere spannende Geschichten, Hörspiele und Reiseangebote zu Trixi und ihren Freunden findet ihr auf: www.trixiness.de
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Seitenzahl: 99
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Dieses Buch ist Teil des Sinn- und Erlebnisprojekts „Trixiness Seelenwege“
Kapitel 1 - Reisen
Kapitel 2 - Das Turiseder Artefakt
Kapitel 3 - Verlockungen der Normwelt
Trixi wachte auf, blieb reglos liegen und versuchte, die Augen zu öffnen. Es gelang nur mit Anstrengung, denn ihre Augenlider fühlten sich wie aneinander geklebt an. Sie fühlte sich kaputt, vollkommen ausgelaugt, nicht funktionsfähig. Als sie sich mühsam im Bett aufgerichtet hatte, merkte sie, dass sie mit einem Stein im Bett geschlafen hatte. Sie reckte sich und ihre Muskeln durchfloss ein Zittern, als wenn man mit Rollerblades über Kopfsteinpflaster rast. Der Passant musste die ganze Nacht unter ihr gelegen haben - ihre Rippen auf der rechten Seite taten jedenfalls ziemlich weh. Sie leckte sich die trockenen Lippen. Sie verspürte brennenden Durst.
Trixi stand auf und latschte, ohne sich etwas anzuziehen, mit halb geschlossenen Augen in Richtung Küche. Ihre Eltern warteten bereits auf sie und konnten sich zwar das Lachen noch verkneifen, grinsten aber bis über beide Ohren, als sie ihre Tochter gebückt wie eine Achtzigjährige im Schildkrötentempo den Flur entlang schlurfen sahen. Mit einem unterdrückten Kichern in der Stimme begrüßte Mama ihre Trixi im neuen Tag.
„Guten Morgen, meine jugendliche Tochter, wie geht es dir?“
Trixi schlich am reich gedeckten Tisch vorbei, hinüber zum Schrank mit dem Morgenländler Geschirr. Dort angekommen, nahm sie sich irgendeinen Becher und schüttete mit der Gier der Verdurstenden das Getränk, das der Becher für sie zauberte, in sich hinein. Es war Wasser, einfach nur kühles, klares Wasser, das sich scheinbar aus dem Mund, ohne den Umweg über den Bauch, direkt im ganzen Körper verteilte. Trixi trank mit geschlossenen Augen und spürte, wie das Wasser von ihren Zellen aufgesogen wurde. Vor ihrem inneren Auge sah sie das Bild einer Blume, die auf einer Wiese satten Grüns steht und mit jedem Schluck, den Trixi trank, blühte diese Blume prächtiger. Als die Blume zur Gänze erblüht war, setzte Trixi den Becher ab und atmete einige Sekunden schwer.
Der Rückgang des Elementes Wasser wurde oft recht stark von den Jugendlichen empfunden und natürlich machte sich das auch körperlich bemerkbar. Das Trixi immer weniger Angst in ihrem Leben verspürte und deshalb das Element, das die Angst mit sich brachte, immer stärker aus ihrem System verdrängt wurde, war einer der Hauptgründe, dass das Morgenland sich dafür entschieden hatte, Trixi so früh zur Gogyo-Ki zu rufen. Es gab noch andere Gründe, aber von denen ahnten weder Trixi noch ihre Eltern etwas.
Ihr Körper verarbeitete das Wasser so schnell, dass Trixi ein paar Tränen aus den Augen quollen. Nicht, da sie traurig war, sondern nur, weil auch dort Flüssigkeit gefehlt hatte. Wortlos, aber sichtlich entspannt, wandte sich Trixi ihrer Mutter zu und umarmte sie, schlurfte um den Tisch und umarmte auch ihren Vater, krabbelte dann mühsam auf ihren Stuhl, atmete tief ein und sagte beim Ausatmen: „Guten Morgen“. Sie setzte den Becher wieder an und trank langsam noch einige Schlucke. Diesmal war es erfrischend fruchtiger und angenehm süßer Apfelsaft.
Herr und Frau Lichtert lachten schallend ob des jugendlichen Häufchen Elends, das sich ihnen in einer geradezu prächtigen Übellaunigkeit präsentierte. Sie kannten das Gefühl aus der Zeit nach ihrer eigenen Gogyo-Ki. Der Rückgang des Elementes Wasser hatte sie beide allerdings nicht annähernd so hart getroffen, wie es offensichtlich bei ihrer Tochter der Fall war. Aber sie waren auch nicht überrascht, weil sie ja um das Talent ihrer Tochter wussten, mit Mut ihre Angst zu bekämpfen, um diese dann mit einem Erfolg zu besiegen.
Nun saßen die stolzen Eltern Trixi gegenüber und schauten sie erwartungsvoll an. Trixi wusste ganz genau, was ihre Eltern sehen wollten und nach einer Nacht voll Schlaf hatte sie sich auch an den Gedanken gewöhnt, dass ihr Passant nicht auf den ersten Blick super cool war, so wie der von ihrer Cousine. Das Lachen ihrer Eltern rief zwar einen wutentbrannten Blick hervor, aber nun musste auch Trixi wieder ein bisschen lächeln. Es war ja schließlich nur ein Tag und nur eine Sache und man konnte immer etwas verbessern oder verändern, dachte Trixi.
Sie versuchte, all ihren Mut zusammen zu bekommen, ihren Eltern den Passanten zu zeigen. Als sie darüber nachdachte, stieg allerdings alles andere als Mut in ihr auf. Sie wurde traurig und fühlte sich plötzlich wieder sehr kraftlos. Ihre Mama merkte, dass in Trixi ein Kampf tobte. Sie kannte aber ihre Tochter und zweifelte etwas daran, dass die Laune der Situation angemessen war.
„Na, worüber bist du enttäuscht? Hast du deinen Passanten nicht am ersten Abend entschlüsselt?“, neckte sie und strich Trixi lächelnd über den Kopf. An der Reaktion ihrer Tochter merkte sie, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Sie stand auf, ging um den Tisch und schloss Trixi in die Arme. Als Trixi die Wärme und Liebe ihrer Mutter spürte, da überwältigte sie das Gefühl der Geborgenheit und sie fing leise an zu schluchzen. Einfach aus Erleichterung und weil sie natürlich doch sehr enttäuscht von dem Felsbrocken als Passant war.
Trixis Eltern hatten am heutigen Morgen alles erwartet, nur nicht eine weinende, enttäuschte Trixi. Während sie ihrer Tochter eine Weile gaben, um etwas von ihrer Traurigkeit heraus zu weinen, schauten sie sich erstaunt und mit Sorgenfalten im Gesicht an. Zu ihrer Erleichterung dauerte es nicht lange und Trixi hatte sich wieder beruhigt.
„Was ist denn bloß los?“, fragte nun Trixis Papa.
„Ich zeig‘s euch, wartet...“, muffelte Trixi und schleppte sich mit hängendem Kopf und kraftlosen Schultern durch den Flur und die Treppe hinauf. Als sie wieder zurückkam, hielt sie einen Stein in der Hand.
Torben und Jule Lichtert erschraken etwas, als sie ihn sahen, ließen sich aber nichts anmerken. Sie erkannten sofort, dass Trixis Passant ein Stück Morgenfelsen war und wussten um die unbändige Macht, die so ein Stein in sich trug. Trixi schlurfte auf den Tisch zu, warf den Stein mit einer beiläufigen Geste darauf und setzte sich lustlos wieder an ihren Platz. Durch ihre zur Schau gestellte Enttäuschung hindurch moserte sie: „Darf ich vorstellen, mein ach so toller Passant“.
Obwohl sie wussten, dass Trixi mit diesem Passanten eine ganze Menge Arbeit vor sich hatte, mussten Torben und Jule sich das Lachen schon wieder verkneifen. So zutiefst in das eigene Leid vergraben, darin absolut eingerichtet und irgendwie nicht unglücklich damit, kannten Trixis Eltern sie nur aus ihrer frühen Kindheit. Wie die meisten anderen Kinder auch, hatte sie im Alter zwischen vier und sechs Jahren sehr mit Enttäuschungen, Rückschlägen und Frustration zu kämpfen gehabt. Für Trixi war es in diesen Jahren eine ziemliche Katastrophe gewesen, wenn etwas nicht klappte. Das hatte sich geändert, als sie sich mit Aram angefreundet hatte. Wenn ihr damals etwas in die Hose gegangen war, hatte sich Trixi dann immer ganz genau so an den Tisch gesetzt - eingewickelt in die eigene Muffeligkeit, wie in eine schützende Decke.
Torben Lichtert nahm den Stein und drehte ihn in der Hand. Als er die flachste Seite gefunden hatte, verweilte sein Blick dort einige Sekunden. Er drehte den Stein um hundertachtzig Grad und stellte ihn mit der flachen Seite auf den Tisch. Nun sah er fast aus wie ein kleiner Berg. Torben wusste, dass er jetzt nur an seine Tochter heran kam, indem er ihr Interesse weckte - alles andere würde an ihrem granitharten Dickschädel abprallen. Also schaute er seine Frau an und fragte sie: „Hast du schon einmal ein so großes Original gesehen?“. Mama Lichtert musste sich kurz sammeln, denn das hatte sie nicht. Sie legte ihre Hand auf Trixis Schulter und sagte: „Nein, habe ich noch nicht gesehen“.
„Was ist ein Original?“, fragte Trixi.
„Das ist ein echtes Stück aus dem Felsen. Wenn der Felsen kalbt, schließt sich das entstehende Loch eigentlich wieder. Sonst wäre der Morgenfelsen ja schon lange weg. Das passiert bei einem Original aber nicht. Sie ändern auch ihre Form nicht. Originale können manchmal ganz schön viel“, antwortete Papa. Er holte gerade Luft, um weiter zu sprechen, doch Jule kam ihm zuvor: „Genau dafür hast du Rosie“, sagte sie, „die kann dir das alles ganz genau erklären“.
Papa Lichtert stimmte zu. Dann schaute er seine Tochter an und sagte: „Mach mal die Handfläche auf“.
Trixi gab sich Mühe, sich die Aufhellung ihrer Laune noch nicht so direkt anmerken zu lassen und streckte ihrem Vater also wortlos eine Hand hin. Der nahm den Passanten und stellte ihn mit der flachen Seite auf Trixis Handinnenfläche. Es begannen erst nur die weißen Adern im Stein zu leuchten, dann glomm auch der graue Stein und nach einigen Momenten strahlte der ganze Stein ein helles Licht aus.
Trixi betrachtete ihren Passanten und ohne ihre Eltern eines weiteren Blickes zu würdigen, sagte sie: „Ich geh mich anziehen“ und entschwand, den Blick auf den leuchtenden Stein in ihrer Hand gerichtet. Jule und Torben blieben mit einem riesigen Frühstück und einer Menge Zeit in der Küche zurück.
Trixi war in ihrem Zimmer angekommen und setzte sich an ihren Schreibtisch. Sie nahm den Stein von ihrer Handfläche, der sofort aufhörte zu leuchten. Sie stellte ihn vor sich auf den Tisch und betrachtete die Adern, die ihn durchliefen. Sie strich über jede einzelne mit dem Finger und verfolgte sie. Alle endeten in einem Kreis an der flachen Seite des Steines, die scheinbar die Unterseite war. Einige waren sehr rau und andere extrem glatt. Nach einiger Zeit merkte Trixi, dass alle Adern sowohl glatt als auch rau waren. Strich man in die eine Richtung, glitt der Finger über den Strich wie ein Pinguin über eine Eisfläche. In die andere Richtung zu streichen, fühlte sich an, als würde man den Finger über ein grobes Schmirgelpapier ziehen.
Trixi hob den Stein von der Tischplatte und begann, ihn in den Händen zu drehen. Dabei schaute sie genau auf die Adern und strich immer wieder in die eine oder andere Richtung darüber. Sie war plötzlich Feuer und Flamme für ihren Passanten. Er zog sie mit jeder Drehung, die er in ihren Händen vollzog, mehr in seinen Bann. Trixi beobachtet ihre Hände dabei, wie sie den Stein betasteten und hatte fast das Gefühl, der Stein würde sich automatisch in ihren Fingern bewegen. Fast wie eine Katze, die sich mit dem Kopf an eine Hand anschmiegt. Trixi ließ ihren Passanten auch immer mal wieder aufleuchten, indem sie ihn sich in die Handfläche legte. Sie glaubte nicht, dass ihr das bei der Entschlüsselung des Passanten helfen würde, es fühlte sich einfach toll an.
Trixi stand auf und vollführte mit dem Passanten in der Handfläche einen kleinen Hexentanz. Oder das, was sie glaubte, was eine Hexe tun würde, wenn sie einen Flammenstein beschwören wollte. Es machte ihr einen Riesenspaß. Sie drehte sich und sprach in Fantasiesprache und probierte dabei das eine oder andere aus. Zum Beispiel legte sie den Stein von der einen Hand in die andere - immer wenn der Stein in der linken Handfläche lag, erlosch das Licht. Trixi blieb in der Mitte ihres Zimmers stehen, streckte die rechte Hand aus und wartete, bis der Passant hell leuchtete. Dann streckte sie die linke Hand aus, legte sie über den Stein und ließ immer nur ein kleines Stück des Steines frei, so dass der Lichtstrahl wie eine Taschenlampe nur einen Teil ihres Zimmers ausleuchtete. Dabei fiel ihr etwas auf. Sie nahm die linke Hand wieder weg und sah, dass der Stein sein Leuchten angepasst hatte. Er war an den Stellen, an denen Trixis linke Hand gelegen hatte, dunkel geworden und leuchtete nun tatsächlich nur noch in eine Richtung. Trixi drehte den Passanten, um sich ihre neue Taschenlampe von vorne anzuschauen und leuchtete sich dabei in die Augen. Sie wurde aber nicht geblendet. Es war ihr nicht bewusst gewesen, doch während ihres Tanzes hatte sie die ganze Zeit in ein extrem helles Licht geschaut, war aber kein bisschen geblendet. Jetzt strich sie über die letzte leuchtende
