Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Fitzpat lernt fliegen.....Asbetia lernt singen.....Kjell lernt, dass Freundschaft etwas sehr wervolles ist....Kvinna lernt Zaubern.......Die Hexen lernen unsere Freunde kennen....Die Tjonkas lernen wir kennen
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 62
Veröffentlichungsjahr: 2012
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Wolfgang Stammen
Turmstrasse 13
Der Traum vom Fliegen
Dieses eBook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Der Traum vom Fliegen!
Das riecht doch irgendwie nach Abenteuer!
Aber jetzt kann es dann endlich wieder mal losgehen!
Glatte Landung!
Kjell: ein Name den man sich merken sollte!
Ach so Aeroballon heißt das Fluggerät!
Bei den Hexen!
Kvinna, auch ein Name den man sich merken sollte!
Impressum
Der Traum vom Fliegen!
Fitzpat klammerte sich an die Hexe. Er spürte ihre mageren knochigen Schultern, und ihr schwarzes glänzendes Haar verfing sich immer wieder in seinem Mund. Die Dächer der Stadt huschten mit atemberaubender Geschwindigkeit an ihm vorbei. Aus den Kaminen der Häuser stieg schwerer Rauch und manchmal sauste Fitzpat mitten durch eine nach oben steigende Rauchsäule und roch das Holzfeuer.
Eine Krähe schoss schimpfend davon, als die Hexe laut lachend auf sie zuflog. Jetzt zog sie den Besen weit nach oben, nur um im nächsten Atemzug im Sturzflug Richtung Boden zu fliegen. Fitzpat dachte, dass sie gleich in einen Baum hineinfliegen würden, aber im letzten Moment zog die Hexe ihren Besen daran vorbei; nur ein paar Blätter flogen in hohem Bogen um sie herum. Der Mond leuchtete mal rechts, dann wieder links, mal hinter ihnen, dann flogen sie direkt auf ihn zu und Fitzpat glaubte schon, die Krater des Mondes ganz scharf vor sich zu sehen. Die Hexe bewegte sich ruckartig immer mit dem Besen mit und Fitzpat musste sich gut festhalten, um nicht abzurutschen. „Jetzt kommt die Landung! An ihr erkennt man immer die wahre Meisterin“, rief ihm die Hexe über die Schulter hinweg zu.
Fitzpat dachte an seine letzte Landung, zusammen mit Asbetia, dann war er auch schon auf dem Boden, rutschte mit hoher Geschwindigkeit über eine feuchte Wiese und krachte gegen einen dicken Baum. Als er sich etwas benommen und ärgerlich wegen der Bruchlandung hochrappeln wollte, sah er, dass er neben seinem Fellbett lag. Er hatte alles nur geträumt und wusste nicht so recht, ob er jetzt erleichtert sein sollte oder enttäuscht.
Es war nun drei Monate her, dass Fitzpat zusammen mit seiner Familie in die Turmstraße 13 eingezogen war; zur gleichen Zeit wie das Leintuchmädchen Asbetia mit ihren Eltern. Asbetia war zu einer guten Freundin geworden. Kobolde und Leintuchwesen kamen ja eigentlich nicht so gut miteinander aus, aber hier in der Turmstraße 13 klappte das Zusammenleben doch recht gut.
Fitzpat stand auf, reckte sich wie ein Kater, zog seine grüne Hose mit den roten Hosenträgern an und ging in die Küche. Seine Eltern saßen an dem riesigen Holztisch und ließen sich bereits das Frühstück schmecken. Bruobart las im Schattenblatt, der Abendzeitung in der Schattenwelt. Fitzpats Mutter, Lempe, schlürfte ihre große Tasse mit Kobold-Graymountain-Kaffee, dem Lieblingsgetränk der Kobolde. Sie schaute zu Fitzpat herüber. „Na, wieder mal geflogen? Ich hab dich landen gehört.“
Fitzpat musste lachen. „Ja, das Landen ist immer das Schwierigste, sogar im Traum.“
Bruobart murmelte etwas, das so klang wie ‚Kobolde gehören auf die Erde und nicht in den Himmel?.
Lempe ignorierte schmunzelnd ihren Gatten. „Hier, iss erst mal, mein kleiner Bruchpilot.“ Sie schob Fitzpat einen großen Teller mit Koboldcrunchis hin. „Gehst du wieder zur Kleinen von oben?“
Fitzpat nickte, stopfte sich den Mund mit einem riesigen Holzlöffel voller Crunchis und mampfte mit großen Augen.
Kurz darauf war er auch schon aufgestanden und rannte die langen unterirdischen Kellergänge bis in das Treppenhaus. Hier nahm er flugs die Stufen und rannte hoch bis zum obersten Dachzimmer, in dem Asbetia sich gemütlich eingerichtet hatte. Er klopfte kurz, dann öffnete er die große schwere Tür. Asbetia hing in ihrer Hängematte und schaukelte leicht. Den Kopf hatte sie weit über den Rand nach hinten gebeugt und hielt versonnen eine alte Taschenuhr in der Hand. Sie schüttelte sie ein paar Mal, klopfte mit dem Zeigefinger geräuschlos auf das Uhrenglas und hielt sie dann innig lauschend an ihr Ohr.
„Hmmm“, sagte sie dann zu Fitzpat. „Nix, ich glaub, die geht nicht mehr.“
Fitzpat ging zu ihr. „Ist die aus der Schatzkiste?“
Asbetia nickte. „Ja, steht auf 5 vor 12, ich denke stehengeblieben vor Mitternacht.“
Fitzpat nahm die Uhr und hielt sie genauso erfolglos an sein Ohr wie Asbetia. „Stimmt, geht nicht.“
Er versuchte, an ihr zu drehen, aber er sah, dass das Rädchen zum Aufziehen weg war. „Tja, ohne Rädchen kann man sie natürlich auch nicht aufziehen.“
Asbetia schaute zu Fitzpat. „Ich frage mich, was für ein Kind das in die Kiste getan hat und warum.“
Fitzpat schaute gedankenverloren. „Na ja, ich denke zumindest nicht, dass es sie reingetan hat, weil sie kaputt war.“
„Nein“, Asbetia schüttelte sich. „Sie muss ihm was bedeutet haben. Vielleicht war sie ein Geschenk von jemandem, den es mochte, vom Großvater oder von einem netten Onkel.“
Fitzpat gab die Uhr Asbetia zurück, die immer noch halb kopfüber in ihrer Hängematte lag und ihn ansah, dass es ihm fast schwindelig wurde.
„Möchtest du mal wieder was mitnehmen aus der Schatzkiste?“, fragte sie ihn.
Fitzpat schaute in die Kiste hinein und kramte ein wenig darin herum.
„Wohin führt wohl der hier?“ Er zog einen Gegenstand aus der Kiste und zeigte ihn Asbetia.
„Sieht aus wie ein sehr alter Schlüssel“, sagte sie mit einem flüchtigen Blick nach oben, versuchte aber immer noch, die alte Taschenuhr wieder zum Laufen zu bringen.
Fitzpat nickte. „Ja, aber er ist ja sehr groß, und ich kenne kein Schloss hier im Haus, in das er passen würde.“
Asbetia flog im Nu hoch und stand in der selben Sekunde neben Fitzpat. „Du meinst, es gibt irgendwo eine geheimnisvolle Tür, die wir noch nicht entdeckt haben?“
Fitzpat zuckte mit den Schultern. „Ja, vielleicht, obwohl wir das Haus doch schon gut erforscht haben.“
Asbetia schüttelte sich. „Ich denke nicht, dass es hier noch eine unentdeckte Tür gibt.“
Fitzpat überlegte. „Aber vielleicht gibt es ja noch ein unentdecktes Gebäude auf dem großen Grundstück um die alte Villa herum.“
Asbetia musste zugeben, dass das Grundstück um die alte Villa viel größer war, als sie am Anfang ihres Einzuges angenommen hatten. Ein sehr weitläufiger Park umgab das Gebäude, der teilweise in ein kleines Wäldchen überging und auf einer Seite in ein großes offenes Feld mündete.
„Das Grundstück ist wirklich sehr groß und alles kennen wir ja in der Tat noch nicht“, antwortete sie. „Komm, wir schauen im Park, vielleicht entdecken wir ja die Tür zu dem Schlüssel.“
Fitzpat wollte Asbetia eigentlich noch seinen Traum erzählen, aber dann dachte er an ihr letztes gemeinsames Flugabenteuer und verzichtete lieber darauf. Nicht, dass sie ihm am Ende noch anbot, seinen Traum erneut Wirklichkeit werden zu lassen.
Fitzpat holte aus seinem Zimmer noch schnell seine große Taschenlampe, die er so gerne mochte, und dann öffneten er und Asbetia die große Eingangstür und gingen die breiten Stufen herunter. Unten angekommen sahen sie sich in alle Richtungen um. Der Mond stand halb und gemütlich schräg am Himmel. Ein Käuzchen rief in der Dunkelheit nach einem Uhu und ein leichter Nebel schwaberte träge um Fitzpats Beine.
