Und dann kam Kuschel.... - Stefan Lightert - E-Book

Und dann kam Kuschel.... E-Book

Stefan Lightert

0,0

Beschreibung

Die Geschichte "Und dann kam Kuschel ...." handelt von einem kleinen Kuscheltierwaschbären, der in einem großen Kaufhaus im Ruhrgebiet zwischen vielen anderen Kuscheltieren sitzt und dort auf eine Menschenfamilie wartet, die ihm ein neues, liebevolles Zuhause gibt. In der Vorweihnachtszeit wird sein Wunsch erfüllt. Hannah und Felix nehmen ihn mit. In deren Haus in der Vorstadt angekommen, erlebt Kuschel viele aufregende Abenteuer, lernt andere Kuscheltierfreunde kennen, und bringt das Leben von Hannah und Felix ganz schön durcheinander. Und auf den Mund gefallen ist Kuschel auch nicht....

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 224

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Widmung:

Ich bedanke mich bei meiner geliebten Frau „Hannah“, die mich zu diesem Buch ermutigt, mich kreativ unterstützt und mit vielen Ideen und guten Einfällen begleitet hat. Sie ist seit vielen Jahren an meiner Seite, und dafür danke ich ihr. Ich habe Dich sehr lieb! Fühle Dich gedrückt und geküsst!

Weiterhin bedanke ich mich bei meinen Eltern, die immer für mich da waren und sind. Ihr seid die besten Eltern, die ein Kind sich wünschen kann.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 Als alles begann

Kapitel 2 Der nächste Tag

Kapitel 3 Kurz vor Weihnachten

Kapitel 4 Heute ist der große Tag

Kapitel 5 Silvester

Kapitel 6 Urlaub in Holland

Kapitel 7 Der erste Urlaubstag

Kapitel 8 Auf zur Tierklinik

Kapitel 9 Ruhetag

Kapitel 10 Bootstour

Kapitel 11 Ab durch die Mitte

Kapitel 12 Einkaufsbummel

Kapitel 13 Reiterhof

Kapitel 14 Ein Regentag

Kapitel 15 Der letzte Urlaubstag

Kapitel 16 Ostern steht vor der Tür

Kapitel 17 Ostersonntag

Kapitel 18 Der erste Schultag

Kapitel 19 Neuer Tag, neues Glück

Kapitel 20 Hundeschule

Kapitel 21 Hundeschule Teil 2

Kapitel 22 Sonntagsausflug

Kapitel 23 Baumrettung

Kapitel 24 Renovierungspläne

Kapitel 25 Möbelrücken

Kapitel 26 Nächtlicher Besuch

Kapitel 27 Handwerkeralarm

Kapitel 28 Sommergewitter

Kapitel 29 Zeugnisausgabe

Kapitel 30 Sperrmüll

1. Als alles begann

Mein Name ist Kuschel, ich bin fünf Jahre alt und ein Waschbär.

Mit allem, was dazu gehört: schwarze Maske, gestreifter Schwanz, vorwitzige Art, rote Nase. Manche sagen, ich sei frech.

Dabei bin ich eigentlich ziemlich friedlich und freundlich – finde ich.

Außerdem habe ich drei goldene Punkte auf der Nase und wenn ich die verliere, werde ich keine 99 Jahre alt –glaube ich jedenfalls. Ich erzähle euch meine Geschichte, wie ich zu den Menschen kam, bei denen ich heute lebe, wie wir eine große Kuscheltierfamilie wurden und viele unserer gemeinsamen Abenteuer.

Alles begann in einem Kaufhaus im Ruhrgebiet. Den Namen habe ich zum Glück vergessen, denn es war nicht schön dort. Viele Menschen, schlechte Luft, eine furchtbare Beleuchtung. Und ich mittendrin unter vielen anderen Kuscheltieren auf der Suche nach einen schönen, neuen zu Hause, wo man mich liebt hat, mich gut behandelt und ich hoffentlich viele Freunde finden werde.

Ich war schon einige Tage mit vielen anderen Kuscheltieren in diesem Regal.

Gedränge ist nichts für mich. Ich wartete und wartete. An einem Donnerstag in der Vorweihnachtszeit im Dezember entdeckte mich ein Menschenpaar. Der Mann wollte eigentlich weitergehen, aber ich habe mein liebstes Gesicht aufgesetzt und ganz laut gerufen. Es hat geholfen. Ich wurde erhört. Die Hände der Frau streckten sich mir entgegen. Sie hob mich hoch, schaute mich liebevoll an, drückte mich an sich, küsste mich zärtlich und sagte mir:

„Du sollst jetzt zu uns gehören und es gut bei uns haben.“

Ich hatte ein neues zu Hause. An der Kasse haben die Menschen meine Ablösesumme bezahlt. Ganz schön viel Geld, aber eigentlich bin ich ja unbezahlbar.

Voller Zuversicht, Neugier, aber auch Angst, was wohl kommen mag, haderte ich der Dinge. Es hat ganz schön lange gedauert, bis wir bei den Menschen zu Hause angekommen waren. Ich dachte schon sie wollten mit mir auswandern. Ich habe ja gar keinen Reisepass, dachte ich. Egal, nicht mein Problem. Zum Glück hatte ich einen bequemen Platz auf dem Rücksitz von diesem roten Geschoss. Autos, so heißen diese Dinger wohl, waren mir noch fremd. Komisches Ding, aber keine unangenehme Art zu reisen. Nur besonders viel sehen konnte ich nicht. Dunkel war es draußen. Und geregnet hat es. Gut das wir nicht laufen mussten. Nasse Füße mag ich nämlich nicht.

Um 68 Uhr - damals konnte ich die Uhr noch nicht lesen - sind wir bei den Menschen zu Hause angekommen. Von außen ganz passabel. Nette Gegend mit schönen Häusern, gegenüber viele Bäume. Vorstadt und Wald heißt das. Ich hatte Glück.

Ich habe viel gelernt in den letzten Monaten. Dank des Schulunterrichts von Herrn Ratte und Igelmama. Dazu aber später mehr. Und es wartete sogar bereits ein neuer Freund auf mich. Eine große, graue Maus mit Füßen so groß wie Golfschläger.

Das hört die Maus, Herr Dudel heißt er, nur nicht so gerne. Die Menschen stellten uns einander vor und setzten uns zusammen in eine rote Decke auf eine braune Couch und so hatte ich bereits am ersten Abend viel von meiner Angst verloren.

Mit klopfendem Herzen bin ich müde, erschöpft aber glücklich eingeschlafen. Der nächste Tag konnte kommen….

2. Der nächste Tag

97 Uhr ( 6 Uhr).

Ein komisches Geräusch aus dem Nebenraum. Ein Wecker lässt Herrn Dudel und mich hochschrecken. Wo bin ich? Habe ich das alles nur geträumt?

Nein, ich bin wirklich bei den netten Menschen, die mich gestern mit nach Hause genommen haben. Und Herr Dudel ist auch noch bei mir. Puh, Glück gehabt. Also keinen Grund zur Aufregung.

Ob ich allerdings immer um 97 Uhr aufstehen will, muss ich mir noch überlegen. Vermutlich nicht. Dunkel ist es auch noch draußen. Aber als guter Gast, der erst eine Nacht hier ist, will ich mal nicht so sein.

Herr Dudel, er wohnt überings schon länger bei den Menschen, wenn auch leider bislang einsam auf der Couch, erklärt mir, was nun passiert:

Die Menschen quälen sich aus dem Bett, frühstücken hektisch, gehen ins Badezimmer um sich zu waschen, ziehen sich an, gehen mit ihren drei Hunden eine Runde spazieren, füttern sie und verlassen dann fluchtartig das Haus um zur Arbeit zu fahren. Das alles sagt mir bisher nichts.

Im Kuschelland, dort wo ich ursprünglich herkomme, läuft das alles viel gemütlicher. Kein Wecker, keine Arbeit, keine Autos, kein Stress.

Man kann nicht alles haben!

Herr Dudel verspricht, dass er, wenn die Menschen gleich weg sind, mir das Haus und den Garten zeigt. Es gibt viel zu entdecken. Ich bin schon gespannt.

Um 146 Uhr (8.30 h) ist es dann soweit. Endlich alleine und Ruhe. Wären da nicht diese drei haarigen Monster auf vier Pfoten. Ein bisschen komisch ist mir schon. Der große Graue, eigentlich ist es ja ein Mädchen, sieht aus wie ein Wolf und viele, scharfe Zähne hat sie auch. Die anderen Beiden, ein Kleinspitz und eine süße Mischung aus Jack-Russel und Beagle, wie Herr Dudel mir erklärt, scheinen ganz sympathisch. Franz, Furzi und Freibier heißen sie. Oder so ähnlich. Nicht so wichtig. Die kommen eh nicht, wenn ich sie rufe. Sollen sie auch gar nicht. Freibier habe ich schon mal in diesem grässlichen Kaufhaus gehört. Das muss was gutes sein. Zwei Männer haben in meiner Nähe darüber gesprochen und gelacht. Die Frauen hingegen weniger. Aber warum heißt der Hund dann so? Komisch. Mal sehen, ob die Fellnasen und ich uns anfreunden können.

Zum Glück halten die es mit uns und haben sich noch einmal zum schlafen hingelegt. Wir verlassen die Couch und machen uns vom Wohnzimmer auf in das Badezimmer. Die Fliesen gefallen mir, sind allerdings auch sehr rutschig.

Ich muss mich unbedingt um rutschfeste Schuhe kümmern.

Bei Größe neun wird das bestimmt nicht einfach. Ich vermute, dass es kein Waschbärschuhgeschäft bei den Menschen gibt.

Bereits im Flur nehme ich Anlauf und schlittere durch bis unter das Hänge-WC. Das war knapp. Gut das ich nicht so groß bin und die Türe zum Bad offen stand. Herr Dudel schüttelt den Kopf. Was soll er auch sonst schütteln.

Ich klettere vorsichtig auf den Badewannenrand und halte mich am Wasserhahn fest. Auf dem Hebel gibt es eine blaue und eine rote Seite. Warum eigentlich? Und warum nicht in einem zarten grün und rosa? Ich probiere es lieber nicht aus. Ich bin nämlich ziemlich wasserscheu.

Auch wenn das für einen Waschbär ungewöhnlich ist, aber das war schon immer so. Wenn im Kuschelland Badetag war, musste Mama Kuschel immer viel Geschrei von mir ertragen. Meine Geschwister waren da pflegeleichter. Ich vermute es ist erblich bedingt. Opa Kuschel mochte auch nie gerne Baden. Herr Dudel will weiter und mir noch einiges zeigen. Wir wandern also durch den Flur in das Arbeitszimmer von dem Menschenmann.

Viele Dinge, die ich noch nie gesehen habe. Es gibt einen Schreibtisch mit einem Computer darauf, ein Faxgerät, ein Telefon, so eine schwarze Box mit einem Kabel, was in der Wand verschwindet. Ein Schrank und eine kleine Couch sind auch noch da. Viel Papier liegt auf dem Schreibtisch herum. Das Telefon interessiert mich. Herr Dudel erklärt mir alles ganz genau und das man mit einem Telefon von einem Ort zum Anderen sprechen kann.

Wir haben im Kuschelland immer einfach laut von Baumhöhle zu Baumhöhle gerufen, wenn wir von einem anderen etwas wollten. Zugegeben war das nicht gerade leise. Trotzdem möchte ich dieses Telefon mal testen. Ich nehme den Hörer, es kommt ein langer Ton und ich drücke ein paar Tasten. Auf einmal ertönt eine Stimme, die ich nicht verstehen kann. Klingt irgendwie aufgeregt. Ich lege doch lieber mal den Hörer beiseite. Hoffentlich beruhigt sich der Mann wieder. Aufregung ist ja gar nicht gesund. Herr Dudel rät mir, den Hörer wieder ordentlich zurück zu legen, so wie er war. Er ist manchmal ein bisschen detailverliebt, habe ich den Eindruck. Was soll schon passieren? Der Mann kennt uns doch gar nicht. Mehr gibt es für mich in diesem Raum auch nicht zu tun. Unser Ausflug geht weiter. Als nächstes wollen wir mal an die frische Luft.

Mittlerweile ist es auch hell draußen. Herr Dudel schlägt vor, dass wir uns den Garten ansehen.

Leider ist die Terrassentür geschlossen, so dass wir uns ein Fenster öffnen müssen. Aber wie? Herr Dudel macht für mich eine Räuberleiter. Ich steige auf seine Schultern und betätige den Fensterhebel. Und offen.

Ein Kinderspiel. Wir klettern über die Fensterbank ins Freie. Kalt ist es und es schneit. Karibik ist anders, aber es ist ja schließlich auch noch tiefster Winter. Und nicht zuletzt habe ich auf meinem Fragebogen, den wir im Kuschelland ausfüllen mussten, auch angekreuzt, dass ich gerne ins Ruhrgebiet zu den Menschen möchte. Bodenständig sollen sie dort sein, wurde uns erzählt. Und das ist genau mein Ding.

Bergisches Land hätte ich auch noch genommen. Eigentlich mag ich ja keine nassen Füße, aber Schnee geht. Wir toben um die Wette. Machen lustige Abdrücke. Schneeballschlacht. Herr Dudel wäscht mir mit dem neu gefallenen Schnee das Gesicht. Erwähnte ich nicht, das ich waschen nicht mag. Ich bin ein Waschbär, aber nicht waschbar. Das bekommt er wieder. Aber nicht jetzt. Es soll eine Überraschung für ihn werden. Und plötzlich taucht der Nachbar am rechten Gartenzaun auf. Offensichtlich hat er uns gehört und will nachsehen, was los ist. Wir verstecken uns schnell hinter einem großen Blumentopf, in dem eine kleine Tanne eingepflanzt ist. Eine Kette mit Lichtern schmückt sie.

Das machen die Menschen in der Weihnachtszeit so, lässt mich Herr Dudel wissen. Sieht auch schön aus. Kann man nicht meckern. Wir verhalten uns still und nach kurzer Zeit schiebt der Nachbar wieder ab. Ob er unsere Spuren bemerkt hat?

Wir sind wieder unbeobachtet und schleichen uns zum Ende des Gartens, klettern am Zaun hoch und schauen herüber zu den anderen Nachbarn. Die haben es wirklich schön. Alles toll beleuchtet. Ein Eichhörnchen, das gerade das Vogelhäuschen plündert haben wir versehentlich verjagt. Hoffentlich kommt es bald wieder zurück.

Herr Dudel drängt auf Rückzug. Er hat Angst, dass wir gesehen werden.

Ich folge ihm. Der Schnee reicht uns mittlerweile fast bis zum Hals. Es schneit heftiger und heftiger. Jetzt müssen wir uns erstmal aufwärmen. Wir klettern über die Fensterbank zurück, schließen das Fenster und setzen uns vor die Heizung. Praktisch ist das. Im Kuschelland hatten wir Holzöfen und einer musste immer darauf achten, dass das Feuer nicht ausgeht.

Ich durfte das allerdings nicht mehr übernehmen. Vielleicht weil mir das Feuer gelegentlich, also eher häufig, ausgegangen ist? Da waren meine Verwandten etwas pingelig. Und hier, ein Knopf und es wird warm. Wie das wohl funktioniert?

Das weiß selbst Herr Dudel nicht genau.

Wir stellen dieses Ding für warm und kalt mal auf 30 Grad. Keine Ahnung was das bedeutet, aber mehr geht nicht.

Und es dauert auch nicht lange bis es sehr, sehr warm wird. Machen wir lieber noch mal das Fenster auf. Was wir nicht bedacht haben, dass es Franz, Furzi und Freibier auch zu warm wird und plötzlich kommt Unruhe auf. Schnell das Ding für warm und kalt etwas in die andere Richtung gedreht, Fenster zu und ab auf die sichere Couch, denn dort – und das wissen die Teppichratten auch – dürfen die zum Glück nicht hinauf. Herr Dudel und ich sind ganz schön geschafft. Wir legen uns erstmal hin, um uns auszuruhen. Ich hatte einen schönen, aufregenden ersten Vormittag in der neuen Familie und Herr Dudel und ich verstehen uns richtig gut. Ich denke, hier werde ich bleiben! Einige Zeit später werde ich von einem grummelnden Geräusch geweckt.

Was ist das? Es ist mein Bauch. Ich habe Hunger. War ja auch ein anstrengender Tag bisher. Im Kuschelland hat Oma Kuschel häufig für uns alle gekocht. Suppe mit Kräutern und zum Nachtisch gesammelte Beeren zum Beispiel. Oder es gab selbstgebackenes Brot mit Gemüseaufstrich. Oder eine Obstplatte. Hmm, jetzt habe ich noch mehr Hunger. Wir Kuschel sind, wie alle Kuscheltiere, nämlich Vegetarier. Waldtiere sind unsere Freunde und Freunde isst man nicht. Und beim Abwaschen am Fluss mussten wir uns abwechseln. Es sei denn man hat häufiger etwas fallen lassen, dann war man befreit, musste aber Oma dafür im Haushalt helfen. Und Oma hat immer ganz genau auf alles geachtet. Dann doch lieber mit den Geschwistern am Fluss abwaschen und sich geschickt anstellen. Fließendes Wasser in der Baumhöhle gab es ausschließlich aus gesammeltem Regenwasser. Das war sehr kostbar und durfte nur selten benutzt werden. Keine Ahnung wie das hier mit den Mahlzeiten läuft. Ich wecke Herrn Dudel. Er schläft immer noch tief und fest.

So viel Stress hat er schon lange nicht mehr gehabt. Hoffentlich schnarcht er nicht auch nachts so. Dann suche ich mir ein anderes Schlafplätzchen. Nachdem ich nicht aufhöre zu quengeln, gibt er auf und wir machen uns auf den Weg in die Küche. Da waren wir auf unsere Entdeckungsreise noch nicht. Aber jetzt. Auch hier wieder viele Dinge, die noch nicht kenne. Worte wie Arbeitsplatte, Mikrowelle, Spülmaschine, Herd, Kühlschrank. Alles neu für mich, aber nicht uninteressant. An der Mikrowelle habe ich gefallen gefunden. Wir klettern auf die Arbeitsplatte. Herr Dudel zeigt mir wie man die Tür öffnet und erklärt mir, das das Ding wie ein kleiner Ofen, ohne Holz und Feuer, funktioniert. Ich lege einen Flusen von Herrn Dudels Hose hinein und schalte sie ein. Erst passiert gar nichts, aber dann fängt der Flusen an zu qualmen und es stinkt verbrannt. Ich schalte die Mikrowelle schnell wieder aus. Den Flusen werfen wir in die Spüle und lassen Wasser darüber laufen. Herr Dudel kennt sich beim Brandschutz bestens aus. Wo er das schon wieder her hat. Die Reste kommen in den Mülleimer. Wir wollen ja nicht auffallen.

Hunger habe ich immer noch. Mal schauen was der Kühlschrank so her gibt.

Eine Riesenauswahl. Ich weiß gar nicht, was ich zuerst nehmen soll. Ich versuche es mal mit einem Himbeer-Jogurt. Köstlich. Die Menschen machen Bilder von den Lebensmitteln auf die Lebensmittel. Das ist praktisch. Jetzt noch eine Scheibe Käse. Und eine Banane will ich auch. Und eine Birne zum Schluss. Nun ist mir fast ein bisschen schlecht, auch wenn ich von allem nur genascht habe. Warum bin ich auch immer so gierig. Ich brauche erstmal ein Päuschen. Herr Dudel erklärt mir zwischenzeitlich die Funktion der anderen Küchengeräte. Zum Glück lerne ich recht schnell. Ein paar Dinge wären auch was für das Kuschelland, aber Strom haben wir leider nicht. Eine tolle Erfindung, so wie die Heizung, aber irgendwie auch kompliziert.

Warum kommt Strom aus einer Öffnung die aussieht wie eine Schweinenase und nennt sich Steckdose?

Was machen die Menschen, wenn der ganze Kram mal ausfällt? Vermutlich ein langes Gesicht. Wir öffnen mal die Spülmaschine. Herr Dudel will noch etwas sagen, aber schon hänge ich mich an das Propellerding, welches in dem Gerät an dem oberen Korb befestigt ist und drehe ein paar Runden. Schneller und schneller. Dann kommt die Fliehkraft und ich sitze in der Vorratskammer direkt gegenüber der Spülmaschine. Zum Glück hat Herr Dudel schnell noch die Tür aufgerissen und bin weich gelandet. Nur die Tomaten sehen nicht mehr ganz so frisch aus. Die waren eh grün und bestimmt nicht mehr gut.

Herr Dudel ist schon wieder runter mit den Nerven. Nerven wie Nudeln hat er. Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Keiner hat gesagt, dass es mit mir langweilig ist. Die ruhigen Zeiten für Herrn Dudel sind auf jeden Fall vorbei. Das weiß er spätestens jetzt auch. Er hilft mir trotzdem auf. Es ist Zeit zu gehen. Das sehe selbst ich ein. Satt bin ich ja jetzt. Wir machen uns auf zurück zur Couch. Etwas Entspannung wird Herrn Dudel gut tun.

Mittlerweile ist es früher Nachmittag und die Haustür wird aufgeschlossen.

Alle Vierbeiner stürmen los. Ein riesiges „Hallo“ mit lautem Gebelle.

Die Menschenfrau, Hannah heißt sie, klärt Herr Dudel mich endlich auf. Ihr Mann heißt überings Felix. Das kann man sich merken. Nicht wie Franz, Furzi und Freibier. Die Menschen hätten sich auch mal vorstellen können. Na ja.

Hannah legt ihre Sachen ab, die ganz voller Schnee sind und begrüßt die Hundebande ausgiebig. Jetzt geht es erstmal nach draußen eine Runde durch den Wald.

Die matschigen Tomaten oder der immer noch leicht verbrannte Geruch, der in der Luft liegt, sind ihr zum Glück bisher nicht aufgefallen. Wir setzten uns auf die Arbeitsplatte in der Küche und schauen aus dem Fenster wie Hannah mit den sich freuenden Hunden im Wald verschwindet. Es schneit immer noch. Mittlerweile ist der Schnee bestimmt höher als Herr Dudel und ich. Überhaupt ist der Platz auf der Arbeitsplatte super. Man hat die Strasse, von links nach rechts oder auch von rechts nach links, den gegenüberliegenden kleinen Parkstreifen für Menschen die mit dem Auto zum Wald kommen und die ersten Meter bis zum Wald im Blick. Und da es ein schöner und überschaubarer Stadtwald ist, den viele Menschen nutzen, gibt auch fast immer etwas zu sehen.

Jogger, Radfahrer, Spaziergänger, Hundebesitzer. Wir schauen eine Weile nach draußen und amüsieren uns über Jogger, die kurz vor einem Schlaganfall sind und trotzdem wie wild rennen müssen. Deren Kopf ist rot wie eine Tomate. So ohne Not. Das verstehe wer will. Und das auch noch bei diesem Schneetreiben.

Oder eine Walkinggruppe, die sich mit Hundebesitzern in die Haare bekommt, weil jeder den Waldweg für sich beansprucht. Dabei ist doch die Natur für alle da. Herr Dudel hat noch ein paar Anekdoten für mich parat. Er sitzt häufig in der Küche, schaut hinaus und hat schon viel gesehen. Im Kuschelland gibt es ein miteinander, bei den Menschen nicht immer, so scheint mir. Und selbst wenn die Menschen ihren Freizeitaktivitäten nachgehen, sind manche doch ziemlich auf Krawall gebürstet. Da gibt es zum Beispiel diesen Vater, der jeden morgen seine Kinder mit dem Rad zur Schule begleitet. Der fährt immer so schnell, erzählt Herr Dudel, das alle auf Seite springen müssen. Oder dieses Paar mit einem Hund, der aussieht wie ein Rottweiler, vor dem alle Angst haben sollen. Herr Dudel hat mal bei geöffnetem Fenster belauscht, wie die Frau zu einem anderen Hundebesitzer sagte, ihrem Hund gehöre der ganze Wald. Quatsch mit Soße. Der Wald gehört sich selbst. Warum erzählen die so was? Herr Dudel nennt die Leute „Familie Hörstewoh“l. Den Namen hat er ihnen gegeben, weil der Mann zu dem Hund, der alles macht, nur nicht das was seine Menschen ihm sagen, immer „hörst du wohl“ sagt. Ganz schön kreativ mein neuer Freund. Dann gibt es noch eine blonde Frau, die jeden morgen nur wartet, dass endlich jemand vorbei kommt, dem sie die neuesten Gerüchte erzählen kann. Herr Dudel nennt sie die „Waldzeitung“ oder „Schandmaul“. Er findet irgendwie beide Ausdrücke treffend, da sie nur unheil zwischen den Menschen stiftet.

Aber es gibt natürlich auch viele, viele nette Menschen, wie dieses ältere Ehepaar, das jeden Tag zweimal durch den Wald geht, um sich fit zu halten. Oder diese freundliche Dame mit silbergrauem Haar, die 7 Hunde hat – alle aus dem Tierheim – und denen ein schönes zu Hause bietet. Auch die Frau, die vier Hunde hat und diese für Wettbewerbe und Fernsehauftritte trainiert, geht hier regelmäßig durch den Wald.

Fortsetzung folgt. Versprochen!

Es schneit und schneit weiter vor sich hin. Der Nachbar, vor dem wir uns heute Vormittag haben im Garten verstecken müssen, räumt schon zum fünften Mal den Bürgersteig damit keiner Ausrutscht.

Und Salz streut er auch. Ich dachte Salz kommt nur auf Pommes. Welch eine Verschwendung und schade um den schönen Neuschnee. Herr Dudel erklärt mir, dass das jeder vor seinem Haus machen muss. Und falls nicht und einer fällt hin, dann muss man demjenigen den Krankenhausaufenthalt bezahlen. Das kann teuer werden. Bei uns räumt Felix. Er steckt bestimmt auf dem Heimweg von der Arbeit im Schnee fest. Mit dem Auto ist es ja noch schwieriger als zu Fuß. Von Hannah und den Hunden ist auch noch nichts zu sehen. Wahrscheinlich hat sie wieder jemanden zum Quatschen gefunden. Für die Hunde ist die frische Luft gut. Ich bleibe lieber drinnen an der warmen Heizung und halte mit Herrn Dudel weiter Ausschau nach Neuigkeiten. Und wir müssen auch nicht lange warten. Ein junger Mann mit einer komischen Lockenfrisur ist mit seinem Auto auf dem Parkplatz gegenüber im Schnee stecken geblieben.

Da bin ich mal gespannt, wie er aus der Nummer rauskommen will. Er schaut sich um und kommt über die Straße zu unserem Haus. Er klingelt. Wir machen nicht auf. Vermutlich will er nach Hilfe fragen, aber wir können eh nichts für ihn tun, unsere Menschen sind nicht zu Hause.

Also ruhig sitzen bleiben und abwarten. Der wird auch wieder gehen.

Nach kurzer Zeit ist er an seinem Auto. Der arme Hund im Kofferraum. Dem ist doch bestimmt kalt. Zum Glück kommen zwei andere Spaziergänger und schieben mit ihm den Wagen auf die Straße. Nach ein paar Versuchen schafft er es weg zu kommen und schlittert hinfort. Langsam wird es dunkel. Der Schneefall lässt nicht nach. Da tauchen Hannah und die Hunde auf. Mittlerweile sind sie geschafft vom Toben, alle voller Schnee und ganz ruhig an der Leine. Wir hatten uns schon fast ein bisschen Sorgen gemacht. Fast zeitgleich biegt das Auto von Felix um die Ecke und quält sich in die Garage. Er begrüßt Hannah und die Hunde und macht sich sofort mit der Schneeschaufel an die Arbeit.

Die Hunde müssen jetzt erst mal abgetrocknet werden. Das erledigt Hannah mit einem großen Badehandtuch im Hausflur. Sonst müsste man alle drei Tage neu tapezieren. Die Biester schütteln sich gerne und der ganze Dreck aus dem Fell spritzt an die Wände. Müde und abgekämpft vom Tag ist die ganze Familie am Abend wieder vereint. Nur Herr Dudel und ich sind eigentlich noch ganz fit und haben es uns zwischenzeitlich wieder auf der Couch gemütlich gemacht. Stockdunkel ist es draußen geworden. Die Menschen essen in der Küche zu Abend und auch die Hunde bekommen ihre letzte Mahlzeit des Tages. Ruhe kehrt ein.

Ein wenig verwundert zeigen sich die Menschen über die Matschtomaten in der Vorratskammer. Da sie keine Erklärung dafür haben, beschließen sie die Tomaten morgen in einer Soße für Spagetti zu verarbeiten. Glück für uns. Und auch der verbrannte Geruch in der Luft hat sich mittlerweile verzogen. Doppeltes Glück für uns.

Hannah, Felix und zu meinem Leidwesen auch Franz und Furzi kommen zu uns ins Wohnzimmer auf die Couch.

Jetzt werden auch wir begrüßt. Hannah freut sich besonders uns zu sehen.

Sie drückt uns an sich und flüstert mir ins Ohr: „Gut das Du bei uns bist und ich hoffe Herr Dudel und Du werdet gute Freunde.“ Sind wir doch jetzt schon. Sie setzt uns liebevoll in unsere eigene Decke.

Felix schaltet den Fernseher ein. Noch was, was ich bisher nicht kannte. Bewegte Bilder aus einem schwarzen Kasten. Hoffentlich läuft auch mal was für Kinder. Was ich bisher sehe ist überwiegend nicht so schön oder langweilig. Das sind die Nachrichten weiß Herr Dudel. Nix für Kuschelkinder. Im Kuschelland hatten wir Geschichtenerzähler. Die sind weit umher gereist und haben überall von ihren Erlebnissen berichtet. So eine Kiste ist aber auch nicht schlecht.

Am Ende der Nachrichten kommt das Wetter. Auf einer Karte sind überall dicke Schneewolken zu sehen und irgendwelche Zahlen zwischen minus sechs und null sind dort auch noch. Ich frage mich warum die nur dieses zackige Gebilde zeigen. Eigentlich ist die Menschenwelt doch eine blaue Kugel. So habe ich es auf jeden Fall im Kuschelland gelernt. Herr Dudel erklärt mir, das die im Fernsehen nur Deutschland zeigen, weil es sonst zu viel Arbeit wäre und zu lange dauern würde das Wetter für die ganze Welt zu zeigen.

„Wir sind da in der Mitte links etwa“, sagt Herr Dudel. Dicke Schneewolken bei minus zwei Grad. Die nächsten Tage sehen nicht besser aus. Uns egal. Wir müssen weder mit den Hunden raus und zur Arbeit müssen wir auch nicht. Welch ein Leben!

Jetzt fängt der Film an, den Hannah und Felix gerne sehen wollen. Leider nichts für Kuschelkinder. Wir schauen noch eine Weile mit. Dann deckt Hannah zu uns zu und wünscht uns eine gute Nacht.

Wir schlafen tief und fest ein….

3. Kurz vor Weihnachten

Mittlerweile bin ich schon einige Tage in meinem neuen zu Hause und mir geht es richtig gut. Jeder Tag ein Abendteuer, auch wenn ich schon viel gelernt habe, gibt es an jedem Tag etwas, was ich neu entdecken kann. Herr Dudel ist auch sehr geduldig mit mir. Ich frage zum 1.000.000 sten Male, was dieses und was jenes ist und er erklärt es mir gleichweg freundlich.

Es geht auf Weihnachten zu. Die Menschen werden immer hektischer. Einkäufe müssen erledigt, Geschenke gekauft werden.

Schließlich soll ja später die ganze Familie satt werden und sich auch jeder über sein Geschenk freuen. Uns hat noch keiner nach unseren Wünschen gefragt. Hannah und Felix haben bestimmt eine Überraschung für uns. Für Herrn Dudel muss ich auch noch etwas besorgen. Für Menschen etwa fünf Fußminuten von uns entfernt gibt es einen Supermarkt. Aber wie komme ich dort hin, ohne das Herr Dudel etwas merkt und ohne das ich gesehen werde. Und wie soll ich dann bezahlen? Über Taschengeld muss ich mit Hannah mal reden. Ein Euro pro Woche sollte verhandelbar sein. Im Kuschelland haben wir keine Währung. Wir haben einfach getauscht. Wer Brot gebacken hat konnte dafür zum Beispiel Obst bekommen oder für Ofenholz bekam man im Gegenzug Marmelade.

Einfach nehmen und rennen ist ja auch keine Lösung. Obwohl, flink bin ich, aber nein, kein guter Gedanke. Worüber würde sich Herr Dudel überhaupt freuen? Vielleicht über eine selbstgebastelte Kleinigkeit. Den Gedanken halte ich fest.