Unterricht im digitalen Klassenzimmer - Doug Lemov - E-Book

Unterricht im digitalen Klassenzimmer E-Book

Doug Lemov

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Beschreibung

Lernen Sie aus den Erfahrungen von anderen Pädagogen und nutzen Sie bewährte Methoden, um das Online-Engagement Ihrer Schüler zu fördern. Bei Unterricht im virtuellen Klassenzimmer geht es darum, sich an die Realität des Online-Unterrichts anzupassen. Sie finden hierin eine Reihe von echten Unterrichtsmomenten, die aus den Online-Klassenzimmern von echten Lehrern und Lehrerinnen stammen. Ja, auch in einem virtuellen Klassenzimmer können Sie gut unterrichten! Mit den richtigen Methoden und Hilfsmitteln überbrücken Sie die virtuelle Distanz, kommunizieren mit Ihren Schülern, kultivieren eine gute Klassenzimmerkultur, steuern Verhalten und Ablenkung, und vieles mehr. Dieses Buch wurde nicht für Technik-Spezialisten geschrieben. Es wendet sich an Lehrer und Lehrerinnen, die tagtäglich lehren und jetzt ihren Unterricht online halten wollen. Doug Lemov und sein Team zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Stunden in Ihrer eigenen digitalen Umgebung durchführen können. Damit werden Sie Teil einer Gemeinschaft von engagierten Pädagogen, die die Fähigkeit und das Engagement besitzen, die bestmögliche Bildung auf die Bildschirme ihrer Klasse zu bringen. Unterstützt werden die Erläuterungen im Buch durch Videos, die den Einsatz in der Praxis zeigen.

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Seitenzahl: 224

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Alle Bücher von WILEY‐VCH werden sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und Verlag in keinem Fall, einschließlich des vorliegenden Werkes, für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für eventuelle Druckfehler irgendeine Haftung

© 2021 Wiley‐VCH GmbH, Boschstr. 12, 69469 Weinheim, Germany

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung in andere Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form – durch Fotokopie, Mikroverfilmung oder irgendein anderes Verfahren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen, verwendbare Sprache übertragen oder übersetzt werden. Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen oder sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige gesetzlich geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche markiert sind.

Copyright © 2020 by John Wiley & Sons, Inc. All rights reserved.

Das englischsprachige Original erschien 2020 unter dem Titel »Teaching in the Online Classroom – Surviving and Thriving in the New Normal«

All Rights Reserved. This translation published under license with the original publisher John Wiley & Sons, Inc.

Copyright © 2020 by Doug Lemov. All rights reserved.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Print ISBN: 978‐3‐527‐51076‐4ePub ISBN: 978‐3‐527‐83643‐7

Projektmanagement und Lektorat: Evelyn Boos‐Körner, boos for books, Schondorf am AmmerseeUmschlaggestaltung: Susan Bauer, HeddesheimUmschlagfoto: Studio Romantic – stock.adobe.com

Inhalt

Cover

Titelblatt

Impressum

Einleitung: Fernunterricht, die neue NormalitätnotesSet

Sich der neuen Normalität stellen, und zwar sofort

Das Handwerk des Unterrichtens

Anmerkung

1 Synchrones und asynchrones Lernen

Asynchrones Lernen: Vorteile und Grenzen

Synchrones Lernen: Vorteile und Grenzen

Ein synergetisches Modell aufbauen

Planung: ausschlaggebende Kriterien

Synchrones und asynchrones Lernen: Rückblick

Anmerkung

2 Den Bildschirm verschwinden lassen

Echos des Klassenzimmers

Schüler und ihre Mitarbeit sehen

Anerkennung und Rückmeldung

Jenseits des Bildschirms

Den Bildschirm verschwinden lassen: Rückblick

3 Eine Kultur der Aufmerksamkeit und der Mitarbeit

Von Anfang an Aufmerksamkeit erzeugen und Ablenkung vermeiden

Materialien und Methoden, um zur Mitarbeit zu motivieren

Abwechslungsreiche Unterrichtsaktivitäten – Pacing verbessern und Lernerfolge festigen

Konzentration und Mitarbeit bei Arbeitsaufträgen erreichen

Bildschirmmüdigkeit – Gegenmittel und Dosierung

Eine Kultur der Aufmerksamkeit und der Mitarbeit: Rückblick

Anmerkungen

4 Pausenpunkte

Pausenpunkte – möglichst früh und oft

Die vier Funktionen von Pausenpunkten

Pausenpunkte: Rückblick

5 Bewertungsschleifen und Verständnischeck

Selbstkorrektur

Verzögerte Bewertung

Echtzeitbewertung

Bewertungsschleifen planen und durchführen

Bewertungsschleifen und Verständnischeck: Rückblick

6 Klare Vorgehensweisen und Routinen

Mitarbeits‐Tools

Der Arbeitsplatz der Schüler: den Grundstein für Selbstständigkeit legen

Eröffnungsroutine

»Das ist eure Aufgabe«: Ihre Anweisungen sind Teil des Systems

Routinen für Lehrer

Klare Vorgehensweisen und Routinen: Rückblick

7 Tools im virtuellen Klassenraum

Stunden aufzeichnen

Chat

Breakout Rooms

Dateien teilen und Schülerabgaben einsammeln

Den Arbeitsplatz einrichten

Bildschirmfreigabe

Tools im virtuellen Klassenraum: Rückblick

Zu guter Letzt: Planung für die Zukunft

Glossar der »Teach Like a Champion«‐Techniken

Anhang

Eine Modellstunde und das Konzept der halbsynchronen Aufgabe

Stichwortverzeichnis

End User License Agreement

Tabellenverzeichnis

Kapitel 1

Tab. 1.1: Vor‐ und Nachteile synchronen und asynchronen Lernens

Anhang

Tab. 1: Ablauf einer Modellstunde

Illustrationsverzeichnis

Einleitung

Einleitung, Abb. 1: Fortschritt der Schüler bei Zearn, nach Einkommenshöhe g...

Kapitel 1

Abb. 1.1: Screenshot aus einer Geschichtsstunde von George Bramley

Kapitel 2

Abb. 2.1: Screenshot aus einer Mathestunde von Rachel Shin

Abb. 2.2: Screenshot aus einer Englischstunde von Ben Esser

Kapitel 3

Abb. 3.1: Lernmaterial aus einer Englischstunde von Jen Rugani

Abb. 3.2: Arbeitsauftrag aus einer Mathematikstunde von Joshua Humphrey

Abb. 3.3: Visuelle Hervorhebung in einer Mathestunde von Alonzo Hall

Abb. 3.4: Wiederholungsaufgabe aus einer Stunde von Kim Griffith

Abb. 3.5: Verwendung einer Stoppuhr in einer Stunde von Kim Griffith

Abb. 3.6: Klassenzimmerähnliche Raumgestaltung in einer Stunde von Rachel Sh...

Abb. 3.7: Arbeitsvorlage für handschriftliche Notizen von Jen Rugani

Abb. 3.8: Aufbau einer teils synchronen, teils asynchronen Stunde von Eric S...

Kapitel 4

Abb. 4.1: Visuelles Signal für einen Pausenpunkt in einer Stunde von Chloe H...

Abb 4.2: Materialliste aus einer Stunde von Amanda Moloney

Abb 4.3: Verwendung von Mini‐Whiteboards in einer Stunde von Amanda Moloney...

Abb. 4.4: Ein Verständnischeck als Pausenpunkt in einer Stunde von Eric Snid...

Kapitel 5

Abb. 5.1: Anleitung zur Selbstkorrektur in einer asynchronen Stunde von Josh...

Abb. 5.2: Selbstkorrekturschleife in einer asynchronen Stunde von Jen Brimmi...

Abb. 5.3: Ablaufender Timer in einer asynchronen Stunde von Kim Griffith

Abb. 5.4: Hilfestellungen für das Lösen einer Aufgabe in einer asynchronen S...

Kapitel 6

Abb. 6.1: Schnappschuss eines vorbereiteten Arbeitsplatzes von Matthew Diamo...

Abb. 6.2: Orientierungsfolie aus einer Stunde von Amanda Moloney

Abb. 6.3: Beispielhafter Einsatz von Erinnerungs‐Icons für Lehrkräfte

Abb. 6.4: Legende der Icons für verschiedene Mitarbeits‐Tools

Kapitel 7

Abb. 7.1: Tracking durch einfache visuelle Elemente in einer Stunde von Josh...

Abb. 7.2: Bild‐im‐Bild‐Funktion in einer Stunde von Chloe Hykin

Orientierungspunkte

Cover

Inhaltsverzeichnis

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Einleitung: Fernunterricht, die neue Normalität

Doug Lemov und Erica Woolway

Es gibt ein paar kurze, schöne Momente in einer von Eric Sniders Distanz‐Englischstunden, die er mit seinen Schülern der Achievement First Iluminar Mayoral Academy Middle School in Cranston, Rhode Island, abgehalten hat. Die Klasse liest Rita Williams‐Garcias One Crazy Summer und Eric fragt, ob jemand eine Frage beantworten will, von der die Schüler wissen, dass sie schwierig ist. Eric hat ihnen schon ruhig und ohne Wertung gesagt, dass sie eine Kernidee falsch verstanden haben – und dass die Frage knifflig ist. Viele Schüler sind unbeeindruckt und melden sich freiwillig. »Danke, James. Danke, George. Danke, Jaylee«, sagt er bei jedem, der sich meldet. Er zeigt den Schülern, dass er sieht, wie sie sich der Herausforderung stellen. Schnell gibt es noch mehr Freiwillige. »Oh, so viele Hände. Wirklich klasse.«

Das ist ein toller Augenblick, denn er erinnert uns daran, wie wichtig es für uns Menschen ist, gesehen zu werden. Jemandem zu sagen, dass man anerkennt, wie er sich Herausforderungen stellt, kann das Beste aus ihm herausholen, online ebenso wie persönlich.

Es erinnert uns auch daran, dass es das Verhalten von Menschen beeinflussen kann, andere zu beobachten. Wir können so mehr zu dem werden, was wir uns zur Beobachtung auswählen. »Der menschliche Körper hat etwa elf Millionen Sinnesrezeptoren«, schreibt James Clear in Die 1 %‐Methode. »Etwa zehn Millionen davon dienen dem Sehsinn … eine kleine Veränderung in dem, was man sieht, kann eine große Veränderung des Handelns bewirken.« Gute Vorbilder spielen eine große Rolle.

Der Clip endet, wie Sie später sehen werden, mit einer Schülerin, die die schwierige Frage ausführlich und überzeugend vom Rücksitz im Auto ihrer Familie aus beantwortet. Unsere Welt ist jetzt anders, aber sie hat es geschafft, sich anzupassen, und das sehr gut.

Auch Lehrer sind gefordert, sich einer schwierigen Aufgabe zu stellen: sich ohne Vorwarnung in ein unbekanntes Universum zu begeben – eins, in dem sie aus der Entfernung mit ihren Schülern interagieren, wie durch ein kleines Schlüsselloch in der Tür des Klassenzimmers. Jeder der jungen Menschen, die ihnen wichtig sind, erscheint jetzt als kleines Bild in der Ecke ihres Bildschirms (und gelegentlich nicht mal das).

Im letzten Jahr hat sich fast alles rund ums Lernen für uns Lehrer verändert, außer dass die Schüler uns brauchen. Und so wurde es zwingend notwendig, uns so schnell und effizient wie möglich neue Methoden anzueignen, um sie zu erreichen.

Dieses Buch hat das Ziel, die Lektionen dieses Moments in Erics Klassenzimmer an Sie, an Lehrerinnen und Lehrer, weiterzugeben. Wir zeigen Ihnen wertvolle kleine Augenblicke aus Stunden von echten Lehrern, die online arbeiten. Wir teilen Einblicke und diskutieren die Prinzipien dieser Beispiele, die Ihnen helfen sollen, sich so erfolgreich wie möglich an unsere »neue Normalität« des Distanzunterrichts oder der Kombination aus Distanz‐ und Präsenzunterricht anzupassen. Wir möchten damit unsere Anerkennung ausdrücken, gegenüber Ihnen und den Lehrern, deren Arbeit wir zeigen.

Niemand wollte, dass die Welt sich derart verändert, aber es ist passiert. Für Sie als Lehrer bedeutet das viel Arbeit. Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind Sie dabei, das zu realisieren und sich dem zu stellen. Das freut uns und wir möchten Ihnen für Ihr Engagement etwas zurückgeben. Und die gute Nachricht ist, dass die Lehrer sich den schwierigen Gegebenheiten nicht nur gestellt und die Arbeit bewältigt haben. Sie haben sie bewältigt und begonnen, Lösungen für die täglichen Herausforderungen des Fernunterrichts zu finden. Immer, wenn ein Problem auftritt, gibt es irgendwo einen Lehrer, der eine Lösung findet.

Sich der neuen Normalität stellen, und zwar sofort

Durch die neuen Herausforderungen hat sich vieles verändert (zum Beispiel wissen wir alle jetzt, was Zoom ist), aber vieles bleibt auch gleich. Die Grundpfeiler des Unterrichtens und der Beziehungen, die wir aus unserem früheren Leben kennen, gelten weitgehend noch. Manchmal müssen wir nur genauer oder woanders hinsehen, um sie zu erkennen. Wie eine Freundin ihr Leben in Quarantäne beschrieb, ist es eine neue Normalität – völlig anders, aber immerhin mit einem Echo des Gewohnten.

Seit die neue Normalität begonnen hat, haben wir viele Baustellen im »Klassenzimmer« ausgemacht – schlechte Internetverbindung; gute Verbindung, aber einige Kinder, die kein Gerät haben, das ihnen den Zugang ermöglicht; Schüler, die aus Hausfluren ihrer Wohnblöcke teilnehmen; Lehrer, die mit ihren eigenen Kindern auf dem Schoß ihre Klassen unterrichten –, aber vielmehr noch haben wir eine Problemlösungsmentalität entdeckt, eine positive Herangehensweise an Situationen, die wir nicht kontrollieren können. Man blickt seltener zurück und stellt sich voll und ganz der Zukunft.

Es ist wichtig, die Notwendigkeit dieser Haltung hervorzuheben – die absolute Dringlichkeit, besser zu werden bei dem, was wir jetzt tun, unabhängig von den Umständen.

Kürzlich postete1 die Wirtschaftswissenschaftlerin Emily Oster von der Brown University eine Untersuchung ihres Kollegen John Friedman, die zeigt, wie wesentlich die nächsten Monate und Jahre unseres Unterrichtslebens sein werden. Friedman entnahm der Online‐Mathematikplattform Zearn Daten zum Fortschritt der Schüler, übertrug sie in eine Grafik (siehe Abbildung 1, Einleitung) und schlüsselte sie nach Einkommenshöhe auf.

Einleitung, Abb. 1: Fortschritt der Schüler bei Zearn, nach Einkommenshöhe gestaffelt (Klassen, die Zearn vor dem Shutdown verwendet haben)

Die Zahlen basieren darauf, wie Schüler, die schon Erfahrung mit Online‐Lernen hatten, durch das Erreichen von Punkten auf der Zearn‐Plattform Fortschritte machten. Das ist ein unzureichender Maßstab – einerseits gehört viel Selbststudium mit vorab produziertem Material (asynchrones Lernen) dazu, im Gegensatz zum Interagieren mit einem Lehrer via Live‐Übertragung (synchrones Lernen); andererseits sind das Zahlen von Schülern, die schon ausgiebig auf diese Weise gelernt hatten, also von Schülern, für die der Umstieg auf Online‐Unterricht wahrscheinlich eine viel kleinere Veränderung war als für andere. Die erreichten Punkte sind sicher kein idealer Maßstab fürs Lernen, aber sie zeigen sehr deutlich, wie es viele Schüler messbar beeinflusst hat, nicht im Klassenraum zu sein – und durch Aufschlüsselung nach Einkommen können mögliche Ungleichheiten und Unterschiede erkannt werden. So gesehen sind diese Daten erschütternd.

»Sogar Schüler aus den besten Gegenden – mit höherem Durchschnittseinkommen – haben zehn Prozent an Punkten verloren«, schrieb Oster, »und das hat sich anscheinend in den letzten Wochen noch verschlimmert. Für Schüler aus Gegenden mit mittlerem oder niedrigem Einkommen sind die Ergebnisse ein Desaster. Ihre erreichten Punkte sind um 60 Prozent gefallen. Das heißt, Kinder aus diesen Gegenden kommen mit dem Stundenplan nicht einmal halb so schnell voran wie zu Zeiten, in denen sie in der Schule waren«.

Die Situation ist akut, aber wir sind der Ansicht, dass für das Lösen der großen Probleme unsere Bereitschaft nicht unwesentlich ist, uns auf die »kleinen« Fertigkeiten zu fokussieren – um das zu verbessern, was wir als Lehrer jeden Tag tun.

Und letztendlich gibt es ein paar Silberstreifen am Horizont. Ein paar Dinge werden online besser funktionieren; einige Schüler werden dort mehr wachsen und gedeihen; einiges, was wir lernen, wird uns zu besseren Lehrern in allen Settings machen. Es wird ein paar Lektionen geben, die wir in unsere alten Klassenzimmer mitnehmen. Das wollen wir nicht ignorieren. Nur muss unserer Ansicht nach klar sein, dass alles, was wir übers Unterrichten wissen, darauf hindeutet, dass es online unterm Strich schlechter funktioniert, und am besorgniserregendsten ist, dass das fast zu 100 Prozent auf die Schüler zutrifft, die sich ohnehin schon schwertun.

Da müssen alle mit anpacken.

Ein Kollege, der Journalist ist, schrieb uns mitten in der Quarantäne im April 2020. Was sei unserer Ansicht nach das übereinstimmende Gefühl der Lehrer? Waren sie aufgeregt? Glaubten sie, die Zukunft wäre schneller gekommen als gedacht? Oder waren sie eher zynisch? Dachten sie: »Oh nein, nicht noch eine Sache, die wir können müssen!«?

Nun, es war nichts von alledem. Eine treffende Zusammenfassung der durchschnittlichen Meinung der Lehrer war für uns: »Das ist beängstigend und ich vermisse die Welt, wie sie war – mich, mein Klassenzimmer, meine Schüler. Aber das ist die Realität. Die Kinder brauchen mich, ich muss gut darin sein, also muss ich mein Bestes geben.«

Natürlich kann man die Meinungen so vieler Leute nicht so einfach beschönigen, aber dieses Buch ist für Lehrer, die sich, wie wir, diese Art des Unterrichts nicht ausgesucht haben, die aber, wenn sie damit konfrontiert werden, entschlossen sind, einfache, reproduzierbare Methoden zu finden, um es gut zu machen und die Schüler bestmöglich zu unterstützen. Anders ausgedrückt, wir sind keine Futuristen. Wir werden keine TED Talks darüber veröffentlichen, dass die nahtlose, reibungslose, automatische Zukunft des Lernens auf uns wartet, wenn wir nur die Technologie annehmen würden.

Wie viele von Ihnen (Die meisten? Alle?) hoffen wir, bald zurück in den Klassenzimmern zu sein. Wir haben einen großen Teil unserer Berufslaufbahn damit verbracht, sie zu erforschen, weil sie unserer Ansicht nach so wichtig sind und weil wir glauben, dass nur Klassenzimmer geeignet sind, eine Umgebung für die Schüler zu schaffen, die das Beste aus ihnen herausholt. Klassenzimmer können ein »Kosmetikspiegel« sein: ein Ort, der Schüler in ein Klima einhüllt, das das Beste aus ihnen herausholt, aber sie auch positiv verändert. Die ideale Lernumgebung ist ein Klassenzimmer, in dem die Mitschüler einen Schüler ansehen, während er eine Idee mit ihnen teilt. Man sieht an ihren Augen, dass sie das zu schätzen wissen. Sie hören aufmerksam zu und bringen ihre Argumente an. Sie helfen, die Idee weiterzudenken und zu präzisieren. Schnell ist es nicht mehr die Idee eines Einzelnen, sondern der kollektive Gedanke der Gruppe. Zusammen kommen sie zu einem tieferen gemeinsamen Verständnis.

Menschen haben ein hoch entwickeltes Sensorium dafür, andere Menschen um sich herum zu beobachten und auf sie zu reagieren, da sie als Spezies überlebt haben, indem sie soziale Gruppen bildeten. Wenn wir in einem sozialen Gefüge zusammen sind, können wir auf alle Tools in unserem Gehirn zugreifen, die uns auf ein positives Klima reagieren lassen. Und obwohl ein virtuelles Klassenzimmer nicht all diese Dinge erfüllen kann wie ein echtes Klassenzimmer – man kann zum Beispiel nie dieses Gefühl einfangen, wenn 30 Leute in einem Raum gebannt den Worten eines anderen lauschen oder wenn man tatsächlich spürt, wie sie Aha‐Erlebnisse haben –, muss das Ziel sein, Fernunterricht so zu gestalten, dass er diesem möglichst nahekommt. Er muss die Kraft des Zuhörens und Gehörtwerdens vermitteln, Schüler mitnehmen und anregen, sich einzubringen, teilzunehmen und sich zu verpflichten, auch wenn ihnen gar nicht danach ist.

Unterm Strich sind wir der Ansicht, dass das Online‐Lernen für die meisten Schüler weniger produktiv ist als das Lernen im Klassenzimmer. Diejenigen, die sich mit dem Lernen am schwersten tun, betrifft das noch mehr als alle anderen. Es ist eine Art zweite, eine Bildungspandemie, die wir, wie wir glauben, am besten bekämpfen können, indem wir uns auf den Kern des Handwerks konzentrieren: die grundlegenden Schritte, die jede Interaktion mit jungen Menschen beeinflussen, die Erfahrung verbessern und alle Begrenzungen so gut wie möglich verringern können. Das Wort »grundlegend« spielt eine große Rolle. Wir suchen in Online‐Klassenzimmern, was wir in ihren Cousins aus Beton und Mörtel gesucht haben: das, was relativ klar ist und leicht nachgemacht, und das, was wiederverwendet und angepasst werden kann, um die Lernerfahrung der Schüler zu bereichern. Diese Dinge sind äußerst wertvoll und ihre Zeit wert. Wie Chip und Dan Heath uns in einem unserer Lieblingsbücher über Veränderungsmanagement, Switch, ins Gedächtnis rufen, ist die Lösung oft größer als das Problem. Kleine Veränderungen können weitreichende Folgen haben. Wir haben versucht, uns hierauf zu fokussieren.

Letztendlich sind wir in Bezug auf das Online‐Lernen pragmatisch, mit einer gewissen Skepsis, aber einem tiefen Glauben an Menschen, sowohl Schüler als auch Lehrer, was uns vielleicht zu guten Guides macht. Und selbst für unsere skeptischste Seite ist nicht alles schlecht. Es gibt ein paar Lichtblicke. Wir werden neue Dinge über uns selbst herausfinden und im Online‐Unterrichten besser werden. Dem werden wir uns gleich zuwenden. Lassen Sie uns aber zuerst einen Schritt zurück machen und wir erzählen Ihnen, wieso wir ein Buch über etwas schreiben, woran wir vor einer Weile noch nicht im Entferntesten gedacht hätten.

Das Handwerk des Unterrichtens

Das ist ein guter Zeitpunkt, um klarzustellen, dass wir auch Lehrer sind und nicht nur übers Unterrichten schreiben und es erforschen, sondern dass wir unsere meiste Zeit in Räumen mit Gruppen von Leuten verbringen und versuchen, ihnen beim Lernen zu helfen – unser Handwerk ist das Unterrichten.

Auch uns hat das plötzliche Verschwinden des Klassenzimmers unerwartet erwischt. Wir hatten einen Frühling voller Workshops vor uns und auf einmal, an einem Tag im März, wurden sie alle abgesagt. Wir fragten uns: Sollten wir den Laden dichtmachen? Uns in Sicherheit bringen und es aussitzen? Das Unterrichten geriet in eine Krise. Und letzten Endes glauben wir, dass unsere Stärke als Gruppe in der Gruppe selbst liegt – unsere Fähigkeit, gemeinsam zu lernen. Folgendes haben wir zehn Jahre lang gemacht: zweimal pro Woche zusammen ein Video von unterrichtenden Lehrern ansehen, ihre Bewegungen und Entscheidungen bis ins kleinste Detail analysieren, um dabei so viel wie irgend möglich zu lernen. Wenn man uns fragt, was wir machen, sagen wir, wir studieren Lehrer. Könnten wir diese Fähigkeit auf virtuelle Klassenzimmer übertragen? Immerhin ist einer der wenigen Vorteile des virtuellen Klassenzimmers, dass man leicht alles aufzeichnen kann. Es gibt ein Video dazu. Könnten wir, wenn wir uns das ansehen, daraus etwas lernen?

Zwei Tage, nachdem wir das Büro zugemacht hatten und nach Hause gegangen waren, trafen wir uns – bei Zoom –, um unsere ersten Videos über Online‐Unterricht anzusehen. Die Aufzeichnungen stammten von einigen Lehrern von Vorschulklassen und ersten Klassen an einer staatlichen Schule in Brooklyn. Über Nacht war die Welt eine andere geworden und sie lächelten für die Kinder, die dringend ein freundliches Gesicht sehen mussten, und gaben ihr Bestes, um ihnen Sichtwörter oder das Lösen von Textaufgaben aus ihren Wohnzimmern oder Küchen beizubringen. Sie machten das alle gut, aber eine stach besonders hervor. Sie heißt Rachel Shin. Wir wussten alle gleich, dass hier etwas doppelt Besonderes passierte. Durch ihr Lächeln und ihre Wärme hatten wir das Gefühl, sie wäre mit uns im selben Raum. Ihre Stunde war asynchron – vorab für die Schüler aufgezeichnet, die sie dann später sahen –, aber sie war eindeutig so gestaltet, dass die Schüler aktiv mitmachten, statt nur passiv zuzusehen. Sie sagte den Schülern, sie sollten das Video anhalten, um eine Aufgabe zu lösen. Sie sollten ihr abends als Hausaufgabe die Lösung einer anderen Aufgabe per E‐Mail schicken. Den Bildschirm verschwinden lassen, Pausenpunkte, verzögerte Bewertung: Von all diesen Ideen werden wir Ihnen später berichten und jede von ihnen entstand, wie alles in diesem Buch, aus der Untersuchung der Arbeit von Lehrern wie Rachel.

Wir posteten einen kleinen Artikel auf unserem Blog darüber, was wir beobachtet hatten. Das war der erste von vielen, denn nach diesem ersten Tag vereinbarten wir, alles andere auf Eis zu legen und uns zusammen fünf Tage die Woche Videos anzusehen, um so schnell wie möglich so viel wie möglich zu lernen und die Erkenntnisse, so oft und direkt wir konnten, mit Lehrern zu teilen.

Zu diesem Zeitpunkt war ein Buch das Letzte, woran wir gedacht hätten. Ein paar Wochen später boten wir versuchsweise ein Webinar zu wichtigen Lehrprinzipien an. Es war kostenlos, aber wir begrenzten die Teilnehmerzahl, um die Wechselwirkungen, über die wir sprachen, besser veranschaulichen zu können. Innerhalb von Minuten waren alle Plätze belegt. Das war für uns ein Zeichen für den großen Bedarf, nicht so sehr für die Qualität unseres Webinars. Trotzdem verdoppelten wir unsere Bemühungen. Wir wollten einfach wertvolle Dinge teilen und gleichzeitig selbst dazulernen.

Zur gleichen Zeit tauchte ein anderes Problem auf. Uns wurde klar, dass wir bald mit allem, was wir bei unseren Workshops machten, in die Online‐Welt umziehen mussten. Wir hatten Zoom schon jahrelang für unsere Meetings und Sessions verwendet und viel darüber nachgedacht, wie eine gute Online‐Interaktion aussehen sollte. Da waren wir ziemliche Streber und hatten Protokolle geschrieben und Prozesse erfasst, um jedes Online‐Meeting so wertvoll und produktiv wie möglich zu machen. Aber mit der Technik waren wir überfordert. Zuerst wussten ein paar von uns nicht, was ein Breakout Room ist, ganz zu schweigen davon, wie man ihn benutzt. Es gab Schwierigkeiten mit dem Freigeben des Bildschirms. »Warte, welche Taste muss ich drücken?« Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, können Sie beruhigt sein.

Mit anderen Worten, während wir den Übergang zum Online‐Lernen untersuchten, übertrugen wir dann und wann auch unsere eigenen Unterrichtsmethoden. Das stellte sich als Segen heraus – wir hatten sofort Gelegenheit, die Dinge auszuprobieren, die wir in den Klassenzimmern sahen. Manches funktionierte besser als anderes. Wir entdeckten ein paar hilfreiche Tricks. Und fanden heraus, dass viele Tricks nicht funktionierten, weil sie keine wirkliche Verbesserung brachten oder zu umständlich waren. Sie umzusetzen erforderte zu viel unserer Aufmerksamkeit – die Schlüsselszene eines Romans erläutern, auf unsere Laptops starren und in den Gesichtern der Teilnehmer erkennen, ob sie uns folgen konnten. Wir kamen langsam, aber stetig voran und entschieden, dass es mehr wert sei, unsere Zeit für das Erlernen der grundlegenden Dinge zu nutzen, um sie richtig gut zu beherrschen, statt eindrucksvolle Dinge zu tun, die zu keinem Ergebnis führen.

Wir waren voll damit beschäftigt, uns darauf zu konzentrieren, und als wir einmal kurz aufschauten, stellten wir fest, dass der Traffic auf unserem Teach‐Like‐a‐Champion‐Blog (TLAC, zu Deutsch: »Unterrichte wie ein Weltmeister«) sich vervielfacht hatte. Plötzlich schrieben uns die Leute und baten uns, bei (virtuellen) Konferenzen über Online‐Unterricht zu sprechen. Wir wollten das vermeiden, da wir wussten, dass wir keine Experten sind – »Puuh, die Leute scheinen echt verzweifelt zu sein« –, aber im Rückblick war das vielleicht genau der Punkt. Wir waren wie alle anderen – also alle Lehrer – und kämpften mit dieser Herausforderung, hatten aber das Glück, viele Videos anschauen und mit einem Haufen anderer Lehrernerds auseinandernehmen zu können. Wir können Ihnen vielleicht keine Theorie zum Online‐Lernen vermitteln, aber wir können Videos von hervorragenden Lehrern nennen, die wir gemeinsam untersuchen können. Als ein Freund aus einem Verlag anrief und sagte: »Ihr solltet wirklich über ein Buch nachdenken. Das neue Schuljahr kommt schnell«, lachten wir erst. Dann weinten wir. (Wir hatten wirklich viel um die Ohren.) Und dann legten wir los.

Obwohl wir so viel über unsere Technikprobleme gesprochen haben und darüber, wie sehr wir das Klassenzimmer vermissen, und die Technologie und das Online‐Lernen schlechtmachen (wir hören damit jetzt auf, versprochen), glauben wir wirklich, dass wir – wir alle – sehr schnell viel besser darin werden können. Wenn nichts sonst, zeigen uns das unsere eigenen Erfahrungen durch das Untersuchen und Anwenden dieser Ideen und wir versuchen das ganze Buch hindurch, einige dieser Erfahrungen, wo wir erst alles falsch und dann richtig machten, zu teilen, in der Hoffnung, dass Sie das motiviert und optimistisch stimmt. Es ist machbar – also muss es gemacht werden.

Nachdem all das gesagt ist, hier nun ein paar Infos zu dem, was kommt.

Kapitel 1, von Hannah Solomon and Beth Verrilli, beschreibt eine wesentliche Unterscheidung zwischen zwei Typen von Online‐Unterricht, dem synchronen und dem asynchronen. Wir erläutern einige der jeweiligen Stärken und Grenzen und wie man mit ihnen umgeht. Wir besprechen auch, wie sich hier Synergien bilden lassen – wie eine gute Unterrichtsstunde Elemente von beiden Typen beinhalten könnte.

Kapitel 2, von Jen Rugani und Kevin Grijalva, erläutert das Verschwindenlassen des Bildschirms, was bedeutet, den Schülern trotz Entfernung das Gefühl zu geben, mit ihnen verbunden zu sein. Beziehungen aufzubauen und zu pflegen ist ein wichtiger Teil davon, aber es geht um mehr als das. Es geht darum, diese Dinge durch das Wesen und das Handwerk des Unterrichtens zu tun – den Schülern durch Lernen das Gefühl zu geben, Teil von etwas zu sein.

Kapitel 3, von Colleen Driggs und Jaimie Brillante, befasst sich mit einer der größten Herausforderungen des Online‐Lernens: der Ablenkung. Die Schüler sind weit von uns entfernt und sitzen an Bildschirmen – eine Situation, die natürlich ständige Ablenkung bietet. Es geht darum, wie man beim Ringen um ihre Aufmerksamkeit so interagiert, dass man ihre Aufmerksamkeit maximiert.

Kapitel 4