Verlag: Haymon Verlag Kategorie: Krimi Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Veilchens Winter - Joe Fischler

ABENTEUERLICHER EINSTAND FÜR VALERIE "VEILCHEN" MAUSER: Auf die feucht-fröhliche Willkommensfeier an ihrem neuen Innsbrucker Arbeitsplatz folgt direkt die Audienz beim Landeshauptmann. Und der Fall, der ihr dort übertragen wird, hat es in sich: Die kleine Tochter eines russischen Oligarchen wurde aus ihrem Skikurs entführt. Das darf im Heiligen Land Tirol keine Wellen schlagen, weshalb die Untersuchungen streng geheim bleiben müssen. Und auch die neuen Kollegen machen der resoluten Ermittlerin das Leben nicht gerade leicht. ERMITTLUNGEN ZWISCHEN SKIHOTELS, BANKEN UND DER POLITIK Eine Leiche taucht auf, und ehe sie sich's versieht, befindet sich Valerie in einem Fall, der rasant Fahrt aufnimmt und in dem sie mehr als nur einmal selbst ins Fadenkreuz gerät. Zwischen Skihotels, Banken und dem lieben Landesvater wittert Veilchen eine Verschwörung und begibt sich in ihrem neuen Revier schnell auf dünnes Eis. Zum Glück gibt es den Süßigkeitenladen um die Ecke und ihren früheren Einsatzpartner Manfred Stolwerk. Der ist stets zur Stelle, wenn es brenzlig wird, und sein Hang zum Genuss kommt ihm auch in den unpassendsten Momenten nicht abhanden. UNGLEICHES, CHARMANTES ERMITTLERDUO Mit Veilchen und Stolwerk hat Krimidebütant Joe Fischler ein ungleiches, aber äußerst charmantes Ermittlerduo geschaffen. Zwischen Bergidyll und Innsbrucker Altstadtflair steuern die beiden zielsicher auf den grandiosen Showdown zu. Das ist pure Unterhaltung!

Meinungen über das E-Book Veilchens Winter - Joe Fischler

E-Book-Leseprobe Veilchens Winter - Joe Fischler

Joe Fischler

Veilchens Winter

Valerie Mausers erster Fall

Alpenkrimi

Joe Fischler

Veilchens Winter

Für meinen Großvater

Höttinger Urgestein

Nicht mehr da, doch unvergessen

Donnerstag

»Mama?«, krähte sie mit sattem Bass.

»Kind, um Himmels willen! Bist du krank?«

Valerie Mauser drehte sich auf die Seite und hustete. Gute Frage, dachte sie, selbst erschrocken vom Reibeisenklang ihrer Stimme. Draußen war es noch dunkel. Das Kunstlicht der Altstadt drang durchs Fenster und warf ein Kreuz an die Wand. Dieses wanderte beständig aus ihrem Blickfeld, so sehr sie sich auch bemühte, es anzuhalten.

»Kind, bist du noch da? Hallo? Alles in Ordnung?«

Valerie räusperte sich. »Mama, geht schon. Bin gerade aufgewacht. Ich ruf dich später an.« Sie beendete das Gespräch und bemühte sich um Orientierung. Sie war in ihrer neuen Innsbrucker Dienstwohnung, einen Katzensprung entfernt vom Goldenen Dachl, das sie durch den Erker in ihrer Küche sehen konnte, wenn sie wollte. Gerade war ihr einfach nur übel. Einen Augenblick später ging der Radiowecker an und Karel Gott schmetterte Valerie seine Biene Maja um die Ohren. In den Halbschlaf zurückgesunken sah sie sich über duftende Blumenwiesen fliegen. Heftige Übelkeit zwang sie zum Aufwachen und Aufstehen.

Einige Minuten darauf hatte sie an Inhalten verloren und an Erkenntnissen gewonnen. Sie wärmte ihre Hände am Wasserkocher, der so langsam zu röcheln begann, wie ihre Gedanken in Schwung kamen. Gestern. Da war die Antrittsfeier ohne ihren neuen Chef, dafür mit Landeshauptmann und Landespolizeidirektor gewesen, dort der Bauernkeller und jede Menge Hochprozentiges, dazwischen viele Puzzleteile, die ein schwarzes Loch umkreisten. Sie musste sich hemmungslos betrunken haben. Sie erinnerte sich an die Konferenz, in der sie als neue Leiterin des Ermittlungsbereichs Leib und Leben am Landeskriminalamt Tirol vorgestellt worden war, die spontane Feier auf Einladung des Landeshauptmanns, das Essen, danach ein Schnapserl, dann noch eins, weil’s so gut war, dann eines zum Aufstehen, ein weiteres an der Bar, ihre vergeblichen Versuche, sich mit dem bevorstehenden Arbeitstag zu entschuldigen. Zirbe, Marille, Vogelbeere … hatte sie sich wirklich mit Hubertus Freudenschuss verbrüdert? Und dann? Einem Kurzen aus verschränktem Arm hatte ein Kuss zu folgen. Mit Schrecken dachte sie zurück an ein ähnliches Besäufnis, Jahrzehnte her. Dessen Folge hieß Rebecca, zumindest in ihrer Vorstellung. Die unbekannte Tochter. Der vertraute Stich in der Brust.

Die Spurensuche ergab, dass es diesmal offenbar beim Alkohol geblieben war. Ein Landeshauptkind stand somit kaum zu befürchten. Immer noch steckte Valerie in der Aufmachung des vergangenen Abends. Schwarzes, enges Kleid, dunkle Strumpfhose, breiter, paillettenbesetzter Gürtel, dazu Perlenschmuck – ungewohnt fraulich für ihre Verhältnisse. Andererseits wären Jeans, Rollkragenpulli und Lederjacke wohl kaum dem Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere angemessen gewesen. Die Blasen an den Füßen schmerzten synchron und erinnerten sie an ihre neuen Pumps, die sie ein Vermögen gekostet hatten und jetzt spurlos verschwunden zu sein schienen. Nach Schmerztablette, mehreren Tassen Tee, einer kalten Dusche und den wie üblich aussichtslosen Bemühungen, ihr Haar in die Nähe einer gesellschaftstauglichen Frisur zu bringen, rief sie ihre Mutter zurück.

»Doktor Mauser?«

»Mama, ich bin’s.« Valerie ärgerte sich, dass Pauline Mauser immer noch kein Telefon mit Anruferkennung besaß, und noch viel mehr darüber, dass sich ihre Mutter nach wie vor mit dem Doktortitel ihres verstorbenen Mannes vorzustellen pflegte.

»Valerie! Was ist passiert? Ich sterbe vor Sorge!«

Frau Doktor liebte das Drama, was ihre Tochter mit schmerzhaftem Augenrollen quittierte. »Mama, ich kann nur kurz, bin spät dran. Nichts ist passiert. Geht schon. Die Feier gestern, du weißt schon …«

»Ja, wie war’s mit dem Herrn Landeshauptmann? Ich wär so wahnsinnig gerne mit dabei gewesen. So schade, dass keine Angehörigen erlaubt waren. So ein fescher Mann, der Herr Freudenschuss, seine langen Haare würde ich am liebsten … hmm!«

»Mutter! Weißt du, wie spät es ist?«

»Ach, Kind, es ist nie zu spät! Nun sag schon, wie war’s? Wie ist der Herr Landeshauptmann? Ich bin so stolz auf dich! Und ich sterbe vor Neugier!«

Schon zweimal gestorben, dachte Valerie, hielt ein Geschirrtuch unter den Hahn und presste sich den eiskalt triefenden Lappen an die Stirn. Das Wasser fand seine Wege an ihr herab. Ihre Mutter, die lustige Witwe. Gänsehaut. Unwillkürlich musste sie sich schütteln.

»Schön war’s«, gab sie zurück, »und reichlich, wie du hörst. Jetzt muss ich aber los zur Arbeit.« Musste sie wirklich, denn vor ihr lag ein anstrengender, erster offizieller Arbeitstag.

»Dann ruf mich bitte an, sobald du kannst, ja?«

»Ja, Mama«, raunte Valerie, und sanfter: »hab dich lieb.«

»Ich dich auch, meine Tulpe.«

Zwei Bussis zum Abschied – seit vier Jahrzehnten dasselbe Ritual, mit dem sich Mutter und Tochter ihrer Verbundenheit vergewisserten.

Wenige Minuten später wankte Valerie die Steintreppe des Altstadthauses hinunter. Fuß- und Kopfschmerzen hielten sich mit dem Drehschwindel die Waage. Am schneeweißen Brunnen vor dem Hauseingang entdeckte sie einen ihrer Stöckelschuhe. Der andere lugte aus dem daneben angebrachten Müllkübel hervor. Na, da gehört ihr Mistdinger auch hin, dachte sie sich. Ihr war ohnedies ein Rätsel, wie man so etwas einen ganzen Tag lang tragen, geschweige denn darin arbeiten konnte. Weil sie die Entsorgung der brandneuen Folterinstrumente dann aber doch reute und sie vermutete, dass auch ein Obdachloser nicht viel mit ihnen anzufangen wüsste, verstaute sie sie in ihrer Umhängetasche und ging los. Ein Pensionist, der die Szene beobachtet hatte, hob den Hut und grüßte freundlich, sie lächelte zurück.

Ihre neue Arbeitsstelle war in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen, was ihr aufgrund des sicherlich erheblichen Restalkohols in ihrem Körper gelegen kam. Sie verließ die Altstadt an der Ottoburg, schlenderte kaugummikauend das Herzog-Siegmund-Ufer entlang und genoss die angenehmen Temperaturen, die der Föhneinbruch mit sich brachte. Hinter der Markthalle wurden frische Waren ausgeladen, am Inn waren Jogger und Fahrradfahrer unterwegs, unter ihnen ein Herr im Nadelstreif, der Valerie beinahe aufgegabelt hätte, als er sein E-Bike viel zu schnell an ihr vorbeipilotierte. Sie hätte ihm gerne eine Freundlichkeit mit auf den Weg gegeben, doch bis sie die Situation erfasst und sich umgedreht hatte, war er längst davon. Seine Krawatte flatterte hinterher, als wollte sein Rücken ihr zum Abschied noch die Zunge zeigen.

Valerie betrachtete Aufzüge als Notbehelf. Sie nahm sie nur, wenn es gar nicht anders ging. Deshalb war es für sie auch kein Problem, dass es an ihrer neuen Wohnadresse keinen Lift gab – schließlich wusste man ja nie, auf wen man in so einem Treppenhaus stoßen konnte. Und Begegnungen dieser Art waren allemal besser, als sich in einer engen Kabine anzuschweigen, während einem Maschinen die Last der Schwerkraft abnahmen. Von den gesundheitlichen Vorteilen ganz zu schweigen. Die vier Stockwerke in die oberste Etage des LKA Tirol fielen ihr an diesem Tag jedoch außerordentlich schwer. Ihr Herz raste, und keuchend beschloss sie, nie wieder so viel Schnaps zu trinken wie in der vergangenen Nacht.

Neben der Türe zu ihrem Vorzimmer war ein neues Schild befestigt worden, das sie als »Oberstleutnant Valentin Mauser, Leiter EB01-Leib/Leben« auswies. Mit gerümpfter Nase trat sie ein und wurde bereits von ihrem Stellvertreter und Interimsleiter der Abteilung, Major Nikolaus Geyer, erwartet. Der Platz ihrer Sekretärin war leer.

»Morgen, Frau Mauser.«

»Guten Morgen, Herr Geyer. Warten Sie auf mich?«

»Ja. Frau Distelbacher ist krank, soll ich Ihnen ausrichten. Und ich würde gerne mit Ihnen sprechen, wenn es Ihre Zeit erlaubt.«

»In einer Stunde?« Valerie hätte den ersten Arbeitstag gerne genutzt, um sich im Amt zu orientieren. Da ihr Vorgänger nicht mehr zur Verfügung stand – er war, wie man ihr erst auf hartnäckiges Nachfragen hin mitgeteilt hatte, aus gesundheitlichen Gründen pensioniert worden und nicht mehr erreichbar –, brauchte sie Geyers Informationen, um ihre Leitungsaufgabe wahrnehmen zu können, doch dafür wollte sie etwas nüchterner sein.

»Ich fürchte, es ist dringend und duldet keinen Aufschub.«

»Ist was passiert?«

»Ich habe ein Anliegen in eigener Sache.«

»Na dann.« Mit einer Geste wies sie ihm den Weg.

Auch neben der Eingangstür ihres Büros prangte die fehlerhafte Kennzeichnung. Valerie ließ sich nichts anmerken. Sie gingen hinein und nahmen Platz.

»Frau Mauser, ich sag es einfach gerade heraus. Ich war die Nummer eins für den Leiterposten. Dass ich nicht zum Zug gekommen bin, werde ich nicht akzeptieren. Mir ist es völlig unverständlich, was den alten Berger geritten hat, sich so für Sie …« Er hielt inne.

Valerie konnte sich nicht vorstellen, worauf sich der unterbrochene Satz über den LKA-Leiter und sie beziehen sollte. Ihr war mitgeteilt worden, dass ihre Qualifikationen wie auch die bisherigen Verdienste für sie als neue Leiterin gesprochen hatten. Dass sie über Jahre hinweg Außergewöhnliches geleistet, selbst knifflige Fälle aufgeklärt und Leben gerettet hatte, weit über den Anspruch hinaus, der an einfache Kriminalbeamte gestellt wurde. Sie hatte sich ihre neue Funktion redlich verdient. Diese Gewissheit wollte sie nicht hinterfragen. Schon gar nicht in Geyers Anwesenheit.

»Herr Geyer, ich verstehe Ihren Ärger. Aber geben Sie uns doch etwas Zeit, um uns …«

»Nein«, unterbrach Geyer und zog ein Blatt Papier aus seiner Schreibmappe, das er ihr mit zitternder Hand überreichte. »Hier, bitte.«

Valerie las nur den Betreff, »Versetzungsgesuch«, schob das Schreiben zur Seite und rieb sich die Schläfen. Immer noch war ihr schwindlig. »Herr Geyer, halten Sie das wirklich für den richtigen Zeitpunkt?«

»Frau Mauser, ich werde den offiziellen Dienstweg einhalten, exakt wie vorgeschrieben. Sie sind mein Vorgesetzter. Aber ich will hier nicht mehr arbeiten, und das wird auch morgen und übermorgen noch so sein.«

»Herr Geyer, ich nehme Ihr Schreiben zur Kenntnis. Trotzdem möchte ich kommende Woche nochmals mit Ihnen darüber reden.«

»Bitte, solange die Versetzung nicht durch ist, können Sie natürlich im Rahmen der Dienstvorschriften über mich verfügen, und wenn Sie mit mir reden wollen, dann bitte schön«, gab Geyer im Stakkato zurück.

Ein Schrank von einem Mann und dazu der Trotz eines Kindes, dachte Valerie. Sie spürte, dass eine Fortführung dieses Gesprächs nur seine Eskalation bewirken würde. »Haben Sie noch etwas für mich, Herr Geyer?«, fragte sie so neutral wie möglich und blickte ihm direkt in die Augen. Er sah weg.

»Nein, das war alles.« Nikolaus Geyer stand auf und ging Richtung Tür. Valerie war schon erleichtert, dass er darauf verzichtet hatte, seine Hacken zusammenzuschlagen, als er sich noch einmal umdrehte. »Ach, doch. Der Herr Landeshauptmann hat angerufen, er sucht Sie dringend. Sie persönlich. Es sei wichtig. Aber wir haben ja keine Handynummer von Ihnen.«

»Und das sagen Sie mir jetzt?«, entfuhr es Valerie. Geyer war schon bei der Tür hinaus.

Ihr Anruf im Tiroler Landhaus endete mit der Bitte der Vorzimmerdame des Landeshauptmanns, dringendst zu kommen, es gehe um eine Sache nationaler, wenn nicht internationaler Tragweite. Solcherart vorgewarnt sprang sie kurz darauf in ein Taxi. Fragen kreisten in ihrem Kopf. Was mochte Freudenschuss von ihr wollen, und warum rief er ausgerechnet nach ihr und nicht nach dem LKA-Leiter, wenn die Sache wirklich so wichtig war? Gut, der Landeshauptmann hatte oftmals beteuert, wie freudig überrascht er gewesen sei, dass es sich bei diesem Oberstleutnant Mauser um eine Frau handelte, was aber kaum den Ausschlag gegeben haben dürfte, sich in bedeutsamen Sachen an sie zu wenden. Denn eigentlich hatte er sie »Dirndl« und nicht »Frau« genannt. Als wäre sie ein Kleidungsstück. Neu war sie obendrein, kaum mit den Tiroler Gegebenheiten vertraut. Warum ruft er nicht den alten Berger, fragte sie sich.

Minuten später fuhr sie im Landhaus vor. Dort wurde sie direkt in Hubertus Freudenschuss’ Büro geleitet, der hinter seinem schweren Eichenholzschreibtisch aufsprang und sie fast frenetisch empfing.

»Gott sei Dank sind Sie endlich hier, Frau Mauser! Grüß Gott, grüß Gott.« Er wirkte erstaunlich nüchtern, gemessen an der Menge Alkohol, die Valerie bis zu ihrem Filmriss in ihm verschwinden gesehen hatte. Zu ihrer Erleichterung dürften Freudenschuss weder die Verbrüderung noch das »Du« des Vorabends in Erinnerung geblieben sein. Vor dem Tisch saßen zwei Personen, die ihr der Landeshauptmann sogleich vorstellte.

»Frau Mauser, das ist Boris Marinov, unser sechster Stern am Tourismushimmel, und seine Frau Janette.« Beide standen auf. Boris streckte ihr seine Hand derart offensiv entgegen, dass gar nicht daran zu denken war, mit der Frau zu beginnen. Er trug die Oligarchenuniform: weißes Hemd, der oberste Knopf offen, um die Mitte deutlich ausgebeult, dunkles Sakko, dazu Jeans. Er schien gut im Futter zu stehen und seiner Kleidung schneller zu entwachsen, als er – oder Janette? – größere kaufen konnte. Auch seine Hand fühlte sich gut gepolstert, vor allem aber riesig an. Valerie hatte ein erneutes Schraubstockdrama befürchtet – vor Jahren hatte ihr ein schwäbischer Geschäftsmann mit seinem Eisengriff einen Mittelhandknochen gebrochen, worauf sie ein Jahr lang nur die linke Hand geben konnte, was absolut dämlich wirkte, doch immer noch besser war, als die Peinlichkeit einzugestehen – doch der Oligarch war mehr Schüttler als Drücker. Janette trug ein cremefarbenes Kostüm, ihr Händedruck war schwach und feucht. Beide wirkten, als wäre ihnen Schreckliches widerfahren.

Es bedurfte eigentlich keiner Vorstellung der Gäste, denn die beiden rauschten schon seit Monaten durch Österreichs Blätterwald. Ein Society-Paar, er russischer Oligarch, im Sog der Aufspaltung der UdSSR zweifelhaft an seine Milliarden gekommen und vor kurzem eingebürgert, sie die zwei Jahrzehnte jüngere Ex-Miss vom Arlberg. Zusammen waren sie Neo-Hoteliers mit strahlendem Fünfsternehaus in Innsbruck, dem sie eigenmächtig einen sechsten Stern verpasst und damit hitzige Diskussionen über die Macht ausländischen Geldes ausgelöst hatten, deren Ausläufer noch in Wien zu vernehmen gewesen waren. Valerie erinnerte sich an die Schlagzeile einer Wochenzeitschrift, die österreichweit zum geflügelten Wort geworden war: »Tiroler, lasst die Hosen runter, die Russen kommen!« Ein paar Tage lang war Tirol ganz im Zentrum der Berichterstattung gestanden, der Sturm hatte sogar deutsche Massenblätter erreicht, was aber vor allem dem Fehlen anderer, bedeutsamer Nachrichten zuzuschreiben gewesen war. Ein typisches Spätsommerlochthema. Valerie pflegte sich von künstlich hochgeschaukelten Aufregern dieser Art fernzuhalten, doch es hatte sich nicht vermeiden lassen, mehr über die Oligarchenfamilie und ihre wundersame Sternvermehrung zu erfahren, als ihr lieb gewesen war. Vom Sechssterneglanz spiegelte sich gerade herzlich wenig in den Gesichtern der Marinovs wider – seines hochrot, ihres verquollen.

»Bitte, setzen wir uns doch auf die Couch«, fuhr Freudenschuss fort, »dort haben wir mehr Platz.«

Der Tiroler Landeshauptmann, erst im Frühjahr vergangenen Jahres erneut im Amt bestätigt, musste ein passionierter Jäger sein. Freudenschuss kleidete sich im ländlichen Stil mit einer Vorliebe für Braun- und Grüntöne. Überall hingen Trophäen. Neben Krickerln verschiedener Größen schaute auch das vordere Drittel eines kapital präparierten Hirsches aus der Wand. Während sich Valerie Gedanken machte, wie er denn sein Geweih durch das holzverzierte Loch in der Wand gefädelt haben mochte, ob die restlichen zwei Drittel vielleicht an der Rückseite hingen, direkt über dem Schreibtisch einer armen Landesbediensteten, und sich eines Films entsann, in dem ein Blödian den anderen fragte, wie schnell so ein Hirsch wohl unterwegs sein musste, um dermaßen tief in der Mauer steckenzubleiben, schenkte Freudenschuss seinen Gästen eine Runde Zirbenschnaps ein. »Das brauchen wir jetzt. Zum Wohle!«

Valerie nippte daran und stellte das Stamperl mit dem picksüßen Hochprozentigen auf die Glasplatte, durch welche sie ein ausgestopftes Murmeltier anglotzte. Sie wusste, dass eine fantasievolle Bemerkung zu all dem Jagdzeugs hier drin keinen dankbaren Empfänger finden würde, also entschloss sie sich, die Initiative zu ergreifen.

»So, klären Sie mich bitte auf. Was ist passiert?«

Das Gesicht des Landeshauptmanns wurde finster. Er holte aus. »Zuerst einmal: Das muss alles unter uns bleiben. Keine Öffentlichkeit, keine offiziellen Untersuchungen. Ab-so-lu-tes Stillschweigen. Gegenüber allen. Ist das klar?« Valeries Kopfnicken ließ ihn fortfahren: »Frau Oberstleutnant, es hat sich ein unglaubliches Verbrechen ereignet, und das hier, in unserem Heimatland, mitten in Tirol. Unseren liebsten Freunden wurde übelstes Unrecht angetan, nun stellen Sie sich vor …«

»Mein Tochter«, unterbrach ihn Boris Marinov mit gebrochener Stimme und in ebensolchem Deutsch, »ist gestohlen worden! In Skikurs!«

»Und ich lasse mir meine Töchter … die Töchter meiner Freunde … von niemandem entführen!«, polterte Freudenschuss. Ab »lasse« betonte er jedes Wort, indem er Zeige- und Mittelfinger geierartig in die Glasplatte zu hauen versuchte. Dann fuhr er durch sein wallendes, beneidenswert folgsames Haar, warf es mit elegantem Kopfschwung zurück, verschränkte seine Arme und versank beinahe trotzig in der Couch.

»Dürfte ich bitte Einzelheiten erfahren?«, fragte Valerie in die Runde, während sie nur mit größter Mühe die Kreuzung aus Bruce Lee und einem Tiroler Schlagerbarden aus ihrer Vorstellung verdrängte.

»Lizah«, wisperte Janette Marinov, »ist gestern auf der Seegrube verschwunden, aus dem Anfänger-Skikurs, und ich habe das da bekommen.« Mit vorgehaltenem Taschentuch entsperrte sie ihr schneeweißes Smartphone und brachte eine E-Mail an die Oberfläche.

——

Von: kriemhild@emailio.de

An: j.marinov@goldenerhengst.at

Betreff: ihre tochter

wir haben ihre tochter. sagen sie der aufsichtsperson, dass sie bei ihnen aufgetaucht ist. bereiten Sie 1 mio. euro, 1 mio. us-dollar und 1 mio. schweizer franken vor, mittel bis groß, keine nummerntricks, in einem 40-liter-rucksack. keine suche, keine polizei, keine medien, keine überraschungen, oder sie ist tot. warten sie auf anweisungen.

——

»Kriemhild«, murmelte Valerie.

»Zuerst glaubte ich an einen dummen Scherz, aber gegen elf Uhr hat dann der Skilehrer angerufen. Lizah sei spurlos verschwunden.«

»Was haben Sie dann getan?«

»Das, was in der E-Mail stand: Ihm gesagt, dass sie von alleine zu mir gekommen ist«, schluchzte sie und schnäuzte sich ins bereits mehrfach gebrauchte Taschentuch. Boris Marinov legte den Arm um seine zierliche Frau.

»Und dann?«

»Dann musste ich mir von diesem Skifuzzi anhören, dass es eine Frechheit sei, dass ich ihn nicht schon früher angerufen habe!«, jaulte sie mit breitem Mund und zugekniffenen Augen. Boris schüttelte empört sein Haupt.

»Ich meine, was haben Sie anschließend unternommen?«, präzisierte Valerie.

»Dann hab ich es Boris gesagt. Und dann haben wir gewartet und gewartet, aber es kam nichts, keine E-Mail, kein Anruf, nichts. Die ganze Nacht. Und heute Früh wollte Boris dann unbedingt …« Sie brach ab und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Der Oligarch nahm sie fester in den Arm. Mit dem anderen fuchtelte er durch die Luft. »Nicht sitzen und warten! Nicht Deal. Machen. Lizah holen!« Die Faust krachte so fest auf seinen Oberschenkel, dass Valerie schon das Zuschauen schmerzte, doch der Russe verzog keine Miene und drehte sich zum Landeshauptmann. »So ruf ich Hubertus an.«

Janette Marinovs Wimmern erklomm das Falsett. »Damit bringst du unsere Tochter um! Das merken die doch!«

»Boris, Janette, es geht jetzt zuallererst um euren Schutz …«, sagte Hubertus Freudenschuss, beugte sich vor und legte seine rechte Hand auf Janettes Knie, die er eine hochgezogene Oligarchenbraue später wieder einzog und vertraulich fortfuhr, »… damit nicht noch mehr passiert. Es war richtig, dass ihr zu mir gekommen seid. Wir werden die Polizei nicht einschalten – offiziell. Frau Mauser ist äußerst kompetent, kommt frisch aus Wien und hat dort schon viele Entführungsfälle begleitet. Und hier kennt sie noch keiner. Sie wird keinen Staub aufwirbeln, nicht wahr?« Er bohrte einen Blick in Valerie und wandte sich wieder dem Ex-Model zu. »Janette, glaub mir, das würde ich genauso machen, wenn mein eigenes Kind entführt worden wäre.«

Freudenschuss schien gut über Valeries berufliche Vorgeschichte informiert zu sein. Oder hatte sie ihm gestern, im Schnaps und Dampf der Feiernacht, von ihren Aufgaben und Erfolgen in Wien erzählt? Egal. Auch wenn »viele« Entführungsfälle reichlich übertrieben war – schließlich konnte man die österreichische Bundeshauptstadt weder mit Sodom noch Gomorra vergleichen –, widersprach sie ihm nicht. »Gibt es irgendwelche Anhaltspunkte?«

»Hier«, flüsterte die Tiroler Oligarchenfrau und grub das Foto eines kleinen, blonden Lockenkopfs aus ihrem Louis-Vuitton-Täschchen. »Lizah. Unser Engel.«

Zu Valeries Überraschung begann nun Boris zu schluchzen. Sie betrachtete die Aufnahme. Das Mädchen auf den Schultern ihres Vaters, der vor Glück zu platzen schien, die kleinen Händchen auf seine rötliche Glatze gelegt. Er stand auf einem Boot, besser gesagt einem Schiff, vermutlich seinem. Im Hintergrund erkannte man ein Stück eines Hubschraubers, wie er auf keiner Oligarchenjacht fehlen durfte. Die Kulisse bildete ein Hafen, dahinter ein Felsen, auf dem der Palast der Grimaldis thronte – sie lagen vor Monaco. Von all dem schien Boris zum Zeitpunkt der Aufnahme nichts so stolz zu machen – und nichts so wichtig zu sein – wie seine Tochter, das vermisste Kind: Lizah. Wieder der Stich. Die kennen ihre Tochter wenigstens, dachte Valerie und seufzte. »Wie alt ist sie?«, fragte sie das Ex-Model.

»Fünf.«

Die nächste Frage richtete sie an Boris: »Haben Sie einen Verdacht? Feinde?«

Dieser schüttelte den Kopf. »Nein, nie, keine Feinde.«

Valerie mochte das nicht glauben. »Irgendwer? Ein Punkt, an dem ich beginnen könnte? Irgendwas?«

Schweigen.

»Hm?«

Janette zog bedauernd die Unterlippe hoch, Boris blieb beim Kopfschütteln.

»Werden Sie den Fall übernehmen?«, fragte der Landeshauptmann.

Welchen Fall, dachte Valerie. Ein Mädchen war verschwunden, der Oligarch mit doppeltem Pass meinte, keine Feinde zu haben, und offizielle Ermittlungen waren nicht möglich. Dennoch wusste sie, dass sie den beiden helfen musste. Mutter und Tochter zuliebe.

»Ohne Informationen wird es schwierig. Aber ja, ich werde versuchen, Ihnen zu helfen.«

»Mit allergrößter Diskretion«, forderte Freudenschuss, »halten Sie sich im Hintergrund. Scheuchen Sie mir den Täter nicht auf.«

Valerie quittierte die Äußerung mit Stirnrunzeln und wandte sich den Marinovs zu: »Melden Sie sich sofort, wenn es Neues gibt. Hier, meine Karte.« Sie überreichte ihre Visitenkarte, die sie noch als Ermittlungsbeamtin am LKA Wien auswies. Handynummer und E-Mail-Adresse blieben gleich. Boris und Janette Marinov wählten sie an, um ihr deren Nummer zu geben. Valeries Klingelton hellte die Stimmung kurz auf. »Und leiten Sie mir gleich die E-Mail des Entführers weiter, damit beginnen wir.«

Der Landeshauptmann begleitete sie bis an die Türe des Vorzimmers.

»Warum ich?«, fragte sie ihn leise, aber unverblümt.

»Warum ich dich gerufen habe, Valerie?«

Adrenalinschub. Also war er doch per Du mit ihr und hatte sie nur des offizielleren Eindrucks wegen in der Gegenwart des Oligarchen gesiezt. »Ja.«

»Weil ich dir vertraue, Dirndl.«

Einigermaßen planlos kam Valerie Mauser ins LKA zurück. Als sie hinter ihren Schreibtisch bog, wurde sie von einem schmächtigen Bauarbeiter-Dekolletee empfangen. »Oh!«, rief sie erschrocken. Dem Menschen unter ihr ging es gleich, denn nun knallte sein Hinterkopf gegen die Unterseite des Tisches. Das Geräusch alleine war schon schmerzhaft genug.

»Oje, tut mir leid, bitte, warten Sie!« Inzwischen hatte Valerie gesehen, dass der Mann wohl gerade dabei gewesen sein musste, ihren PC anzuschließen. Sie half ihm auf die Beine und streckte ihm zur Begrüßung die Hand entgegen. »Mauser.«

Er rubbelte sich den Hinterkopf, was seine Frisur nicht schlechter machte. »Schmatz.«

»Wie bitte?«

»Na, Schmatz heiß ich. Sven Schmatz. Sven wie mein Opa aus Deutschland. Aber Schmatz ist mir lieber. Und du bist die neue Chefin fürs Grobe, von der alle reden?«

Einigermaßen perplex musste sich Valerie erst auf die Ansage des Jünglings einstellen. »Ich bin Oberstleutnant Mauser, neue Leiterin des EB01, ja. Wie, von der alle reden?«

»Na, hier geht’s zu wie im Hühnerstall, seit die Leute wissen, dass eine Wienerin …« Er senkte den Kopf. »Tschuldigung.«

»Ach?«

Schmatz sah auf und grinste verlegen. »Ich war gerade dabei, deinen PC einzurichten.«

Dem hageren Burschen mit den Sommersprossen schien die Höflichkeitsform völlig fremd zu sein. Dennoch hatte er etwas Entwaffnendes an sich. »Dann kann ich jetzt weitermachen? Bin so gut wie fertig. Alles schon vorinstalliert.« Ohne eine Antwort abzuwarten, bückte er sich zum Gerät und schaltete es ein. »Deinen Desktop hab ich aus Wien übernommen, also ist alles so, wie du’s gewohnt bist.« Wenig später bat er Valerie, sich einzuloggen.

»Ganz schlecht.«

»Wie?«

»Na, das Kennwort. Warte, ich zeig dir, wie du ein sicheres Passwort findest, das du dir auch merken kannst.«

Nach fünfminütiger Belehrung, konsequent in Du gehalten, war Valeries IT-Zugang sicherer als der des Innenministers, wie Schmatz ihr versicherte.

»Danke, Herr Schmatz.«

»Bitte … und wie sag ich dann zu dir?«

»Frau Mauser?«

»Meinetwegen. Pfiat di, Frau Mauser.«

»Danke, Herr Schmatz. Auf Wiedersehen.«

Valerie öffnete die E-Mail von Janette Marinov. Schmatz hatte den Raum schon verlassen, als sie ihm nachrief: »Herr Schmatz, kennen Sie eigentlich emailio.de?«

»Den anonymen E-Mail-Provider? Klar! Warum?«

»Lässt sich herausfinden, wer hinter einer Adresse steckt?«

Er stand im Türrahmen und lachte. »Keine Chance. Der Anbieter, dem die Piraten vertrauen. Da haben sich schon die Musikbonzen ihre Zähne ausgebissen.«

»Und wie funktioniert das?«

»Du registrierst dich ohne Namen und zahlst per Barsendung. Dann gehst du über Tor drauf und sendest deine E-Mails.«

»Über Tor?« Die Fußballvokabel schien so gar nicht in die Computerwelt zu passen.

»Damit surfst du anonym, ohne Spuren zu hinterlassen.«

»Also ist das Ganze nicht zurückzuverfolgen?«

»Genau.«

Valerie rümpfte die Nase. Es fiel ihr schwer zu glauben, dass man im Zeitalter der Informationen Botschaften versenden konnte, die anonymer sein sollten als jeder Erpresserbrief aus zusammengebastelten Zeitungsbuchstaben. Dabei hatte sie sich große Chancen ausgerechnet, über die E-Mail-Adresse an den Entführer zu kommen. Die Webseite von emailio.de bestätigte Schmatz’ Angaben: »Als 100 % anonymer Dienstleister speichern wir keinerlei persönliche Daten unserer Kunden. Nur in bestimmten, gesetzlich geregelten Fällen sind wir auf richterlichen Beschluss hin verpflichtet, den E-Mail-Verkehr an die Behörden weiterzugeben.« Leider waren der oder die Täter nicht so naiv wie erhofft. Denn selbst wenn die Ermittlungen im Entführungsfall der kleinen Lizah offiziell wären und sie einen richterlichen Beschluss bekäme, müsste Valerie ein Rechtshilfeersuchen an die deutschen Behörden stellen, und das würde viel zu lange dauern und sehr wahrscheinlich nicht viel mehr hervorbringen als ein Konto, das nur für diese eine E-Mail benutzt worden war, und dahinterstehende Betreiber, die unwissend mit den Schultern zuckten.

»Noch was, Valentin?«

Valerie fuhr zusammen. Schmatz grinste und deutete per Kopfnicken zum Namensschild neben sich.

»Nein, das war alles. Vielen Dank, Sven … Herr Schmatz!« Sein Nachname entfuhr ihr lauter als nötig. Wer auch immer sie Valentin getauft hatte, würde sie noch kennenlernen.

Nachdem sie die Namensschilder per Brieföffner abgeschraubt und gegen eilig gekritzelte Post-its ersetzt hatte, tippte sie »Boris und Janette Marinov« in die Suchmaschine ein. Vieles war ihr schon aus den Klatschmagazinen bekannt, die sie gelegentlich zum Abschalten brauchte, doch sie fand im Internet auch neue Informationen. Es war ein modernes Märchen: Der reiche Stammgast des Fünfsternehauses und dessen Rezeptionistin, frisch von der Tourismusschule, hatten sich unsterblich ineinander verliebt. Die Vermählung bettete die Ex-Miss in ein Meer aus Geldscheinen, kein Jahr später kam ihre gemeinsame Tochter Lizah zur Welt. Ein pikantes Detail, das den Landeshauptmann betraf, hatte dieser verschwiegen. Flankiert von den Marinovs lachte er halbseitig aus der Gesellschaftsrubrik des Tiroler Tagblatts, das Mädchen im Taufkleid in seinen Armen haltend. Bildunterschrift: »Landeshauptmann Hubertus Freudenschuss mit seinem Patenkind Lizah Marinov und den überglücklichen Eltern, unserem Tiroler Oligarchen Boris Marinov und seiner charmanten Frau Janette.«

Das Paar klotzte, statt zu kleckern, rote Teppiche zogen die beiden magnetisch an. Vor ihrem prächtigen Anwesen auf der Innsbrucker Hungerburg stauten sich Bentleys und Ferraris und man feierte rauschende Feste. Seit kurzem waren die Marinovs die Eigentümer des Hotels, in dem ihre Liebesgeschichte begonnen hatte. Im Herbst des Vorjahrs übernommen, war der Goldene Hengst in nur einem Monat auf Hochglanz poliert und neu eröffnet worden. Es kamen Film- und Fernsehsternchen, Sporthelden und Politprominenz, angeführt vom Tiroler Landeshauptmann, der sich besonders gerne mit der reichen Familie zu zeigen schien. Freudenschuss in einem Interview für die Tiroler Neue: »Es erfüllt mich mit großer Freude, dass sich Boris Marinov unter all den schönen Flecken auf der Welt den wunderbarsten ausgesucht hat: unser Heimatland Tirol. Und jetzt hat er auch noch unseren berühmten Goldenen Hengst mit neuen Eisen beschlagen und macht ihn damit zum Eintrittstor in den Osten. Wie man weiß, ist der russische Gast der Gast von morgen und wir heißen ihn ganz herzlich bei uns im schönen Tirol willkommen.« Auf Berichte über Alkoholexzesse, Schlägereien und maßlose Verschwendung angesprochen: »Ich verwahre mich vor solchen Anschüttungen und kann nur jedem anständigen Tiroler und jeder anständigen Tirolerin raten, es mir gleichzutun. Rufmord am Russen ist unverantwortlich, denn damit schadet man den heimischen Betrieben und der Wirtschaft, die dranhängt! Wer im Goldenen Hengst residiert, weiß, dass es sich bei den Erzählungen über russische Gäste sowieso um völlig verzerrte Klischeebilder handelt. Der Russe, und das sei jedem Tiroler und jeder Tirolerin ins Stammbuch geschrieben, ist ein ausgesprochen zahlungskräftiger und höflicher Gast, den wird mir niemand schlechtreden. Ich kenne den Russen, und ich lege meine Hand für ihn ins Feuer, so wahr ich Hubertus Freudenschuss heiße!« Valerie musste sich schütteln, um das viele Luftgebäck in ihrem Kopf zum Einsturz zu bringen. Nicht nur der Jagdfreund und Landesvater, auch die Tiroler Medien schienen den Marinovs sehr wohlwollend gegenüberzustehen. Fast hätte man den Eindruck gewinnen können, sie wären allseits beliebt gewesen, als Valerie über die Internetseite eines Publizisten stolperte, dessen Steckenpferd es sein musste, sich mit den Mächtigen im Land anzulegen. Der Name der Webseite war mandersischzeit.at, in Anlehnung an den berühmten Spruch des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer: Mander, ’s isch Zeit! In einem kurzen Artikel warf er einige Fragen auf:

——

Die wahren Russen im Land

Marinov kommt, sieht und kauft. Alles und jeden. Er baut sich seinen fantastischen Oligarchenkokon über den Dächern von Innsbruck. Er braucht keine Außenlandegenehmigung für seinen Hubschrauber, er fliegt einfach. Er hat Geburtstag, also böllert er. Die ganze Nacht lang. Wozu gibt es Lärmschutzgesetze?

Und nun lass dir das auf der Zunge zergehen: Er wünscht sich ein bestimmtes Hotel, also wird er es auch bald bekommen. Wie praktisch, dass sich der Voreigentümer, Spross einer alteingesessenen Innsbrucker Hoteliersfamilie und politischer Gegner unseres supersauberen Herrn Oberjägers, ein Mann, der gar nicht verkaufen wollte, gerade rechtzeitig »dazu entschlossen hat«, zu sterben. Und jetzt stell dir vor, unser Russe kommt ziemlich sicher damit durch, gedeckt von hohen Herren mit noch höheren Ansprüchen, die zur Krönung alle polizeilichen Ermittlungen gegen ihn unterbinden – und ihn jetzt auch noch einbürgern wollen.

So offenbaren sich einmal mehr, im breitesten Tiroler Dialekt, die wahren Russen im Land.

——

Das Wort Oligarchenkokon war ihr neu, und so dachte Valerie kurz darüber nach. Sie fand die Metapher interessant: Die gefräßige Raupe, die sich den schönsten Platz suchte, um sich dort zu verpuppen. Die kleine Raupe Marinov hatte Innsbruck gewählt. Valerie ahnte, dass es doch den einen oder anderen Menschen geben musste, den man als Feind des Oligarchen bezeichnen konnte. Kaum hatte sie »polizeiliche Ermittlungen« gelesen, war sie schon im internen System, um Boris Marinov abzufragen, mit einer Leermeldung als Resultat. Woher wusste der Autor des Artikels so viel über die Hintergründe des Hoteldeals und angebliche Ermittlungen, über die sich sonst nirgendwo ein Hinweis finden ließ? Zurück auf dem Artikel suchte sie nach einer Möglichkeit, ihn zu erreichen. Doch es fehlten entsprechende Hinweise, von einem Impressum ganz zu schweigen. Sie hatte schon einmal den Betreiber einer Webseite ausforschen müssen und kannte daher die Register, in denen Eigentümer von Homepages abgefragt werden können. Doch dort war eine »Datenschutzagentur« angegeben. Den Rest konnte sie sich zusammenreimen: Wer sich im Internet auskannte und anonym bleiben wollte, blieb es auch.

Mit weiteren Suchanfragen stieß sie auf die Geschichte des verstorbenen Hoteliers Tobias Hofer, der den Goldenen Hengst vor drei Jahren geerbt hatte und in der Familientradition fortführen wollte. Bei den Landtagswahlen im Frühjahr vergangenen Jahres war er mit einer eigenen Liste gegen Freudenschuss angetreten und hatte der führenden Partei aus dem Stand sieben Prozent abgezwackt. Im Juni war der zweifache Familienvater dann im Inn ertrunken, und wie das Tiroler Tagblatt in einer Kurzmeldung darstellte, war von Selbstmord auszugehen. Zu seinem Namen gab es im Unterschied zu Marinov sehr wohl einen internen Akt, angelegt von Oberst Andreas Zahn, Valeries Vorgänger, der »gegen unbekannt« ermittelt hatte. Allerdings fehlten weitere Informationen – nichts schien elektronisch erfasst worden zu sein, der Akt selbst wurde als »im Innenministerium befindlich« geführt. Beides war Valerie in ihrer bisherigen kriminalistischen Laufbahn noch nicht untergekommen. Auch die Exekutive wusste die Vorzüge und Möglichkeiten der elektronischen Datenverarbeitung zu nutzen. So war alles, was sich in einem herkömmlichen Akt befand, für gewöhnlich auch im Intranet abgebildet. Und dass sich das Ministerium in laufende Ermittlungen rund um einen angezweifelten Selbstmord einmischte, war schon sehr speziell. Aber das musste warten.

Valerie beschloss, sich zuerst den Entführungsort anzusehen. Sie hatte noch kein Verbrechen erlebt, das völlig spurlos verlaufen wäre. Mittlerweile war sie wieder ausreichend nüchtern, um ein Auto zu steuern. Also fuhr sie mit dem Dienstwagen zur Talstation der Innsbrucker Nordkettenbahnen auf der Hungerburg, wo sie sich zum Betriebsleiter Karl Murschitz durchfragte.

»Mauser, LKA.«

»Murschitz, angenehm.«

»Herr Murschitz, gestern gegen elf Uhr ist auf der Seegrube ein kleines Mädchen aus einem Skikurs verschwunden und später wieder bei seinen Eltern aufgetaucht. Wissen Sie etwas darüber?«

»Ja, das war vielleicht ein Zirkus gestern, und alles nur, weil diese Russin zu bequem war, bei uns anzurufen. Eine Frechheit. Ich hab schon die Schlagzeilen gesehen: Nordkettenbahnen verlieren Oligarchenkind. So etwas Dummes.«

»Ist Ihnen irgendetwas aufgefallen?«

»Aber was sollte mir denn auffallen, wenn nichts passiert ist?«

»Wir möchten uns die Sache trotzdem ansehen.«

»Warum?«

Valerie dachte nach, ob – und was – sie ihm darauf antworten sollte. »Noch ist nicht klar, wie es das fünfjährige Mädchen ganz alleine von der Seegrube nach Hause geschafft hat. Also haben sie etwas bemerkt oder nicht?«

»Nein. Gar nichts.«

»Gibt es Videoüberwachung?«

»Natürlich. Kommen Sie mit.« Murschitz führte Valerie in den Kontrollraum. Auf zwei großen Bildschirmen waren mehrere Kamerabilder angeordnet: Berg- und Talstation, Zugänge, Warteräume, Ein- und Ausstiegsbereiche sowie das Innere der Gondeln. Schon auf den ersten Blick erkannte Valerie, dass es schwierig werden würde, überhaupt jemanden zu erkennen, denn die an sich schon grobkörnigen Aufnahmen zeigten endlose Trauben vermummter Skifahrer.

»Könnten Sie mir alle Aufnahmen von gestern besorgen, so zwischen neun und zwölf Uhr?«, fragte Valerie, »und ins LKA Tirol schicken?«

»Tut mir leid, es gibt nur Live-Bilder. Der Datenschutz, wissen Sie …«

Valerie verdrehte die Augen zum Himmel und konnte sich nur mit Mühe verkneifen, die flache Hand an ihre Stirn zu klatschen. Sie mochte gar nicht daran denken, wie oft ihr der Datenschutz schon in die Quere gekommen war. So schützenswert die Privatsphäre der Bürger sein mochte, so wenig Verständnis hatte sie dafür, wenn die Aufklärung eines Verbrechens oder schweren Unfalls daran scheiterte, dass öffentliche Verkehrsunternehmen, Autobahnbetreiber und Konsorten keine Aufnahmen ihrer tausenden Kameras speichern wollten oder durften. Ohne weiter darauf einzugehen, ließ sie Namen und Nummer des Kinderskilehrers ausfindig machen, der Lizahs Gruppe zum Entführungszeitpunkt beaufsichtigt hatte. Dieser befand sich gerade im Restaurantbereich der Seegrube, wo er nach eigenen Worten »verhindert« war. So nahm sie die nächste Gondel nach oben.

Während der Fahrt erinnerte sie sich an die Winterurlaube ihrer Kindheit, damals, als ihr Vater noch gelebt hatte. Ihn, dem der kernige Tiroler Dialekt trotz Karriere in der Wiener Staatsanwaltschaft erhalten geblieben war, hatte es immer wieder in seine alte Heimat zurückgezogen. Seine beiden Töchter sollten Ski fahren können, denn das hatten Tirolerkinder seiner Ansicht nach einfach zu beherrschen. Mutter war ihnen zuliebe mitgekommen, aber immer heilfroh gewesen, wenn sie wieder den Asphalt der Bundeshauptstadt unter den Füßen hatte. Auf der Seegrube war Familie Mauser oft gewesen. Die Großraumgondel war neu, doch die Aussicht immer noch gleich beeindruckend, wenn auch weniger beängstigend, als Valerie in Erinnerung geblieben war. Man glitt fast lautlos über sanfte Wälder, das Gelände stetig steiler werdend, über die Baumgrenze und die letzten Meter scheinbar senkrecht den Fels hinauf.

Auf 1.905 Metern Seehöhe wurde sie bereits von Philipp Reubelt erwartet. Der Mann im typisch rot-weißen Skilehreroutfit führte sie in eine Gaststube. Schon von draußen war unüberhörbar, dass sich im Inneren eine Horde Kinder austobte. Doch was Valerie dann sah, überstieg ihre Vorstellungskraft, denn es herrschte blankes Chaos. Pommes, wohin man auch blickte, auf Tischen, Stühlen und dem Boden, ein paar davon schienen tatsächlich auch in tomatenrot umrandeten Kindermündern zu verschwinden. Der Lärmpegel ließ keine normale Unterhaltung zu. Die Kleinen trugen bunte Namensschilder. Mitten im Chaos eine überforderte Aufsichtsperson, die von einer Katastrophe zur nächsten hetzte, zwischen Raufbolde ging und kurz darauf zwei Kinder, die Großes vorhatten, zu den Toiletten begleitete.

»Du bist jetzt hier und passt auf, oder?«, rief sie in Reubelts Richtung.

»Ja, Cosima, keine Sorge.«

»Warum?«, fragte Valerie.

»Warum was?«

»Ich meine, warum keine Sorge?«

»Na, nach dem Schreck gestern, meinte ich. Gott sei Dank ist die Kleine dann von selbst zuhause aufgetaucht. Aber was sich die Mutter dabei gedacht hat, uns nichts zu sagen? Da kann man doch nur den Kopf schütteln.«

Ein Mädchen stand neben Valerie auf der Bank, kreischte in ihr Ohr und griff ihr mit ketchuptriefenden Fingern ins Haar. Valerie las »Sophie«, nahm das Mädchen, setzte es neben sich hin, umschloss die Händchen mit der linken Hand und legte den rechten Arm herum. Sofort befreite sich die Kleine wieder und zischte ab.

»Wie genau verschwand Lizah, Herr Reubelt?«

»Aber ich verstehe nicht … lass das, Thomas! Ich meine, ich verstehe nicht, warum Sie überhaupt hier sind, ist doch eigentlich nichts passiert.« Marcel stand am Tisch und setzte zu einem Hechtsprung an, den der Skilehrer gerade noch verhindern konnte. »Ich meine, sehen Sie sich doch mal um! Draußen auf der Piste, da geht’s ja noch so halbwegs, aber stehen die Pommes auf dem Tisch, sehen sie rot.«

»Die Pommes?«

Reubelt war schon wieder abgelenkt. »Wie? Was?«

»Ach, nichts. Herr Reubelt, wo genau ist Lizah verschwunden?«

»Hier drin vermutlich, während der Vormittagspause … da ging’s ähnlich zu wie jetzt.«

»Und wann ist Ihnen aufgefallen, dass sie fehlt?«

»Als wir die Gruppe draußen durchgezählt haben. Thomas, Himmel Herrgott noch mal!«

»Und dann haben Sie gleich mit der Suche begonnen?«

»Ja, Cosima hat die anderen Kinder reingebracht und ich hab überall nachgesehen. Aber keine Spur von ihr. Dann haben wir das gesamte Personal verständigt, Skilehrer und Bedienstete, alle haben herumgebrüllt, Lizah, Lizah, LIZAH! … ich meine THOMAS! Himmel! Einmal noch und es kracht! Hast du gehört? Entschuldigung. Also, dann sind wir die Pisten abgefahren, haben alles durchkämmt, Büsche, Verstecke, Waldstücke, aber nichts. Schließlich musste ich diese Marinov anrufen – und die sagt mir frisch und fröhlich, Lizah sei zuhause angekommen. Einfach so.«

»Frisch und fröhlich?«

»Na ja, eigentlich … nicht gerade fröhlich. War so dahingesagt. Aber stellen Sie sich vor, Ihr kleines Kind kommt alleine nach Hause. Und was tun Sie? Die Verantwortlichen anrufen? Nein, wozu denn! Nichts hat sie getan, die Kuh! Verzeihung, das war einfach zu viel gestern. Aber die glaubt wahrscheinlich, das Universum dreht sich nur um sie, das Kind und ihren Dagobert.«

»Dagobert?«

»Duck. Dieser Oligarch, der mit seinen Millionen wedelt, Lizahs Vater. Kennen Sie den nicht? Boris heißt der. Sophie, nicht die Wand! SOPHIE!«

»Kennen Sie ihn denn?«

»Wen? Was?«

»Na, Boris Marinov«, gab sie ihm den roten Faden zurück.

»Nein … aber wissen Sie was, es ist mir echt ein Rätsel, wie es Lizah alleine heim geschafft hat.«

»Das hätten Sie ihr nicht zugetraut?«

»Nein. Die konnte doch gerade mal rutschen und sich dann hinsetzen. Die Abfahrt wäre viel zu schwer für sie gewesen – und alleine hätte sie nicht mit der Gondel fahren dürfen.«

Valerie wechselte das Thema, um Reubelt davon abzuhalten, weiter nachzudenken: »Hatte Lizah engeren Kontakt zu einem der Kinder?«

»Mir wäre nicht aufgefallen, dass sie sich mit diesem oder jenem Kind besser verstanden hätte, aber Sie sehen ja.« Ein Kartoffelstäbchen flog an ihnen vorbei. »Vielleicht fragen Sie die Truppe einfach selbst?«

»Mal sehen.« Valerie baute sich im Raum auf und schrie aus vollen Lungen: »STOP!« Das Zauberwort schien auch in Tirol zu funktionieren. Sie nutzte die plötzliche Stille, um ihre Frage unterzubringen: »Wer von euch war mit Lizah zusammen?«

Es folgte ein Moment gespannter Erwartung.

»Das warst doch du, du schwule Kuh!«, tönte Marcel, und die Schar tobte.

Das zweite »STOP!« ging hoffnungslos unter, der Kuh-Moment, noch mehr aber ihre unüberlegt formulierte Frage hatten sie jeder Autorität beraubt. Kurz war Valerie dankbar dafür, ihr Berufsleben mit schwereren Jungs und Mädels verbringen zu dürfen, auch wenn sie sich in diesem Trubel auf seltsame Art wohlfühlte.

»Herr Reubelt«, wandte sie sich wieder dem Skilehrer zu, »wenn Ihnen oder Ihrer Assistentin noch irgendetwas einfällt, rufen Sie mich an, ja?«