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Turbulenzen in der Badewanne: Wie bändigt man einen Nix in einer kleinen Wohnung? Beim Muschelsammeln an der Ostsee ist es passiert: Jonathan vertauscht seinen Muscheleimer mit dem eines schönen fremden Mädchens. Und in diesem Eimer sitzt ein Nix, ein echter Seejungmann. Er landet nun bei Jonathan zu Hause und stiftet nichts als Unruhe. Der Nix bringt die Badewanne zum Überlaufen, spricht nur in Reimen und kann sich unsichtbar machen. Er turnt im Unterricht in Jonathans Schulranzen und in der ganzen Klasse herum, bis Frau Kägele, Jonathans Lehrerin, schon ärgerlich wird. Und dann verliebt der Nix sich auch noch - und zwar ausgerechnet in Frau Kägele .
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Veröffentlichungsjahr: 2014
Man stelle sich vor, Papa und Jonathan hätten in diesem Sommer nicht Urlaub an der Ostsee gemacht! Dann hätte Jonathan den Nix niemals kennengelernt, und das wäre doch schade gewesen.
Aber zum Glück sind sie wieder auf Olivers Campingplatz gefahren, und da fährt Jonathan sowieso immer am liebsten hin.
»Eigentlich könnte man ja erwarten, dass ich in meinem Alter auch endlich mal ans Mittelmeer fliegen könnte«, hat Papa gesagt. Und Jonathan hat gesagt, dass man das in seinem Alter eigentlich auch langsam mal erwarten könnte.
Aber sie haben es trotzdem nicht gemacht. Weil Papas Auto nämlich kaputtgegangen ist, und da mussten sie sich ganz kurz vor dem Urlaub ein neues kaufen.
»Und du verstehst doch, dass das Mittelmeer dann nicht mehr drin ist, Jonathan«, hat Papa gesagt. »Du ahnst ja nicht, was so ein Auto kostet.«
Das ahnt Jonathan wirklich nicht, aber er durfte trotzdem mit Papa losgehen und ein Auto aussuchen, und dann haben sie einen roten Japaner genommen, der noch fast ganz neu war. Papa und Jonathan haben ihn beide am besten gefunden.
»Aber einen ganz Neuen würde ich noch besser finden«, hat Jonathan gesagt. »Und einen Größeren auch.«
Da hat Papa geseufzt und gesagt, ein ganz neuer Großer ist so teuer, da müssten sie in den nächsten hundert Jahren jeden Tag trocken Brot essen.
»Und das willst du doch nicht, was, Sohn?«, hat Papa gesagt.
Darum haben sie das fast noch ganz neue Auto genommen, und nun können sie immer noch Käse auf ihre Brote legen, aber in die Sonne fliegen können sie nicht mehr.
»Du fährst ja sowieso immer am liebsten zu Olivers Wohnwagen, oder, Jonathan?«, hat Papa gesagt, und da hat Jonathan gemerkt, wie er so ein ganz warmes, glückliches Gefühl gekriegt hat.
»Am allerliebsten«, hat er gesagt.
Oliver ist Papas bester Freund, und er ist fast reich. Jedenfalls so reich, dass er einen Wohnwagen auf einem Dauercampingplatz an der Ostsee hat, und wenn Sommerferien sind, können Papa und Jonathan den immer für ganz wenig Geld mieten.
»Am allerallerallerliebsten fahr ich da hin«, hat Jonathan gesagt, und an dem Abend konnte er vor lauter Freude und Aufregung fast nicht einschlafen.
Und natürlich wird es wieder ganz genauso schön, wie es das an der Ostsee immer ist. Jeden Morgen fahren Papa und Jonathan mit dem Fahrrad zum Brötchenholen, und nach dem Frühstück spielt Jonathan mit Jasmin, die mit ihrer Oma und ihrem Opa in einem altmodischen Wagen eine Reihe hinter ihnen wohnt und leider eine alte Bestimmerin ist. Aber an der Ostsee findet Jonathan das nicht so schlimm.
Mittags macht Papa im Wohnwagen eine schnelle Dose warm, und nachmittags spielt Jonathan wieder mit Jasmin. Einmal ist ihm dabei eingefallen, dass Papa nun bestimmt wieder die ganze Zeit allein im Vorzelt sitzt und liest, und plötzlich hat Papa ihm so leidgetan in seiner Einsamkeit, und er hat Jasmin weiterbuddeln lassen und ist schnell zum Wohnwagen geflitzt.
»Da bin ich«, hat Jonathan gesagt.
Papa hat von seinem Buch hochgeguckt. »Hallo, Sohn«, hat er gesagt. Aber das Buch hat er nicht zugeschlagen.
»Vermisst du mich nicht?«, hat Jonathan gefragt.
Papa hat ihn nachdenklich angeguckt. »Bist du deshalb gekommen?«, hat er gefragt.
Jonathan hat genickt. »Ich hab jetzt Zeit«, hat er gesagt.
Da ist Papa aufgestanden und hat ihm durch die Haare gestrubbelt. »Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich gerne noch ein bisschen lesen«, hat er gesagt, und da ist Jonathan wieder zu Jasmin zurückgesaust und hat sich ganz wunderbar fröhlich gefühlt. Jasmin hatte noch nicht mal gemerkt, dass er verschwunden war. Sie hat versucht, ganz alleine einen Damm gegen die Ostsee zu bauen.
Aber dann ist der Urlaub eines Tages doch zu Ende.
»Können wir nicht noch ein klitzeklitzekleines bisschenbleiben, Papa?«, fragt Jonathan. »Nur so sagen wir mal drei Stunden? Oder vier, fünf?«
Papa lacht. »Alles Schöne hat mal ein Ende«, sagt er. »Darum soll man glücklich sein, solange es dauert, Sohn.«
Und glücklich ist Jonathan ja eigentlich die ganze Zeit.
Aber zu Jasmin muss er doch schnell noch sausen, die jetzt mutterseelenalleine am Strand sitzt und sich Sand über die Beine kippt.
»Tschüs, Jasmin«, sagt Jonathan. »Ich muss jetzt leider fahren.«
»Ich bleib noch und bleib und bleib«, sagt Jasmin. »Ätschi.« Aber dann merkt sie vielleicht selber, dass das zum Abschied nicht so richtig nett war, und sagt noch schnell: »Du hast deine Muscheln vergessen.«
Was für ein Glück! Den ganzen Morgen hat Jonathan mit Jasmin Muscheln gesucht und sie in seinen kleinen alten Sandeimer getan, für den man mit fast acht vielleicht schon beinahe zu groß ist; aber zum Muschelsammeln ist er eigentlich noch gut. Und nun steht der Eimer immer noch am Strand neben einem riesigen Badelaken mit einer Mickymaus drauf, auf dem liegt ein junges Mädchen im Bikini und mit Schminke im Gesicht und einer ganz dicken Gänsehaut und hört mit geschlossenen Augen und Kopfhörern Musik aus dem Discman. Da schnappt Jonathan sich den Eimer einfach blitzschnell und rennt zu Papa zurück. Der ist schon fast ein bisschen ungeduldig geworden.
Und erst als sie an der Autobahn anhalten, weil Jonathan dringend mal muss und es wirklich nicht mehr bis zu Hause aushalten kann, bemerkt Papa den Eimer.
»Was ist das denn?«, fragt Papa. »Wieso steht der denn unter deinem Sitz? Ich denk, ich hab den vorhin in den Kofferraum gepackt?«
Und dann macht er die Kofferraumklappe auf, und tatsächlich, da steht der Eimer voller Muscheln zum zweiten Mal.
»Manno!«, ruft Jonathan erschrocken. »Zwillinge!«
»In der Tat«, sagt Papa. »Irgendwem hast du einen Sandeimer geklaut, Sohn.«
Jonathan schlägt sich die Hand vor den Mund. »Wir müssen zurückfahren, Papa, schnell!«, sagt er aufgeregt. »Der gehört dem Bikini-Mädchen! Ich hab nur gedacht, dass das meiner ist!«
Papa hat sich schon wieder hinter sein Steuer gesetzt und die Tür zugeschlagen. »Daraus wird nichts«, sagt er. »Du weißt, ich bin immer für Ehrlichkeit. Aber jetzt müssen wir nach Hause. Ich kann Oliver den Eimer ja geben, der nimmt ihn dann mit, wenn er das nächste Mal zu seinem Wohnwagen fährt. Der hat bestimmt nichts dagegen, ein Bikini-Mädchen zu suchen. War sie hübsch?«
Jonathan denkt einen Augenblick nach. Er weiß ja, dass er noch keinen richtig erwachsenen Geschmack hat. Tomaten mit Zwiebeln mag er zum Beispiel auch nicht. Und meistens findet er auch genau die Mädchen besser, die Papa langweilig findet.
»Sexy, glaub ich«, sagt er nachdenklich.
»Na, dann müssen wir ja kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir Oliver mit ihr belästigen«, sagt Papa und lacht. »Vielleicht hast du da ja sogar eine junge Liebe gestiftet.«
Und keiner von beiden hört, wie es zwischen den Muscheln im Eimer ärgerlich raschelt.
Zu Hause packt Papa die Koffer aus und stopft die schmutzige Wäsche in die Waschmaschine. Dann geht er auf den Balkon, um Jonathans schmutzige Schuhe zu putzen, und dabei verteilt er überall auf dem Boden den letzten Rest Sand von der Ostsee.
»Jonathan?«, sagt Papa. »Du kannst schon mal deinen Ranzen packen. Was du so brauchst am ersten Tag. Morgen geht der Ernst des Lebens wieder los. Und abends bin ich leider gleich verabredet.«
Jonathan seufzt. Das weiß er ja selber, dass morgen der Ernst des Lebens wieder losgeht. Da muss Papa ihn gar nicht erinnern.
»Und, Jonathan?«, ruft Papa. Wenn die Waschmaschine im Bad so laut rumpelt, kann man ihn gar nicht gut verstehen. »Vergiss nicht den Eimer! Gleich bringen wir Oliver den Schlüssel zurück.«
Da geht Jonathan ins Badezimmer, wo auf dem Fußboden die beiden Muscheleimer stehen. Eimerholen ist ja tausendmal besser als Schulsachenholen.
Zuerst muss Jonathan einen Augenblick überlegen, welcher Eimer der richtige ist, aber dann sieht er es genau. Das Bikini-Mädchen hat seinen Eimer vielleicht noch nicht so lange. Der Bikini-Mädchen-Eimer hat keinen einzigen Kratzer. Und Jonathans eigentlich eine ganze Menge.
»Jonathan?«, sagt Papa auf dem Flur. »Bist du so weit?«
»Ich komme!«, ruft Jonathan und schnappt sich den Eimer, aber dann bleibt er plötzlich noch einmal stehen. Weil er etwas gehört hat nämlich, ein Scheppern, als ob Muscheln gegeneinanderscheuern; aber nicht in dem Eimer, den er jetzt in der Hand hält. Da wäre es ja kein Wunder. Wenn man einen Eimer schüttelt, können die Muscheln schon mal gegeneinanderrasseln.
Aus dem anderen Eimer ist das Scheppern gekommen, aus Jonathans altem zerkratzten Sandeimer, der auf dem Fußboden steht und sich überhaupt nicht bewegt. Da können die Muscheln doch wohl nicht scheppern!
»Jonathan?«, ruft Papa wieder vom Flur, und jetzt klingt seine Stimme schon ein bisschen ungeduldig. »Was tust du denn da so lange?«
Jonathan starrt auf den Eimer auf dem Boden. Wenn der Eimer ganz still steht, da können die Muscheln doch wohl nicht scheppern?
Und genau in diesem Moment fängt die Waschmaschine an zu schleudern. Wwwwrmmmm!, macht die Waschmaschine. Wwwwrrrmmm!, und sie schleudert so heftig, dass sie richtig anfängt zu wackeln und die Waschmittelpackungen, die obendrauf stehen, ganz gefährlich anfangen zu hüpfen. Wenn eine zu dicht am Rand steht, kippt sie vielleicht sogar runter.
Jonathan schnauft. Da ist es ja kein Wunder, wenn auch die Muscheln im Eimer gegeneinanderklappern.
»Ich komme!«, ruft er und läuft zu Papa auf den Flur.
Und beide merken sie nicht, dass jetzt eine Stimme nach ihnen ruft, ziemlich schrill und ziemlich böse.
»Halt!«, ruft die Stimme, und wenn man genau aufpassen würde, könnte man sie sogar über dem Waschmaschinenschleudern deutlich hören. Aber Jonathan und Papa hören eben nicht hin. »Algenpest und Haigebiss! Hört ihr nicht! Hier sitzt noch einer! Menschenmänner! Hört mich keiner?«
»Na dann!«, sagt Papa und schlägt die Wohnungstür hinter sich zu. »Bringen wir Oliver seinen Schlüssel. Und damit ist der Urlaub dann endgültig zu Ende.«
»Schade, oder, Papa?«, sagt Jonathan. »Aber ich hab ja wenigstens meine Muscheln. Zur Erinnerung.« Und er guckt in den Eimer vom Bikini-Mädchen, und als Papa das Auto aufschließt und grade nicht aufpasst, schnappt Jonathan sich noch schnell zwei ganz besonders hübsche Muscheln und steckt sie in die Hosentasche. Die schenkt er morgen in der Schule Leo, als Souvenir aus den Ferien. Leo bringt ihm auch immer was aus dem Urlaub mit.
»Genau, du hast wenigstens deine Muscheln«, sagt Papa. Und beide wissen sie noch immer nicht, dass oben in der Wohnung noch eine ganz andere Ferienerinnerung auf sie wartet.
Sie hätten ja auch mal besser hinhören können.
In der Nacht wird Jonathan wach, weil er dringend aufs Klo muss. Das muss er sonst nachts eigentlich nie, aber nun hat er abends bei Oliver noch ganz, ganz viel Cola getrunken. Und als Papa ihm seinen Gutenachtkuss gegeben hat, hat Jonathan plötzlich gemerkt, dass er dringend mal aufs Klo gehen müsste. Aber dazu hatte er wirklich keine Lust mehr, wo er doch schon im Bett gelegen hat. Dazu war er wirklich viel zu müde.
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