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Langsam hielt er die mit Blut besudelte und trotzdem immer noch hell blitzende Klinge hoch. Fasziniert betrachtete er sie. Wie er es genossen hatte die Klinge in ihren Leib zu stoßen und langsam eindringen zu spüren. Ihre Haut war noch rosa. Noch. Ein Tropfen Blut löste sich von der Klinge und fand ihren Weg zum Boden. Genau auf die befleckte, ehemals weiße, Bluse seines Opfers. Seine Augen blitzen bei dem Gedanken. Er hatte sein Opfer schließlich lange genug beobachtet. Er kannte sie und sie wusste es nicht. Hier und auch in ihre Heimatstadt Berlin. Überall war er ihr hin gefolgt. Ein erheitertes Grinsen zog sich über sein Gesicht, als er daran dachte, dass sie diese Bluse gar nicht weitertragen konnte. Sie, die immer so auf ihr Äußeres geachtet hatte. Er nahm seinen Dolch und wischte ihn mit einigen fahrigen Bewegungen an eben dieser Bluse ab. Leise lachte er vor sich hin. Das gab auch ein schönes Muster. Nachdenklich betrachtete er sie noch. Sie war eine Schönheit gewesen. Er lachte dieses Mal lauter auf. Als ob ihr das geholfen hätte. Seiner Rache entkam keiner. Niemand. Und bald, bald würde derjenige sterben müssen, der bei ihm, dass alles ausgelöst hatte. Der an allem schuld war. Dann würde seine Rache perfekt sein. Das hier war nur der Anfang. Niemand konnte ihn noch aufhalten. Dann würde er endlich das bekommen was ihm Zustand. Sein Grinsen wurde immer breiter, bis sein Lachen durch die Dunkelheit hallte. Ein weiteres Geräusch. Plötzlich war er still, er horchte in die Dunkelheit und ballte vor Wut seine Fäuste. Sein Gesicht war verzogen. Wer wagte es ihn zu stören. Ihn! Er sah sich um. Langsam ging er von seinem Opfer weg, ohne auch nur einen Blick zurückzuwerfen. Seine Schritte verklangen in der Dunkelheit, während von der anderen Seite Lichter näherkamen. Niemand würde ihn je finden. Denn er war schon längst da! Er war da!
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Seitenzahl: 168
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Michaela Gabriele Wittek
Verraten
by Michaela Gabriele Wittek
IMPRESSUM:
Texte:
© Copyright by Michaela Gabriele Wittek
Umschlaggestaltung:
© Copyright by Michaela Gabriele Wittek
Verlag:
Michaela Gabriele Wittek
c/o autorenglück.de
Franz-Mehring-Straße 15
02137 Dresden
Druck:
epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin
Es gibt viele Personen, die immer an mich geglaubt haben und die ich doch mit diesem Buch überraschen werde.
Dieses Buch ist allen gewidmet die immer für mich da waren, immer gesagt haben, dass ich es schaffen kann und mich immer motiviert haben.
Freundschaft ist eines der höchsten Güter, die ein Mensch besitzen kann. Dieses Buch ist auch der Freundschaft gewidmet und dass diese alles überwinden kann.
Freundschaft, Liebe, Vertrauen sind unsere Anker, diejenigen die uns auffangen und jeden Menschen unterstützen. Diese Attribute machen unser Glück aus. Daher findet sich das in diesem Buch wieder.
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Kapitel 1 – Erkennen
Kapitel 2 – Erinnern
Kapitel 3 – Erwarten
Kapitel 4 – Schuld
Kapitel 5 – Dämmerung
Kapitel 6 – Dunkelheit
Kapitel 7 – Nacht
Kapitel 8 – Begangen
Kapitel 9 – Gedanken
Kapitel 10 – Verzweiflung
Kapitel 11 – Handeln
Kapitle 12 – Hilfe oder Sühne
Kapitel 13 – Hoffnung
Kapitel 14 – Sichtweisen
Kapitel 15 – Zweifel
Kapitel 16 – Reaktionen
Kapitel 17 – Konsequenzen
Kapitel 18 – Finden
Kapitel 19 – Gemeinsam
Kapitel 20 – Erwischt?
Kapitel 21 – Glaube
Kapitel 22 – Licht
Kapitel 23 – Schatten
Kapitel 24 – Sühne
Kapitel 25 – Rache
Kapitel 26 - Angst
Kapitel 27 – Befreiung
Kapitel 28 - Wahrheit
Kapitel 29 – Reue
Kapitel 30 – Freundschaft
Langsam hielt er die mit Blut besudelte und trotzdem immer noch hell blitzende Klinge hoch. Fasziniert betrachtete er sie. Wie er es genossen hatte die Klinge in ihren Leib zu stoßen und langsam eindringen zu spüren. Ihre Haut war noch rosa. Noch. Ein Tropfen Blut löste sich von der Klinge und fand ihren Weg zum Boden. Genau auf die befleckte, ehemals weiße, Bluse seines Opfers. Ob sie diese frisch aus der Reinigung geholt hatte? Natürlich nicht. Was für ein Gedanke. Etwas selbst zu tun, ging ja gar nicht. Sie hatte sie holen lassen. Eingebildetes Miststück. Seine Augen blitzen bei dem Gedanken. Er hatte sein Opfer schließlich lange genug beobachtet. Er kannte sie und sie wusste es nicht. Hier und auch in ihre Heimatstadt Berlin. Überall war er ihr hin gefolgt. Ein erheitertes Grinsen zog sich über sein Gesicht, als er daran dachte, dass sie diese Bluse gar nicht weitertragen konnte. Sie, die immer so auf ihr Äußeres geachtet hatte. Er nahm seinen Dolch und wischte ihn mit einigen fahrigen Bewegungen an eben dieser Bluse ab. Leise lachte er vor sich hin. Das gab auch ein schönes Muster. Nachdenklich betrachtete er sie noch. Sie war eine Schönheit gewesen. Er lachte dieses Mal lauter auf. Als ob ihr das geholfen hätte. Seiner Rache entkam keiner. Niemand. Und bald, bald würde derjenige sterben müssen, der bei ihm, dass alles ausgelöst hatte. Der an allem schuld war. Dann würde seine Rache perfekt sein. Das hier war nur der Anfang. Niemand konnte ihn noch aufhalten. Dann würde er endlich das bekommen was ihm Zustand. Sein Grinsen wurde immer breiter, bis sein Lachen durch die Dunkelheit hallte. Ein weiteres Geräusch. Plötzlich war er still, er horchte in die Dunkelheit und ballte vor Wut seine Fäuste. Sein Gesicht war verzogen. Wer wagte es ihn zu stören. Ihn! Er sah sich um. Langsam ging er von seinem Opfer weg, ohne auch nur einen Blick zurückzuwerfen. Seine Schritte verklangen in der Dunkelheit, während von der anderen Seite Lichter näherkamen. Niemand würde ihn je finden. Denn er war schon längst da! Er war da!
Ein immer lauter werdendes Klingeln holte ihn aus dem Schlaf. Träge setzte er sich auf, während er mit der einen Hand im Dunkeln nach seinem verdammten klingenden Handy suchte. Stattdessen hörte er ein Klirren. Wieder einmal die Lampe. Warum nochmal machte er diesen Job? „Au, verdammt!“ Jetzt hatte er sich auch noch mit dem Kopf an der Bettkante gestoßen. Schnell hob er ab, um dieses vermaledeite Klingeln nicht mehr hören zu müssen. „Richter!“ bellend und auf sich selbst wütend nahm er das Gespräch an, während er sich seine noch nicht zu sehende Beule rieb.
„Morgen Boss“, hörte er die grinsende Stimme mit dem bayerischen Dialekt am anderen Ende. Man konnte ihm wie immer die Gute Laune direkt anhören. „Wieder mal das Handy nicht gefunden?“ Auch das wissende Grinsen konnte man eindeutig hören. Dann ertönte auch noch das leise, bereits bekannte, Lachen.
Er hasst diese gute Laune um diese unmenschliche Zeit.
„Halt die Klappe und sag mir lieber, warum du mich zu dieser gottverdammten Zeit aus dem Bett jagen musst!“
Tobi Richter knurrte direkt ins Telefon. Langsam hievte er seinen 1,90 Meter großen athletischen Körper aus dem Bett. Er musste sich echt mal ein neues Bett kaufen gehen. Das hatte er noch aus früheren Zeiten vor seiner gescheiterten Ehe, als er seine rebellische Phase hatte. Als er wieder einmal vor seinem eigentlichen Leben davonlief. Ein Leben, dass er nie wollte. Das Bett war eigentlich viel zu kurz für ihn. Das einzige Stück in der Wohnung das nicht so wirklich rein passte. Von dem er sich aber irgendwie auch nie trennen konnte. Eine Erinnerung an alte Zeiten.
Er hörte ein kleines Lachen am anderen Ende des Telefons.
„Sorry Boss, wir haben einen Mord am Tollwood-Gelände im Olympiapark. Eine junge Frau. Mehr konnte mir der KDD noch nicht sagen. Ist ganz frisch. Die meinten wir sollten uns das lieber selbst anschauen. Ist wohl ziemlich brutal und blutig. Die arme Frau, die sie gefunden hat, soll unter einem heftigen Schock leiden.“
Die Stimme am anderen Ende klang immer noch gut gelaunt. Tobi seufzte laut.
„Seit wann machen die denn so eine Geheimniskrämerei aus allem. Ich komm hin.“
Benno lachte laut und klar.
„Ich bin in 10 Minuten da und hol dich ab. Ich bin eh schon auf dem Weg. Bis gleich.“
Damit legte Benno schon auf. Tobi fuhr mit der Hand durch seine halblangen Haare. Oh Mann, warum immer sein Team. Gerade hatte er erst seine Beförderung zum Ersten Kriminalhauptkommissar erhalten. Seitdem wurde er zu jedem Tatort gejagt. Naja, da hatte er es auf alle Fälle besser als Benno. Der musste als Kommissar immer parat sein und ihn auch noch abholen. Allerdings mochte Tobi eines nicht an seinem neuen Job. Den Papierkram. Der war noch mehr geworden.
An das abgeholt werde, hatte er sich aber schnell gewöhnt. Er vermutete, dass dies seinem Team sowieso lieber war. Tobi hasste das Autofahren in der Stadt. Er wusste gar nicht wie viele Autos schon wegen ihm auf dem Schrottplatz gelandet waren. Allein der Unfall letzte Woche war echt sehenswert gewesen. Die Streife lachte schon immer, wenn er wieder anrief, um einen Schaden zu melden. Seine Versicherung dagegen lachte nicht mehr. Traute sich aber auch nicht mehr zu sagen.
Langsam schlürfte er ins Bad und zog sich dann seine zivilen Klamotten an. Dunkle enge Jeans, Sneakers, weißes T-Shirt und eine schwarze Lederjacke. Passte alles perfekt zu seinem Typ. So ließen sich Leute einschüchtern. Wenigstens keine Uniform mehr. Schnell fuhr er noch mit der Bürste durch seine dunklen Kinnlangen Haare und strich einmal über seinen 3-Tage Bart. Ja, so konnte er sich blicken lassen. Die Frauen flogen auch heute noch, immerhin war er schon 32 Jahre alt, auf ihn. Nur eine nicht. Aber daran wollte er jetzt lieber nicht denken. Dieses Weib. Warum musste er ausgerechnet jetzt an sie denken. Er schüttelte den Kopf. Das war ihm schon seit einigen Wochen nicht mehr passiert. Er fluchte leise als er sich den Fuß an seiner Tür anstieß. Er musste definitiv besser aufpassen. Und schon gar nicht ständig an diese dumme Kuh denken.
Er hörte unten eine Hupe, rannte aus seiner Wohnung, oder eher sein Penthouse und die Treppe nach unten. Er hörte einige Mieter in dem Haus sich lautstark über die frühe Störung beschweren, kümmerte sich aber nicht weiter darum. Schon saß er in Bennos Dienstwagen. Der kleine Blonde reichte ihm kommentarlos einen Kaffee und fuhr los. Kaffee, ja. Das Einzige was ihn um diese Zeit wach hielt. Benno wusste das inzwischen. Als sie losfuhren dachte Tobis nur noch, dass er Gott sei Dank nicht so weit vom Olympiapark weg wohnte. Er hielt sich an seinem Kaffee fest, während er gleichzeitig versuchte diesen zu trinken, ohne was zu verschütten. Bennos Fahrstil war doch gewöhnungsbedürftig und er hatte sich selbst nach 2 Jahren Zusammenarbeit noch nicht daran gewöhnt. Da fuhr er ja noch harmlos. Wenn man mal von seinen ständigen Crashs absah.
Benno war zwar 6 Jahre älter als er, aber Tobi war ranghöher. Benno hatte dafür eine kleine Familie. Frau und Tochter. Er behauptete dauernd er wollte gar nicht weiter aufsteigen. Was seine Frau aber zu solchen nächtlichen Aktionen sagte, darüber schwieg er sich aus. Wahrscheinlich aus gutem Grund. Aber trotzdem führten die beiden eine glückliche Ehe, nach allem was er das so mitbekam. Persönlich kennen gelernt hatte er sie aber noch nicht.
Langsam rumpelten sie über einen Kiesweg, parkten dann beim Tatort und stiegen aus. Zum Glück mussten sie hier nicht allzu weit in die Büsche rennen. Das Gelände war zwar derzeit verlassen, bis auf mind. ein Dutzend Polizisten, aber die Zufahrtswege waren frei.
Tobi liebte München, seit er sich vor 2 Jahren nach seiner Scheidung von Berlin hier her versetzten hatte lassen. Es war seit langem seine Wunschstadt gewesen. Doch war er noch nie am Tag im Olympiapark gewesen. Nicht einmal zum Tollwood-Festival. Was sollte er auch da. Da ging er lieber in den Englischen Garten und hatte seine Ruhe, soweit das in einer Großstadt ging.
Einer seiner „Untergebenen“, Tobi grinste immer bei dem Begriff, kam auf ihn zu.
„Guten Morgen, Boss. Wir haben hier eine weibliche Leiche. Sie hatte einen Ausweis bei sich. War eine ziemliche Schönheit. 31 Jahre alt, blond. Sie kam anscheinend aus Berlin, hatte einen Hotelschlüssel bei sich. Laut Hotel war sie beruflich hier.“
„Ein Mord? Zufall oder gezielt?“
„Lässt sich noch nicht sagen Boss. Aber ein Unfall war es mit Sicherheit nicht. Ziemlich viel Blut.“
Tobi drehte sich gerade um, um zur Leiche zu gehen, als ihn Hans nochmals aufhielt.
„Ach ja, der Name der Toten war laut Ausweis Carola Sinsmann.“
Die Welt drehte sich. Es war als hätte jemand Tobi einen Schlag ins Gesicht verpasst. Abrupt blieb er stehen. Seine Ohren rauschten. Seine Umgebung nahm er nicht mehr wahr. Benno rannte fasst in ihn rein. Nicht einmal das merkte er. Starr starrte er zur Leiche rüber, nicht fähig sich zu bewegen. Nicht fähig irgendetwas zu fühlen. Es war als wäre nur noch er und die Frau, die er einst so gut kannte, in diesem Park. In der Ferne hörte er Stimmen die immer wieder seinen Namen sagten, dann Hände, die ihn festhielten. Stand er etwa nicht mehr? Er sah ihr Lächeln vor sich, ihr Gesicht. Er spürte Kälte und Nässe. Warum fühlte er das plötzlich? Sie war Tod. Tod. Einfach Tod. Das konnte nicht sein. Warum? Das hatte er ihr nicht gewünscht. Nein, nicht sie. Seine Gedanken überschlugen sich. Er erinnerte sich an früher. An ihren Duft, an ihr Haar. Aber sie war Tod. Sie war fort. Langsam schüttelte er den Kopf und kam wieder zu sich. Er blickte sich verwirrt um. Er saß auf dem Boden. Seine Leute, der Gerichtsmediziner Gerald und noch ein weiterer Beamter knieten neben ihn. Benno hatte ihm die Hand auf die Schulter gelegt und redete auf ihn ein. Er verstand kein Wort. Langsam versuchte er sich auf Benno zu konzentrieren. Die Leiche auszublenden. Den Tod zu vergessen.
„…bi, Tobi, Boss was ist los. Geht es dir nicht gut?“
Immer noch verwirrt blickte Tobi auf. Er sah direkt in Bennos Gesicht. Besorgt sah dieser ihn an. Warum war er so besorgt. Als der den Kopf wandte, konnte er auch auf den Gesichtern der anderen Besorgnis lesen. So was war ihm die letzten beiden Jahre noch nie passiert. So kannte ihn keiner.
Langsam sah er Hans an, „Wie hieß die Tote?“ während er wieder mit wackligen Beinen aufstand. Vielleicht war alles ein Irrtum. Warum sollte es ausgerechnet sie sein? Er schüttelte Bennos Hand ab, die ihm helfen wollte. Er war schließlich kein alter Mann. Und die Nähe konnte er sowieso nicht ertragen. Er bemühte sich seiner Stimme einen ruhigen klang zu geben. Niemand sollte seinen inneren Aufruhr mitbekommen.
„Carola Sinsmann, kanntest du sie?“ Es war allgemein bekannt, dass er aus Berlin kam, sonst wusste kaum jemand was über ihn. Was auch besser war.
Er atmete einmal tief durch. Er teste kurz seine Beine. Ja, sie trugen ihn wieder.
„31 Jahre und Blond und ich wette, sie trug eine weiße Bluse?“ Sie trug immer eine weiße Bluse. Er konnte sich nicht erinnern sie je anders in der Öffentlichkeit gesehen zu haben. Nun würde er sie auch nie wiedersehen. Vorher noch hatte er sie verflucht. Und jetzt? Was sollte er jetzt denken?
Hans sah in verwirrt an, nickte dann aber.
Tobi atmete noch einmal tief durch, um sich selbst zu beruhigen. Dann sprach er die Worte aus. Gab mehr von sich preis als in den letzten Jahren. Gab etwas preis, was zu weiteren Fragen führen würde.
„Sie war meine Exfrau, wir wurden vor 2 Jahren geschieden.“
Mit diesen Worten warf er noch einen Blick Richtung Leiche, drehte sich um und ging mit schnellen Schritten, wenn auch leicht wackelig zum Auto zurück. Seine Leute starrten ihm nach. Er musste hier weg. Auch wenn sie ein Miststück war, dass konnte und wollte er nicht sehen. Seine Vergangenheit holte ihn ein. Er war weggelaufen soweit er konnte. Aber jetzt hatte sie ihn eingeholt.
Ein Mann beobachtete ihn und grinste. Das lief ja besser als er gedacht hatte. Bald würde er alles haben, was er brauchte.
Tobi, mit vollem Namen, Tobias Christian Graf von Richter, hier in München nur als Tobias Richter bekannt, setzte sich in den Wagen und wartete auf Benno, der auch schon angerauscht kam. Das Gesicht immer noch besorgt. Von seinem sonst so fröhlichen Grinsen war derzeit nichts zu sehen.
Tobi hatte die Wagentüre offen und fuhr sich mit der Hand über sein Gesicht. Benno sagte nichts. Er wusste, dass würde bei seinem Boss nichts bringen. Tobi musste von sich aus zu reden beginnen. Benno hatte schon oft genug versucht etwas über seinen Vorgesetzten zu erfahren. Er war jedes Mal gescheitert. Sein Boss war sehr verschwiegen was seine Vergangenheit betraf.
„Sie war ein Miststück, aber sie war meine Exfrau. Sie hat mich ausgenommen. Aber das habe ich ihr nicht gewünscht.“ Nochmal fuhren seine Finger durch seine langen Haare. Vermutlich war, dass alles eine Offenbarung für seine Kollegen, er wusste, dass ihn einige für Schwul hielten. Von seiner Ehe wusste auf alle Fälle keiner was. Es hätte auch nie jemand was von seiner Vergangenheit erfahren sollen. Schon gar nicht seinen wahren Namen. Würde ihn jetzt alles einholen. Würden alle davon erfahren. Musste er das alles noch mal durchmachen?
Benno sagte eine Zeitlang gar nichts. „Willst du den Fall abgeben?“ Er fragte dies sehr vorsichtig. Er kannte die Antwort aber schon, bevor Tobi antwortete.
„Nein!“ Da kam die Antwort schon abrupt. Benno zuckte trotzdem kurz zusammen, sagte aber nichts dazu. In der Stimme von seinem Boss lag eine Heftigkeit, die ihn erschreckte.
„Sie war meine Exfrau, ich war geschockt, das ist vorbei. Ich habe sie drei Jahren nicht gesehen. Das muss reichen!“
Benno nickte nur. Er wusste, dass er aus seinem Boss nicht mehr herausbringen würde. Obwohl er schon neugierig war.
„Fahren wir aufs Revier. Das hier können die Kollegen auch aufnehmen.“ Tobi schloss seine Tür und wartete bis Benno um das Auto rumgegangen, ebenfalls eingestiegen war und den Motor startete. Schweigend fuhren sie zum Revier. Benno warf seinem Boss immer wieder vorsichtige Blicke zu. Er hoffte, dass dies hier alles gut ausgehen würde. Aber er hatte ein schlechtes Gefühl. Das Verhalten seines Bosses verstärkte dieses Gefühl nur noch.
Auf dem Revier angekommen ging Tobi sofort in sein Büro und bat Benno die Truppe um 9 Uhr in sein Büro zu holen. Seit er vor kurzem zum ersten Kriminalhauptkommissar befördert worden war, hatte er ein größeres Büro bekommen, saß aber dafür nicht mehr direkt bei seinen Leuten. Leider.
Das war manchmal ganz schön nervig. Aber er genoss sein großes Büro. Und in diesem Fall war es gut so. Etwas Ruhe würde ihm jetzt guttun. Er ging hinein und schloss die Tür. Er setzte sich an seinen Laptop und versuchte was über den Aufenthalt seiner Ex in den letzten 3 Jahren rauszufinden.
Was ziemlich einfach war. Postete sie doch immer noch alles auf Facebook und Instagram. Oder hatte sie wenigstens. Er fuhr sich mit seiner Hand über die Stoppeln an seinem Kinn. Auch so eine Marotte von ihr die er nie hatte leiden können.
Er schüttelte den Kopf. Er konnte es immer noch nicht glauben. Es war zwar nie die große Liebe, wenigstens später nicht mehr, sondern eher Verachtung. Aber so was.
Wie konnte das nur ausgerechnet ihr geschehen? In seine Arbeit vertieft merkte er gar nicht, dass seine Leute schweigend in sein Büro kamen und sich an den Besprechungstisch setzten.
Erst Bennos gerufenes „Boss“ holten ihn wieder aus seinen Gedanken.
Verwirrt sah er auf, stand langsam aus seinem Bürostuhl auf und setzte sich zu seinen Leuten.
Tobi blickte in die Runde.
„Gut, was haben wir. Hans?“
Der sah ihn unbehaglich an. Tobi wusste es was kommen würde.
War ja klar, dass sie das Rausfinden würden. So ein Mist. Er hatte gehofft, dass es nie so weit kommen würde. Das würde sein Leben mal wieder ändern.
Schon wieder.
„Raus mit der Sprache.“
Hans atmete tief durch.
„In Ordnung, Name der Toten war Carola Sinsmann, derzeit ledig und wohnhaft in Berlin Mitte. Sie hat als Model gearbeitet und war gerade für ein Shooting hier in München. Irgendeine große Werbung für das Oktoberfest.
Seit ihrer Scheidung vor 2 Jahren, welche in den Medien ziemliche Beachtung fand, hatte sie immer wieder ein paar Liebhaber, aber nichts Festes.
Sie wohnte in München im „Vier Jahreszeiten“. Im Hotel konnte sich keiner erklären, was sie in diesem Park gemacht hatte. Mehr habe ich nicht. Bis auf, dass jeder ihrer Schritte grundsätzlich auf den sozialen Netzwerken zu finden war. Jeder konnte immer wissen, wo sie sich aufhielt und was sie gerade tat. Verstehe ich echt nicht so was.“ Er schüttelte dabei den Kopf.
Tobi nickte. Jenni sah auf. Sie war die Jüngste im Team.
„Mit wem war sie denn verheiratet, dass die Medien so ein Aufsehen darum gemacht hatten? Kommt der Exmann als Mörder in Frage?“
Tobi schluckte. Ihm wurde ganz kalt. Benno und Hans hatten anscheinend dichtgehalten und so schnell war der Flurfunk hier nicht. Aber er ein Mörder.
Je länger er darüber nachdachte. Er selbst würde sich wahrscheinlich auch verdächtigen. Motive hätte er genug gehabt.
Benno schaute Jenni böse an. „Der Exmann lebt zwar in München. Aber er ist auf gar keinen Fall ein Tatverdächtiger.“
„Na dann. Wenn du das sagst. War ja nur eine Frage.“ Jenni schmollte. „Wie heißt dann unser Nicht-Tatverdächtiger?“
Sie hasste es sich von anderen belehren zu lassen.
Tobias wurde immer unbehaglicher zumute.
Markus, der letzte im Bunde, ebenfalls ein junger Kommissar, schnappte sich die Unterlagen, die vor Hans lagen, bevor dieser reagieren konnte und sagte das unvermeidliche.
„Ein gewisser Tobias Christian Graf von Richter. Oh, ein Adliger. Na, dann kein Wunder.“ Kaum hatte er das gesagt, sickerte der Name bei ihm durch und alle sahen ihren Boss mit offenem Mund an. Konnte das sein?
Markus schaute Tobi an. „Boss, bist du das? Ist das dein Name?“
