Verschwörung am Limes - Margit Auer - E-Book
Beschreibung

Im Jahr 133 nach Christus: Tausende von römischen Legionären bewachen in der Provinz Rätien die Grenze zu Germanien. Plötzlich geschieht im Kastell Vetoniana etwas Unheimliches: Immer mehr Soldaten werden von einer mysteriösen Krankheit befallen. Wurden sie vergiftet? Ins Visier geraten germanische Händler, die friedlich auf der anderen Seite des Limes wohnen. Der Römerjunge Magnus und sein Freund Finn aus Germanien wollen das nicht glauben und ermitteln auf eigene Faust. Sie schleichen sich auf das Landgut eines reichen Großgrundbesitzers und belauschen die "Operation Satanspilz". Ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

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Rekonstruktionszeichnung des römischen Kastells Pfünz (Castra Vetoniana) um 200n.Chr.

Margit Auer, Jahrgang 1967, studierte Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt und arbeitete anschließend als Redakteurin und freie Journalistin für verschiedene bayerische Tageszeitungen und die Deutsche Presseagentur. Sie lebt mit ihrem Mann und drei römerbegeisterten Söhnen in Eichstätt. Im Emons Verlag erschien ihr Kinderkrimi »Verschwörung am Limes«.www.autorenwerkstatt-auer.de

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig.

© Hermann-Josef Emons Verlag 2014 Alle Rechte vorbehalten Umschlagzeichnung: Heribert Stragholz Erstausgabe 2010ISBN 978-3-86358-551-8 Originalausgabe

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Ubi amici, ibidem opes.

Wo du Freunde hast, hast du Schätze.

Titus Maccius Plautus, römischer Dichter

Eine kurze Einführung

Lange, lange ist es her, da zog sich quer durch Süddeutschland eine fünfhundertfünfzig Kilometer lange Grenzanlage, der Limes. Nördlich davon wohnten die Germanen, der südliche Teil gehörte zum Römischen Reich. Dort, wo heute Städte wie Augsburg, Weißenburg oder Regensburg liegen, hatten vor rund eintausendneunhundert Jahren römische Soldaten das Sagen. Mit ihren blitzenden Rüstungen und ihren scharfen Waffen hinterließen sie bei der einheimischen Bevölkerung ganz schön Eindruck! Aber auch die Germanen waren tapfere Krieger. Sie waren an das raue Klima mit den kalten Wintern gewöhnt. In den dichten Wäldern fanden sie sich besser zurecht als die römischen Soldaten. Die marschierten nämlich am liebsten in Reih und Glied. Und während die Römer großen Wert legten auf Ordnung und feste Regeln, liebten die Germanen vor allem eins: ihre Freiheit. Kein Wunder, dass sich die beiden Völker immer wieder in die Haare kriegten.

Wir befinden uns im Jahr 133 nach Christus im Grenzgebiet der Provinz Rätien. Rätien reichte von den Alpen bis an die Donau und noch ein Stückchen darüber hinaus. In Rom regierte zu dieser Zeit Kaiser Hadrian. Von ihm stammte die Idee, die Grenze nach Norden durch den Limes zu sichern. Er befahl den Soldaten, Eichen zu fällen, sie anzuspitzen, zu halbieren und in den Boden zu rammen. Kannst du dir das vorstellen? Drei Meter hoch ragten diese Palisaden in den Himmel. Wachtürme standen in Sichtweite. Wenn Gefahr drohte, konnten die Wachsoldaten Rauchsignale aussenden und so schnell Hilfe holen. In Vetoniana, dem heutigen Pfünz im Altmühltal, lag vor eintausendneunhundert Jahren tatsächlich ein Kastell mit einem Lagerdorf in der Nähe. Es ist heute in Teilen wieder aufgebaut, du kannst es besichtigen.

Vor allem für Kinder war zur Zeit des Römischen Reiches vieles anders als heute. Wer aus einer armen Familie stammte, musste mithelfen, die Familie zu ernähren. Lesen und Schreiben lernten nur die Kinder, die wohlhabende Eltern hatten. Jüngere Schüler mussten das Alphabet auswendig lernen und Sprichwörter abschreiben, ältere Schüler wurden in Literatur, Geschichte und Mathematik unterrichtet. Ob es in den kleinen Lagerdörfern Rätiens einen Lehrer gab? Wohl eher nicht! Hier genossen die Kinder große Freiheiten. Sie waren jeden Tag draußen in der Natur und erlebten so manches Abenteuer. Mit dem römischen Jungen Magnus und mit Finn, einem Germanenjungen, kannst du in das abenteuerliche Leben von damals eintauchen. Und um den spannenden Fall herum, den Magnus und Finn unbedingt lösen wollen, erfährst du auch von ihrer Freundschaft – einer Freundschaft über alle Grenzen hinweg.

Prolog

Der Mann stand, mit dem Rücken gegen eine dicke Eiche gelehnt, auf einer Anhöhe und starrte hinunter ins Tal. Der Wind fuhr durch die Blätter des Baumes, die Zweige peitschten hin und her. Immer wieder wischte sich der Mann eine graue Haarsträhne aus der Stirn. Er wollte freie Sicht haben, auch wenn ihm das, was er dort unten sah, die Zornesröte ins Gesicht trieb. Schon lange waren ihm die Männer, die mit ihren Wagen den Limes passierten, ein Dorn im Auge. Man musste sie sich nur ansehen, diese Händler! Singend und johlend fuhren sie auf ihren klapprigen Fuhrwerken über eine perfekt gepflasterte Straße, die geradewegs zum Kastell führte. War das gerecht? War das angemessen? Gebaut hatten die Straßen römische Soldaten, die treu und redlich ihren Dienst taten, tagein, tagaus. Mussten die fremden Händler etwa eine Steuer bezahlen dafür, dass sie die Straße benutzen durften? Nein, mussten sie nicht! Der Mann drückte sich fest gegen den kalten Baumstamm. Er ballte die Faust. Wenn er diesen Händlern nur eins auswischen könnte! Ihnen das Handwerk legen … Er runzelte die Stirn. Zu oft hatte er zusehen müssen, wie diese einfältigen Männer ihr runzliges Gemüse gegen glänzende Silbermünzen tauschten. Und was war mit ihm? Bekam er den verdienten Lohn für die vielen Jahre, die er seinem Reich treu gedient hatte? Nein, bekam er nicht! Neid und Missgunst krochen in ihm hoch.

Eine Windbö fegte über die Anhöhe hinweg, den Mann fröstelte. Während er mit finsterem Blick auf das Tal hinuntersah, reifte in seinem Kopf ein bösartiger Plan. Man müsste eine Verschwörung anzetteln, dachte er bei sich und schloss nachdenklich die Augen. Eine Verschwörung, die diesen Geschäftemachereien zwischen Römern und Germanen ein Ende setzen würde. Ihm waren alle Mittel recht!

Der Mann öffnete die Augen und blinzelte. An der Grenze war wieder Ruhe eingekehrt. Längst waren die Händler mit ihren schäbigen Karren weitergerumpelt, um ihre Waren in Münzen zu tauschen. Na wartet, euch werde ich es zeigen! Der Mann grinste grimmig. Sein Gesicht glich einer schaurigen Maske, wie sie Schauspieler trugen, wenn sie den größten Schurken spielten. Dann drehte sich der Mann um und stieg langsam die Anhöhe hinunter.

1. Kapitel

»Columbulus, wo bleibst du?«, schallte es durch das Steinhaus, das am Ende der staubigen Gasse stand. Magnus hasste es, wenn seine Mutter ihn »Täubchen« nannte. Der Spitzname stammte noch aus seiner Kindheit. Als Säugling hatte Magnus angeblich gegurrt wie eine Taube, wenn er satt und zufrieden in seinem Weidenkörbchen lag. Aber das war schon zwölf Jahre her. Wie lange würde es dauern, bis seine Mutter das vergessen konnte? Da war ihre Stimme schon wieder: »Columbulus, das Frühstück ist fertig! Kommst du?«

Magnus lag auf seiner Schlafstelle und hatte es kein bisschen eilig. Vorsichtig streckte er einen Fuß unter der Bettdecke hervor. Sein Bauch grummelte. Ihm war klar, der heutige Tag würde wieder zäh dahinfließen wie Weizenbrei, der nicht aus der Schüssel wollte. Kein Freund, kein Abenteuer wartete auf ihn. Schnell zog Magnus den Fuß zurück unter die warme Bettdecke. Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf und starrte an die Decke.

Lange hatte er am Abend zuvor nicht einschlafen können. Hier im Lagerdorf, dem Vicus, das eine halbe Meile vom Militärlager Vetoniana entfernt lag und in dem die Familien der römischen Soldaten wohnten, war es einfach viel zu still. Zwar gab es ein Backhaus und ein paar Handwerksbetriebe, aber Magnus fehlten die vertrauten Geräusche seiner Heimatstadt. Wie sehr liebte er es, zu Hause in Rom durch die geöffneten Fensterflügel in die Nacht zu lauschen, den wirren Gesprächen der nächtlichen Herumtreiber und dem Geklapper der Pferdegespanne zuzuhören und dabei sachte in den Schlaf hinüberzugleiten. Und hier? Hier hörte man höchstens das Geschrei der Soldaten bei der Wachablösung. »Im Gleichschritt! – Keine Vorkommnisse! – Kehrt!«

Seit vier Wochen lebte Magnus schon nahe dem Kastell Vetoniana, in einer der abgelegensten Ecken des Römischen Reiches, und seine Freunde fehlten ihm wie am ersten Tag. Magnus’ Blick wanderte zu den mit Tinte beschriebenen Holztäfelchen, die ihm seine Freunde zum Abschied geschenkt hatten und die nun auf der Truhe neben seiner Schlafstelle lagen. Magnus bewohnte ein eigenes kleines Zimmer. Nebenan schliefen die Mutter und seine kleine Schwester Jolina. Auf der anderen Seite des schmalen Flures lag die Küche. Dort befanden sich die Kochstelle, Mutters Vorratsschrank, ein Holztisch und zwei Bänke. Von dem Fenster der Küche aus konnte man nach draußen auf die Gasse blicken. Magnus’ Fenster lag Richtung Norden.

Jeden Abend vor dem Einschlafen las er die Holztäfelchen seiner Freunde, und auch jetzt zupfte er sich eines davon hervor. »Viel Glück auf deiner Reise« stand darauf. Die Tafel war von Adrian. In der Schule, wo ihnen ihr griechischer Lehrer Lesen und Schreiben beigebracht hatte, waren sie nebeneinander gesessen. Wie oft hatten sie sich gemeinsam über die alten Schriften gebeugt, die sie auswendig lernen mussten! Magnus schluckte. »Komme bald wieder!« Das hatte Titus geschrieben. Magnus schüttelte den Kopf. Für eine baldige Heimkehr bestand keinerlei Hoffnung.

Die Familie war dem Vater nachgefolgt, der schon seit einem Jahr in Rätien war. Meile um Meile war Appius Claudius unter dem Kommando seines Truppenführers, dem Zenturio, marschiert. Achtzig Mann zählte die Truppe, die von Rom hierher abkommandiert worden war. Appius Claudius war auf gepflasterten Straßen gelaufen, durch enge Hohlwege, über Berge und Täler. Er war Flussläufen gefolgt, hatte Gebirge überwunden und den Fluss Danuvius überschritten. Jeden Abend hatte er gemeinsam mit den anderen Soldaten das Zeltlager auf- und am nächsten Morgen wieder abgebaut. Dann hatte er das vierzig Kilogramm schwere Gepäck geschultert und war weitermarschiert. Zwanzig Meilen pro Tag, ohne Pause.

Disziplin und sportlicher Ehrgeiz wurden in der römischen Armee großgeschrieben, Magnus’ Vater fand das gut so. Er war Soldat mit Leib und Seele. »Niemand hat es besser als ein römischer Legionär« war seine Meinung.

Magnus sah das anders. Was war von einem Beruf zu halten, bei dem man im Römischen Reich hin- und hergeschickt wurde, wie es dem Kaiser gerade gefiel? Er griff nach dem nächsten Holztäfelchen. »Lebe wohl, Magnus!« hatte Konstantin darauf geschrieben. »Wir werden dich vermissen!!«

»Ich vermisse euch auch«, sagte Magnus leise. »Sehr sogar.« Er strich sich die dunklen Locken aus dem Gesicht und seufzte. In seinem Magen rumorte es noch immer, am liebsten würde er den ganzen Tag im Bett verbringen.

Die Stimme der Mutter wurde lauter. »Magnus, du Schlafmütze, wo bleibst du? Carpe diem!« Magnus setzte sich langsam auf. Die Mutter hatte gut reden! Carpe diem! Nutze den Tag! Wie denn?

Noch einmal seufzte er tief. Er schob die warme Decke zur Seite, stand auf und zog sich seine Tunika über den Kopf. Das weiße Gewand reichte ihm bis zu den Knien, er band in der Taille noch eine Kordel herum. Dann lief Magnus in die Küche. Plötzlich grummelte der Bauch nicht mehr. Nein, er knurrte. War das Bauchweh daher gekommen, dass Magnus großen Hunger hatte? Er setzte sich neben seine kleine Schwester Jolina an die Holzbank, schnappte sich ein Stück Brot und tunkte es in Honig. »Mmm, schmeckt das gut.«

Während er sein drittes Fladenbrot verspeiste und die Bissen von einer Backe in die andere schob, überlegte er, was er mit dem endlos vor ihm liegenden Frühsommertag anfangen sollte. Aber so sehr er auch kaute, ihm fiel nichts ein. In diesem Nest war einfach nichts los.

***

Während Magnus darüber nachdachte, ob er noch ein viertes Fladenbrot vertragen könnte, stromerte drei Meilen weiter, auf der anderen Seite der Grenze, ein blonder Junge durch dichtes Brombeergestrüpp. Sein Name war Finn.

Finn war wie immer barfuß unterwegs. Er trug eine kurze Hose, die er mit einem Ledergürtel zusammenhielt, und ein buntes Hemd. Am Gürtel baumelte ein Beutel, in dem eine Steinschleuder und ein paar Nüsse steckten. Immer wieder blieb Finn stehen, knackte sich mit einem Stein eine Haselnuss auf und schob sich den Kern in den Mund.

Finn war Germane. In seinem Dorf, das sich auf einer Lichtung befand, gab es zwölf Häuser mit strohgedeckten Dächern, einen Dorfplatz mit Brunnen und quergelegten Baumstämmen, wo sich die Dorfbewohner zum Geschichtenerzählen trafen. Außerdem viele Schuppen, Gärten, geflochtene Zäune und jede Menge Tiere. In dem gemütlichsten Haus von allen wohnte Finn mit seiner Familie, und Finn hatte eine große Familie. Sein Vater, Urs Armin, war Händler. Mutter Kristin kümmerte sich um das Haus und den Gemüsegarten. Die beiden großen Brüder Till und Askan wollten Krieger werden. Finns große Schwester Britt sammelte Pilze, und Mia, die kleine Schwester, half ihr dabei. Wenn man den Riegel der hölzernen Eingangstür zur Seite schob, gelangte man in einen schummrigen Wohnraum. Hier kochte Finns Mutter das Essen, hier traf sich die Familie zu den Mahlzeiten. An den Wänden entlang stand eine Holzbank, auf die sich die Familie nachts zum Schlafen legte. Darunter verstaute jeder seine Sachen: Askan seine Fallen, Till Schnüre und Zaumzeug, Britt den Korb zum Pilzesammeln, Mia ihre Strohpüppchen und Finn seine Steinschleuder und den Lederbeutel. Auf einem Regal waren Teller aufgestapelt, auch Vaters Schmalztopf hatte hier seinen Platz. Finns Vater liebte es, sich Fett in die roten Haare und seinen Bart zu schmieren. In einer Ecke stand Mutters Webstuhl, in der anderen lehnten Vaters Speere, in der dritten stand der Ofen.

Nur durch eine Flechtwand getrennt schliefen Menschen und Tiere unter einem Dach. Nachts, wenn Finn auf seinem Schaffell lag, konnte er das Schnauben der Tiere hören. Die Familie besaß acht Ziegen, sechs Schafe, zwei Ochsen, einen Hahn und drei Dutzend Hühner. Und natürlich Fiori, den Falken. Aber der wohnte draußen in einem Gehege, das Finn ihm aus Weidenruten gebaut hatte.

Finns Herz hüpfte vor Freude, wenn er an den Falken dachte. »Fiori, mein Fiori«, sang er leise vor sich hin und sprang über einen umgefallenen Baumstamm, der über und über mit Efeu bewachsen war. Er hatte den Falken als Küken auf einem seiner Streifzüge unter einem Felsen gefunden und mit getrocknetem Eigelb und toten Mäusen aufgezogen. Eine ganze Nacht lang hatte er wach dagelegen und nach dem richtigen Namen gesucht. Schließlich hatte er sich für den Namen Fiori entschieden. Fiori, das klang nach Freiheit und Abenteuer, fand Finn. Und er war sich sicher, dass er und sein Falke viele Abenteuer erleben würden.

Finn spürte den weichen Waldboden unter seinen Fußsohlen und atmete tief durch. Es roch nach Pilzen, Tannennadeln und ein wenig nach Feuer. In der Ferne konnte er graue Rauchsäulen sehen. Finn pfiff vor sich hin und schnalzte im Takt mit der Schnur seiner Steinschleuder.

Finns Vater Urs Armin war ebenfalls beschäftigt. Er bündelte hinter dem Haus Lederhäute zusammen, die er über die Grenze ins Kastell Vetoniana liefern wollte. Dreihundertachtzig Fußsoldaten und hundertzwanzig Reiter lebten dort und die Männer brauchten ständig Nachschub: Gemüse, Getreide, Leder, Eier, Gewürze, Honig, Bienenwachs, Marmeladen. Beim nächsten Markttag sollte ihn Finn begleiten, beschloss der Vater.

2. Kapitel

Nach dem Frühstück musste Magnus seiner Mutter Marcella beim Mehlmahlen helfen. »Was für eine dämliche Arbeit!«, schimpfte er. In Rom wäre er einfach in ein Geschäft gegangen und hätte dort das Mehl gekauft. Aber hier in der Einsamkeit musste man alles selbst machen! Wenn man Erbsen essen wollte, musste man Monate zuvor Samen in die Erde stecken. Wenn man in einen Apfel beißen wollte, musste man die richtige Jahreszeit abwarten und dann auf einen Baum klettern. Und wenn es zum Abendessen Fisch geben sollte, musste man nachmittags zum nahen Fluss Alcmona gehen und zusehen, dass man eine Forelle erwischte. Ganz schön mühsam, das Landleben! Magnus drehte die Kurbel, das Mehl rieselte langsam in die Schüssel. Als die Schüssel voll war, brachte er sie hinüber zum Backhaus.

Magnus kannte im Dorf inzwischen alle: Valeria war die Frau des Lagerpräfekten. Der Präfekt gab als erster Mann im Lager den fünfhundert Soldaten die Befehle. Weil im Kastell aber keine Frauen wohnen durften, hatte Valeria ein Haus im Vicus bezogen. Es war nicht viel größer als das, in dem Magnus mit seiner Mutter und Jolina wohnte, aber um einiges luxuriöser ausgestattet. Die Wände waren mit Malereien verziert, und in Valerias prächtigem Rosengarten stand ein Springbrunnen.

Ovidio, ein alter Schuster, versorgte das ganze Dorf mit Sandalen. Luca und Patricia wohnten mit ihren beiden Zwillingstöchtern Lea und Luna in der nächsten Gasse. Luca war wegen einer schweren Verletzung aus dem Militärdienst ausgeschieden. Er hatte sich in Vetoniana mit einer Imkerei selbstständig gemacht, Patricia war Mutters beste Freundin geworden. Sie kannte immer die neueste Mode, denn sie stammte aus Mailand. Neulich hatte Patricia Magnus’ Mutter eine Creme ins Gesicht geschmiert. »Gut für die Haut«, hatte sie dazu gesagt. Als Magnus fragte, woraus die Paste gemacht sei, antwortete sie: »Zerriebene Schnecken!«

Dann gab es im Vicus noch den Wirt Antonius, der die Taverne führte, und Rufus, der mit seiner Frau Suzana die Garküche betrieb. Außerdem Cornelius und Quentin, zwei immer schlecht gelaunte Töpfer und ihre alte Sklavin Tyra.

Was fehlte, waren Kinder! Vor allem Jungen in Magnus’ Alter. Am besten kam Magnus noch mit Emilio, dem Dorfschmied, aus.

Magnus schlenderte die staubige Straße entlang. Schon seit Tagen hatte es nicht mehr geregnet. Eine Katze lag träge in der Sonne. Sie hieß Lacuna, hatte einen länglichen weißen Fleck auf ihrem grauen Fell und gehörte Lea und Luna. Sie strich ständig zwischen Kastell und Vicus hin und her.

Als Magnus vor der Schmiede stand, klopfte er. Aber niemand öffnete oder rief ihn herein. Also drückte Magnus die schwere Eisenklinke hinunter und öffnete die Werkstatttür einen Spalt. Emilio stand mit hochrotem Kopf über das Feuer gebeugt und starrte auf ein glühendes Stück Eisen, das vor ihm lag und ein Bratrost werden sollte. »Ave!«, grüßte Magnus den Schmied. »Darf ich reinkommen?«

Emilio nickte. Magnus setzte sich in eine Fensternische und schaute Emilio bei der Arbeit zu. Funken stoben in alle Richtungen, es war glühend heiß. Worte fielen kaum. Kurz vor der Mittagszeit machte Emilio Pause. »Komm! Wir setzen uns draußen in die Sonne«, ächzte der Schmied. Er spürte die harte Arbeit in den Knochen.

Vor der Werkstatt stand eine Holzbank, die von Tongefäßen voller Gewürze eingerahmt wurde: Koriander, Dill und Pfefferminze. Emilio hielt Magnus ein Säckchen mit Rosinen hin. »Hier, nimm dir.« Die Rosinen waren hart, aber süß.

»Na, wie gefällt es dir hier in Rätien? Hast du dich schon eingelebt?«, fragte Emilio.

Magnus wusste nicht, was er antworten sollte. Sollte er Emilio erzählen, wie einsam er sich fühlte? Wie mühsam sich die Tage dahinschleppten? Magnus zuckte mit den Schultern. »Geht schon so«, brummelte er.

Emilio ging zurück in die Werkstatt, holte einen Becher und einen Krug Wein und schenkte sich daraus großzügig ein. »Ah, das schmeckt gut«, freute er sich und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Willst du auch einen Schluck?«

Magnus schüttelte den Kopf. Wein fand er grauenhaft.

»Es ist schon lange her, dass ich von Rom hierherkam«, begann Emilio plötzlich zu erzählen. »Über dreißig Jahre. Ich war damals Legionär, also Soldat wie dein Vater. Später ging ich dann zur Kavallerie. Ich war froh, nicht länger Bodenkämpfer, sondern Reiter zu sein.« Magnus horchte auf. Dann war Emilio gar nicht immer Schmied gewesen? Und er hatte früher in Rom gewohnt!

»Schmied bin ich erst geworden, als ich nach fünfundzwanzig Jahren aus dem Soldatendienst ausschied«, erzählte Emilio weiter. »Mein Vorgänger hatte genug von der Schmiede, er konnte die ständige Hitze nicht mehr ertragen. Mir war das recht. Ich wusste ja nicht, was sich sonst tun sollte. Viele andere Soldaten haben sich von ihrem Entlassungsgeld ein Landgut gekauft, aber das wollte ich nicht. Sklaven herumkommandieren, das ist nicht mein Ding.«

Magnus musterte den Dorfschmied. »Warum bist du nicht zurück nach Rom gegangen?«, wollte er wissen.

Emilio überlegte eine Weile. »Ach, weißt du«, antwortete er schließlich, »in Rom kannte ich ja niemanden mehr. Und die Gegend hier ist gar nicht so schlecht. Du wirst schon noch auf den Geschmack kommen.« Der Schmied nahm wieder einen kräftigen Schluck Wein aus dem Becher.

»Übrigens, möchtest du morgen mit nach Vicus Scuttarensis fahren? Ich muss ein paar Eisenteile abliefern und will mich in der Markthalle mit frischem Wein und Olivenöl eindecken. Ich möchte ja hier nicht leben wie die Barbaren. Einmal Römer, immer Römer!« Emilio lachte.

Magnus schaute Emilio freudestrahlend an. »Klar komme ich mit, endlich einmal raus aus diesem kleinen Lagerdorf!«

***

Finn wollte an diesem Nachmittag mit Fiori trainieren, aber daraus wurde nichts. Als er vom Wald in sein Dorf zurückkam, hörte er schon von Weitem ein Pferd wiehern. Er beeilte sich, um nachzusehen, was auf dem Dorfplatz los war. Eine fremde Stimme kommandierte laut: »Halt, stehen bleiben. Brrr…« Ein dumpfes Plumpsen folgte. Es hörte sich an, als ob ein schwerer Mann von seinem Pferd gestiegen war. Schnell rannte Finn um die Ecke und stand auf dem Platz, wo die anderen Kinder schon auf den umgelegten Baumstämmen saßen. Von den Erwachsenen war weit und breit niemand zu sehen, sie hatten anscheinend auf den Feldern zu tun.

Dass ein Fremder das Dorf besuchte, kam selten vor. Der Mann stand am Dorfbrunnen und füllte seine Wasserflaschen. Jetzt sah Finn, dass es kein Pferd war, das so laut gewiehert hatte, sondern ein Maultier. Rund und zottelig stand es da und schlürfte Wasser aus einem Eimer, der neben dem Brunnen stand. Der Fremde sah seltsam aus. Über seinem dicken Bauch trug er ein buntes, zerrissenes Hemd, seine weite schwarze Hose steckte in hohen Lederstiefeln. Er hatte einen zerzausten Bart, ein faltiges Gesicht und verfilzte Haare. Am Sattel seines Pferdes baumelten viele kleine Taschen und mehrere Fläschchen mit farbigen Flüssigkeiten. Der Fremde ließ sich durch die vielen Augenpaare, die ihn beobachteten, nicht aus der Ruhe bringen.

»Na?«, fragte er schließlich in die Runde. »Habt ihr noch nie einen reitenden Medicus gesehen? Häh?«

Niemand antwortete. Nur Askan, Finns großer Bruder, erhob sich. Er war mit seinen sechzehn Jahren der Älteste unter den Zuhörern. Um seinen Hals trug er ein Lederband, an das er einen roten Fuchsschwanz gebunden hatte. Das war sein Erkennungszeichen. »Woher kommst du? Was machst du hier in der Gegend? Was hast du in deinen Satteltaschen?«

Der Mann nahm die Wasserflasche und leerte sie über seinem Kopf aus. »Was ich hier mache? Ich wasche mir die Haare, seht ihr doch.«

Die Mädchen kicherten. So einen komischen Kauz hatten sie noch nie gesehen. Finn wartete gespannt. Der Mann ließ sich auf einem der Baumstämme nieder, kramte ein Stück Brot aus seiner Satteltasche und kaute schmatzend vor sich hin. »Außerdem esse ich gerade, wie ihr seht. Aber wenn mir jemand eine Wurst bringt, dann erzähle ich euch, was ihr wissen wollt. Na, was ist?« Finn, der immer einen kleinen Essensvorrat in seinem Beutel hatte, reichte ihm einen Wurstzipfel. »Da sind wir aber gespannt«, sagte er mit gedehnter Stimme.

Der Mann biss herzhaft in die Wurst, wischte sich die fettigen Finger an seiner Hose ab und musterte die Kinder. »Ich heiße Rocko und bin ein reitender Medicus«, begann er. »Ich komme aus Armenien und schlage mich durch die Wälder und über die Felder. Wenn ich auf eine Siedlung wie die eure stoße, biete ich meine Dienste an. Hautkrankheiten, eitrige Wunden, die nicht heilen wollen, Verletzungen nach einem Kampf mit dem verfeindeten Nachbarstamm, ich habe für alles die richtige Salbe. Hat mir mein Großvater beigebracht, war ein weiser Mann. Konnte zwar nicht lesen, wusste aber genau, welche Kräuter man zusammenmischen muss. Kamille und Fenchel, pah, das weiß jeder. Ich kenne die geheimen Rezepte, die wirklich helfen.«

Rocko schnäuzte in seinen Ärmel. »Und jetzt reite ich die Kastelle ab. Mal sehen, ob ich die Römer mit meiner Heilkunst beeindrucken kann. Nur die großen Militärlager, wie zum Beispiel Castra Regina, haben ihre eigenen Experten, hier in der Einöde schaut es schon anders aus. Die Lagerärzte könnt ihr vergessen. Ich wette, das nächste anständige Lazarett gibt es erst wieder in Augusta Vindelicum, der Provinzhauptstadt, Würde mich nicht wundern, wenn es bald Sesterzen regnet.«

Aha, der Mann war also ein Geschäftsmann, der sein Geld mit Heilkunst verdiente und außerdem ganz passabel germanisch sprach.

»Hat es für dich denn schon einmal Sesterzen geregnet?«, fragte Finn gespannt.

»Aber natürlich«, antwortete der Fremde und kicherte. »Vor einem Monat, da kam ich zu einem Kastell. Schon der Wachsoldat am Eingangstor war ganz grün im Gesicht. Ich hatte mich gewundert, dass nur ein Mann da stand. Hätte sofort überrannt werden können.« Der Medicus schnupperte an seiner Wasserflasche. »Als ich fragte, was los ist, antwortete der Wachsoldat: Fischvergiftung! Die hatten sich mit dem Schiff Austern liefern lassen, die waren verdorben. Alle Soldaten lagen auf ihren Feldbetten und röchelten vor sich hin. Ich braute schnell einen Heiltrank, flößte ihn den Männern ein, und am nächsten Tag überschütteten sie mich mit Silbermünzen.«

Finn schaute skeptisch. Er beschloss, Rocko auf die Probe zu stellen. »Hier schau mal«, sagte er und streckte ihm seinen Ellenbogen hin. Am rechten Unterarm hatte er eine entzündete Wunde, der Hahn hatte ihn böse gekratzt. Die Verletzung wollte und wollte nicht besser werden.

»Haben wir gleich«, murmelte der Medicus, öffnete eine Dose mit Salbe und strich sie über die Stelle. Dann schwang er sich ächzend auf seinen Maulesel, hob die Hand zum Abschied und trabte langsam davon.

Als Finn am folgenden Tag erwachte, war die Wunde verheilt.

3. Kapitel

Der Mann stand am Fenster und schaute hinaus auf die grünen Wiesen. Die Abendsonne tauchte alles in ein friedliches Licht. Aber die Gedanken des Mannes kreisten nur noch um den bösartigen Plan, den er gefasst hatte und der mehr und mehr Gestalt annahm. Noch ein kräftiger, warmer Sommerregen, dann konnte es losgehen. Die ersten Mitstreiter waren eingeweiht. Nun ja, eingeweiht war vielleicht zu viel gesagt. Er hatte sie vielmehr zum Mitmachen gezwungen. Der Mann fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Aus einer Glaskaraffe goss er sich Wein in ein Glas. Rot war der Wein, rot wie Blut. Bisher zogen alle mit! Jetzt war es wichtig, dass niemand zu plaudern begann. Aber er hatte da seine ganz besonderen Druckmittel, um die Menschen auf seine Seite zu ziehen. Er verschränkte die Finger ineinander und dehnte sie so kräftig, dass die Knochen knackten. Die Verschwörung fing an, ihm Spaß zu machen.

***

Magnus saß beim Frühstück, füllte sich die Schüssel mit Grießbrei und krümelte getrocknete Aprikosenstückchen darüber. Marcella, seine Mutter, stand neben der Kochstelle und hackte frische Kräuter. Ihre langen dunklen Haare hatte sie mit einem grünen Band nach hinten geknotet.

»Mutter … Emilio fährt heute nach Vicus Scuttarensis. Darf ich mit?«

Marcella drehte sich um und runzelte die Stirn. »Der Schmied möchte dich mitnehmen? Wie ist denn der so?«

Magnus tauchte den Löffel tief in seine Tonschüssel. Er kannte seine Mutter und wusste, dass die Frage reine Formsache war. »Der ist in Ordnung«, antwortete er schmatzend. »Stell dir vor, er hat seine Jugend in Rom verbracht.«

Marcella zögerte nur kurz. »Gut, du darfst mit. Und bring mir bitte eine kleine Amphore garum mit, die Würzsoße, die Vater so gerne isst.« Sie gab Magnus ein paar Münzen. »Hier, für dich, kauf dir was Schönes von dem Rest!«

Das lief ja bestens! Magnus schlüpfte erleichtert in seine Sandalen und rannte zur Tür. Dann drehte er sich noch einmal um, lief zurück und drückte seiner Mutter einen Kuss auf die Wange. »Bis heute Abend!« Magnus strahlte und war nun endgültig draußen.

»Bis heute Abend, Columbulus«, flötete sie ihm hinterher. Aber das hörte Magnus nicht mehr.

***

Bis nach Vicus Scuttarensis waren es acht Meilen, und die Ochsen brauchten Stunden dafür. Aber Magnus war das egal. Denn erstens hatte er nichts Besseres zu tun, und zweitens hatte er sich vorn neben Emilio gesetzt und war mit ihm ins Plaudern gekommen.

»Wie war das, als du als junger Mann von Rom hierhergekommen bist?«, wollte er wissen. Sie hatten das Lagerdorf längst hinter sich gelassen und rollten mit ihrem Gespann über eine gepflasterte Straße durch leuchtend rote Klatschmohnwiesen.

»Oh«, erinnerte sich Emilio und streckte ächzend die Beine auf dem Kutschbock aus. »Ich war stolz, dass ich so weit nach Norden durfte. Die Fußmärsche über die Alpen zogen sich elendig hin, wir mussten durch Eis und Schnee marschieren, mit dem ganzen Gepäck auf den Schultern.« Emilio hielt kurz inne. »Waffen, Zelte, Lebensmittel, alles mussten wir selber schleppen. Es war eine Schinderei! Das wird deinem Vater auch nicht anders gegangen sein.«

Von Schindereien und Entbehrungen bekam Magnus nie etwas zu hören, sein Vater berichtete immer nur von den guten Seiten des Soldatenlebens. Umso mehr spitzte Magnus die Ohren. »Und dann, wie war es dann?«, fragte er neugierig.

»Wir hatten eine harte Grundausbildung«, erzählte Emilio weiter, während die beiden Ochsen gemächlich einen Fuß vor den anderen setzten. »Jeden Tag marschieren, kämpfen, Wachdienst schieben, Waffen putzen. Manchmal hing mir das ganz schön zum Hals raus. Aber nach einigen Wochen war ich so geübt, dass mir das alles immer weniger ausmachte. Von da an wurde es besser. Dein Vater hat Glück, dass er seine Familie bei sich hat.« Emilio schnalzte mit der Zunge und versuchte so, die Ochsen anzutreiben. Doch die behielten ihr langsames Tempo bei und trotteten weiter vor sich hin. Schritt für Schritt näherten sie sich Vicus Scuttarensis.

Gegen Mittag erreichten Magnus und Emilio die Markthalle. Sie war ein Umschlagplatz für Waren aus der ganzen Umgebung. Bisher hatte Magnus außer dem Lagerdorf und dem Kastell noch nichts von Rätien gesehen. Schon am Eingang der Halle herrschte ein Trubel, wie Magnus ihn nur von Rom kannte. Seine Beine begannen zu kribbeln. Er sprang vom Kutschbock und ließ Emilio mit seinen Eisenwaren allein zurück. »Salve, Emilio!«, rief er seinem alten Freund über die Schulter zu. »Ich besorge gleich mal die Würzsoße für meine Mutter. Wir sehen uns später!« Emilio brummelte gutmütig ein paar Abschiedsworte, und schon drängelte sich Magnus an einer Menschentraube vorbei durch das Eingangstor.

Die Markthalle erinnerte Magnus an eine römische Ladenstraße. Sie war vollgestopft mit Verkaufsständen und Essensbuden. Es roch nach frischer Pfefferminze und Rosenblättern. Aus Töpfen dampfte Suppe, auf den Verkaufstischen der Metzgereien standen Schüsseln voller Innereien. Die Regale hinter den Verkaufsständen waren gefüllt mit Kannen, Kisten und Stoffballen. Von den Decken hingen geräucherte Würste, frisch geschlachtete Enten, Gewürzsträuße und Knoblauchzöpfe. Eine große, offen stehende Seitentür führte zum Viehmarkt. Schafe blökten, Pferde wieherten, Verkäufer priesen ihre Waren an. Geschäftsleute stritten, und Männer, die sich unterhalten wollten, mussten schreien, um mit ihren Neuigkeiten durchzudringen. Sklaven mit nackten Oberkörpern trugen Säcke nach draußen, ein Bettler streckte den Passanten seine schmutzigen Hände entgegen. »Bitte eine milde Gabe!« In einer Ecke stank es nach Fisch, in einer anderen nach alten Oliven. Ein Händler pries kleine Götterstatuen an: »Hilfe in großer Not! Die richtige Größe für jeden Hausaltar!« Es gab auch jede Menge Leckereien: kandierte Früchte, Honigkuchen, warme Eierfladen.