Vielleicht wieder du - Kajsa Arnold - E-Book

Vielleicht wieder du E-Book

Kajsa Arnold

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Beschreibung

Eine Silvester Kurzgeschichte ... Julia ist eine gefragte Modedesignerin und kehrt zu Weihnachten in ihre Heimatstadt Münster zurück. Als Chantal ein Hochzeitskleid bei ihr kauft, fällt Julia aus allen Wolken, als sie den Bräutigam kennenlernt, denn Felix ist ihr Ex-Verlobter. Seit zwölf Jahren haben sie sich nicht mehr gesehen. Als Julia und Felix sich immer öfter über den Weg laufen, glaubt sie nicht mehr an Zufälle, sondern da scheint der Weihnachtsmann seine Hände im Spiel zu haben.

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Vielleicht wieder du

Kajsa Arnold

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Danksagung

Leseprobe

Kapitel 1

Sieht es nicht wunderschön aus?«

Julia begutachtete die Kundin von Kopf bis Fuß. Sie hatte wirklich eine tolle Figur, war gertenschlank, hatte goldenes Haar und, ihrer Kleidung nach zu urteilen, ein dickes Portemonnaie. Trotzdem gab es nichts an ihr, worauf Julia wirklich neidisch war. Allein den Klang ihrer Stimme fand Julia so abschreckend, dass sie an ihrer Stelle glatt verstummt wäre. Chantal hatte nichts an sich, weswegen Julia gerne mit ihr getauscht hätte.

Sie musste ihre Kundin ein wenig anflunkern, die Wahrheit wäre geschäftsschädigend gewesen, denn das Kleid brachte den langen Schwanenhals noch mehr zur Geltung, aber was sollte man machen? Chantal hatte sich auf dieses Kleid fixiert, und der Kunde war nun mal König. »Ja, ich finde auch, dass das Hochzeitskleid ihre zierliche Gestalt unterstreicht.«

»Oh, Julia! Sie sind eine wahre Künstlerin, auch wenn Sie nur eine Schneiderin sind. Ich wusste, dass ich bei Ihnen in den besten Händen bin. Aber finden Sie das Kleid nicht ein wenig zu lang?«

»Das werden wir kürzen. Alles kein Problem. Ihre Hochzeit ist in zehn Tagen, das bekommen wir locker hin.«

»Ja, einen Tag vor Silvester! Ich kann es kaum erwarten. Julia, ich habe noch eine Bitte. Eine sehr große Bitte!« Chantal legte ihren Zeigefinger an die Lippen und Julia fiel auf, dass der Nagellack auf keinen Fall zum Lippenstift passte. Na, so stilsicher war Chantal dann doch nicht.

»Schießen Sie los, Chantal. Ich werde versuchen, Ihnen diese Bitte zu erfüllen.«

»Sie müssen den Anzug meines Bräutigams ändern. Er hat bereits einen Anzug, aber in meinen Augen sitzt er nicht richtig. Sie müssen ein Auge darauf werfen!«

Oh, lieber nicht! Ich brauche noch beide Augen!

»Sagen wir lieber, ich werde einen Blick auf Ihren Bräutigam werfen, also ich meine auf den Anzug.«

»Oh, Julia! Ich liebe Sie!« Chantal machte einen Schritt vorwärts, als wollte sie Julia umarmen. Schnell griff Julia nach dem Armband mit den Stecknadeln. »Ich werde noch das Kleid abstecken.« Sie streckte ihr eine Nadel wie ein Schwert entgegen und hielt Chantal so auf Abstand. »Bitte halten Sie ganz still, nicht dass ich Sie noch verletze.« Ob es mir leidtun würde? Natürlich um die arme Nadel!

Julia arbeitete konzentriert und schnell, je eher sie diese Nervensäge loswurde, umso besser.

»So, fertig. Jetzt ganz vorsichtig aus dem Kleid steigen. Wir werden also die Taille etwas einnähen und den Saum kürzen, das wäre schon alles. Das Stück hat wirklich hier auf Sie gewartet.«

»Ich werde Sie all meinen Freundinnen empfehlen. Ihr Geschäft wird brummen, meine Liebe!« Chantal strahlte über beide Wangen.

Oh, bitte nicht! Es brummt auch ohne Ihre Hilfe!

»Sehr nett, Chantal. Aber ich bin so beschäftigt, dass ich kaum nachkomme.«

»Sie sollten sich mal mit meinem Verlobten unterhalten, er ist Unternehmensberater, er wird Ihnen helfen können.«

Wobei?

»Wann wird er wegen des Anzugs vorbeikommen?«

»Oh, ich werde ihn noch heute vorbeischicken.«

»Ich bin bis neunzehn Uhr im Atelier. Er soll an die Hintertür klopfen.«

»Er wird pünktlich sein.«

Chantal versuchte, es zu verbergen, doch wenn man genau hinhörte, kam der russische Akzent durch. Vermutlich hieß sie in einem anderen Leben Tatjana oder Olga.

Julia schaute auf ihre Armbanduhr, ein Überbleibsel aus ihrer Jugend, von dem sie sich nicht trennen konnte. Eine Swatch in dunklem Lila mit elastischem Band. Dass sie immer noch funktionierte, war wirklich ein Wunder. Viertel nach sieben. Nun, auf ihren Verlobten hatte Chantal wohl nicht so viel Einfluss, wie sie Julia weiß machen wollte. Er würde wohl heute nicht mehr kommen.

Sie packte ihre Handtasche und suchte nach dem Schlüssel, der mal wieder nicht aufzufinden war.

Ein leises Klopfen riss sie aus ihrem Tun. Mit zwei Schritten war sie an der Tür und öffnete.

»Hallo! Chantal schickt mich, ich bin ...«

»Schatz?«

»Julia?«

»Felix Schatz? Ich fasse es nicht.« In den letzten Jahren gab es wenig, was Julia die Sprache verschlagen hatte, dieser Augenblick war einer davon.

»Julia, ich bin wirklich überrascht, dich hier zu treffen. Eigentlich bin ich mit Frau van Baasten, der Designerin, verabredet. Ich bin etwas zu spät, ist sie schon weg?«

Für einen Augenblick war Julia wieder sechzehn Jahre alt. Sie stand auf der Bühne der Schulaula und trug ein wunderschönes Kleid, mit kleinen Rosen bestickt. Sie war Julia und stand ihrem Romeo gegenüber, der sie in die Arme nahm und küsste. Richtig auf den Mund küsste, dass ein Raunen durch die Zuschauer ging. Als Romeo den Kuss beendete, schenkte er ihr ein Lächeln, das Julia ihr Leben lang nicht vergessen hatte. Ebenso wenig das Gesicht des Mannes, den sie fast geheiratet hätte, und das ihr nun in der Gestalt von Felix Schatz entgegenblickte. Er sah noch fast genauso aus wie damals, nur ein wenig älter. Sein schwarzes Haar war kurz und modisch geschnitten, die braunen Augen blitzen immer noch amüsiert, als wäre das ganze Leben nur ein Spiel.

»Geht es dir gut?« Felix blickt sie besorgt an und beugte sich zu ihr herunter, denn er überragte sie um eine Kopflänge.

»Ich ... ich bin Julia van Baasten.« Ihre Stimme krächzte und sie musste sich räuspern.

»Aber dein Name ist Julia Schneider, oder hast du geheiratet und trägst nun einen neuen Nachnamen?«

»Nein«, Julia schüttelte den Kopf, »Julia van Baasten ist mein Künstlername. Ich fand es nicht gut, sich mit Schneider einen Namen als Designer machen zu wollen. Ein Künstlername gewährt einem eine gewisse Anonymität.«

»Darf ich reinkommen?«, fragte Felix und schaute ihr neugierig über die Schulter.

»Ja, natürlich. Ist das der Anzug?« Julia deutete auf den Kleidersack, den er über seinem Arm trug.

Felix betrat ihr Atelier und legte den Sack auf dem Schneidertisch ab. Neugierig schaute er sich um.

»Du hast es weit gebracht. Zwei Kollektionen im Jahr, ständiger Gast auf der Fashion Week, Ausstellungen in Paris und Berlin. Hut ab.«

»Woher hast du all diese Informationen?«, fragte Julia überrascht.

»Chantal erzählt seit Wochen von nichts anderem, als dass ihr Hochzeitskleid von der berühmten Julia van Baasten stammt.« Er schaute sich suchend um. »Ich hoffe, es hängt hier nicht irgendwo, denn das soll ja Unglück bringen, wenn der Bräutigam das Kleid vor der Hochzeit sieht.«

»Keine Angst, es hängt im Laden in einem Kleidersack. Einer glücklichen Ehe steht nichts im Wege.«

Julia lächelte, doch sie musste sich von diesem Schock erholen. Felix Schatz in ihrem Atelier, wenn sie das Kathrin erzählte, würde ihre Freundin es kaum glauben können.

»Du bist nicht verheiratet?«, fragte er nach und verschränkte die Arme vor der Brust, lehnte sich lässig an einen der Schneidertische.

»Ich? Nein! Für so etwas habe ich keine Zeit. Es ist schwer, jemanden kennenzulernen, wenn man immer nur im Atelier herumhängt. Meistens treffe ich auf Männer, die schon vergeben sind.« Sie lächelte erneut, doch das Thema war ihr peinlich, sodass sie Felix nicht in die Augen sah.

»Es ist lange her, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben. Zehn Jahre?«

»Zwölf«, bestätigte Julia. Erst jetzt kam ihr der Gedanke, der die ganze Zeit über im Raum hing, den sie aber dennoch nicht richtig zu fassen bekam. »Du bist also der Verlobte von Chantal?« Ihre Frage klang wohl so fassungslos, dass Felix erstaunt eine Augenbraue hob.

»Ja. Was ist daran so erstaunlich?«

»Nichts ... ich meine nur, ... ich ... ich bin etwas überrascht.«

»Überrascht? Worüber?«

»Chantal und du. Das hätte ich jetzt nicht gesehen. Sie passt nicht in dein übliches Beuteschema.«

»So? Wie sieht es denn aus? Mein übliches Beuteschema? Vielleicht so wie du?« Er lächelte dieses Hunderttausend-Watt-Lächeln, das Julia schon immer beeindruckt hatte.

»Du flirtest doch wohl nicht mit mir?« Julia schüttelte lachend den Kopf. Er hatte sich in all den Jahren nicht verändert. Immer noch der Bad Boy - der Typ auf den alle Frauen flogen und der keine Chance ausließ, sie zu bekommen.

»Ich? Nein, wie kommst du nur darauf? Ich werde schließlich in Kürze heiraten«, sagte er im Brustton der Überzeugung.

»Das hattest du doch schon mal vor, wenn ich mich recht erinnere. So vor ungefähr zwölf Jahren?« Ihr Blick war versonnen und frei von Bitterkeit, denn der Schmerz war schon lange vergessen. Oh ja, es hatte verflucht wehgetan, als sie ihre Verlobung löste, weil Felix einfach nicht treu sein konnte. Seit ihrer Schulzeit waren sie ein Paar gewesen, und es kam Julia wie eine Ewigkeit vor.