Von der Wichtigkeit, ernst zu sein - Oscar Wilde - E-Book

Von der Wichtigkeit, ernst zu sein E-Book

Oscar Wilde

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Beschreibung

"Von der Wichtigkeit, ernst zu sein" wurde am 14. Februar 1895 im St. James's Theatre in London uraufgeführt und ist eine komödiantische Posse, in der die Protagonisten fiktive Persönlichkeiten spielen, um lästigen sozialen Verpflichtungen zu entgehen. Das Stück spielt mit den gesellschaftlichen Konventionen des spätviktorianischen Londons und thematisiert die Trivialität, mit so schwerwigende Institutionen wie die Ehe behandelt werden, sowie die daraus resultierende Satire auf die viktorianischen Sitten. Einige zeitgenössische Kritiker lobten den Humor des Stücks und den Höhepunkt von Wildes künstlerischer Karriere, während andere das Fehlen sozialer Botschaften bemängelten. Der hohe Grad an Komik und die witzigen Dialoge haben dazu beigetragen, dass "Von der Wichtigkeit, ernst zu sein" zu Wildes populärstem Stück geworden ist, das bis heute gespielt wird.

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Seitenzahl: 99

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Von der Wichtigkeit, ernst zu sein

 

Oder: Ernst sein ist alles

 

Deutsche Neuübersetzung

 

OSCAR WILDE

 

 

 

 

 

 

Von der Wichtigkeit, ernst zu sein, O. Wilde

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

86450 Altenmünster, Loschberg 9

Deutschland

 

Druck: Bookwire, Kaiserstraße 56, 60329 Frankfurt/M.

 

ISBN: 9783849660581

 

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

 

 

Inhalt:

Dramatis Personae. 1

Die Szenen des Stücks:1

1. Akt2

2. Akt28

3. Akt60

 

 

Dramatis Personae

 

John Worthing (genannt "Jack"), Friedensrichter Algernon Moncrieff Hochwürden Chasuble, Doktor der Theologie Merriman, Butler Lane, Hausknecht Lady Bracknell Gwendolen Fairfax Cecily Cardew Miss Prism, Gouvernante

 

Die Szenen des Stücks:

 

1. Akt.  Algernon Moncrieff’s Appartement in der Half Moon Street

2. Akt.  Der Garten des Landsitzes, Woolton.

3. Akt. Der Salon des Landsitzes, Woolton.

Zeit: Ende des 19. Jahrhunderts.

 

 

1. Akt

 

Die Szene:

 

[Das Frühstückszimmer in Algernons Appartement in der Half Moon Street. Der Raum ist luxuriös, aber kunstvoll eingerichtet. Im Nebenzimmer erklingt ein Klavier].

[Lane trifft Vorkehrungen für den Nachmittagstee auf dem Tisch, und nachdem die Musik verstummt ist, tritt Algernon ein].

 

Algernon. Haben Sie gehört, wie ich gespielt habe, Lane?

Lane. Nein, ich dachte, es sei vielleicht unhöflich, Sir.

Algernon. Das tut mir leid, Sie haben etwas verpasst. Ich spiele nicht sehr akkurat – das kann schließlich jeder – , dafür aber mit tollem Ausdruck. Gefühlvolles Klavierspiel ist eine meiner Stärken. Präzision hebe ich mir für andere Dinge auf.

Lane. Jawohl, Sir.

Algernon. Apropos Präzision, haben Sie die Gurkensandwiches für Lady Bracknell schon zubereitet?

Lane. Ja, Sir. [Hält ihm ein Tablett hin]

Algernon. [Inspiziert sie, nimmt zwei Sandwiches und setzt sich auf das Sofa] Oh, mir fällt gerade ein, Lane, in Ihrem Buch steht, dass am Donnerstagabend, als Lord Shoreman und Mr. Worthing mit mir speisten, acht Flaschen Champagner getrunken wurden.

Lane. Ja, Sir; acht Flaschen und ein bisschen was.

Algernon. Wie kommt es, dass im Heim eines Junggesellen ausnahmslos die Dienerschaft den Champagner trinkt? Nicht, dass es von Belang wäre.

Lane. Ich führe dies auf die hervorragende Qualität des Weines zurück, Sir. Mir ist schon oft aufgefallen, dass der Champagner in den Haushalten verheirateter Paare selten erstklassig ist.

Algernon. Gütiger Himmel! Ist die Ehe denn so zermürbend?

Lane. Ich glaube, dass sie tatsächlich eher angenehm ist, Sir, obwohl ich selbst damit allerdings nur sehr wenig Erfahrung vorzuweisen habe. Ich war nur einmal verheiratet – und das war die Folge eines Missverständnisses zwischen mir und einer sehr jungen Person.

Algernon. [Gelangweilt] Ich weiß wirklich nicht, ob mich Ihr Familienleben interessiert, Lane.

Lane. Das sollte es auch nicht, Sir, es ist ja nicht wirklich spannend. Ich denke selbst nie daran.

Algernon. Vermutlich nur natürlich, da bin ich sicher. Das genügt, Lane, danke.

Lane. Sehr wohl, Sir. [Lane ab]

Algernon. Lanes Ansichten über die Ehe scheinen mir etwas lasch zu sein. Wenn die unteren Gesellschaftsschichten uns hier schon kein gutes Beispiel geben, wozu sind sie dann überhaupt gut? Sie scheinen insgesamt absolut keinen Sinn für moralische Verantwortung zu haben.

[Auftritt Lane].

Lane. Mr. Ernest Worthing.

[Auftritt Jack].

[Lane ab].

Algernon. Wie geht es dir, mein lieber Ernest? Was führt dich in die Stadt?

Jack. Oh, das Vergnügen, das pure Vergnügen! Was sollte einen denn sonst in die Stadt führen? Wie immer am Essen, wie ich sehe, Algy!

Algernon. Ich dachte, es wäre in der besseren Gesellschaft üblich, um fünf Uhr eine kleine Erfrischung zu sich zu nehmen. Wo warst du eigentlich seit letztem Donnerstag?

Jack. [Setzt sich auf das Sofa] Auf dem Land.

Algernon. Und was in aller Welt tust du dort?

Jack. [Zieht sich die Handschuhe aus] Wenn man in der Stadt ist, amüsiert man sich. Und auf dem Land amüsiert man eher andere Leute. Es ist ausgesprochen langweilig.

Algernon. Und wer sind diese Leute, die du amüsierst?

Jack. [Lässig] Oh, Nachbarn, einfach nur Nachbarn.

Algernon. Hast du nette Nachbarn dort, wo du in Shropshire lebst?

Jack. Absolut grässliche! Hab' noch nie mit einem von ihnen gesprochen.

Algernon. Dann musst du sie ja sehr amüsiert haben! [Geht und holt sich ein Sandwich] Übrigens, du lebst doch in Shropshire, oder?

Jack. Hm? – Shropshire? – Ja, natürlich. – Aber Moment mal! Wozu all diese Tassen? Und die Gurkensandwiches? Gibt es einen Grund für diese Extravaganz? Wer kommt denn da zum Tee?

Algernon. Oh! Nur Tante Augusta und Gwendolen.

Jack. Wie reizend!

Algernon. Ja, das ist alles schön und gut; aber ich fürchte, Tante Augusta wird deine Anwesenheit gar nicht gefallen.

Jack. Darf ich fragen, warum?

Algernon. Mein lieber Freund, die Art, wie du mit Gwendolen flirtest, ist geradezu infam. Fast so schlimm wie andersherum.

Jack. Aber ich liebe Gwendolen. Ich bin extra in die Stadt gekommen, um ihr einen Antrag zu machen.

Algernon. Ich dachte, du wärst hier, um dich zu amüsieren – ich nenne das geschäftlich.

Jack. Wie ausgesprochen unromantisch du doch bist!

Algernon. Ich finde wirklich nichts Romantisches daran, jemandem einen Antrag zu machen. Es ist sehr romantisch, verliebt zu sein, ja. Aber doch kein Heiratsantrag. Er könnte ja angenommen werden. Was meistens der Fall sein dürfte, schätze ich. Dann ist die ganze Spannung beim Teufel. Das eigentliche Wesen der Romantik ist die Ungewissheit. Sollte ich jemals heiraten, werde ich sicher versuchen, diese Tatsache zu vergessen.

Jack. Daran habe ich keinen Zweifel, lieber Algy. Das Scheidungsgericht wurde speziell für Leute geschaffen, deren Gedächtnis so merkwürdig beschaffen ist.

Algernon. Ach was! Es macht keinen Sinn, darüber zu streiten. Scheidungen werden im Himmel vollzogen – [Jack streckt seine Hand aus, um sich ein Sandwich zu nehmen. Algernon greift sofort ein] Bitte rühre die Gurkensandwiches nicht an. Die habe ich extra für Tante Augusta machen lassen. [Nimmt eines und fängt an zu essen]

Jack. Aber du isst doch schon die ganze Zeit davon.

Algernon. Das ist ja wohl etwas ganz anderes. Sie ist meine Tante. [Zieht von unten einen Teller hervor] Nimm dir ein Butterbrot. Die sind für Gwendolen. Gwendolen hat eine Schwäche für Butterbrote.

Jack. [Geht zum Tisch und bedient sich] Das sind wirklich sehr gute Butterbrote.

Algernon. Mein Lieber, du musst jetzt nicht so tun, als ob du alles aufessen wolltest. Du benimmst dich, als wärst du bereits mit ihr verheiratet. Aber das bist du nicht, und wirst es wohl auch nie sein.

Jack. Warum, zum Kuckuck, sagst du so etwas?

Algernon. Nun, in erster Linie, weil Mädchen nie die Männer heiraten, mit denen sie flirten. Sie meinen, dies geziemt sich nicht.

Jack. Was für ein Unsinn!

Algernon. Überhaupt nicht. Es ist überaus wahr und erklärt die außergewöhnliche Anzahl von Junggesellen, die man überall sieht. Und in zweiter Linie, weil ich meine Zustimmung verweigere.

Jack. Deine Zustimmung!

Algernon. Mein lieber Freund, Gwendolen ist meine Nichte ersten Grades. Und bevor ich dir erlaube, sie zu heiraten, musst du die Geschichte mit Cecily klären. [Es läutet]

Jack. Cecily! Was in aller Welt meinst du? Algy, was meinst du mit Cecily! Ich kenne niemanden, der so heißt.

[Auftritt Lane].

Algernon. Bringen Sie mir das Zigarettenetui, das Mr. Worthing im Raucherzimmer gelassen hat, als er das letzte Mal hier mit uns speiste.

Lane. Sehr wohl, Sir. [Lane ab]

Jack. Willst du damit sagen, dass du mein Zigarettenetui die ganze Zeit gehabt hast? Ich wünschte, du hättest mir Bescheid gegeben. Ich habe deswegen bereits verzweifelte Briefe an Scotland Yard geschrieben. Fast hätte ich noch eine hohe Belohnung darauf ausgesetzt.

Algernon. Ich wünschte, das hättest du getan. Rein zufällig bin ich gerade noch knapper bei Kasse als sonst.

Jack. Jetzt, wo das Ding gefunden wurde, macht es ja wohl keinen Sinn mehr, eine auszusetzen.

[Auftritt Lane mit dem Zigarettenetui auf einem Tablett. Algernon nimmt es sofort an sich. Lane ab].

Algernon. Ich muss schon sagen, ich finde das ziemlich gemein von dir, Ernest. [Öffnet das Etui und inspiziert es] Aber das macht nichts, denn jetzt gerade, wo ich die Inschrift betrachte, stelle ich fest, dass dir das Ding gar nicht gehört.

Jack. Natürlich gehört es mir. [Geht auf ihn zu] Du hast mich hundertmal damit gesehen, und du hast überhaupt kein Recht zu lesen, was da drin steht. Es ist nicht gerade gentlemanlike, im Zigarettenetui anderer Leute zu spionieren.

Algernon. Ach was! Es ist schlicht absurd, irgendeine Regel aufzustellen, was man lesen darf und was nicht. Mehr als die Hälfte unserer modernen Kultur beruht auf Dingen, die man nicht lesen sollte.

Jack. Ich bin mir dessen durchaus bewusst, aber ich habe nicht vor, mit dir über moderne Kultur zu diskutieren. Über so etwas sollte man überhaupt nicht unter vier Augen sprechen. Ich will einfach nur mein Zigarettenetui zurück.

Algernon. Gut; aber das hier ist nicht dein Zigarettenetui. Dieses Zigarettenetui ist ein Geschenk von jemandem namens Cecily, und du sagtest eben, du würdest niemanden kennen, der so heißt.

Jack. Nun, wenn du es unbedingt wissen musst – zufälligerweise ist Cecily meine Tante.

Algernon. Deine Tante!

Jack. Ja – und eine reizende alte Dame obendrein. Lebt in Tunbridge Wells. Gib's mir einfach zurück, Algy.

Algernon. [Geht zurück zum Sofa] Aber warum nennt sie sich "kleine Cecily", wenn sie deine Tante ist und in Tunbridge Wells lebt? [Liest] "Von der kleinen Cecily, in inniger Liebe."

Jack. [Geht zum Sofa und kniet sich darauf] Mein lieber Freund, was um alles in der Welt soll das? Manche Tanten sind groß, andere Tanten nicht. Das ist eine Sache, die eine Tante doch sicher selbst entscheiden darf. Du glaubst anscheinend, dass jede Tante genau wie deine sein muss! Das ist geradezu absurd! Um Himmels willen, gib mir mein Zigarettenetui zurück! [Folgt Algernon durch den Raum]

Algernon. Aha. Aber warum nennt deine Tante dich ihren Onkel? "Von der kleinen Cecily, in inniger Liebe für ihren Onkel Jack." Ich gebe zu, es spricht nichts dagegen, dass eine Tante auch klein sein kann, aber warum eine Tante, egal wie groß sie sein mag, ihren Neffen Onkel nennt, erschließt sich mir nicht ganz. Außerdem ist dein Name ja nicht Jack, sondern Ernest.

Jack. Ich heiße nicht Ernest, sondern Jack.

Algernon. Du hast mir immer erzählt, dein Name sei Ernest. Ich habe dich allen als Ernest vorgestellt. Du hörst auf den Namen Ernest und siehst obendrein so aus, als ob du so heißen würdest. Du bist der ernst-hafteste Mensch, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Es ist völlig abwegig, dass du behauptest, dein Name sei nicht Ernest. Außerdem steht er auf deinen Karten. Hier haben wir eine davon. [Nimmt sie auf] "Mr. Ernest Worthing, B. 4, The Albany." Ich behalte sie als Beweis, dass dein Name Ernest ist – nur für den Fall, dass du jemals versuchen solltest, dies mir, Gwendolen oder sonst jemandem gegenüber abzustreiten. [Steckt die Karte in seine Tasche]

Jack. Nun, in der Stadt heiße ich Ernest und auf dem Land Jack, und dieses Zigarettenetui habe ich auf dem Land bekommen.

Algernon. Schön und gut, aber das erklärt noch lange nicht die Tatsache, dass dich deine kleine Tante Cecily, die in Tunbridge Wells lebt, ihren lieben Onkel nennt. Komm schon, alter Knabe, du solltest besser jetzt gleich den Mund aufmachen.

Jack. Mein lieber Algy, du redest schon wie mein Zahnarzt. Es ist übrigens ausgesprochen geschmacklos, wie ein Zahnarzt zu reden, wenn man keiner ist. Es erweckt einen falschen Eindruck.

Algernon. Das ist genau das, was Zahnärzte für gewöhnlich immer tun. Aber jetzt weiter! Erzähl' mir die ganze Geschichte. Ich habe dich schon immer im Verdacht gehabt, ein eingefleischter und heimlicher Bunburyist zu sein, und jetzt bin ich mir ganz sicher.

Jack. Ein Bunburyist? Was in aller Welt meinst du mit Bunburyist?

Algernon. Ich werde dir die Bedeutung dieses einzigartigen Ausdrucks erst offenbaren, wenn du so freundlich bist, mir zu erklären, warum du in der Stadt Ernest und auf dem Land Jack heißt.

Jack. Dann aber erst her mit meinem Zigarettenetui!

Algernon. Bitte schön! [Gibt ihm das Etui] Und jetzt schuldest du mir deine Erklärung; aber bitte, lass sie so ungewöhnlich wie möglich klingen. [Setzt sich aufs Sofa]

Jack. Mein lieber Freund, an meiner Erklärung ist überhaupt nichts ungewöhnlich. Sie ist sogar ganz und gar gewöhnlich. Der alte Mr. Thomas Cardew, der mich als kleinen Jungen adoptierte, machte mich testamentarisch zum Vormund seiner Enkelin Miss Cecily Cardew. Cecily, die mich aus Gründen des Respekts, die du unmöglich verstehen würdest, als ihren Onkel bezeichnet, lebt bei mir auf dem Lande in der Obhut ihrer bewundernswerten Gouvernante, Miss Prism.

Algernon. Und wo auf dem Lande wäre dies, nur so nebenbei gefragt?

Jack. Das geht dich überhaupt nichts an, mein Junge, und du wirst niemals dorthin eingeladen werden – aber ich verrate nicht zu viel, wenn ich dir sage, dass der Ort nicht in Shropshire liegt.

Algernon. Das habe ich bereits vermutet, mein lieber Freund! Ich kenne Shropshire nämlich wie meine Westentasche. Aber fahre bitte fort. Warum bist du Ernest in der Stadt und Jack auf dem Land?

Jack.