Von Levin und anderen Pferden - Sven Bastmann - E-Book

Von Levin und anderen Pferden E-Book

Sven Bastmann

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Beschreibung

Frei nach dem Motto "Was passiert eigentlich, wenn unerfahrene Reiter sich ein junges Pferd anschaffen?" schildert der Autor in diesem kleinen Buch auf sehr lebhafte und recht witzige Weise viele persönliche Erlebnisse mit seinem und auch anderen Pferden. Wer gerne herzhaft lachen oder sich einfach mal mit der "Welt der Pferde" beschäftigen möchte, liest hier richtig. Auf leicht verständliche und nachvollziehbare Art wird der Leser nicht nur auf einen Pferdehof entführt, sondern vom Autor auch schon mal kurzerhand zu einem besonderen Turnier mitgenommen.

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Seitenzahl: 372

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Sven Bastmann

Von Levin und anderen Pferden

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Vor Levin

Bekanntschaften

Erste Begegnungen

Löcher im Schnee

Weiße Bettlaken

Ein Sofa mit vier Hufen

Ketten im Stall

Halfterlos

Mineralien und co

Boxenstopp mit Folgen

Ein Führstrick mit nix

„Pöpöchen“ voll

Banana-Joe

Diebesgut

Qualitätstest für Tangas

Bottichspielchen

Warum vier Bäuche einer zu viel sind

Heudiebe

Erdbeben im Dunkeln

Das passt schon noch…

Bodo

Nachruf

Scharfe Spachtel

Reiterstübchen

Abflug ins „Grüne“

Das achte Gebot

Bauchbrettmacher

Ausgegnubbelt

Lilli lässt bitten…

Der dritte Babypopo

Bleibarren zum Frühstück

Gewitter

Ponyreiten für Eltern

Die Popobombe

Nobby

Ein sehr sehr gutes Pferd

Spießrutenlauf

Geschirrtücher

Stahlbalken

Kein Problem?

Das große Flattern

Abgenabelt

„Ja, wo laufen sie denn?“

Koppeltaxi

Völlig selbstbewusst…

Ein Wolf im Maul

Von „Schäpperkästen“ und Bussen

Flatterkram

Das Training beginnt…

Hengstparade

Herr Schröder

Unter Volldampf

Aus Versehen eingeritten

Das hat er ja noch nie gemacht…

Veronika

Die Kammer des Schreckens

Harem

Schuheversenken

Sitz und bleib!

Widerstand ist zwecklos

Hast du fertig?

Fliegende Hirsche

War ich das etwa?

Gruselig

Reitertag

Doppelseitiger Auswurf

Der zweite Versuch

Gegen die Regeln

Angst

Langer Absprung

Unlongierbar

Blockade im Kopf

Ein paar abschließende Worte

Impressum neobooks

Vorwort

Nicht jeder Mensch hat Erfahrung mit Pferden. Die meisten begegnen diesen stolz anmutenden und schönen Tieren wohl eher zufällig bei einem Spaziergang mit der Familie in ländlichen Gegenden. Da stehen diese friedlich grasend auf der Koppel und werden dabei bestaunt. Oft höre ich dann den Wunsch der Kinder oder Jugendlichen an ihre Eltern, dass sie ein Pferd haben möchten und reiten wollen. Viele junge Menschen hegen den Traum vom eigenen Pferd. Hat dieser doch irgendwie etwas Abenteuerliches an sich. Ich hatte als Jugendlicher ebenfalls diesen Wunsch, welcher aber erst viel später in meinem Leben, mehr oder weniger durch einen Zufall, in Erfüllung ging.

Es gibt einen weisen Spruch, der besagt, dass junge unerfahrene Reiter sich ältere erfahrene Pferde zulegen und erfahrene ältere Reiter sich den jungen Tieren widmen sollten. Was passiert aber, wenn man gegen diese „Regel“ verstößt und sich als mit Pferden unerfahrener Mensch ein noch nicht ausgebildetes junges Tier kauft? Genau das erzähle ich in diesem Buch.

Alle fleißigen Leser, die sich in den beschriebenen Ereignissen widerfinden sei gesagt, dass ich hier so einiges literarisch etwas aufgewertet habe. Also nehmt nicht alles bis ins kleinste Detail ernst. Es ist eher eine Schilderung aus meiner persönlichen Sichtweise und muss nicht mit Eurer übereinstimmen.

Sven Bastmann

Mai 2018

Vor Levin

Ja, es gab wirklich eine Zeit vor Levin. Ich weiß zwar nicht mehr genau, wie das so war, aber es gab sie. Es gibt da einen Spruch, den ich hiermit nicht widerlegen, aber auch nicht bestätigen kann: „Rentner haben niemals Zeit.“. Nun ja, Pferdebesitzer, die keine Rentner sind, auch nicht. Vorher ging es mir wie vielen anderen Menschen. Den ganzen Tag vor dem PC im Büro, danach Abendbrot und Fernseher an. Ab und zu mal Urlaub und dann war da ja auch noch der Hund… Na, erkennst du dein Leben wieder? Ach ja, da war natürlich noch mehr. Nach der Arbeit ins Fitnessstudio einige Kilos abspecken. Schließlich braucht man ja „ausreichend Bewegung“. Übrigens, bei einigen Menschen sehe ich das Fitnessstudio doch etwas kritisch. Zuerst isst man zu viel. Das kostet manchmal richtig Geld. Danach hat man aber nicht die Bewegung, um die Kalorien wieder „abzubauen“. Nun stellt man fest, dass doch ein paar Kilos zu viel auf der Waage angezeigt werden, was Männer auch ohne weitere Gerätschaften am Bauchumfang leicht erkennen können. Nun aber ab ins Fitnessstudio, was aber auch wieder nicht ganz kostenlos ist. Man braucht ja nicht unbedingt einen Waschbrettbauch, aber ein bisschen weniger kann‘s ja schon sein… Erkennt ihr den „Kreislauf“? Ich ging zwar nicht in die „Schwitzbude“, aber ähnlich war es allemal, bis zu jenem Tag...

Bekanntschaften

Eine meiner großen Leidenschaften ist fotografieren. Im Auftrag eines Kunden machte ich auf einem freien Gelände gerade Landschaftsfotos. Dabei wurde ich von einem sehr sporadisch gekleideten Mitbürger angesprochen, der einige Infos über unsere Kleinstadt, in der ich wohne, haben wollte. Wir kamen dann so ins Gespräch, verabredeten uns auch mehrere Male. Nun ja, eines Tages erwähnte er, dass er ein Pferd hätte, was sich hier in unmittelbarer Nachbarschaft befand. Da ich vor 30 Jahren einmal eine gute Beziehung zu Pferden hatte, wollte ich mir dieses Tier einmal persönlich anschauen, was dann auch umgehend in die Tat umgesetzt wurde. Nur zu Eurer Info: Es handelte sich hier um die Mutter von Levin, der erst später zum Gespräch wurde. Während alle das Pferd bestaunten, gab es auch meine erste sehr unangenehme Bekanntschaft mit einem Elektrozaun. Vorweg: Nein, ich habe nicht aus Versehen dagegen gelullert. Es regnete. Die Koppel, auf der die Stute stand, war natürlich mit jenem bereits erwähnten „hochvoltgeladenen“ kleinen Draht umspannt. An sich nichts groß zu erwähnendes. Nur wenn einer eben diesen kleinen Draht mit dem Fuß herunter tritt, ich mit einem Bein auf der Koppel stehe und dieser dann den Fuß von Draht nimmt, na wo landet dieser dann? Genau, in der „Autschzone“. Wenn dann die Hosen an dieser Stelle vom Regen etwas feucht sind und die Schuhe auch, na dann passt mal auf, wohin bzw. wo hindurch die vielen kleinen Elektrönchen wandern und wie wach ihr in maximal drei Sekunden seid… PS: Macht unmittelbar danach besser keine Termine mit Frauen aus.

Aber Spaß bei Seite. Einige Tage später wurde Primora, so hieß die Stute, von der Koppel in ihr Winterquartier gebracht. Da der Besitzer wegen einer dringenden Angelegenheit nach Sachsen-Anhalt musste, sollten wir uns während seiner Abwesenheit um Primora kümmern, was wir auch taten. Während dieser Zeit telefonierten wir mehrmals mit dem Besitzer, wobei er uns auch den eigentlichen Grund seiner Abwesenheit mitteilte, nämlich Primoras Fohlen Levin. Er wurde auf Raten verkauft. Diese wurden aber vom neuen Besitzer nicht gezahlt und nun hat er Levin wieder bei sich im Stall. Genau hier beginnt eigentlich die Geschichte…

Da ich persönlich mit Primora bestens klar kam und feststellte, dass der Umgang mit einem Pferd richtig Freude machen kann, hatte ich zunächst für mich ganz allein den Entschluss gefasst, mir früher oder später ein solches zuzulegen. Also machte ich dem Besitzer von Primora telefonisch folgendes Angebot: „Da du nicht weißt, wohin mit Levin und ihn dort auch niemand haben will, bringst du diesen einfach mit zu uns. Ich besorge eine Unterkunft und auch alles weitere. Alle Kosten übernehmen wir. Du bleibst aber erst einmal der Besitzer. Wir schauen dann erst mal, ob wir mit Levin klarkommen und werden diesen dann evtl. auch kaufen. Du gehst also eigentlich kein Risiko ein.“ Er stimmte diesem zu. Abgemacht war abgemacht.

Erste Begegnungen

Der Tag, an dem alles anders wurde, war der 13. März 2013. Da kam Levin. Zunächst im Pferdehänger zu uns nach Hause. Das erste, was ich außer ein paar Fotos von ihm sah, war sprichwörtlich sein Hinterteil. Das war dann auch alles bis zur Weiterfahrt zum Pferdehof, wo ich eine Box für ihn gemietet hatte. Dort angekommen, wurde die Hängerklappe geöffnet und heraus trat „seine Struppigkeit, King Levin“. Da standen wir uns nun beide das erste Mal persönlich gegenüber. Mein erster Eindruck: „Oh mein Gott ist der groß. Wieso ist er eigentlich so dürre?“ Im Gegensatz dazu Levins Gedanken: „Mein Gott, wo bin ich denn hier und wer ist das denn? Wieso guckt der mich so blöd an?“ Das sollte er am nächsten Tag erfahren…

Laut Absprache mit dem (Noch-)Besitzer von Levin wollten wir uns in dieser Woche jeden Tag im Stall treffen um „Pferd zu lernen“. Ach so, da war doch noch was… und zwar meine Frau. Die wusste bis dato noch gar nichts davon. Ihr habe ich natürlich ein paar Tage vor der Ankunft Levins beichten müssen, was los ist. Ihr Kommentar dazu: „Was sollen wir denn mit einem Pferd? Wir können doch gar nicht reiten und von Pferdeerziehung haben wir auch keine Ahnung.“ Trotzdem setzte ich mich durch, denn wenn Papa sich erst mal was in den Kopf gesetzt hatte… Viele Frauen kennen das, glaube ich…

Löcher im Schnee

Am darauf folgenden Tag sollte es mit Levin erst mal spazieren gehen. Nur der Geduld von Levin ist es zu verdanken, dass wir nun genau wussten, wie man ein Halfter nicht anlegt. Der dachte bestimmt, die sind bescheuert. (in gewisser Weise waren wir das ja auch noch). Draußen lag immer noch viel von der weißen Pracht, von der wir schon länger genug hatten. Ich war als erstes dran. Der Stall liegt in einem kleinen Dorf. Auf der Dorfstraße ist immer wenig los, endet diese doch am letzten Haus. Hier ging es also lang. Die ersten Meter verliefen „ohne weitere Vorkommnisse“. Dann kam aber doch was in Form eines mittleren Baulochs unter der Schneedecke. Stell dir einmal folgende Situation vor: Du bist Neuling bei Pferden und hast einen „Höllenrespekt“ vor ihnen. Du hast das erste Mal ein großes Tier neben dir am Führstrick laufen… und dann trittst du ausgerechnet in eben dieses Loch. Pferdekenner werden nun sagen, „Oh Ohhh…“ Berechtigt! Aber es kam anders. Nein, ich landete nicht auf der Nase und auch das Pferd sprang nicht weg, ging durch oder ähnliches. Nein, nicht Levin! Ich verschwand also mit beiden Füßen im besagten Loch und hing infolge dessen plötzlich in einer doch etwas merkwürdig anmutenden Haltung am Führstrick. Die Reaktion des Pferdes kann ich anhand seiner Blicke im Nachgang etwa so interpretieren: „Hey Alter, wo willst du denn hin? – Komm mal raus da…“ Und er half mir raus da. Souverän und ohne schnelle Bewegungen wurde ich immer noch etwas unbeholfen am Strick hängend herausgezogen und wieder auf die Beine gestellt. Danach wurde ich regelrecht „abgecheckt“ nach dem Motto: „Alles klar bei dir?“ Wohl etwas dümmlich dreinschauend erntete ich nun auch noch die Lacher der anderen aus dem Hintergrund. Das war also mein erster kleiner „Unfall“ mit Levin. Mein Fazit: Ich hätte nicht gedacht, dass ein Pferd so viel Kraft im Hals hat, einen ca. 75 kg schweren Menschen ohne zu schwanken anzuheben.

Weiße Bettlaken

Ein frisch bezogenes Bett kennt und liebt wohl jeder. Zuvor wird natürlich die Bettwäsche gewaschen und entsprechend getrocknet. Am besten auf einer Wäscheleine im heimischen Garten. Wenn nun noch etwas Wind weht, ist dieses der perfekte Trocknungsgang und jede Hausfrau ist entzückt. Nur Anke, eine meiner Reitbeteiligungen, ist das nun nicht mehr und das kam so…Einen Tag später gingen wir wieder mit Levin durch das besagte Dorf spazieren. Dieses Mal war Anke dran und ich ging neben ihr. Das Wetter war eigentlich wunderschön. Sonne pur und eine leichte Brise. Alles war auf „Entspannung gepolt“, selbst Levin. Wir waren fast am Ende der Straße angekommen, da erfreute sich zwischen zwei Häusern vorhin benannte Hausfrau über ihre superweiße Bettwäsche auf der Leine. Nur Levin hatte dafür überhaupt kein Verständnis. Er bekam einen derartigen Schreck, dass er… nö, nein, er ging nicht durch hä, hä… Er setzte sich ähnlich einem Hund auf seinen Hintern. Ihr müsst euch das einmal bildlich vorstellen. Da steht Anke mit einem Sitz machenden Pferd mitten auf der Dorfstraße und beide schauen sich doch etwas merkwürdig an. Den darauffolgenden Lacher löste dann ihre völlig cool gestellte Frage aus: „Und was soll ich jetzt machen?“ Nun, Levin löste die Situation schneller auf, als wir erwartet hatten. Er stand einfach wieder auf und hatte es dann sehr eilig, an den wehenden gruseligen Bettlaken vorbei zu kommen. Ab diesem Tag hatten wir bei jedem Spaziergang eine auf wehende Bettlaken „geeichte“ Anke. Oh, wie gruselig.

Ein Sofa mit vier Hufen

Das gibt es nicht? Doch. Zu jedem gemütlichen Wohnzimmer gehört in der heutigen Zeit ein ordentliches Sofa. Verzeihung, heute heißt das, so glaube ich, „Sitzlandschaft“. Da wir noch unser Haus abzahlen mussten (Hurra, wir hatten nur noch ein Jahr…), war unser Sofa doch schon etwas älter. Viele Hausbesitzer kennen das. Sehr zur Freude meiner Frau hatten wir uns vor einiger Zeit entschieden, genau in diesem Jahr unser „Neues“ zu kaufen. Diese Entscheidung viel aber, bevor wir (zunächst ich) überhaupt wussten, dass wir bald Pferdebesitzer sind. Aber es kommt ja immer anders, als man denkt…Am dritten Tag nach Levins Ankunft trafen wir uns zu einer Vorführung des (Noch-)Besitzers auf dem Reitplatz. Er wollte uns dort noch einiges mit Levin zeigen, was er auch tat. Leider hat er es zum Schluss mit der „Erziehung“ aus unserer Sicht übertrieben. Es war doch ziemlich „hart“ anzusehen. Pferdekenner werden nun sagen: „Junge Pferde brauchen eine strenge Hand.“ – aber so streng nun auch nicht. Das kann ich jetzt ganz gut einschätzen. Danach trafen wir uns zu einem Kaffee im Reiterstübchen. Nach netter allgemeiner Unterhaltung im Beisein vieler anderer Einsteller und Praktikanten meinte er urplötzlich und ohne die Miene zu verziehen, wenn wir Levin nicht sofort Kaufen, nimmt er ihn wieder mit zurück. Plötzlich herrschte Stille in der gesamten Runde. Ich kann diese Reaktion bis heute nicht nachvollziehen. Auf meine nochmalige Nachfrage erntete ich die Antwort: „Es war doch schon immer so abgemacht gewesen.“ Nun ja. Wir hatten genau zwölf Stunden Zeit, um uns zu entscheiden. Welche Diskussionen dieses bei uns zu Hause auslöste, muss und möchte ich hier nicht näher Schildern. Am Ende jedenfalls haben wir uns entschieden, dass die Anschaffung unseres neuen Sofas, auf das sich meine Frau ja so gefreut hatte, auf ein Jahr verschoben wird und wir stattdessen Levin käuflich erwerben. Und so kam es, dass das neue Sofa meiner Frau nun mit vier Hufen auf der Koppel steht.

Ketten im Stall

Stahlketten mit Schlössern in einem Pferdestall wird man vielerorts wohl vergeblich suchen. Im Stall des Pferdehofes hängt nun aber eine als Mahnmal an der Wand. Sie soll alle und ganz besonders uns daran erinnern, wie man ein Pferd nicht kauft…

Pferdekauf ist immer noch Ehrensache. Dieser wird mit einem Kaufvertrag und Übergabe der zum Pferd gehörenden Papiere (Pferdepass und Besitzurkunde) meistens in bar abgewickelt. Besiegelt wird das Geschäft dann noch per Handschlag. Durch merkwürdige Umstände, welche ich hier nicht näher erläutern möchte, hatten wir bei der Geldübergabe zwar den Pferdepass aber nur eine sehr gut gemachte Kopie der Besitzurkunde in den Händen. Zum Glück wurde ich von einigen Einstellern im Vorfeld informiert und konnte nun zwischen echten und „unechten“ Urkunden unterscheiden. In Folge dessen wurde der Kauf von mir zunächst um eine Woche verschoben damit der (Noch-) Eigentümer die „echte“ Urkunde beschaffen konnte worauf hin dieser ein wirklich merkwürdiges Verhalten an den Tag legte. Angesichts dieser Umstände und der Tatsache, dass wir Levin nun unbedingt kaufen wollten (wir hatten ja den von beiden Seiten unterschriebenen Kaufvertrag in den Händen), sahen wir uns dazu gezwungen, Levins Box nachts regelrecht zuzuketten. So konnte der (Noch-)Eigentümer, der ja immer noch mit dem Pferdehänger in der Gegend war, nicht heimlich (unseren) Levin einladen und im „Dunst verschwinden“. In solch einer Situation kommt man auf echt komische Gedanken.

Aber letztlich funktionierte dann doch alles. Wir waren zwar um „ein Sofa“ ärmer aber hielten glücklich die echte Besitzurkunde in den Händen. Damit hatte sich die Kette erledigt und hängt, wie oben bereits gesagt, nun dauerhaft als Mahnmal an der Wand im Stall. Wir hoffen, dass diese niemals zu vorbenannten Zwecken jemals wieder benötigt wird – „Hänge für alle Zeiten sanft und in Ehren!“.

Halfterlos

Wenn man ein Pferd kauft, gehört eigentlich das Halfter und in den meisten Fällen die Putzkiste dazu. Nun, als wir am nächsten Tag als glückliche Pferdebesitzer in den Stall kamen, war beides verschwunden. Unser Pferd stand förmlich nackig in der Box. Der Vorbesitzer war vormittags gekommen und hat beides einfach mitgenommen. Also mussten wir erst mal beides neu besorgen, was uns auch gelang. Noch am gleichen Tag holten wir jetzt unseren Levin mit neuem Halfter aus der Box und putzten ihn mit den Utensilien aus seiner „neuen Putzkiste“. Dieses nur zur Info.

Mineralien und co

Levin war für sein Alter doch etwas unterentwickelt und auf seinen Rippen konnten wir „Klavier spielen“. Auch mussten wir feststellen, dass er jedes Mal, wenn wir durch die Stalltür kamen und ihn in seiner Box begrüßten, mit so ein bisschen Angst in den Augen weiterhin zu Tür schaute. Man kann da ja so einiges hineininterpretieren und ich stecke ja auch nicht ihn ihm drin, aber wir alle waren der Meinung, er hatte Angst, dass der Vorbesitzer, so wie es in den letzten Tagen immer war, auch noch nachkommt. Dieser echt komische Blick zur Stalltür hatte sich aber nach ein paar Tagen gegeben.

Aufgrund seines Zustands besorgten wir zunächst einmal einen wirklich großen Eimer mit speziellen Mineralstoffen für ihn. Er bekam nun täglich Hafer und eben zusätzlich einen Messbecher voller dieser Mineralien. Kennen Sie den Spruch „Was für mein Pferd gut ist, kann für mich nicht schlecht sein“? Das mag in gewisser Richtung auch stimmen, aber…

Also, die Mineralienmischung aus dem besagten Eimer roch gewaltig nach Erd- oder Himbeeren. Echt großartig. Da ich nun mal ein neugieriger Mensch bin und einfach mal probieren wollte, wie die „Himbeermischung“ schmeckt, nahm ich mal einen feuchten Finger davon in den Mund. Im Nachhinein kann ich euch sagen: Lasst es, solange ihr nüchtern seid. Nach dem fünften Bier oder so mag man ja nicht mehr so viel merken, aber brauchen tut man das wirklich nicht. Für alle Unbelehrbaren sei hier gesagt: Es ist durchaus eine Erfahrung wert.

Boxenstopp mit Folgen

Levin hatte trotz aller Härte eine gute Erziehung genossen. Leider, so brachte ich nun in Erfahrung, manchmal wohl eine etwas zu gute. Er war jung und wie wohl die meisten seiner Art, manchmal etwas „übernervös“. Nun ja. Das folgende Ereignis führte jedenfalls zunächst erst einmal dazu, dass meine Nerven etwas sehr überstrapaziert wurden. Andererseits war es ein Amüsement für alle anderen zufällig Anwesenden. Ganz nebenbei, es war das erste Mal, dass mein Pferd mit einer Situation schneller klarkam als ich.

Levin war noch ziemlich neu im Stall und wurde zunächst in einer schönen großen Box gehalten. Wie fast jeden Tag brachten wir ihn, nach dem Putzen etc. zurück in seine Box. Da wir Neulinge in der Pferdehaltung waren, machten wir das natürlich ganz vorschriftsmäßig. Pferd in die Box führen, scharfe Kurve nach rechts bis Levin mit dem Kopf zur Boxentür steht, dann Halfter ab usw. Der (nun endliche) Vorbesitzer hatte uns (und auch dem Pferd) beigebracht, Levin die linke Hand vor das linke Auge zu halten und danach mit ihm die Rechtsdrehung zu gehen. So schön, so gut. Das funktionierte auch super, eigentlich. Aus irgendwelchen Umständen, die ich heute nicht mehr genau weiß, baumelten in meiner linken Hand so ca. 4 cm vom Führstrick lose herunter, als ich ihm die Hand vors Auge hielt. Holla, die Reaktion war wirklich heftig und schnell. Schneller als ich im ersten Moment denken konnte. Levin sprang wie ein Floh einmal ganz um mich herum und blieb genau gegenüberstehen. Er stand mir nun genau gegenüber, sozusagen Angesicht zu Angesicht. Ich hingegen befand mich immer noch in meiner „Schreckstarre“ und hielt ihn nur noch mit dem letzten Zentimeter des Führstricks fest. Aus dem Hintergrund hörte ich dann jemanden sagen: „Guck mal, die beiden sehen sich an wie zwei Ochsen.“ Während ich zunächst erst mal meine Gedanken sortierte frei nach dem Motto: „Was war das denn?“ erholte sich Levin schneller von seinem Schreck und kam vorsichtig und langsam auf mich zu. In diesem Moment kam in mir aber mein Erbgut aus irgendwelcher Steinzeit kopfmäßig zum Vorschein. Der Gedanke hieß – Flucht – ich will hier raus oder so. Ich hatte aber dabei nicht mit den sich immer noch köstlich amüsierenden Menschlein in der Stallgasse gerechnet. Die setzten jetzt noch einen drauf. Sie machten schnell die Boxentür zu und verriegelten diese. Anschließend reichten sie mir einen Apfel mit den ironisch betonten Worten: „Du musst dem kleinen doch noch sein Äpfelchen geben.“ Ich stopfte dem armen und an dieser Situation nun wirklich unschuldigen Levin, der mittlerer weile freudig erregt hinter mir stand, den gesamten Apfel auf einmal ins Maul. Wie gesagt, die Urinstinkte „Flucht“ und „schnell weg hier“ geisterten immer noch in meinem Kopf umher. Als ich mich nun endlich, so dachte ich, aus der Situation erlösen konnte, folgte im gleichen Tonfall die Ansage: „Vergiss auch nicht, ihm das Halfterchen abzunehmen.“ Schon leicht zitternd bekam ich den Karabinerhaken nicht gleich auf und riss dem armen Kerl einfach das gesamte Halfter ungeöffnet über die Ohren. Da ihm dieses vermutlich weh tat, machte Levin abermals einen kleinen Sprung nach hinten der vorhin besagten Urinstinkten neue Nahrung gab. Dieses entging auch leider nicht der nun schon heftig lachenden Menge. Was nun folgte, empfand ich in diesem Moment als wirklich heftig und es weckte einen neuen Urinstinkt in mir, den ich hier besser nicht erwähnen möchte. Ihr kennt diesen aber, denn er hat etwas mit einer roten Flüssigkeit zu tun… Den endgültigen „Supergau“ in Richtung „Lacher“ löste der noch ironischer gesprochene Satz: „Oh, nun geh mit dem Kleinen doch noch ein bisschen kuscheln und streichel ihm doch noch die Öhrchen.“ aus. Dann machten sie endlich die Boxentür auf und ich konnte zumindest meinen ersten Urinstinkt „Flucht aus der Box“ ausleben. Mein persönliches Fazit aus der ganzen Sache: In dieser Situation hat Levin schneller und souveräner reagiert als ich.

Ein Führstrick mit nix

Nach dieser einschlägigen Erfahrung hatte ich zunächst eine gehörige Menge Respekt vor Pferden. Reiter kennen dieses Gefühl. Wenn man beim Reiten einmal vom Pferd fällt, sollte man sofort wieder aufsteigen und dort weitermachen, wo man gerade aufgehört hat (sofern das natürlich noch geht). Aber nun zurück zu Levin.

Eines Tages hörte eine Bekannte davon, dass wir ein Pferd haben. Sofort wurde ein Termin vereinbart. Sie wollte unbedingt bei Levin mitmachen.Wir trafen uns also auf dem Pferdehof, holten Levins Halfter und gingen auf die Koppel, diesen zu holen. Ach ja, da war ja noch etwas Entscheidendes. Einen Tag zuvor hatte ich herrlich duftende Himbeer-Leckerlis für Pferde in der Hosentasche gehabt. Aus diesem Grund ging ich quasi mit einem super nach Himbeeren duftenden Hintern auf die Koppel, was natürlich einigen Pferden nicht entging. Zur Herde gehörte damals auch ein etwas spät gelegter grauer Wallach, welchen wir aber noch nicht so kannten. Dieser wurde von seinem Besitzer entgegen aller guten Regeln immer auf der Koppel mit Leckerlis gefüttert und hatte auch sonst ein etwas ruppiges Benehmen. Nun ja, wir gingen also mit Halfter bewaffnet und absolut selbstbewusst zu Levin, der sich auch sichtlich freute uns zu sehen. Hinter uns, sozusagen im Gänsemarsch, folgten einige andere Pferde der Duftspur meines Hinterns, was uns aber zunächst nicht beunruhigte. Waren dieses doch gut alles erzogene Tiere. Levin zeigte sich von seiner ganz charmanten Seite und senkte sogar den Kopf, damit wir ihm das Halfter anlegen konnten. Wir waren so sehr damit beschäftigt, dass wir gar nicht bemerkten, wie sich von der Seite her auch dieser zuvor erwähnte graue Wallach näherte. Meine Bekannte hatte nun endlich Levin glücklich an der Führleine, als „Graui“ diesem plötzlich mit angelegten Ohren in den Hals biss. Levins Reaktion erfolgte natürlich sofort. Er sprang seitlich nach vorne weg. Spätestens ab jetzt wussten wir um die glorreiche Funktion eines Panikhakens. Ein Lob dem Erfinder. Anschließend kam der „Beißer“ mit immer noch mit nach hinten angelegten Ohren auf uns zu und biss meiner Bekannten hinten in den Kragen des Pullovers. In diesem Moment schmolz unser selbstbewusstes Auftreten zu gar nichts mehr dahin und wir traten, verfolgt von „Graui“, dicht am Elektrozaun den ungeordneten Rückzug an. Dieser schien sich einen Spaß damit zu machen, meine Bekannte immer wieder vor sich her zu schubsen. Auf halben Weg zum Ausgang der Koppel stellte sich uns nun auch noch ein wahrer Riese namens Big-Boy in den Weg. Nur zu eurem Verständnis, Big-Boy ist das größte Pferd auf dem ganzen Hof und ich kannte seinen Charakter damals noch nicht. Versetzt euch mal in unsere Situation. Hinter uns der „Schubser und Beißer“ und vor uns „Gigantus“… In diesem Moment dachten wir ehrlich bereits daran, über den Elektrozaun auf die Nachbarkoppel zu springen oder so. Aber dann kam es anders, wofür ich Big-Boy heute noch dankbar bin. Er blieb zunächst mit dem Kopf zu uns in unserer „Fluchtspur“ stehen so dass wir genau auf ihn zuliefen. Als wir bis auf ca. drei Meter vor ihm waren, machte er einen Schritt nach rechts, so dass wir zwischen dem Koppelzaun und ihm flüchtender Weise hindurch gehen konnten. Als wir vorbei waren, machte er sozusagen wieder dicht und versperrte „Graui“ dadurch den Weg. Als dieser dann in seiner Reichweite war, versetzte er ihm mit seinem Vorderhuf einen gewaltigen Schlag vor die Brust. Ich muss gestehen, irgendwie kam in mir so ein bisschen Schadenfreude gemischt mit einem Gedanken an Blutwurst und „Stinkefinger“ auf. Anschließend „eskortierte“ uns Big-Boy in gebührendem Abstand bis zum Ausgang. Nun standen wir beide da mit einem Führstrick ohne Halfter und Pferd, sozusagen mit nix. Nach einer „Beschwerdenote“ an die Chefin, welche diese lächelnd zur Kenntnis nahm, kam sie dann mit auf die Koppel und wir konnten unseren Levin endlich holen. Hier wurde uns von ihr auch die Situation erklärt. „Durch meinen „Himbeerhintern“ dachte „Graui“ ich hätte Leckerlies in der Tasche und da er es ja so von seinem Besitzer gewohnt war, wollte er diese natürlich haben. Die Essenz aus der ganzen Geschichte: Möchtet ihr auf einem Pferdehof mal jemanden richtig Ärgern, steckt ihm vorher heimlich die herrlichen „Himbeerleckerlies“ in die Hosentasche und lasst diesen dann ein Pferd von der Koppel holen. Passt dabei aber auf, dass genug Pferde auf dieser Koppel stehen und ihr vor allem als Beobachter vor dem Elektrozaun bleibt. Ihr und „das arme Opfer“ haben garantiert viel Spaß dabei… Ach so, ab da war Big-Boy mein persönlicher Freund und ich verstehe mich heute noch gut mit ihm.

„Pöpöchen“ voll

Irgendwann einmal muss jedes Pferd zum Hufschmied. Nicht jedes lässt dieses dann so einfach über sich ergehen. Teils aus Angst oder aber auch aus Prinzip nicht. So, wie mir das vorkam, kannte Levin gar keinen Hufschmied. Er gab zwar beim Putzen mittlerer Weile die Hufe sehr gut, aber dann kam plötzlich der Onkel mit den Zangen und Feilen… Zunächst neugierig, gab er den ersten Vorderhuf. Das funktionierte wunderbar. Auch der zweite Vorderhuf – alles gut. Wir waren erstaunt. Aber dann… man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Seinem Alter entsprechend probiert er sich gerne mal aus. So auch hier. Dass die Arbeit ein paar Momente später wegen allgemeinen Lachkrämpfen unterbrochen werden musste, ahnte hier noch keiner. Bei den Hinterhufen benötigt der Hufschmied Hilfe. Da Levin die Hufe zwar ohne Probleme nach hinten hebt, aber dauerhaft nicht selbst hochhält, wurde ihm ein breiter Riemen um den Huf gelegt, mit den jemand dann den jeweiligen Huf sozusagen stützend hochhalten muss. Da ich, sagen wir mal, körperlich etwas eingeschränkt bin, bat ich einen der „schweren Jungs“, dieses doch zu übernehmen. Nach einer Weile bemerkte ich, dass der ehrenamtliche „Hufhalter“ immer mehr Schweißperlen auf der Stirn hatte und seine Gesichtsfarbe sich langsam von normal auf rosarot änderte. Auf meine diesbezügliche Frage, ob das denn so anstrengend ist, antwortete er lächelnder weise: „Das eigentlich nicht, aber dein Pferd stützt sich hier langsam immer mehr auf.“ Das rief den „Feilenonkel“ auf den Plan. Er legte sein Werkzeug bei Seite und deutete uns an, das Feld zu räumen nach dem Motto: „Haltet mal kurz Abstand.“ Dann nahm er den breiten Lederriemen und bratzte Levin voll eine auf die linke Hinterhand. Durch die Breite des Riemens tat es ihm nicht weh, aber es kam hier auch nur auf den Knall an. Danach ging er wieder seelenruhig an die Arbeit und sagte zu mir: „Beruhige ihn vorne mal ein bisschen.“ Die ersten Worte, die mir daraufhin einfielen, waren „Siehst du, jetzt hast du Pöpöchen voll bekommen.“ Nun ja, die Reaktion erfolgte nicht sofort, aber dann… Es wurde langsam hinten das Werkzeug abermals weggelegt und das Hinterbein erneut abgestellt. Daraufhin entfernten sich die beiden „Onkels“ in Richtung Stalltür und brachen in ein schallendes Gelächter aus. Kaum, dass diese sich beruhigt hatten, wurden sie von jemanden gefragt, warum sie denn so lachten, was erneut einen Lachkrampf auslöste. Ab diesem Tag war und ist Levin beim Hufschmied sozusagen fast ein „Vorzeigemodel“. Jedes Mal, wenn nun der „Feilenonkel“ kam, erzählten wir über Gott und die Welt, aber „Pöpöchen voll“ löst immer noch Gelächter aus.

Banana-Joe

Im Winter sind viele Pferde nur tags über auf der Koppel und werden allabendlich in den Stall geholt. Da ich berufstätig bin und aus diesem Grund oftmals nur am späten Nachmittag zu Levin kann, helfe ich öfters mal mit, eben diese Pferde in ihre Boxen in den Stall zu bringen. Zu diesen Pferden gehört auch das älteste auf dem Pferdehof. Es ist eine Stute mit dem schönen Namen Direxonia, von allen aber kurz „Direx“ genannt. PS: Nur um die Besitzerin zu ärgern, ich weiß, dass Direx vorher „Gisela 2“ hieß.

Direx ist nun schon 31 Jahre alt, hält sich aber tapfer. Eines Abends wollte ich sie von der Koppel holen. Also nahm ich ihr Halfter vom Haken und begab mich auf den Weg. Bei Direx angekommen, konnte ich mich ihr aber nur bis auf drei Meter nähern. Danach wich sie mir mit angelegten Ohren nach hinten oder zur Seite aus. Auf meine Nachfrage hin wurde mir erklärt, dass sie sich nicht von Männern holen oder anfassen lässt. Direx hatte da wohl irgendwann in grauer Vorzeit ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Näheres darüber konnte mir auch die Besitzerin nicht sagen. Auf meine Aussage hin „Das muss man doch ändern können.“ erntete ich nur ein Lächeln. Hoppla, diese Herausforderung nahm ich gerne an. Ich ging zunächst erst einmal vor wie ein Detektiv - Fakten sammeln.Also, Fakt war, dass sie vor Männern mit Halfter in der Hand auf der Koppel wegläuft. Fakt war auch, dass sie keine laut sprechenden Männer mag und dann nach hinten wegspringt. In ihrer Box stehend konnte ich sie aber zumindest kurz streicheln. Auch wenn sie mich dabei sehr misstrauisch beäugte. Es halfen hier auch keine „normalen“ Leckerlies. Diese wurden schnell genommen und weg war sie. Dann kam mir „Kommissar Zufall“ zur Hilfe. Beobachtete ich doch eines Tages, wie die Besitzerin ihr eine Banane gab. Direx war sichtlich verrückt darauf. So, so, sagte ich mir lächelnd im Stillen. So eine bist du also… Mein Plan stand nun fest. Hoch lebe Banana-Joe, welcher nun immer abends, wenn Ruhe im Stall war, ganz leise kam. Dieses geschah wahrscheinlich auch sehr zur Freude der Kaufhalle und den Besitzern von einschlägigen Bananenplantagen in Südamerika oder Afrika. Unser wöchentliches Bananenaufkommen stieg gewaltig an. Meine Frau legte schon fast ein wöchentliches „Bananenbudget“ wegen der Haushaltskasse an. Aber Spaß bei Seite, zurück zu Banana-Joe und seiner Mission.Da ich weiß, dass Pferde auch Gewohnheitstiere sind, rief ich jedes Mal, wenn ich den Stall abends betrat mit gedämpfter Stimme „Hallo Direx – Banana-Joe kommt…“ Dann ging ich zu ihr, pellte voll gemein vor ihrer Nase die Banane ab und biss herzhaft ein Stück ab. Den Rest bekam sie nur stückchenweise, aber auch nur, wenn sie sich kurz von mir streicheln ließ. Dabei blieb ich aber immer außerhalb ihrer Box in der Stallgasse stehen. Dieses Spielchen ging so um die zwei Monate. Dann kam, oh, wer hätte das gedacht, von Direx selbst ein wesentlicher weiterer Schritt. PS: Danke an alle Pferdebremsen und Mücken. Diese setzten allen Pferden im Sommer eines Abends besonders zu. Auch mir. Trotz allem, auf Banana-Joe ist Verlass. Ich pellte meine Banane wieder vor der Box stehend, als ich bemerkte, dass Direx nicht wie gewohnt zu mir kam, sondern mich auffordernd ansehend drei Schritte zurück in ihre Box machte. Als ich trotzdem etwas ungläubig stehen blieb, wiederholte sie das Ganze. So, so, dachte ich mir. Sollte das etwa eine Einladung in ihre heilige (männerfreie) Box sein? Na dann. Boxentür ein Stück auf und rein mit mir in die „gute Stube“. Aber ganz vorsichtig. So verharrte ich dann und wartete auf die kommenden Dinge. Die Banane schmeckte mir Stückchen für Stückchen übrigens hervorragend und wurde auf diese Weise vor Direx Augen immer weniger. Dann kam sie mit langem Hals aber interessierten Ohren auf mich zu, ließ sich am Kopf streicheln und forderte ihr Stück Banane ein. Jetzt wurde ich mutig. Gut, ein Stückchen sei dein, aber für das nächste musst du dich schon an der gesamten Seite von mir anfassen lassen. Sozusagen: „Ohne Bauch- und Rückenkrauli nix Banane“. Ups, zwar wurde ich dabei wieder argwöhnisch beäugelt, aber sie ließ es zu. Dann begann ich die auf ihr sitzenden Bremsen und Mücken vorsichtig abzuklatschen und sie dort zu kraulen. Da es ihr dort wohl juckte, gefiel ihr das immer besser. Schließlich drehte sie mir auch noch die andere Seite von sich aus zu. Ab diesem Tag konnte ich Direx als Mann schon mal überall anfassen und später auch putzen bzw. die Hufe machen. Dann kam der „große Tag“. Jetzt wollte ich es wissen. Also, abends auf die Koppel, aber ohne Halfter zu Direx. Kein Ausweichen mehr. Banane rein ins Pferd, kurz gestreichelt und Tschüss. Nächster Abend, gleiche Veranstaltung. Nur dieses Mal kam sie schon „freudestrahlend“ auf mich zu. Am folgenden Abend rauf auf die Koppel, aber mit Halfter und ohne Umweg direkt zu Direx. Ich wurde von ihr kurz begutachtet, dann, ja dann, oh, Banana-Joe war am Ziel seiner Träume, senkte sie den Kopf und ich konnte ihr das Halfter ohne das geringste Problem anlegen. Kurz nachdem ich den Koppelzaun mit Direx am Führstrick wieder einhakte, als ich mit ihr von der Koppel war, entfleuchte mir ein leises „Jup – Mission siegreich beendet!“ Ein paar Tage später erntete ich erstaunte Blicke einiger Einsteller, als ich wie selbstverständlich aber leise grinsend, mit Direx von der Koppel kam. Nun ja, ein Mann braucht das. Noch heute kommt, wenn auch nicht mehr ganz so oft, Banana-Joe vorbei und Direx lässt sich ohne irgendwelche Probleme von mir anfassen, putzen, von der Koppel holen usw.

Diebesgut

Viele Pferdebesitzer kennen das. Wenn ein junges Pferd mal für längere Zeit in der Box stehen muss ohne groß beschäftigt zu werden, kommen diese Tiere, wenn sie denn gewitzt genug sind, schnell mal auf „Dumme Gedanken“. So auch Levin.

Witterungsbedingt (es war tiefster Winter) konnte er, wie alle anderen Pferde auch, zwei Tage nicht auf die Koppel. Als wir ihn am zweiten Tag besuchten, zeigte er sich von seiner sehr angenehmen Seite und ließ sich von mir ausführlich am Kopf streicheln. Plötzlich aber hatte er wohl anscheinend genug und verzog sich eilends in die Box zurück. Warum das so war, erfuhr ich einen kurzen Moment später, als eine andere Einstellerin, die ihr Pferd gerade in der Nachbarbox putzte, lachend mit meiner Brieftasche in der Hand auf uns zukam und fragte, wem diese denn gehöre. Was war hier passiert? Levin war passiert. Ich hatte meine Brieftasche in die äußere Brusttasche meiner Jacke gesteckt. Das hat er wahrscheinlich beobachtet. Als ich ihn dann am Kopf ausführlich gestreichelt habe, hatte er dabei aber nichts weiter im Sinn, als mir die Brieftasche aus der Jacke zu ziehen. Lustig daran war aber, dass er diese zwischen seinen Lippen haltend der Nachbarin zum Geschenk machen wollte frei nach dem Motto „Schau mal, was ich hier für dich geklaut habe…“. Wir haben später erfahren, dass er so etwas schon öfters gemacht hat. Vielleicht stellen wir mal eine kleine Kiste in eine dunkle Ecke seiner Box und bringen ihm bei, alles Geklaute dort hinein zu legen. Abends ist dann immer „Ausschüttung…“

Er hatte bzw. hat aber noch andere Sachen drauf. Zum Beispiel Hüte vom Kopf klauen. Wenn der nun hutlose Besitzer sich diesen aus der Box zurückholen möchte, den Huf daraufstellen und diesen dann mit einem auffordernden Blick der Marke „Trau dich doch, wenn du kannst…“ anzusehen. Oftmals traute dieser sich dann eben nicht und es musste „anderes Personal“ diesen „zurück erobern“. Hier kann man die Qualität vieler Hüte nach der „Zurückeroberung“ sehr gut beurteilen. Viele lassen sich mit einiger Mühe wieder in Hutform bringen, andere sind dauerhaft nur noch als Unterlegscheibe oder so zu verwenden. Ein beklauter Hutinhaber verzichtete freiwillig auf die Rückgabe. Seine Kopfbedeckung erinnerte, nach dem Levin mit dieser fertig war, einem in eine ultraflache Hutform gepressten Pferdeapfel.

Aber damit nicht genug. Levin stellte sich kurz darauf auch als „Liebhaber“ von Bommelmützen heraus. Dieses Mal traf es eine meiner Reitbeteiligungen, speziell die, die zusammen mit mir von „Graui“ damals der Koppel verwiesen wurde. Wie schon zuvor erwähnt, war es Winter. Aber nach dem wir das „helle Ding“ am Himmel als Sonne identifiziert hatten, nahmen wir Levin und wollten eigentlich auf dem Reitplatz draußen ein paar Bodenübungen machen. Trotz herrlichstem Sonnenschein war es bitter kalt. Aus diesem Grund hatte das Mädchen eine hübsche weiße „Bummelmütze“ auf den Kopf. Die stand ihr sehr gut. Leider fand das Levin auch und schwubs war die Mütze vom Kopf. Sie zeigte Geduld und Verständnis, nahm ihm diese weg und setze sie sich wieder auf. Die wärmende Wirkung hielt aber nur ca. 20 Sekunden an, dann war es auf ihrem Kopf wieder sehr „luftig“ und ihre schicke weiße Mütze baumelte hoch oben am Bommel in Levins Maul wie eine Trophäe. Mit den Worten „Ok, du bist der Sieger.“ angelte sie sich ihre Mütze zurück und steckte sie, begleitet durch unser Lachen, in ihre Jackentasche. Nur der Bommel schaute noch heraus… Naja, ihr könnt euch denken was kam – kurz darauf baumelte die Mütze abermals in Levins Maul. Letztendlich blieb ihr weiter nichts übrig, als einem von uns die Mütze zu geben. So ist das halt mit jungen Pferden und Bommelmützen.

An dieser Stelle möchte ich der Geschichte wegen der sicher allgemeinen Heiterkeit etwas vorgreifen und noch einen, sozusagen, drauf setzen...

Qualitätstest für Tangas

Diese extrem schmalen und nur die wirklich nötigsten Körperteile verhüllenden Textilien haben sicher ihren Reiz. Wie mir scheint, nicht nur für Menschen…

Bevor man mit seinem Pferd etwas unternimmt, wird dieses in der Regel erst mal geputzt. Dazu gehören natürlich auch die Hufe ausgekratzt. Levin hatte damals die nicht so schöne Angewohnheit, einem am Rücken herumzuschnüffeln, wenn man den Vorderhuf putzt. So auch an einem wunderschönen Sommertag. Leicht bekleidet putzte meine zweite Reitbeteiligung den Vorderhuf von Levin. Der schnüffelte dabei, wie wir es bereits gewohnt waren, an ihrem Rücken herum. Die allgemeine Stimmung war gut bis heiter. Auch bei anderen Einstellern, die zeitgleich ihre Pferde neben uns „schön machten“. Wie ihr wisst, bückt man sich etwas beim Hufe putzen. In diesem Moment rutschte das T-Shirt des Mädchens etwas hoch und ich konnte einen tollen Blick auf den aus der Hose herausschauenden Rand ihres roten Tangas werfen. Wir wissen nicht, ob es die Farbe war oder etwas anderes, jedenfalls warf Levin auch einen Blick darauf und fand das Teil wohl irgendwie interessant. Vielleicht mit den Gedanken „Kann man das fressen?“ arbeitete er sich mit seinen Lippen bis dato vor, bekam den besagten Rand dann mit den Vorderzähnen zu fassen und zog ihr das ganze Ding soweit hoch, bis sie so geschätzte 30 cm über dem Boden schwebte. PS: Ich wusste nie, dass ein Tanga so reißfest und dehnbar ist… Dem armen Mädchen quollen die Augen regelrecht heraus und ein leiser Aufschrei oder etwas Ähnliches war zu hören. Danach setzte Levin sie in aller Ruhe wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Kaum auf ihren Füßen stehend schmiss sie den Hufkratzer weg und ging, begleitet von, den gesamten Putzplatz ausfüllenden Lachsalven, mit den etwas gequält anzuhörenden Worten „Ich muss da mal ganz schnell was richten…“ ziemlich breitbeinig in Richtung Stall bzw. Toilette. Levin dagegen schaute ihr mit einem fragenden Blick nach dem Motto „Was hat die denn plötzlich nur?“ hinterher. Nach fünf Minuten erschien sie wieder und murmelte zu mir etwas von „Sei froh, dass es dich als Mann nicht erwischt hat.“ Auf meine Antwort hin „Wieso, ich trage doch gar keine Tangas.“ erklang eine neue Lachsalve. Was meinten die nur?

Bottichspielchen

Nun aber zurück zur kalten Jahreszeit. Wie vorhin schon erwähnt, war es noch Winter und dazu auch so richtig schön frostig. Eines Abends half ich wieder im Stall mit. Normalerweise befinden sich in den Boxen für die Pferde auch Tränken. Damit sie aber nicht einfrieren, wurde das Wasser für diese abgestellt und die Leitungen leerlaufen gelassen. Die Pferde wurden nun über große, mit Wasser gefüllte Bottiche versorgt. Diese werden jeden Morgen und Abend dann per Hand und Gartenschlauch befüllt. Vorher muss, wenn es denn so ist, die sich darauf gebildete Eisschicht entfernt werden. Normalerweise wird die Arbeit immer zu zweit erledigt, aber an diesem Abend hatte Chris einen dringenden Termin und ich stand nun mit meinem Gartenschlauch so gefühlten 20 Bottichen mit Eisschicht bei hübschen Minusgraden alleine gegenüber.

Als erstes kam nun die Box, in der auch Big-Boy zusammen mit anderen Pferden stand, dran. Diese ist eigentlich eine Doppelbox mit angeschlossenem Paddock. In dieser waren zwei Bottiche zu befüllen. Also ging ich frischen Mutes ans Werk. Eisschicht entfernen, Schlauch in den ersten Bottich und Wasser marsch. Mit Eis und Frost hab ich gerechnet, mit dem Big-Boy-Spaßfaktor aber nicht. Da das Ganze eine Weile dauern würde, ging ich schon mal zu den anderen Bottichen, die Eisschicht abfischen. Bei der dritten Box angekommen, bemerkte ich plötzlich einen Tumult in der ersten. Mit dem Gedanken „Was ist denn da schon wieder los?“ ging ich nichts ahnend hin und bekam gleich eine Dusche von oben. Zunächst war ich sprachlos. Da steht doch Big-Boy mit dem Schlauchende im Maul und hatte sichtlich Spaß daran, seine „Mitbewohner“ nass zu spritzen. Diese fanden das natürlich gar nicht so lustig und versuchten durch den Ausgang auf den Paddock zu entkommen. Dumm nur, das Big-Boy mit seinem alles ausfüllenden Hinterteil in der Türöffnung stand und seelenruhig mit seiner frostigen „Waschaktion“ weiter machte. Mit den Worten „Das gibt’s doch gar nicht!“ und „Was soll denn das!“ machte ich mich auf in die Box meinen Gartenschlauch zurück zu erobern, was sich als etwas heikles Unternehmen erwies. Nicht nur, weil ich immer noch etwas zu viel Respekt vor großen Pferden hatte, nein, hier „tänzelten“ drei davon herum und „Gigantus“ namens Big-Boy war nun wirklich nicht klein. Du musst dir das gefühlte Größenverhältnis so vorstellen. Du möchtest jemandem, der gefühlte 2,50 Meter groß ist, etwas aus der hochgehobenen Hand wegnehmen. Der versucht das natürlich zu verhindern, indem er zusätzlich noch mit seinen Füßen vor dir herum trampelt. Irgendwie ging dieser Plan nicht auf und es wurde langsam wirklich etwas sehr feucht in der Box. Also musste „Plan B“ her. Ich machte dem Spaß ein abruptes Ende, in dem ich den Schlauch weiter hinten einfach abknickte und dem „Möchtegern -Bade- und Duschmeister“ damit die Grundlage, nämlich das Wasser entzog. Hurra, der menschliche Geist hatte gesiegt. „Gigantus“ ließ, nachdem er mitbekommen hatte, dass er sprichwörtlich trockengelegt wurde, den Schlauch einfach fallen. Also zurück mit dem Schlauchende in den Bottich und gut ist. Damit er sein Spielchen nicht wiederholen konnte, hatte ich sogar „Plan C“ auf Lager. Ich blieb in der Stallgasse stehen und jedes Mal, wenn er den Schlauch erneut klauen wollte, war ich schneller und duschte ihm die Schnauze. Das fand er dann gar nicht so lustig. Ich aber schon…