Beschreibung

Das hat Bianca gerade noch gefehlt. Der eingebildete Wesley, dem alle Mädchen an ihrer Schule zu Füßen liegen, spricht sie an. Und hat die Stirn, ihr rundheraus zu sagen, dass er das nur tut, um an ihre hübsche Freundin ranzukommen. Schneller, als er denken kann, hat er ihre Cola im Gesicht. Auf so jemand fällt Bianca nicht rein. Aber als zu Hause alles schief geht, lässt sie sich doch mit ihm ein. Heimlich und völlig unverbindlich, versteht sich. Mit Liebe hat das nichts zu tun. Oder?

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Seitenzahl: 363

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Kody Keplinger • Von wegen Liebe

DIE AUTORIN

Foto: © Henry Stampfel

Ihren ersten Roman »Von wegen Liebe« schrieb Kody Keplinger mit 17, als sie selbst noch auf die Highschool ging. Sie sagt darüber: »In der Schule hab ich mich immer als das ›hässliche Mädchen‹ gefühlt. Als dann zum ersten Mal der Ausdruck DUFF (die unattraktive fette Freundin) fiel, wusste ich sofort, was damit gemeint war – jemand wie ich. Die Idee, ein Buch darüber zu schreiben, war erst nur als Witz gedacht. Aber als ich begriff, dass meine Freundinnen sich genauso fühlten, war mir klar, ich muss diese Geschichte schreiben.« Inzwischen geht die junge Autorin in New York aufs College und hat bereits einen weiteren Roman geschrieben.

Kody Keplinger

Von wegen Liebe

Aus dem amerikanischen Englisch

von Anja Galic

cbt ist der Jugendbuchverlag in der

Verlagsgruppe Random House

1. Auflage

Deutsche Erstausgabe März 2013

Gesetzt nach den Regeln der Rechtschreibreform

© 2010 der Originalausgabe by Kody Keplinger

© 2013 für die deutschsprachige Ausgabe cbj Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

Die Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel »The Duff«, bei Poppy, einem Imprint der Verlagsgruppe Little, Brown Books for Young Readers, New York.

Übersetzung: Anja Galic

Lektorat: Stefanie Rahnfeld

Umschlaggestaltung: Kathrin Schüler, Dipl.-Des. (FH), unter Verwendung eines Motivs von iStockphoto Europe GmbH

KK · Herstellung: kw

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN: 978-3-641-09438-6

Die zitierten Passagen aus Emily Brontës »Sturmhöhe« in der Übersetzung von Grete Rambach sind der Insel-Ausgabe aus dem Jahr 1975 entnommen.

www.cbt-jugendbuch.de

Für Aja,

deren Geburtstag uns beiden Glück brachte

EINS

Es war echt immer dasselbe.

Casey und Jess wackelten mit ihren Hintern wie Tänzerinnen in einem Hip-Hop-Video und machten sich wieder einmal total lächerlich. Aber ich vermute mal, dass Typen auf so was stehen. Ganz ehrlich, ich spürte förmlich, wie mein IQ sank, als ich mich zum ungefähr hundertsten Mal an diesem Abend fragte, warum ich mich schon wieder von ihnen hatte hierherschleppen lassen.

Jedes Mal wenn wir ins The Nest gingen, lief alles gleich ab. Casey und Jessica mutierten zu Tanz- und Flirtmaschinen, zogen die Aufmerksamkeit jedes männlichen Wesens in Sichtweite auf sich und wurden irgendwann von ihrer fürsorglichen besten Freundin – nämlich mir – aus dem Laden gezerrt, bevor irgendeiner der geilen Jungböcke die Situation ausnutzen konnte. Aber bis es so weit war, hockte ich den ganzen Abend an der Theke und unterhielt mich mit Joe, dem dreißigjährigen Barkeeper, über »die Probleme mit der heutigen Jugend«.

Wahrscheinlich wäre Joe beleidigt gewesen, wenn ich ihm gesagt hätte, dass eines der größten besagten Probleme dieser verfluchte Laden war. Das Nest war früher eine echte Bar gewesen und vor etwa drei Jahren zu einer Art Jugendtreff geworden. Die altersschwache Theke in Eichenoptik gab es immer noch, aber Joe schenkte ausschließlich Softdrinks aus, während die Kids die Tanzfläche bevölkerten oder den Konzerten lauschten, die hier regelmäßig stattfanden. Es gab einen einfachen Grund, warum ich diesen Ort hasste: Er brachte meine sonst eigentlich ganz vernünftigen Freundinnen dazu, sich wie Idiotinnen aufzuführen. Zu ihrer Verteidigung muss allerdings festgehalten werden, dass sie damit nicht die Einzigen waren. Die halbe Hamilton Highschool kam am Wochenende hier zusammen, und ausnahmslos jeder hatte ein Stück seiner Würde verloren, wenn er den Club Stunden später wieder verließ.

Jetzt mal im Ernst – was war so toll daran, Woche für Woche zu denselben monotonen Techno-Beats zu tanzen? Oder sich von einem der schwitzenden Footballspieler mit Testosteron-Überschuss anmachen zu lassen? Als ob auch nur der Hauch einer Chance bestand, eine tiefschürfende Unterhaltung über Politik zu führen oder über die Welt und das Leben zu philosophieren, während man sich Hüfte an Hüfte aneinander rieb. Großer Gott.

Casey kletterte auf den Barhocker neben mir. »Also echt, B. Statt hier rumzusitzen, solltest du lieber mit uns tanzen!«, sagte sie, vom vielen Hinternwackeln ganz außer Atem. »Das macht so viel Spaß.«

»Sicher«, murmelte ich.

»Oh! Mein! Gott!« Jess setzte sich mit wippendem honigblonden Pferdeschwanz auf meine andere Seite. »Habt ihr das gesehen? Habt ihr das gesehen? Harrison Carlyle hat mich gerade angeflirtet! Habt ihr das gesehen? Ohmeingott!«

Casey verdrehte die Augen. »Er hat dich gefragt, wo du deine Schuhe herhast, Jess. Der Typ ist so was von schwul.«

»Er ist zu süß, um schwul zu sein.«

Casey ignorierte den Einwurf und strich sich eine nicht vorhandene weizenblonde Haarsträhne hinters Ohr – eine Angewohnheit, die noch aus der Zeit stammte, bevor sie sich einen Pixie Cut hatte schneiden lassen. »Komm mit uns tanzen, B. Schließlich sind wir hier, um zusammen Spaß zu haben – was nicht heißen soll, dass man mit Joe keinen Spaß haben kann.« Sie zwinkerte dem Barkeeper zu, wahrscheinlich in der Hoffnung auf ein paar Gratisdrinks. »Aber als unsere Freundin ist es quasi deine Pflicht, dich mit uns zu amüsieren. Ist doch so, Jess, oder?«

»Absolut«, stimmte Jess zu, während sie nach Harrison Carlyle schielte, der in einer der Sitzecken auf der anderen Seite des Raums saß. Dann stutzte sie kurz und wandte sich wieder uns zu. »Moment – was hast du gesagt? Ich hab grade nicht zugehört.«

»Wir wollen doch nur, dass es dir gut geht, B«, fuhr Casey fort. »Und du machst nicht gerade den Eindruck, als hättest du den Spaß deines Lebens.«

»Mir geht’s bestens«, log ich. »Wirklich, ich hab einen super Abend. Ihr wisst doch, dass ich nicht tanzen kann. Ich würde euch nur im Weg rumstehen. Na los … schwingt euch wieder auf die Tanzfläche. Ich bleibe lieber hier sitzen.«

Casey musterte mich mit zusammengekniffenen haselnussbraunen Augen. »Bist du sicher?«

»Ganz sicher.«

Sie runzelte skeptisch die Stirn, zuckte aber einen Moment später mit den Achseln und zog Jess am Handgelenk hinter sich her. »Nicht so schnell, Case!«, kreischte Jess. »Du kugelst mir noch den Arm aus!« Dann steuerten sie lachend im Takt der Techno-Beats die Mitte der Tanzfläche an.

»Warum hast du ihnen nicht gesagt, dass du schlecht drauf bist?«, fragte Joe und schob mir eine Cherry Coke über den Tresen zu.

»Weil ich nicht schlecht drauf bin.«

»Weil du eine Lügnerin bist, und eine ganz miserable dazu«, entgegnete er, bevor am anderen Ende der Bar eine Horde Neuntklässler anfing, lautstark Nachschub zu fordern.

Ich nippte an meiner Cherry Coke und warf einen Blick auf die Uhr über der Bar. Der Sekundenzeiger schien erstarrt zu sein, und ich betete, dass das Scheißding kaputt war. Vor elf konnte ich Casey und Jess nicht damit kommen, nach Hause zu fahren, wenn ich nicht als Partymuffel abgestempelt werden wollte. Aber wenn ich der Uhr da oben glauben sollte, war es noch nicht einmal neun, dabei spürte ich jetzt schon, dass eine von Techno und zuckendem Stroboskoplicht verursachte Migräne im Anmarsch war. Beweg dich, Sekundenzeiger! Mach schon!

»Hi.«

Ich verdrehte die Augen und warf dem unwillkommenen Eindringling in meine selbst gewählte Einsamkeit einen finsteren Seitenblick zu. Das passierte schon mal ab und zu – irgendein Typ, in der Regel breit oder üblen Körpergeruch verströmend, gern auch beides, setzte sich neben mich und startete einen halbherzigen Versuch, sich mit mir zu unterhalten. Diesen Jungs mangelte es eindeutig an Beobachtungsgabe, denn der Ausdruck auf meinem Gesicht teilte ziemlich unmissverständlich mit, dass ich absolut nicht in der Stimmung war, mich anmachen zu lassen.

Erstaunlicherweise stank der Typ, der sich neben mich gesetzt hatte, weder nach Gras noch nach Achselschweiß. Tatsächlich hätte der Duft, der plötzlich in der Luft lag, ein teures Aftershave sein können. Aber mein Blick wurde nur noch finsterer, als mir klar wurde, zu wem der Duft gehörte. Einer von der benebelten Kifferfraktion wäre mir lieber gewesen.

Leider war es Wesley Rush.

»Was willst du?« Ich sah keinen Grund, höflich zu sein.

»Immer ein freundliches Wort auf den Lippen«, gab Wesley zurück. »Wenn du’s genau wissen willst – ich möchte mich mit dir unterhalten.«

»Tja, Pech für dich. Mein Gesprächsbedarf ist für heute Abend gedeckt.« Ich saugte geräuschvoll an meinem Strohhalm und hoffte, er würde den nicht besonders subtilen Hinweis, die Kurve zu kratzen, verstehen. Von wegen. Ich spürte, wie seine dunkelgrauen Augen mich von oben bis unten abtasteten. Er schaffte es noch nicht mal, so zu tun, als würde er mir ins Gesicht schauen. Ekelhaft!

»Hey«, sagte Wesley mit neckendem Unterton. »Jetzt sei doch nicht so abweisend.«

»Lass mich in Ruhe«, zischte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen. »Verschwinde und lass deinen Charme bei irgendeinem Flittchen mit nicht vorhandenem Selbstwertgefühl spielen. Bei mir zieht die Nummer nämlich nicht.«

»Für Flittchen interessiere ich mich ehrlich gesagt nicht«, gab er zurück. »Sind nicht so mein Ding.«

Ich schnaubte verächtlich. »Jedes Mädchen, das dich nicht abblitzen lässt, ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein Flittchen, Wesley. Niemand mit Geschmack, Klasse oder Selbstachtung würde jemals irgendetwas an dir finden.«

Okay. Das war ein winziges bisschen gelogen.

Wesley Rush war der widerlichste Aufreißer, der jemals den Fuß über die Schwelle der Hamilton High gesetzt hatte … aber er sah ziemlich umwerfend aus. Wenn er stumm gewesen wäre … und wenn man ihm die Hände abgehackt hätte … dann wäre er vielleicht – aber auch nur vielleicht – ganz akzeptabel gewesen. Aber so war er ein echter Scheißkerl. Ein dauergeiler Scheißkerl.

»Und du besitzt Geschmack, Klasse und Selbstachtung, ja?«, fragte er grinsend.

»Richtig.«

»Was für eine Schande.«

»Versuchst du etwa, mit mir zu flirten?«, sagte ich. »Denn falls ja, scheiterst du gerade grandios.«

Wesley lachte. »Ich scheitere nie beim Flirten.« Er fuhr sich durch seine gelockten dunklen Haare und rückte sein arrogantes Grinsen zurecht. »Ich bin nur nett. Versuche mich angeregt mit dir zu unterhalten, verstehst du.«

»Sorry, kein Interesse.« Ich drehte mich weg und nahm noch einen Schluck von meiner Cherry Coke. Aber er rührte sich nicht von der Stelle. Nicht einen Millimeter. »Du kannst jetzt gehen«, sagte ich mit Nachdruck.

Wesley seufzte. »Okay. So kommen wir nicht weiter, also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als ehrlich zu dir zu sein. Eins muss ich dir lassen: Du bist schlagfertiger und dickköpfiger als die meisten Mädchen, mit denen ich mich unterhalte. Aber ich wollte nicht nur geistreiche Konversation mit dir betreiben.« Sein Blick wanderte zur Tanzfläche. »Genauer gesagt brauche ich deine Hilfe. Wie du vermutlich selbst nur allzu gut weißt, sind deine Freundinnen extrem heiß. Tja, und du, Süße, du bist eine DUFF.«

»Muss man das Wort kennen?«

»Es ist die Abkürzung für Die Unattraktive Fette Freundin«, klärte er mich auf. »Nichts für ungut, aber genau das bist du.«

»Ich bin nicht die …!«

»Hey, jetzt reg dich nicht gleich auf. Du bist kein Monster oder so, aber im Vergleich …« Er zuckte mit den breiten Schultern. »Denk mal drüber nach. Warum schleppen sie dich hierher, wenn du gar nicht tanzt?«

Er hatte tatsächlich die Frechheit, mein Knie zu tätscheln, als wollte er mich trösten. Ich rückte energisch von ihm ab und statt des Knietätschelns strich er sich mit einer lässigen Bewegung eine Haarsträhne aus der Stirn.

»Wie schon gesagt«, fuhr er fort, »hast du echt heiße Freundinnen … megaheiße Freundinnen.« Er machte eine Pause und beobachtete einen Moment lang das Geschehen auf der Tanzfläche, bevor er mich wieder ansah. »Jedenfalls, die Sache ist die: Wissenschaftler haben bewiesen, dass jeder Freundeskreis eine Schwachstelle hat, und die heißt DUFF. Und Mädchen springen auf Typen an, die sich gut mit ihrer DUFF verstehen.«

»Dürfen Cracksüchtige sich jetzt schon Wissenschaftler nennen? Das ist mir neu.«

»Warum denn gleich so bitter?«, sagte er. »Ich meine ja nur, dass Mädchen – wie zum Beispiel deine Freundinnen – es sexy finden, wenn ein Typ seine sensible Seite zeigt und einen guten Draht zu ihrer DUFF hat. Wenn ich mich jetzt also mit dir unterhalte, verdoppelt das meine Chancen, heute Abend noch zum Zug zu kommen. Es würde auch schon reichen, wenn du nur so tust, als würdest du angeregt mit mir plaudern. Bitte.«

Eine Weile starrte ich ihn einfach nur fassungslos an. Der äußere Schein trog tatsächlich. Wesley Rush hatte vielleicht den Körper eines griechischen Gottes, aber seine Seele war so schwarz und leer wie das Innere meines Kleiderschranks. Was für ein Mistkerl!

Mit einer einzigen geschmeidigen Bewegung glitt ich vom Barhocker und schüttete dabei den Inhalt meines Glases in Wesleys Richtung. Die Cherry Coke ergoss sich über ihn und verteilte sich auf seinem teuer aussehenden weißen Poloshirt. Dunkelrote Tropfen glitzerten auf seinen Wangen und seinen braunen Haaren. Ein wütender Ausdruck trat auf sein Gesicht und sein wie in Stein gemeißelter Kiefer begann heftig zu mahlen.

»Wofür war das, bitte schön?«, knurrte er und wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht.

»Was glaubst du denn?«, knurrte ich zurück und stemmte die Fäuste in die Seiten.

»Ehrlich gesagt hab ich nicht die geringste Ahnung, Duffy.«

Ich spürte, wie ich vor Wut rot wurde. »Wenn du dir einbildest, ich würde zulassen, dass eine meiner Freundinnen mit dir zusammen diesen Laden verlässt, Wesley Rush, dann hast du dich aber so was von geschnitten«, fauchte ich. »Du bist ein widerliches, oberflächliches Arschloch, das alles flachlegt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, und ich hoffe, dass die Cola sich für immer in dein Spießershirt frisst.« Kurz bevor ich davonstolzierte, warf ich einen letzten Blick über die Schulter und fügte hinzu: »Und mein Name ist nicht Duffy, sondern Bianca. Was dir bekannt ist, seit wir in der Middle School den gleichen Klassenlehrer hatten, du selbstverliebtes Stück Scheiße.«

Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas einmal sagen würde, und war zum ersten Mal dankbar für den ohrenbetäubenden Techno-Sound, der aus den Boxen dröhnte. Niemand außer Joe hatte den kleinen Zwischenfall mitbekommen und er hatte die ganze Sache wahrscheinlich eher witzig gefunden. Ich bahnte mir einen Weg über die brechend volle Tanzfläche, um nach Casey und Jess zu suchen. Als ich sie gefunden hatte, packte ich sie an den Ellbogen und zog sie Richtung Ausgang.

»Hey!«, protestierte Jess.

»Was ist denn los?«, wollte Casey wissen.

»Wir verlassen diesen verdammten Laden«, sagte ich und zerrte ihre widerwilligen Körper hinter mir her. »Ich erkläre es euch im Auto. Ich halte es keine Sekunde länger in diesem Drecksloch aus.«

»Ich will mich aber vorher noch kurz von Harrison verabschieden!« Jess versuchte, sich aus meinem Griff zu befreien.

»Herrgott noch mal!« Ich verrenkte mir schmerzhaft den Hals, als ich mich zu ihr umdrehte. »Er ist schwul, Jess! Du hast keine Chance, also gib’s endlich auf. Ich muss hier raus. Bitte.«

Ich zog sie auf den Parkplatz, wo uns die klirrend kalte Januarluft praktisch die Haut von den Wangen schälte. Casey und Jessica kuschelten sich eng an mich. Wahrscheinlich hatten sie festgestellt, dass ihre sexy Outfits nicht dazu taugten, dem eisigen Wind standzuhalten. Dicht aneinandergedrängt liefen wir zu meinem Wagen und lösten uns erst voneinander, als wir die Stoßstange erreicht hatten, von wo aus ich die Türen entriegelte, damit wir ohne Verzögerung in meinen nur unwesentlich wärmeren Saturn steigen konnten.

Casey kauerte sich zähneklappernd auf dem Beifahrersitz zusammen. »Wieso willst du denn schon gehen? Es ist doch erst, keine Ahnung, Viertel nach neun.«

Jess wickelte sich auf der Rückbank in eine alte Decke (die ich immer dabeihatte, weil die verdammte Heizung meistens streikte) und zog einen Flunsch.

»Ich hab mich mit jemandem gestritten«, erklärte ich, während ich unnötig heftig den Schlüssel ins Zündschloss rammte. »Dann hab ich ihm meine Cola über den Kopf geschüttet und bin gegangen, weil ich nicht scharf drauf war, seine Antwort abzuwarten.«

»Und wer war das?«, fragte Casey.

Mir hatte vor der Frage gegraut, weil ich die Reaktion darauf schon kannte. »Wesley Rush.«

Wie erwartet löste die Antwort zwei schmachtende Seufzer aus.

»Oh bitte«, sagte ich genervt. »Der Typ ist eine männliche Nutte. Ich kann ihn nicht ausstehen. Er schläft mit allem, was sich bewegt, und sein Hirn sitzt zwischen seinen Beinen – was bedeutet, dass es mikroskopisch klein ist.«

»Das bezweifle ich.« Casey seufzte erneut. »Gott, B, außer dir gibt es niemanden, der an Wesley Rush irgendetwas auszusetzen hat.«

Ich warf ihr einen bösen Blick zu, als ich den Kopf nach hinten drehte, um aus der Parklücke zu stoßen. »Er ist ein Arschloch.«

»Das stimmt nicht«, widersprach Jess. »Jeanine hat erzählt, dass sie sich neulich auf einer Party mit ihm unterhalten hat. Sie war mit Vikki und Angela da, und sie meinte, er kam einfach irgendwann angeschlendert, hat sich neben sie gesetzt und total nett mit ihr geredet.«

Das überraschte mich nicht. Jeanine war definitiv eine DUFF, wenn sie mit Angela und Vikki ausging. Ich fragte mich, welche von beiden Wesley an dem Abend abgeschleppt hatte.

»Er ist echt süß«, sagte Casey. »Du kannst es nur nicht zugeben, weil du sonst deinen Ruf als Zynikerin aufs Spiel setzen würdest.« Sie sah mich liebevoll lächelnd von der Seite an. »Aber jetzt erzähl doch mal, was hat er denn gemacht, dass du ihm deine Cola über den Kopf geschüttet hast?« Immerhin war sie jetzt zur Abwechslung mal um mich besorgt. Wurde auch langsam Zeit. »Hat er irgendwas Blödes zu dir gesagt, B?«

»Nein«, log ich. »Er hat mich nur total auf die Palme gebracht.«

DUFF.

Das Wort hallte durch meinen Kopf, während ich eine Spur zu schnell die Fifth Street entlangfuhr. Ich brachte es nicht über mich, meinen Freundinnen von dem wunderbaren neuen Kosenamen zu erzählen, der gerade meinem Wortschatz hinzugefügt worden war, aber als ich mich kurz im Rückspiegel betrachtete, dachte ich unwillkürlich, dass Wesley mit seiner Einschätzung womöglich recht hatte. Jess mit ihrer perfekten Sanduhrfigur und ihren warmen leuchtend braunen Augen, Casey mit ihrer makellosen Haut und ihren ellenlangen Beinen … Dem Vergleich mit ihnen konnte ich einfach nicht standhalten.

»Also ich würde sagen, da es noch so früh ist, gehen wir noch irgendwo anders hin«, schlug Casey vor. »Draußen in Oak Hill soll eine große Studentenparty stattfinden. Angela hat mir heute Morgen davon erzählt. Na, wie sieht’s aus?«

»Cool! Ich bin dabei!« Jess erwachte unter ihrer Decke zu neuem Leben. »Wie der Name schon sagt, gibt’s auf Studentenpartys immer jede Menge Studenten. Das klingt doch nach einem Haufen Spaß, B, oder?«

Ich stöhnte. »Nein. Nicht wirklich.«

»Ach, komm schon.« Casey griff nach meiner Hand und drückte sie. »Tanzen ist für diesen Abend gestrichen, okay? Und weil du offensichtlich was gegen heiße Typen hast, versprechen Jess und ich, dir jeden vom Leib zu halten, der es wagt, in deine Nähe zu kommen«, versuchte sie mir ein Lächeln zu entlocken.

»Ich hab nicht das Geringste gegen heiße Typen«, brummte ich. »Nur gegen den einen.« Einen Moment später bog ich seufzend auf den Zubringer Richtung Oak Hill. »Okay, ihr habt gewonnen. Aber danach kauft ihr mir ein Eis. Ich will mindestens zwei Kugeln.«

»Abgemacht!«

ZWEI

Es gibt nichts Friedvolleres als die Stille einer Samstagnacht – oder eines sehr frühen Sonntagmorgens. Dads gedämpftes Schnarchen grollte leise vom anderen Ende des Flurs, aber der Rest des Hauses war in vollkommenes Schweigen gehüllt, als ich um kurz nach eins durch die Tür schlich. Vielleicht war ich von den wummernden Bässen auf der Party in Oak Hill auch nur taub geworden. Aber ehrlich gesagt beunruhigte mich die Vorstellung, mein Gehör verloren zu haben, nicht besonders. Wenn es bedeutete, dass ich nie wieder Techno hören musste – umso besser.

Ich drückte leise die Eingangstür hinter mir zu und schlich durch den Flur. Auf der Kommode entdeckte ich eine Postkarte von Mom. Ich machte mir nicht die Mühe nachzusehen, von wo sie abgeschickt worden war – was weiß ich, in welcher Stadt sie gerade steckte –, oder sie zu lesen. Ich war einfach zu müde, und sie würde morgen auch noch da liegen, also schleppte ich mich stattdessen die Stufen zu meinem Zimmer hoch.

Ein Gähnen unterdrückend hängte ich meinen Mantel über die Lehne des Schreibtischstuhls und ging zu meinem Bett. Während ich meine Converse auszog und quer durchs Zimmer kickte, begannen die Kopfschmerzen allmählich nachzulassen. Dafür nötigte mich meine Zwangsneurose, den Berg sauberer Wäsche am Fußende meines Betts zusammenzufalten. Ich konnte zwar kaum noch die Augen offen halten, aber vorher würde ich sowieso nicht schlafen können.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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