Von Zwergen, Feen und Elfen -  - E-Book

Von Zwergen, Feen und Elfen E-Book

0,0

Beschreibung

Von zauberhaften Wesen und verwunschenen Welten erzählen die 23 schönsten Texte, die von Kindern verfasst wurden und beim Schreibwettbewerb des Literaturkreisels 2022 eingereicht wurden.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 227

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


INHALTSVERZEICHNIS

Die Legende der Zwerge

Kinder der Magie des Waldes

Feueratem

Tomo und die Welt der goldenen Hasen

Märchenhaft

Die neue Freundin

Die Perle, die bei Nacht leuchtet

Die Fee Lola

Enola

Der magische Geburtstag

Der Verwandlungsschlamassel

Der geheime Garten

Der Fuchs und die Ente

Tom im Weltall

Zusammen sind wir stark

Die Suche nach dem Glück

Lilia und das Geheimnis der Märchenschriftrolle

Jessy und die magischen Wesen

Das Zauberbuch

Rettet den Märchenwald!

Der verhexte Schulranzen

Vorgegebener Märchenanfang

Der Ring und die Feen

Celebron – Das Tor in eine andere Welt

Lucy und die vier Edelsteine

Vorgegebener Märchenanfang

Das Land der Feen

Die magische Wiese

Die Nee

Mission Frieden

Der Frühling kehrt zurück

Erlebnis im Wald

Feen, Zwerge, Elfen – das gibt's doch alles gar nicht

Baumstumpf oder Feenhaus?

Die Perle, die bei Nacht leuchtet

Gefahr im Elfenwald

Die Bewohner von Bummelberg

Im Tal der Fabelwesen

Eine abenteuerliche Freundschaft

Geburtstagsüberraschung

Die Feenwelt

Die kleine Elfe Sophie

Die Legende der Zwerge

Es war einmal vor langer, langer Zeit in einem zauberhaften Land. Dort im hohen Norden gab es ein feines Zwergendorf namens Müdlonia. Exakt in diesem Dorf hielten sich auch unsere Helden auf: Muttlon, ein Zwerg, der wegen seiner angeblichen Schwäche immer nur Schwachlon genannt wurde und der schon als Kind kochte und bis heute nicht in die Mine der Zwerge ging. Außerdem Nettlone und Beilon, die besten Freunde Muttlons, die auch lieber den lieben, langen Tag in Muttlons Stube verbrachten. Doch an einem schicksalhaften Tag spät abends, als die Freunde in Muttlons warmer Stube saßen, fiel ihnen plötzlich auf, dass in ganz Müdlonia kein Zwerg zu sehen war. Als die drei sich also ihre warmen Winterjacken überwarfen und durch die Stadt gingen, auf der Suche nach den anderen Zwergen, passierte es plötzlich. Kurz vor dem Eingang zur Mine kam ihnen ein seltsamer Zwerg entgegen. Er brüllte nur „mein Stein, mein Stein!“ Doch dann, urplötzlich leuchteten die Augen des Zwergs lila auf und aus seinem Mund kamen die folgenden Worte:

„Vor langer Zeit würd' ich verriegelt,

bin endlich nun nicht mehr versiegelt.

Durch meine Opfer kann ich sprechen,

auch den letzten Willen brechen.

Erst lockt mein Mantel aus Gold sie an,

dann sie mein Fluch sie in seinem Bann.“

Auf einmal schien der Zwerg gar nicht mehr an ihnen interessiert und ging zurück zur Mine. Als Muttlon, Beilon und Nettlone ihm zum Minenzugang folgten und runter in die schwach beleuchtete Mine schauten, sahen sie nichts. Hineingehen wollte auch niemand von ihnen, da unten der Grund war, weshalb der Zwerg so seltsam und die anderen verschwunden waren.

Nach einem kurzen Moment des Schweigens brach Nettlone dieses und sagte: „Das war jetzt wirklich richtig verrückt. Und was wollte dieser Zwerlkönig uns sagen?" „Naja, die ersten Zeilen deuteten darauf hin, dass dieses Etwas wohl lange weggesperrt war“, meinte Beilon. „Und die dritte und vierte Zeile kann man so verstehen, dass nicht der Zwerg böse war, sondern dieses Etwas nur durch ihn gesprochen hat. Dieses Etwas will wahrscheinlich alle möglichen Gedanken kontrollieren“, fügte Muttlon hinzu. „Dass Gold diese ganzen Übertreibungsminenarbeiter anlockte, ist ja auch nur logisch. Und jetzt haben wir auch einen Grund, weshalb dieser Zwerg durchgedreht ist.“ „Ein Fluch“, vollendete Nettlone die Unterhaltung. Nach kurzem Überlegen meinten sie, sie sollten zu Gindurf gehen, dem Regionszauberer.

Als sie vor dem magischen Baum von Gindurf standen, mussten sie erstmal den Baum umrunden, bis sie vor der knorrigen Eichentür des Baumes standen. Sie klopften mit dem schweren Türklopfer gegen die Tür. Erst passierte gar nichts, doch dann hörten sie Schritte. Die Tür öffnete sich und Gindurf trat raus. „Hallo dreiköpfiger Zwerg“, meinte Gindurf. „Hallo“, antworteten die drei Zwerge schüchtern. Ein peinliches „Ups“ folgte direkt, da die Annahme, dass sie dreiköpfig sind, dadurch, dass sie sehr eng beieinander gestanden haben, nicht so komisch war. Nachdem sich die drei getrennt haben, meinte Gindurf: „Dann kommt doch mal alle rein.“ „Was ist denn?“, legte Gindurf nach. Muttlon, Beilon und Nettlone traten ein und erzählten Gindurf einfach alles vom seltsamen Zwerg bis zum Gedicht, aber auch ihre Theorien gaben sie preis.

Nach einem kurzen, stillen Moment brach Gindurf das Schweigen: „Davon habe ich schon gehört. Der Fluch der Verlockung war Jahrtausende lang versiegelt.“ „Er verwandelt sich immer in die Begierde seines Opfers“, fügte Gindurf hinzu. Wieder zusammengekauert vor Angst meinten unsere Helden: „Dann fang ihn, Gindurf!“ „Nein, nein, ich kann das nicht. Nur das Band der Freundschaft kann den Fluch brechen, und dieses habt ihr. Ihr müsst das machen.“ „Waaaas, wir?“, antworteten sie ängstlich. „Doch, ihr müsst das machen“, antwortete Gindurf. „Neeein, bitte nicht! Wir können das nicht.“ „Ihr schafft das. Um den Fluch zu besiegen, braucht ihr drei Putztücher“, erklärte Gindurf. „Und wo finden wir die drei Tücher?“, fragte Muttlon. Gindurf sagte: „Das erste in Gobiatlonia, der Hauptstadt der Zwerge, beim dortigen Zauberer Hastalondonon. Das weitere habe ich und kann es euch geben. Das dritte ist in einer Burg weiter nördlich bei meinem Kollegen Bitlon.“ „Was reden wir hier noch darüber, legt los“, sagte Gindurf motivierend. Also scheuchte Gindurf die drei aus dem Haus. Nach kurzer Ratlosigkeit fuhr eine Kutsche vorbei, und die drei fuhren per Anhalter bis vor die Tore von Gobiatlonia.

Als sie in den Straßen von Gobiatlonia waren, suchten sie den dortigen Zauberer auf. Vor dem Haus des Zauberers Hastalondonon stand eine lange Warteschlange. Also blieb den dreien wohl oder übel nichts anderes übrig, als sich hinten anzustellen. Als sie dann nach stattlichen drei Stunden Anstehen vor der Tür Hastalondonons ankamen, bekamen sie einen riesengroßen Schreck. Denn was dort stand, war nicht das, was sie erwartet hatten. Dort auf dem Schild stand:

„Weilon, Zauberer für jede Situation“

Nach allem was sie wussten, hieß der Zauberer, den sie suchten, Hastalondonon. Verwirrt und schlecht gelaunt liefen die Freunde planlos durch die Stadt. Sie fragten wahllos Passanten, wo der richtige Zauberer abgeblieben sei. Sie alle meinten, er sei verschwunden. Schließlich kamen sie in ein schwächer besiedeltes Gebiet. Plötzlich fiel ihnen etwas auf: eine kleine Tür mit einem kleinen Schild. Was dort stand, konnten sie kaum glauben:

„Hastalondonon, Zauberer für jeden Bedarf"

Sie klopften an, sofort hörten sie Schritte und ein sehr kleiner Zwerg öffnete ihnen die Tür. „Hallo“, sagte der unbekannte Zwerg. „Bist du Hastalondonon?“, fragten die Freunde im Chor. „Ja, der bin ich“, antwortete der Zauberer. „Warum sagen alle, du bist verschwunden? „Weilon hat mich vertrieben, um statt meiner seine Zauberkünste gegen Geld an den Bewohnern auszuüben“, sagte Hastalondonon grimmig. „Wir sind eigentlich hier, um dich nach einem besonderen Putztuch zu fragen.“ „Warum?“, fragte der Zauberer misstrauisch. „Gindurf schickt uns. Der Fluch der Verlockung ist wieder da. Gindurf sagte, er kann ihn nicht besiegen und benötigt unsere Hilfe. Dafür brauchen wir das Putztuch, das Sie haben sollen. Er sagte etwas von einem Band der Freundschaft.“

Lange Zeit schwiegen alle, dann erhob Hastalondonon die Stimme: „Ja, ich habe das Tuch. Aber woher weiß ich, dass ihr ehrlich seid?“ Nach kurzem Überlegen trugen unsere drei Helden das Gedicht als Beweis vor. Wieder trat Stille ein. Wahrscheinlich wollte Hastalondonon feststellen, ob ihm der Beweis reichte. Ohne ein weiteres Wort gab Hastalondonon unseren drei Helden das Tuch. „Viel Glück“, wünschte er den drei Freunden.

Nun galt es, das dritte Putztuch zu finden. Doch als erstes mussten sie wissen, wie sie zu der Burg kommen sollten. Muttlon fand heraus, dass es von Gobiatlonia nach Fort Goldelch gar nicht so weit war.

Nach einem kurzen Marsch standen sie vor den gigantischen Toren der Festung. Sie fragten eine Wache, wo sich Bitlon aufhält. Die Wache meinte: „Er ist in seinem Zimmer im Bergfried.“ Als sie nach einer großen Anzahl von Stufen an seinem Zimmer ankamen, klopften sie an und ihnen wurde fast sofort geöffnet. Der Zwerg trat hervor und sagte: „Wer seid ihr? Kommt doch erst einmal rein.“ „Wir sind Muttlon, Beilon und Nettlone“, antworteten sie. „Wir müssen den Fluch der Verlockung im Auftrag von Gindurf besiegen. Dafür benötigen wir das letzte Poliertuch, das sich in deinem Besitz befinden soll.“ „Es klingt ehrlich, was ihr sagt. Ich gebe euch das Tuch sofort, weil ich mich wieder meinen Büchern widmen will.“

Nachdem sie alle drei Putztücher hatten, machten sie sich auf den Weg nach Müdlonia. Spät abends kamen die drei dort an. Nun wollten sie diesen Fluch endlich besiegen. Vor der Mine war es höchste Zeit, sich einen Plan auszudenken. Es folgte langes Schweigen. Muttlon brach das Schweigen und sagte: „Wir brauchen auf jeden Fall etwas, damit wir nicht verflucht Während die Freunde noch nachdachten, passierte etwas Unerwartetes. Die Poliertücher entwickelten plötzlich ein Eigenleben. Das erste legte sich auf Muttlons Augen, das zweite auf Beilons Ohren und das dritte auf Nettlones Nase. Sie waren einfach nicht mehr abzubekommen. Plötzlich kam Nettlone die Idee: „Vielleicht ist das ein Tipp. Wenn wir nicht alle Sinne benutzen, ist es vielleicht so, dass der Fluch uns nichts anhaben kann. Kann gut sein, und eine andere Idee haben wir ja auch nicht.“ Bereit alles zu verlieren, betraten sie die Mine des Löwen. Sie gingen Schritt für Schritt nach unten, denn Absprache war das Allerwichtigste. Plötzlich betraten sie einen großen Raum voller Met trinkender, bekiffter Zwerge. Und in der Mitte sahen sie einen Stein, genauer gesagt einen kopfgroßen Goldklumpen. Dann sprangen alle Zwerge auf und wollten sie daran hindern, den Stein zu polieren. Offensichtlich wurden sie vom Stein kontrolliert. Doch die Zwerge waren zu betrunken, um den Freunden in die Quere zu kommen.

So war es für die Freunde ein leichtes, die Zwerge zu umgehen. Nun standen sie vor dem Goldklumpen und rieben ihn mit Augen, Nase und Ohren ab. Was folgte, war eine „Puff“ machende lila Wolke und normale Zwerge. Als sie die Geschichte von den Freunden hörten, entschuldigten sie sich. Und so blieb es bis heute friedlich im Zwergenreich. Und wenn sie nicht „Puff“ gemacht haben, dann leben sie noch heute.

Jakob Fünderich, 11 Jahre

Kinder der Magie des Waldes

Unter den Kronen der mächtigen Eichen

Leben zarte Wesen in ihren Reichen.

Die Stämme und Steine sind ihre Hallen

Ohne den Menschen auch nur aufzufallen.

Die Elfen, die Zwerge, die Feen, die Trolle

Im Leben der Menschen nur eine Nebenrolle.

Manchmal sie sich bemerkbar machen

In den Zweigen das rascheln und das krachen.

Die Elfen die die Bagger aus dem Wege schaffen

Wenn ihre Leute die Zerstörung antrafen,

Des edlen Elfenkönigs altes Wälder-Reich

Den Menschen nur einer Baufläche gleich.

In den alten verlassenen Bergwerken,

Die Zwerge der Menschen Kraft bestärken.

Sie graben nach Schätzen, nach Gold und Silber

Der Menschen ignoranten Herzen keine Bilder.

Sie beschützen ihre Schätze vor unseren Augen

In den Blicken unserer, sie nichts taugen.

Das Feenvolk tanzt unter Zweigen und Blättern

Unsere Fantasie sie niemals erklettern.

Und wen sie verzaubern, dem folgte Magie

Vor deren Macht geht die Erde auf die Knie.

Sie sind nicht friedlich und auch nicht lieb,

Ihre Kraft uns nie verborgen blieb.

Zwischen den Wiesen, den Feldern

Zwischen den Wurzeln in tiefsten Wäldern,

Sie tanzen auf Mittsommer und Erntedank

Den Wald machten sie niemals krank.

Im Zauber der Erde atmen sie mit ihr,

In ihnen brennt der Magie Feuer.

Doch die Zeit vergeht und wie sich versteht

Die Zeit der Magie bald zu Ende geht.

Nur wenn wir glauben, fest an sie,

Entflieht ihnen nicht die Energie,

Die ersten Trolle wurden zu Stein

Und der letzte Drache ward nur noch ein Schein.

Wir haben verloren die Einstellung

Sie nicht zu sehen, keine Umstellung.

Wir lehren die Kinder, es gäbe sie nicht,

All dies ist unser verleugnendes Kopfes Pflicht.

Wer an sie glaubt, traut sich kein Wort

Zu verlieren über dies, sonst muss er fort.

Aber würden wir glauben an Zauberei,

So würde es ihnen sein nicht einerlei.

Nur wer den Glauben an sie nicht verliert,

Ja, wenn es jeder einmal probiert,

Dies für alle ein Ort des Friedens wäre.

Und nicht jeder der Magie den Rücken kehre.

Sie zogen sich zurück, zwischen alte Bäume.

Die Geschöpfe wandern durch unsere Träume,

Manche haben die Wesen schon gesehen,

Doch immer nur um vorbeizugehen.

Ihre Hexerei besteht in den sichtbaren Dingen,

Sie uns die Schönheit der Natur bringen.

Sie tanzen auf Tau in den Morgenstunden,

Versammeln sich ums Feuer in fröhlichen Runden.

Aus Moment wird Stunde, aus Tag wird Jahr.

Die Tiere und Pflanzen von ihnen lange erfahren.

Wie die Sonne das Land erhellt, so sie wieder sinkt,

Aus Jahr wird Jahrhundert und keiner nach ihnen guckt.

Das verwunschene Volk in den Geschichten verblasst

Langsam schauen sie zu,

wie sie in unseren Gedanken verwelken.

Tine Wolf

Feueratem

„Jetzt komm schon, Duke!“, rief die kleine Fee und stemmte wütend die zierlichen Hände in die Hüfte. „Aber ich kann nicht“, schniefte Duke und rollte sich noch etwas fester auf seinem Haufen Goldmünzen zusammen. „Ich bin krank. Du solltest dich lieber in Sicherheit bringen!“ „In Sicherheit? Was redest du denn da. Es geht hier um unsere Zukunft!“, zeterte die kleine Fee und schwirrte aufgebracht um die Nase des riesigen roten Drachen herum. „Ich bin total erkältet, lass mich bitte in Ruhe, Mossy.“ „Aber Duke, willst du nicht auch wieder über blumige Wiesen fliegen, aus glasklaren Bächen trinken und abends die Sternschnuppen zählen können?“, fragte sie fassungslos. „Doch natürlich, aber der Pison verbietet das doch...“, gab der Drache zu bedenken, wurde aber gleich wieder von Mossy unterbrochen. „Dann schwing die Krallenfüße aus dem Nest und kämpfe wie ein echter Drache!“, rief sie kämpferisch und reckte eine Faust in die Luft. „Wie ein Drache?“, fragte Duke mit großen Augen. „Du bist doch einer, schon vergessen? Ein großer, gefährlicher, feuerspeiender Drache, der in einem Nest aus Goldmünzen schläft und jeden im Kampf besiegt“, schwärmte die Fee und landete schließlich auf Dukes langer Nase. „Ich habe aber doch noch nie gekämpft“, gab Duke zu bedenken und schniefte wieder. „Jeder fürchtet den gefährlichen Duke!“, rief Mossy euphorisch. „Ich will doch nicht, dass jemand Angst vor mir hat“, widersprach der Drache kleinlaut. Seufzend schlug Mossy die Hand vor die Augen. „Ach Duke.“ „Hat etwa jemand Angst vor mir?“, fragte er bestürzt. „Nein, vor einem vegetarischen Drachen hat niemand Angst!“, gab Mossy genervt zurück. „Und du sollst ja auch niemanden fressen oder so, du sollst nur dem Pison ein bisschen Angst machen!“ „Dem Pison?“ Vor Schreck zuckte Duke zusammen. Denn der Pison war eine gruselige, dämonische Gestallt mit knochigem, dürren Körper und spitzen Hörnern, der schon seit langem den Wald terrorisierte und seine Bewohner unterdrückte. „Schon vergessen, er hat dem Osterhasen das Eierbemalen verboten und vertreibt die Einhörner mit Stinkbomben!“, rief Mossy. Duke verzog die Schnauze. „Er lässt Dämme bauen, um Bäche auszutrocknen und vergiftet alle Wiesen“, zählte die Fee weiter die Taten des Pisons auf. „Und letztens hätte er sogar fast Oscars Schwanz zerquetscht!“Duke riss das mit spitzen Zähnen gespickte Maul auf, so dass Mossy auffliegen musste um nicht herunter zu purzeln. Doch anstatt sich laut zu empören, wie sie es erwartete, musste der große Drache kräftig niesen.

Eine Rauchwolke stob quer durch die Drachenhöhle und fegte die kleine Fee durch die Luft. Für einen Augenblick war es stockdunkel vor Rauch und Ascheflocken, nur ein paar rotglühende Funken, die mit dem Nieser aus Dukes Lungen gekommen waren, erhellten die Finsternis.„Tschuldigung, Mossy!“, tönte Dukes Stimme durch den Rauch. „Duke!“, rief die kleine Fee irgendwo aus der Dunkelheit, gefolgt von einem kleinen Hustenanfall. „Das ist genau das, was wir brauchen! Geh den Pison suchen, und nies ihn einfach an.“

Langsam legte sich der Rauch, und wie aus dem Nichts tauchte Mossy vor Dukes Nase auf. Ihr Gesicht war rußverschmiert und ihre Haare waren etwas angesengt. „Kannst du ein bisschen weniger Asche und etwas mehr Feuer machen?“, fragte sie begeistert und tippte mit spitzem Finger auf Dukes Nase. „Ich denke schon“, antwortete der kleinlaut und legte den gehörnten Kopf auf die großen Tatzen. Mit großen Augen sag er zu Mossy auf, die vor ihm in der Luft flatterte. „Glaubst du wirklich, dass ich den Pison vertreiben kann?“, fragte er dann. „Natürlich. Wenn ein feuerspeiender Drache sein Revier zurückfordert, rennt dieser Angsthase doch um sein Leben“, behauptete Mossy selbstsicher. „Und was soll ich sagen? Ich kann ja nicht einfach nur Niesen!“, jammerte Duke, der am liebsten einfach weiter in seinem Nest aus Goldmünzen bleiben würde. Nachdenklich kratzte Mossy sich die mit Asche bedeckten Haare. „Sag einfach du warst zuerst hier und du willst dein Revier nicht weiter teilen. Und wenn er nicht geht, frisst du ihn“, sagte die Fee dann Achseln zuckend. „Ich bin Vegetarier! Und du meintest eben, ich muss niemanden fressen.“ Fassungslos schüttelte die Fee den Kopf. „Man Duke, das sollst du doch nur sagen.“ „Ach so.“ „Und dann niest du und wir sind ihn los“, erklärte Mossy ihren Plan weiter. „Dann sind wir alle wieder frei und können über Blumenwiesen fliegen und friedlich Sternschnuppen zählen.“ Duke lag regungslos in seinem Münz- Nest, als könnte die aufgeregte Mossy ihn so vielleicht übersehen. „Oh Duke, bitte! Jetzt komm schon“, rief sie quengelig und fing an, an seinem Horn zu ziehen. „Jetzt steh schon auf, du Angsthase“, rief sie, während sie mit aller Kraft an dem großen Drachen zerrte. Mühsam stand Duke auf, lauter goldene Münzen fielen aus seinen Schuppen und klirrten auf den riesigen Goldhaufen. Zögerlich steckte er eine Tatze aus und setzte sie vorsichtig auf den Höhlenboden. „Der Pison wird mich fressen!“, jammerte der große Drache, während er, gefolgt von der völlig verrußten Fee, zum Höhlenausgang stapfte. Plötzlich blieb Duke stehen, er legte den Kopf in den Nacken, holte tief Luft und nieste kräftig. „Ja mein Großer, genauso musst du es beim Pison machen“, jubelte Mossy und landete zwischen Dukes Hörnern. Gemeinsam traten sie aus der Drachenhöhle, wo Duke plötzlich wie angewurzelt stehen blieb. Fassungslos starrte er auf den braunen Graben, der neben seiner Höhle verlief.

Nur ein einsamer Frosch hüpfte auf dem staubigen Boden, über den einmal Dukes liebster Bach geflossen war. Als der Frosch den Drachen und die Fee bemerkte, blieb er kurz sitzen und quakte traurig. „Oh Mossy“, schniefte Duke mit Tränen in den Augen. „Sieht es überall so aus?“, fragte er, während er die Bäume betrachtete, die bereits jetzt im Sommer alle Blätter abwarfen. „Jup“, gab die kleine Fee düster zurück. Duke war zwischen Angst und Zorn hin und her gerissen, doch schließlich fasste er sich ein Herz. Seine Entscheidung stand fest. „Weißt du was, Mossy?“, der große rote Drache kniff die Augen zusammen. „Als erstes gehen wir die Dämme zerstören, die die Bäche austrocknen lassen. Und dann vertreiben wir den Pison!“ Vor Begeisterung begann Mossy auf und an zu hüpfen. „Los geht’s!", jubelte sie und feuerte ihren Freund an, mit dem sie sich auf den Weg machte, um den Wald zu retten.

Bilder Emma Borchard; Geschichte Elena Stehr

Tomo und die Welt der goldenen Hasen

Es war einmal eine Welt, in der lebten nur goldene Hasen. Sie alle gehörten der Königin Natalie, die zu dieser Zeit herrschte. Die Königin war immer sehr freundlich, so schien es jedenfalls von außen. Doch von innen war sie böse, sehr böse. Sie war eine Hexe, Hexe Nana. Bloß wusste das niemand außer Tomo. Er war ein brauner Hase und noch jung. Genauer gesagt, war er erst ein Jahr alt. Tomo kannte das Geheimnis der Königin nur, weil sie ihn selbst verzaubert hatte oder besser gesagt verflucht. Sie hatte ihm kurz nachdem er geboren war, einen verfluchten Namen gegeben. Es war nämlich so, dass Tomo nicht schon immer hier zwischen den ganzen anderen goldenen Hasen gesessen hatte. Leider konnte er sich an die Zeit nicht mehr erinnern, da er noch ganz jung gewesen sein musste. Doch eines stand fest: das Hexe Nana ihn von seiner Familien geklaut hatte. Und das war ein obergroßerkarottenartiger Mist!

Eines Tages saß Tomo in seinem Bau und zitterte. Es war nämlich so, dass gerade eine Phase war, in der alle keinen Bau fanden, weil es einfach zu wenige gab. Aber auf keinen Fall durfte Tomos Bau entdeckt werden, denn dann würde er selbst von den anderen Hasen gefunden werden. Tomo versteckte sich nämlich vor all den anderen Hasen. Er hatte Angst, dass sie, wenn sie ihn entdeckten, ihn rausschmeißen würden, weil er braun und nicht golden wie die anderen war. Dann bekäme er keinen Bau und keine der leckeren Karotten. Doch zu spät. Er hörte mit seinen super geübten Hasenohren, wie mehrere Hasen sich seinem Bau näherten. „Hier, ich sage euch, hier ist ein Bau, wie wir ihn suchen.“ hörte der Hasenjunge eine aufgeregte Stimme sagen. Tomo wollte sich in der hintersten Nische seines Baus verstecken, doch da steckten schon fünf kleine neugierige Hasen ihren Kopf durch das Eingangsloch. Erschrocken starrten sie ihn einen Moment aus ihren goldenen Knopfaugen an, dann kreischten und schrien sie alle auf einmal auf. „Was, du bist braun?“, „Nicht golden?!“, „Nicht süß, nicht schön?“, so schrien sie alle durcheinander. Mit diesem Geschrei lockten sie lauter andere Hasen an und Tomo nutzte die Gelegenheit, um aus dem Bau abzuhauen. Als die goldenen Hasen das bemerkten, schrien sie entsetzt auf und setzten hinterher. Doch Tomo war schnell und hatte einen riesigen Vorsprung und so gaben sie die Verfolgung bald auf. Tomo war endlich am Ende des riesigen Gartens angekommen und sprang über den Zaun. Er setzte auf der anderen Seite auf und sah eine Straße vor sich. Ihr Ende konnte man nicht sehen. Aber er beschloß trotzdem, dass dies die Straße war, die ihn zu seiner Familie führen würde. Denn Tomo hatte einen Beschluss gefasst: er wollte seine Familie suchen gehen und am Ende auch finden. Der Hasenjunge tat den ersten Schritt und er fühlte sich großartig an. Dann wurde er immer schneller und am Ende kam es ihm so vor, als flögen seinen Pfoten nur so über den Kies. Als die Sonne unterging, war er sehr müde und beschloß, sich zum Schlafen in einen Blätterhaufen zu legen. Doch er fand keinen und so legte er sich kurzerhand ins Gras und schlief mit dem Zirpen der Grillen im Ohr, friedlich ein.

Als Tomo am nächsten Morgen erwachte, schien ihm die Sonne ins Gesicht. Schön, dachte er sich, dann kann es ja losgehen. Doch davor musste er ein Problem lösen: Hunger! Den hatte er nämlich, sogar einen Bärenhunger. Nachdem er jede Menge Gras und Löwenzahn gefuttert hatte, wollte er sich am liebsten gleich wieder hinlegen, doch er sagte zu sich: „Sei vernünftig und mache dich auf den Weg.“ So vergingen Tage, Wochen und schließlich auch Jahre. Eines Tages traf Tomo einen Zwerg. Der Zwerg war sehr klein, in etwa so groß wie eine Karotte. Er hatte einen blauen Hosenanzug an und einen langen weißen Bart. „He, du da“, rief er Tomo zu „warte mal.“ „Ich habe keine Zeit.“, sagte Tomo. „Ich muss meine Familie finden.“ „Aber deswegen halte ich dich doch auf“, sagte der Zwerg. „Ich habe deine Familie getroffen und und könnte dir sagen, wie du zu ihnen kommst.“ „Wirklich?“, fragte Tomo freudig überrascht. „Was muss ich tun?!“ „Nun, sieh dir meine Hände an“, sprach der kleine Arbeiter und streckte Tomo die Hände entgegen. Sie schillerten in einem wunderschönen hellgrün. „Ich muss dich nur mit meinen Händen berühren und ganz fest an den Ort denken, an dem du sein sollst.“ „Na schön“, sagte Tomo und ließ sich von den Händen des Zwerges berühren.

Kurz darauf machte es Puff und er fand sich in einem Keller wieder. Das soll der Bau meiner Familie sein, fragte er sich während er an den Wänden hoch schaute, an denen hier und da Spinnen von der hohen Decke hingen. Nein, er war hier falsch, wurde ihm in dem Moment klar, in dem er einen Pfiff hörte. Daraufhin marschierten von rechts und links lauter kleine Zwerge in blauen Hosenanzügen auf ihn zu. Alle sahen komplett gleich aus und ehe er sich versah, hoben sie ihn hoch und er wurde von vielen Händen den Gang entlang getragen. „Wohin tragt ihr mich?“, fragte Tomo. „Na, wohin wohl, zur Königin natürlich, damit sie dich auch in einen Zwerg verwandeln kann.“ „Was???“ „Aber das geht doch nicht, ich muss doch meine Familie finden.“, schrie Tomo. Doch da erreichte das Sonnenlicht seine Augen und die großen Flügeltüren zum Palast öffneten sich. Hexe Nana sass auf ihrem Thron und grinste Tomo siegessicher an. „Meinst du wirklich, dass ich nicht mitbekomme, wenn mir jemand abhauen will?“, fragte sie mit gruselig tiefer Stimme. „Meine kleinen Helfer hier haben mir natürlich Bescheid gesagt, dass sie einen haselnussbraunen Hasen mit einem weißen Fleck auf dem linken Ohr gesehen haben. Und deshalb wirst du nun ebenfalls in so einen kleinen putzigen Zwerg verwandelt, meinst du nicht?!“ Tomo antwortete nicht. Es ist aus, es ist alles aus, ich werde niemals meine Familie finden, dachte er, während er sich zum Thron tragen ließ. Dort angekommen, ließen ihn die Zwerge runterspringen und bildeten schnell einen Kreis um ihn. Hexe Nana beugte sich zu Tomo herunter und legte ihre Hände auf seinen Kopf. Dann begann sie beschwörend zu murmeln. Hellgrüner Rauch stieg aus seinen Ohren und kurz darauf gab es ein Geräusch, als würde jemand die Luft aus einem Reifen lassen und Tomo schrumpfte. Sein Fell wurde zu Haut und plötzlich steckte er in einem blauen Hosenanzug. Der ehemalige Hasenjunge starrte seine Hände an, sie schillerten in einem hellgrün.

Tomo wurde die Aufgabe zuteil, im Gemüsebeet der Königin zu arbeiten. Er erledigte diese Aufgabe zusammen mit ungefähr einem anderen Dutzend Zwerge. Einer von ihnen war der Zwerg, der Tomo auf der Straße in den Keller der Königin Natalie gebracht hatte. Trotzdem hatte sie sich miteinander angefreundet. Der Zwerg hatte keinen Namen und so nannte Tomo ihn Karl. Karl erzählte, dass er selbst, aber auch all die anderen Zwerge mal goldene Hasen gewesen waren. Bloß hatten alle etwas getan, was Königin Natalie nicht gefallen hatte, wie zum Beispiel ihr widersprochen zu haben. So wurden sie alle in Zwerge verwandelt, die blaue Hosenanzüge trugen. Eines Tages kam Karl aufgeregt zu Tomo gelaufen. „Sieh nur, ich habe eine magische Karotte gefunden.“, rief er aufgeregt. „Was soll denn an der magisch sein?“, fragte Tomo überrascht. Die Karotte war orange und hatte noch ein wenig grün am Ende hängen. Und sie war sehr sehr groß. Tomo glaubte, dass wenn man die Karotte neben eine Axt legen würde, sie gleich groß wären. „Nun schau doch mal genauer!“, sagte Karl und zeigte auf ein Stück Karotte, an dem die Schale abgebrochen war. Darunter war ein bronzefarbener Schimmer zu sehen. „Oh tatsächlich. Was meinst du passiert, wenn wir sie probieren?“, fragte er. Sein Zwergenfreund zuckte mit den Schultern. Eine Weile starrten sie beide die magische Karotte an, die vor ihnen lag. Dann sagte Tomo: „Ich finde, einer von uns sollte sie probieren.“ „Okay, ich kann das machen.“, sagte Karl entschlossen. „Schließlich habe ich sie auch gefunden.“ Er biss von der Karotte nur ein winziges Stückchen ab, doch sogleich folgte die Wirkung. Karl wuchs, wenn auch nur ein kleines Stückchen und dann spross plötzlich Fell aus seinen Armen, die gerade zu Pfoten wurden. Kurz darauf stand ein komplett goldener Hase vor ihm. Er reckte die Nase in die Luft und vollführte ein Freudentänzchen, als Tomo sagte: „Ich habe einen Plan.“