Wackelzahn-Pubertät - Laura Fröhlich - E-Book

Wackelzahn-Pubertät E-Book

Laura Fröhlich

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  • Herausgeber: Humboldt
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2020
Beschreibung

Von der Kuschelmaus zum Säbelzahntiger Von „Ich habe dich so lieb“ bis „Du bist eine doofe Mama!“ – Kinder in der Wackelzahn-Pubertät schwanken oft zwischen Kuschelmaus und tobendem Trotzkopf. Die plötzliche Wut und das ständige Diskutieren werden für Eltern schnell zur echten Herausforderung. Wichtig ist es, den Veränderungen des Kindes entspannt zu begegnen und Verständnis zu zeigen. Wie das gelingt, zeigt Mama-Bloggerin Laura Fröhlich anhand von typischen Stress-Situationen, die im Familienalltag entstehen können: Zimmer aufräumen, Geschwisterstreit, Mäkeln beim Essen, Ärger bei den Hausaufgaben und vielen mehr. Eltern-Ratgeber für die „6-Jahres-Krise“ Wie kann ich mit meinem Kind sprechen, damit aus einer Mücke kein Elefant wird? Wie vermeide ich unnötiges Schimpfen und Bestrafen? Wie mache ich mein Kind stark und selbstbewusst? Welche Regeln und Rituale helfen uns im Familienalltag? In ihrem Ratgeber liefert Laura Fröhlich Tipps für einen entspannten Alltag mit 5-7-jährigen Kindern. Dazu gibt es zahlreiche Ratschläge von Experten – vom der richtigen Kommunikation mit Wackelzahnkindern bis hin zu der Frage, wie Eltern ihre Kinder sicher durchs Internet begleiten. Aus dem Inhalt: • Diskutieren mit Kindern in der Wackelzahnpubertät • Richtig streiten lernen • Experteninterview: Richtig kommunizieren mit Wackelzahn-Rebellen • Selbstbewusstsein von Kindern stärken • Expertenrat: Selbstständigkeit fördern und Kinder gesund groß werden lassen • Wie wir Geschlechterfallen vermeiden • Warum Familienregeln wichtig sind • Wenn Kinder schlechte Esser sind • Erste Schritte ohne Eltern • Kleine Hürden im Schulalltag bewältigen • Experteninterview mit einer Grundschullehrerin: Immer Ärger mit den Hausaufgaben • Warum Langweile für Kinder wichtig ist • Bildschirme und ihre Anziehungskraft

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Seitenzahl: 248

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INHALT

Herzlich willkommen im Chaos

GRUNDLAGEN FÜR EIN ENTSPANNTES lEBEN MIT WACKELZAHN-KINDERN

Reden mit kleinen Rebellen

„Räum dein Zimmer auf!“ – „Nö!“ – Diskutieren mit Kindern in der Wackelzahnpubertät

„Du bist die doofste Mama der Welt!“ – Richtig streiten lernen

Streiten muss gelernt sein

„Du blöde Schwester!“ – Geschwisterstreit ertragen

„Selber schuld – Katapult!“ – Gelassen auf Rebellen-Provokation reagieren

„Nimm mich so, wie ich bin“ – Sprache der Annahme

„Dann gibt’s eben kein Sandmännchen!“ – Warum Strafen uns nicht weiterbringen

Knifflige Frage: Mein Kind lügt wie gedruckt!

Experteninterview: Richtig kommunizieren mit Wackelzahn-Rebellen

Bärenstark und selbstbewusst

„Ich bin gut so, wie ich bin!“ – Selbstbewusstsein von Kindern stärken

„Mama, mach dir keine Sorgen!“ – Kindheit ist keine Krankheit

Expertenrat: Selbstständigkeit fördern und Kinder gesund groß werden lassen

„Ich bin groß – ich bin klein“ – Zwiespältige Gefühle sicher begleiten

„Wir sind ein gutes Team!“ – Interesse zeigen und Bindung stärken

Experteninterview: Kinderrechte und wie wir sie schützen

Typisch Mädchen, typisch Junge

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Jungs sind Helden, Mädchen Prinzessinnen? – Wie wir Geschlechterfallen vermeiden

Geschlechterklischees entlarven

Achtung vor der Pink- und Blaufalle

Unterschiede akzeptieren

Knifflige Frage: Mein Kind hat einen fürchterlichen Kleidergeschmack

Haushalt ist nicht Frauensache! – Kinder zur Gleichberechtigung erziehen

Experteninterview: Kinder auf eine Welt voller Geschlechterklischees Vorbereiten

Familie Friedlich: Miteinander Leben

Warum Familienregeln wichtig sind

Familienregeln gemeinsam aufstellen und einhalten: So geht’s!

Trödelnde Kinder – das Elternproblem Nummer eins

Kindern Verantwortung im Haushalt übertragen

Wie Kinder gute Manieren lernen

PRAKTISCHE TIPPS FÜR EINEN ENTSPANNTEN A LLTAG MIT VOR- UND GRUNDSCHULKINDERN

Räubermahlzeiten für Wackelzahn-Rebellen

„Kinder, kommt meckern, das Essen ist fertig“

„Bäh, das mag ich nicht!“ – Wenn Kinder schlechte Esser sind

„Komm, wir backen Pfannkuchen!“ – Miteinander kochen und backen

„Der ewige Speiseplan“ – Kein Stress mehr in der Küche

Aufklärung für Vor- und Grundschulkinder

„Wie bin ich in deinen Bauch gekommen?“ – Antworten auf spannende Fragen finden

„Es kribbelt so schön!“ – Sexualität bei Kindern

„Nein, ich will das nicht!“ – Kinder vor sexueller Gewalt schützen

Die ersten Schritte alleine

„Ich kann das ohne dich!“ – Herausforderungen für Eltern und Kind

„Das schaffst du schon!“ – Zur Selbstständigkeit ermutigen

„Ich geh den Weg alleine“ – Was das Kind schon selbst kann

„Trau ich mich?“ – Übernachten ohne Mama und Papa

„Mama, bleibst du bei mir?“ – Sensible Kinder sicher begleiten

„Ich habe Angst um dich!“ – Wenn Eltern das Loslassen schwerfällt

Knifflige Frage: Hilfe, mein Kind wünscht sich eine Überwachungsuhr

Vorschul- und Grundschulzeit

„Ich bin bald ein Schulkind“ – Vorschulzeit und Endspurt

„Lieblingsfach? – Große Pause!“ – Kleine Hürden im Schulalltag bewältigen

„Wo ist denn mein Spitzer geblieben?“ – Chaos-Kinder und die Ordnung

Knifflige Frage: Mein Kind geht nicht gerne zur Schule

„Mama, ich brauch Geld!“ – Taschengeld für Schulkinder

Experteninterview mit einer Grundschullehrerin: Immer Ärger mit den Hausaufgaben

Kindheit genießen: Freizeit, Hobbys, Freunde finden

„Ich habe heute Zeit!“ – Warum Kinder ihre Freizeit genießen dürfen

„Flötenunterricht nervt!“ – Welche Hobbys machen wirklich Spaß?

„Mir ist sooo langweilig!“ – Warum Langeweile für Kinder wichtig ist

„Du bist nicht mehr meine Freundin!“ – Freundschaften knüpfen und Konflikte lösen

Medienmäuse: Umgang mit Handy, Internet und Konsolen

„Mama, darf ich das Tablet haben?“ – Bildschirme und ihre Anziehungskraft

„Leg das Handy weg, Papa!“ – Medienregeln aufstellen

„Nur noch eine Folge!“ – Wie Kinder es schaffen, den Aus-Knopf zu drücken

„Zum Geburtstag wünsche ich mir eine Konsole!“ – Der richtige Einstieg in die Medienwelt

„Die wollen doch nur spielen“ – Gefahren kennen und Kinder im Netz schützen

Knifflige Frage: Mein Kind spielt bei seinem Kumpel stundenlang Computer

Experteninterview: So begleiten Eltern ihre Kinder sicher durchs Netz

Nachwort

Anhang

HERZLICH WILLKOMMEN IM CHAOS

Keine Angst vor der Wackelzahn-Pubertät! Diese Zeit ist spannend, berührend und schön, ab und zu auch nervenaufreibend, anstrengend und ermüdend. Aber es macht unglaublich viel Freude, das eigene Kind auf diesem Weg begleiten zu dürfen.

Wenn du dieses Buch in der Hand hältst, ist bei dir zu Hause sicher eine Menge los. Mit einem Kind in der Wackelzahn-Pubertät wird es jedenfalls nie langweilig, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Oft genug stand ich verwundert vor meinem Sohn oder meiner Tochter. Aus den kleinen Mäusen, die noch bis vor Kurzem so drollig sprachen und auf dem Laufrad durch die Gegend düsten, sind rund um den fünften Geburtstag ziemliche Sturköpfe geworden. Alles muss ich mit ihnen ausdiskutieren und manchmal bin ich richtig erschrocken über ihr Benehmen. Dann wiederum wundere ich mich, weil sie wieder ganz klein sein möchten und in Babysprache reden. Jedenfalls denke ich dann mit einem beunruhigenden Gefühl an die richtige Pubertät. Wenn es jetzt schon so turbulent zugeht, was kommt danach auf mich zu?

Was ist mit meinem Kind los?

Ein Grund für die Aufregung bei euch zu Hause kann die spannende Zeit der Vorschule sein, dicht gefolgt von der Einschulung. Dein Kind merkt, dass sich etwas verändert, schließlich sprechen alle Erwachsenen es ständig auf den „Ernst des Lebens“ an. Kein Wunder, dass es ihm ganz mulmig wird und es das Bevorstehende aus dem Tritt bringt. Die Phase zwischen fünf und zehn Jahren heißt aus gutem Grund „Wackelzahn-Pubertät“, weil Kinder sich verändern, sich auch mal auflehnen gegen die Eltern, ständig diskutieren möchten und empfindlich reagieren.

In diesem Alter kommen eine Menge Veränderungen auf unsere Kinder zu, und es werden viele Erwartungen an sie gestellt, wobei sie all das nicht richtig begreifen oder in Worte fassen können. Es ist viel mehr ein diffuses Gefühl, das sie ängstigen kann, und es ist normal, dass sie mit gemischten Gefühlen reagieren.

Kinder in der Wackelzahn-Pubertät wollen groß werden. Das ist in ihrem Entwicklungsprogramm gespeichert und passiert ganz von alleine und im eigenen Tempo. Dafür brauchen sie uns Eltern, unsere Liebe und unser Verständnis zur Unterstützung. Vor allem aber brauchen sie eines: einen respektvollen Umgang mit ihnen. Die Kinder diskutieren, streiten und beharren auf ihrer Meinung, weil sie von uns gesehen und geachtet werden wollen. Das birgt viele Herausforderungen, benötigt manchmal starke Nerven und fordert von uns viel Feingefühl für Zwischenmenschliches. Für uns ist das nicht immer einfach, denn früher gehörte dieser achtsame Umgang nicht unbedingt zur Erziehung dazu. Vielleicht bist du selbst ganz anders aufgewachsen und deine Eltern haben Druck und Strafen angewendet. Ich kann dir schon einmal eines verraten: Mit diesen beiden Mitteln wird die Zeit mit unseren Kindern anstrengend und zermürbend – für beide Seiten.

Neue Wege gehen

Wir wollen es anders machen und suchen gemeinsam Antworten auf viele Fragen. Wieso geraten wir mit unserem Kind ständig in Streit aus den immer gleichen Gründen und wie können wir diese Konflikte lösen? Wie halten Kinder Familienregeln ein, wenn wir nicht mit Sanktionen drohen? Warum trödeln unsere Kinder und warum verstehen sie die Sache mit der Ordnung nicht? Wie viel Freiheit kann ich meinem Kind lassen, welche digitalen Medien erlaube ich ihm, und warum will es heute groß sein und morgen wie ein Kleinkind behandelt werden?

Ich bin selber Mama von drei Kindern, zwei davon sind in der Wackelzahn-Pubertät, und ich habe schon viele Stunden diskutiert, getröstet und mich auch oft geärgert. Es ist nicht immer einfach mit den kleinen Wackelzahn-Rebellen und -Rebellinnen, aber es macht gleichzeitig großen Spaß, sie beim Größerwerden zu begleiten.

„Gute Eltern machen mindestens 20 Fehler am Tag“, hat der dänische Familientherapeut Jesper Juul einmal gesagt. Es ist also ganz normal, dass wir uns nicht jederzeit pädagogisch sinnvoll verhalten können. Du und ich, wir sind Menschen, die ab und zu die Nase voll haben. Sei also nicht zu streng mit dir selbst, wenn du deine Kinder mal nicht so nett behandelst. Stell dir vor, während ich das Buch hier schrieb und all die guten Tipps zusammentrug, habe ich manchmal meine Kinder angemeckert, weil sie mich dabei störten. Im Nachhinein wurde mir dann klar, dass mein Verhalten nicht sehr freundlich war, und ich habe die Kinder um Verzeihung gebeten.

Darum geht es im Buch

Mit diesem Ratgeber hältst du ein Buch in der Hand, das dich durch die Wackelzahn-Pubertät begleitet. Ich habe all meine Erfahrung aufgeschrieben und mit vielen Praxis-Tipps versehen. Außerdem kommen Experten zu Wort, die dir das Verhalten der Kinder erklären und dir mit gutem Rat zur Seite stehen. Ich kenne sie alle persönlich, daher wundere dich nicht, dass ich sie duze.

Du erfährst im ersten Teil des Ratgebers wichtige Grundlagen für das Leben mit Kindern, zum Beispiel, wieso die Art der Kommunikation eine sehr große Rolle spielt und wie wir ihnen auf Augenhöhe begegnen können. Außerdem habe ich aufgeschrieben, wie wir unseren Kindern helfen, stark und selbstbewusst zu sein. Wir widmen uns dem Thema Geschlecht und sprechen darüber, wie wir Jungen und Mädchen so erziehen, dass sie gleiche Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben jenseits von Klischees haben.

Sicher bist du gespannt auf das Kapitel, das sich dem Familienfrieden widmet. Mit Kindern in der Wackelzahn-Pubertät geht es nicht immer friedlich zu, und das ist auch gar nicht weiter tragisch, denn eine Familie, in der immer Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung ist, die gibt es nicht, darauf kannst du wetten! Mein Tipp: Mit der Familienkonferenz könnt ihr gemeinsam Regeln aufstellen und sie ganz ohne Strafen befolgen, auch was das respektvolle Miteinander angeht.

Im zweiten Teil geht es um praktische Themen. Was tust du, wenn deine Kinder kein Gemüse mögen und dauernd über das Essen meckern? Ich habe außerdem gute Ideen, wie du deine Kinder aufklären kannst, auch wenn dir das Thema selbst vielleicht etwas unangenehm ist. Weiter geht es mit den ersten Schritten alleine, denn die sind für unsere Kinder genauso wichtig wie unser Zuspruch und das Verständnis dafür, dass die Kinder ab und zu wieder ganz klein sein wollen. Ich erzähle dir, was das Besondere an der Vor- und Grundschulzeit ist, wieso Hobbys und Freizeit für die Kinder wichtig sind und am Ende sprechen wir über das aktuelle und wichtige Thema digitale Medien.

Auf keinen Fall möchte ich mit dem moralischen Zeigefinger daherkommen. Du bist der Experte oder die Expertin für dein Kind und weißt am besten, was gut für es ist. Du nimmst dir einfach all das für deinen Alltag mit, was du gut findest.

In den kursiv gesetzten Anfangstexten beschreibe ich einige Situationen aus unserem Alltag, und du wirst schnell merken, dass ich mich auch nicht immer richtig verhalte. Vieles würde ich im Nachhinein anders machen, aber ich bin eben auch nur ein Mensch, der das gute Zusammenleben mit Kindern immer wieder üben muss. Du kannst davon profitieren, denn ich habe viel reflektiert und mein Verhalten in mancher Hinsicht geändert – zum Besseren!

Du kannst die Kapitel durcheinander lesen oder der Reihenfolge nach. Der Pfeil zeigt dir an, wenn es zu dem Thema noch an anderer Stelle im Buch Informationen gibt. In kleinen Kästchen gibt es Alltags-Tipps, die ihr direkt umsetzen könnt. Außerdem ist es mir wichtig, dass bei all den Kinderthemen die Eltern nicht zu kurz kommen. Die Anregungen in den Kästen „Atempause für Eltern“ sind nur für dich, denn sind wir mal ehrlich – das Leben mit Wackelzahn-Kindern kann ab und zu ziemlich anstrengend sein.

Ihr schafft das schon!

Ich möchte dir vor allem ganz viel Lust machen auf diese tolle Zeit mit deinem wunderbaren Kind. Es ist so außergewöhnlich, was für eine Persönlichkeit aus ihm wird. Babys und Kleinkinder sind sich im Verhalten oft ähnlich. Nun aber schält sich immer mehr der wahre Charakter heraus. Manchmal sind wir verwundert: Wo hat das Kind nur diese Eigenschaft her? Woher kommt das Interesse für ein bestimmtes Hobby, woher der Sinn für Kunst, Sport oder Bücher? Sie beeindrucken uns mit ihrem Wesen und manchmal sind wir es, die zu ihnen aufsehen. Gleichzeitig brauchen sie uns sehr, denn bei allem Drang, groß werden zu wollen, sind sie immer noch Kinder.

Sie fordern unseren Respekt und möchten so angenommen werden, wie sie sind. Geht uns Großen eigentlich nicht anders, oder? Manchmal, wenn es zwischen meinem Sohn oder meiner Tochter und mir kracht, frage ich mich, wie ich in einer solchen Situation behandelt werden möchte. Meist ist das ein guter Kompass, und ich weiß dann schneller, was mein Kind brauchen könnte.

Die Wackelzahn-Pubertät ist eine Zeit der Veränderung. Aus unseren kleinen Kindern werden große Kinder, die Schritt für Schritt in Richtung Selbstständigkeit unterwegs sind. Wir Eltern sind dafür da, ihnen die Flügel zu geben, um loszufliegen. Mindestens so notwendig brauchen sie die Gewissheit, dass das Nest bleibt – für immer. Wir stellen jetzt die Weichen für die Zeit der Pubertät. Respekt und Freiheit wird dann das sein, was die jungen Menschen von uns brauchen. Wir dagegen brauchen Vertrauen in unsere Kinder. Wenn wir jetzt in der Wackelzahn-Pubertät die Grundsteine für dieses Vertrauen legen, dann kann nichts schiefgehen. Machen wir uns mit unseren Kindern auf eine spannende Reise.

Ich wünsche dir nun ganz viel Spaß beim Lesen

Deine Laura

GRUNDLAGEN FÜR EIN ENTSPANNTES LEBEN MIT WACKELZAHN-KINDERN

REDEN MIT KLEINEN REBELLEN S. 14

BÄRENSTARK UND SELBSTBEWUSST S. 46

TYPISCH MÄDCHEN, TYPISCH JUNGE S. 64

FAMILIE FRIEDLICH: MITEINANDER LEBEN S. 82

REDEN MIT KLEINEN REBELLEN

Mit Eintreten der Wackelzahn-Pubertät wird das Reden mit dem Kind manchmal schwieriger. Unser Kind erscheint uns frech, es streitet mit den Geschwistern, und wir wissen dann in unserer Hilflosigkeit keine bessere Lösung, als mit Drohungen zu reagieren. In diesem Kapitel erzähle ich dir etwas über gelungene Kommunikation. Warum ist streiten nicht schlimm, wenn wir ein paar Regeln befolgen, und wie kannst du die Konflikte zwischen Geschwistern besser akzeptieren? Ich erkläre dir, warum Strafen meiner Meinung nach nichts bringen und wie du stattdessen mit reden auf Augenhöhe weiterkommst.

„Räum dein Zimmer auf!“ – „Nö!“ – Diskutieren mit Kindern in der Wackelzahnpubertät

Ich komme in Jimmys Zimmer und sehe Chaos, so weit das Auge reicht. Nach dem ersten Schritt trete ich auf eine Tipp-Kick-Figur und schimpfe: „Wie sieht es denn hier aus? Räum jetzt bitte auf!“

„Nein, ich spiele gerade mein Fußballspiel“, antwortet mein Sohn, und schießt den Tipp-Kick-Ball in das Tor.

„Dann mach es später“, entgegne ich genervt.

„Nein, da will ich rüber zu Finn.“

Wir diskutieren und finden kein Ende, ich werde dabei immer ärgerlicher. „Solange du nicht aufgeräumt hast, gehst du nirgendwo hin“, rufe ich wütend und fühle mich ziemlich hilflos.

„Geh raus“, schreit Jimmy.

Ich haue die Tür zu und muss erst einmal Luft holen.

Vielleicht kommen dir solche Situationen bekannt vor. Erkennst du dein Kind auch manchmal nicht wieder, ärgerst dich und fühlst dich machtlos? Mit kleinen Wackelzahnrebellen und -rebellinnen kann man stundenlang diskutieren und das macht uns Eltern oft wahnsinnig. War das Wort von Mama und Papa bis vor Kurzem zumindest im ausgeschlafenen und satten Zustand Gesetz, stellen die Kinder rund um ihren fünften Geburtstag alles infrage. Sie finden Aufräumen doof, haben keine Lust, beim Tischdecken zu helfen, möchten abends im Bett das Licht anlassen und das Taschengeld nicht in das Sparschwein tun, sondern viel lieber scheinbar nutzlosen Kleinkram kaufen. Nervig können auch Diskussionen um gemeinsame Unternehmungen sein. Das Kind findet den Spielplatz langweilig und boykottiert den Nachmittagsausflug mit den Geschwistern. Früher wäre es wenigstens schmollend mitgekommen, nun stehen Eltern mit Eimer, Schaufel und Trinkflasche in der Tür und tauschen mit dem Kind Argumente aus, die dann schnell zum Streit führen. Falls du deshalb frustriert bist und dich fragst, was du falsch gemacht hast, kann ich dich beruhigen: Ganz viele Kinder in diesem Altern benehmen sich so.

Ein wichtiger Entwicklungsschritt

Das Wort Wackelzahn-Pubertät bezeichnet diese Phase ausgezeichnet, und Eltern wissen meist sofort, was gemeint ist. Mit dem ersten Wackelzahn verändern sich die Kinder zunehmend, die Gründe dafür sind aber nicht die Hormone. Vielmehr ändert sich das Leben der Kinder, und sie reagieren darauf. Im Prinzip ist das eine ganz besonders spannende Phase: Sie sind keine Kleinkinder mehr, sind aber auch noch lange nicht groß. Die Vor- und Grundschule und alles, was damit zu tun hat, verändert ihr Leben und bereitet Vorfreude, aber auch Angst. „Was kommt da nur auf mich zu und wie wird sich mein Leben durch die Einschulung verändern?“ Manche Kinder nehmen diese Situation gelassener hin, aber alle erfreuen sich an der Entdeckung ihrer eigenen Persönlichkeit und haben keine Lust mehr, alle Regeln als gegeben hinzunehmen.

Es tut uns Eltern gut, wenn wir wissen, dass andere Mütter und Väter mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen haben und nicht nur das eigene Kind ein ungewöhnliches Verhalten an den Tag legt, sondern all die anderen in seinem Alter auch. Die sogenannte Wackelzahn-Pubertät ist also einfach ein weiterer Schritt, den dein Kind geht, und du kannst das gut im Alltag beobachten: Es entwickelt zu allen möglichen Themen eine eigene Meinung, besteht auf seine Privatsphäre und sucht den Kontakt zu Gleichaltrigen. Vor allem kann es richtig wütend werden, wenn es sich übergangen fühlt und ihr es nicht in eure Familien-Entscheidungen mit einbezieht. Vielleicht zieht dein Kind ein langes Gesicht, weil ihr in den Ferien wieder an die Ostsee fahrt, es aber viel lieber mal in den warmen Süden möchte, so wie seine Schulkameraden. Kleinere Kinder räumen zwar nicht immer gerne auf, sie hinterfragen aber nicht den Sinn des Aufräumens. Ein Kind in der Wackelzahn-Pubertät denkt sich dagegen: „Wieso soll ich das eigentlich tun? Es ist mein Zimmer und das ist mein Bereich. Also darf ich bestimmen.“ Mitbestimmung und Gehört-Werden sind ganz wesentliche Dinge, die Kinder in der Wackelzahn-Pubertät von uns fordern, und das ist genau richtig so!

Alles infrage stellen

Vielleicht bist du manchmal verzweifelt oder genervt von den ewigen Streitereien mit deinem Wackelzahn-Rebell oder deiner Wackelzahn- Rebellin? Mir geht es jedenfalls so. Aber wenn wir uns mal mit der Kommunikation zwischen Eltern und Kind beschäftigen, wird uns schnell klar, welcher Zusammenhang zwischen wachsendem Alter und der Zunahme von Konflikten besteht.

Ein wertschätzender Umgang mit Kindern ist von Anfang an sehr wichtig. Ein Baby, das vom Kinderarzt oder der Kinderärztin untersucht wird, muss das zwar über sich ergehen lassen, wird dabei aber von seiner Mutter getröstet. Ein Kleinkind darf das scharfe Messer nicht haben, aber wir beugen uns herunter, erklären ihm die Gefahr und geben ihm stattdessen ein Kindermesser. Dabei geben Eltern ihren Kindern ein Zeichen, dass sie deren Wunsch nach Trost oder Selbstständigkeit erkennen und, so weit es eben möglich ist, erfüllen. Bei Kindern in der Wackelzahn-Pubertät wird dieser wertschätzende Umgang noch wichtiger. Die Kinder gieren förmlich danach, dass wir sie, ihre Meinung und ihre Bedürfnisse sehen. Tun wir das nicht, sondern gehen wir darüber hinweg und spielen unsere Eltern-Machtkarte aus, gehen sie im wahrsten Sinne des Wortes an die Decke.

Entwicklung der Persönlichkeit

Kinder in diesem Alter entdecken mehr und mehr ihre eigene Persönlichkeit. Sie erkennen, dass sie besonders sind, dass es ein ICH gibt, das sich von dem DU gegenüber unterscheidet. Das eine Kind mag Sport, das andere zeichnet lieber. Ein Kind ist schüchtern, ein anderes steht gerne im Mittelpunkt. Die Kinder erkennen sich als individueller Mensch mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen und erwarten von uns Eltern, dass wir sie als solche sehen. Dieses ICH gilt es zu schützen und deshalb ist das Für-sich-Eintreten ein großer Entwicklungsschritt. In unserer Gesellschaft gilt es als „frech“, wenn Kinder „Widerworte“ geben. Dabei geht es ja eigentlich um eine Meinungsäußerung, die möglicherweise nicht im richtigen Ton gesprochen wurde. Diesen richtigen Ton müssen die Kinder auch erst erlernen. Das tun sie vor allem dann, wenn wir im richtigen, also in einem wertschätzenden und respektvollen Ton mit ihnen sprechen.

Diskussionen gehören dazu

Wünschen wir uns nicht alle, dass unsere Kinder später einmal starke Menschen sind, die für sich selbst einstehen? Nun kannst du deinen Sohn oder deine Tochter darin bestärken, denn mit der Wackelzahn- Pubertät startet ein besonderer Lebensabschnitt. Tatsächlich musst du von jetzt an wohl öfter diskutieren, dich erklären, Begründungen geben und auch mal auf deinen Standpunkt beharren. Aber wenn du mit deinem Wackelzahn-Kind auf Augenhöhe sprichst und ihm dabei zeigst, dass du zwar nicht immer in seinem Sinne entscheiden kannst, aber seine Meinung ernst nimmst, werdet ihr langfristig gut miteinander klarkommen.

TIPP FÜR DEN ALLTAG

Zugegeben, das eigene Zimmer ist Privatsache. Aber dein Kind möchte ja auch, dass du es besuchen kommst. So könntet ihr miteinander besprechen, dass du abends beim Gutenacht-Sagen nicht auf Spielzeug treten möchtest. Könnt ihr euch auf eine gewisse Grundordnung einigen? Keine Schmutzwäsche auf dem Boden und ein breiter Trampelpfad zum Durchgehen? So geht keiner von euch als Gewinner oder Verlierer aus der Sache heraus. Mehr zum Thema Aufräumen findest du im Kapitel „Familie Friedlich“.

Eine einfache Lösung?

Du fragst dich vielleicht, ob sich bereits einmal geklärte Diskussionspunkte wie das Zimmeraufräumen damit ein für alle Mal erledigt haben? Nein, vermutlich nicht. Wackelzahn-Rebellen und -Rebellinnen neigen dazu, den Diskussionsgrund schnell zu vergessen. Ein und dasselbe Thema immer wieder durchzukauen gehört zum Leben mit Kindern einfach dazu. Aber wenn du dein Kind an euren bereits geschlossenen Kompromiss erinnerst, dann weiß es, dass es fair wäre, sich an eure Abmachungen zu halten. Verhältst du dich auf Dauer selbst fair, wird es das bald ebenso machen, denn Kinder lernen über Erfahrungen und Vorbilder, wenn auch nicht sofort. Vielleicht diskutiert ihr immer mal wieder von Neuem los, aber seien wir ehrlich: Würden wir unsere Eltern-Machtkarte ausspielen und mit Verboten drohen, gäbe es ebenfalls Diskussionen. So aber übt dein Kind nebenbei das Diskutieren, den fairen Meinungsaustausch und den respektvollen Umgang miteinander. Das ist ein Handwerkszeug, von dem es ein Leben lang profitieren wird.

TIPP FÜR DEN ALLTAG

Selbstverständlich gibt es Momente, da ist keine Zeit für Diskussionen. Wenn ihr einen Termin habt und euch beeilen müsst, ist eine ausgiebige Diskussion über Sauberkeit im Kinderzimmer oder die Wahl der richtigen Sandalen nicht drin. Findet schnell eine kreative Notlösung (Zimmer bleibt erst einmal unordentlich / nehmt zwei Paar Sandalen mit) und schlag deinem Kind vor, dass ihr die Diskussion auf den Abend verschiebt. Sprich dann beim Abendessen, beim Kuscheln auf dem Sofa oder beim Gutenacht-Sagen das Thema noch einmal in Ruhe an.

„Du bist die doofste Mama der Welt!“ – Richtig streiten lernen

„Luise, heute ist Reitunterricht und wir müssen bald los“, sage ich zu meiner Tochter.

„Heute möchte ich nicht zum Reiten, mir ist das zu anstrengend“, antwortet sie.

„Das geht nicht“, erwidere ich, „wir haben die Reitstunde bezahlt und nun musst du sie auch machen, sonst ist das Geld verloren.“

„Ich WILL aber nicht“, schreit Luise wütend.

„Immer willst du erst etwas und hast dann bald keine Lust mehr“, ärgere ich mich.

„Du bist die doofste Mama der Welt“, heult Luise.

Wir sehnen uns nach Harmonie, nach guter Stimmung und allgemeiner Zufriedenheit, aber seien wir ehrlich: In einer Familie geht es nicht ohne Streit. Mit Kindern ab fünf Jahren nimmt die Streiterei manchmal sogar noch zu, denn Wackelzahn-Rebellen und -Rebellinnen wollen längst nicht immer das Gleiche wie die Eltern und wissen, das auszudrücken.

Streiten muss gelernt sein

Jeden Konflikt zu vermeiden ist nicht nur unmöglich, sondern auch gar keine gute Idee. Denn wenn alle Familienmitglieder ein paar Regeln beim Streiten berücksichtigen, verhärtet ein Konflikt die Fronten nicht, sondern trägt langfristig zu mehr Familienfrieden bei. Die Kinder müssen lernen zu streiten, denn woher sollen sie das auch können? Wenn sie klein sind, fällt es ihnen besonders schwer. Sie reagieren im Konfliktfall mit Wut, Trotz oder einer Beißattacke. Kinder ab fünf Jahren reagieren nicht mehr so stark und sind eher in der Lage, sich in eine andere Person hineinzuversetzen. Aber damit umzugehen, Kompromisse zu schließen oder sich auf den anderen einzulassen, ist für sie trotzdem schwierig. Damit umzugehen ist ein Lernprozess, der auch uns Erwachsene immer wieder herausfordert. Die Fallen beim Streiten zu umschiffen und es nicht zu einer unlösbaren und aggressiven Auseinandersetzung werden zu lassen, ist also eine Aufgabe für Groß und Klein.

Pause einlegen

Wenn ihr während eines Konflikts so richtig sauer werdet, tut euch eine Pause gut. Wenn bei uns mal die Türen knallen, bleiben sie auch eine kurze Zeit geschlossen. Jeder kann dann durchschnaufen und sich ein wenig beruhigen. „Lass uns in einer halben Stunde noch einmal darüber sprechen, okay?“, so könntest du dein Kind um eine kleine Auszeit bitten.

Du-Botschaften vermeiden

Richtig unangenehm ist es für uns alle, wenn wir mit Du-Botschaften bombardiert werden, die auch noch mit Worten wie „immer“ und „nie“ gewürzt sind. Dass ich in meinem Beispiel zu Beginn des Kapitels meiner Tochter vorwarf, immer schnell die Lust zu verlieren, war gemein und pauschalisierend. Kein Wunder, dass sie dann so richtig wütend wurde. Eine wichtige Regel beim Streiten lautet daher, Ich-Botschaften zu verwenden, um uns gegenseitig nicht unnötig zu beleidigen oder herabzusetzen. Du sprichst damit von dir und fällst kein Urteil über dein Gegenüber. Wenn du mit deinem Kind diskutierst und ein Konflikt ausbricht, sprich also nur von deiner Sicht der Dinge. So lernt es im Laufe der Jahre, sich in dich hineinzuversetzen und deine Bedürfnisse anzuerkennen.

Emotionen ansprechen

Wenn du gerade schon dabei bist, von dir zu sprechen, dann formulier auch deine Gefühle. Ich hätte im Gespräch mit Luise sagen können: „Ich bin ärgerlich, wenn die Reitstunde verfällt, denn ich habe sie bezahlt.“ Meine Tochter kann so eher nachvollziehen, warum ich wütend bin und bezieht das Problem nicht auf sich als Person, sondern auf den Umstand. Außerdem kommen auf diese Weise Gefühle zur Sprache. Frag dein Kind bei einem Streit doch mal: „Was macht dich denn gerade so wütend?“

Eine Lösung finden

Überleg dir mal, wie du einen Streit unter Arbeitskollegen und -kolleginnen klären würdest. Ihr würdet vermutlich versuchen, einigermaßen respektvoll miteinander umzugehen, denn ihr müsst ja weiterhin zusammenarbeiten. Auch wenn ihr unterschiedlicher Meinung wärt, würdet ihr sicher nach einem Kompromiss suchen. Genauso ist das im Streit mit unseren Kindern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein guter Kompromiss die dicke Luft schnell klären kann. Frag dein Kind nach einer Lösung eures Streits. Manchmal haben Kinder die spannendsten Ideen, und wenn sie merken, dass wir Großen bereit sind, uns auf ihre Sichtweise einzulassen, kann es mit der Versöhnung schneller gehen, als wir denken.

Sich entschuldigen

Wichtig ist, dass wir Eltern uns ehrlich entschuldigen, wenn wir ungerecht waren. Mir sind als Mutter schon oft gemeine Dinge herausgerutscht, die mir später leidtaten. Für die Kinder ist es ein großes Zeichen, wenn wir auf sie zugehen und aufrichtig um Entschuldigung bitten. Am besten lassen wir diese Bitte um Verzeihung so stehen, ohne auf die Fehler des Kindes einzugehen. Eine „Aber-Botschaft“, die wir an die Entschuldigung anschließen, mindert nämlich die Bitte um Verzeihung wieder ab. Das Gute daran: Wenn dein Kind sieht, dass du dich ohne Wenn und Aber entschuldigst, wird es ihm bald leichter fallen, es selbst zu tun.

ATEMPAUSE FÜR ELTERN

Ab und zu fehlen dir die Nerven für Diskussionen, du hast einfach keine Lust, keine Zeit oder bist zu müde? Das ist völlig normal und nachvollziehbar und geht mir genauso. Sag deinem Kind, wie du dich fühlst und dass du gerade keinen Kopf für Diskussionen hast. Kinder in der Wackelzahn-Pubertät müssen zwar lernen, für ihre eigenen Bedürfnisse zu kämpfen. Aber sie müssen auch lernen, die der anderen zu respektieren.

Wenn immer wieder dieselben Konflikte auftauchen

Ab und zu streiten Eltern mit ihren Wackelzahn-Rebellen und -Rebellinnen immer wieder über dieselben, nervtötenden Themen. Trödeln, Aufräumen, Geschwisterstreitereien oder Hausaufgaben – da gibt es nur ein paar kleine Trigger und schon sind alle wütend und verletzt. Weil wir Eltern die Verantwortung für die Stimmung in unserem Haus tragen, liegt es auch in unserem Aufgabenbereich, schwierige Situationen langfristig in den Griff zu bekommen. Überleg dir mal in Ruhe, welche Momente im Alltag Konfliktpotenzial bieten und welche Sätze dann immer wieder fallen. Schreib sie auf und schau sie dir an. Wie wirken sie auf dich? Kannst du die Sätze umformulieren? ( siehe auch die Abschnitte „Du-Botschaften vermeiden“ und „Emotionen ansprechen“). Sprich mit deinem Kind über den wiederkehrenden Konflikt, wenn die Stimmung wieder gut ist. Frag es mal, was seiner Meinung nach dazu führt, dass ihr streitet. Trau dich, dein Kind als gleichwertiges Gegenüber zu betrachten und versucht, gemeinsam einen Lösungsweg zu finden.

TIPP FÜR DEN ALLTAG

Denkt euch ein lustiges Codewort für wiederkehrende Streitpunkte aus. „Warzenschwein“ für Ärger mit den Hausaufgaben, „Pupskartoffel“ für Streit rund ums Aufräumen. Sobald der Konflikt aufkocht, sagt einer von euch das Wort, und ich garantiere, dass es euch ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Haltet kurz inne und erinnert euch an euer Gespräch. Was hattet ihr besprochen? Probiert, die vereinbarten Lösungswege einzuhalten.

„Du blöde Schwester!“ – Geschwisterstreit ertragen

„Pferde sind doof“, platzt es morgens am Frühstückstisch aus Jimmy heraus.

Luise reagiert prompt: „Und Fußball ist so richtig oberdoof, und du bist der dümmste Bruder der Welt.“

Jimmy wirft mit seinem Marmeladenbrot nach seiner Schwester, diese stürzt vor Schreck vom Stuhl. Manege frei für ein ganz normales Geschwisterpaar und die alltäglichen Grabenkämpfe.

Es soll ja Geschwister geben, die sich die meiste Zeit vertragen. Mir selbst kommt es manchmal so vor, als sei das in allen anderen Familien der Fall, nur nicht bei uns. Wenn ich aber gezielt herumfrage, berichten alle Eltern das Gleiche, und die meisten Geschwister zanken viel. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Altersabstand der Kinder nicht groß ist. Ich kann dir außerdem noch etwas mit auf den Weg geben. Oft sind es die Eltern, die sich am meisten Mühe mit ihren Kindern geben, bei denen es den größten Zoff gibt. Es hat also nichts mit dir zu tun, wenn bei euch zu Hause zwischen den Kindern die Fetzen fliegen.

Wenn auch deine Kinder oft streiten, dann sei dir darüber im Klaren, dass es a) normal ist, b) dazugehört und sich c) die Streithähne trotzdem ungemein lieb haben. So ist es auch bei Jimmy und Luise. Lass Streit zu, denn wir Erwachsenen haben gelernt, Ärger zu unterdrücken. Da sind uns in Sachen Psycho-Hygiene unsere Kinder einen Schritt voraus!

TIPP FÜR DEN ALLTAG

Wir haben eine tolle Lösung für einen großen Teil unseres Geschwisterstreit- Problems, nämlich auf die Frage, wer heute bestimmen und wer aussuchen darf: Wir teilen die Wochentage untereinander auf. An jedem Tag darf einer meiner Kinder bestimmen. Luise ist montags und mittwochs dran, Oskar freitags und samstags und Jimmy dienstags und donnerstags. Das Beste: Der Sonntag gehört den Eltern! Und so wissen wir immer genau, wer die Musik im Auto oder den Nachtisch aussuchen darf. Probiert es mal aus!