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Die New-Life-Nano-Chips breiten sich weiter aus und der Kampf zwischen den Yinaro und den Xelari tobt weiter. Die Armee, die Ähnlichkeit mit Zombies hat, wird immer größer. Ein Heilmittel ist in Sicht. Bei einem Einsatz, um das Heilmittel zu testen, kommt es zu einem schrecklichen Zwischenfall. Taya und ihre Freunde sind ganz auf sich alleine gestellt und müssen erneut um ihr Überleben kämpfen. Neue Verbündete sind in Sicht.
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Seitenzahl: 327
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Impressum
© 2022 Skadi Auriel
Erstauflage
Autor: Skadi Auriel
Umschlaggestaltung: Skadi Auriel
Lektorat, Korrektorat: Patrick Brehmer
Verlag & Druck: Bookmundo, Delftestraat 33, 3013AE Rotterdam
ISBN: 9789403660462
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Widmung
Das Buch widme ich auch meinen beiden Brüdern, auf die ich sehr stolz bin. Glaubt weiterhin an euch und gebt nicht auf.
Vorwort und Danksagungen
Es freut mich, dass Sie wieder bei Tayas Reise mit dabei sind.
Als Erstes danke ich meinem Lektor, Patrick Brehmer, und allen fleißigen Testlesern. Sie sind mir eine große Hilfe gewesen.
„War Zone Earth 3: Feuriger Sturm“ ist erneut nur aus der Perspektive von Taya geschrieben. Ich hoffe, dass das Ihnen als Leser Freude bereitet. Damit es Ihnen leichter fällt, sich bei den Charakteren zu orientieren, habe ich zu Beginn des Buches eine Charakterliste eingefügt.
Ich würde auch gerne diesen Roman nutzen, um den Lesern nahezubringen, wie sich unter anderem Depressionen und Dissoziationen (beispielsweise „innerlich wegdriften“) anfühlen. An Betroffene: Holen Sie sich Hilfe. Das ist keine Schande. Ich empfehle zu dem Thema das Lied „A Reason To Fight“ von der Band Disturbed.
Die Idee zur „War Zone Earth“-Reihe entstand vor der Corona-Pandemie.
Über folgende E-Mail-Adresse können Sie mit mir in Kontakt treten: [email protected]. Passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie gesund. Ich wünsche Ihnen stets viel Lebensfreude.
Viele Grüße, Skadi Auriel
Anmerkungen
Kursiv geschriebene Textstellen stellen Flashbacks oder Textstellen, in denen Charaktere über Funk zu hören sind, dar.
Ich bezeichne außerhalb der wörtlichen Rede Philipp Kartmann mit Kartmann und dessen Bruder Alexander Kartmann mit Alexander. Damit halte ich es genauso wie im zweiten Teil von War Zone Earth. Dadurch muss sich der Leser nicht umstellen und es fällt leichter, zwischen beiden Charakteren zu unterscheiden.
Nachfolgend findet der Leser eine Übersicht aller Charaktere, die dem Stand vom Ende des zweiten Teils entspricht.
Charakterliste
menschliche Charaktere
Taya Rivano:
Psychotherapeutin, 35 Jahre, Julians Lebensgefährtinn
Robert Rivano:
Fachinformatiker, 31 Jahre, Tayas Bruder
Julian Rohrmann :
Biotechniker, 36 Jahre, Tayas Lebensgefährte
Cassandra Delary, geb. Drilling:
Polizistin, 45 Jahre alt, Ehefrau von Justin Delary
FrankHübmann/ „Viking“ :
Krankenpfleger, Ehemann von Belinda und Vater von Skadi, 45 Jahre, stellvertretender Sicherheitschef von Sirnir Alpha
Belinda Hübmann:
Lehrerin, Franks Ehefrau, Skadis Mutter, 42 Jahre
Skadi Hübmann:
Franks und Belindas Tochter, 14 Jahre
Sabine Wirtz:
Fachinformatikerin, 25 Jahre, Lebensgefährtin von Richard
Heinz Wirtz:
Sabines und Joshuas Vater, 53 Jahre
Joshua Wirtz – Riedel:
Sabines Bruder, Heinzs Sohn, 28 Jahre
Damian Donner:
Psychologe, Bettinas Bruder, 29 Jahre
Bettina Donner:
Damians Schwester, 33 Jahre
Markus Ohlenbring:
Kassierer, vor der Apokalypse obdachlos, 25 Jahre
Dr. Philipp Kartmann:
Psychiater, Alexanders Bruder, Vater von Tobias und Susanne, 45 Jahre, Lebensgefährte von Gabriele
Alexander Kartmann:
Graphikdesigner, Philipps Bruder, 44 Jahre
Tobias Kartmann:
Philipp Kartmanns Sohn, 16 Jahre
Susanne Kartmann:
Philipp Kartmanns Tochter, 14 Jahre
Alina Zirpan:
Psychotherapeutin, Adrians Lebensgefährtin, 37 Jahre
Adrian O’Neill:
Arzt, Alinas Lebensgefährte, 42 Jahre
Thomas Trayan:
Anwalt, Alessias Partner, Giovannis Vater, 49 Jahre
Alessia Caresa:
Sängerin, Thomas’ Partnerin, Giovannis Mutter, 45 Jahre
Felix Zarnt
Rechte Hand bei den New Crusadern, 50 Jahre
Giovanni Caresa:
Sohn von Thomas und Alessia, 10 Jahre
Christoph Trautberg:
Schreiner, 44 Jahre
Tessa Green:
Schauspielerin, Hopes Mutter, 37 Jahre
Hope Green:
Tessas Tochter, 15 Jahre
Lena Harkweg:
Polizistin, 54 Jahre
Ralf Daniels:
Unterweltboss, Max Daniels Vater, 66 Jahre, im zweiten Teil von Richard und Delary erschossen
Max Daniels:
Anwalt, Ralf Daniels Sohn, 48 Jahre
Steffen Onbacht:
Ergotherapeut, Anführer der Viersener Gemeinschaft, Maras Mann, 38 Jahre
Mara Onbacht:
Krankenschwester, Sicherheitschefin der Viersener Gemeinschaft, Steffens Frau, 39 Jahre
niranische Charaktere
Justin Delary:
Oberkommandeur aller Xelari, Kommandeur von Sirnir Alpha, Aidens Vater, sieht wie ein 46 Jahre alter Mensch aus, Ehemann von Cassandra Delary (geb. Drilling)
Jenara Trios:
Ehemals stellvertretende Oberkommandeurin aller Xelar, sieht wie ein 50 Jahre alter Mensch aus, Partnerin von Zefanius, verriet die Xelari an die Yinaro
Aiden Delary:
Justin Delarys Sohn, sieht wie ein 14 Jahre alter Mensch aus
Steffi:
Sicherheitschefin auf Sirnir Alpha, sieht wie ein 44 Jahre alter Mensch aus
Shawn Sanders:
Waffen- und Sprengstoffexperte bei den Xelari, Ines’ Ehemann, Shinos Vater, sieht wie ein 32 Jahre alter Mensch aus
Ines Sanders:
Leitende Technikerin auf Sirnir Alpha, Shawns Ehefrau, Shinos Mutter, sieht wie ein 39 Jahre alter Mensch aus
Shino Sanders:
Ines’ und Shawns Sohn, sieht wie ein 16 Jahre alter Mensch aus
Kumari:
Soldat und Techniker bei den Xelari, sieht wie ein 55 Jahre alter Mensch aus
Michael Schneider:
Ehemals leitender Sicherheitsoffizier auf Sirnir Alpha, sieht wie ein 54 Jahre alter Mensch aus, im zweiten Teil von den Caretakern ermordet.
Gabriele Marten:
Soldatin und leitende Ärztin auf Sirnir Alpha, sieht wie ein 50 Jahre alter Mensch aus, Lebensgefährtin von Philipp Kartmann
Richard O’Connor:
Stellvertretender Kommandeur von Sirnir Alpha, Kommandant von Eliteeinheiten, sieht wie ein 44 Jahre alter Mensch aus, Lebensgefährte von Sabine Wirtz
Eve:
Soldatin bei den Xelari, sieht wie ein 22 Jahre alter Mensch aus
Dennis:
Soldat bei den Xelari, sieht wie ein 30 Jahre alter Mensch aus, verriet die Xelari an die Yinaro, starb im zweiten Teil.
Melissa:
Soldatin und Ärztin auf Sirnir Alpha, sieht wie ein 48 Jahre alter Mensch aus, verriet die Xelari an die Yinaro
Cooper:
Soldat und Pilot auf Sirnir Alpha, sieht wie ein 42 Jahre alter Mensch aus
Zefanius:
Anführer der Yinaro, sieht wie ein 60 Jahre alter Mensch aus, Lebensgefährte von Jenara
Jeanette:
Soldatin und Ärztin auf Sirnir Alpha, sieht wie ein 38 Jahre alter Mensch aus
Tiere (irdisch und niranisch)
Shari (irdisch):
Tayas und Julians 2 ½ -jährige Golden-Retriever Dame
Daryl (irdisch):
Sabines 5 Jahre alter Schäferhund
Balu (niranisch):
6 Monate alter Saturi von Thomas, Giovanni und Alessia
Sammy (niranisch):
4 Jahre alter Saturi von Justin und Aiden Delary.
Happy und Fussel:
(irdisch):
Zwei verletzte junge Wiesel, die nicht ausgewildert werden können,von Richard betreut
Prolog
Ende Februar 2022 hockte Taya, mit Shari vor ihren Füßen liegend, auf einer Bank. Ihre Gedanken glitten zu den vergangenen Ereignissen zurück. Diese hatten dazu geführt, dass sie mit ihrer Hündin auf Sirnir Alpha vor einem Springbrunnen saß. Durch die direkte Konfrontation mit den Schattenseiten der Menschheit verlor sie den Glauben an diese. Die grauenhaften Erlebnisse, die sie erlebt hatte, belasteten sie weiterhin. Die Depression und Flashbacks stellten inzwischen nur noch einen Schatten von sich selber dar.
Taya erinnerte sich wehmütig an die Zeit, in der ihre Welt nicht in Trümmern gelegen hatte. In der sie zusammen mit ihrer Freundin Alina in der gemeinsamen Praxis gearbeitet hatte. Die Gewissheit, dass sich alles für immer verändert hatte, versetzte ihr einen Stich ins Herz.
Taya hatte im August 2021 eine Fortbildung in einem Kölner Hotel besucht. Ihr Lebensgefährte Julian, ein Biotechniker, hatte sie begleitet. Die Yinaro hatten ihn überfallen und mit Nano-Chips in eine willenlose Drohne verwandelt. Sie hatten Taya in eine ihrer Basen entführt, um ihr dasselbe anzutun. Es war bei ihrer Flucht aus deren Stützpunkt zu einem Brand gekommen. Shawn und die Kommissarin Cassandra hatten weitere Verschleppungsversuche vereitelt.
Die Xelari, die ein friedliches Zusammenleben mit den Menschen anstrebten, nutzten zur Tarnung die milliardenschwere Firma Sirnir. Der Geschäftsführer Justin Delary hatte Taya und Cassandra ihre außerirdische Herkunft enthüllt. Er hatte berichtet, dass sie und die skrupellosen Yinaro seit fünf Jahren auf der Erde lebten. Der Krieg zwischen den niranischen Völkern der Xelari und Yinaro hatte ihren Heimatplaneten Nirena zerstört. Im Zuge dessen hatten sie Zuflucht auf der Erde gesucht. Von Natur aus besaßen alle Niraner blau-silberne Haut und violette Augen mit rautenförmigen Pupillen. Biotechnologie ermöglichte es ihnen, jederzeit auf die menschliche Hautfarbe zu wechseln.
Die Xelari hatten mit Tayas Hilfe Julian in Gewahrsam genommen, um ihn in ihrem Hauptquartier Sirnir Alpha an der deutschen Nordseeküste von den Nano-Chips zu heilen. Das geschah gerade noch rechtzeitig, denn diese führten in wenigen Monaten zum Tode. Bei dem Versuch, eine Zutat für ein Heilmittel zu besorgen, hatte die Polizei Taya verhaftet. Da sie zuvor von menschenfressenden Monstern geredet hatte, war sie in die geschützte Station einer Psychiatrie eingewiesen worden. Dort begegnete sie ihrer damaligen Patientin Sabine, dem Pfleger Frank, dem Chefarzt Dr. Philipp Kartmann und dem Psychologen Damian. Der Anwalt Thomas Trayan, ein enger Freund von Justin Delary, hatte sie juristisch vertreten.
Kurze Zeit später hatten die Yinaro die virulenten New-Life-Nano-Chips, abgekürzt NLNC, freigesetzt. Damit hofften sie, den Krieg gegen die Xelari zu gewinnen. Diese Chips verwandelten Menschen in tödliche Kreaturen.
Taya trank einen Schluck aus ihrer Flasche. Der intensive und leckere Geschmack von Ines’ Zitronentee erfüllte ihren Mundraum. Mit einem Kloß im Hals und vor Wut pochendem Herzen dachte sie an die teuflischen NLNC und die Kreaturen namens Yinai.
Die Yinai waren von den Yinaro für den Krieg erschaffen worden. Knochen wie Panzerplatten schützten den Körper der Yinai. Sie besaßen übermenschliche Kraft und messerscharfe Krallen. Modifizierte Drohnen-Nano-Chips sollten diese gefügig machen, was oft fehlschlug, weshalb sie sich nun auch unkontrolliert auf der Erde vermehrten.
Die Ansteckung mit NLNC geschah über die Körperflüssigkeiten Infizierter. Nur noch Instinkte wie Fressen, Jagen und Vermehren trieben diese an. Die Haut verfärbte sich blassgrau und schwarze Adern schimmerten hindurch. Sie regenerierten sich schnell bei Verletzungen. Die einzige Möglichkeit, sie endgültig auszuschalten, bestand in der Zerstörung des Hirnstamms. Ansonsten mutierten sie zu Kreaturen mit Krallen statt Fingern, größerer Regenerationsfähigkeit und übermenschlicher Kraft. Knochen, wie Panzerplatten, schützten den Körper. Die Xelari verfügten zum Zeitpunkt des Ausbruches nicht über ein Gegenmittel.
Taya bewunderte die Wissenschaftler, darunter Julian. Sie hatten große Fortschritte in der Erforschung eines Heilmittels erzielt. Tests an erst vor kurzem Infizierten hatten Hinweise auf dessen Wirksamkeit erbracht. Transformierte konnte es nicht mehr retten. Die Probanden erhielten die Xelari aus Husum, einer Stadt, die sie für menschliche Flüchtlinge gesichert hatten. Jeder Mensch, der sich angesteckt hatte, bekam das Angebot, sich mit dem Medikament behandeln zu lassen.
Gabriele und ihr medizinisches Team hatten Julian von den Drohnen-Nano-Chips befreit. Sie lächelte bei der Erinnerung, wie sie ihren geliebten Lebensgefährten wieder in die Arme geschlossen hatte.
Taya, Frank, Sabine, Trayan, Cassandra, Kartmann und die beiden Hunde Daryl und Shari hatten sich vor sechs Monaten erfolgreich zu dem Evakuierungspunkt durchgekämpft. Taya hätte mehrmals fast aufgegeben. Der Gedanke an Julian, ihr Glaube an die nordischen Götter, ihre neue Hündin und die Gruppe hatten sie davon abgehalten. Infizierte hatten Damian gebissen, da Kartmann diese unbeabsichtigt angelockt hatte. Trayan hatte ihr seine Vergangenheit enthüllt. Er hatte als Unterweltanwalt beim organisierten Verbrechen gearbeitet. Deswegen quälten ihn immer noch Schuldgefühle.
Auf der Flucht hatte sie Frank den Spitznamen Viking verpasst. Der Krankenpfleger hatte die Gruppe erfolgreich zusammengehalten. Ein Wermutstropfen hatte aus der Information bestanden, dass ein Verräter auf Sirnir Alpha sein Unwesen trieb. Delary hatte nur Julian und ihr das direkt nach der Ankunft mitgeteilt, da diese zuvor Wortfetzen darüber mitbekommen hatten.
Taya lächelte, während sie an Frank alias „Viking“ dachte. Er hatte im Verlauf der Monate weitere Kommandoerfahrung gesammelt und übte inzwischen den Posten des stellvertretenden Sicherheitschefs von Sirnir Alpha aus. Nebenbei begleitete er Einsatzteams. Mit ihm zusammen veranstaltete sie Anrufungen der nordisch-germanischen Götter. Er, seine bessere Hälfte und Tochter glaubten ebenfalls an diese. Sie schaute auf den bewölkten Himmel. Ihr Blick verfinsterte sich, als sie sich an die folgende, auch im Rückblick schwer zu ertragende, Zeiten entsann. In dieser hatte sie tiefe Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele erhalten.
Taya hatte schon seit August Probleme damit, diese apokalyptische Welt zu verkraften. Sie litt an Flashbacks und Depressionen. Es war albtraumhaft für sie gewesen, dass die Xelari Alina und Adrian während des NLNC-Ausbruches nicht gefunden hatten. Julian hatte auch mit seiner angeknacksten Psyche zu kämpfen, da er unter Schuldgefühlen litt. Er hatte bei der Entwicklung der NLNC mitgeholfen.
Ein Lichtblick hatte die Nachricht von Alexander, Kartmanns Bruder, dargestellt. Er hatte sich mit seiner Ehefrau und dessen Kindern aus dem Eisstadion, einer gefallenen Sicherheitszone in Düsseldorf, gemeldet. Bei dem Rettungseinsatz hatte das Einsatzteam der Xelari alle bis auf die Schwägerin retten können. Der Psychiater hatte bei der Mission einen Herzinfarkt erlitten. Glücklicherweise hatten ihn die xelarischen Ärzte von seiner Herzkrankheit geheilt. Richards Gruppe hatte auch die berühmte Schauspielerin Tessa mit ihrer Tochter Hope und Christoph evakuiert.
Nach dem Einsatz war Taya seelisch zusammengebrochen. Delary, der das registriert hatte, hatte sie damit konfrontiert und Hilfe bei der Bewältigung angeboten. Er hatte ihr strenge Regeln auferlegt, wie beispielsweise vorübergehende Verbote, Waffen zu tragen und mit Patienten zu arbeiten. Bei dem Gespräch hatte sie erneut die einschüchternde Seite des Oberkommandeurs kennengelernt. Ihr war es gelungen, wieder auf die Beine zu kommen.
Delary und Cassandra hatten ihre Beziehung öffentlich verkündet. Es hatte ein Lebenszeichen von Alina und Adrian gegeben. Eine brutale Gruppierung namens „Caretaker“ hatte den Iren in ihre Basis im Centrius, ein Mönchengladbacher Einkaufszentrum, verschleppt. Dabei handelte es sich um eine skrupellose und psychopathische Bande von Mitgliedern organisierten Verbrechens, korrupter Polizisten, desertierter Soldaten, Gangmitglieder und anderen kriminellen Personen. Tayas Freundin hatte fliehen können. Zu Anfang der Rettungsmission war das Team auf zwei Überlebende gestoßen, bei dem es sich um Markus und, zur Überraschung aller, Damian gehandelt hatte. Dessen Körper hatte die NLNC abgewehrt. Die Infektion hatte ihm Mutationen, in Form rasanter Regenerationsfähigkeit und übermenschlicher Körperkraft beschert. Seine Augen besaßen, wie bei den Transformierten, eine Nachtsichtfähigkeit.
Die Rettung des Iren hatte sich zu einem Desaster entwickelt. Olaf, eine ehemalige Geisel der Caretaker, war zu diesen übergelaufen. Er hatte Delarys Einsatzteam in eine Falle gelockt und so für deren Gefangennahme gesorgt. Der Unterweltboss Ralf, dessen Sohn Max und die korrupte Polizistin Lena hatten die Gruppe brutal gefoltert und Michael grausam hingerichtet. Richards Team hatte die Gefangenen, Adrian und andere Opfer der Caretaker befreit.
Markus hatte Kontakt zu den lokalen Enklaven hergestellt. Das hatte den Startschuss zu einem Netzwerk dargestellt, um das Überleben aller Mitglieder zu erleichtern. Die xelarischen Wissenschaftler und Julian hatten damit angefangen, ein Heilmittel und einen Impfstoff gegen die NLNC zu entwickeln. Damian hatte sich bereit erklärt, Untersuchungen zur Erforschung eines Impfstoffes über sich ergehen zu lassen, und Steffi hatte den Posten des ermordeten Sicherheitschefs Michael übernommen. Das Führungsgremium hatte Frank zu ihrem Stellvertreter ernannt.
Taya hatte nach den Foltererlebnissen lange gebraucht, um sich einigermaßen von den Misshandlungen zu erholen. Ebenso war es Delary ergangen, der unter Flashbacks, Wutattacken, Schuldgefühlen und innerer Verzweiflung gelitten hatte. Die Geschehnisse hatten zusätzlich Erinnerungen an den Tod seiner Familie und vorher erlebter Folter hochgeholt. Er hatte sogar ernsthaft über Selbstmord nachgedacht, sich glücklicherweise für das Leben und den Kampf gegen seine psychischen Probleme entschieden. Wie Taya hatte er durch seine Freunde, therapeutische Unterstützung und Cassandras Rückhalt zurück ins Leben gefunden. Er hatte sich erleichtert darüber geäußert, sich nicht umgebracht zu haben. Die grausam präparierten Plastikhandschellen der Caretaker hatten Narben an den Handgelenken aller Teammitglieder hinterlassen. Kumari, ein künstlerisch begabter Xelari, hatte jedem Betroffenen darüber wunderschöne Tattoos gestochen. Bei Taya handelte es sich um nordische Knoten in Form eines Armreifens. Auf der einen Hand schmückten dessen Enden Wolfs- und auf der anderen Ziegenköpfe. Diese standen für ihre Hauptgötter Thor und Odin.
Die Wissenschaftler waren dabei erfolgreich gewesen, das Heilmittel gegen NLNC immer weiter zu entwickeln. Es basierte auf einem experimentellen Chemotherapeutikum. Das hatte Damian vor mehreren Jahren aufgrund seiner Leukämie erhalten und ihn komplett von der Krebserkrankung befreit. In dem abgesicherten Husum hatten sich inzwischen viele Menschen angesiedelt.
Bei der Abholung des Medikamentes hatte sich Delary als Agent der Yinaro geoutet. Er hatte angekündigt, seine xelarischen und menschlichen Teamkameraden zu erschießen, wobei der Grund hierfür aus einer perfiden Erpressung bestanden hatte. Die Gegner der Xelari hatten nämlich mithilfe von Jenara, Cooper und Melissa Aiden und Cassandra entführt. Sie hatten mit deren Ermordung zu drohen, wenn Delary ihren Forderungen nicht nachkommen wäre. Er hatte kurz darauf seine Schwester des Verrates überführt. Diese hatte ihrem Bruder offenbart, dass sie und der yinarische Befehlshaber Zefanius eine Beziehung führten. Jenara hatte Sirnir Alpha einem Angriff der Yinaro ausgesetzt und war mit ihren Komplizen, Melissa und Cooper, geflohen. Sie hatten einen Teil der abgeholten Medikamente gestohlen. Damit planten sie, zur Beseitigung von Infizierten und des Ergreifens der Herrschaft über die Erde, die Entwicklung eines Kampfstoffs. Dieser solle alle NLNC-Infizierten und Transformierten umbringen. Dank Richards beherzter Kommandoübernahme hatten die Xelari die Schlacht gewonnen. Drei Soldaten hatten dabei ihr Leben verloren. Der Oberkommandeur hatte den Diebstahl des im Untergeschoss liegenden Raumschiff Xiterian verhindert.
Gute Nachrichten hatte es auch gegeben. Kartmann und Gabriele erwarteten ein Kind. Dabei handelte es sich um einen Xelari-Mensch Hybriden, von denen es bereits welche auf anderen Basen gab. Shari, schwanger von Daryl, hatte gesunde Hundewelpen zur Welt gebracht. Frank hatte die ergreifende xelarische Hochzeitszeremonie von Cassandra und Delary geleitet, die allen gutgetan hatte.
Das Bild, wie beide unbeschwert in diesem Moment gelächelt hatten, half Taya in dunklen Stimmungen. Wichtiger war für sie, Julian an ihrer Seite zu haben. Sie liebte ihn vom ganzen Herzen. Trotz all der Jahre konnte sie nicht ihr Glück fassen, dass er sein Leben mit ihr teilte.
Nun harrte sie der Dinge aus, die kommen würden. Die Schwangerschaft von Gabriele empfand sie als hoffnungsvolles Signal. Das Leben fand einen Weg, auf die Erde zurückzukehren. Sie betete zu ihren Göttern, dass die Welt wieder wie vorher werden würde. Schmerzhaft war ihr bewusst, dass das unrealistisch war, selbst wenn es keine Infizierten und Transformierten mehr geben würde. Gerade wegen der Yinai würde das Leben auf der Erde um eine Bedrohung reicher sein.
Einen Monat später hatten die Yinaro, Jenara, Max und Lena die im Mönchengladbacher Centrius inhaftierten Caretaker befreit. Dabei hatten die Sicherheitskameras Bilder eines honiggelb blutenden Niraner aufgenommen. Mit Trayans Hilfe war es dem xelarischen Oberkommandeur gelungen, die Anführer der Viersener Gemeinschaft zur Verschwiegenheit zu überreden.
Kurze Zeit später hatte Delary allen Gemeinschaften, die Teil des Netzwerks waren, die außerirdische Herkunft seiner Leute offenbart. Das hatte zu Unruhen geführt. Laut ihm wäre es für das Herstellen von Vertrauen aber unabdingbar gewesen, vor allem nach der Befreiung der Caretaker. Es wäre fatal gewesen, wenn die Menschen es zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfahren hätten. Bei den gemeinsamen Kämpfen war es nur eine Frage der Zeit, dass Menschen deren honiggelbes Blut zu sehen bekommen hätten und die Xelari dadurch aufgeflogen wären. Ein weiterer Grund hatte darin bestanden, dass die von den Yinaro befreiten Caretaker ebenfalls im Bilde waren. Wenn diese die Information als Erste mitgeteilt hätten, hätten sie dies zu ihren Gunsten nutzen können.
„Hoffentlich wird es nicht noch schlimmer. Ich wünsche mir vom ganzen Herzen, nie mehr schreckliche Erfahrungen machen zu müssen“, flüsterte Taya.
Sie stand von der Bank auf, schritt an das Geländer und beobachtete die Wellen der Nordsee.
1. Kapitel
Das idyllische Ferienhaus mit Reetdach, nahe an den Dünen liegend, bot genug Platz für eine große Familie. Die Möbel bestanden aus hellbraunem Holz und Teppiche bedeckten den Boden. Durch die Fenster fiel Mondschein und erhellte teilweise das mit rustikalen Möbeln eingerichtete und nicht demolierte Haus. Die Xelari hatten einen Funkruf von Überlebenden abgefangen, die sich in einem der Gebäude des Dorfes verschanzt hatten. Delary und Richard sahen die Mission nicht kritisch, daher sicherten sie die Umgebung ab.
Ohne das Nachtsichtgerät in ihrem Helm wären viele Stellen für Taya im Dunkeln geblieben. Sie hielt ihr entsichertes Plasmagewehr im Anschlag, während sie damit die Kellertreppe hinab zielte. Sie trug ihr Wikingerschwert, mit den goldenen Runen für Thor und Odin auf der Klinge. Vor ihr schritten Julian, Steffi, Shawn, Alexander und Christoph die Stufen hinunter. Tessa und Hope bildeten das Ende und sicherten das Grüppchen nach hinten ab und behielten weiter das Erdgeschoss im Auge. Jeder schien hochkonzentriert zu sein.
„Die Drohne zeigt niemanden im Kellervorraum. Alle Türen sind verschlossen. Wir rücken vor“, teilte Christoph angespannt über Funk mit.
Der blonde Handwerker sammelte Kommandoerfahrung als stellvertretender Anführer der Gruppe. In Tayas Augen hatte er sich dabei bisher gut behauptet. Frank, der Befehlshaber, hatte sich am Fuß verletzt. Er lag zusammen mit Kartmann, Aiden und Alina im Obergeschoss auf der Lauer. Jeder behielt eine Himmelsrichtung im Auge.
Mit einer berühmten Schauspielerin wie Tessa an ihrer Seite in ein Haus einzudringen, erzeugte ein Gefühl der Unwirklichkeit in Taya. Diese absolvierte, wie alle anderen, die militärische Ausbildung der Xelari und hatte bereits an leichten Einsätzen teilgenommen. Von Anfang an war diese nahbar aufgetreten. Eine Prominenten-Behandlung würde diese als lästig wahrnehmen. Tessa leitete eine Theatergruppe auf Sirnir Alpha.
„Macht das. Passt auf euch auf“, sagte Frank, der vor Schmerz keuchte, über Funk.
„Ihr habt Viking gehört“, Christoph nutzte die Funkfrequenz, „Eve, Tessa und Alexander, bewacht den Treppenabgang. Der Rest kommt mit.“
Vorsichtig folgte Taya und beobachtete die, durch ihr Nachtsichtgerät, grünlich eingefärbten Kellerräumlichkeiten. Hier lagen umgeworfene Kartons. Der Vorraum war wie ein Rechteck geschnitten. An den beiden kurzen Seiten sah sie jeweils eine Tür und an den langen Wänden zwei. An der Letzteren hing ein Spiegel über einem Sideboard. Eine Polizeipistole samt Magazin lag unter dem Tisch bei dem Treppenaufgang. Christoph öffnete den Raum auf der kurzen Seite am Treppenabgang.
„Bei dem Tisch liegt eine Pistole“, meldete Taya leise über Funk, um auch die anderen zu warnen.
„Gut beobachtet“, lobte der blonde Schreiner und flüsterte, da die Helme die Stimme nicht komplett dämpften, „Hinter der ersten Tür liegt eine kleine Vorratskammer. Es gibt hier Weinflaschen. Passt daher auf, falls es zu einem Brand kommt.“
Taya rückte auf. Shawn öffnete einen Raum auf der länglichen Seite. Sie entdeckte dort einen bräunlich wirkenden Boden und einen großen Tisch mit Lötstation und Aufbewahrungsboxen für Schrauben in der Mitte. Rechts und links davon standen elektronische Geräte und Kisten auf Industrieregalen. Ein Durchgang führte in ein hinteres Abteil. Christoph sichtete die Bilder seiner Drohne und meldete, dass er eine Wärmepumpenanlage und weitere Lagerflächen erspäht hatte. Die vor der Horde Schutzsuchenden fand er dort nicht. Der Zugang an der anderen kurzen Seite des Vorraums offenbarte einen Waschkeller mit Becken, Waschmaschine, Gefrierschränken und Trockner. Wirr lagen Klamotten auf dem Boden, die Staub bedeckte.
,Die Überlebenden sind nicht hier‘, seufzte Taya, die bereits zwei Häuser durchforstet hatte.
„Links neben der Tür liegt eine Bar. Dahinter hocken drei Personen“, meldete Christoph, „Aktuell erkenne ich eine Maschinenpistole, ein Katana und einen Bogen bei ihnen. Taya, Shawn und Alexander folgt mir. Tessa und Julian sichern weiterhin den Vorraum.“
Mit schussbereiten Waffen, sollte es sich um eine Falle handeln, trat sie ein. Es gab einen schmalen Korridor, da rechts eine Modelleisenbahnanlage, mit einer Folie abgedeckt, residierte. Hinten durch stand ein Schreibtisch mit einem Computer.
„Waffen auf den Boden und Hände über den Kopf“, befahl Christoph laut, „Identifiziert euch.“
Der Mondschein, welcher durch zwei Oberlichter fiel, erhellte leicht die Umgebung. Im grünlichen Licht erhoben sich drei Gesichter und sechs Arme hinter dem urtümlichen Tresen. Bei den beiden Männern und der Frau handelte sich um ihr gut bekannte Bewohner aus der Husumer Gemeinschaft.
„Ich bin Jean, das ist Susanne und Caspar. Wir zeigen euch, wenn nötig, unsere Ausweise“, stammelte einer von ihnen.
Die Identitätsnachweise ermöglichten die Dokumentation der Toten und verringerten die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand in bösartiger Absicht als Gemeinschaftsmitglied auswies. Taya besaß ebenfalls einen.
Christoph lächelte: „Gut, dass wir euch gefunden haben. Was ist passiert?“
Während die Frau zu einem Wort ansetzte, rollte eine Kugel gegen Tayas Fuß. Zeitgleich ertönte das leise Zischen eines Plasmaschusses. Julian schrie auf, dann verstummte er. Reflexmäßig sprang Taya zurück und trat den Ball weg vor die Tür. Dieser knallte laut, parallel dazu hämmerten durchsichtige Geschosse auf ihren Herzbereich. Die Wucht des Treffers schmerzte und sie taumelte, als hätte ihr jemand fest gegen den Brustkorb geschlagen. Sie landete, ungläubig auf ihren Brusttreffer starrend, mit dem Rücken auf dem Steinboden. Ihren Kameraden im Partyraum erging es nicht anders.
„Scheiße“, rief Christoph frustriert, „Wir haben doch alle Etagen gesichert!“
Aidens motzende Stimme kam näher: „Dad, das ist unfair gewesen, wie ihr uns besiegt habt. Du, Richard und Kumari habt viel mehr taktische Erfahrung als ich und habt all eure Tricks eingesetzt. Warum habt ihr aktiv an der Übung teilgenommen? Ich dachte, dass jemand anderes heute dafür zuständig sei. Wir hatten kaum eine Chance gegen euch Elite-Futzis. Hättet ihr es uns nicht einfacher …“
Delary stieß einen langen Seufzer aus und ließ unwirsch seine Baritonstimme erschallen: „Hör gefälligst auf zu motzen, so habe ich dich nicht erzogen. Unsere Gegner kämpfen nicht fair oder deinem Level angepasst, wie in einem Videospiel. Durch realistische Simulationen lernst du am besten. Das habe ich dir schon oft genug erklärt, merke es dir endlich. Ich will nie wieder eine solche Beschwerde hören.“
Richard schaltete sich ein: „Justin hat recht. Statt in Selbstmitleid zu versinken, analysiert den Fehlschlag, um es das nächste Mal besser zu meistern. Kommt alle in den Vorraum. Wechselt auf scharfe Munition.“
Taya deaktivierte ihren Sensor auf der Brust, der ihren Tod signalisierte. Dann ließ sie sich von Christoph aufhelfen und verließ die Bar. Der jugendliche Xelari hatte sein Visier hochgeklappt. Er starrte erschrocken und verletzt wirkend seinen Vater an, der zu einem unbarmherzigen Drillseargent mutiert war. Dieser, Richard und der Rest des Angreiferteams trugen Tarnuniformen der Bundeswehr.
Delary, der die Munition seiner Waffen auf scharfe wechselte, seufzte: „Leider muss ich streng und hart sein, damit du lernst, auf dich aufzupassen. Dich kann ich nicht auch noch verlieren“, er lächelte mit herunterzogenen Mundwinkeln und matten Augen, „Weißt du, was lustig ist? Genauso habe ich mich bei Michael beschwert, als dieser mich und Richard im Lehrgang für Elitesoldaten trainiert hat. Er hat seine überlegenen Fähigkeiten genutzt, um uns aus dem Hinterhalt heraus kampfunfähig zu machen“, ein glasiger Schleier legte sich über seine Augen, „Bei ihm habe ich gelernt, ständig wachsam und auf alle Änderungen fokussiert zu sein, statt unüberlegt vorzupreschen.“
„Das waren noch Zeiten“, sinnierte der blonde Kommandeur und schluckte.
In Tayas Geist spielte sich eine Szene ab, in der sie mit Michael, Julian und Richard zusammen zu Abend gegessen hatte. Es hatte Schokoladenpudding, Michaels Lieblingsdessert, gegeben. Die leicht bittere Note, niranische Geschmackssinne schmeckten menschliche Nahrung anders, hatte er geliebt. Sie lächelte bei dieser wundervollen Erinnerung. Dann regte sie sich darüber auf, dass Delary und sein Team sie hinterrücks besiegt hatten. Wie im Centrius, in dem die Caretaker sie überrumpelt und gefangen genommen hatten. Sofort drängte sich das Bild in ihren Geist, wie sich Infizierte und Transformierte auf den tapferen, gefesselten Elitesoldaten geworfen hatten. Sie hörte erneut seine von Agonie kündenden Schreie und zitterte leicht. Ihr Herz raste.
,Es ist 2022 und Michael ist im Herbst 2021 ums Leben gekommen. Er ist vor sechs Monaten gestorben’, nicht mehr so mühevoll wie am Anfang wendete sie eine Distanzierungstechnik an, ,hier ist Husum. Er ist in Mönchengladbach, 560 km entfernt, gestorben. Hier sind Justin und seine Leute, die Caretaker sind nicht da.‘
Ihr gelang es, in der Gegenwart zu bleiben, und sicherheitshalber zählte sie noch die Ecken im Raum. Damit kehrte sie wieder ins Hier und Jetzt zurück. Julian war neben sie getreten. Er schien ihre innere Not wahrgenommen zu haben, hatte sich aber nicht eingemischt. Dies hatten sie abgesprochen, da sie sich zunächst selbstständig helfen wollten.
„Alle herhören!“, befahl Delary, „Hat jemand von euch eine Idee, was schiefgelaufen ist?“
Christoph verzog verdattert sein Gesicht.
Der blonde Schreiner hatte Taya zuvor seine Angst geschildert, als Kommandant zu versagen: „Unsere Leute im Obergeschoss haben sich nicht, wie abgesprochen, alle zwei Minuten per Signal gemeldet. Das hätte mich alarmieren müssen.“
„Exakt“, bestätigte Richard, „Bei der Sicherung eines Objektes ist es Pflicht, dass die Wachen sich regelmäßig melden. So erkennt ihr, wenn Gegner diese außer Gefecht gesetzt haben.“
Aiden, welcher sich gefangen hatte, ergänzte: „Wir haben die Feuerleiter übersehen. Durch die seid ihr ins Obergeschoss gelangt. Die hing bei dem letzten Training aber noch nicht da.“
Delary nickte: „Korrekt. Kundschaftet alle Eingänge in ein Objekt aus, um diese im Blick zu behalten. Ich habe die Feuerleiter extra anbringen lassen, um die Wichtigkeit zu demonstrieren, jedes Haus sorgsam zu untersuchen. Dabei ist es egal, ob euch die Bauart bekannt ist.“
Bedauernd merkte Alina an: „Ich hätte das metallische Geräusch der Getränkedose, die ihr zur Ablenkung geschmissen habt, melden müssen. Leider habe ich das versäumt, da direkt dahinter eine Katze aus dem Busch geschossen kam. Ich ging davon aus, dass sie die Dose bewegt hätte. Dadurch habe ich mich ablenken lassen, sodass ich nicht bemerkt habe, als ihr zur Feuerleiter geschlichen seid.“
Richard wiederholte: „Achtet besser darauf, verdächtige Geräusche und Objekte anzuzeigen. Überprüft jedes Gebäude auf Zugänge und seid alarmiert, wenn die Wachen sich nicht melden“, er lächelte, „Christoph, wir waren mit deiner Teamaufteilung und dem Einsatz der Kameradrohnen zufrieden. Du bist vorsichtig vorgegangen und hast die drei Gesuchten mit erhobenen Händen aufstehen lassen, statt zu riskieren, von ihnen erschossen zu werden.“
Der beschämte Christoph schaute zu Boden: „Ich habe mein Team in den Tod geführt.“
Delary legte versöhnliche Töne an den Tag: „Verzweifel nicht. Lerne aus Fehlern, daher führen wir diese Übungseinheiten durch. Besser ihr macht solche Erfahrungen hier als im richtigen Kampf. Bei der Ausbildung zum Elitesoldaten habe ich bei einigen Trainingsmissionen auch nicht geglänzt. Wichtig ist, dass ihr euch reflektieren könnt. Ihr habt korrekt alle Fehlerquellen benannt.“
Shawn, der seinen Helm ausgezogen hatte, grinste frech: „Wir haben die alten Herrschaften gewinnen lassen.“
Alina schlug dem blonden Mann gegen den Hinterkopf und dieser schrie übertrieben laut auf.
„SHAWN!“, donnerte Delary, „Alina, im Namen von Ines Danke für die Erziehungsmaßnahme.“
Der vorlaute Xelari mit dem Undercut grummelte leise vor sich hin. Taya übersetzte nur das xelarische Wort für Spielverderber.
Richard grinste: „Ich habe gesehen, dass Shawns Fitness nachgelassen hat. Morgen früh werde ich mit ihm eine zweistündige Trainingseinheit absolvieren, die einem alten Mann wie mir nicht schwerfällt. Da unser Kamerad hier jung ist, dürfte er diese spielend bewältigen.“
„Was?“, stöhnte der zum Sport Verdonnerte gequält.
Taya und andere lachten. Ihr war bekannt, dass die Fitnessübungen mit dem durchtrainierten Richard heftig waren. Sie hielt nur eine Stunde durch, wie Shawn. Ihr Freund handelte sich mit seiner vorlauten Klappe und Scherzen immer wieder zusätzliche Aufgaben ein.
Der Oberkommandeur grinste Shawn breit an: „Das ist eine fantastische Idee. Bei alten Leuten wie uns hält er bestimmt mit. Er ist garantiert fitter als wir. Abmarsch ins Gemeindehaus, dort gibt es was zu essen. Achtet darauf, dass eure Waffen gesichert sind.“
Von Alina kam: „Ich hoffe, dass Daryl sich brav verhalten hat und Gabrieles Nerven nicht allzu sehr ramponiert hat.“
Taya schüttelte den Kopf: „Diesbezüglich mache ich mir wegen Shari mehr Sorgen. Sie hört inzwischen zwar besser, manchmal treibt sie mich dennoch in den Wahnsinn.“
Alle verließen das leer stehende Ferienhaus, welches die Xelari und Überlebenden mit drei anderen Gebäuden als Übungsareal nutzten. Wolken schoben sich vor den Mond, der komplett aufgegangen war. Tayas Füße erzählten ihr von dem Kiesweg unter sich und sie roch die frische Meeresluft. Dass es seit Monaten kaum Autoverkehr gab, machte sich in der besseren Luftqualität bemerkbar. Grillen zirpten im Gras und ein Uhu, auf einer Mauer aus Schiffscontainern, stieß seinen charakteristischen Ruf aus. Der stabile Wall schützte Husum, Kameras und Bewegungssensoren überwachten die Umgebung.
„Ich freue mich auf das Treffen mit den Kindern. Happy und Fussel haben sich dabei letztens wohlgefühlt. Offenbar gewöhnen sie sich daran. Wäre das nicht so, würde ich sie nicht mehr mitnehmen“, erzählte Richard mit strahlenden Augen.
Balu, Sammy, Daryl, Shari, die Hundewelpen, Happy und Fussel arbeiteten als Therapietiere für traumatisierte Kinder in den Gemeinschaften und auf Sirnir Alpha. Auch niranische Heranwachsende litten unter der Apokalypse. Die Patienten durften sich solange mit den Tieren beschäftigen, wie diese es zuließen und keinen Stress zeigten. Die Wiesel Happy und Fussel blieben in einem Gehege, welches die Husumer extra dafür gebaut hatten. Da sie Wildtiere waren, durften sie nicht von jedem gekuschelt werden. Sie würden das auch nicht zulassen. Dass sie zu Richard Vertrauen aufgebaut hatten und dieser sie streicheln durfte, grenzte an ein Wunder. Inzwischen ließen sie mit Geschirr und Leine Ausflüge über die Parkanlage zu. Den Wildtierexperten Christoph hatte das überrascht.
2. Kapitel
Taya vertilgte das letzte Stück ihrer Bratwurst. Ihre unglückseligen Pommes warteten darauf, dasselbe Schicksal zu erleiden. Sie tunkte ein Kartoffelstäbchen in Mayonnaise und ließ dieses in den Mund wandern. Für einen Moment vergaß sie die schreckliche Welt, ihre Pistole im Holster und das Schwert neben sich, wofür sie ihren Göttern dankte. Lächelnd und mit einem freien Gefühl in der Brust beobachtete sie, wie Shari, Daryl, Balu und Sammy spielten. Die Menschen in den Gemeinschaften hatten die außerirdischen Haustiere nach anfänglicher Skepsis akzeptiert und lieb gewonnen.
Ihr Blick glitt durch den geräumigen Speisesaal des Husumer Schlosses, in dem Könige diniert hatten. Lampen, die xelarische Fotovoltaiktechnik mit Strom versorgten, erhellten jeden Winkel. Das ehrwürdige Gebäude diente der Husumer Gemeinschaft als Kommandozentrum, bei dem die Überlebenden alle Eingänge bis auf drei verbarrikadiert und die Restlichen massiv verstärkt hatten. Sämtliche untere Fenster waren mit herunterklappbaren Gittern und Fensterläden aus Stahl ausgestattet. Im Saal standen Waffenschränke mit durchsichtigen schusssicheren Scheiben, die Pistolen, Schrotflinten, Sturmgewehre, Maschinenpistolen und eine Bazooka enthielten. Nahkampfwaffen, wie Messer und Macheten, warteten dort ebenfalls auf ihren Einsatz. Jeder Bewohner von Husum, der mindestens 16 Jahre alt war, erhielt nach ausreichendem Training einen Schlüssel für sie.
Der Wassergraben des Schlosses stellte einen zusätzlichen Schutz dar. Behältnisse mit tödlicher Flüssigkeit, die in Sekundenschnelle den Wassergraben in einen Wall aus Feuer und Säure verwandeln konnten, lagerten im Gebäude. Der Turm erlaubte einen Überblick über die gesamte Umgebung und der große Hof ermöglichte die Landung von Fluggeräten. Der Notfallplan sah vor, dass Überlebende in die Burg flohen und die Stellung hielten, um ausgeflogen zu werden. Der Hafen mit ständig einsatzbereiter Fluchtboote, lag nur einen halben Kilometer entfernt.
Taya genoss die gelöste Atmosphäre, in der Menschen und Xelari gemeinsam speisten. Der einen schwarzen Anzug tragende Delary und Cassandra, in ein violettes Kleid gehüllt, unterhielten sich angeregt mit einem menschlichen Ehepaar. Trayan, Alessia, Shawn und Giovanni sprachen mit Stadtbewohnern über die Star Wars Filme, die die Zuschauer in dem neueröffneten Kino genießen konnten.
Tayas Depressionen waren nur noch ein Schatten ihrer selbst, sodass ihre Lebensfreude und auch ihr Appetit wiedergekehrt waren. Julians seelischer Zustand hatte sich ebenfalls verbessert und er strahlte wieder sichtbar die Lebendigkeit aus, die ihn vor der Apokalypse begleitet hatte. Sie drehte sich zu ihrem geliebten Partner und küsste diesen intensiv, woraufhin dieser die Zärtlichkeit erwiderte.
„Wow! Wofür war der denn?“, ihr Lebensgefährte riss mit erhobenen Mundwinkeln die Augen auf.
„Einfach so,“ lächelte Taya und legte ihre Hände in die seinigen.
Mit zittrigen Armen wendete Julian sich an Adrian, der neben ihm saß.
„Frauen“, seufzte der Ire und erhielt dafür von Alina einen leichten Schlag gegen den Hinterkopf.
Taya spürte die unverhohlenen Abscheu und Spott ausdrückenden Blicke von fünf Husumern, die Neuankömmlinge psychisch und körperlich attackiert und dadurch weggeekelt hatten, auf sich. Menschliche und xelarische Teams hatten diese mühevoll gesucht, aus Lebensgefahr gerettet und zurückgeholt, wobei zwei der Vertriebenen vorher umgekommen waren. Das Fünfer-Grüppchen hatte sich rassistisch gegenüber nicht Einheimischen und Niranern geäußert, gleichzeitig hatten sie versucht, die Wahl für die Führungspositionen mit Intrigen zu gewinnen. Für ihre bösartigen Taten hatten sie vier Wochen in einer Zelle verbracht. Wenn sie erneut Schaden anrichten sollten, würde die Gemeinschaft sie verbannen.
Gabriele, mit gewölbtem Bauch, Kartmann und Alexander saßen Taya gegenüber. Die Kinder des Psychiaters waren ebenfalls anwesend und der neue Familienhund vergnügte sich mit einem Hundesitter auf Sirnir Alpha.
Julian lehnte sich nach vorne: „Wie geht es dir? Was hat die letzte Untersuchung ergeben?“
Die schwangere Ärztin lächelte und legte eine Hand auf ihren Bauch: „Unsere Tochter und ich sind gesund, sie fängt an zu treten. In drei Monaten erblickt die Kleine das Licht der Welt“, sie seufzte, „Hoffentlich gibt es keine Komplikationen.“
Ihr Lebensgefährte legte ihr den Arm um die Schulter und zog sie an sich: „Du hast hier die beste medizinische Versorgung, meine Kisari, sorge dich daher nicht.“
Niranisch-irdische Schwangerschaften dauerten sechs Monate an. Eine Kisari war ein majestätisches katzenartiges Tier von Nirena. Verschiedene Unterhaltungen und klirrendes Besteck erschwerten es Taya, sich auf das Gespräch zu konzentrieren.
Tobias’ Augen funkelten freudig: „Ich freue mich auf meine Halbschwester. Mir ist ihre außerirdische Herkunft egal, auch wenn das noch irgendwie komisch für mich ist.“
Nadine nickte zustimmend. Die letzte Pommes fiel Taya zum Opfer und sie blickte auf die an der Wand hängende Uhr, die verkündete, dass es gleich 21 Uhr war.
„Hoffentlich wächst Mika in einer gewissen Normalität auf“, seufzte Gabriele, „Wir machen bei der Arbeit an dem Heilmittel Fortschritte, sodass es einsatzfähig ist. Leider gibt es unerwünschte Nebenwirkungen, fünfzehn Prozent aller Probanden sind gestorben und bei fünf konnte es die Infektion nicht aufhalten. Transformierte kann es nach wie vor nicht heilen.“
Julian drückte fest die Hand seiner Lebensgefährtin: „Wir forschen weiter, um die Sterblichkeit zu senken. Wir werden es zeitnah testweise einsetzen und damit hoffentlich mehr Menschenleben retten, als Personen sterben werden.“
Richard, eine legere blaue Jeans und ein Holzfällerhemd tragend, sprach Taya von hinten an: „Zeit für die Tiertherapie.“
Sie zuckte erschrocken zusammen und drehte sich blitzschnell um. Die Schreckhaftigkeit, die seit der Folter im Centrius massiver aufgetreten war, hatte sich nur leicht gebessert. Sie beobachtete fast immer wachsam ihre Umgebung.
Kurz darauf betrat sie einen großen Besprechungsraum, in dem der Computer und der Flachbildschirm im krassen Gegensatz zu den mittelalterlichen Schränken und alten Gemälden an den Wänden standen. Ein Gehege für die Jungwiesel, schon von diesen bewohnt, residierte in einer Ecke. Moderne Lampen sorgten für Beleuchtung. Die Kinder spielten mit Balu, Shari, Sammy und drei Hundewelpen. Viele von ihnen kannte sie persönlich, da sie diese psychologisch betreute. Die unbekümmert wirkenden Heranwachsenden hatten schwere Schicksalsschläge erlitten. Die meisten hatten ihre ganze Familie oder Teile davon verloren. Sie versank in ihren Erinnerungen.
Durch die Fenster des Schlossspeisesaals fiel Sonnenschein herein. Der Himmel war nach dem Gewitter schnell aufgeklart, und ein erdiger Geruch von Regen hing in der Luft. Delary hatte die außerirdische Herkunft offengelegt und die Hintergründe der NLNC erklärt. Er nahm wieder seine menschliche Hautfarbe an, während Steffi, Richard und Sirnir-Sicherheitskräfte heranstürmende Husumer auf Abstand hielten. Diese reagierten mit Schreien bis hin zur Schockstarre. Die Husumerin Linda fragte Taya, ob diese auch ein Alien sei, woraufhin sie energisch die Frage verneinte. Die Augen ihrer Gesprächspartnerin, die sofort von ihr abrückte, drückten große Skepsis aus.
Der zehnjährige Jonas, dessen Gesicht von einer Yinai-Klaue gezeichnet war, stürzte sich auf Delary. Er fand eine Lücke und hieb schreiend auf dessen Brust ein. Der Oberkommandeur befahl Richard, das Kind in Ruhe zu lassen und ließ die Schläge stoisch, mit gesenkten Mundwinkeln und nach innen gezogenen Augenbrauen, über sich ergehen.
Der Junge kreischte schluchzend: „Ihr verdammten Mörder! Ihr seid schuld, dass Mama, Papa und Pini tot sind.“
Delary wehrte sich nicht, wobei ihm Trauer ins Gesicht geschrieben stand. Die Fäuste trafen schwächer und der kleine Angreifer sank kraftlos in sich zusammen.
Der Oberkommandeur sagte ruhig: „Ich kann dir nichts …“
Der Junge drehte sich weg, zeigte ihm den Mittelfinger und spie ihm voller Hass entgegen: „Fick dich, du Arschloch! Halt deine Fresse!“
