Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging - Sabine Ludwig - E-Book
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Beschreibung

Eine wunderbare Freundschaft

Kater Konrad stehen die Schnurrhaare zu Berge: Gerade hat sein Pausenbrot mit ihm geredet! Seine ewig besorgte Mutter hat es mal wieder besonders gut mit ihm gemeint und Konrad eine dicke Hafermast-Maus mitgegeben – doch die ist nicht etwa mausetot, sondern quicklebendig! Außerdem heißt sie Marie-Antoinette und erweist sich als ausgesprochen anhänglich. Ehe er es sich versieht, hat Kater Konrad die vorwitzige Mäusedame ins Herz geschlossen. Wie peinlich!

So beginnt ein großartiges Abenteuer voller Witz und Situationskomik – bei dem Kater Konrad nicht nur sich selbst und die Welt besser kennenlernt, sondern auch Freunde fürs Leben gewinnt!

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:121


1. Kapitel

»Konrad! Konrädchen!«, ruft die Mutter. »Klapp das Buch zu, du verdirbst dir noch die Augen.«

Konrad kann sich nur mit Mühe von der spannenden Geschichte losreißen. »Nur noch eine Seite, Mama.«

»Draußen scheint die Sonne und du hockst über deinen Büchern.« Die Mutter nimmt Konrad das Buch weg. »Komm mit mir einkaufen. Frische Luft wird dir guttun.« Wenn Konrad etwas nicht leiden kann, dann ist es, mit seiner Mutter einkaufen zu gehen. Das dauert immer ewig, weil sie in jedem Laden erst einmal einen Schwatz halten muss.

Beim Bäcker geht es schon los.

»Was meinst du, Konrädchen, soll ich von dem Kuchen etwas mitnehmen?«

»Von mir aus.« Konrad betrachtet Zuckerbrezeln und Zitronencremetorte.

»Meine Katinka isst keinen Kuchen mehr«, erzählt die Mutter der Verkäuferin. »Deswegen hab ich mir auch abgewöhnt, selber zu backen, wird ja alles nur trocken.«

»Da haben Sie recht, Mädchen in dem Alter sind wirklich schwierig, meine Karline sagt immer …«

Konrad interessiert nicht die Bohne, was diese Karline sagt oder nicht, er sieht durchs Schaufenster. Draußen laufen gerade Kurt und Kaspar vorbei. Die gehen in seine Klasse, und nichts macht ihnen mehr Spaß, als Konrad zu ärgern.

Zurück auf der Straße schaut die Mutter auf ihren Einkaufszettel. »Heute gibt’s Katzenberger Klöpse, da brauche ich noch Fleisch.«

»Muss ich mit, Mama?«

»Nun komm schon, Konrädchen. Kriegst auch ein Wurstscheibchen.«

»Keine Lust.«

Doch die Mutter packt Konrad am Ärmel und zieht ihn in die Fleischerei.

»Grüß Gott, Frau Kratzelmann, was darf’s denn heute Schönes sein? Ihr Konrädchen möchte bestimmt ein Wursträdle.«

»Nein!«, will Konrad rufen, aber da hält ihm die dicke Verkäuferin auch schon eine Scheibe Wurst hin.

»Spitzmaussalami, das schmeckt dir, gell?«

Konrad kaut. Und nickt.

»Ich hätte gern ein Viertelpfund Gehacktes«, sagt die Mutter.

»Maus und Ratte gemischt?«

»Bitte nur Maus. Ratte schmeckt immer so vor.«

»Da haben’S recht, mein Mann sagt auch immer, Ratte muss man mögen.«

»Und für die Schulbrote der Kinder nehme ich ganze Mäuse bitte.«

»Von den freilaufenden Biomäusen?«

Konrads Mutter betrachtet die Auslage. »Nein danke, die sehen mir doch zu mager aus.«

Die Verkäuferin hält zwei Mäuse am Schwanz hoch. »Dann nehmen’S die hier, sind gerade frisch reingekommen. Hafermastmäuse, besonders fett und saftig.«

Konrad schaut die Mäuse an, sie sehen wirklich sehr dick aus. Vor allem die eine. Was ist das?? Hat die ihm eben zugezwinkert? Nein, das hat er sich nur eingebildet.

Die Verkäuferin schlägt die beiden Mäuse in Papier und Konrads Mutter legt die Päckchen in ihren Einkaufskorb.

»Jetzt noch Salat, dann hab ich alles«, sagt sie, als sie vor dem Laden stehen.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite lungern Kurt und Kaspar herum und ziehen Grimassen. Als die Mutter Konrad an die Pfote nimmt, stoßen sie sich an und tuscheln und lachen. Konrad weiß, was er morgen in der Schule zu hören bekommt: »Mamakätzchen!« – »Hosenscheißer!« – »Weichei!« Und bestimmt singen sie wieder das schreckliche Lied …

Er reißt sich los.

»Konrädchen, nicht weglaufen!«, ruft die Mutter. »Ich muss doch noch den Salat –«

Konrad hört es nicht mehr, er ist schon um die Ecke. Wie er diese Einkäufe mit seiner Mutter hasst! Katinka muss natürlich nie mit, die ist ja auch groß. Nur weil er der Jüngste ist, behandelt ihn seine Mutter so, als sei er noch ein Baby.

Als Konrad nach Hause kommt, steht seine Schwester vorm Spiegel und probiert Hüte auf.

»Wie findest du den, ist der nicht süß?«

»Du siehst doof aus«, sagt Konrad. Dabei sieht Katinka alles andere als doof aus. Sie ist sogar ziemlich hübsch, aber Konrad ist so wütend, dass er alles doof finden will und ganz besonders seine Schwester.

»Hat mein Konrädchen etwa schlechte Laune?«, sagt Katinka und tätschelt ihm den Kopf. »Heile, heile, Mäusespeck, in hundert Tagen ist alles weg.«

Konrad faucht: »Lass mich in Ruhe!«

»Wo ist Mama?«, fragt Katinka.

»Kauft Salat.«

»Sehr gut, ich mache nämlich Diät. Aber nicht petzen, hörst du?«

Konrad ist die Diät seiner Schwester ziemlich egal. Er geht in sein Zimmer und schlägt das Buch wieder auf. Und schon ist er mittendrin in der spannenden Geschichte.

›Da vorn ist eine Insel!‹, ruft Tom. ›Wir müssen sie erreichen, ehe wir von dem Monster gefressen werden.‹

›Dann rudere‹, sagt Fritz und greift zum Paddel, ›rudere um dein Leben! Um unser Leben.‹

Zu spät! Neben der Bootswand taucht der garstige Kopf eines riesigen Seeungeheuers auf. Mit einem einzigen Schlag seines schuppigenSchwanzeszerteilt es das Boot in zweiHälften, Tom kann sich in letzter Sekunde an der glitschigen Bootswand festklammern. Da erscheint über ihm ein geöffnetes Maul, ein blutroter Schlund, messerscharfe Zähne und –

»Konrädchen, Essen ist fertig!«, ruft die Mutter.

Konrad setzt sich an den Tisch. »Ich wünsche mir ein Boot, Mama.«

»Ein was?«

»Ein Boot, um damit auf dem Fluss zu fahren.«

Die Mutter greift sich an die Brust. »Willst du mich umbringen?«

»Was ist daran so schlimm?«, fragt Konrad.

»Boote sind verboten«, sagt der Vater.

»Aus gutem Grund.« Die Mutter verteilt Katzenberger Klöpse.

»Ich nehm nur Salat!«, ruft Katinka.

»Warum sind Boote verboten?«, will Konrad wissen.

»Das war schon immer so«, sagt Konrads Vater und zu seiner Frau: »Deine Klöpse sind mal wieder köstlich, meine Liebe.«

Katinka stochert im Salat herum.

»Aber es muss doch mal welche gegeben haben«, beharrt Konrad. »In dem Buch, das ich gerade lese –«

»Kannst du nicht zur Abwechslung mal was Schönes lesen statt immer nur diese Räuberpistolen«, jammert die Mutter.

»In dem Buch, das ich gerade lese, kommen gar keine Räuber drin vor und Pistolen leider auch nicht«, sagt Konrad. »Da geht es um ein Ungeheuer.«

Katinka verdreht die Augen und seufzt.»O ja, ungeheuer viel Liebe und Leid, so was lese ich am liebsten.«

Konrad schüttelt sich. »Ih, wie langweilig! Meine Bücher sind spannend und aufregend. Ich will auch solche Abenteuer erleben.«

»Abenteuer? Das sagst ausgerechnet du?« Katinka lacht. »Du lässt dich ja noch jeden Morgen von Mama zur Schule bringen. Nicht mal deinen Ranzen kannst du allein tragen.«

»Kann ich wohl«, sagt Konrad.

»Kannst du nicht!«

»Ab morgen gehe ich allein zur Schule.«

»Das werden wir ja sehen«, meint Katinka. Sie muss immer das letzte Wort haben.

»Bettzeit, Konrädchen.« Die Mutter gibt Konrad einen Kuss. »Und nicht mehr so lange lesen, hörst du?«

»Schlaf gut, mein Junge«, sagt der Vater und schlägt das Katzelbacher Tageblatt auf.

Konrad geht in sein Zimmer, zieht sich aus, wirft die Hose auf den Boden, macht Katzenwäsche und schlüpft schnell in den Schlafanzug.

»Die Ohren nicht vergessen, Konrädchen!«, ruft die Mutter von draußen.

Konrad pfeift auf seine Ohren, er kann es kaum erwarten, sich wieder in sein Buch zu vertiefen.

Fritz zögert nicht lange, er hebt das Paddel hoch und rammt es dem Ungeheuer in den Schlund. Das stößt einen markerschütterternden Schrei aus, taucht unter und hinterlässt eine blutige Spur auf dem Wasser. ›Ist es tot?‹, fragt Tom, der sich immer noch verzweifelt an der feuchten Bootswand festklammert. ›Ich kann mich nicht mehr lange halten. Hilfe! Fritz, zu Hilfe!‹ Und schon ist er abgerutscht, versinkt ebenfalls im Meer und ward nicht mehr gesehen.

Konrad schüttelt sich vor Entsetzen. Bei der Vorstellung, ins Wasser zu fallen, wird ihm ganz anders. Wasser ist schon schlimm genug, aber dann noch kalt! Sosehr ihm der Sinn nach einem Abenteuer steht, er möchte dabei trocken bleiben.

Konrad schließt die Augen und sinkt nicht in die Tiefe des Meeres, sondern in einen tiefen Schlaf.

2. Kapitel

Am Morgen herrscht wie immer Hektik. Der Vater findet seine Socken nicht, Katinka blockiert stundenlang das Bad, und Konrad will nicht aufstehen. Erst als die Mutter mit dem nassen Waschlappen ins Zimmer kommt, springt er aus dem Bett.

»Vergesst eure Schulbrote nicht«, sagt die Mutter und zeigt auf zwei belegte Brote.

Katinka klappt ihr Brot auf und zieht mit spitzen Krallen eine Maus heraus. »Ich hab dir schon hundertmal gesagt, Mama, dass ich keine fetten Mäuse mag!«

»Du kannst dich doch nicht nur von Salat und Magermaus ernähren!«, ruft die Mutter.

»Komm, wir tauschen«, sagt Konrad und wedelt mit einem Salatblatt. »Salat gegen Maus.«

»Immer diese Mäkelei«, schimpft der Vater. »Früher hätte es so etwas nicht gegeben, früher –«

»Früher musste man sich sein Essen selber fangen!«, rufen Konrad und Katinka im Chor.

Die Mutter packt das nun doppelt belegte Pausenbrot in eine Brotbox mit bunten Blümchen drauf und steckt sie in Konrads Ranzen. »Beeil dich, Konrädchen, sonst kommen wir zu spät zur Schule.«

»Gib mir den Ranzen, Mama.«

»Den kannst du nicht tragen, der ist viel zu schwer.«

»Ich kann ihn tragen und ich kann auch allein zur Schule gehen!«

Die Mutter schlägt die Pfoten über dem Kopf zusammen: »Aber ich bring dich doch immer!«

»Nun lass den Jungen doch, er ist alt genug, um allein zu gehen«, sagt der Vater und hält zwei verschiedenfarbige Strümpfe hoch.

»Du hast ja keine Ahnung, was ihm unterwegs alles passieren kann«, schluchzt die Mutter.

»Nein, aber ich weiß, was gleich hier passiert, wenn ich keine passenden Socken finde!«

Die Mutter wühlt im Wäschekorb und Konrad schnappt sich schnell den Ranzen und läuft aus dem Haus.

Als er in der Schule ankommt, stehen da schon Kurt und Kaspar vor dem Eingang und singen:

»Schaut nur die Mutti mit ihrem Schatz,

trägt ihm den Ranzen hinterher,

bringt ihn bis an seinen Platz,

ist fürs Konrädchen viel zu schwer.

Viel zu schwer, viel zu schwer!

Fürs Konrädchen viel zu schwer.«

»Seid ihr blind? Ich trage meinen Ranzen selber«, sagt Konrad und will an den beiden vorbei in die Schule.

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Kinder- und Jugendbuchverlag

in der Verlagsgruppe Random House

1. Auflage 2016

© 2016 cbj Kinder- und Jugendbuch Verlag

in der Verlagsgruppe Random House, München

Cover- und Innenillustrationen: Astrid Henn

Umschlagfertigstellung: init | Kommunikationsdesign, Bad Oeynhausen

CK · Herstellung: UK

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

Reproduktion: Reproline medisteam, München

ISBN 978-3-641-11439-8 V001

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