Weapons. Zwei Männer gegen ein System – explosiv, hart und gnadenlos. - Matt Rogers - E-Book

Weapons. Zwei Männer gegen ein System – explosiv, hart und gnadenlos. E-Book

Matt Rogers

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Beschreibung

Zwei Legenden. Eine Stadt. Kein Entkommen.

Jason King und Will Slater – zwei der tödlichsten Männer, die der Geheimdienst je hervorbrachte – sind jetzt auf sich allein gestellt. Schattenkrieger, gezeichnet von ihren eigenen Dämonen, vereint in einem neuen Krieg. In den Straßen von New York beginnt ihre gnadenlose Mission gegen Korruption, Machtgier und Verrat.

Als sie überraschend von einem ihrer ehemaligen Auftraggeber kontaktiert werden, nimmt ihre selbst auferlegte Bestimmung eine rasante Wendung – und sie werden selbst zu Gejagten. Bald steht mehr auf dem Spiel als ihr Leben: ein Komplott droht, das Land in den Abgrund zu reißen.

Doch Aufgeben ist keine Option – nicht für King und Slater.

Unbeirrbar, unerschütterlich, unaufhaltsam.

King und Slater – erstmals vereint. Härter, wilder und entschlossener als je zuvor.

__________

Band 1 der Reihe King & Slater  von Bestsellerautor Matt Rogers

Für Fans von Gregg Hurwitz, David Baldacci und Lee Child

Ein tempogeladener Actionthriller um das tödliche Duo Jason King und Will Slater

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Seitenzahl: 495

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Ähnliche


Inhalt

Cover

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Kapitel 67

Kapitel 68

Kapitel 69

Kapitel 70

Kapitel 71

Kapitel 72

Kapitel 73

Kapitel 74

Kapitel 75

Kapitel 76

Kapitel 77

Kapitel 78

Kapitel 79

Kapitel 80

Kapitel 81

Kapitel 82

Kapitel 83

Kapitel 84

Kapitel 85

Kapitel 86

Kapitel 87

Kapitel 88

Kapitel 89

Kapitel 90

Kapitel 91

Kapitel 92

Kapitel 93

Kapitel 94

Kapitel 95

Kapitel 96

Kapitel 97

Kapitel 98

Kapitel 99

Kapitel 100

Kapitel 101

Kapitel 102

Kapitel 103

Kapitel 104

Über den Autor

Weitere spannende Titel im Ronin Hörverlag

The Forsaken von Matt Rogers

Die Reznick-Reihe von J. B. Turner

Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Titelseite

Inhaltsbeginn

Impressum

Weapons – King & Slater 1

Matt Rogers

Aus dem Englischenvon Helga Parmiter

Kapitel 1

Manhattan, New York

Gianni fühlte sich unwohl.

Zugegeben, er hatte sich seit seiner Kindheit nicht wohlgefühlt – das lag in der Natur seines Berufs – aber ein gewisses Maß an Unbehagen gab Anlass zur Sorge.

Und dies war eins davon.

Er befand sich spätabends im Meatpacking District, und er war ein Mann, der normalerweise wenig Grund hatte, sich spätabends im Meatpacking District aufzuhalten. Er war nicht an Opulenz gewöhnt. Die Welt der trendigen, schicken Lokale, der Indoor-Märkte, der überteuerten Designerkleidung, der Cocktails, des Gelächters und des Vergnügens war nicht seine Welt.

Nein, seine Welt war etwas schnörkelloser. Sein Metier waren Angst und Einschüchterung, und er betrachtete sich als Meister in der Kunst des langanhaltenden Schweigens, das auf eine Drohung folgte. Er war ein kleiner italienischer Straßengangster, und trotz seines Rufs wandte er nur selten Gewalt an. Diejenigen, die sich zu oft auf körperliche Gewalt verließen, wollten unbedingt ein Exempel statuieren. Diese Typen waren die Pokerspieler, die mit schöner Regelmäßigkeit all-in gingen.

Irgendwann war Gewalt nur noch Gewalt, und die Leute durchschauten einen.

Niemand würde Gianni jemals durchschauen, denn er war so gut wie nie aggressiv.

Er hielt seine Wut tief in sich gefangen und ließ sie nur selten heraus. Er überließ es der Fantasie der Leute, was er ihnen antun könnte. Er war 1,95 Meter groß und gebaut wie eine Dampframme, mit Muskelpaketen an den richtigen Stellen seines Körpers. Er hatte eine breite Brust, stämmige Unterarme und dicke, fleischige Finger. Er sah aus, als könnte er einen Topf allein mit seiner Handkraft zerquetschen, und wahrscheinlich konnte er das auch. Er hatte es nur nie versucht.

Er war der Typ, der in deinem Laden auftauchte, um Schutzgeld zu verlangen. Wenn du ihn fragtest, wovor er dich schützen würde, würde er wortlos weggehen, und in dieser Nacht würde ein Auto vorbeifahren und Steine durch alle Schaufenster werfen. Am nächsten Tag käme er zurück und würde wegen der Unannehmlichkeiten ein etwas höheres Schutzgeld verlangen.

Das Ganze wiederholte sich immer wieder.

Der älteste Trick der Welt, aber er hatte fast ein Jahrzehnt lang damit Erfolg gehabt.

Die Zeit vergeht wie im Flug, wenn man Spaß hat.

Er und seine zusammengewürfelte Bande von Ganoven zogen denselben Betrug bei der Hälfte der kleinen Geschäfte in Hell’s Kitchen durch. Wenn ein Polizist herumschnüffelte, bestach Gianni ihn oder schob Fotos von seiner Frau und seinen Kindern unter der Haustür durch. Was auch immer sie zuerst zum Einlenken brachte. Und sie gaben immer nach. Gianni war zu einem Experten in Manipulation geworden, aber er war nie über kleine Erpressungen hinausgekommen. Er kannte seine Grenzen. Er war kein Mafiaboss. Er hatte keine akademische Bildung. Er konnte nicht gut mit Zahlen umgehen. Er wusste, wenn er es versuchte, würde er auf tausend verschiedene Arten ausgenommen werden, ohne es überhaupt zu merken.

Nein, Gianni mochte es, die Kontrolle über sein Leben zu haben. Er blieb bei den gleichen hochprofitablen Aktivitäten, die ihm, seit er groß genug war, um Menschen Angst einzujagen, regelmäßig ein paar Dollar auf sein Bankkonto spülten. In seinem Fall war das seit seinem fünfzehnten Lebensjahr so.

Jetzt war er fünfundzwanzig, hatte kurz geschorene Haare und dünne Bartstoppeln, die seine Kinnlinie säumten. Er saß auf dem Fahrersitz eines gemieteten Kastenwagens in der Washington Street, nur wenige hundert Meter vom Hudson River entfernt. Vor ihm lagen Bars und Restaurants, hinter ihm ebenfalls, aber dieser kleine Abschnitt des Bürgersteigs war dunkel und alle Geschäfte hatten für die Nacht geschlossen.

Er hatte diesen Platz strategisch gewählt.

Um einzuschüchtern.

Wenn betrunkene Gäste aus den noblen Lokalen stolperten und auf den Lieferwagen zuschlurften, stieg er aus und warf ihnen vernichtende Blicke zu, bis sie sich umdrehten und den Weg zurückgingen, den sie gekommen waren. Er war allein wegen dieser Taktik für diesen Job eingestellt worden. Er war nicht der Typ, der sich in Bandenkriege verwickeln ließ. Wenn er es getan hätte, wäre er – aufgrund seiner Unverfrorenheit und seiner Art, sich nie ins Bockshorn jagen zu lassen – schon längst mit Blei durchsiebt worden.

Er suchte sich seine Kämpfe aus.

Und er suchte sich seine Jobs aus.

»Warum hast du das verdammt noch mal getan?«, murmelte er in der eiskalten Fahrerkabine. »Warum hast du diesmal Ja gesagt?« Er hatte schon früher Jobs angeboten bekommen. Er hatte sie alle abgelehnt.

Diesmal nicht.

Weil das Angebot von den Whelans kam.

Und zu den Whelans sagt man nicht nein.

Gianni rieb seine kalten Hände aneinander und atmete eine Wolke aus. Er blickte nervös umher und wartete darauf, dass die Fracht auftauchte.

Kapitel 2

Die fragliche Fracht kam am dunklen, verlassenen Ufer des Hudson River an.

Die Kisten wurden mit einem Boot gebracht und hundert Meter vom Ufer entfernt über Bord geworfen, begleitet von einer Gruppe von fünf kleinen Männern in Neoprenanzügen mit Flossen an den Füßen. Die Taucher schoben die Kisten, die alle mit Auftriebsverkleidung ausgestattet waren, ans Ufer.

Giannis Männer standen entlang des Flussufers verteilt und hielten nach möglichen Beobachtern Ausschau.

Die Kisten kamen inmitten von Müll, Kies und schlammigem Schlick in einer schattigen Ecke am Fuße des Pier 54 an. Die Taucher zogen ihre Neoprenanzüge aus und vergruben sie unter dem losen Kies. Darunter trugen sie Zivilkleidung – ausgewaschene Jeans und einfache, langärmelige Hemden. Sie waren alle gleich gebaut und hatten dieselbe ethnische Zugehörigkeit – kleine, schlanke asiatische Männer mit kalten, kleinen Augen und blasser Haut.

Giannis Männer musterten sie. Die Taucher waren Profis – wahrscheinlich von der Triade, wahrscheinlich von den Whelans angeheuert, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten – aber Gianni und seine Leute waren Fremde in dieser Welt, also setzten sie nichts voraus.

Die Männer an Land waren zwischen Anfang zwanzig und Ende vierzig. Insgesamt waren es acht. Sie waren alle groß, gut gebaut und einschüchternd wie Gianni – er rekrutierte nur einen bestimmten Typ. Zusammen kontrollierten sie fast das gesamte Schutzgeldgeschäft in Hell’s Kitchen und hatten begonnen, mit ihrer ständig wachsenden Finanzkraft in neue Gebiete zu expandieren.

Vielleicht war das der Grund, warum ihr Boss bereit gewesen war, diesen neuen Auftrag anzunehmen.

Es war die Zeit, in der man neue Dinge ausprobierte.

Aber obwohl sie zusammen fast tausend Pfund mehr wogen als die fünf Taucher, strotzten sie nicht gerade vor Selbstvertrauen.

Insgesamt gab es vier Kisten, jede so groß wie ein großer Kühlschrank. Sie waren mit einer Art wasserdichtem Material versiegelt – wie Frischhaltefolie, nur stärker. Die acht Männer verteilten sich am Ufer, und jeweils zwei packten eine Kiste an den dicken Metallgriffen an beiden Seiten. Indem sie mit aller Kraft und hervortretenden Adern hievten, schafften sie es, die Kisten Zentimeter für Zentimeter vom Boden zu heben.

Es war mühsame Knochenarbeit.

Im Schutz der Dunkelheit trugen sie die Kisten in eine Gasse. Die Schatten verschluckten sie vollständig. Auf der anderen Seite fanden sie einen Kastenwagen.

Auf ein Zeichen hin stieg Gianni aus der Fahrerkabine und begrüßte sie stumm mit einem Nicken. Er öffnete die hinteren Türen und half jedem Paar unter Einsatz seiner Größe und Kraft, die jeweilige Kiste über die Ladekante zu hieven.

Innerhalb von Sekunden war der Transporter beladen.

Gianni deutete wortlos mit dem Daumen auf den dunklen Hohlraum im hinteren Teil des Lastwagens. Er wirkte wie ein klaffender Schlund. Alle acht Männer sprangen in den Laderaum. Der letzte Mann, der einstieg, griff mit beiden Händen nach den hinteren Türen. Kurz bevor er sie schloss, warf er einen letzten Blick auf die Gasse und fragte sich, ob die fünf Taucher ihnen wohl aus reiner Neugier gefolgt waren.

Aber wie er vermutet hatte, waren sie echte Profis. Von ihnen war keine Spur zu sehen.

Sie waren in der Nacht verschwunden, als hätten sie nie existiert.

Die beiden Gruppen hatten kein einziges Wort miteinander gewechselt.

Der achte Mann schwang die Türen zu.

Gianni zog nacheinander an den Außengriffen, um zu überprüfen, ob der Wagen verschlossen war. Dann drehte er sich um und wollte wieder auf den Fahrersitz steigen.

Ein junges Paar starrte ihn von der anderen Straßenseite her an.

Sie starrten auf den Transporter.

Sie waren typische Vertreter des Meatpacking District – etwa Mitte zwanzig, wohlhabend, mit reichlich Alkohol im Blut. Der Mann war teuer gekleidet, um seinen weichen Körper zu verbergen, und die Frau trug ein so enges Kleid, dass Gianni sie von der anderen Straßenseite aus nackt sehen konnte. Ihm gefiel, was er sah. Sie hatte genau die richtigen Kurven.

Er schlug mit der Faust hart gegen die Rückseite des Lastwagens. Die Türen sprangen auf.

Gianni sagte: »Zwei Zeugen.«

Seine Männer stießen wie aus einem Munde einen Seufzer aus.

Zwei von ihnen stiegen aus dem Transporter, um zu helfen, die anderen sechs blieben sitzen.

Gianni folgte den beiden Männern über die Straße zu dem jungen Paar, das wie angewurzelt dastand.

Kapitel 3

Ihr hättet weitergehen sollen, dachte Gianni. Dann wäre euch das erspart geblieben.

Er packte den Mann mit beiden Händen am Hemd, bevor einer der beiden reichen Yuppies begriff, was los war. Er stieß den Mann hart in die Gasse. Der Junge stolperte über seine eigenen Füße und fiel in eine knöcheltiefe Pfütze.

Gianni folgte ihm in die Schatten.

Das Mädchen öffnete den Mund, um zu schreien – Gianni hatte so viel Zeit damit verbracht, andere einzuschüchtern, dass er ihre Reaktionen fast auf die Millisekunde genau vorhersagen konnte. Also drehte er sich um, bevor sie einen Ton herausbrachte, packte sie am Hals und erstickte ihren Schrei.

Gianni warf seinen Männern, die wie Fische auf dem Trockenen dastanden, einen finsteren Blick zu.

»Habt ihr noch nie eine Frau geschlagen?«, fragte er.

Sie zuckten mit den Schultern.

»Ich dachte, du kümmerst dich darum«, sagte einer von ihnen.

»Glaubt ihr, das ist jetzt wichtig?«, sagte Gianni. »Ihr wisst, was in diesen Kisten ist. Glaubt ihr, wir können es uns leisten, dass einer von ihnen auch nur einen Mucks von sich gibt?«

Die Frau schluchzte. Er drückte seine fetten Finger so fest in ihren Hals, dass die Haut blau wurde. Tränen verwandelten ihre Wimperntusche in schwarze Schmiere. Sie lief ihr über das Gesicht, während sie nach Luft rang.

»Tut mir leid, Boss«, sagte der zweite Mann.

Gianni bemerkte die trüben gelben Straßenlaternen in der Nähe. Sie alle standen immer noch in der Gasseneinmündung. Wenn jemand sah, wie er eine junge Frau würgte, würde es einen Aufruhr geben.

Also sagte er zu seinen Handlangern: »Seht zu und lernt.«

Dann stieß er sie hinter ihrem Freund her in die Schatten. Der junge Mann rappelte sich gerade auf, als sie gegen ihn prallte. Beide gingen erneut zu Boden.

Das Mädchen versuchte wieder zu schreien.

Lernst du’s nicht?, dachte Gianni.

Er trat ihr mit voller Wucht in den Leib, sodass ihr die Luft aus den Lungen wich. Es war ihm egal, ob er ihr dabei ein paar Rippen brach.

Das Ergebnis würde dasselbe sein.

»Was habt ihr gesehen?«, murmelte Gianni und beugte sich in der Dunkelheit über sie.

»Bitte«, keuchte der Mann. Er hatte einen Jersey-Akzent. »Wir haben nichts gesehen.«

»Ohh ...«, sagte das Mädchen. Aber sie sagte es leise. Ganz leise.

Musik in Giannis Ohren.

Er trat sie erneut, dann trat er dem Mann ins Gesicht.

In der Dunkelheit war es schwer zu sehen, aber er hörte, wie Blut spritzte.

»Habe ich euch erlaubt zu sprechen?«, sagte Gianni. »Ihr habt den Transporter gesehen.«

»Bitte«, flehte der Mann.

Es war nur ein einziges Wort, aber es kam verstümmelt und unverständlich heraus. Der Mund des jungen Mannes war voller Blut, und ihm fehlten wahrscheinlich einige Zähne.

Gianni fühlte sich gut. Flüssige Kraft strömte durch seine Adern. Seine Neigung, Gewalt zu vermeiden, hatte einiges in ihm aufgestaut, und nun bahnte sich alles einen Weg nach draußen.

Während der normalen Arbeitszeiten schreckte er davor zurück. Aber dies war ein besonderer Auftrag, und dafür galten besondere Regeln.

Er lebte für diesen Scheiß, aber noch mehr Schläge wären überflüssig. Er war nicht zum Spaß hier. Sie hatten den Transporter gesehen, und es stand viel auf dem Spiel. Er hatte noch nie einen Auftrag für eine Verbrecherfamilie übernommen. Er konnte es nicht riskieren, dass alles schiefging.

Er zog ein Springmesser von seinem Gürtel ab.

Das Beste war, lautlos zu bleiben.

Er konnte keine Schüsse im Meatpacking District riskieren.

Er griff in die Dunkelheit und packte eine Handvoll Haare des Mädchens. Er riss sie vom Boden der Gasse hoch und hielt sie an den Haaren fest. Sie hätte fast geschrien, aber dann besann sie sich.

»Braves Mädchen«, sagte Gianni.

Er drückte das Messer an ihre verletzte Kehle, und wieder durchfuhr ihn eine Welle von etwas. Er würde sie vor den Augen ihres Freundes töten und dann auch ihn erledigen. Das hatte etwas Krankes, aber er liebte es. Er liebte alles daran.

Er fletschte die Zähne und warf einen Blick über die Schulter, um sicherzugehen, dass seine Handlanger zusahen. So konnten sie von ihm lernen. Sie konnten die Skrupellosigkeit verstehen, die nötig war, um in ihrem Spiel weiterzukommen. Sie konnten die Realität des Weges sehen, den sie alle gewählt hatten.

Aber sie waren nicht da.

Die Gassenmündung war leer.

Gianni fühlte sich seltsam nackt. Wenn sie gekniffen und sich in den Transporter zurückgezogen hatten, würde er ihnen das nie verzeihen. Er würde sie vielleicht sogar beide töten, um ein Exempel für den Rest seiner Männer zu statuieren. Er konnte ihre Unfähigkeit nicht begreifen. Er hatte ihnen einen Befehl gegeben – »Seht zu und lernt« – und sie hatten ihn missachtet.

Sie sahen nicht zu. Sie lernten nicht.

Sie waren nirgends zu sehen.

Die Woge der Belebung verwandelte sich in eine Woge der Wut. Gianni ließ das weinende Mädchen zurück in die Pfütze fallen und rang mit sich.

Dann sagte er: »Ich habe einen Mann, der seine Waffe auf euch richtet. Wenn einer von euch sich bewegt oder einen Mucks von sich gibt, schießt er euch in die Beine. Dann komme ich zurück, und dann wird es richtig schmerzhaft für euch. Also rührt euch nicht. Und macht keinen Mucks.«

Sie bestätigten seine Forderung weder noch wiesen sie sie zurück.

Aber er wusste, sie würden gehorchen.

Sie lagen auf der Seite auf dem feuchten Boden der Gasse, stöhnten und schluchzten, und ihr Blut tropfte in das stinkende Wasser.

Gianni ging mit großen Schritten zur Gassenmündung. Er versuchte, seine Wut zu unterdrücken, aber es war zwecklos. Sein Atem kam in unregelmäßigen Stößen.

»Wo seid ihr?«, flüsterte er beinahe lautlos. »Wo seid ihr, ihr billigen ...«

Er erreichte den Bürgersteig, und schwaches Licht fiel auf ihn.

Er schaute nach links.

Nichts.

Er schaute nach rechts.

Seine beiden Männer lagen in tiefer Ohnmacht ausgestreckt auf dem Beton. Einer von ihnen zuckte heftig. Das Gesicht des anderen war wie eine blutrote Maske. Sie waren gebrochen, blutüberströmt und ramponiert. Sie sahen aus, als hätten sie tagelang auf der Straße gelebt. Sie waren unvorstellbar brutal zusammengeschlagen worden.

Ein kalter Schauer lief Gianni den Nacken hinunter.

Jetzt fühlte er sich nackt.

Er drehte sich wieder zum Transporter um, aber es gab keine Anzeichen von Bewegung. Der Rest seiner Männer war loyal. Sie waren im Laderaum und taten, was ihnen befohlen worden war.

Gianni brauchte sie hier bei sich.

Ihm war peinlich, zuzugeben, dass er in Panik geraten war. Er kam zu dem Schluss, dass es egal war, was mit den beiden Zeugen in der Gasse geschah, wenn er es nicht lebend hier herausschaffte. Und hier war ein ganz mieses Spiel im Gange. Ob es sich um eine rivalisierende Bande handelte, um einen alten Feind, der zurückgekommen war, um ihn zu verfolgen, oder um ein neues Problem ... es spielte keine Rolle.

Was zählte, war seine eigene Sicherheit.

Er rannte los in Richtung Transporter. Aber er kam nur ein paar Schritte weit.

Eine Hand packte ihn am Kragen und riss ihn zu Boden.

Kapitel 4

Er war es nicht gewohnt, in der Defensive zu sein.

Überhaupt nicht.

Nicht im Geringsten.

Er landete auf seinem Hintern und sprang sofort wieder auf, überwältigt von Adrenalin. Er glaubte, mit so viel Energie in den Adern eine ganze Armee besiegen zu können. Er hatte das Springmesser fallen lassen, als der mysteriöse Angreifer ihn am Kragen gepackt hatte, aber das war ihm völlig egal. Er sprang auf und wirbelte mit erhobenen Fäusten und zusammengebissenen Zähnen herum.

Er war ein großer Kerl, und niemand hatte ihn jemals herumgeschubst.

Als er seinen Angreifer erblickte, strotzte er vor Selbstvertrauen.

Der Mann war etwa 1,80 Meter groß, Afroamerikaner und hatte eine kräftige Statur. Er hatte den Körperbau eines Olympioniken. Er trug Jeans und einen teuren Pullover, aber unter der Kleidung zeichnete sich seine Muskulatur ab. Er hatte ein markantes, gutaussehendes Gesicht, eine rasierte Glatze und eine kräftige Kinnlinie. Und seine Augen waren eiskalt.

Aber Gianni war fünf Zentimeter größer, wahrscheinlich fünfzig Pfund schwerer und wütend.

Und der Typ hatte weder eine Waffe noch ein Messer.

Großer Fehler, du verdammter Mistkerl.

Gianni schwang seine Faust ohne Rücksicht auf Verluste. Er schlug schnell und hart zu. Dank seiner langjährigen Boxerfahrung in den traditionellen Sporthallen New Yorks hatte er eine ausgefeilte Technik. Und noch nie in seinem Leben war er so voller Adrenalin gewesen. Er war überzeugt, dass er seinem Angreifer mit einem einzigen rechten Haken den Kopf herunterschlagen könnte. Das wollte er unbedingt. Wenn er in der bevorstehenden Schlägerei auch nur einen Moment lang im Vorteil war, würde er das Gesicht des Kerls mit Ellbogenstößen bearbeiten, bis sein Kopf zu Brei wurde. Und er würde jede Sekunde davon genießen.

Aber der Haken verfehlte sein Ziel.

Gianni wurde ausgesprochen nervös.

Er verfehlte nie sein Ziel.

Die Faust traf nur Luft, weil der Angreifer einfach nicht mehr da war. Der Typ war nur wenige Zentimeter vom Schlag entfernt, immer noch nah am Geschehen, aber es spielte keine Rolle, ob man um einen Zentimeter oder einen Kilometer daneben schlug.

Daneben war daneben.

Gianni stolperte einen Schritt nach vorne, aus dem Gleichgewicht gebracht durch seinen zu heftigen Schlag, und dachte: Ach du Scheiße.

Der Mann zerschmetterte Giannis Nase mit einem einzigen gut platzierten Ellbogenstoß.

Gianni hatte noch nie solche Schmerzen empfunden.

Er war schon früher hart getroffen worden, aber normalerweise waren es nur Streifschläge an der Seite seines Kopfes oder ein Überraschungsschlag von hinten, der ihn auf die Bretter geschickt hatte. Die Schläge, die man nicht kommen sah, waren die schlimmsten. Früher hatte er eine Menge Straßenkämpfe bestritten. In einer Welt wie dieser konnte man nicht aufwachsen und erfolgreich sein, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Mit zunehmendem Ruf ließ die Gewalt immer mehr nach, bis er allein durch seine Präsenz einschüchtern konnte.

Also musste er zugeben, dass er, was das Kämpfen anging, etwas eingerostet war.

Er konnte zwar Schläge austeilen, aber dafür musste man nicht Widrigkeiten, Schmerzen und Unbehagen überwinden. Er war nicht daran gewöhnt. Er ging davon aus, dass er jeden, der ihm in die Quere kam, ohne Probleme fertigmachen würde.

Und jetzt war seine Nase komplett zertrümmert, er sah nichts mehr und sein Gehirn schrie: Was zum Teufel ist hier los?

Er landete auf seinem Hintern auf dem Bürgersteig und blieb dort wie betäubt sitzen. Aus irgendeinem Grund kam es ihm nicht einmal in den Sinn, aufzustehen. Seine Nase war eine einzige schmerzende Wunde, und ehrlich gesagt war er zu nichts anderem in der Lage, als regungslos dazusitzen und sich selbst zu bemitleiden.

Er hätte beinahe ein Schmerzensstöhnen ausgestoßen, aber seine Vernunft hielt ihn im letzten Moment davon ab.

Er durfte keine Schwäche zeigen.

Wenn er das hier überlebte, hatte er einen Ruf wiederherzustellen.

Seine Sicht kehrte Stück für Stück zurück. Der Schmerz war so intensiv und allumfassend gewesen, dass er alle anderen Sinne ausgeschaltet hatte, während sein Körper mit dem fertig wurde, was gerade passiert war. Er konnte bereits die gebrochenen Knochen in seiner Nasenscheidewand spüren. Er spürte, wie sich seine Nasenlöcher verschlossen, die Haut anschwoll und sich violett verfärbte.

Der Angreifer ragte vor ihm auf.

Gianni hob den Blick, um dem Mann in die Augen zu sehen. Er wollte das Gesicht des Mannes sehen, der ihn besiegt hatte.

Der Mann bückte sich und starrte Gianni an, wie ein Löwe, der seine Beute beobachtet.

Er sagte: »Du solltest wirklich darauf hoffen, dass die beiden Kids, die du in diese Gasse gezerrt hast, noch am Leben sind.«

»Das sind sie«, murmelte Gianni.

»Ich werde nachsehen.«

»Tu das.«

»Ich hoffe, du sagst die Wahrheit.«

»Und was passiert, wenn sie es nicht sind?«

»Das würde nichts Gutes für dich bedeuten.«

»Ich habe sechs Männer in dem Transporter auf der anderen Straßenseite.«

»Davon ist nichts zu sehen.«

»Sie sind da. Vertrau mir.«

»Dann sollen sie doch kommen.«

Etwas an der Ernsthaftigkeit, mit der der Angreifer sprach, ließ Gianni einen Schauer über den Rücken laufen.

Gianni sagte: »Haben die Whelans dich geschickt? Geht es darum?«

Stille.

Gianni sagte: »Ich wusste, ich hätte diesen Arschlöchern nicht trauen sollen. Das habe ich davon, wenn ich so einen Job annehme. Scheiße ...«

Der Angreifer sagte: »Hast du Whelans gesagt? Die Whelan-Familie?«

»Ja.«

»Die haben mich nicht geschickt. Ich hatte allerdings schon mal Ärger mit denen. Vor langer Zeit. Genau hier in dieser Stadt.«

»Wie bitte?«

Der Angreifer hockte sich vor Gianni, sodass sie auf Augenhöhe waren. Er strahlte eine vernichtende Intensität aus. In seinen Augen lag ein Ausdruck, den Gianni nicht deuten konnte.

Gianni verspürte ein seltsames Gefühl in der Brust.

Angst.

So viel Angst hatte er, solange er denken konnte, noch nie gehabt. Es war, als gehöre der Angreifer einer anderen Spezies an. Er war schneller, stärker ...

... besser.

Der dunkelhäutige Mann sagte: »Erinnerst du dich noch, als die Whelans diese Stadt regiert haben? Sie hatten alles unter ihrer Fuchtel. Die Gewerkschaften, die Docks, Schutzgelderpressung, Erpressung, Mord. Sie haben alles gemacht. Und sie haben ganz bestimmt keine zweitklassigen Gangster wie dich rekrutiert, um ihre Drecksarbeit zu erledigen.«

Gianni ignorierte die Beleidigung, einfach weil er nicht bereit war, noch einen Ellbogen ins Gesicht zu bekommen. Er sagte: »Ich erinnere mich.«

»Was ist also aus ihnen geworden?«

»Auf der Straße geht das Gerücht um, dass ein mysteriöser Mann die gesamte Familie zusammengeschlagen hat. Alle wichtigen Leute. So etwas kann dir für den Rest deines Lebens im Nacken sitzen und dich quälen. Also hörten wir nicht auf, darüber zu reden. Denn er ist gleich darauf verschwunden. Niemand hat mehr etwas von ihm gehört.«

Gianni wusste, worauf das hinauslief.

Der Angreifer sagte: »Ich habe die Whelans vernichtet. Jetzt weißt du, wen du vor dir hast. Ich habe gerade etwas Zeit, also könnte man das wohl als meine offizielle Rückkehr betrachten. Ich will, dass du diese Nachricht nach oben weiterleitest. Kapiert?«

»Ja, okay«, murmelte Gianni. »Wie du willst. Wer zur Hölle bist du überhaupt?«

»Will Slater.«

Kapitel 5

Slater musterte die erbärmliche Hülle eines Mannes zu seinen Füßen. Der Typ war durch und durch ein Gangster. Er war groß und bullig, mindestens fünf Zentimeter größer als Slater, aber all diese Masse hatte ihm nichts genützt, als er versucht hatte, sich zur Wehr zu setzen.

Über seine Schulter hinweg hörte Slater in der Gasse zwei leise Stimmen wimmern. Das junge Paar war also noch am Leben. Er hatte gesehen, wie die Schläger sie von der anderen Straßenseite aus in die Schatten gezerrt hatten. Er war dem Kastenwagen schon seit ein paar Stunden gefolgt, bevor der Ärger losging. Er hatte nicht vorgehabt, hier einzugreifen, mitten im Trubel des Meatpacking Districts. Er hätte einen ruhigeren Ort bevorzugt.

Aber es war spät, und er hatte keine Wahl mehr gehabt.

Die beiden Kids wären gestorben, wenn er nicht dazwischengegangen wäre.

Jetzt überlegte er, was er mit dem Schläger machen sollte. Er war sich sicher, dass der Typ in bestimmten Kreisen eine große Nummer war. Wahrscheinlich leitete er eine gemeinschaftliche Operation und erpresste »Schutzgeld« von hunderten kleiner Unternehmen. Aber diese Fähigkeiten waren nicht unbedingt auf Kämpfe übertragbar.

Es brauchte etwas Besonderes, um Will Slater einzuschüchtern.

Slater bückte sich und sagte: »Streck dein rechtes Bein gerade aus.«

Der Schläger sagte: »Was?«

Slater fragte: »Wie heißt du?«

»Gianni.«

»Gianni, ich sage es nur noch einmal, dann schlage ich dir auf deine kaputte Nase. Und glaub mir, das tut weh.«

Gianni hatte mit gekreuzten Beinen auf dem Beton gesessen, aber nun streckte er sein rechtes Bein aus, wie Slater es verlangt hatte. Slater zielte und trat dann mit voller Wucht gegen die Knieaußenseite des Mannes. Es war kein gewöhnlicher Tritt. Es war ein Treffer, der über Jahre hinweg perfektioniert worden war. Slater hielt sich für einen Meister darin, auf kurze Distanz Kraft zu entwickeln, und wahrscheinlich zerriss er mit seiner Stiefelsohle jedes Band und jede Sehne in Giannis Knie.

Gianni unterdrückte einen Schrei.

Slater sagte: »Jetzt weiß ich, dass du nirgendwo hingehst.«

Er ging zu den bewusstlosen Körpern von Giannis beiden Leibwächtern, schleifte sie am Kragen in die Gasse und versetzte jedem noch einen Schlag hinter das Ohr, bevor er sie hinter einen der Müllcontainer fallen ließ.

Dann ging er zu dem jungen Paar, um nach ihnen zu sehen.

Sie waren in einem erbärmlichen Zustand. Der Mann krümmte sich vor Schmerzen und hielt sich das Gesicht, die Frau lag zusammengerollt in Embryonalstellung und hielt sich den Bauch. Beide hatten schmerzverzerrte Gesichter. Slater flüsterte ihnen beruhigende Worte zu, um ihnen nicht noch mehr Stress zu bereiten, und half ihnen auf die Beine.

Sie brauchten eine ganze Weile, beide verletzt, beide geschockt, beide traumatisiert.

Slater sagte: »Ich habe mich des Problems angenommen.«

»Danke«, sagte der Mann. »Wer sind Sie ...«

»Machen Sie sich keine Gedanken. Gehen Sie einfach ins nächste Krankenhaus und sagen Sie, Sie wurden überfallen. Sie haben Ihren Angreifer nicht genau gesehen. Sie haben keine Informationen für sie.«

»Aber ich weiß, wie er aussieht«, sagte die Frau.

»Die Polizei wird nichts tun. Er bezahlt die Polizei. Überlassen Sie die Bestrafung mir.«

»Okay ...«

»Außerdem, egal wie Sie ihn in Erinnerung haben ... so sieht er nicht mehr aus.«

Damit führte Slater sie zum anderen Ende der Gasse und schickte sie weg. Sie verschwanden in der Dunkelheit, seltsam still. Slater hatte das alles schon einmal gesehen. Sie waren tief in sich gekehrt. Opfer reagierten in jeder Situation anders. Einige gerieten in Panik, andere gingen gut damit um, und wieder andere wurden still.

Slater vergaß sie.

Er ging zurück auf die Straße.

Gianni war vor Schmerzen ohnmächtig geworden. Er lag auf dem Rücken, den Mund offen, die Nase geschwollen, das Bein gestreckt.

Noch wichtiger war jedoch, dass eine Gruppe von fünf aufgekratzten Partygästen über den Bürgersteig in ihre Richtung taumelte. Sie waren alle betrunken und hatten ihre Arme umeinander gelegt.

Drei Männer und zwei Frauen.

Slater änderte augenblicklich sein Verhalten.

Er lachte laut, packte Gianni am Kragen und zerrte ihn in die Gasse.

Gleichzeitig rief er: »Der hat ein paar zu viel gehabt! Ich kümmere mich um ihn.«

Jemand rief zurück: »Das passiert den Besten von uns.«

Slater schubste Gianni in eine dunkle Ecke zwischen Müllsäcken, Mülltonnen und stinkenden Pfützen und bückte sich über den bewusstlosen Mann. Die fünfköpfige Gruppe stolperte vorbei und warf Slater spöttische Bemerkungen und lautes Gelächter zu. Er winkte ihnen kurz zu, als wollte er sagen: Seht euch den Scheiß an, mit dem ich mich hier herumschlagen muss.

Dann waren sie weg und setzten vergnügt ihren Weg fort.

Gianni kam ein paar Minuten später zu sich. Er regte sich, stöhnte und griff nach seinem Bein.

Slater schlug seine Hände weg und sagte: »Wo sind deine Freunde?«

»Was?«, murmelte der Schläger. Er war kaum bei Bewusstsein.

»Ich dachte, du hättest sechs Freunde mitgebracht.«

»Die kommen jeden Moment aus dem Transporter.«

»Glaubst du nicht, dass sie es schon versucht hätten?«

Stille.

Slater sagte: »Wahrscheinlich nicht die klügste Idee, sie hinten im Kastenwagen warten zu lassen.«

Stille.

Slater sagte: »Da ist ein Riegel an der Außenseite. Es war nicht schwer, ihn auf dem Weg über die Straße umzulegen.«

Gianni seufzte. »Was genau willst du erreichen?«

»Ich will wissen, was in diesen Kisten ist.«

»Das musst du selbst herausfinden.«

»Falsche Antwort.«

»Brich mir das andere Bein. Ist mir egal.«

»Okay«, sagte Slater und tat genau das.

Kapitel 6

Er stampfte erneut zu, und diesmal schrie Gianni auf.

Aber es war niemand in der Nähe, der ihn hören konnte.

Slater warf einen Blick auf den Kastenwagen. Er hatte das ungute Gefühl, dass die sechs Männer bald frei sein würden.

Er sagte: »Du hast Glück, dass ich dich nicht getötet habe für das, was du diesen Kids angetan hast, aber das hier wird reichen. Ich bleibe noch eine Weile in der Stadt, damit ich dich aus der Ferne im Auge behalten kann. Ich würde wetten, dass ich dir beide Kreuzbänder gerissen habe, aber ein paar MRTs werden dir alles sagen, was du wissen musst. Du wirst ein paar Monate im Rollstuhl sitzen und dann wieder laufen lernen müssen. Das sollte Strafe genug sein. Okay?«

Gianni lächelte hintergründig, während er Slater zuhörte. Sein blasses Gesicht schimmerte im schwachen Licht.

»Was?«, sagte Slater.

»Du bist ziemlich selbstbewusst für jemanden, der gleich eine Tracht Prügel bekommt.«

»Von wem?«

»Es gibt mehr als einen Weg aus diesem Kastenwagen. Schau mal.«

Slater warf einen Blick über seine Schulter und sah, dass Gianni recht hatte. Vier Männer waren bereits draußen. Es waren große, brutale Kerle mit glänzenden schwarzen Pistolen in den Händen, die sich durch den vorderen Frachtraum gezwängt hatten und über Fahrer- und Beifahrersitz geklettert waren. Zwei weitere stürmten auf den Asphalt.

Sie waren desorientiert und frustriert, weil man sie wie Idioten hatte aussehen lassen.

Sie konnten Slater und Gianni im Schatten der Gasse nicht sehen.

Noch nicht.

Slater flüsterte: »Wenn du einen Mucks von dir gibst, bringe ich dich um.«

»Hast du überhaupt eine Waffe?«

Slater zog eine kompakte Beretta M9 aus einem Holster unter seinem Hemd und drückte die Mündung an Giannis Stirn.

»Du fragst dich bestimmt, warum ich sie nicht schon früher benutzt habe.«

Gianni zuckte mit den Schultern. »Ich verstehe nichts von dem, was du tust.«

»Wenn man von Anfang an eine Waffe benutzt, ist das unpersönlich. Und genau deshalb hast du die beiden Kids nicht sofort erschossen. Du wolltest, dass sie leiden, aus Gründen, die ich nie verstehen werde. Aber du kannst verstehen, warum ich dich leiden sehen will.«

Gianni sagte: »Sie werden dich früher oder später finden.«

»Wahrscheinlich.«

»Bist du ein guter Schütze?«

»Ich halte mich für einen.«

»Es sind sechs gegen einen.«

Slater lächelte und sagte: »Na, dann ist ja gut, dass ich einen Freund mitgebracht habe.«

Gianni schwieg.

Er wusste, dass Slater nicht bluffte.

Sie beobachteten, wie die sechs Männer sich auf der Straße verteilten. Drei gingen auf den gegenüberliegenden Bürgersteig, drei näherten sich Slater und Gianni. Aber sie hatten die Wurzel ihrer Probleme noch nicht eingegrenzt. Sie suchten überall gleichzeitig, hielten ihre Waffen gesenkt und waren sich bewusst, dass sie sich an einem öffentlichen Ort befanden. Es war spät – eigentlich schon früh am Morgen –, aber es strömten immer noch betrunkene Schickeriagäste aus verschiedenen Lokalen. Die sechs Männer mussten ihre Waffen versteckt halten, um keine Panik auszulösen. Im Moment war niemand zu sehen, aber das konnte sich schnell ändern.

Ein Mann entdeckte Blutflecken auf dem Bürgersteig, wo Slater die beiden Leibwächter niedergeschlagen hatte.

Zwei weitere gingen direkt in die Gassenmündung.

Slater hielt den Atem an.

Dann tauchte eine große Silhouette aus der Dunkelheit auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf.

Ein Mann, vielleicht 1,90 Meter groß, ungefähr 100 Kilogramm schwer. Größer als Slater, mit derselben stämmigen Statur. Wie ein menschgewordener Rammbock. Er tauchte aus einer Nische zwischen zwei Ladenfronten auf und trat unter einer Markise hervor.

Slater sah, wie Jason King zielstrebig auf das Trio auf der anderen Straßenseite zuging.

Kapitel 7

Sie beäugten King misstrauisch.

Schließlich war er unbewaffnet, und sie hatten ihn noch nie zuvor gesehen. Sie stuften ihn nicht sofort als Feind ein. Sie waren mehr damit beschäftigt, herauszufinden, wohin ihr Chef verschwunden war. Sie hegten noch nicht den Verdacht, dass etwas faul sein könnte.

Das hätten sie aber tun sollen.

King versetzte dem ersten Mann einen Aufwärtshaken unter das Kinn, der ihn an Ort und Stelle zusammenbrechen ließ. Während der Mann zu Boden sank, entriss King ihm die Waffe und schlug dem zweiten Mann damit ins Gesicht. Er brach ihm die Nase, den Kiefer oder die Augenhöhle. Schwer zu sagen, was genau. Dann stürmte er wie ein wütender Stier auf den dritten Mann los und rammte geradewegs gegen dessen Brust. King traf ihn mit einer gesenkten Schulter und riss den Mann von den Beinen, bevor dieser überhaupt eine Chance hatte, seine Waffe abzufeuern, geschweige denn damit zu zielen. Als der Kerl auf dem Boden aufschlug, trat King ihm auf das Handgelenk und zerschmetterte die empfindlichen Knochen. Die Waffe fiel ihm aus der Hand.

King hob alle drei Pistolen auf und verschwand wieder im Schatten.

Der schockierende Wirbelwind der Gewalt spielte sich in insgesamt vier oder fünf Sekunden ab, und ein Beobachter hätte nichts als ein blitzartiges Gemetzel gesehen, gefolgt von chaotischem Durcheinander. Die drei Männer auf Slaters Seite der Straße sahen gar nichts. Aus der Dunkelheit beobachtete King, wie sie verwirrt herumwirbelten, ihre Blicke überall und nirgends zugleich. Sie gingen nicht taktisch vor. Sie handelten nicht überlegt. Sie waren nicht beherrscht.

Sie würden leichte Beute sein.

Einer von ihnen – der Mutigste und gleichzeitig der Dümmste – löste sich von der Gruppe und sprintete über die verlassene Straße. Er erreichte seine Freunde und kauerte wie ein beschützender Wachhund neben ihren stöhnenden Körpern. Mit aufgerissenen Augen hob er seine Waffe und ließ sie in engem Bogen über die Schatten schweifen. Er deckte jede Gasse, jedes Loch in der Wand, jede Ecke ab. Aber er richtete seine Waffe nicht auf etwas Bestimmtes.

Er sah King nicht, der dort stand und auf den richtigen Moment, die erste Gelegenheit zum Zuschlagen wartete.

Er wusste nicht, was auf ihn zukam.

Der Mann war groß und bullig und hatte einen kalten Blick, aber King konnte die Angst in seinen Augen sehen. Selbst im schwachen Licht. Schließlich wurde der Typ durch die Stille nervös und warf einen Blick über seine Schulter, um nachzusehen, ob seine beiden Kumpels ihm gefolgt waren.

Sie standen immer noch auf der anderen Straßenseite und waren wie erstarrt. Unsicher, was sie tun sollten.

Unsicher, was zum Teufel mit ihnen geschah.

Der Mann drehte sich wieder zu seinen drei zusammengeschlagenen Kollegen um, und King stand direkt vor seiner Nase.

Er schnappte beinahe nach Luft vor Überraschung.

Aber King trat ihm geradewegs ins Gesicht, bevor er reagieren konnte. Der Mann sackte fast sofort zusammen, obwohl er nicht bewusstlos war. Er lag ausgestreckt auf dem schmutzigen Bürgersteig, wollte dann aber doch nicht ungeschützt liegen bleiben, rollte sich herum auf die Knie, presste die Stirn auf den Boden und hielt sich die Ohren zu.

Die klassische Schildkrötenhaltung.

Eine uralte Geste der Unterwerfung.

Die schnellste Art zu sagen: Bitte, Sir, tun Sie mir nichts mehr. Ich habe Schmerzen. Ich weiß nicht, wie schwer ich verletzt bin. Ich gebe auf.

King trat ihm erneut gegen den Kopf, diesmal hinter das Ohr, und verhalf ihm so zur Bewusstlosigkeit.

Der Mann gesellte sich in der Niederlage zu seinen drei Kumpels.

King stand vor den vier Männern und machte Bestandsaufnahme. Er war nicht verletzt. Ganz im Gegenteil. Er war so gut wie neu. Das war auch das Mindeste, angesichts dessen, was er sich täglich antat, um zu einer menschlichen Waffe zu werden.

Er sah hoch und bemerkte die letzten beiden Schlaumeier, die ihn von der anderen Straßenseite aus anstarrten.

Sie hatten Waffen in den Händen.

King nicht.

Aber er reagierte nicht.

Einer von ihnen hob mit zitternder Hand seine Pistole. »Bleib, wo du bist, du verdammter Abschaum.«

King seufzte. »Das würde ich an deiner Stelle nicht tun.«

»Auf den Boden!«

»Nein.«

»Ich warne dich nicht noch einmal.«

»Das weiß ich.«

»Dann tu, was ich sage. Das Spiel ist aus. Auf den Boden und bleib dort.«

Stille.

King rührte sich nicht von der Stelle.

Er sagte: »Was passiert jetzt?«

»Wo ist unser Boss?«

»In der Gasse hinter dir.«

»Hältst du uns für so dumm? Erwartest du, dass wir uns umdrehen?«

»Das solltest du vielleicht.«

»Und warum?«

»Weil da der Grund ist, weshalb du mich nicht noch einmal warnen wirst. Das wirst du nämlich nicht mehr können.«

Etwas in seiner Stimme verriet ihnen die Wahrheit. Nicht, dass ihnen das etwas genützt hätte. Sie schienen eins und eins zusammenzuzählen. Schließlich kamen sie zu dem Schluss, dass es einen zweiten Angreifer geben musste.

Als einer von ihnen einen Blick über die Schulter warf, war Will Slater bereits bei ihnen.

Kapitel 8

Slater ging davon aus, dass Gianni mit zwei kaputten Knien nirgendwo hingehen konnte, also nahm er die Waffe von dessen Kopf, während King die drei Männer auf der anderen Straßenseite niederschlug.

Dann rannte einer der drei Männer, die auf Slaters Seite standen, hinüber, um nach seinen Kameraden zu sehen.

Eine noble Tat, die auf einer Fehleinschätzung beruhte.

Slater sah, wie die dunkle Silhouette erneut aus den Schatten auftauchte und dem jungen Schläger mit dem Stiefel ins Gesicht trat. Der Mann sank zusammen, und King trat noch einmal zu, woraufhin sein Opfer regungslos liegen blieb.

Dann spielte sich das älteste Szenario der Welt ab.

Das mexikanische Patt.

King blieb stehen, doch seine Waffe war nicht zu sehen. Was die letzten beiden nicht wussten, war, dass King bewaffnet war. Er hatte noch ein Ass im Ärmel.

Er hatte Slater.

Es folgte eine kurze Unterhaltung, die Slater jedoch nicht mitbekam. Er sah auf Gianni hinunter und stellte fest, dass der große Schläger vor Schmerzen wieder ohnmächtig geworden war, also konzentrierte er seine ganze Aufmerksamkeit auf die zwei, die auf dem Bürgersteig standen. Sie standen mit dem Rücken zu ihm.

Er schlich sich hinter sie und hielt seine Beretta bereit.

Wenn es darauf ankam, würde er schießen. Aber er zog es vor, es nicht zu tun.

Er glaubte, die Worte »Das wirst du nicht können« über die Straße hinweg zu hören.

Er nahm das als sein Stichwort.

Er schlug dem größeren Mann mit dem Kolben der Beretta auf den Hinterkopf, woraufhin dieser auf wackligen Beinen vornüberkippte. Er war derjenige, dessen Waffe auf den Boden zeigte, aber das war von Anfang an eine taktische Entscheidung gewesen. Wenn Slater den anderen Kerl ausschaltete, während dieser mit einer geladenen Waffe auf King zielte, bestand die Gefahr, dass er aus Reflex einen Schuss abgab, wenn er ohnmächtig wurde. Slater wollte dieses Risiko nicht eingehen. Als er also die Beretta gegen den Hinterkopf des ersten Mannes hämmerte, wirbelte der zweite herum und seine Waffe schwang mit.

In dem Moment, als der Lauf ins Leere zeigte, stieß Slater ihm seinen Kopf gegen die Nase.

Beide Angreifer gingen auf die Knie, und Slater fand, dass er genug Zeit verschwendet hatte. Was normalerweise zwei Tritte gegen den Körper gewesen wären, landete jetzt als Treffer auf zwei Stirnen. Es ist keine gute Idee, vor einem erfahrenen Muay-Thai-Kämpfer auf die Knie zu gehen.

Ihre Gehirne rappelten in ihren Schädeln wie Bowlingkegel herum, und sie verloren umgehend das Bewusstsein.

Slater musterte King auf der anderen Straßenseite. »Bist du verletzt?«

»Nein. Du?«

»Kein Kratzer.«

»Wie lautet die endgültige Zahl?«

»Acht. Plus der Boss.«

»Wo ist der Boss?«

Slater deutete mit dem Daumen über seine Schulter.

»Hat er dir gesagt, was in den Kisten ist?«, fragte King. »Noch nicht. Das wird er schon noch.«

»Wir können hier nicht lange herumhängen. Hol die Schlüssel.«

»Was, wenn es etwas wirklich Übles ist? Das möchte ich jetzt wissen. Solange ich noch Gelegenheit habe, ihm den Hals umzudrehen.«

»Wie schwer hast du ihn verletzt?«

»Ich hab ihm beide Beine gebrochen.«

»Dann kann er sich ja nicht so schnell aus dem Staub machen, oder?«

»Wenn es wirklich übel ist, will ich ihn bezahlen lassen, bevor die Bullen ihn einkassieren.«

»Die Bullen werden nichts gegen ihn in der Hand haben, wenn wir den Transporter mitnehmen. Er wird also bald wieder auf freiem Fuß sein. Wir nehmen die Ware mit, werfen einen Blick hinein und kommen zurück, wenn es nötig ist. Wie klingt das?«

»Das geht.«

»Hol die Schlüssel«, wiederholte King.

Slater eilte zurück in die Gasse. Gianni war wieder wach und kauerte in einer dunklen Nische, umgeben von Müll. Im schwachen Licht sah er leichenblass aus. Slater beugte sich über ihn und sagte: »Sag mir lieber, was in den Kisten ist. Ich gebe dir fünf Sekunden.«

»Fick dich selbst.«

Slater hatte keine Zeit für Spielchen. Überall auf der Straße lagen verletzte und halb bewusstlose Gangster, und das hier war der Meatpacking District. Hier fuhren immer wieder Streifenwagen vorbei, und es würde nicht lange dauern, bis sie herausfanden, was passiert war. Dann sollten er und King nicht mehr in der Nähe sein. Und bald würden wie auf Knopfdruck noch mehr Zeugen aus den Clubs strömen. Die letzten Überlebenden, die betrunken nach Hause taumelten.

Slater verpasste Gianni ein paar Ohrfeigen und tastete dann seine Jackentaschen ab, bis er einen Schlüsselbund fand.

Er stand auf und fragte: »Du wolltest die beiden Kids umbringen, oder?«

Gianni antwortete nicht.

Slater sagte: »Ich sollte dich sofort umbringen.«

Gianni sagte nichts.

Slater erwiderte: »Ich will ehrlich sein – ich bin nicht in der Stimmung zu töten. Du bist dümmer, als dir guttäte. Ich werde dich in ein paar Monaten aufspüren. So lange solltest du brauchen, um dich zu erholen. Wenn du dann noch im gleichen Geschäft bist, bist du tot. Haben wir uns verstanden?«

Gianni starrte diesen fremden Mann an, der ihm alles genommen hatte.

Slater dachte: Die Whelans werden dich wahrscheinlich sowieso umbringen, weil du diesen Auftrag vermasselt hast.

Das beruhigte ihn ein wenig.

Er verließ den erbärmlichen Schläger.

King und er stiegen in den Kastenwagen und Slater startete den Motor. Sie fuhren los und rollten die leere Straße hinunter. Wie erwartet kamen sie nach hundert Metern an ein paar Bars vorbei, die ihre Hauptbeleuchtung eingeschaltet hatten. Zivilisten schlenderten in die kalte Nacht hinaus, frustriert, die Wärme und die Getränke hinter sich zu lassen. Bald würden sie den Schock ihres Lebens erfahren. Sie würden acht Gangster in unterschiedlichen Zuständen vorfinden. Einige bei Bewusstsein, andere nicht. Sie würden Blut und gebrochene Knochen finden.

Sie konnten entweder fliehen oder die Polizei rufen. Slater war beides recht.

King auch.

Gianni und seine Truppe steckten in großen Schwierigkeiten, egal wie man es drehte und wendete. Sie würden entweder verhaftet oder von ihren eigenen Arbeitgebern verteufelt werden, wenn sie ungeschoren davonkämen. Keine der beiden Optionen schien attraktiv.

Aber was weiß ich schon?, dachte Slater. Ich bin kein Gangster.

Er bog an der nächsten T-Kreuzung ab, und der Kastenwagen verschwand.

Kapitel 9

Die Morgendämmerung brach über New York City herein, und im sanften Schein des dunkelblauen Lichts trugen vier große italienische Männer mit aufgedunsenen Gesichtern, zugequollenen Augen, violetten Nasen und Kiefern einen noch größeren Italiener in die Lobby eines beeindruckenden Wohnhauses in der Upper East Side.

Der Nachtportier schaute weg. Er wusste, wer diese Männer waren und mit wem sie in Verbindung standen. Man hatte ihn dafür bezahlt, den Mund zu halten, egal was ihm unter die Augen kam.

Und er würde ganz bestimmt Wort halten, sonst würde er für seine Mühen auf dem Grund des Hudson enden.

Die vier großen Schläger zerrten Gianni in den Aufzug und drückten den Knopf für die neunte Etage. Um halb sechs Uhr morgens war niemand zu sehen. Die Angestellten hatten noch ein paar Stunden Schlaf vor sich. Aber die Nachtschwärmer waren unterwegs, und der Mann, den sie besuchen wollten, war schon wach.

Die Whelans waren schließlich Profis.

Gianni stöhnte und protestierte, während er seine Augen in schwindelerregendem Tempo öffnete und schloss.

»Krankenhaus«, nuschelte er. »Bringt mich in ein verdammtes Krankenhaus.«

Sie gaben ihm noch eine Schmerztablette, um ihn zum Schweigen zu bringen. Sie hatten ihm genug Oxycodon verabreicht, um ein Pferd zu betäuben, aber Gianni war ein zäher Kerl, und sie hatten noch nie einen direkten Befehl von ihm missachtet. Außerdem hatten sie selbst Schmerzen, sodass sie insgesamt nicht gerade die nervenstärkste Gruppe von Kleinkriminellen waren. Sie waren nicht gerade begeistert davon, ihren Boss unter Drogen zu setzen und ihn zu dem Mann zu bringen, der ihn höchstwahrscheinlich dafür bestrafen würde, dass er den Auftrag vermasselt hatte.

Der Befehl war die Befehlskette hinuntergekommen und bei ihnen gelandet, direkt nachdem sie den Whelans mitgeteilt hatten, dass sie das Paket verloren hatten.

Trotz des Oxycodons, das durch seinen Körper zirkulierte, wurde Gianni klar, was los war, als der Aufzug den neunten Stock erreichte.

Er erkannte die Wände.

Er begann, sich zu winden.

Dann stöhnte er, weil der Versuch, sich zu wehren, die Schmerzen in seinen gebrochenen Beinen verschlimmert hatte. Sie mussten unerträglich sein. Alle vier Gangster zuckten zusammen, aber einer von ihnen presste eine Hand auf Giannis Mund, damit er die anderen Bewohner nicht weckte.

Die Whelans lebten komfortabel inmitten der Zivilisation, denn was nützte ihnen all das Geld, wenn sie dadurch zu sozialen Außenseitern wurden?

Sie trugen Gianni zu einer unscheinbaren schwarzen Holztür und klopften leise.

Ein paar Sekunden später öffnete sich die Tür.

Tommy Whelan stand dort in seinem typischen Wollanzug.

Er war wütend.

»Rein mit ihm«, sagte er.

Gianni sah in diesem Moment wie eine Wohltat für müde Augen aus. Er wurde blass und begann zu zappeln, aber als die vier Schläger ihn über die Schwelle trugen, wurde er ganz still. Wahrscheinlich wurde ihm klar, dass es sinnlos war, sich zu wehren, sobald er drinnen war. Das war jetzt vergeblich. Er war in Tommy Whelans Höhle. Zugegeben, als sie sich umsahen, fand keiner der Schläger, dass die Wohnung in der Upper East Side mit dem prächtigen Penthouse mithalten konnte, in dem die Whelans früher gewohnt hatten. Aber nach einem Zwischenfall mit genau dem Mann, der sie heute Nacht überfallen hatte, hatten sie beschlossen, es wäre diskreter, sich über das Viertel zu verteilen, anstatt alle auf einem Haufen zu hocken.

Deswegen auch die Verschlechterung.

Die vier Schläger warfen Gianni auf ein teures Ledersofa und standen stramm, als Tommy Whelan ihnen folgte. Die Zimmerdecke erstreckte sich hoch über ihren Köpfen. Es hallte im Raum. Sie konnten hören, wie Whelans Schuhsohlen über den Marmorboden scharrten. Alles war weiß. Die Sonne ging gerade über dem Horizont auf, als sie dort standen, und sie blinzelten in das grelle Licht.

Tommy Whelan sagte: »Geht auf den Balkon und schließt die Tür hinter euch. Ich muss mich unter vier Augen mit eurem Boss unterhalten.«

Sie gingen sofort. Sie protestierten nicht. Sie warfen ihrem Arbeitgeber nicht einmal einen zweiten Blick zu.

Selbstschutz war wichtiger als Loyalität. Egal, was Gianni für sie getan hatte.

In diesem Spiel gab es keine Gnade.

Stille senkte sich über den Raum, und Whelan glaubte, Gianni schluchzen zu hören. Wer auch immer sie angegriffen hatte, musste ihnen übel mitgespielt haben. Gianni war nicht der Typ, der sich über irgendetwas beschwerte.

Nicht einmal über zwei zertrümmerte Knie.

Der alte Gianni hätte es geschluckt und sich nichts anmerken lassen, egal wie sehr es ihn getroffen hätte, egal wie wahrscheinlich es war, dass es ihn umbringen würde.

Jetzt war er demoralisiert.

Und Whelan begann, sich unwohl zu fühlen. Denn er hatte vor etwa einem Jahr dasselbe Gefühl gehabt. Diese totale, vollständige Niederlage, die ein anderer Mann ihm beigebracht hatte. Es gab Gerüchte, dass es ein einzelner Mann gewesen sei.

Das weckte ein unheimliches Déjà-vu in seiner Brust.

Gianni bekämpfte den Schmerz. Mit zusammengebissenen Zähnen murmelte er: »Der Mann sagte, er heiße Will Slater. Er sagte, es gäbe eine Vorgeschichte mit deiner Familie.«

Whelan reagierte nicht.

Innerlich schrie er.

Whelan sagte: »Bist du sicher?«

»Absolut.«

»Beschreib ihn.«

»Ein großer Schwarzer. Na ja, nicht sehr groß. Kleiner als ich. Vielleicht 1,80 Meter. Aber gebaut wie ein Profi-Sprinter. Und ich ... Ich konnte ihn nicht anrühren. Er ist einfach durch mich hindurchgelaufen. Das hat noch nie jemand bei mir getan.«

Bei mir auch nicht, dachte Whelan.

Er erinnerte sich an seine eigene Begegnung mit Slater – den Vorfall, der sechs Mitglieder seiner Familie mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht und den Aufstieg seiner Familie an die Spitze der Unterwelt vereitelt hatte.

Er vermisste das Penthouse ...

Whelan senkte den Kopf, denn er wusste jetzt, was er zu tun hatte.

Mit Blick auf Giannis erbärmliche Gestalt, die auf dem Sofa lag, sagte er: »Du weißt, was passieren muss, oder?«

»Was?«, fragte Gianni. »Du willst, dass ich ihn für dich aufspüre?«

Whelan brachte ein bitteres Lachen zustande. »Was willst du mit zwei kaputten Beinen machen? Du wirst monatelang im Rollstuhl sitzen.«

»Ich heile schnell. Versprochen.«

»Und was machst du in der Zwischenzeit?«

»Wie bitte?«

»Ich kenne dich, Gianni. Wir haben schon lange ein wachsames Auge auf dich. Glaubst du, wir hatten vor diesem Job noch nichts von dir gehört? Dein Ruf eilt dir voraus. Du wurdest wegen deiner Effizienz und deiner Fähigkeit, den Job ohne Fehler zu erledigen, angeheuert.«

»Es tut mir leid.«

»Aber weißt du, was ich noch über dich weiß? Du redest.«

»Ich werde nichts sagen.«

»Doch, das wirst du. Du wirst zu deinen Freunden in der ganzen Stadt rennen – zu all den kleinen Fischen – und ihnen erzählen, dass der Typ, der die Whelans fertiggemacht hat, auch dich fertiggemacht hat. Gerüchte werden sich wie ein Virus verbreiten. Bald wird jeder wissen, was mit uns passiert ist. Dieses Risiko für unseren Ruf können wir uns nicht leisten.«

Auf der Couch erstarrte Gianni. Aber er konnte nichts tun. Er war unbewaffnet, sein Gesicht war wie ein Kürbis angeschwollen, und er konnte sich nicht aufrichten, selbst wenn sein Leben davon abhing.

Whelan zog eine Glock 23 mit einem SilencerCo Osprey 40-Schalldämpfer aus seinem Hosenbund. Er hielt sie in seiner Handfläche. Er sagte: »Ich schätze, es spielt keine Rolle mehr, was ich dir sage, oder?«

»Komm schon, Tommy ...«

Whelan beugte sich vor. »Man hat uns mehrere Millionen gezahlt, damit diese Kisten pünktlich in das Stadthaus geliefert werden. Ich werde dir nicht sagen, wer den Auftrag gegeben hat. Du würdest es mir nicht glauben. Aber es war lebenswichtig, dass sie ihr Ziel erreichen. Jetzt ist meine gesamte Organisation in Gefahr, und auch mein Ruf steht auf dem Spiel.«

»Tommy, bitte ...«

Whelan schoss ihm in die Stirn.

Die Glock hustete in der Wohnung und war immer noch relativ laut, aber die Nachbarn würden denken, er schaue einen Film in aufdringlicher Lautstärke. Außerdem waren die Wohnungen teuer, daher waren die Wände dick und schalldämmend.

Whelan warf einen Blick auf den Balkon.

Die vier ramponierten Schläger beobachteten ihn mit ernsten Mienen.

Das würde sich bald ändern.

Bald würden sie in Panik geraten, ihnen würde das Herz in die Hose rutschen und das Blut in ihren Adern gefrieren.

Tommy Whelan ging auf den Balkon zu.

Wenn er Giannis Männer am Leben ließe, würden sie dieselben Gerüchte verbreiten.

Als er die Glastür öffnete und jedem von ihnen einmal ins Gesicht schoss, nahm er sich vor, den Rest von Giannis Bande später am Tag durch seine Männer von der Straße räumen zu lassen.

Kapitel 10

Slater hielt den Kastenwagen neben einer elektronischen Sicherheitsschleuse vor einem riesigen Metalltor an.

Er streckte die Hand nach unten und zog eine Schlüsselkarte über den Scanner. Ein schriller Piepton ertönte, und das Tor rumpelte nach oben.

Slater fuhr in eine Tiefgarage. Neben ihm murmelte King: »Home, sweet home.«

»Wir können ihn nicht lange hierlassen«, sagte Slater.

»Wir bringen die Kisten nach oben, wenn es sein muss. Dann fackle ich den Transporter ab.«

»Ich kann das machen, wenn du willst.«

»Du hast sie gestern den ganzen Tag verfolgt. Ich habe lange geschlafen. Ich bin ausgeruhter.«

Slater zuckte mit den Schultern. »Na schön. Ich bin wirklich total fertig.«

»Das sind wir beide.«

»Wann hast du das letzte Mal jemandem eins übergezogen?«

King seufzte. »Nicht seit ... Du weißt schon.«

Das war die einzige Möglichkeit, es zu beschreiben.

Ihre jüngste Vergangenheit war unglaublich. Slater erinnerte sich an den Wahnsinn in Neuseeland, an den Vorfall, der sie nach langer Trennung wieder zusammengeführt hatte. Davor hatten sie eine lange und ebenso turbulente Geschichte hinter sich. Sie waren Waffenbrüder, vereint in ihrer gemeinsamen Vorliebe für Chaos, beide aus dem gleichen Holz geschnitzt. Gemeinsam hatten sie zur Gründung der Black Force beigetragen, einer geheimen Abteilung der US-Regierung, die Einzelkämpfer mit übermenschlichen Reflexen ausbildete und formte. Es war in ihrer DNS, und sie hatten den größten Teil ihres Lebens und ihrer persönlichen Annehmlichkeiten für ihr Land geopfert. Nun gab es die Abteilung nicht mehr, die ihre Identität geprägt hatte, und nach einer Zeit des einvernehmlichen Exils waren sie wieder zusammen.

Sie hatten versucht, sich voneinander fernzuhalten, aber ein normales Leben passte nicht zu ihnen.

Ihre Gedanken kamen nicht zur Ruhe.

Ihre Moral geriet nie ins Wanken.

Sie konnten nicht tatenlos zusehen, wie ihre Talente verschwendet wurden, während die Welt um sie herum aus den Fugen geriet.

Also waren sie hier – arbeitslose, selbsternannte Rächer, aus dem System verstoßen, das sie aufgebaut hatte, beide mit mehr Geld, als sie ausgeben konnten.

Deshalb auch das Gebäude, unter das sie den Transporter gefahren hatten.

Sie hatten sich vor zwei Monaten zusammengetan und waren seitdem ununterbrochen beschäftigt. Nachdem sie herausgefunden hatten, dass sie von der US-Regierung nicht mehr gesucht wurden, konnten sie in das Land zurückkehren, das sie geprägt hatte. Slater war nach einem Umweg über die Bankkonten einer Triade aus Macau vierhundert Millionen Dollar schwer, sodass es ihm keine große Mühe bereitet hatte, zwei Penthouse-Suiten in einem der luxuriösesten Wohnhäuser New Yorks in der Upper East Side zu ergattern. Die Luxusappartments hatten jeweils fünfzehn Millionen Dollar gekostet und lagen nebeneinander in der obersten Etage mit weitem Blick auf den Central Park und genügend Annehmlichkeiten, um ihnen beiden für den Rest ihres Lebens einen obszönen Komfort zu bieten.

Aber um Komfort war es ihnen nie gegangen.

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, um sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen, hatten sie beschlossen, es sei an der Zeit, wieder aktiv zu werden und ihre Fähigkeiten einzusetzen.

Sie hatten ihre Fühler ausgestreckt und waren Hinweisen nachgegangen, was schließlich in dem Angriff auf Gianni und seine Männer gegipfelt hatte.

Jetzt parkte Slater in einer dunklen Ecke der Garage. Der Platz war ruhig, verlassen und leer. Es war niemand zu sehen. Er entdeckte die wenigen, immer gleichen Luxus-Supersportwagen, die über die Garage verteilt standen – Ferraris und Lamborghinis und ein oder zwei McLarens. Aber sie wurden nicht benutzt. Einige der Schlitten standen seit Monaten ungenutzt herum, gekauft von Bewohnern, die keine Ahnung hatten, wie sie ihr Geld ausgeben sollten. Sie hatten Chauffeure, die sie abholten, und fuhren ihre Fahrzeuge selten selbst. Dieser Teil des Gebäudes war für die Bewohner der fünf obersten Etagen reserviert, wo die Wohnungen nicht unter achtstelligen Summen kosteten.

So hatten sie Privatsphäre und Anonymität.

Das war genau das Richtige für King und Slater.

Sie stiegen aus dem Transporter und Slater ging nach hinten. Er hob die Verriegelungen aus ihren Halterungen und schwang die Türen nach außen auf. Dann machten er und King sich daran, die Kisten eine nach der anderen aus dem Laderaum zu ziehen. Sie ließen sie auf den Betonboden hinunter, wobei sie alle Kraft aufbieten mussten. Jede Kiste musste über 400 Pfund wiegen. Jeder für sich konnte dieses Gewicht stemmen, aber es war ein Unterschied, ob man eine Hantel mit perfekter Technik hob oder einen Gegenstand von der Größe eines Kühlschranks aus einem engen Raum hievte.

Nachdem die vier Kisten aus dem Lkw geräumt waren, schlug Slater die Türen zu.

Sie standen mit den Händen in die Hüften gestemmt da, schnappten keuchend nach Luft und starrten auf die Ladung.

King musterte die Schlüssellöcher an jeder Kiste und sagte: »Wie sollen wir das machen? Die sehen aus, als wären sie unzerstörbar.«

Slater sagte: »Sie kamen vom Fluss. Ich habe gesehen, wie Giannis Männer sie abgeholt haben. Es gab keine weitere Übergabe. Ich habe genau beobachtet, wie das abgelaufen ist. Sie hatten nicht einmal Kontakt zu den Tauchern, die die Kisten gebracht haben. Die Schlüssel sind also hier. Sie sollten direkt an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Es gab keinen Grund, die Schlüssel zu verstecken.«

King bückte sich und fuhr mit seiner schwieligen Handfläche an der Seite der nächstgelegenen Kiste entlang. Es knackte laut, als er ein loses Stück verstärktes Plastik fand und es von der Verkleidung riss. Es kam eine kleine Vertiefung zum Vorschein, die in die Seite der Kiste geschnitzt war. Darin lag ein kleiner silberner Schlüssel.

»Na, was sagt man dazu?«, feixte er.

Er nahm ihn heraus und schloss die Kiste auf. Slater trat vor und hob den Deckel. Sie schauten hinein.

»Oh«, sagte King.

»Wo zum Teufel sollten die hin?«, überlegte Slater.

Es entstand eine unbehagliche Stille.

Kapitel 11

Waffen.

Viele Waffen.

Beachtliche Feuerkraft.

Genug, um einen Bürgerkrieg in den Straßen von New York City zu beginnen.

Obenauf lagen brandneue Heckler & Koch-HK417-Gewehre. Es handelte sich um Varianten des Basismodells mit 20-Zoll-Läufen, Zielfernrohren und abnehmbaren Zweibeinen. In den Händen eines ausgebildeten Schützen, der etwas Bestimmtes vorhatte, würde eines dieser Gewehre unvorstellbare Zerstörung anrichten. Dann gab es noch Dutzende Ersatzmagazine, die ordentlich in die Aussparungen einer Schaumstoffschicht gesteckt waren. Alle mit .308-Winchester-Patronen.

Slater hob die Sturmgewehre heraus und fand darunter Dutzende Claymore-Minen, die ebenfalls sorgfältig in Schaumstoff eingebettet waren. Es handelte sich um die Miniaturvariante, die für den Einsatz bei den US-Spezialeinheiten entwickelt worden war – MM-1-Minimores. Slater war mit ihnen bestens vertraut, ebenso wie King. Sie hatten viele davon in der Vergangenheit bei Black-Force-Einsätzen mitgenommen. Die Minen wogen nicht viel, waren leicht zu transportieren und für den Feind schwer zu entdecken, aber dennoch fast genauso wirkungsvoll wie die größeren M18 A1-Claymore-Minen.

Mit ihnen konnte man überall in New York eine uneinnehmbare Festung errichten. Slater war klar, dass es sich um eine Verteidigungsoperation handelte.

Jemand rechnete mit einer Belagerung. Wenn sie nur wüssten, wer ...

»Ist das alles?«, fragte King. »Ich hatte etwas ... mehr erwartet.«

Slater antwortete: »Da ist noch eine Lage.«

Er holte die MM-1-Minimores heraus.

Und natürlich waren es nicht nur Waffen und Minen. Die wertvollste Fracht war immer unscheinbar.

Am Boden der Kiste lagen schlichte schwarze Kästchen, deren Äußeres keinerlei Merkmale aufwiesen. Es waren neun Stück, die in einem Drei-mal-drei-Raster angeordnet waren, und Slater verglich sie aufgrund seiner begrenzten Computerkenntnisse mit CPUs. Er schätzte, dass diese Kästchen genug Rechenleistung hatten, um etwas unglaublich Unheilvolles zu tun.

Und das Mysteriöse, das sie umgab, machte die Sache noch viel schlimmer.

King sagte: »Du bist der Computerfachmann. Was haben wir hier?«

»Ich fürchte, das übersteigt meine Kompetenzen.«

»Was sollen wir damit machen?«

»Wäre toll, wenn wir noch unsere Kontakte zur Regierung hätten, oder?«

»Das ist nicht mehr unsere Welt.«

»Nein«, sagte Slater gedankenverloren. »Das ist es nicht mehr.«

King warf ihm einen Blick zu. »Du klingst nicht begeistert. Möchtest du, dass es so wäre?«

»Ich weiß nicht, was ich will. Hast du dich jemals wie ein Hochstapler gefühlt, der dieses Leben führt?«

»Das ist unser erster unabhängiger Auftrag. Wir fangen gerade erst an. Es wird immer Anfangsschwierigkeiten geben.«

»Gefällt dir, wo wir leben? Was wir tun?«

»Was gibt es daran nicht zu mögen?«

»Hast du dich jemals innerlich leer gefühlt? Als würde etwas fehlen?«