Weddingplanerin mit Herz - Michaela Hanauer - E-Book

Weddingplanerin mit Herz E-Book

Michaela Hanauer

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Beschreibung

Eine Traumhochzeit am Strand - genau das stellt sich Julias Schwester für ihre Hochzeit vor. Doch zum Vorbereiten hat sie keine Zeit. Eine Weddingplanerin muss her! Und ehe sich Julia versieht, ist auch sie mittendrin im Hochzeitsfieber und hat einen Job in einer Weddingplaner-Agentur - Trauungen in der Luft, im Zoo oder auf Schlössern stehen von nun an auf der Tagesordnung, die Wünsche ihrer Kunden kennen keine Grenzen. Trotz des ganzen Liebestrubels verliert Julia ihre eigenen Gefühle nicht aus dem Blick, denn der Hochzeitsfotograf Noah zieht sie magisch an ...

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Buchinfo:

Eine traumhafte Feier am Strand – genau so stellt sich Julias Schwester Meli ihre Hochzeit vor. Bloß zum Vorbereiten hat sie keine Zeit. Also muss eine Weddingplanerin her! Und auch Julia wird kräftig mit eingespannt. Die ist ein echtes Naturtalent und ehe Julia sich versieht, wird sie von der Wedding-Agentur engagiert. Trauungen im Zoo, in der Luft oder auf Schlössern stehen von nun an auf der Tagesordnung, die Wünsche ihrer Kunden kennen keine Grenzen. Ob trotz des ganzen Liebestrubels noch Zeit für Julias eigene Gefühle bleibt?

Autorenvita:

© Thienemann Verlag GmbH

Michaela Hanauer, 1969 geboren, konnte schon als Kind von Büchern nicht genug kriegen. Ursprünglich studierte sie Jura, tauschte dann aber sehr schnell die Gesetzestexte gegen Kinder- und Jugendliteratur und arbeitete in einem Verlag.

Heute lebt sie als freie Autorin in München, wenn sie nicht gerade auf ausgiebigen Wanderungen die grüne Insel Irland erkundet.

Ich stehe vor einer großen Milchglastür, neben mir meine Schwester Melina. Wir begutachten minutenlang in stummer Übereinkunft das Messingschild an der Hauswand neben uns:

Bonjour – Die Eventagentur für Ihren schönsten Tag

»Ganz schön geschniegelt. Ist das normal für eine Weddingplanerin?«

Unwillkürlich flüstere ich.

»Woher soll ich das wissen?«, wispert Meli zurück. »Ich heirate schließlich zum ersten Mal.«

Was soll ich da sagen? Ich heirate gar nicht, bin nicht mal anständig verliebt und nur hier, weil unsere Mutter und mein liebes Schwesterchen höchst unterschiedliche Vorstellungen von Melis Traumhochzeit haben.

»Wo steckt eigentlich dein – ähm – Joachim?«

Ich wollte »dein Verlobter« sagen, aber das klingt merkwürdig fremd. Meine Schwester hat einen Verlobten? Haben wir nicht bis vorgestern legendäre Gesangsauftritte mit unseren Haarbürsten im Badezimmer gegeben? Klaut sie mir nicht immer noch die Spargelspitzen vom Teller, wenn sie zum Essen zu Besuch ist? Heiraten ist was für ältere, abgeklärte Leute.

Nicht für so alberne Hühner wie meine Schwester! Bis vor Kurzem hatte sie jede Menge Verehrer und jetzt will sie sich auf einen festlegen? Noch dazu auf einen, der »Joachim« heißt. Niemand sagt »Jo« oder »Joe« zu ihm, wahrscheinlich, weil sein voller Name am besten passt – lang(weilig) und ein bisschen förmlich.

Ich habe nicht direkt was gegen den Herrn Flugkapitän, aber neben meiner Schwester wirkt er ziemlich blass und fad. Trotzdem sollte er hier sein, es geht immerhin um seine Hochzeit. Meli lacht, und das hört sich tierisch glücklich an. Mir dämmert langsam, dass sie es ernst meint. Das ist kein Aprilscherz mitten im Winter. Meine große Schwester will heiraten!

»Joachim ist für die Maschine nach Miami gebucht und kommt erst in zwei Tagen zurück, doch ich will nicht bis zur nächsten Lücke in unseren Dienstplänen warten.«

Beherzt drückt sie auf den Klingelknopf und wie von Zauberhand schwebt das Glas zur Seite und wir betreten einen lindgrünen Flauschteppich. Nach zwei zaghaften Schritten kommt uns eine Frau entgegen. Nein, ich würde eher sagen – eine echte Dame! Das meine ich gar nicht abwertend oder ironisch, sondern es beschreibt sie am besten. Nicht mehr ganz jung, pflaumenfarbener Hosenanzug, selbst auf hohen Hacken elegant unterwegs, eine leicht kantige Brille mit schwarzem Kunststoffgestell auf der Nase und die braunen Haare zu einem lockeren Dutt zusammengesteckt. Sie begrüßt uns mit einem freundlichen, selbstbewussten Lächeln. »Bonjour, guten Tag, mein Name ist Sandrine, was kann isch für Sie tun?«

Französischer Akzent – nur ganz leicht – aber genug, um ihr extrem schickes, geschmackvolles Auftreten zu unterstreichen. Ob ich mir von so jemandem die Hochzeit planen lassen würde? Unsere Mutter fände Sandrine sicher spitze und genau deshalb habe ich so meine Zweifel. Organisieren kann sie bestimmt perfekt, aber mir wäre sie zu klassisch, es fehlt der Pep, die ausgefallene Komponente. Während ich darüber grüble, tritt eine zweite Gestalt auf den Flur.

»Oh, hallo, wen haben wir denn da? Wer von euch beiden Hübschen ist die Braut?«

Würde man sich das Gegenteil von Sandrine ausmalen, käme genau dieser junge Typ dabei heraus. Karierte Hose, orangefarbenes T-Shirt mit Weste darüber, die kinnlangen Haare zu einem Pferdeschwanz im Nacken zusammengebunden, durchtrainiert, gut gebräunt und ein Sonnenscheinlachen über dem ganzen Gesicht. Er streckt uns die Hand entgegen.

»Ich bin Endres, Madame Sandrines rechte – hihi und manchmal auch linke Hand!«

Ich sehe meine Schwester dasselbe denken wie ich: gewagte Kombi, aber es könnte passen!

In einem Raum, der aussieht wie eine Wellnessoase – gemütliche Sessel, indirektes Licht, ein paar witzige Retro-Farbkringel an den Wänden – werden wir mit zwei Latte macchiato und Grissini versorgt.

»Können Sie auch eine Hochzeit Ende Juli auf den Bahamas organisieren?«, platzt meine Schwester heraus.

Das genau war der Knackpunkt, an dem unsere Eltern aus der ersten Reihe der freudestrahlenden Honigkuchenpferde zurückgetreten sind. Circa elf Stunden Flugzeit sind für eine Stewardess normaler Arbeitsalltag, in meinen Augen sind es Strandferien mit Bonus-Hochzeit. Für den Rest unserer Familie eine Tortur über den halben Erdball.

Madame Sandrine nickt. »Selbstverständlisch, sehr gerne. Das ist lediglich eine Frage Ihres Budgets.«

»Wie viel kosten Sie denn?«, frage ich.

»Unser Honorar macht nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Gesamtkosten aus, aber die sind bei einer Auslandshochzeit per se höher als bei einer Feier vor Ort. Isch rate allen Paaren, als Erstes den finanziellen Rahmen abzustecken.«

Klingt klug und vernünftig – und ist überhaupt nicht das, was meine Schwester hören will! Sie will im blauen Himmel schwelgen und über wogende Wellen nachdenken. Das bemerkt auch Endres und schaltet sich in das Gespräch ein.

»Mensch, Mädels, eine Hochzeit am Strand! Das wird ein Traum! Alles in luftigem Weiß und Türkis, mit ein paar Sonnenakzenten! Cocktails serviert in Kokosnüssen, leichte Fischgerichte vom Lavasteingrill …«

»Au ja, und Orchideen und Muscheln und Palmenblätter …« Meine Schwester ist sofort Feuer und Flamme.

Madame Sandrine lächelt milde, als ob sie es gewohnt wäre, dass Endres’ Visionen mehr Begeisterungsstürme erzielen als ihre Eckdaten. Sie wendet sich an mich. »Wie viele Gäste sollen eingeladen werden?«

Ich zucke mit den Schultern. Hält sie mich etwa für den künftigen Ehemann, der für die Sachfragen zuständig ist?

»Fünfzig, hundert? Ich habe keine Ahnung. Das ist die Hochzeit meiner Schwester, nicht meine!«

Ihr Lächeln verliert Madame trotzdem nicht, sondern zieht sich ihren Laptop heran. Mit flinken Fingern hüpft sie über die Tasten.

»Auf den Bahamas brauchen wir eine Heiratslizenz – nun ja, die Kosten halten sisch in Grenzen, nur 120 Dollar. Gut, gut, Geburtsurkunde, Meldeunterlagen, Reisepass, Einreisedokumente – alles kein größeres Problem. Die Eheschließung kann nachträglisch in Deutschland anerkannt werden, es wird allerdings circa drei Monate dauern, bis die Apostille – die Heiratsurkunde – hier sein wird …«

»Hm«, mache ich nur, weil ich mir das unmöglich alles merken kann. Zum Glück schreibt Madame alles fein säuberlich auf und setzt gleichzeitig ihr Infogeratter fort. »Wir haben Kontakt zu einer Agentur vor Ort, die uns das heraussuchen kann. Als Hotel wählen wir am besten ein kleineres Haus, das wir dann exklusiv für uns haben. Mit eigenem, abgegrenzten Strand, sonst müssen wir uns mit Gaffern herumplagen.«

Jetzt wird meine Schwester hellhörig und taucht wieder aus den Tüllstoffen und Satinschleifen auf, die Endres ihr zeigt. »Joachim und ich sind nicht berühmt oder so was. Warum sollte jemand unsere Hochzeit begaffen wollen?«

»Weil Sie eine willkommene Abwechslung für gelangweilte sonnenverbrannte Touristen sein werden, die Sie von einem öffentlichen Strand nischt völlig fernhalten können«, erklärt Madame Sandrine. »Auf Fotos sieht eine Strandhochzeit immer wunderschön und romantisch aus. Die kleinen Stolperfallen und Zaungäste sieht man darauf nischt.«

»Noch mehr Stolperfallen?« Meli ist entsetzt.

»Nun ja, ein langes Kleid, Sandstrand und Meerwasser – das bleibt nischt lange blütenweiß und die Frisur sollte windfest sein …«

»Sandrine«, tadelt Endres, »hören Sie auf, den Mädchen Angst einzujagen! Durch gute Planung und ein paar Tricks löst sich das alles in Nichts auf!«

»Natürlisch, dafür sind wir da! Aber es ist meine Aufgabe, die Braut vor allem zu bewahren, was sie später unglücklich machen würde.«

… und Endres’ Job ist es, der Braut alles zu präsentieren, was sie später glücklich machen wird, füge ich in Gedanken hinzu. Ich bin ziemlich fasziniert von beidem. Ehrlich, auch von Madame und ihren Bedenken. Die ist ein Profi durch und durch! Auf Knopfdruck alle Eventualitäten auf dem Schirm zu haben und umschiffen zu können – das hat was. Die richtigen Fragen zu stellen, gerade die, an die eine gefühlsduselige Braut wie meine Schwester im Leben nicht von sich aus denken würde: reife Leistung!

Meli sieht dagegen eher aus wie ein eingeschüchtertes Häschen.

»Und ich dachte, das wäre alles ganz easy …«

»Das wird es auch«, verspricht Endres. »Wir machen das schon!«

»Erzählen Sie ein bisschen von sisch, was Sie sisch wünschen, was für eine Typ Sie und Ihr Mann sind.«

»Ich weiß nicht, wo soll ich da anfangen? Wie beschreibt man sich selbst am besten?« Meli kaut unsicher auf ihrer Unterlippe.

»Wie wäre es mit dem Heiratsantrag?«, schlägt Endres vor. »Natürlich nur, wenn er kein Geheimnis ist, aber der Antrag verrät uns unheimlich viel über ein Paar und außerdem höre ich sie so gerne!«

Meine Schwester strahlt über das ganze Gesicht, denn sie erzählt mindestens ebenso gerne davon. »Genaugenommen waren es gleich drei Anträge. Ich habe es meinem Joachim nicht leicht gemacht. Ohne es zu wissen, habe ich zwei seiner Anläufe ruiniert.«

Das stimmt. Der erste Antrag war kurz vor Weihnachten geplant. Joachim hatte sich für den 6. Dezember ein Nikolauskostüm ausgeliehen. In voller Gewandung wollte er an die Wohnungstür pochen, aus seinem goldenen Buch vorlesen, wie toll und großartig meine Schwester ist, um ihr dann aus dem Geschenksack einen Schokonikolaus herauszufischen, der einen Ring am Gürtel trug …

»Ach nein, wie schööön«, juchzt Endres immerzu in die Erzählung meiner Schwester hinein.

Mir wird ebenfalls wieder ganz rosarot ums Herz, obwohl ich die Story schon kenne, leider weiß ich auch, wie’s weiterging.

Meli hat an diesem Tag spontan beschlossen, aus der kleinen Nikolausfeier zu zweit eine größere Adventseinladung für Freunde zu zaubern und Joachim damit zu überraschen. Als er nun in seiner Montur anklopfte, öffnete ihm statt Meli die schon leicht beschwipste Gabi. Sie kicherte sich halb tot über das scheinbar wiederbelebte Ritual aus Kindertagen und schleppte den völlig verdatterten Joachim ins Wohnzimmer zu den anderen Gästen. Unter großem Gejohle wollten alle ihre Sünden des vergangenen Jahres hören. Joachim hatte zu Recht keine Lust, sich bei seinem Antrag von der versammelten Mannschaft angaffen zu lassen. Er kramte fieberhaft in seinem Gedächtnis, bis ihm genug harmlose Kleinigkeiten einfielen, die er seinen Freunden als strenger Nikolaus vorwerfen konnte.

»Dieser Gabi hätte ich an seiner Stelle zu kontrollierterem Glühweingenuss geraten!«, ruft Endres dazwischen. »Und wie ging es weiter?« Endres reibt sich vor Vergnügen die Hände. Er scheint Weddingplaner mit Leib und Seele zu sein. Madame lächelt zwar auch, macht sich aber nebenbei sehr geschäftig Notizen.

»Beim nächsten Versuch wollte Joachim auf Nummer sicher gehen«, erklärt meine Schwester. »Er wählte meinen Geburtstag Mitte Januar.« Diesmal erzählte er ihr vorher, dass er sie an dem Tag zum Essen einladen wollte. Damit es nicht wieder schieflief, hatte er vor, auf die klassische Methode zurückzugreifen: ein perfektes Dinner im Gourmetrestaurant »Über den Wolken« mit Kaviar, Schampus und dem vollen Luxusprogramm. Während sie den Blick über die Stadt bei Nacht schweifen ließen, wollte er ihre Hand nehmen und ihr sagen, dass er ihr nicht nur heute, sondern für den Rest ihres gemeinsamen Lebens die Welt zu Füßen legen wolle …

Schmacht, seufz!

»Wie konnte das nicht klappen?«, fragt Endres interessiert.

Schuldbewusst senkt Meli die Lider. »Ich hab’s verbockt!«

Eine Woche vor meiner Schwester hat ihre Freundin Natalie Geburtstag und deren Freund Thomas kam auf den gleichen genialen Einfall, dieses Datum für seinen Kniefall zu nutzen.

»Verstehe«, sagt Endres, »Joachim wollte nicht die Idee eines anderen kopieren!«

»Wenn es nur das gewesen wäre«, kichere ich. »Viel schlimmer war, dass Meli sich wahnsinnig über Thomas aufgeregt hat. Sie hat ihn als Abstauber beschimpft, als Geizhals und Geburtstagstrittbrettfahrer.«

»Wieso das?«, staunt Endres.

»Weil er sich einfach ein Geschenk gespart hat. Er hat den Antrag und den Ring – im Übrigen ohne große Essenseinladung – als großzügige Gabe zu Natalies Geburtstag betrachtet, als ob es nicht eigentlich sein Glück wäre, dass Natalie ihn überhaupt nimmt!« Meli redet sich richtig in Rage.

»Dieser Thomas ist ein ziemlicher Sparstrumpf und das Doppelnutzungsevent ist eine typische Aktion von ihm«, erläutere ich.

»Ah, und Ihr Joachim nischt?«, hakt Madame Sandrine nach.

»Um Himmels willen, nein, das hätte ich ihm nie unterstellt! Mein Verlobter ist sehr großzügig und ein toller Schenker.«

Dennoch ließ er sich verständlicherweise von so viel geballter Lästerkraft von seinem Plan abbringen. Meli bekam die Essenseinladung, aber ohne weitere Konsequenzen.

»Ich dachte noch, was für ein hübsches Plätzchen das für einen Antrag gewesen wäre«, gesteht Meli. »Aber den bekam ich leider an dem Abend nicht mehr.«

»Du kannst froh sein, dass er überhaupt noch einen Anlauf genommen hat«, finde ich.

Und was für einen! Die beiden haben sich für einen Tauchkurs angemeldet. Sie träumen davon, im nächsten Urlaub die farbenprächtige Unterwasserwelt eines Korallenriffs zu erkunden. Beim letzten Kursabend sollten sie sich auf den Grund des Beckens absinken lassen und nach einem Gegenstand greifen. Normalerweise benutzt der Tauchlehrer für diese Übung kleine Gummibälle, doch Joachim überredete ihn, einen anderen Gegenstand dort zu platzieren. Meine Schwester tauchte also wieder auf – mit einer Muschel in der Hand. Oben angekommen fragte Joachim sie scheinbar beiläufig, ob eine Perle in ihrer Muschel sei. Meli wollte schon abwinken, doch etwas in seinem Blick riet ihr, die Muschel zu öffnen. Und tatsächlich – in der Muschel war der schönste Ring, den die Welt je gesehen hat, Weißgold und statt eines Steins ist in der Mitte eine Perle eingefasst.

Meiner Schwester verschlug es endgültig die Sprache. Als Joachim sie in den Arm nahm und ihr ins Ohr flüsterte, ob sie ihn heiraten wolle, konnte sie nur noch heftig nicken und heulen.

Endres seufzt. »Einen schöneren Antrag habe ich noch nie gehört!«

Vielleicht sagt er das jeder Braut, aber es klingt überzeugend. Madame Sandrine nickt. »Jetzt verstehen wir gut, warum Sie sisch eine Strandhochzeit ausgesucht haben. Fantasievoll, romantisch, gewürzt mit ein bisschen Humor?«

»Ja, genau!« Meli nickt begeistert.

»Bis Ende der Woche mache isch Vorschläge und dann arbeiten wir Stück für Stück weiter, bis daraus Ihre persönlische Traumhochzeit geworden ist«, schlägt Madame vor.

Erleichtert atmet Meli auf, bis ihr das nächste Hindernis einfällt. »Aber ich bin meistens schwer zu erreichen und ab nächster Woche noch dazu auf Langstrecke gebucht …«

»Unser Vorschlag wartet selbstverständlisch geduldig per E-Mail auf Sie. Doch in Ihrer Situation würde sisch vielleischt die Mitarbeit einer Person anbieten, die Sie gut kennt und der Sie vertrauen. Sie könnte einige Vorentscheidungen für Sie treffen.«

»Mal überlegen«, murmelt Meli. »Joachim ist genauso viel unterwegs wie ich, wer meine Trauzeugin wird, weiß ich noch nicht, Mama bockt, Papa blockt – Ju-ulchen.«

Drei Augenpaare nehmen mich ins Visier.

Julchen, es gibt niemanden, der das zu mir sagt, außer Meli. Eigentlich mag ich diesen Namen nicht, weil er mich so klein macht. Dennoch schafft es meine Schwester fast immer, mich damit zu erweichen, weil er mich daran erinnert, als ich noch »die Kleine« war und meine Schwester »die Große«. Für sie war ich kein lästiges Anhängsel wie meine Freundinnen es über ihre großen Geschwister erzählen. Sie hat mich überallhin mitgeschleppt: ins Eiscafé, zum Shoppen, auf Partys. Trotz des Altersunterschieds war sie immer wie eine Freundin, wir haben ein ganz besonderes Verhältnis, ich kenne Melis Geschmack und das weiß sie …

Auf einen Schlag wird mir bewusst, was hier läuft. Wie eine Spinne hat meine Schwester mich in die Falle gelockt und jetzt hänge ich am klebrigen Faden. Von wegen, sie will bloß meine Meinung über die Weddingplanerin!

»Das hast du dir ja wieder fein ausgedacht!«, brumme ich. »Du schwebst über den rosaroten Wolken und ich habe deinen Stress an der Backe!«

»Ich brauche deine Hilfe«, bettelt Meli. »Du bist die Einzige, der ich nicht erst groß erklären muss, was mir gefällt. Nicht einmal Joachim würde ich in Stilfragen so vertrauen wie dir!«

»Schleimerin!«

»Schuldig! Aber ehrlich gemeint. Und verzweifelt.«

»Na gut, meinetwegen, aber du hackst nicht auf mir herum, wenn was schiefgeht!«

»Dafür sorgen wir«, wirft Madame Sandrine ein.

Während unserer kleinen Debatte haben Endres und sie sich dezent im Hintergrund gehalten. Jetzt zwinkert er mir ermunternd zu. Madame selbst ist nicht anzumerken, was sie von der Entwicklung hält. Nimmt sie mich überhaupt für voll? Oder ist sie froh, eine »Bevollmächtigte« zu haben, egal, wer das ist? In ihrem Pokerface kann ich das nicht ablesen, aber es wird mir ein Fest, das in den nächsten Wochen und Monaten zu knacken. Mir ist bewusst, dass meine liebe Schwester mir eine Menge Arbeit aufgehalst hat. Sie glaubt zwar sicher, mich geschickt überrumpelt zu haben, doch ich hätte mich gedrückt, wenn es mich nicht ein wenig reizen würde. Besonders diese undurchsichtige Tante S.

»Du hast dich eiskalt über den Tisch ziehen lassen!«, behauptet meine Freundin Liane.

»Ja und? Klebst du nicht an jedem Bericht über Promihochzeiten und schmilzt dahin? Jetzt haben wir die Chance, hautnah dabei zu sein, das ist doch viel besser!«

»Bloß, weil ich gerne auf Robbie Williams’ Hochzeit getanzt hätte, wollte ich nicht unbedingt selbst die Tonnen von Rosen anschleppen«, meint Liane.

»Gib dir einen Ruck, der Blick hinter die Kulissen macht bestimmt Spaß!«

»Mir muss das keinen Spaß machen«, grinst Liane. »Meine Schwester heiratet zum Glück nicht. Und wenn, dann könnte sie ihre Party schön alleine planen!«

»Du sollst ja auch nicht deine Schwester unterstützen, sondern mich.«

»Hat dir schon mal jemand gesagt, wie ähnlich du Meli bist? In puncto Dickkopf und Überredungskunst seid ihr aus einem Guss!«

Ich werte das als Zusage. Wenn jetzt noch Isabelle mitmacht, dann wird’s bestimmt lustig.

Isabelle ist eine ganz eigene Marke.