Weihnachten nach alter Väter Sitte - Val McDermid - E-Book
Beschreibung

Eine spannende Krimi-Erzählung der Bestseller-Autorin Val McDermid! Adel verpflichtet: Das harmonische Beisammensein auf dem Familiensitz der Baronen Amberley findet kurz nach Weihnachten ein jähes Ende. Edmund, der Stammhalter, eröffnet seiner Frau und dem Rest der Familie, dass er nach London ziehen wird, wo ihm und seiner Band ein Plattenvertrag winkt. Das Anwesen will er verpachten, womit er auf wenig Gegenliebe stößt: Am nächsten Morgen findet man Edmund tot im Wald … Für alle Fans der erfolgreichen Autorin und alle, die es werden wollen!

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:22


Val McDermid

Weihnachten nach alter Väter Sitte

Eine Kriminalgeschichte

Aus dem Englischen von Doris Styron

Knaur e-books

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Weihnachten nach alter Väter Sitte

Gestern nacht träumte mir, ich sei nach Amberley gefahren. Neuschnee war gefallen, er lag tief und gleichmäßig und glitzerte in der Sonne wie Girlanden auf den Zweigen, als wir durch die hohen Eisentore den Weg hinauffuhren. Diana saß am Steuer, ihre behandschuhten Hände lagen trotz der gefährlichen, nur teilweise geräumten Straßendecke ruhig und sicher auf dem Steuerrad. Wir kamen um ein Wäldchen herum, und da lag das Haus wunderschön wie auf einem Foto vor uns und die Sonne schien dem gelben Stein aus den Cotswolds Leben einzuhauchen. Amberley House war eines von Vanbrughs kleinen Anwesen, die er so nebenbei schuf, nachdem er das Handwerk beim Bau seines Meisterstücks, Blenheim Palace, gelernt hatte.

Diana hielt vor der Säulenhalle an und hupte. Sie drehte sich mit glänzenden Augen zu mir um, und ihr Lächeln war betörend wie eh und je. »Hier fängt Weihnachten an«, sagte sie. Und wie auf Kommando ging die Haustür auf und Edmund stand auf der Schwelle, zwischen seiner und Dianas Mutter und seiner Frau Jane, die alle heiter wie Wanderer auf einem Tagesausflug lächelten. Da erwachte ich, wie gelähmt vor Schreck und starrte in die Dunkelheit. Es war einer dieser Träume, die einem noch so lebhaft vor Augen stehen, dass man beim Erwachen gar nicht ganz glauben kann, was da gerade geschehen ist. Aber ich wusste, dass es ein Traum war, oder vielmehr ein Alptraum. Denn Edmund, der sechste Baron Amberley von Anglezarke, war schon seit drei Monaten tot. Ich muss es wissen, denn ich habe seine Leiche gefunden.

Diana neben mir schlief noch. Ich hätte mich am liebsten an sie geschmiegt und vor der schrecklichen Erinnerung Trost gesucht, aber ich wollte nicht so rücksichtslos sein. Eine Nacht, in der sie ruhig schlafen konnte, war immer noch ein Luxus für sie, und die nächsten zwei Wochen würden auch nicht gerade geruhsam werden. Ich schlüpfte aus dem Bett und ging in die Küche, um mir eine Tasse Kamillentee zu machen.