Weltenerbe. Die letzte Katastrophe - Umbrella Brothers - E-Book

Weltenerbe. Die letzte Katastrophe E-Book

Umbrella Brothers

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Beschreibung

Ein riesiges Raumschiff mitten im Atlantik - cineastischer Horror wird Realität! Das Flugobjekt löst eine riesige Flutwelle aus, die unaufhaltsam auf die Küste Nordamerikas und Frankreichs zurast. Daniél, Major Carson und Togan Brambesi werden gewarnt und können den totbringenden Wassermassen entkommen. Sie lassen alles zurück und flüchten in die sicheren Gebiete im Landesinneren. Die Rettung ist jedoch nicht von Dauer und bereits wenige Tage später erleben sie postapokalyptische Zustände, geprägt von Machtkämpfen, Nahrungsmittelknappheit, Plünderungen und Energiemangel. Sämtliche Hoffnungen schwinden, als die Außerirdischen unaufhaltsam und flächendeckend alles zerstören, was ihnen in den Weg kommt. Und im Gegensatz zur Welle nimmt ihre Zerstörungskraft nicht ab … Die Lage erscheint aussichtslos, bis die verschollen geglaubte Dr. Bolina mit einer erstaunlichen Entdeckung aus Grönland zurückkehrt …

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Seitenzahl: 608

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Umbrella Brothers

Weltenerbe

Die letzte Katastrophe

Umbrella Brothers: Weltenerbe. Die letzte Katastrophe, Hamburg, ACABUS Verlag 2014

Originalausgabe

PDF: ISBN 978-3-86282-156-3

ePub: ISBN 978-3-86282-157-0

Print: ISBN 978-3-86282-155-6

Lektorat: Roxanne König, ACABUS Verlag

Umschlagsgestaltung: Aki Huck, 3MAXX

Der ACABUS Verlag ist ein Imprint der Diplomica Verlag GmbH, Hermannstal 119k, 22119 Hamburg.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische

Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net

© ACABUS Verlag, Hamburg 2014

Alle Rechte vorbehalten.

Für meine Eltern

Vorwort

Das muss doch schneller gehen, werden einige vielleicht sagen. Und ich kann ganz gut verstehen, dass es nicht so toll ist, wenn man so lange auf die weiteren Bände warten muss. Aber wie einige wissen und andere gemerkt haben, bin ich nicht hauptberuflich Schriftsteller. Eigentlich habe ich einen Ingenieursjob, der mehr als vierzig Stunden in der Woche verlangt. Dann leben meine Frau und ich inmitten unserer Patchwork-Familie. Jeder hat zwei Kinder und irgendetwas ist immer los. Zwar beklagt sich keins unserer Kinder mehr über offene Schnürsenkel (die werden ja nur noch lässig in die Seite gesteckt), aber auch große Kinder sind eben noch – Kinder. Okay, da bleibt eigentlich noch etwas Freizeit.

Nun halten Sie ja doch noch ein Buch in der Hand, das ich in den verbleibenden freien Minuten geschrieben habe. Da dies ein Buch mit außerirdischen Protagonisten ist, darf auch das Militär nicht fehlen. Ich war nur für drei Monate bei der Bundeswehr, bis ich ausgemustert wurde. Ich habe nicht wirklich Kenntnisse in diesem Bereich und musste entweder Papa Stottmeister aushorchen oder Onkel Google. Dabei habe ich mich immer gefragt, wie lange es noch dauert, bis die NSA vor unserer Tür steht. Sicherlich ist bei denen immer eine rote Lampe angegangen, wenn ich schon wieder etwas über DefCon, Granaten oder AMRAAM wissen wollte. Bislang hat noch niemand von denen hier geklingelt.

Die Bücher, die Sie bislang gelesen haben, wurden übrigens von einem Lektor überarbeitet. Eigentlich waren sie allesamt etwa dreißig Prozent länger. Sie waren gespickt mit Doppeldeutigkeiten und – wie der Lektor mir versicherte – mit unnötigem plattem Humor. Wenn Sie also das Gefühl eines angenehmen Leseflusses haben, der mit einer völlig ausreichenden Portion Witz ausgestattet ist, dann liegt das vor allem am Lektor oder im vorliegenden Band an einer Lektorin, bei denen ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Obwohl der Lektor mir natürlich ein ums andere Mal den Tag versaut hatte, wenn ich die Korrekturvorschläge zugeschickt bekommen habe. Das ist in etwa so, als ob Ihnen jemand eine Bratpfanne in das Gesicht haut.

»Guck mal! Alles rot!«

»Das Rote ist gefährlicher, überflüssiger Belag!«

Aber spätestens, wenn ich Rückmeldungen bekomme, die mir bestätigen, dass sich das Buch sehr angenehm lesen lässt, muss ich zugeben, dass die Lektoren verdammt gute Arbeit geleistet haben.

Zur allgemeinen Beruhigung: Einen Mehrteiler werde ich nicht mehr schreiben.

Nun noch eine kleine Zusammenfassung, damit man wieder weiß, worum es geht.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und ein langes, erfolgreiches Leben.

Was bisher geschah

Vor mehreren tausend Jahren machen sich gigantische Raumschiffe aus einem entfernten Sonnensystem auf den Weg, um ein Heilmittel für die sich degenerierende Gesellschaft zu finden. Damit das Raumschiff ohne Komplikationen gesteuert werden kann, wird die arbeitende Besatzung künstlich auf einem niedrigen Entwicklungsstand gehalten. Dafür werden zahlreiche Maschinen, die sogenannten Lehrer, verwendet. Es wird zwar Wissen vermittelt, aber der freie Wille wird eingeschränkt. Nur wenige sind von diesem System unabhängig. Es gibt eine im Geheimen operierende Bewegung an Bord des Raumschiffes, die Wahrheit, die allen einen freien Willen zugestehen möchte.

Ein Antriebsfehler führt dazu, dass das Raumschiff für den interstellaren Flug unbrauchbar wird. Die drei Senatoren Sche’ef, Iswo’od und Segu’ur verfügen, dass man auf der Erde landet, um die benötigten Rohstoffe für die Reparatur zu finden und zu fördern. Die Techniker berichten den Senatoren, dass die Reparatur mehrere Jahre dauern wird, da Unmengen der Rohstoffe benötigt werden. Die an Bord vorhandene Nahrung wird für diese Zeitspanne nicht ausreichen. Also beschließt Senator Sche’ef, dass die primitive Bevölkerung bei der Beschaffung von Nahrung und Werkstoffen behilflich sein muss. Im Gegenzug erklären die gestrandeten Außerirdischen den Erdenbewohnern, wie man Brot herstellt und Viehzucht betreibt. Die ersten Dörfer entstehen.

Aufgrund einer lange zurückliegenden Genkatastrophe gibt es nur noch Männer unter den Außerirdischen. Der Kontakt mit einheimischen Frauen gilt als verpönt, dennoch kommt es zu Verbindungen zwischen Mitgliedern der Besatzungsmacht und der Bevölkerung. Das Konzept der Geburt ist den Außerirdischen völlig fremd; sie stellen den Nachwuchs in einer großen Maschine, der sogenannten Mutter, her. Umso faszinierter ist einer der Besucher mit Namen Zuha’an, als er erkennt, wie auf diesem Planeten Kinder geboren werden. Er betrachtet diese Kinder als sein Eigentum und bringt hunderte von ihnen an einen geheimen Ort auf dem Raumschiff. Einige bleiben jedoch von ihm unentdeckt. So zum Beispiel auch Jert, der sich durch seine hohe Intelligenz von den anderen abhebt und aufgrund seiner etwas helleren Hautfarbe von seinen Stammesbrüdern nur bedingt akzeptiert wird. Es kommt so weit, dass er sich ausgestoßen fühlt und seinen Stamm verlässt. Sein Ziel ist eines der neuen Dörfer. Auf dem Weg begegnet ihm ein Mädchen mit Namen La, die ebenfalls dorthin möchte. Das Dorf ist anders organisiert als der Stamm des Jungen. Hier hat jeder eine Aufgabe, die er erledigen muss. Ein Vorarbeiter entscheidet darüber, wieviel Brot jeder bekommt. Der Junge findet schnell eine sinnvolle Tätigkeit: Er baut Kamine in die spärlichen Hütten ein, damit es in der kalten Jahreszeit nicht zu Funkenflug bei offenem Feuer kommt. Das bringt ihm Anerkennung und Respekt unter den anderen ein.

Es muss wesentlich mehr Getreide angebaut werden, als Menschen in diesem Dorf verzehren könnten. Es wird in Kornspeichern gelagert. In regelmäßigen Abständen kommen die Außerirdischen und holen das Getreide ab. Jert findet das unfair, weil sie nicht arbeiten, um es zu bekommen. Er bereitet mit den anderen Dorfbewohnern eine Revolte vor. Die Außerirdischen sind jedoch wesentlich mächtiger und beschießen das Dorf mit ihren modernen Waffen. Es kommt zu einem Massaker und Jert wird gefangen genommen.

Zur gleichen Zeit wird an Bord festgestellt, dass ein Meteor auf die Erde zurast und mit dem Landeplatz des Raumschiffs kollidieren wird. Ein junger Wissenschaftler namens Lo’on entwickelt eine Apparatur, mit der es möglich ist, Gegenstände in eine andere Dimension zu verschieben und wieder zurückzuholen. Um die Funktionsweise an kleineren Exemplaren zu testen, wird Jert als Versuchskaninchen missbraucht. Der Test verläuft erfolgreich. Lo’on lässt fünf dieser Maschinen konstruieren, die um den Atlantischen Ozean verteilt werden und einen Reflektor, der direkt über dem Raumschiff schwebt. Die genauen Standorte werden auf einigen unzerstörbaren Platten festgehalten. Einige Mitstreiter der Wahrheit stehlen diese Platten, weil sie vorhaben, die Zylinder zu zerstören. Einer von Zuha’ans Bastarden, Laa’an, wird von Sche’ef mit Hilfe der Lehrer so konditioniert, dass er ausschließlich den Senator als Obrigkeit ansieht und ihm hörig ist. Er bekommt den Auftrag, die Platten zurückzuholen.

Zwischen der Wahrheit und den Soldaten des Raumschiffes kommt es zu einem Kampf, nachdem die Apparate das Raumschiff in die Zwischendimension verschoben haben und einer der Zylinder wird unbrauchbar gemacht. Da die anderen Soldaten die Zylinder nicht mehr reaktivieren können, um die anderen nach dem Einschlag des Meteors zurückzuholen, finden sie sich mit der neuen Situation ab und bilden ihre eigenen Stämme, aus denen sich später ganze Kulturen entwickeln, deren Spuren man heute noch findet. Die Wahrheit indes wird zu einem irdischen Geheimbund, der dafür sorgen soll, dass das Raumschiff nicht wieder auftaucht. Parallel dazu sucht Laa’an mit seinem Freund Carii’on nach den Platten mit den genauen Standorten der Zylinder, um sie wieder einzuschalten.

Durch Zufall entdeckt General Setter von der US-Regierung ein paar tausend Jahre später einen der Zylinder und ist sehr beeindruckt von der unglaublichen Härte des Werkstoffes. Es scheint, dass es nicht möglich ist, auch nur einen Kratzer in die Oberfläche zu ritzen. Er plant den Einsatz dieses Werkstoffes in militärischen Fahrzeugen. Insgesamt findet General Setter mit seinem Begleiter Major Carson drei solcher Zylinder. Den Zweck der Apparate kann er jedoch nicht entschlüsseln.

Auch Daniél findet tief in seinem Garten in Carnac einen solchen Zylinder, als er für seine Frau einen Brunnen anlegen möchte. Zunächst hilft ihm sein Freund Luc, als aber abzusehen ist, dass man mit den einfachen Bohrgeräten nicht tief genug kommt, lässt er Daniél allein weitermachen. Mit Hilfe eines großen Baggers kann er den Zylinder zu einem großen Teil freilegen, ruiniert dabei aber auch seinen Garten. Um das Loch vor seiner Frau zu verbergen, stellt er einen Blechschuppen darauf.

Laa’an und Carii’on haben aufgrund einer genetischen Mutation die Jahrtausende überlebt. Auch ihre Brüder konnten ihre Zellen regenerieren, sie sind jedoch in den zahlreichen Kämpfen der Menschheit gestorben. Laa’an hat den Namen Robert d’Eglantine angenommen und sucht immer noch nach den Platten, die die genauen Koordinaten der Zylinder zeigen. Schließlich findet er eine der Platten und spielt die Informationen den Amerikanern in die Hände, damit sie für ihn einen Zylinder in Grönland freilegen.

Aus der Wahrheit hat sich in Mali ein Geheimbund entwickelt, der vom Oberhaupt, dem sogenannten Hogon, geleitet wird. Dieser Bund mit dem Namen Dogon versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Zylinder gefunden werden. Sie erfahren zu spät, dass der Major bereits einen vierten Zylinder gefunden hat. Sie wissen jedoch, dass der General die Existenz der Apparate geheim hält. Daher entschließen sich die Dogon, alle Menschen im Lager mit einer Bombe zu töten und die Leichen an einen anderen Ort zu bringen, der von der Fundstelle ablenken soll.

Der General reist ebenfalls nach Grönland. Mit ihm sind auch Major Carson, Donovan, ein alter Freund des Generals, und eine neue Biologin, Mercedes Bolina. Die Frau untersucht die Zylinder und wird von einem Unbekannten entführt. Die Suche nach ihr beginnt, doch die im Lager zurückgebliebenen Männer finden den Sprengkörper. Donovan, einem Sprengstoffexperten, gelingt es, die Bombe zu entschärfen. Allerdings ist die Gefahr nicht völlig gebannt: Die Dogon greifen das Lager an und es kommt zu einem Kampf. Trotz einiger Verletzter können die Angreifer in die Flucht geschlagen werden. Einigen von ihnen, unter anderem Togan Brambesi, gelingt die Flucht mit einem Flugzeug in Richtung Neufundland. Vor der Küste wird der Flieger abgeschossen, doch Togan kann sich retten. Auf Umwegen gelangt er zurück nach Mali.

Daniél versucht, das Geheimnis des Zylinders zu ergründen und forscht in der Bibliothek nach alten Schriftarten. Dort arbeitet seine Nachbarin Sophie. Sie ermöglicht ihm den Zugang zu einem Computer, der das gescannte Bild der sonderbaren Inschrift des Zylinders mit anderen bekannten Schriften vergleicht, wodurch der Hogon auf ihn aufmerksam wird. Die beiden treffen sich in Paris. Der Hogon plant Daniél zu entführen, um alle Beweise, die zum Zylinder führen könnten, zu vernichten. Mit Hilfe von Carii’on, der nun unter dem Namen Philipe Roche lebt, gelingt Daniél jedoch die Flucht. Der Hogon reist zurück nach Mali und Daniél fährt zurück nach Carnac, wo er seine Frau mit seinem Freund Luc in flagranti erwischt. Daraufhin trennt sich seine Frau von ihm.

In Mali hat Robert d’Eglantine unter Vorspielen falscher Tatsachen mit Hilfe der Amerikaner den Hogon getötet. Dadurch rückt Togan als sein Nachfolger auf. Als erste Amtshandlung fordern seine Anhänger, dass er die fünfjährige Tochter des Majors entführen lässt, damit man ein Druckmittel in der Hand hat. Togan ist damit nicht einverstanden, beugt sich jedoch den anderen Mitgliedern.

Der General erfährt, dass Daniél einen Zylinder im Garten gefunden hat und eilt mit einer bewaffneten Mannschaft nach Frankreich. Fast gleichzeitig kommen auch einige Kämpfer der Dogon, angeführt von Togan Brambesi, sowie Robert d’Eglantine und Philipe Roche dort an. Es kommt zu einem kurzen Kampf, währenddessen sich der General unbemerkt zum Zylinder schleichen kann und ihn aktiviert, ohne zu wissen, was er damit anrichtet. Beinahe postwendend erscheint das Raumschiff im Atlantik, was eine eine gigantische Flutwelle auslöst, die ungebremst auf alle umliegenden Küsten zueilt. Während auf der Erde mehrere tausend Jahre verstrichen sind, verging für die Außerirdischen nur ein kleiner Augenblick.

1 Überraschung

Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie auf die Hupe drückte. »Aus dem Weg!«, brummte sie in sich hinein. Schreien hatte keinen Zweck, der Mann im Auto vor ihr hätte sie ohnehin nicht hören können.

»Penner!«, sagte sie, als sie endlich vorbeifahren konnte.

Natürlich war sie es, die zu schnell fuhr. Für einen Moment berührte sie ihre überdimensionale Handtasche, die neben ihr auf dem Beifahrersitz lag. Diese war zwar nicht gerade prall gefüllt, aber in jedem Fall ein Grund, schnell zu fahren. Es kam ja nicht auf die Menge an, sondern auf den Wert der Scheine.

Unglaublich, dass Clement so viel Bargeld in seinem Safe hatte.

Er war ja auch ein Idiot, dachte Marie.

Wie viele Jahre war sie mit ihm zusammen? Drei? Nein, es waren schon vier Jahre. Eine verdammt lange Zeit. Vier Jahre als seine Geliebte. Nie hat sie irgendetwas von ihm verlangt. Aber sie war immer da, wenn er sie brauchte.

Fast nie zum Reden.

Marie bog scharf ab und wurde dabei an die Tür gepresst. Das brachte sie wieder in die Realität zurück und sie trat auf die Bremse. Das Einzige, was bei ihrem Peugeot noch funktionierte. Das hatte der Wagen ihr voraus. Wenn Marie in ihrem eigenen Leben mal auf die Bremse getreten hätte, wäre sie jetzt nicht hier, sondern hätte einen Ehemann, drei Kinder und ein spießiges Häuschen.

Vielleicht einen Hund. Marie mochte Hunde.

Aber sie hatte sich in den grau melierten Clement verliebt, der zweimal im Monat für sie Zeit hatte. Oder nur einmal, wenn sie ihm mitteilte, dass sie gerade ihre Tage hatte.

Der Mann war ein Idiot.

Erneut tastete Marie nach ihrer Tasche. Sie war nervös. Und sie hatte auch allen Grund dazu, denn wenn man die Bündel zusammenrechnete, kam ein hübsches Sümmchen dabei heraus. Sie konnte wenigstens rechnen, bei Clement war sie sich nicht so sicher. Bestimmt rechnete er nicht damit, einen leeren Safe vorzufinden.

Marie hatte noch etwas Zeit. Clement würde den ganzen Tag in der Firma verbringen. Vielleicht würde er auch heute Abend nicht den Inhalt seines Geldschrankes überprüfen. Aber ›vielleicht‹ war ein gefährliches Wort.

Sie griff in die Handtasche und berührte ein Bündel Fünfhunderter. Mit dem Fingernagel glitt sie an den Scheinen entlang. Dann griff sie wieder mit beiden Händen das Lenkrad.

Ein Glück, dass es nicht regnete. Ihre Scheibenwischer waren nicht mehr zu gebrauchen. Bei Regen musste sie zu Fuß gehen. Marie konnte es nicht begreifen. Sie saß in einem alten 206, der nur noch einen Außenspiegel auf der Fahrerseite hatte und Clement konnte sich mit seinem Geld ein ganzes Autohaus kaufen.

Marie hatte es ihm zwar nie gesagt, aber natürlich wollte sie nicht auf ewig die zweite Geige spielen. Sie hatte sich bescheiden gegeben. Warum eigentlich? Verdient hatte sie das nicht. Vier Jahre ihres Lebens hatte sie ihm geschenkt. Und er hatte sie nur benutzt. Das Beste war ja, dass er nicht mal zu seiner Frau zurückging, sondern sich eine andere Mätresse zugelegt hatte.

Jünger wahrscheinlich.

Marie hupte. Ohne verkehrstechnischen Grund. Einfach nur, um zu hupen.

Sie hupte, weil sie auf sich selber sauer war. Gut überlegt, war das mit dem gestohlenen Geld ja nicht. Sie konnte schlecht in der Stadt bleiben. Clement wusste, wo sie arbeitete. Den Job musste sie auch aufgeben. Der war sowieso nicht das Richtige gewesen. Hatte sie bisher irgendetwas richtig gemacht? War sie die Frau geworden, die sie mit siebzehn hatte werden wollen?

Ja. Leider.

»Live fast, die young«, hatte sie sich gesagt. Schöne Scheiße. Wenn sie ihre Flucht beendet hatte, wollte sie ihre Ziele noch einmal überdenken. Jetzt war sie dafür zu aufgeregt. Und zu sauer. Sie hupte noch einmal und es klang erbärmlich in ihren Ohren.

Das Handy in ihrer Tasche klingelte. Mit einer Hand versuchte Marie, es zu ertasten. Aber natürlich war es ganz unten. Kurzum hob sie die Tasche an und diverse Dinge und Geldbündel fielen heraus. Unter anderem auch das Telefon. Marie sah den Namen ›Clement‹ auf dem Display. Starr hielt sie das Handy. Eine Ewigkeit. Sie wollte die Verbindung unterbrechen, entschied sich aber dafür, es nicht zu tun. Wenn es einfach nur klingelte, wäre es möglich, dass der Anrufer dachte, sie habe es irgendwo liegen lassen.

Nein, darauf würde Clement nicht hereinfallen. Marie ging nirgendwohin ohne ihr Handy. Und er wusste das.

Das Klingeln wurde immer lauter in ihren Ohren und wollte nicht aufhören. Die Vibration erschütterte ihren ganzen Körper. Als es endlich verstummte, steckte sie es in die Halterung in der Mittelkonsole. Eine neue Sim-Karte brauchte sie also auch. Konnte man mit diesen Dingern nicht geortet werden? Ja klar, aber nur wenn sie eingeschaltet waren.

Marie schaltete das Handy aus.

Nun hatte sie endgültig die alte Welt hinter sich gelassen. Alle Verbindungen waren gekappt. Was ließ sie zurück? Nicht viel.

Erst jetzt registrierte Marie die Scheine auf dem Beifahrersitz. Sie blickte sich um, aber niemand achtete auf sie. Hastig stopfte sie das Geld zurück in die Tasche.

Vor ihr lag das neue Leben. Noch einmal hupen? Aber nicht mit dieser Schrottkarre. Sie brauchte etwas Besseres. Marie wollte eine standesgemäße Flucht. Also fuhr sie in die Gegend, in der die Autohäuser Seite an Seite standen. Marie beschloss vorab, in das erste zu gehen, das sie fand.

Sie war schnell an ihrem Ziel angelangt. Und sie glaubte ihren Augen nicht. Es war ein Mercedes-Händler. Hervorragend. Clement hasste deutsche Autos.

Vorsichtig bugsierte sie ihren Peugeot zwischen den teuren Fahrzeugen hindurch, bis sie einen Parkplatz fand. Sie atmete einmal tief durch und öffnete die Tür, aber nur, um sie sofort wieder von innen zuzuziehen. Sie war noch nicht soweit.

Wie sah sie aus? Gelenkig rutschte Marie auf den Beifahrersitz, nachdem sie die Tasche in den Fußraum gestellt hatte und klappte den Schminkspiegel herunter. Das ging ja gar nicht. So wollte sie nicht in ihr neues Auto steigen. Zwischen den Scheinen musste irgendwo ein Lippenstift stecken. Und mit etwas Glück auch eine Haarklammer. Mit einem rosa Touch auf den Lippen sah sie gleich zehn Mal besser aus, fand sie. Schminke hatte sie nicht dabei, aber das von heute morgen war noch in Ordnung. Tatsächlich fand sie eine Haarklammer. Nach einem Tag ohne Haare waschen war das ein probates Mittel, um dennoch sexy auszusehen.

Nicht sexy genug, dachte sie. Sonst wäre Clement schließlich bei ihr geblieben. Am Reden konnte es ja nicht gelegen haben. Das hatten sie kaum gemacht.

Sie betrachtete sich noch einmal in dem winzigen Spiegel und stieg auf der Beifahrerseite aus. Als sie neben der offenen Tür des Autos stand, bückte sie sich nach der Tasche im Fußraum. Die Beine schön durchgestreckt, so hatte sie auch Clement kennengelernt. Man wusste ja nie, wer einen beobachtete. Und sie wollte auch nicht als alte Jungfer sterben.

Sollte die Tasche im Auto bleiben? Mit dem ganzen Geld? Marie zog sie heraus und warf sie sich lässig über die Schulter. Das passte eigentlich nicht zu ihr, weil sie nicht der sportliche Typ, sondern eher elegant war. Aber es war an der Zeit für Veränderungen.

Marie schlug die Tür zu und wollte selbstsicher zwischen den Autos herumlaufen. Das funktionierte zwar nicht sonderlich gut, aber sie wurde bedeutend ruhiger. So fühlte es sich also an, wenn reiche Leute Dinge kauften.

Waren hier keine Verkäufer? Beiläufig sah sie sich die Autos an. Die sahen alle sehr gut aus. Drinnen standen natürlich die neuen Wagen. Aber sie hatte vor, direkt weiterzufahren. Bestimmt bekam sie noch fünfhundert Euro für ihre alte Karre. Mit zweitem Außenspiegel wäre der Peugeot sicherlich doppelt so viel wert gewesen. Die Sonne spiegelte sich in den Karosserien der größtenteils silbernen Wagen. Es war Zeit für eine Sonnenbrille. Vielleicht sollte sie aufhören herumzulaufen. Sie blieb beim erstbesten Auto stehen und blickte durch die Scheibe. Marie war auf Anhieb begeistert vom Interieur. Das da drinnen sah aus wie echtes poliertes Holz. Clement hatte nur Plastik als Verkleidung der Mittelkonsole.

Aus den Augenwinkeln sah sie einen Mann auf sich zukommen. Je näher er kam, desto breiter wurde sein Verkäuferlächeln.

Dummchen oder arrogant? Marie musste sich für etwas entscheiden.

Als der Mann an ihrer Seite war, legte er lässig eine Hand auf das Autodach. Sein Sakko stand nun weit offen und bot freie Sicht auf seinen kräftigen Oberkörper.

»Hallo, schöne Frau. Wie kann ich Ihnen helfen?«

Was für ein Arschloch, dachte Marie. Also Dummchen. Den wollte sie richtig fertig machen.

»Mein Name ist Jean und wenn Sie wollen, zeige ich Ihnen alle Modelle.«

»Oh, danke! Das würden Sie für mich tun?«, fragte sie mit zuckersüßer Stimme.

»Aber natürlich. Und mehr, wenn Sie wollen.«

»Hihi.«

Er löste seine Hand vom Autodach und ließ sie in die Hosentasche gleiten.

Stumm leuchteten die gelben Lichter auf.

»Wollen Sie mal reinhuschen?«

Er tat wirklich so, als ob dies sein Auto sei und er kein einfacher Verkäufer. Galant öffnete er die Tür. »Bitte sehr!«

»Danke«, piepste Marie und musste dabei aufpassen, dass sich ihre Stimme nicht überschlug. Sie setzte sich hinein und war überwältigt. Wie auf einer Sänfte oder Gondel mit Lederlenkrad, dachte sie. So musste sich Venedig anfühlen. Die Sitze waren unvorstellbar weich. Ihre Peugeot-Sitze waren Apfelsinenkisten dagegen. Marie ließ ihre Hände über die Armaturen gleiten. Da war sogar ein eingebautes Navigationsgerät in der Mitte. Und bestimmt war da noch mehr enthalten. Unglaublich, sie schaute durch die Frontscheibe und dachte, dass die Motorhaube so lang war wie ihr ganzer Wagen. Ein Schiff.

»Wird das ein Geschenk von Ihrem Mann?«

Marie kehrte von Venedig nach Bordeaux zurück und ihre Stimme war deutlich tiefer, als sie sagte: »Ich habe keinen Mann.«

Der Verkäufer zuckte mit den Augenbrauen. Entweder war er erstaunt über die tiefen Töne aus ihrem Mund oder er freute sich, dass sie solo war. Er beugte sich zu ihr herunter. Etwas zu dicht, wie Marie fand.

»Wenn Sie erlauben, möchte ich Ihnen einen Wagen zeigen, der vielleicht etwas besser zu Ihnen passt.«

Klar, dieses Auto war schon toll, aber es war viel zu groß. Sie mochte den Typ nicht, aber seinen Job verstand er ganz gut.

»Was denn für ein Auto?«

»Kommen Sie mit, ich zeige es Ihnen.«

»Ich möchte aber einen von hier draußen.«

Er drehte sich kurz um und sagte dann: »Für Sie fahre ich ihn eben kurz raus. Sie warten hier!«

»Ja, ich warte.«

Der Verkäufer ging hinein und ließ Marie in der warmen Sonne stehen. Das dauerte alles zu lange, aber es gefiel ihr, wie sie behandelt wurde. Sie schaute auf ihre Uhr. In diesem Moment kam der Verkäufer zurück. Er saß in einem schwarzen Auto, das sie anlächelte. Ein superscharfes Auto. Der Mann hatte nur eine Hand am Lenkrad. Sein rechter Arm lag vor der Kopfstütze des Beifahrersitzes. Wahrscheinlich stellte er sich vor, dass sie neben ihm saß. Das konnte er natürlich vergessen. Der Mann ließ den Motor aufheulen und fuhr schnell über den Parkplatz, bis er neben Marie zum Stehen kam. Er wartete einen Moment und lächelte sie an. Dann stieg er aus.

»Na? Wie gefällt er Ihnen?«

»Ein Cabriolet?«

Wahrscheinlich hatte sie etwas Falsches gesagt, weil er einen theatralischen Schritt rückwärts machte und sein Gesicht verzog.

»Das hier ist ein Roadster!«

Wahrscheinlich deutsch für ›Cabriolet‹, dachte Marie. Den genauen Unterschied hatte sie nie begriffen. Bestimmt gab es gar keinen.

»Ja, ein Roadster. Gefällt mir!«

Erst jetzt kehrte das Verkäuferlächeln zurück.

»Dachte ich mir gleich, als ich Sie sah. Da gehören Sie einfach hinein. Los, probieren Sie mal!«

»Was ist denn das für ein Auto?«, fragte Marie, als sie einstieg.

»Das ist im Grunde egal«, meinte er. »Aber wenn Sie es unbedingt genau wissen wollen; Sie sitzen gerade in einem SL Roadster mit Ledersitzen in naturbeige.«

Das fühlte sich auch super an. Nicht so wie in dem anderen Auto, aber hier drin fühlte sie sich viel wohler. Der Wagen war überschaubarer. Dennoch länger als der Peugeot. Gerade wollte der Mann seine Verkaufs-Kanonade beginnen, als Marie piepste: »Den nehme ich.«

»Das … ja … exzellente Wahl«, stammelte er überrascht. »Wollen Sie eine Probefahrt machen?«

Marie ließ ihre Finger über das Lenkrad gleiten. Sie träumte. Schließlich sagte sie: »Nein. Ich nehme ihn gleich mit.«

Der Verkäufer machte einen verständnislosen Eindruck. Langsam sagte er: »Das ist ein neunzigtausend Euro Wagen.«

Sie zog ihre Brille etwas herunter und schaute über den Rand in seine Augen. Dann nickte sie ein paar Mal.

»Gut, dann gehen wir vielleicht hinein und regeln das Geschäftliche. Das muss ja auch. Lästiger Kram, aber das machen wir ganz schnell. In zwei Wochen können Sie dann den Wagen abholen.«

»Zwei Wochen? Wieso das denn?«

Er hob seine Schultern und sagte: »Ja, wissen Sie, das ist eine Vorsichtsmaßnahme. Sowohl für Sie, als auch für uns. Es kommt leider häufiger vor, dass die Kunden es sich noch einmal überlegen. Ist ja doch viel Geld, oder?«

»Nein, ich brauche den Wagen sofort!«

»Ja, aber …«

»Ich will es mir nicht noch einmal überlegen. Ich nehme den Wagen.«

Der Verkäufer schüttelte den Kopf. »Das geht leider nicht. Da kann man keine Ausnahme machen.«

Damit hatte Marie nicht gerechnet. Ein Autohaus sollte doch Autos verkaufen. Sollte sie einfach gehen und mit ihrem Peugeot vom Hof fahren? Ihr erster Versuch, ein wenig reich zu sein, drohte zu scheitern.

»Ich zahle bar.«

Der Verkäufer zögerte einen Moment, sagte dann aber: »Das hat damit nichts zu tun. Das sind die Vorschriften. Die kann ich nicht ändern.« Er schaute auf etwas unterhalb ihres Gesichtes. »Auch für Sie nicht.«

Daraufhin schob sie ihren Brustkorb etwas vor und machte ein trauriges Gesicht. Der Mann wankte. »Ich frag mal nach. Aber ich denke nicht, dass es gehen wird. Warten Sie bitte.«

Er machte ein paar Schritte rückwärts und drehte sich dann um. Durch die Glasscheiben konnte sie seinen Weg zu seinem Büro verfolgen. Oder das seines Chefs. Noch einmal schaute sie auf die Uhr.

Blödsinn, dachte sie. Ich habe so viel Zeit, wie ich will. Bordeaux war so groß, dass Clement sie nie finden würde. Sie schaute wieder zum Verkäufer und sah noch einen anderen Mann. Plötzlich drehten sich beide um und schauten in die gleiche Richtung. Marie konnte nicht erkennen, was ihre Aufmerksamkeit erregte. Vielleicht ein Fernseher. Aber beide verließen das Büro. Interessiert verfolgte Marie den Weg der Männer und fragte sich kurz, was da los war. Aber sie war zu sehr mit ihren eigenen Dingen beschäftigt.

Der Verkäufer blieb stehen, während sein Chef weiterlief. Er ging dann zurück ins Büro, holte ein paar Zettel und eilte Marie entgegen. Was war da los?

»Wissen Sie was?«, schrie er ihr schon auf dem Weg entgegen. »Wir machen eine Ausnahme für Sie!«

»Wirklich?« Und schon hatte Marie das seltsame Verhalten vergessen.

»Sie zahlen bar, ja? Sie haben neunzigtausend Euro dabei?«

Marie hatte ein schelmisches Lächeln im Gesicht und nahm ihre Handtasche von der Schulter. Darauf hatte sie gewartet. Aber der Mann war nicht beeindruckt, als sie ein Geldbündel herausholte. Stattdessen schaute er nach links und rechts und sagte dann: »Ah, sehr gut! Hier sind Ihre Papiere. Ich brauche eigentlich nur eine Unterschrift.«

Mit ein wenig Geld geht alles, dachte Marie. Sie unterschrieb den Zettel. Der Verkäufer gab ihr einen Durchschlag und wollte gehen.

»Äh, und der Schlüssel?«

»Ach ja, natürlich. Hier ist er.« Dann drehte er sich um und war wieder auf dem Weg zu seinem Büro. Aber Marie drehte sich um und freute sich über ihr neues Auto. Den Peugeot hatte sie ganz vergessen. Marie nahm den Schlüssel und suchte nach dem Knopf zum Öffnen der Wagentüren. Seltsam, der Mann hatte ihr gar nicht erklärt, wie alles funktionierte. Doch da leuchteten schon die Lichter auf. Es war natürlich ganz einfach. Sie öffnete, stieg ein und griff nach dem Lenkrad. Durch die Windschutzscheibe sah sie einen großen Geländewagen. Auch ein Mercedes, wie es schien. Das wäre nichts Besonderes gewesen, wenn nicht ihr Verkäufer am Steuer des Wagens gesessen hätte. Er raste mir quietschenden Reifen an ihr vorbei.

Da stimmte etwas nicht, dachte Marie.

Ihre Hände legte sie auf ihren Schoß und schaute sich um. Es war nichts zu sehen, was für eine Panik hätte sorgen können. Aber was war das für ein Geräusch? Wie ließ man die Scheiben herunter? Sie öffnete die Tür und konnte ein Brummen hören. Dann Geschrei.

Marie stieg aus dem Auto und sah in den Himmel. Plötzlich sah sie eine gigantische Welle. Tobend näherte sie sich und Marie wusste, dass dies ihr Ende war. Was sie noch einmal richtig wütend machte, war, dass sie als Letztes an Clement dachte.

2 Great Balls of Fire

Es dauerte einen Moment, bis Robert d’Eglantines Erinnerungen zurückkehrten. Sein Gesicht schmerzte und er fuhr sich mit dem Handrücken über die Wange. Als er sich seine blutgefärbten Finger besah, erinnerte er sich wieder an die Frau. Sie war aus dem Nichts aufgetaucht und hatte ihn mit dem Nunchaku bewusstlos geschlagen. Weiter spürte er einen unsäglichen Schmerz zwischen den Beinen. Seine Hose war im Schritt rot gefärbt. Dieses Miststück hatte ihm einen Hoden zertrümmert. Wo war Philipe? Er lag neben dem Auto und hatte eine Platzwunde am Hinterkopf. Stolpernd ging er auf ihn zu und rüttelte ihn, bis er wach wurde. In diesem Moment sahen sie einen Lichtblitz, der in den Himmel schoss.

»Wir haben es geschafft, Carii’on.«

»Na toll«, meinte Philipe und suchte seine Waffe, die er schließlich unter einem Auto liegend fand. Er steckte sie zurück in das Holster und klopfte zweimal auf seine Jacke. »Dann mal nichts wie los! Ich hoffe, die wissen noch, wer wir sind.«

»Für sie hat die Reise nur einen Augenblick gedauert.«

»Ja, aber für uns nicht. Sieh dich doch mal an. Also ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie du als Junge ausgesehen hast. Sag, ist das Blut zwischen deinen Beinen?«

»Ja, die Frau hat mir die Stöcke zwischen die Beine geschlagen. Und ich glaube schon, dass sie noch wissen, wer wir sind.«

»Ja klar. Das können die alles feststellen mit ihren Methoden. Ich hoffe nur, dass sie mich auch von meiner Krankheit befreien können. Dass sie zurückgekommen sind, kam keinen Augenblick zu früh. Wir müssen schleunigst dort hin.«

Robert schaute in den Himmel, wo eben noch der Lichtstrahl zu sehen gewesen war. »Wenn die Basis plötzlich erscheint, wird das eine Menge Wasser verdrängen. Möglich, dass es eine Flutwelle gibt. Wir sollten erst einmal sehen, dass wir in das Landesinnere kommen. Möglichst schnell. Vor dort aus sehen wir weiter.«

Philipe sagte: »Dann nichts wie zum Auto!«

Robert schüttelte den Kopf. »Die Straßen werden überfüllt sein. Wir brauchen etwas Kleines und Schnelles. Ein Motorrad.«

Sie stiegen in das Auto und fuhren in die Stadt Carnac. Überall standen Menschen auf der Straße und schauten in den Himmel, aber es gab nichts mehr zu sehen. Der Lichtstrahl war eine einmalige Angelegenheit. Vor einer Bar erblickten Robert und Philipe zwei Motorradfahrer auf ihren Maschinen, die eine war eine blaue Yamaha R1. Die andere Maschine kannte Robert nicht. Die jungen Kerle hatten ihre Helme über den Unterarm geschoben.

»Die da!«, rief Robert und Philipe fuhr auf die beiden zu.

Der eine Mann auf dem Motorrad schrie: »Ey! Spinnst du, du Arschloch!«

Aber da hatte ihn Philipe schon auf der Motorhaube liegen. Sein Kopf knallte gegen die Scheibe, auf der sich ein langer Riss bildete. Sie stiegen aus und Robert sah auf das unter dem Auto liegende Motorrad. »Das ist nicht mehr zu gebrauchen.«

Der andere Mann saß immer noch auf seiner Maschine und schimpfte: »Habt ihr ’se nicht mehr alle?«

Philipe sagte: »Die Yamaha, die sieht noch gut aus«, zog seine Pistole und schoss dem Mann eine Kugel in den Kopf.

»Headshot, darauf steht ihr Kids doch.«

Robert kickte den toten Mann mit einem Fußtritt von der Maschine und sagte: »Los, aufsteigen. Wir fahren nach Paris. Das dürfte hoch genug liegen.«

»Das sind gute sechs Stunden Fahrt«, sagte Philipe und schob ein neues Magazin in seine Pistole.

»Nicht, wenn ich fahre«, sagte Robert und beschleunigte das Motorrad. Sie würden nicht bis nach Paris fahren müssen. Lediglich weit genug weg von der Küste. Robert raste durch die engen Gassen der Stadt. Dabei fragte er sich, warum die jungen Männer so große Maschinen besaßen. Zum Brötchenholen waren sie etwas überdimensioniert. Sie fuhren auf die kurvige Landstraße und Robert gab noch etwas mehr Gas. Es dauerte nicht lange und Philipe schlug seinem Freund auf den Rücken. Er wurde langsamer.

»Wir brauchen Helme, das hält ja keiner aus!«

Robert nickte. Es war zwar angenehm, den Fahrtwind zu spüren, aber überaus unangenehm bei Vollgas. »Gut, ich besorge uns welche.«

Er beschleunigte noch einmal und fand nach ein paar Minuten ein Pärchen auf einem anderen Motorrad. Er schloss auf und nun fuhren beide nebeneinander. Philipe zog seine Pistole und zielte auf den Vorderreifen. Ein Schuss und die beiden taumelten und überschlugen sich. Robert riss die Yamaha herum und bremste. Schnell rannten sie zu den beiden und nahmen ihnen die Helme ab. Sie hatten überlebt, aber die Frau hatte sich das Bein gebrochen. Ihr Unterschenkel zeigte in eine ungewöhnliche Richtung. Der eine Helm hatte einen Riss.

»Hauptsache er hält den Wind ab«, meinte Philipe und reichte Robert den größeren Helm. Er selbst probierte den kleineren. »Ist zu eng!«

Robert legte beide Hände oben auf und drückte mit aller Gewalt nach unten. »Na bitte, passt doch«

»Ja, aber bestimmt bekomme ich den nachher nicht mehr ab. Der drückt an der Seite!«

»Nicht meckern. Aufsteigen!«, rief Robert durch das Visier und beide sprangen wieder auf die Maschine. Mit dem Helm war es deutlich angenehmer. Robert schaltete wieder die Gänge hoch und die beiden flogen über die Landstraße. Wenn er konnte, fuhr er auf der linken Seite. Aber gelegentlich überholte er auch auf dem Standstreifen. Nach einer halben Stunde fuhr Robert rechts ran und bremste. Er stieg von der Maschine ab und schüttelte seine Arme.

»Ist was?«, fragte Philipe.

»Das ist verdammt anstrengend. Jetzt bist du dran.«

»Ja, ich bin ohnehin der bessere Fahrer.«

»Ich weiß. Dann zeig mal, was du kannst.«

Sie stiegen wieder auf und nach wenigen Minuten spürte Philipe, wie sich sein Freund fester und fester um seinen Bauch klammerte. Der Motor heulte unter der Dauerbelastung. Vielleicht war er kein besserer Fahrer, aber auf jeden Fall schneller. Sie fuhren auf die Autobahn und drängten sich durch eine gerade offene Mautschranke. Die Polizei brauchte einen Moment, bis sie reagierte. Aber da war es schon zu spät. Die beiden rasten davon und waren nur noch zu erahnen. Sicherlich hätten sie sich ein paar Kilometer weiter mit einer Polizeisperre konfrontiert gesehen, aber just in diesem Moment kam die Durchsage im Radio, die dazu führte, dass die Polizisten ganz andere Probleme hatten, sofern sie sich nicht um ihr eigenes Leben Gedanken machen mussten. Robert hatte Recht behalten. Mit dem Motorrad kamen die beiden sogar weiter, wenn die Autos fast die gesamte Straße blockierten.

Die Welle blieb weit hinter ihnen. Sie sahen nicht mal einen Tropfen.

»Ich denke, das reicht. Wir sind weit genug«, rief Robert.

Philipe fuhr auf den Seitenstreifen.

»So, jetzt geht es in die andere Richtung.«

»Und dann? Wir brauchen ein Boot, um dort hin zu kommen.«

»Ja und?«

Robert meinte: »Ich vermute, dass die Boote an der Küste nicht mehr zu gebrauchen sind. Die Welle dürfte alles zerstört haben. Und die kleinen Dinger, die hier auf den Flüssen fahren, sind kaum seetauglich; außerdem würde es zu lange dauern.«

»Dann müssen wir uns etwas anderes überlegen. Kannst du dich noch daran erinnern, wie wir damals das erste Mal zur Küste geflogen sind? Wir sind doch vorhin an einem kleinen Flughafen vorbeigefahren. Das wäre doch auch möglich. Ich bin schon lange nicht mehr geflogen.«

»Wenn du das noch kannst.«

»Natürlich. Los, steig wieder auf!«

Nach ein paar Minuten kamen sie an dem kleinen Flugplatz an. Philipe hielt vor dem Zaun, der oben mit einer Stacheldrahtkrone versehen war.

»Da rüber?«

»Nein, wir gehen durch den Haupteingang.«

Der Mann am Schalter sagte: »Hallo, meine Herren. Wir haben geschlossen. Niemand darf mehr starten. Wir fertigen nur die kleineren Flugzeuge ab, die noch in der Luft sind.«

»Okay«, sagte Philipe und schoss dem Mann in die Brust. »Aber bei uns werden Sie sicher eine Ausnahme machen.«

Draußen auf dem Rollfeld herrschte noch reger Betrieb. Viele Privatleute in teuren Anzügen und mit Pilotenkoffern rannten umher und fragten sich gegenseitig, was genau passiert war. Einige waren wütend, weil sie ihre Termine nicht einhalten konnten. Niemand wusste, warum die Maschinen landen mussten. Eine kleine Cessna war gerade heruntergekommen und auf dem Weg zur Parkposition.

»Die sieht gut aus!«

Der Pilot stieg aus und fluchte. Man konnte nicht viel verstehen bei all dem Lärm auf dem Flughafen, aber die ausgeprägten Adern auf seiner Stirn grenzten die möglichen Wörter sehr stark ein. Der Mann sah Philipe und Robert und ging auf die beiden zu. »Könnt ihr zwei mir sagen, was hier los ist? Die spinnen doch! Einmal in der Woche bin ich unterwegs und ausgerechnet da wird der Luftraum gesperrt. Weswegen überhaupt? Was soll der Mist?«

Robert sah, wie sein Freund zur Waffe greifen wollte, legte ihm schnell die flache Hand auf die Brust, um dies zu verhindern, und sagte zu dem Mann: »Ein riesiges Raumschiff ist gelandet und deshalb wurde der Luftraum gesperrt. Es ist zu Ihrer eigenen Sicherheit.«

»Was? Wo?«

»Im Atlantik.«

»Da fliege ich doch gar nicht lang, verdammt noch mal. Wer ist dafür verantwortlich?«

Robert sagte nur: »Sie müssen sich sofort zum Schalter begeben. Alle Piloten sollen sich melden.«

Für einen Moment sagte der Mann nichts und schaute sich nur die Gesichter der beiden an. »Okay, aber wenn das nicht wahr ist, verliere ich nicht nur den Deal, sondern ihr beide auch euren Job.« Wütend stampfte der Mann mit seinem Koffer davon, während Robert Philipe aufforderte, in das Flugzeug zu steigen. Als sich der Mann noch einmal umdrehte, um sich nach der Nummer des Schalters zu erkundigen, schloss sich gerade die Luke.

»Hey! Kommt da sofort raus!« Der Mann rannte auf das Flugzeug zu, aber die Motoren starteten bereits. Mit voller Wucht warf er seinen Pilotenkoffer dagegen und schrie: »Raus da, ihr verdammten Kerle!« Aber es war zu spät.

Im Flugzeug fragte Philipe: »Wieso durfte ich ihn nicht einfach abknallen?«

»Weil da zu viele Leute waren, du Schwachkopf! Die haben hier ihre eigene Polizei. Ich habe keine Lust, mir in letzter Sekunde deinetwegen eine Kugel einzufangen.«

3 Wasser

Zusammen mit den anderen sah Daniél die gigantische Welle. Wie eine schwarze Wand baute sie sich vor ihnen auf. Und sie wurde begleitet von einem tosenden Geräusch, das den Boden erzittern ließ. Erst als jemand kreischte, zuckte Daniél zusammen und rannte davon. Aber es war sinnlos. Er wusste jedoch nicht, was er sonst hätte tun sollen. Vor ihm war der Kanal, der sicherlich ein paar Meter in die Tiefe ging. Hinter ihm näherte sich die todbringende Welle. Er rannte und rannte. Immer weiter auf den Graben zu. Auch alle Autofahrer um ihn herum gaben Vollgas, aber keiner war so schnell wie das Wasser. Als Daniél den Graben erreichte, sprang er, obwohl er wusste, dass er die andere Seite nicht erreichen würde. Als er in der Luft war, rauschte ein Teil der Welle unter ihm her, verfing sich im Graben und schoss wieder nach oben. Mit voller Wucht wurde er erfasst und in den Himmel geschleudert. Jedenfalls kam es ihm so vor. Während Menschen, Tiere und Autos verschluckt wurden, wurde Daniél getragen wie ein Surfer. Um ihn herum trieben Autos, Häuserdächer und ein paar Leichen. Daniél schlug wild mit den Armen um sich. Dann wurde er in die Tiefe gezogen. Man konnte nichts sehen. Er verlor sofort das Gefühl von oben und unten, weil das Wasser ihn wie wild herumwirbelte. Absolute Dunkelheit umgab ihn. Er schluckte Wasser und es schmeckte widerlich. Das Rotieren hörte auf und er trieb wie ein schwereloser Astronaut. Panisch begann Daniél zu schwimmen, obwohl er nicht wusste, ob die Richtung stimmte. Es wurde nicht heller. Etwas berührte ihn am Fuß und er zuckte zusammen. Vielleicht eine der Leichen. Sehen konnte er nichts mehr, weil seine Augen brannten und er sie schließen musste. Bestimmt war er schon mehrere Meter unter der Wasseroberfläche. Mit der Geschwindigkeit der Welle konnte er es niemals aufnehmen. Dennoch schwamm er wie ein Verrückter. Er erinnerte sich plötzlich an die Geschichte von den zwei Fröschen, die in der Milch schwammen. Der eine ertrank, weil er aufgegeben hatte. Der andere überlebte, weil sich durch das Paddeln die Milch in Butter verwandelte. Damit konnte er hier wohl nicht rechnen. Aber Aufgeben war keine Option. Das war die Moral, die er aus der Fabel herausholte. Weiter schwimmen! Aber das ging nicht ewig. Seine Kräfte verließen ihn und vor allem wurde die Luft knapp. Erneut schluckte er Wasser. Gleich würde er ertrinken. Scheiß Frosch, dachte er.

Mit unerwarteter Wucht traf ihn etwas Großes am Rücken und riss ihn mit sich. Daniél konnte fühlen, dass es aus Plastik war. Er wurde beschleunigt und raste mit dem Ding nach unten. Da half auch kein Schwimmen mehr. Es würde ihn in die Tiefe zwingen und das war sein Ende. Plötzlich war er an der Luft. Offensichtlich war das, was er für unten gehalten hatte, oben. Er atmete tief ein und verschluckte wieder etwas von dem spritzenden Wasser. Tosender Lärm umgab ihn. Das Ding, das ihn mitgerissen hatte, war ein ziemlich großer Plastikbehälter. Daniél suchte nach einer Möglichkeit, sich fest zu halten. Noch einmal wollte er diese Tauchfahrt nicht machen. Am Einlassstutzen fand er eine Möglichkeit, es war jedoch nicht einfach. Der Behälter drehte sich und Daniél hing darunter im Wasser. Wie eine Schiffsschaukel baumelte das Ding hin und her, sodass er in fast regelmäßigen Abständen Luft holen konnte. Wenigstens befand er sich nicht mitten in der Welle. Als er wieder einmal auftauchte, sah er einen großen Balken auf sich zukommen. Er konnte sich gerade noch zu Seite drehen, wurde aber dennoch am Hinterkopf getroffen. Der Balken war mindestens 3 Meter lang und durchbohrte den Behälter. Für ein paar Sekunden wurde ihm schwarz vor Augen und er tauchte erneut unter Wasser. Als er wieder klar war, sah er das Loch: Der Behälter füllte sich. Ein Pochen am Hinterkopf machte sich bemerkbar. Sicherlich blutete er sehr stark, aber darum konnte er sich jetzt nicht kümmern. Das Loch weitete sich und plötzlich riss der Behälter auseinander. Ein paar Sekunden konnte er sich noch über Wasser halten, dann versank Daniél erneut in den Fluten. Wieder in der dumpfen Dunkelheit. Er wollte schon wieder seine Augen schließen, als er ein Licht sah. Es waren sogar zwei Lichter: Ein Auto. Schnell schwamm er darauf zu. Auch im Innenraum brannte Licht und Daniél konnte erkennen, dass sich eine Luftblase gebildet hatte. Das war also oben. Er tauchte auf die andere Seite und öffnete die Tür. Dadurch floss etwas Wasser herein, aber die Luftblase blieb erhalten. Er schob die erschlafften Airbags zur Seite, schwamm hinein und schloss die Tür hinter sich. Die feuchte Luft tat gut. Im schwachen Schein des Lichtes sah er auf der Rückbank einen Mann liegen, der sich in den Gurten verfangen hatte und damit wohl stranguliert worden war. Immer wieder drehte sich das Auto und Daniél kletterte von einer Seite auf die andere. Dann ging das Licht aus, was die Suche nach der sich bewegenden und kleiner werdenden Luftblase deutlich erschwerte. Jetzt musste er auf die Rückbank zu der Leiche. Er hatte das Gefühl, dass die Hand des Toten ihm in sein Gesicht fasste. Langsam musste er sich Gedanken machen, was er tat, wenn die Luftblase vollständig verschwunden war. In der Dunkelheit war es unmöglich die Stelle zu finden. Panisch tauchte er hin und her. Er musste atmen. Der erschreckende Gedanke kam, dass es vielleicht gar keine Luftblase mehr gab. In diesem Fall musste er so schnell es ging aus dem Wagen. Verzweifelt suchte er eine Tür. Plötzlich spürte er einen Ruck. Der Wagen war gegen irgendetwas geprallt. Dann sah er Licht und wurde geblendet. Durch die Frontscheibe fiel das Sonnenlicht.

Die Welle hatte das Auto in Richtung eines kleinen Hügels getragen und nun war Daniél wieder an der Oberfläche. Der Wagen lag auf dem Kopf. Daniél fand die Tür und zwängte sich mit letzter Kraft ins Freie. Er stand immer noch bis zu den Oberschenkeln im Wasser, aber er konnte den Hügel noch ein wenig emporsteigen. Das Rauschen dröhnte in seinen Ohren. Dort oben war schon alles verwüstet. Wahrscheinlich wurde die Welle schon wieder kleiner. Er sank auf die Knie und blickte sich um. Die nasse Kleidung klebte an seinem Körper. Er zog sein tropfendes Handy aus der Tasche. Es funktionierte nicht mehr, dennoch steckte er es aus Gewohnheit zurück in seine Hosentasche. Der Jeep wurde erneut von den Fluten erfasst und fortgerissen. Daraufhin stieg Daniél noch ein wenig höher. Als er ganz oben angekommen war, schaute er sich um.

Er war umgeben von Wasser und seine Insel war winzig. Die Fluten eilten immer noch in Richtung Landesinnere. Diverse Gegenstände rauschten an ihm vorbei. Dort war ein Teil eines Häuserdaches. Es fiel immer mehr auseinander. Daniél sah viele Bäume und auch viele Autos in der schwarzen Brühe. Hier und da schauten Körperteile aus dem Wasser und schossen an ihm vorbei, bis sie in der Ferne verschwanden. Der Pegel sank. Auch die Fließgeschwindigkeit verringerte sich. Es wurde immer leiser, bis das Wasser fast erstarrte und alles um ihn wie ein ruhiger Tag auf dem Meer aussah. Wie friedlich auf einmal alles wirkte. Dann drehte sich die Richtung des Wassers um. Als ob der Film nun rückwärts erneut abgespult wurde. Auch die Windrichtung änderte sich. Da vorne kam der Jeep zurück, der ihm das Leben gerettet hatte. Es konnte allerdings auch irgendein völlig anderes Auto sein. Zwar war er erschöpft, aber dennoch richtete er sich auf und schaute fasziniert zu. Das war alles so unglaublich. Der leichte Wind blies ihm ins Gesicht. Dann wurde etwas vor seine kleine Insel gespült. Das war ein Mensch! Vorsichtig näherte er sich und zog die Person etwas weiter nach oben. Es war eine kräftig gebaute Frau, ihr Gesicht zeigte nach unten. Als er sie umdrehte, musste er sich fast übergeben. Sie blutete überall und aus ihrem Mund quoll verdrecktes Wasser. Die Augen waren weit geöffnet. Es war so widerlich und für einen Moment dachte er daran, sie einfach wieder in die Fluten zu werfen. Aber das war mittlerweile schon gar nicht mehr so einfach, weil der Pegelstand drastisch zurückging. Seine Insel wurde immer größer und nach und nach konnte man auch andere Hügel sehen.

Er war allein. Auf einer Briefmarke in der unglaublichen Weite. Allein mit dieser dicken toten Frau. Und sie war sicherlich nicht die einzige Tote. Wer konnte so etwas schon überleben. Ihm kam der schreckliche Gedanke, dass gleich noch weitere Leichen auftauchen würden.

Es dauerte noch eine Weile, bis die Flut vorüber war. Seine Hemd und seine Hose waren mittlerweile schon wieder trocken. Nicht überall war das Wasser vollständig abgeflossen. Er war umringt von unzähligen schwarzen Tümpeln. Daniél blickte auf die totale Verwüstung. Die Straßen waren unterspült oder fehlten sogar teilweise. Es lagen überall kleine Steinbrocken herum. Welche Kraft musste man aufbringen, um den Teer zu sprengen? In der Ferne sah er Bäume, die wie aufgereihte Streichhölzer aussahen. Sie hatten ihre kleinen Äste und natürlich alle Blätter verloren. Viele waren entwurzelt und lagen traurig auf der Seite.

Ihm selbst ging es nicht anders, dachte er. Sein Haus war sicherlich nichts weiter mehr als eine lose Steinsammlung. Bestimmt hatte nur der blöde Fernseher überlebt. Das Ding war ja nicht kaputt zu kriegen. Und er hatte sich Gedanken um den Garten gemacht. Welchen Garten? Dort war jetzt alles wieder so, wie es kurz nach dem Urknall ausgesehen haben musste.

»Los! Weiter!«, sagte er zu sich selber. Etwas in ihm fragte, wohin? Ohne Ziel war es schwer, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Der Spruch »Überall ist es besser als hier« half ihm auch nicht, weil soweit er schauen konnte, alles genauso aussah, wie auf seinem Hügel. Er setzte sich auf den Boden. Eigentlich war es mehr ein ernüchtertes Fallenlassen. Alles, was er noch hatte, war sein Leben und das, was er am Leibe trug.

»Du hast es hinter dir«, sagte er zu der toten Frau und umarmte seine angezogenen Beine. Die Stille war bemerkenswert. So etwas hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Immer hatte wenigstens irgendein nerviger Vogel gezwitschert oder irgendwo war eine Auto-Alarmanlage losgegangen. Aber hier war gar nichts. Und über der Stille lag ein modriger Geruch. Alles war so trostlos. Die Sonne brannte auf ihn herab. Regen hätte noch gefehlt. Aber der Himmel war wolkenlos und Daniél spürte die heißen Sonnenstrahlen an seinem Nacken. Mit einer Hand verdeckte er den Bereich zwischen Hemd und Haaren. Noch einmal schaute er sich um: Er war weit und breit der Einzige, der überlebt hatte. Das bedeutete, dass er verdammtes Glück gehabt hatte. Wahrscheinlich war es nicht sehr schlau, hier einfach sitzen zu bleiben und auf einen Hubschrauber oder etwas in der Art zu warten. Irgendwie hatte er auch Hunger. Und wenn er noch weiter in der Sonne sitzen würde, käme sicherlich noch Durst dazu.

Beim Aufstehen warf er der toten Frau einen letzten Blick zu und dachte sich, dass man sie eigentlich begraben müsste, doch angesichts der vielen Opfer, die die Flut gefordert hatte, verwarf er den Gedanken schnell wieder und überließ die Aufgabe anderen Leuten. Er stieg die Insel hinab, die in Wirklichkeit ein kleiner Berg gewesen war und wanderte eine Weile durch die verwüstete Landschaft. Hier hatte es früher nur Felder und kleine Wälder gegeben. Die scharfen Begrenzungen waren nun vollständig verwischt. Alles, was von den Menschen an Land untereinander haarklein und millimetergenau aufgeteilt geworden war, hatte sich die Natur mit einem Schlag zurückgeholt. Jetzt gehörte es niemandem mehr. War es die Natur gewesen? Togan hatte von anderen Leuten gesprochen. Was genau die Ursache war, war den Menschen hier wahrscheinlich völlig egal. Sie hatten einfach alles verloren, was sie an Gütern besaßen. Immer wieder fand Daniél kleine Mulden, wo sich mehr Unrat und Trümmer angesammelt hatten als an anderen Stellen. Wo war er überhaupt? Das hier sah in etwa so aus wie die Gegend um Mériadec. Erst jetzt fiel ihm die Ähnlichkeit mit einem Nachnamen der Hobbits auf. Irgendwie passte das, weil er sich selber vorkam, wie ein kleiner Zwerg, der durch Mordor schlich. Nur allein. Ohne Samweis Gamdschie.

Vor ihm lag ein kleines Dorf. Das erkannte er daran, dass sich dort mehr Trümmer und zerbrochene Bretter befanden, als auf den Feldern, die er bislang überquert hatte. Vielleicht gab es dort Überlebende. Oder zumindest etwas zu trinken. Er ging etwas schneller und kam zu einer kleinen Mulde, in der sich allerlei Sachen angesammelt hatten. Ein großer silberner Kühlschrank, der halb in einer Pfütze schwamm, erregte seine Aufmerksamkeit. So einen hatte er auch in seiner Wohnung.

Gehabt.

Hastig befreite Daniél die Tür vom Schlamm. Als er die Tür öffnete, kam ihm noch ein wenig Wasser entgegen. »Wer sagt’s denn!«, rief er, als er eine Flasche Orangensaft fand. Auch diese war verdreckt, was ihn aber nicht weiter störte. Er schraubte den Verschluss auf und trank fast die halbe Falsche leer. Dann bemerkte er, dass hinter dem Kühlschrank zwei Leichen lagen. Daniél war kurz davor, sich zu übergeben. Es war wahrscheinlich ein Bauer mit seiner Frau. Die Kleidung deutete darauf hin. Vielleicht waren es aber auch Bankangestellte mit einem schlechten Gespür für Mode. Daniél nahm die Flasche mit und begab sich auf die Suche nach weiteren nützlichen Dingen. Er fand ein paar Kerzen. Sie waren dunkelrot und als Daniél daran roch, hatte er das Gefühl, als sei er in einen Himbeerstrauch gefallen. Egal. Mit einer halben Flasche Orangensaft und ein paar Duftkerzen bewaffnet ging er weiter, bis er etwas erreichte, das wie die ehemalige Hauptstraße wirkte. Die Fundamente und ein paar Grundmauern links und rechts deuteten darauf hin. Einige Gebäude waren sogar noch sehr gut erhalten. Andere Fachwerkhäuser sahen dagegen durch die stehengebliebenen Holzbalken aus wie instabile Baugerüste, die kurz davor waren zusammenzubrechen. Auf dem Boden lag eine große Damenhandtasche. Irgendwo musste er die Sachen, die er fand, aufbewahren. Also hob er sie auf und steckte die Flasche und die Kerzen hinein. Leider hatte die Tasche keinen Tragegurt, sodass er sie am langen Arm durch die Straßen trug. Kein Problem, solange ihn niemand sah.

Was er noch brauchte, war ein Feuerzeug oder ein paar Streichhölzer. Er hatte die Kerzen ja nicht wegen ihres betörenden Geruchs mitgenommen. Aber Daníel entschied sich dafür, hier nicht zu viel Zeit zu verschwenden, sondern zügig weiter ins Landesinnere zu gehen. Dann wurde die Stille von einem Kreischen durchbrochen. Zwei Militärflugzeuge donnerten über ihn hinweg.

»Hey! Hierher!«, rief er, aber das war natürlich sinnlos. Sie waren zu schnell. Und selbst wenn, landen konnten sie hier auch nicht. Dennoch schaute er den verblassenden Kondensstreifen noch lange hinterher. Alleinsein wurde scheinbar zur Gewohnheit für ihn. Wieso musste er auch in der Bretagne wohnen? Dieser Landstrich wies wie ein Zeigefinger in Richtung Atlantik und wurde natürlich als Erstes überflutet. Sein nächstes Ziel war Rennes. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Welle so weit gekommen war. Aber es war noch ein ganzes Stück bis dorthin. Bestimmt eine halbe Stunde mit dem Auto. Und zu Fuß? Etwas länger würde es schon dauern. Und ohne Straßenschilder oder elektronische Hilfsmittel war es wahrscheinlich, dass er an der Stadt vorbeilief. Irgendwo in dieser Richtung müsste das Leben wieder normal sein. Jedenfalls normaler als hier.

Nach ein paar Stunden war die Orangensaftflasche leer und etwas zum Anzünden hatte er immer noch nicht gefunden. Er lief über die trostlosen Felder. Als am Abend die Sonne verschwand, fühlte er, dass er sich den Nacken verbrannt hatte. Immerhin war er in die richtige Richtung gelaufen. Er brauchte eine Pause. Er sammelte ein paar Bretter und Äste zusammen und baute sich daraus einen provisorischen Lagerplatz. Es war alles andere als bequem. Er stellte die Handtasche mit den sinnlosen Duftkerzen neben sich und versuchte, zu schlafen. Sofort fiel ihm auf, dass es nicht mehr so ruhig war, wie am Tag. Unzählige Mücken schwirrten um ihn herum. In seiner Wohnung konnte ihm schon eine einzige den Schlaf rauben. Hier war es ihm scheißegal.

4 Der größte Senator

Aufmerksam hatte Iswo’od die Bilder verfolgt, die er von der Computerkugel bekommen hatte. Diese fliegenden Kisten mit den widerlichen Insekten in der Kanzel waren kein Problem. Man konnte sie einfach abschießen. Aber ab sofort war Vorsicht geboten. Vielleicht handelte es sich nur um eine Vorhut und die eigentliche Gefahr lauerte irgendwo hinter diesen verdammten Bergen. Iswo’od atmete tief ein und er spürte, wie seine Brust schwoll. Das war sein Element. All die Jahre ohne eigentliche Aufgabe waren vergessen. Hierin lag seine Bestimmung.

Er ließ seinen Blick entlang der Schlafkammern wandern. Einige waren immer noch nicht aufgegangen. Aber die Männer, die schon einsatzbereit waren, bildeten bereits eine beachtliche Gruppe. Der eine oder andere war noch benommen von dem langen Schlaf. Jeder verarbeitete die Kammern anders. Es würde aber nicht mehr lange dauern, bis alle zu ihrer alten Stärke zurückgefunden hatten. Iswo’ods Blick wanderte weiter zu den kleinen Kampfmaschinen. Sie waren bereits ausreichend, um die aktuelle Gefahr zu beseitigen. Aber er verfügte auch über zwanzig schwere Zerstörer, die es mit jedem aufnehmen konnten. Er vermutete sie irgendwo im hinteren Bereich des Hangars. Sehen konnte er sie von hier aus nicht. Es beruhigte ihn, als die Computerkugeln berichteten, dass sie fast startklar waren.

»Ihr beiden!«, brüllte Iswo’od.

Sofort eilten zwei Männer herbei.

»Waffen holen und mitkommen!«

Zu dritt verließen sie den Hangar. Der Senator wollte zu Segu’ur und Sche’ef. Auf dem Weg dorthin ging er eilig an den diversen Kunstwerken auf dem Flur vorbei, ohne ihnen viel Aufmerksamkeit zu schenken. Die Zeiten für Kunsthandwerker waren nun vorbei. Für Iswo’od herrschte Krieg. Wenn dort draußen ein Feind sichtbar war, gab es sicherlich weitere tausend unsichtbare. Er spürte, wie das Blut heiß durch seinen Körper lief.

»Öffnen!«, rief er der Tür entgegen.

Als er mit den beiden Männern eintrat, sah er die anderen Senatoren vor einem Modell der Basis stehen.

Sche’ef sagte: »Ah, gut, dass du da bist. Ich möchte auch deine Meinung zu der aktuellen Lage hören.«

Iswo’od betrachtete das schwebende Modell und erkannte auch die geheime Ebene mit seinen Soldaten. Er ließ seinen Blick zu Segu’ur wandern, der ihn fragend ansah. Die beiden Soldaten stellten sich neben die Tür. Iswo’od sagte: »Ich sage euch meine Einschätzung der Lage. Aber zunächst möchte ich euch davon in Kenntnis setzen, dass dieser Senat vorübergehend aufgelöst wird.«

»Was?«, schrie Segu’ur und Sche’ef sah ihn fragend an.

»Wie ihr wisst, obliegt mir im Falle einer militärischen Auseinandersetzung die volle Verantwortung.«

Sche’ef lächelte und sagte ruhig: »Diese kleine fliegende Maschine kann man wohl kaum eine ernsthafte Bedrohung nennen. Und von einer militärischen Auseinandersetzung ist mir nichts bekannt. Du bist recht schnell mit deiner Interpretation der Gesetze des Planetensenats. Der wiederum, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, derzeit nicht in unmittelbarer Nähe und somit nicht relevant ist.«

So langsam kochte es hoch in Iswo’od. Dieser Sche’ef machte ihm alles kaputt. Und seine Argumente waren besser als seine eigenen.

»Wir haben eine akute Bedrohung.«

»Nicht mehr.«

Iswo’od wiederholte: »Wir haben eine akute Bedrohung, weil wir nicht wissen, wie viele von diesen Dingen hier herumfliegen.«

Sche’ef schüttelte den Kopf. »Das kann man doch keine Bedrohung nennen, wenn ein einziger Schuss ausreichend ist, um diese Dinge zu zerstören.«

In diesem Moment blinkte das Modell der Basis und es wurden weitere insektenartige Flugmaschinen angezeigt.

»Na bitte!«, sagte Iswo’od. »So wie ich die Sache sehe, ist diese Zwischenwelt alles andere als ungefährlich. Hat irgendjemand daran gedacht, wie wir hier wieder herauskommen, falls es zu einer wirklich großen Gefahr für uns kommt?« Vor dem Verlassen des geheimen Hangars hatte Iswo’od den Befehl gegeben, die feindlichen Flugmaschinen zu zerstören. Daher wunderte es ihn nicht, dass nun seine Kampfjets durch die Luft schnitten und anschließend das Feuer eröffneten. »Für mich ist die Sache klar: Ab sofort habe ich hier das Kommando, bis jedwede Gefahr beseitigt ist.«

Sche’ef betrachtete ihn einen Moment und sagte dann: »Einverstanden.«

»Was?«, rief Segu’ur, der ihn daraufhin entsetzt ansah. »Das kann nicht dein Ernst sein.« Auch Iswo’od war überrascht, dass der andere Senator so einfach zustimmte. Dann sagte Sche’ef: »Was schlägst du also vor, das wir jetzt tun sollen?«

Das war es also. Er glaubte, dass Iswo’od nicht wüsste, was er nun tun sollte. Aber da hatte er sich geirrt. »Es gibt kein ›wir‹ mehr. Ich allein entscheide, was getan wird. Ihr seid aus dem Spiel. Zumindest, bis sich alles wieder stabilisiert hat.« Und er hoffte, dass es noch lange dauern würde. »Ich bin nur hier, um euch zu informieren. Der Rest liegt nun in meiner Hand.«

Mit diesen Worten verließ er das Quartier und trat wieder auf den Gang hinaus. Das war sehr gut gelaufen. Er spürte seine neue Macht förmlich. Nun musste er sich seine weiteren Schritte überlegen. Diese Zwischenwelt musste erforscht werden, damit man das Potential der Bedrohung abschätzen konnte. Hierüber wussten sie gar nichts. Der Einzige, der vielleicht ahnte, was hier vor sich ging, war Lo’on. Er war schon fast auf dem Weg dorthin, als er plötzlich zu seinen beiden Begleitern sagte: »Ich gehe jetzt in mein Quartier, und ihr bringt mir Lo’on. So schnell wie möglich! Du! Wie ist dein Name?«

»Tripti’on, Senator.«

»Du bist ab sofort meine rechte Hand.«

Delegieren war wichtig. Er konnte jetzt nicht mehr alles allein machen, befahl er sich, auch wenn er lieber überall dabei gewesen wäre. Dann begab er sich in sein Quartier, setzte sich auf das Sofa und wartete. Es dauerte nicht lange, bis die beiden Soldaten mit Lo’on zurückkamen. Aber er kam nicht allein. Ein kleiner Erdenmensch wurde von einem der Soldaten hinterher hergezogen.

»Der hier war auch in seinem Quartier!«, sagte Tripti’on.

Iswo’od hob die Augenbrauen und besah sich den fremden Jungen. Dann schaute er Lo’on an und fragte: »Wo kommt der her? Ist das der, der bei den Versuchen dabei war?«

»Ja«, antwortete Lo’on wahrheitsgemäß.

»Und was hattest du mit ihm vor?«

Es sah so aus, als wüsste Lo’on die Antwort darauf nicht. Und Iswo’od war es auch nicht so wichtig. Jetzt ging es um etwas anderes. Um den Erdenmenschen konnte er sich später kümmern. Daher sagte er: »Wir haben da draußen etwas gesehen. Und ich möchte von dir wissen, was es ist.«

»Was denn?«, fragte Lo’on. »Und wo ist ›da draußen‹?« Der Junge wirkte natürlich und unbefangen wie immer. Offensichtlich hatte er nicht begriffen, dass hier nun ein anderer Wind wehte.

»Hier stelle ich die Fragen!«

Der Erdenmensch hatte sich wohl mittlerweile daran gewöhnt, herumgeschubst zu werden. Er beobachtete trotzdem alles mit wachen Augen.

»Deine Zwischenwelt scheint doch nicht so ungefährlich zu sein, wie du angenommen hattest.«