Wer das Ende verrät - Tobias Sommer - E-Book

Wer das Ende verrät E-Book

Tobias Sommer

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Beschreibung

Cruxdorf, eine Kleinstadt an der Grenze zu Dänemark, in der man die Nordsee riechen kann. Hier betreibt Moritz Wendtal seine Buchhand­lung. Früher war in dem Haus die Apotheke un­tergebracht. Und sind Bücher nicht auch eine Art Medizin? Wendtal hat für alle die passende Lek­türe parat. Wegen seiner Phantasie und Kombi­nationsgabe wenden sich viele Schreibende hilfe­suchend an ihn – und neuerdings auch Heinrich Uhlen, der stets überforderte Dorfpolizist. Denn bei Gerhard Brix, dem Bürgermeister, ist einge­brochen worden. Gestohlen wurde nichts, aber das Wohnzimmer verwüstet, und am Schrank hängt, wie eine blutige Drohung, eine Konserve Tomatensaft, aufgespießt mit einem Jagdmesser. Und was hat es mit dem mysteriösen Gedicht im Briefkasten der Familie auf sich? Wäre Wendtals Neugier nicht längst geweckt – Heinrichs dilet­tantische Ermittlungen könnte er sich nicht länger mit ansehen. Er geht den rätselhaften Geschehnis­sen in Cruxdorf selbst nach.

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Seitenzahl: 237

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Tobias Sommer

Wer das Ende verrät

Kriminalroman

Oktopus

»Man sieht dir nicht an, dass du mehr siehst als alle anderen.«

 

(J.K., Autorin von mehreren historischen Romanen über das 16. Jahrhundert)

Die letzte Feier des Jahres

Die Sirene der Feuerwehr dröhnte über die Hauptstraße in Cruxdorf. Das Geheul breitete sich in alle Himmelsrichtungen aus. Jeder konnte den Alarm hören. Aber es brannte nirgendwo, es war auch kein Ast in der großen Landvermesserstraße auf die Fahrbahn gefallen, und es musste auch keine der vielen Katzen von einem Dach oder aus einer Baumkrone gerettet werden. Die Sirene heulte auf, einzig und allein, damit endlich alle Cruxdorfer die Schnapsgläser in die Luft strecken und anstoßen konnten. Selbst die Kinder prosteten sich mit Brause in bunten Plastikbechern zu.

Wenn jemand starb, kamen alle ins Gemeindehaus, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Und wie es sich für die Cruxdorfer Gemeinschaft gehörte, wurde dann ausgiebig gefeiert. Lennart, der Postbote und Dorf-DJ, spielte Musik, Bernhard Brix, der Bürgermeister, den sie »Brixmeister« nannten, hielt eine seiner berüchtigten Reden, und es gab Butterkuchen und später Fischbrötchen oder Bratwurst, dazu das selbst gebraute Dorfbier und den illegal gebrannten und umso beliebteren Küstenschnaps.

Heute stießen sie auf einen über siebzig Jahre alt gewordenen Dorfbewohner an. Auf Gustav Claussen, Seniorchef von Claus & Söhne, der vor einer Woche überraschend verstorben war. Wobei es für einige dann doch nicht so überraschend gewesen war.

»Irgendwann musste es ja mal passieren«, sagte Lennart an diesem Nachmittag mehrmals und berichtete, wie Gustav bei Führungen mit der Grundschule oder auf den jährlichen Werksbesichtigungen durch die Hallen der Konservenfabrik auf die meterhohen Regale gesprungen war und sich eine Dose vom obersten Regalbrett geschnappt hatte, um zu zeigen, wie gelenkig er noch war.

»Das macht unsere gute Nordseeluft. Die hält jung und fit. Etwas überheblich war Gustav aber schon«, sagte Rico Hamann, der Gemeindearbeiter und Getränkewart der Feuerwehr. »Dass der alte Claussen irgendwann von einem der Regale stürzt und …«

»Warte …«

Rico wurde vom Brixmeister unterbrochen, der am Ende der langen Tafel stand und mit einer Kuchengabel gegen sein Bierglas schlug.

»Liebe Dorfgemeinschaft, man soll die Feste ja feiern, wie sie fallen. Obwohl es heute ein trauriger Anlass ist. Vor einer Woche hat unser Freund Gustav Claussen uns verlassen. Der Tag hat so schön begonnen. Windstärke 8. So lieben wir es doch. Die Laubbäume haben ein wenig geschwankt, und auf der Nordsee waren erste Schaumköpfe zu sehen. Im Radio soll sogar gewarnt worden sein. Doch eine Sturmwarnung ist für einen Cruxdorfer keine Warnung. Dann rücken wir eben noch enger zusammen, ziehen die Mützen tiefer und atmen die beste Luft der Welt ein. Hauptsache, die Dachziegel fliegen nicht von den Häusern. Ich habe die Meeresbrandung gehört und gedacht, solche Tage lieben wir hier.« Er hielt kurz inne, ehe er fortfuhr: »Tja, und dann muss es passiert sein.«

Er nahm einen kurzen Schluck vom Bier und überlegte, ob er das, was ihm der Polizeichef erzählt hatte, in seine Rede einbauen sollte. Denn Egon Zimmermann hatte nicht mit Details gespart. Das zwei Meter fünfzig hohe Regal war samt Hunderten von Tomatenkonserven auf Gustav gestürzt, und laut Zimmermann hatten sich die Metallkanten des Regals wie die Klinge einer Axt in Gustavs Genick geschlagen. Zimmermann hatte die weit aufgerissenen Augen und das sanfte Lächeln in Gustavs Gesicht gesehen. Der leblose Körper hatte in einer riesigen roten Pfütze gelegen, eine Lache, von der niemand unterscheiden konnte, ob es Blut oder Tomatensoße war.

Brixmeister räusperte sich. »Was soll ich sagen, der Wind trägt ja nicht nur die gute Laune und die gesunde Luft in unser wunderschönes Dorf, sondern auch den Tratsch in Windeseile durch alle Gassen.« Er lachte und zwinkerte einer älteren Dame zu, die zusammen mit fünf weiteren Frauen an einem Ecktisch saß, auf der Tischdecke ein Wimpel mit der Aufschrift Hildes Kulturstammtisch. »Gustav war ein toller Freund, den ich sehr vermissen werde.« Er hob sein Bierglas. »Aber das wissen wir, eines wollte Gustav ganz sicher, dass die Cruxdorfer Gemeinschaft heute anständig feiert.«

Alle stießen mit ihren Getränken an.

Sie tranken, tratschten und lachten bis in den späten Abend hinein. Sie gedachten mit schönen, traurigen und lustigen Geschichten dem Verstorbenen, ohne zu wissen, dass der alte Seniorchef sie noch lange mit schlaflosen und im wahrsten Sinne des Wortes heißen Nächten beschäftigen würde.

Niemand ahnte, dass in diesem Moment jemand am Ortsrand auf einem Hochsitz saß und die Feierlichkeiten aufmerksam verfolgte. Die fremde Person hatte das hell erleuchtete Gemeindehaus im Visier. Sie war kein Jäger, obwohl sie auf der Jagd war. Sie trug kein Jagdgewehr, obwohl sie wie im Anschlag dort oben saß. Die Person hockte auf drei Benzinkanistern und wartete geduldig. Auf dem Schoß ein altes Funkgerät, das aussah wie aus einem alten Kriegsfilm.

Die Äste knackten bedrohlich. Die fremde Person wusste, dass der Sturm jeden Funkspruch wie einen Papierdrachen zerpflücken würde. Der Empfang war wie vor einer Woche äußerst schlecht. An dem Tag, an dem Gustav Claussen gestorben war, hatten nur wenige Cruxdorfer die Sturmwarnung hören können. Aber die Person auf dem Hochsitz hatte die Hoffnung nicht aufgegeben, dass an jenem Tag der eine oder andere geübte Hobbyfunker neben Meldungen der Feuerwehr und anderen Funkdurchsagen auch ein sehr merkwürdiges Geräusch registriert hatte. Ein Poltern und Klackern.

Die fremde Person blickte zum Gemeindehaus und bildete sich ein, sie könne das Lachen und Gegröle hören. Sie drückte auf einen roten Knopf am Mikro.

»Liebe Gemeinde, eure Gastfreundschaft ist über die Grenzen hinaus bekannt. Ich bedanke mich, dass ihr mir die Tür so selbstlos geöffnet habt. Ich habe euch auch etwas mitgebracht. Wer von euch es verloren hat, wird es spüren. Sein schlechtes Gewissen wirft man doch nicht so achtlos fort. Sehr bald wird auch der Letzte es begreifen.«

Die Person auf dem Hochsitz grinste, auch wenn sie wusste, dass vermutlich niemand den Funkspruch gehört hatte.

»Noch ist es nicht vorbei«, flüsterte sie. »Der letzte Schnaps ist noch nicht getrunken, das letzte Fleisch auf dem Grill noch nicht verkohlt, die letzte Geschichte noch nicht erzählt. Ja, die Feier ist noch lange nicht vorbei.«

Die Buchhandlung Wendtal

In der Buchhandlung Wendtal roch es, wie es in einer Buchhandlung riechen musste. Nach Büchern und Papier, im besten Fall nach Menschen, die in Büchern blätterten, nach Neugierde und Leben. Wendtal liebte es, und besonders liebte er den Geruch von alten Büchern.

»Das Papier lebt«, sagte er gern, wenn er ein antikes Buch in den Händen hielt, oder eines von seinen Lieblingen, die es geschafft hatten, jahrelang auf den richtigen Käufer zu warten. »Man hört es förmlich atmen, kompostiertes Holz, das in der Tat nach Vanille riecht, wie eine geöffnete Tüte Vanillezucker.«

Einige behaupteten aber auch, dass es in Wendtals Buchhandlung nicht nach Papier, sondern noch immer nach Medizin roch. Denn dort, wo jetzt Bücher zum Verkauf angeboten wurden, hatten früher kleine Flaschen und Pillendosen gestanden. Das Gebäude war im ersten Leben acht Jahrzehnte lang die Dorfapotheke gewesen. Die gusseiserne Waage auf einem der Regale erinnerte noch heute an das Geschäft mit den Heilmitteln.

Wendtal mochte den Gedanken, dass an diesem Ort nun »seine Medizin« verkauft wurde. Er war Buchhändler aus voller Überzeugung und glaubte, ein gutes Buch könne keine Krankheit heilen, mit Sicherheit aber die eine oder andere Wunde.

***

Es war der 20. November und für Moritz J. Wendtal bereits der erste Frühlingstag. Nicht draußen, da herrschte noch winterliches Frostwetter. Im kleinen Lager stapelten sich bereits die Kartons mit den ersten Frühjahrsnovitäten. Er hatte vor Wochen die Auswahl getroffen, welche Bücher es in seine Buchhandlung schaffen sollten.

Wendtal war nicht nur in dieser Hinsicht sehr eigen, er ließ sich nicht von Werbekampagnen und Verkaufsangeboten leiten, zum Leidwesen vieler Vertreter. Bei ihm fanden die Kunden natürlich die angesagtesten Bestseller und Spitzentitel, allerdings eingereiht in den Regalen. Auf den Büchertischen mit Beschriftungen wie Wendtals Werkstücke oder Wenn Sie nur ein Buch im Jahr lesen, dann sollte es einzigartig sein befand sich das, was Wendtal für gut und wichtig hielt, das, was er den Kunden ans Herz legen wollte, seine Kriterien richteten sich nicht nach Erscheinungsterminen und Verkaufszahlen, er hatte andere Maßstäbe.

Der große Schlüsselbund mit dem Hauptschlüssel und dem goldenen L kreiste um Wendtals Zeigefinger. Er schob seine Brille zurecht. Das Drahtgestell, das zwei große runde Gläser einschloss, war so dünn, als hätte er es selbst aus Büroklammern gebogen.

»Damit kommen Ihre strahlend blauen Augen noch besser zur Geltung«, hatte seine Optikerin gesagt. Sie wollte ihm weitere Modelle zeigen, doch er hatte abgewunken und beteuert, dass er so freundlichem Fachpersonal blind vertraue, und die Brille gekauft.

Die Frau war nie in seinem Buchladen gewesen, sonst hätte er ihr das Buch eines Nobelpreisträgers empfohlen. Die Stadt der Blinden1. Nicht weil er es witzig fand, einer Optikerin einen Roman über eine Stadt anzubieten, in der die Menschen plötzlich erblindeten, eher glaubte er, dass sie weder naiv noch nur lustig war, wie im Dorf erzählt wurde, er hielt sie vielmehr für eine nachdenkliche und intelligente Frau. Ihm fiel so etwas sofort auf, weil er überzeugt war, gute Buchhändler sollten auf ihre Mitmenschen achtgeben.

 

Wie jeden Tag brauchte Wendtal einen Moment, bevor er die Türen für seine Kunden aufsperrte, um vorher mit einem Rundumblick alles zu kontrollieren. Als wäre die Buchhandlung eine Theaterbühne, als wären die Bücher Hauptdarsteller einer opulenten Inszenierung. Sind alle auf Position? Ist das Licht eingestellt? Liegen die Requisiten am Platz? Er war auf das Wesentliche konzentriert. Überhaupt wirkte er häufig gedankenverloren und wortkarg. Menschen, die die Buchhandlung zum ersten Mal betraten, trauten ihm selten zu, dass er ein hervorragender, für viele sogar der beste Buchhändler war. Freunde und Stammkunden wussten, Wendtal, der Cruxdorfer mit der wirren Frisur, die so zottelig war, als wäre er gerade aus dem Bett gestiegen, dieser Buchhändler, der auch im Winter T-Shirts mit schlauen Statements trug und bekannt für seinen scharfsinnigen Humor war, war nicht wortkarg, im Gegenteil. Viele Kunden besuchten die Buchhandlung nur, um mit ihm über Bücher und über das Leben, über große Literatur und über den Dorftratsch zu plaudern. Wendtals ehrliche, kluge Meinung zählte, nicht nur in Cruxdorf.

Er zog die Gardinen aus dickem Filz wie einen Theatervorhang zur Seite und schloss die Haupttür auf. Den Eingang der Buchhandlung Wendtal in Cruxdorf, der einzigen in dieser beschaulichen Gemeinde. Seine Mutter hatte sie vor dreißig Jahren eröffnet. Nun lebte sie mit einem Schweizer Hotelbesitzer im Luzerner Bergland.

Für Wendtal war immer klar, dass er nie in eine größere Stadt, nie woanders hinziehen würde. Er war sicher, dass auch kaum ein anderer Dorfbewohner Cruxdorf ohne Grund verlassen würde. Wer hier einmal sein Zuhause gefunden hatte, würde es nie wieder aufgeben. Davon war er überzeugt, obwohl er die Gründe dafür gar nicht benennen konnte. War es die Nähe zum Meer? Der wunderbare Geruch, der überall spürbar und sogar sichtbar war? Die salzhaltige Luft setzte der Farbe der vielen Holzhäuser so stark zu, dass bei den Nordseewinden gelegentlich Farbpartikel wie Glitzerschnee über die Gärten und Straßen segelten. Das störte niemanden im Dorf. Die Bewohner freuten sich darüber, so wie sich andere über den Sommer freuten, sie freuten sich über die Winde, die von der Nord- bis zur Ostseeküste fegten. »Die steife Brise« war das Markenzeichen dieser Region, und für die Cruxdorfer war sie wie ein Durchatmen, mit dem man das Gefühl von Glück und Heimat bis tief in die Herzkammern einsog.

Es existierte wohl kaum ein Reiseführer, in dem der Name Cruxdorf auftauchte. Einige Touristen gab es aber doch, die auf dem Weg nach Dänemark die Autobahn und den Lkw-Verkehr vermeiden wollten und über die Landstraßen fuhren und so durch Cruxdorf kamen. Doch selten hielt jemand an. Die wenigen, die dennoch stoppten und Ralles Zeitschriftenladen, die Bäckerei Küstenkorn oder Gabys Imbiss aufsuchten, fuhren danach mit einer vom Nordseewind durchwehten Frisur und immer mit einem Lächeln im Gesicht weiter.

Heute begann die Woche wie jede andere: ohne Kunden. Da Cruxdorf nur knapp dreitausend Einwohner hatte und auch in den umliegenden Dörfern nicht viele potenzielle Kunden lebten, musste Wendtal um jeden einzelnen Leser kämpfen. Das tat er mit Leidenschaft und mit eigenen Vorstellungen von einer »richtig guten Buchhandlung«.

Die erste Person, die heute in den Laden kam, war Hilde mit hochrotem Kopf.

»Der Akku war leer. Mein Pedalen-Porsche musste erst einmal an die Steckdose!«, rief sie Wendtal zu und stocherte in ihrer Hochsteckfrisur, als wäre sie ein junges blondes Mädchen, das den Chef um den Finger wickeln wollte.

Aber Hilde war weder jung noch blond, sie war fünfundachtzig, und ihre Haare waren längst ergraut. Ihr war klar, dass sie ihren Chef nicht mehr um den Finger wickeln musste, er hatte sie schon lange ins Herz geschlossen und würde der »ältesten und besten Praktikantin der Welt« alles verzeihen. Selbst wenn sie ihn mal nervte und fragte, warum er sich nicht endlich eine junge Praktikantin suche.

Er würde Hilde nie ersetzen. Er kannte sie so lange wie seine eigene Mutter. Als sein Vater am Tag seiner Geburt die Familie für immer verlassen hatte, war Hilde da gewesen und hatte geholfen. Sie war ab jenem Tag Wendtals Babysitterin gewesen, sein Vater- und manchmal auch Mutterersatz, sie war Kindermädchen und später Hausaufgabenhilfe und stets seelische Unterstützung gewesen. Wendtal liebte ihre ehrliche, direkte Art, ihren Humor.

»Die nimmt kein Blatt vor den Mund und kämpft mit offenem Visier«, hatte seine Mutter einmal gesagt.

Als Kind hatte er diesen Satz nicht verstanden. Auch nicht, warum die anderen Kinder »seine Hilde« mieden, sie »Hexe« oder »Wilde« nannten. Nur weil sie klein war und damals noch dunkelhaarig? Weil sie mit einer Zwille zurückschoss, wenn Jungs den Kirschbaum plünderten?

Wendtal wusste, er hatte ihr viel zu verdanken. Nicht nur seine Persönlichkeit, Ruhe und innere Stärke. Seine Mutter hatte ihm die Liebe zur Literatur in die Wiege gelebt. Hilde hatte ihm etwas gegeben, das über diese Liebe zur Literatur hinausging. Seine »besondere Fähigkeit«. Hilde war keine leidenschaftliche Leserin, sie besaß kaum Bücher. Wenn sie früher auf den kleinen Wendtal aufgepasst hatte, musste sie ihm immer vorlesen. Erst Jahre später begriff er, was ihn daran so begeistert hatte. Hilde las nicht ausschließlich die Wörter, die auf dem Papier standen, sie las die Wörter zwischen den Zeilen, sie erklärte die Bilder, die um den Text wie Feuerwerkskugeln aufblitzten, und sie malte selbst mit Händen und Füßen ein neues Feuerwerk in die Luft. Auch wenn er noch nicht lesen konnte, hatte es ihn zutiefst fasziniert und begeistert, und er hatte immer wieder die Bücher durchgeblättert. Steht das alles in unseren Büchern? Diese Frage hatte ihn angetrieben. Er wollte in den Texten mehr erkennen und die Geschichten und das Feuer, das Hilde ihm mit so viel Leidenschaft vorgetragen hatte, finden. Diese Faszination war der Grundstein für seine »besondere Fähigkeit«.

Aber irgendwann hatte Hilde aufgehört, im Hause der Wendtals zu arbeiten. Wendtals Mutter hatte sie von einem Tag auf den anderen rausgeworfen.

»Kind, das musst du verstehen, ich musste sie einfach rauswerfen. Hilde hat unsere Reserve geklaut«, hatte sie gesagt.

Die Reserve von zweihundert Euro hatte in den Büchern im Wohnzimmer versteckt gelegen. Die beiden Freundinnen sprachen seit diesem Vorfall nicht mehr miteinander. Auch als Wendtals Mutter das Geld plötzlich im Briefkasten vorgefunden hatte, war das für sie kein Grund gewesen, sich mit Hilde zu versöhnen. Denn ein Foto, das in einem der Bücher gesteckt hatte, fehlte weiterhin. Hilde stritt vehement ab, es je gehabt zu haben.

Wendtal wusste nicht, was auf dem Bild zu sehen war. Seine Mutter war der Frage danach, wie so vielen Fragen, ausgewichen. Nur einmal, als er sie gefragt hatte, ob »Papa auf dem verfluchten Foto« sei, hatte sie genervt geantwortet: »mit einem Bilderrahmen um den Hals.«

Wendtal hatte sich heimlich mit Hilde getroffen. Sie beteuerte, dass sie die Bücher »nur ausgeliehen« habe und von einem Foto nichts wisse.

Je älter er wurde, desto mehr bezweifelte er das. Ständig wechselte Hilde den Job. Sie hatte als Kassiererin in einem Supermarkt gearbeitet, in einer Konservenfabrik, beim Getränke Hoffmann im Lager, in einer dänischen Fischauktionshalle. Nie war sie länger als ein Jahr irgendwo tätig gewesen. Im Dorf hatte er einmal gehört, wie jemand sie »Elster« nannte. Und im Edeka in Neidfeld hatte sie angeblich sogar Hausverbot. In Wendtals Buchhandlung hatte die Elster nie stibitzt.

»Mit über fünfundvierzig Jahren sollte man nicht mehr allein leben. Und schon gar nicht, wenn man so sexy aussieht. Unsere weiblichen Kunden, also, wenn du mich fragst, die kommen nicht alle wegen deiner guten Bücher.« Das erwiderte Hilde, wenn Wendtal sich über ihr Alter oder ihre Unpünktlichkeit amüsierte.

Heute jedoch meckerte sie: »Der Akku reicht nicht mal den Berg hoch.«

»Es bleibt ein Drahtesel mit Hilfsmotor. Du musst auch mal treten und nicht immer Vollgas geben.«

»Denk an meine Hüfte.«

»Wenn du mit einem Rollator vor meinem Geschäft parkst, schicke ich dich in den Ruhestand.«

Er nahm ein Buch aus dem Schaufenster. Hilde hatte Der einzige Ort2, einen historischen Roman über eine Reise nach Timbuktu, gestern dort platziert. Er befreite ihn von der Schutzfolie und verriet, warum er ihn großartig fand.

»Das sollen meine Kunden lesen.« Er schlug Seite zweihundertachtundneunzig auf und tippte mit dem Finger auf einen Satz. »Es ist exakt diese Stelle. Die Zeilen heben das Außergewöhnliche der Geschichte hervor. Es wurde bisher in keiner einzigen Rezension erwähnt, ohne diese Szene ist das Buch aber für mich wertlos.«

Hilde lächelte ihn an, sie mochte seine unabdingliche Begeisterung für Bücher.

»Ich werde es lesen«, schwindelte sie.

Er griente wie ein kleiner Junge, der sich gegenüber seinen Eltern durchgesetzt hatte, und knickte ein großes Eselsohr in die Seite.

Da keine Kunden im Geschäft waren, sich auch kein Ansturm ankündigte, den Hilde nicht bewältigen konnte, verschwand er ins Büro. Sie hatten selten viele Kunden an einem Tag, trotzdem kostete ihn der Job als Buchhändler viel Energie und Zeit. Es waren nicht nur die Kundengespräche, das Bestellen und Sortieren von Büchern und die Buchführung und das Reinigen der Verkaufsflächen, nein, für Wendtal war es viel mehr. Er nahm jede einzelne Tätigkeit ernst und hatte das Ziel, für jeden Kunden das »optimale Buch« zu finden. Auch für die Kunden, die die Buchhandlung betraten, ohne zu wissen, welches Buch ihnen bisher gefehlt hatte. Er wusste, was seine Kunden wirklich suchten. Dabei hatte er das Gefühl, selbst unentwegt auf der Suche nach dem richtigen Buch zu sein.

Seine Stammkunden freuten sich, wenn sie einen hässlichen Knick oder eine kleine Notiz in den Büchern entdeckten. Sie würden es nie reklamieren, für sie waren es Zeichen, die Wendtal gesetzt hatte, um die Leser auf die Besonderheiten des Buches hinzuweisen, auf den entscheidenden Satz oder auf eine Szene, die die Handlung auf den Kopf stellte. Wenn die Kunden ihn darauf ansprachen, passierte es nicht selten, dass er sogar abstritt, dass die Hinweise von ihm stammen könnten.

Aber nach einem Zwölf-Stunden-Arbeitstag war Wendtal immer müde und glücklich zugleich. Auf dem Schreibtisch stapelten sich neben Büchern, Verlagsvorschauen und Bestellscheinen auch Manuskripte und Leseproben. Diese Texte waren seine zweite große Leidenschaft. Er versuchte, die wenigen freien Zeiträume, die er hatte, dafür zu nutzen. Am liebsten würde er stundenlang daran arbeiten, in den Zeilen versinken, immer auf der Suche nach Lösungen und Verbesserungen. Autoren liebten und schätzten ihn dafür. Denn er hatte viele Geschichten gerettet. Er hatte den schlimmsten Serienkillern zu einem für alle Beteiligten versöhnlichen Ende verholfen. Er hatte Liebespaare auseinandergerissen, sie wieder zusammengebracht, um sie schließlich in einem Rosenkrieg untergehen zu lassen. Er hatte Romanhelden für den Gewinn ihrer Schlachten oder für das Erreichen ihrer Lebensträume die entscheidenden Sätze in den Mund gelegt. Er hatte aus nichtssagenden Protagonisten Figuren gemacht, die nichts und alles und nebenbei die Geschichte von Generationen erzählten. Zumindest behaupteten das Literaturkritiker. Wendtals Namen kannten die wenigsten. Und er hatte viele Namen. Er war der Buchhändler Herr Wendtal, Freunde und Stammkunden nannten ihn Moritz, für alte Schulkameraden blieb er »Der Thaler«, und Katja, seine Ex, hatte ihn »Mein Mojo« genannt. Und sicher würde auf seinem ersten, garantiert letzten und möglicherweise sogar posthum veröffentlichten Werk ein für viele fremder Name stehen.

Er blätterte durch eine Sammlung von Zitaten, die er sich für schlechte Tage notiert hatte. Jedes einzelne wäre gut genug gewesen, um es tonangebend seinem eigenen Werk voranzustellen. Er hatte sich aber früh entschieden, sein Buch, wenn er es jemals vollenden würde, mit einer leeren Seite zu beginnen. Doch wer Wendtal kannte, der wusste, selbst ein weißes Blatt Papier war in seinen Augen niemals leer.

Er las ausschließlich analog. Vermerke und Korrekturen schrieb er seit Jahren mit einem Bleistift der Marke Diplomat auf das Papier. Seine Anmerkungen waren jedoch selten diplomatisch, sondern meist schonungslos ehrlich und konstruktiv. Wenn jemand also hoffte, dass Wendtal einen Blick auf sein neues Projekt warf, musste er sich auch die Mühe machen, den Text auszudrucken und zur Post zu bringen.

Und es gab viele, die auf seine Einschätzung hofften. Der Internetblog »Wendtals Werkstatt«, den er vor über fünfzehn Jahren ins Leben gerufen hatte, machte ihn zur Anlaufstelle für Schreibende. Auf dem Blog fand man Rezensionen, Tipps gegen Schreibblockaden und »Neuigkeiten aus den Werkstätten der Autoren«. Doch die spannenden Literaturgespräche fanden nicht online statt. Autoren schickten Wendtal Entwürfe, unter ihnen auch erfahrene Schriftsteller, sogar Bestsellerautoren und Träger bedeutender Literaturpreise, denn der Erfolg schützte Autoren nicht vor Selbstzweifel und Schreibkrisen.

Alle waren überzeugt, dass er in Texten mehr sah als jeder andere. Wo die Autoren eine gescheiterte Geschichte sahen, fand er die wichtigen Themen und Figuren, die niemand beachtete, die jedoch einiges zu erzählen hatten. Er hatte ein Gespür für die falschen Fährten und wusste, wo er die fehlenden roten Fäden einfädeln musste und wie man aus einem vorhersehbaren Plot ein überraschendes Ende zauberte. Er konnte aus einem schwachen Text etwas Besonderes – eine Autorin behauptete sogar »etwas Magisches« – machen.

Gleichzeitig hatte Wendtal das Selbstbewusstsein und die Akzeptanz, seine Meinung klar äußern zu können, und wenn er glaubte, dem Autor eines hochgelobten Meisterwerks aufzeigen zu müssen, dass das neue Projekt in Wahrheit eine Katastrophe war, tat er das. Das passierte jedoch nie öffentlich. Denn so wie ein guter Psychologe die Schweigepflicht nicht verletzen würde, verriet er nichts von dem, was ihm Autoren anvertrauten. Niemand wusste, welche Bücher ohne seine Hilfe nie das Licht der Literaturwelt erblickt hätten.

Er schob den Laptop näher zu sich heran. Zu viele Mails warteten auf ihn. Er löschte die unwichtigen und leitete die Bestellungen in den Ordner »Hilde Support« weiter.

Übrig blieb eine Mail, die schon seit Tagen auf eine Reaktion wartete. Der Flüchtling und die Biedermänner stand in der Betreffzeile.

Wolf Willet war vor Jahren mit Der Treppenhausmann der Durchbruch als Romanautor gelungen. Wendtal war daran nicht völlig unbeteiligt gewesen. Nun verzweifelte er am Vorhaben seines Freundes. Warum auch noch ein Theaterstück? Eine Adaption von Max Frischs Meisterwerk Biedermann und die Brandstifter3. Zudem eine miserable, wie Wendtal fand, was er Wolf auch schon zweimal mitgeteilt hatte. Nicht durch die Blume, das war nicht seine Art, nein, er hatte es ihm direkt ins Gesicht gesagt.

»Mit diesem Kitsch setzt du deinen guten Namen als Romancier aufs Spiel. Die Leute werden die Intention nicht verstehen. Du wirst dich lächerlich machen.«

Aber Willet gab nicht auf und bat Wendtal unermüdlich, »einen Blick auf das waghalsige und so wichtige Projekt zu werfen«.

Wendtal mochte Max Frischs Brandstifter, die Ambivalenz zwischen dem, was der Leser erwartete, und dem, was die Figuren aus dieser Erwartung machten. Er wollte eine weitere Antwort formulieren, die es gut mit Wolf meinte und unwiderruflich klang.

Aus dem Verkaufsraum ertönte das Glockenspiel über der Eingangstür. Der erste Kunde des Tages. An der Art, wie Hilde ihn begrüßte, wusste Wendtal, wer den Laden betreten hatte. Es war nicht ihr freundliches »Moin, moin«, auch nicht ihr seriöses »Moin, moin«, es war unüberhörbar ihr genervtes »Ach, moin«.

Wendtal fragte sich, was Heinrich Uhlen um diese Uhrzeit schon hier wollte? Heinrich musste um acht Uhr seinen Sohn mit dem Streifenwagen in die Kita fahren, danach kaufte er jeden Tag bei Ralle eine Tageszeitung und holte anschließend die vorbestellten Franzbrötchen in der Bäckerei Küstenkorn ab. Erst nach einer Kontrollrunde um den Dorfplatz im Schneckentempo (um Benzin zu sparen und Kaffeeflecken zu vermeiden) gönnte er sich den zweiten Kaffee des Tages in Wendtals Buchhandlung.

»Ich habe noch keine Kanne aufgesetzt«, rief Wendtal aus dem Büro.

Heinrich stand vor der Kasse und diskutierte mit Hilde. Die Polizeiuniform betonte heute seine unsportliche Figur noch deutlicher als sonst, was Hilde ihm offenkundig auch schon gesagt hatte.

»Als alleinerziehender Vater hat man keine Zeit für Sport«, erwiderte Heinrich.

»Dein Sohn Ulric spielt doch Fußball.«

Wendtal stellte sich zwischen die beiden. »Was machst du denn schon hier?«

»Habt ihr es noch nicht gehört?« Heinrich schob die Polizeimütze, die viel zu klein für den schwarz-grauen Lockenkopf war, ein Stück nach oben.

»Was meinst du? Dass Ralle keinen Tabak mehr raucht?« Hilde zog übertrieben laut Luft durch die Nase ein und stieß sie wieder aus.

»Was Ralle raucht, interessiert mich nicht. Habt ihr noch nicht gehört, was beim Brixmeister los war?« Heinrich wartete nicht auf eine Antwort und verriet, dass beim Brixmeister gestern Nacht eingebrochen worden war.

»Was ist denn da zu holen? So wie die Landwirte über den trockenen Sommer gejammert haben, nagen die doch alle am Hungertuch.« Hilde strich mit der flachen Hand über ihre Bluse, an der ein Button steckte. Eigentlich müssten überall stecknadelgroße Einstiche zu sehen sein. Sie hatte einen einzigen Anstecker, den sie seit über fünfundzwanzig Jahren abwechselnd durch jedes Kleidungsstück stach. Ich mache keine Fehler, ich erschaffe Katastrophen, stand darauf.

»Brixmeister meint, dass die gar nichts geklaut haben«, sagte Heinrich. »Aber ich habe das Wohnzimmer ja gesehen. Die Jungs sind da wie Wildschweine durchmarschiert.«

»Die Jungs?« Wendtal ging zu dem Regal Verbrechen unserer Gesellschaft. Er legte den Kopf schräg, um gezielt ein schlankes Buch aus dem Regal zu ziehen.

»Na, Jungs halt.« Heinrich zuckte mit den Schultern.

»Ihr glaubt, dass die Jugendlichen vom Dorfplatz etwas damit zu tun haben?« Hilde deutete mit der Hand hinter sich zu den Fenstern. »Die sind harmlos, das sind fast noch Kinder. Waren wir nicht alle mal rebellisch unterwegs? Aber wir waren doch keine Kriminellen.« Sie trat einen Schritt zurück. »Okay, einige werden als ständige Vertreter vom Sheriff geboren.«

Heinrich verzog das Gesicht und straffte die Uniform, was erneut unterstrich, wie unpassend der Schnitt für ihn war.

»Wir haben noch keine Spur, es ist nur …« Er brach ab und drehte sich zu Wendtal, nahm sein privates Handy aus der Dienstjacke und tippte darauf herum. »Wenn ihr das gesehen hättet. Wer da eingebrochen ist, meint es ernst oder ist total verrückt. Wer weiß, wozu die noch fähig sind.«

Er zeigte erst Wendtal das Foto, und nachdem Hilde beleidigt vor sich hin gebrummt hatte, drehte er das Display auch zu ihr.

»Ist das Blut?«, fragte sie.

»Noch ist es Tomatensaft. Der Irre hat die Konserve mit einem Jagdmesser in den Wohnzimmerschrank gerammt. Mit einem Jagdmesser.« Heinrich deutete mit beiden Händen die Länge der Klinge an.

»Was soll diese Schweinerei?«

»Hilde! Das ist ein Zeichen. Dieses Mal waren es Tomatensaft und eine Konserve. Beim nächsten Mal ist es Blut und …« Heinrich neigte den Kopf zur Seite und streckte die Zunge heraus, als würde er an einem Strick hängen.

»Du spinnst«, sagte Hilde, ohne restlos überzeugt zu klingen.

»Ich kenne Krimis, die so beginnen und nicht lustig enden«, behauptete Wendtal.

»Irgendeinen Verdacht müsst ihr doch haben.« Hilde tänzelte ungeduldig vor Heinrich hin und her.

»Zum jetzigen Zeitpunkt darf ich …«

»Hör auf mit deinen Fernsehdialogen«, unterbrach Hilde ihn.

Er wandte sich von ihr ab, was nicht leicht war, da sie aufgeregt durch den Laden hampelte.

»Das kauft doch eh keiner.« Er tippte auf das Buch in Wendtals Hand.

»Das versuche ich einem guten Freund auch gerade zu erklären.« Wendtal blätterte in Biedermann und die Brandstifter, das seit über zwei Jahren im Laden auf einen Kunden wartete. Auf Seite elf befand sich ein großes Eselsohr. Wendtal überflog einige Zeilen und freute sich über die eingekreisten Sätze, die aus seiner Sicht für den Text unverzichtbar waren.

»So, wenn der Kaffee noch nicht durch ist …« Heinrich schaute auf seine Armbanduhr. »Die Ermittlungen warten nicht.«

Hilde ging nach hinten in die Küche. Heinrich presste die Lippen aufeinander. Die Männer sahen sich fragend an. Heinrich suchte nach den richtigen Worten, um Wendtal einen Kurzbericht der Ermittlungen mitzuteilen. Er redete zunächst von Zimmermann, der ihn nervte, und von Ulric, der vor Tagen wegen einer Überdosis Zimtschnecken in den Streifenwagen gekotzt hatte.

Als er endlich den ersten Satz über die Ermittlungen aussprechen wollte, betrat Hilde wieder den Verkaufsraum, in den Händen ein Tablett, auf dem drei Kaffeebecher standen. Heinrich nahm einen Becher, zog aus der Jackeninnentasche eine Thermoskanne und füllte den dampfenden Kaffee um.

»Wie gesagt, die Ermittlungen warten nicht.«

Das kümmert dich doch sonst auch nicht, dachte Wendtal.